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schafMchster Gesinnung für Oesterreich und sein Staatsoberhaupt. Möge das Jahr 1926 für Ihr Land ein Jahr der Kräftigung und weiteren Auf­stiegs werden."

Glückwünsche deutscher Staatsmänner.

Reichsautzenminister Dr. Stresemann:

Der preußische Staat hatte für seine deutsche Geschichte viel ungünstigere Voröed.ngungen als viele andere Länder. Er hat sich zu der Groh- machtstcllung. die er errungen hat, int wahren Sinne des Wortes emporgehungert. Nach dem furchtbaren Rückschlag, den Preußen- Deutsch land durch den Verlust des Krieges und die Revolution erlitten hat, bleibt nichts anderes übrig, als von vorn a n z tl f a n g e n. Durch Arbeit und Sparsamkeit des Staates wie der einzelnen ist die wirtschaftliche Grundlage für den Aufbau des neuen Reichs zu schaffen. Diejenige Politik, die aus dieser Tatsache die unve »«K.dlichen außenpolitischen Grenzen zieht, wird vrn innerpolitischen Gegnern häufig als eine materialistische bezeichnet. Wir haben aber in unserer jüngsten Geschichte zweimal, nämlich im Herbst 1918 und im Herbst 1923, mit furcht­barer Deutlichkeit erfahren, daß mit einem hun­gernden und verzweifelten Volke feine Außen­politik geführt werden kann. Rur ein ge­sundes Deutschland verfügt über die Kraft, die zum Wesen der Außenpolitik gehört, nur ein gesundetes Deutschland ist bündn'sfähig. Wer durch Arbeiten und Sparen sich selbst hoch­bringt. trägt zu dieser Gesundung Deutschlands am besten bei. Jeder Hammerschlag der fried­lichen Arbeit dient dem Vaterland, jede ersparte Mark bringt ihm eine Stückchen Freiheit zurück.

Reichswehrminister Dr. Gehler:

Ohne Freiheit und Rechtssicherheit kann kein Volk auf die Dauer bestehen und blühen. Das Jahr 1925 hat endlich wenigstens für einen Teil des Rheinlandes den Beginn der Befreiung gebracht. Zugleich hat Deutschland in Locarno feierliche Versprechungen erhalten, daß auch der Teil des deutschen Landes am Rhein, der noch die moralischen und materiellen Lasten der Besatzung weitertragen muh, wesentliche Erleichterungen er­halten soll. Vor allem soll wenigstens wieder ein Mindestmaß von Rechtsgaran­tien für die Bevölkerung geschaffen werden. Für die deutsche Politik kann es keine wichtigere Ausgabe geben, als mit allen Mitteln für die Verwirklichung dieser Versprechungen zu sorgen und damit die endgültige Befreiung des Rheinlandes und der Pfalz zu befördern und zu beschleunigen.' Wir kennen die Hemmungen, die diesetn Ziele entgegen stehen: wir hoffen sie mit Festigkeit und Klugheit zu überwinden. Darin ist sich in Deutschland alles, ohne Rücksicht auf die Parteistellung, einig. Möge das Jahr 1926 uns keine Enttäuschungen be­reiten, uns vielmehr auf unferm Weg ein mäch­tiges Stück vorwärts bringen.

Reichsderkehrsmiuister Dr. Krohn«:

Die Räumung der ersten Zone, im vergange­nen Jahre eine Enttäuschung, wird für das be­setzte Gebiet mehr als je die Hoffnung des neuen Jahres sein dürfen. Die Beseitigung des Besatz ung s drucks in diesem betrieb­samen Teile Deutschlands darf zugleich als ein Schritt zu wirtschaftlicher Erholung betrachtet werden. Auch für die beseht bleibenden Teile aber werden mit unverminderter Zähigkeit wei­tergehende Freiheiten erstrebt werden müssen: -be­sonders wird dies der Wunsch der Rheinschiff- sahrt fein. Ich hege daneben auch die Hoffnung, daß 1926 der deutsche Luftverkehr end­lich die Wege gebahnt finden möge, um in dem besetzten Gebiet mit feinen volkreichen, fleißigen Städten wirisch, ftliche Behebung durch Schnell- Deifcinitunqen zum übrigen Reich und ins Aus­laß» schassen zu können.

