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Etetzeuer Anzeiger (Eensral-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 2. Januar 1926
Ur. 1 Drittes Blatt
Rätsel-Ecke
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Unser Inventur«Ausverkauf
beginnt am Montag, den 4. Januar, 9 Uhr Vorm.
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Die Buchstaben in vorstehender Figur zu ordnen, daß die senkrechten Reihen
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Ohne Rücksicht auf die früheren Verkaufspreise gelangen unsere gesamten Bestände der Herbst- u. Winter-Saison, Mäntel, Kostüme, seidene u, wollene Kleider etc., sowie noch die Restbestände der letzten Frühjahrs-Saison zu unten verzeichneten Einheitsserien zum Verkauf. Es handelt sich, wir bemerken dieses ausdrücklich, um schöne mod. Ware in nur gut. Qualitäten.
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Welchen Beruf bat die Same?
Tclcgramrnrätscl.
Madame T, eine Reparationsgewinnlerin. mit besonders vornehmen Prätentionen: „Wissen Sie, lieber Freund, wenn die Vorfahren meines Mannes nicht an den Kreuzzügen teilgenommen haben, so geschah es deswegen, weil sie alle Protestanten waren."
Setze die Buchstaben zu vier Wörtern zu- saimnen, die wage- und senkrecht gelesen gleichlauten und folgende Bedeutung haben: 1. Musikwerk, 2. türkische Stadt, 3. griechischer Gott, 4. Ruhepause.
lie-en. — Ein kluger Mann war 3ohann Over» - 3d) kam auf diese W?ise nach Italien.
Verstcckrätscl.
3n jedem der nachstehenden Sätze ist der Rame einer Stadt versteckt. Die Anfangsvuch- staden dec ge.undenen Städtenamcn nennen eine weitere Stadt:
Es ist der Wunsch des Königs, Bergbau zu fördern. Dieser alte Rame flöhte ihm Respekt ein. — War das nicht der Tenor, der die Arie sang? — Darüber sind sid) die Gelehrten noch nicht einig. — Rimm, wenn die Feder gerostet. Tintenstift. — Der Turm bot einen reid;cn Ausblick. — König Saul muhte die Schlacht ver-
zeid)nen:
1. Männername. 2. französischer Hafen, 3. Secgewächs, 4. militärische Bezeichnung, 5. Himmelskörper, 6. Fürstentitel. 7. Gartenzierde, 8. geometriso - Figur, 9. chemisches Produtt, — Die mittlere u a gerechte Reihe nennt eine bekannte Wochenschrift.
Manisches £j:'brnt.
Signe Peranoner
Hof
3nselgruppe im 3ndischen Ozean.
Airhncirrärscl.
Mk. 19.50 29.50 39.— 49.— 59.— 69.— 79.— 89.— 98.—
nicht sehen will und vielleicht nicht sehen kann: Regungslos und geduldig harrt die Zeit hinter seinem Throne, harrt der Stunde, wo sie den Uebermenschen vor ihr nur leise zu berühren braucht wie Wotan den Sterblichen: Geh!
Unheimlich, man kann nicht anders sagen, stürmte der Faszismus in dem abgelaufenen Jahre vor. Bor zwölf Monaten kam ein demokratischer Politiker aus Berlin nach Rom, suchte den Führr der Opposition auf, den schon siegessicheren Nachfolger Mussolinis, und bekam prompt bescheinigt, der Duce werde den Jahreswechsel nicht überleben. Tags darauf stand es in der Zeitung. Zwei Tage später leitete Mussolini mit seiner revolutionären Rede vor der Kammer jene „zweite Well e" ein, die alle dem faszistischen Strom entgegenge- worfenen Hindernisse einfach niederrih. Und dieses Wegschwemmen dauerte bis in den Herbst, bis zum Beginn der „dritten Welle", der legislativen, die auch die Fundamente der Verfassung heraus- spülte. In die Leere hinein soll nun, Kühnheit kann man dem Gedanken nicht absprechen, etwas durchaus Neues gebaut werden: der faszistische Staat.