Der Generaldirektor der Deutschen Reichs- bahngesellschaft. Reichsminister a. D. Oes er:

Die Zeit ist schwer, Unsere Wirtschaft lei­det unter der Rot der Verhältnisse, die in der Rachkriegszeit in Deutschland entstanden sind. Mit der Wirtschaft ist die Reichsbahn aus Ver­derb und Gedech verbunden. Blühende wirt­schaftliche Verhältnisse geben der Eisenbahn Ar­beit und Verdienst. Liegt Handel und Gewerbe darnieder, so finit der Verkehr und die Ein­nahmen der Verkehrsinstitute gehen zurück. Trotz­dem ist die Reichsbahn gezwungen, in volkswirt­schaftlichem Interesse ihren Derrehrsapparat in dem vorhandenen großen Rahmen ausrecht zu erhalten. Das Streben der Reichsbahnleitung wird auch im neuen Jahr darauf gerichtet sein, der deutschen Volkswirtschaft und dem deutschen Volke zu dienen."

Der Reichskommissar für dos besetzte Gebiet:

Vom Jahre 1926 erwarten wir, daß der von Lo­carno ausgegangene Geist der Verständigung erstar­ken und dem besetzten Gebiet weitere Erleichterungen bringen wird.

gez. Frhr. Langwerth v. Simmern, Botschafter und Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete.

Abg. KoreK hessischer Gesandter in Berlin?

Berlin, 1. Jan. ($11.) DieVossische Zeitung" meldet aus Frankfurt am Main: Als Rachfolger des hessischen Gesandten in Berlin, Freiherrn von Biegeleben, der im kommenden März wegen seines hohen Alters zurücktreten wird, soll der demokratische Abgeordnete Pfarrer Korell aus Ingelheim ausersehen sein. Der Termin für die Wahl steht noch nicht fest.

Die Gewerkschaften zum Wirt- schaftsprogramm der Industrie.

Berlin, 31. Dez. (WTB.) Der Vorstand des Gewerkschaftsringes der deutschen Arbeiter, Angestellten und dec Beamtenverbände nahm heute Stellung zu dem Wirtschaftsprogramm des Ae'ä'sverbandes der deutschen Industrie in einer Erklärung, in der er darlegt, daß eine Reihe der in der Denkschrift des Reichsverbandes der deut­schen Industrie enthaltenen Vorschläge und An­regungen auch nach seiner Meinung ge­eignete Mittel zur Ueberwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise darstellen. -Der Ge oerkfchaltsring stimme mit den steuerpoli­tischen Vorschlägen des Reichsverbandes der deutschen Industrie, mit seinen Darlegungen über die Rotwendigkeit der Rationalisie­rung in der Produktion und mit seinen Vorschlägen über die Gestaltung des

C i s e n b a h n t a r i f e s überein. Dagegen stehe der Gewerkschastsring zu den Ausführungen der Denkschrift über, die Frage der Lohn- und Sozialpolittk in scharfem Gegensatz Dies gelte insbesondere hinsichllich der vom

Reichsverband erkämpften Schlichtungsbe­fugnisse des Staates und der von ihm auf­gestellten Forderung der Aufhebung der Son­dergerichtsbarkeit für Streiligkeilen aus dem Arbeitsverhältnis.

Das Hochwasser in

estdeutschland.