Unter dem Gesichtswinkel eines parlamentarischen Staates betrachtet, hat also Italien ebenso gründlich wie Rußland die alte Haut abgestreift. Es gibt keine Gegensätze der Parteien mehr, weil es nur noch eine Partei gibt. Ein schüchterner Versuch des Bruders Mussolinis, der den „Popolo d'Jtalia" leitet, eine beschränkte Opposition wenigstens als Folie zu dulden, wurde von F a r i n a c c i, dem Vizeduce, im Keime erstickt. Es gibt keinen Presse st reit mehr, weil es nur noch eine faszistische Presse gibt. Es gibt keine sozialen Kämpfe mehr, weil es nur noch eine faszistische Arbeitnehmer- und eine faszistische Arbeitgeberorganisation gibt. Es gibt keinen Parlamentarismus mehr, weil es nur noch eine faszistische Kammer gibt. Kein Mißtrauensvotum mehr, weil der Ministerpräsident die Befugnisse eines nur der Krone verantwortlichen Kanzlers hat. Die Frage erübrigt sich, ob es noch ein Königtum gibt.
Alles ist faszistisch geworden, sogar die Freiheit. Das heißt, niemand darf und kann sich gegen das Liktorenbündel auflchnen, im Rahmen des Faszis- mus selber aber genießt der Staatsgläubige mehr Rechte als bisher. Die Folge ist naturgemäß ein riesiger Zulauf zur großen Krippe, alles geht mit fliegenden Fahnen, wenn nicht zum Kampffaszio, so
wird cs dauern, daß sie auch schwarze Arbeiter nach Frankreich führen werden.
Die Rettung aus all dieser Not wird nicht nationaler llebercijer, sondern nur Zusammenschluß und redliche Zusammenarbeit der europäischen Völker bringen, vor allem der mittel - und s ü d o st e u r o p ä i s ch e n , die aufeinander unbedingt angewiesen sind. Europa vom Rhein bis an die untere Donau ist ein großes sich ergänzendes Wirtschaftsgebiet. Rhein und Donau haben jederzeit eine große Bölterftraße gebildet. Seit die Römer einen großen Teil dieses Gebietes unter ihrer Herrschaft geeinigt haben, sind diese Bestrebungen immer wiederholt worden. Alle Völker, die sich hier niedergelassen haben, versuchten diese durch die Natur aufeinander angewiesenen Gebiete unter ihrer Herrschaft zu einigen. Am besten ist das den alten deutschen Kaisern gelungen, die sich als Nachfolger der römischen fühlten und ein übernationales Reich beherrschten. Es sei hier gleich bemerkt, daß eine Rückkehr zu einem solchen Reiche unmöglich, ja nicht einmal zu wünschen ist. Aber es ist doch klar, daß dieses alte Reich für frühere Zeiten allen Völkern Nutzen gebracht hat. Nur durd; diese Zusammenfassung sind die kleineren, heute in Mittel- und Südosteuropa lebenden Völker erhalten worden und können ihr nationales Dasein führen. Wenn- Deutschland (mit Oesterreich) die Macht der Türken und Russen nicht gebrochen hatte, so wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Die Befreiung der Völker uno ihre nationale Wiedergeburt ist mit deutscher Hilfe erfolgt. 11 nb niemand wird leugnen können, daß dieser politische und tuLturelle Einfluß bis in die Bukowina den Völkern viel Nutzen brachte. In dem großen, zusammenhängenden, sick)'ergänzenden Gebiete konnte auch die wirt- schaftlilhe Entwicklung erfreuliche Fortschritte machen, Galizien hat sich ganz anders entwickelt als Russtsch- polen, die Bukowina viel glücklicher als die Moldau und Rumänien, die zur Donaumonarchie gehörenden Südslawen rofdjer als die unter türkischer Herrschaft lange verbliebenen.
Das wird nun hier nicht gesagt, um daraus ein Vorrecht der Deutschen zu folgern. Es soll nur erinnern, daß es tatsächlich eine mittel- und südeuropäische Interessen- und Kul- I u » g e m e i n s ch a s t gibt, die für alle nützlich ist. Sie zu beleben und zu uerinnigen, das muh das
Den Weg dazu haben die alten Großdeulsck)en von 1848 schon gewiesen. Sie wollten nicht nur den national deutschen Staat, den die heutigen Groß- deutschen ansireben, sondern darüber hinaus einen großen mitteleuropäischen Staat. Und zur Beruhigung aller Nichtdeutschen fei gleich scharf betont, daß sie innerhalb dieses Staates die nationalen Forderungen der anderen Völker anerkennen wollten, daß sie ihnen Selbstverwaltung und Selbstbestimmung zusprachen. Sie haben daher die zentralistische Staatsform verworfen und den F ö d e roll s m u s als einzig mögliche bezeichnet. Hören wir, was einer dieser Großdeutschen, der Oesterreicher Giskra, in der Frankfurter Nationalversammlung ausgeführt hat:
Das mitteleuropäische Reich ist unbedingt notwendig. Da nun Oesterreich mit seinen undeutschen Ländern in den deutschen Bundesstaat nicht aufgenommen werden kann, so soll Deutschösterreich in dem deutschen Bundesstaate bleiben (also das von uns jetzt angestrebte Ganzdeutschland erstehen) und die anderen österreichischen Länder zum ganzen Deutschland in einen Staatenbund treten. Oesterreich selbst soll auch ein Föderativstaat sein, es soll aus den Staaten der einzelnen Völker bestehen (diese bestehen schon). Das entspricht der nationalen Unabhängigkeit der Stämme. Im inneren Staatsleben kann jedes Land seine Zwecke verfolgen: die äußeren und gemeinsamen Angelegenheiten werden aber gemeinsam geordnet. Die einzelnen Staaten können nach ihrer Wahl monarchisch ober republikanisch sein. Die Spitze müßte eine Körperschaft bilden.
Damit ist der klarste Weg zum Wiederaufbau Mittel-Südeuropas gezeichnet. Zunächst A n s ch l u ß Oesterreichs an ein föderalistisches Deutschland. Dann »derben bie anberen Staaten unter dem Drang der NdHund angesichts der ihnen fidjeren Vorteile den Anstaluß suchen. Dieser Staatenbund wird ein sich genügendes Wirtschaftsgebiet bilden. Er wird keine aggresiven Tendenzen haben, sondern zum Sck)utz Europas dienen. Es kommt die Zeit, wo Westeuropa das nicht nur dulden, sondern wird begrüßen müssen. Was hier gesagt wurde, beruht auf der Notwendigkeit der geographischen und geschichtlichen Entwicklung. Es ist kein Phantasiegebilde. Dieses Mitteleuropa bestand, wurde immer wieder cmge- ftrebt und m u ß wieder kommen. Man hat zur rechten Zeit es nicht in die entsprechende Form gegossen, drum besteht es nicht. Es wird kommen, wenn bie Vernunft siegt. Unb zur Vernunft wird die Not treiben.
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedakttonSrisch.
Pariser Humor.
Eine französische Romanschriftstellerin reicht eines Tages 3ulcs Janin ihren neuesten Roman zur Begutachtung ein. Dec berühmte Kritiker schickt sich tatsächlich an, das Manuskript Zeile für Zeile durchzuarbeiten, bis er zu einem Dialog zwischen zwei Liebenden kommt, die sich, 33 Seiten lang, tief im Park versteckt, ihre Liebe gestehen.