Das HochrvLffer der LaW nahm am Silvesternachmittag und -abend im Gießener Stadtbereich recht erhebliche Ausdehnung an. Die Flut drang auf dem jen­seitigen Lahnuser bis zur Schützenstraße vor, wo man zum Aufstellen von Rotstegen für die Anwohner schreiten mußte. Die gleichzeitig nie- b er geh :nt>en starken Regenfälle ließen eineweitere Verschlimmerung der Lage befürchten. Grfreu- licherweise trat im Laufe der Rächt eine Besse­rung der Wetterlage ein, der Regen hörte auf, und auch das Wasser ging schnell zurück. Gestern nachmittag war die Schützenstraße zum größten Teil wieder frei. Trotzdem gestern abend und im Laufe der Rächt erneut reichlicher Regen einsetzte, war die Flut heute früh weiter ge­sunken. Immerhin stehen zahlreiche Gärten ober­halb des Bootshauses desRudersport" und auch dieses Haus selbst noch im Wasser, unterhalb der Lahnbrücke tznd die Müllersche Badeanstalt und zahlreiche Gärten in der Rähe des Elek­trizitätswerkes gleichfalls noch ftarf überflutet. Auch in der Heuchelheimer Gemarkung und links der Landstraße von Gießen nach Heuchel­heim haben die ausgebreiteten Wassermassen er­heblichen Schaden angerichtet. Im ganzen be­trachtet kann man heute aber eine leichte Besse­rung der Hochwasserlage verzeichnen, lieber den Umfang des Schadens läßt sich jetzt noch nichts Bestimmtes sagen. Die Überschwemmungsgebiete waren am gestrigen Reujahrsfeiertage natürlich das Ziel von Hunderten von Spaziergängern. Das Hochwasser des Mains.

WSN. Frankfurt a. M., 1. Jan. Das Hoch­wasser des Mains ist auch gestern und heute noch weiter gestiegen und erreichte in den Nach- Mittagsstunden bei Hanau einen Stand von 5,72 Meter, bei Frankfurt einen solchen von 5,20 Meter. Der Höchststand vom November 1924 wird dadurch um etwa 10 Zentimeter übertroffen. Der Eiserne Steg, der noch in der Silvesternacht durch Vermittlung einer hölzernen Brücke passier­bar war, mußte gesperrt werden. Der Fluß tobt mit ungeheurer Gewalt talabwärts. Die Be­wohner der Uferstraßen müssen mancherlei Unbe- guemlichkeiten in Kauf nehmen. Der Verkehr in den überschwemmten Straßen ' wird durch einen frei­willigen Bootsdienst wahrgenommen. Am heu­tigen Feiertag wanderte eine außerordentlich große Menschenmasse zu den überschwemmten Stadtteilen, um sich das Schauspiel der Ueberschwernmung an- zusehen. Sanitätsmannschaften stehen überall bereit, um nötigenfalls eingreifen zu können.

Bei der Kinzig und der Nidda scheint jetzt ein gewisser Stillstand eingetreten zu fein. Der dies­mal durch das Niddahochwaffer angerichtete Scha­den scheint sehr groß zu sein. Einzelne Dörfer, wie Staden, Assenheim usw. sind völlig vom Wasser umgeben. Die Nidderbrücke bei N i e- derdorselden ist völlig überschwemmt und nicht mehr sichtbar. Das Bieh mußte zum Teil in höhere Lagen gebracht werden. Die gewaltigen Wassermasien, die sich in dem Bilbeler Becken angesammelt haben, werden noch viele Tage zu ihrem völligen Abfluß gebrauchen.

Vom oberen Main wirb zur Stunde ziem­lich schnelles Fallen des Wassers gemeldet. Aus Bischberg wurde ©amStag norm. 8 Uhr ein Wasserstand von 4.48 Meter gegen gestern 5,04 Meter gemeldet. Ab Hanau ist heute morgen dagegen ein etwas höherer Stand als gestern mit 5,73 Meter gegen 5,68 Meter festgestellt worden. In F r a n k f u r t a. M. wurde gestern abend der Höchst- und Stillstand von 5,30 Meter gemeldet, das Wasser war also 20 Zentimeter höher als bei der letzten lleber- schweminung im Jahre 1924. Die Kintzig fällt eberrfalls langsam. Aus Wirtheim wird ein Wasserst and von 2,92 Meter heute früh 8 Uhr gemeldet, der Pegelstand von 5 Uhr morgens war dagegen noch 3,01 Meter. Die Ridda fällt gleichfalls.