Das hält 3anin doch nicht aus, er schickt den Roman der Verfasserin mit folgenden Worten zurück: „Gnädige Fran, bitte treffen Sie mich doch morgen abend an der Stelle im Bois de Boulogne, um 3hnen zu beweisen, daß Sie wirklich nicht so lange zu reden brauchen, um uns zu verständigen."
Slibcnrätscl.
all — 6a — beel — berg — blis — bu — bub — cha — de — disch — do — do — do — el — eu — ga — garn — gat — gäu —
in — Io — le — matt — mei) — mo — na
— nau — ne — ni — ni — ny — o — pard —
Phro — ra — re — ren — row — sa — se — si
— la — ters — ti — tis — tri — u — un — un — wa — war — ze — zer.
Aus diesen 53 Silben sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nad) unten gelesen, ein Zitat aus Faust ergeben; ch gilt als ein Buchstabe.
Die Wörter bezeichnen:
1. Fluß, 2. Land, 3. Gestalt der griechischen Mythologie, 4. Raubtier, 5. bayerische Landschaft, 6. russischer Staatsmann, 7. Automarke, 8. Teegerät, 9. Kirchensonntag, 10. Ort in der Schweiz, 11. Berg in Bayer'.', 12. Ständchen, 13. französischer Wein, 14. Sprache, 15. sagenhaftes Goldmnd, 16. Teufel. 17. wewücher Rame,
Schlüssel.
--- - Edelstein Rätselart Monat
-• Hunderasse
• • Himmelsrichtung
Wiederaufbau Mitteleuropas.
Von Universitätsprofessor R. F. K a i n d l (Graz).
Es gibt niemand, der die gegenwärtigen Verhältnisse in Mittel- und Südosteuropa günstig beurteilen würde. Wie war es doch in jener Zeit, da man ohne Paß von Hamburg bis tief in die Karpathen reifen konnte; da man aus Czernowilfch am Pruth bis Hamburg für fünf Heller eine Postkarte geschickt hat! Heute nichts als Unbequemlichkeit in Verkehr, Handel und Wandet überall. In Deutschland und Deutsch- österreich die größte Not, im Südosten außer der Not auch noch völlige Rechtsunsicherheit und Schwinden von Treu und Glauben im öffentlichen und privaten Leben. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind überall drückend, die politischen unsicher, die kulturellen leiden fürchterlich.
Aber freilich, dafür sind nationale Errungenschaften aufzuweisen! Und mit diesen tröstet man sich. Diese will niemand opfern, um die früheren Vorteile zu erlangen. Sehr wohl! Wer selbst völkisch denkt, wird das verstehen. Aber es entsteht die Frage, ob diese völkischen Errungenschaften sick) werden halten können, ob sie weiter ausgebaut werden können? Wird das in der immer mehr herein- brechenden Not möglich fein? Werden bie Völker Sübeuropas für den Ausbau ihrer kulturellen Anstalten aufkommen können? Man denke nur an die Beschaffenheit gewisser Universitäten im Südosten schon heute! Die Balkanisierung, die überall um sich greift, ist eine Vorstufe der Bolsche- w i f i e r u n g. Was wird geschehen, wenn die Bol- schewisierung weiter fortschreitet? Kann man die Verhältnisse in Rußland als wünschenswerte nationale Errungenschaften bezeichnen? Unb was gibt bie Sicherheit, daß diese Entwicklung vor den erschütterten Staaten des Ostens und Südostens halt macht? Dann werden die heutigen Errungenschaften der nationalen Staaten von der bolschewistischen Dampfwalze zu einem gleichartigen Brei zerdrückt werden. Sprunghaft hat die vernichtende Kraft der bolschewistischen Bewegung nad) Ungarn, München und Berlin gegriffen; ihr Gift ist rasch überwunden worden, weil'die Verhältnisse dort noch gesund waren. Was im Sommer in Sofia geschah, zeigt die wieder sich nahende Gefahr. Unb bie Staaten im Sübosten finb leiber schon gar sehr für ben Bolschewismus vorbereitet. So naht bie vernichtende Sturmwelle immer gefahrbrohenber, wenn bie Verhältnisse nicht helfe i werben.
Unb hinter Rußland steht die gelbe Gefahr. Sie ist nicht neu. Wiederholt ist Europa in früheren Jahrhunderten von asiatischen Völkern überschwemmt und auf das härteste heimgesucht worden. Hunnen, Awaren, Madjaren, Mongolen und Türken haben über uns schreckliche Not gebracht. Unb jetzt bereitet sich ein neuer Sturm vor. Wiederholt ist vor einigen Monaten darauf verwiesen worden, daß jetzt auch das bolschewistische Rußland in den asiatischen Staaten wühlt. Welch ungeheure Gefahr sich für uns vorbereitet, wird erst klar, wenn wir bedenken, daß die Chinesen allein 400 Millionen zählen, also soviel als alle Europäer zusammen! Dazu kommt aber, daß die Europäer infolge der Einschränkung der Geburten stetig abnehmen, während von einer solchen Erscheinung im Osten nichts zu bemerken ist.
Und zu der gelben Gefahr ist die schwarze gekommen. Wenn vor etwa zwei Jayren eine afrikanische Eingeborenenzeitung erklärt hat, daß der nächste Krieg ein Aursrottungskrieg der Europäer fein wird, denn Europa sei unfruchtbar und erledigt, so mag das von vielen als bedeutungslose Drohung angesehen worden fein. Aber inzwischen find Nachrichten aus Amerika gekommen, die der Sache ein anderes Aussehen geben. In Amerika werden die Führer für Afrika heran - gebildet, dort gibt es eine weit ausgebreitete Organisation der Neger. Sie haben Schulen aller Art, selbst Universitäten. Es gibt verschiedene Neger- genossenschaften, die Hotels, Konsumvereine, Bau- gesellschaften ins Leben rufen. Man ersieht daraus, daß die amerikanischen Neger alle Eigenschaften besitzen, um den afrikanischen Völkern das nötige Führermaterial zur Verfügung zu stellen, und es werden Führer fein, bie ben Druck, der auf ben Negern gelastet hat, gehörig als Agitationsmaterial benützen werden. Unb dazu sind die Neger Amerikas entschlossen. Im Sommer 1924 fand in Neuyork ein Negerkongrcß statt, auf dem ihr Führer Gar - w e X) erklärte, daß ein freies 2tfrifa als Negerstaat errichtet werden müßte. „Unser Gott ist schwarz, weiß ist der Teufel. Wir gingen für fremdes Interesse in den Tod und starben als Helden in Flandern, warum sollen wir uns nicht befreien können? Wir wollen unbedingt einen Staat haben, der eine Großmacht sein wird. Wir wollen unser Afrika reinigen von den bankerotten Europäern, die unseren Boden für die Kolonien genommen haben." Unb so bereitet sich in allen Koloniallänbern der Sturm gegen Europa vor.
Es wäre töricht, diese Gefahr zu unterschätzen. Eine andere drückt uns schon gehörig. Das sind die ungeheuren ü b e r f e e i f d) e n Wirtschaftsgebiete, denen unsere kleinen und kleinsten nicht gewachsen sind. Im Frühling 1925 sollen die amerikanischen Getreidehändler den südslawischen Dinar in die Höhe getrieben haben, um den Südslawen den Absatz ihres Getreides unmöglid) zu Machen. Es ist gar nicht abzusehen, wohin solche Vorgänge führen können. Aber auch abgesehen davon, verarmen die seit 1918 voneinander gerissenen Gebiete immer mehr. Wie sollen sie sich da national weiterentwickeln? Unb wird diese Verarmung nicht nod) zu weiterer Kinderbeschränkung führen, die angesichts der anwachsenden Zahl der Nichteuropäer katastrophal werden muß! Die Franzosen haben es schon mit schwarzen Soldaten versucht. Wie lange
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Von unserem römischen ^-Korrespondenten.
„Im Jahre III" — so datierte Mussolini in diesem Jahre des saszistischon Heils seine Erlasse. Sapientt sat. Dem Wissenden genügt’s, er sieht, wie die Zeiger stehen auf dem Zifferblatt des Manometers, das unter dem Drucke einer gewaltigen, in ihren Umrissen erkenntlichen, in ihrer Wirkung und Lebensdauer aber noch nicht abschätzbaren Entwicklung steht. Wüßten wir nicht und wüßten wir nicht insbesondere aus der Geschichte der mit Naturschönheiten ebenso verschwenderisch bedachten, wie von menschlichen Leidenschaften heimgesuchten Halbinsel, daß der kulturelle Fortschritt wie der politische Verlauf eines Volkes sick) nicht etwa in einer geraden Linie, einer Kurve oder Ellipse bewegt, sondern in
einer Wellenlinie, so könnte man verzweifeln an der kulturellen Mission Italiens und der unheimlich steile Aufstieg auf politischem Gebiet in diesem Jahre müßte beinahe erschrecken. Wie jenen Gast schreckte bie Glückeshöhe bes Polykrates.
Noch keinen sah ich glücklich enden . . . Auch dem Faszismus wird einmal vor feiner Gottähnlich- Eeit bange werden, auch ein Mussolini wird seine Stunden der Einkehr haben, wo sein starr auf bie Macht des altrömischen Imperiums gerichteter Blick abschweift in die nüchterne Gegenwart mit ihrem Menetekel der Kriegsergednisfe. Ein Vergleich des Jahres 1900 mit dein heute zu Ende gehenden liegt gerade in Rom, wo der Papst mit tiefer Symbolik bie Porta Santa für ein scheinbar langes, in Wirklichkeit hauchflüchtiges Jahrhundert vermauerte, nahe. Wie sah damals die Welt aus, wie heute? Wie wird es sein, wenn bie Tür ber Petsrskirche wieder aufgebrochen wird? Vielleicht wird bann bereits Mussolini ein Denkmal haben, auf baß man ihn nicht vergesse . . .
Auch ber Revvlverhelb von Serajewo hat eines von seinem bankbaren serbischen Daterlanb erhalten, denn wer wüßte sonst noch, wie ber Mann geheißen hat? Gewiß, Mussolini ist aus anberem Stein gehauen, er ist ein wirklich großer Mann, bas sollten auch, seine Feinde nicht leugnen, aber größer als Menschenwert ist bie Vergänglichkeit. Um nicht von den Thronen östlich des Rheins zu sprechen, von den scheinbar Mächtigen, bie untergingen im Strubel weniger Monate, was ist aus ben wahrhaft Mächtigen geworben in ben paar Jährlein bes Nachkrieges? Wer spricht noch von bem unerbittlichen Tiger Clemenceau? Was wurde aus dem Weltenschiedsrichter, ber eine Zeitlang eine autokratische Gewalt in seiner Hanb vereinigte, wie sie seit Tiberius die Welt ncht mehr sah, ja, was wurde aus dem Manne, auf dessen schon halbwahnes Haupt sich, ein Karnevalsscherz der Weltgeschichte, der Friedensnobelpreis wie eine Schellenkappe niederließ? Unb the man, who wun the war? Lloyb George macht augenblicklich — auch bas eine feine Ironie —, archäologische Studien im römischen Gerümpel.
So steht jetzt auch, einen rätselhaft geborenen Augenblick lang, der meistgenannte Mann unserer Tage auf seines Daches Zinnen unb schaut mit vergnügten Sinnen auf das beherrschte Italien hin: Dies alles ist mir untertänig! Alle seine Gegner liegen im Staub, nur einer nicht. Einer, den er
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