D?e Fulda.

Kassel, 31. Dez. (WTB.) Die Eder­tal s p e r r e ist gestern nacht infolge des enormen Wasserzuflusses übergelaufen und hat die Fulda in einen reißenden Strom ver­wandelt, der die Uferländcreien zum Teil auf weite Strecken überflutet. Auch im Stadt­gebiet ist die Fulda stellenweise heute vormittag in den tiefer gelegenen Teilen der Stadt auf die Straße getreten. Auch vom oberen Lauf der Fulda kommen andauernd sehr beunruhigende Rachrichten. In der Umgebung der Stadt Fulda hat sich ein mächtiger See gebildet, der die Riederungen weit unter Wasser stellt. Der Eisenbahnverkehr wird an verschiedenen ge­fährdeten Stellen durch Pendelverkehr aufrecht­erhalten.

Iurückgehen des Hoch­wassers am Mittelrhein.

Koblenz, 2. Jan. (TU.) Das Hochwasser hat gestern vormittag um 10 Uhr seinen höchsten Stand mit 9,68 Metern und damit den höchsten Wasser­stand seit dem Jahre 1789 erreicht. Nachdem die Hochflut sich einige Stunden auf dieser Höhe ge­halten hatte, begann das Wasser gegen 11 Uhr ganz langsam zu fallen und geht nun von Stunde zu Stunde um einen Zentimeter zurück. Um 8 Uhr abends zeigte der Pegel 9,24 Meter. Weiteres Fal­len ist nach Meldungen vom Oberrhein und von der Mosel zu erwarten. Aus dem Hochschwarzwald wird Frost und aus den Vogesen Abnahme der Schnee­schmelze gemeldet. Wie von der Rheinstrombauver­waltung Koblenz mitgeteilt wird, fällt das Wasser langsam in Mannheim, Wetzlar, Koblenzund Trier, während in Mainz und Bingen das Wasser noch vorübergehend langsam gestiegen war. Auch aus Marburg, Kreuznach und Herdecke wird fallendes Wasser gemeldet.

Der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz hat mitgeteilt, daß bei weiterem Steigen der Flut eine Gefährdung der Trinkwasserversor­gung zu befürchten ist. Die Bevölkerung der Stadt wird aufgefordert, sich ausreichend mit Trinkwasser zu versorgen. Sollte es zu einem Versagen der Wasserleitungen kommen, so wird Trinkwasser aus den Brunnen der höher gelegenen Nachbarorte her­

angeschafft werden. In Köln ist das Wasser in die Markthalle eingedrungen. In der Nacht mußten verschiedene Stände geräumt werden. In Köln wird ein zweiter Damm gebaut. Die Lichtversor - g ii n g in Köln-Deutz ist großen Störungen unter­worfen. Heute mittag setzte die Stromversorgung vollkommen aus", weil das Kabel unter Grund- masser steht. Der Bahnhof, die Hängebrücke und die Hvlienzollernbrücke waren vollkommen in Dunkel gehüllt. Dies hatte ungeheure Mengen Schaulusti­ger angelockt, so daß der Verkehr auf den Brücken große Störungen erlitt. Verschiedene tiefer liegende Gartenhallen und die Anlagen des Messegsländes sind vom Wasser überflutet. Ein Teil der Garten­hallen ist zu Notwohnungen für die vom Hochwasser betroffenen hergerichtet morden.

Die Katastrophe am Niederrhein

Düsseldorf, 1. Jan. (WB.) Der in den gestrigen Rachmittags- und Abendstunden, beson­ders aber während der Rächt niedergegangene wolkenbruchartige Regen verursachte ein weiteres Ansteigen des Hochwassers. Das Wasser stieg hier von gestern nachmittag fünf Uhr bis heute mittag 12 Uhr noch um 60 Zentimeter. Das Wasser erreichte an den Werftanlagen fast Strahenhöhe. Zum Schutze gegen eine etwaige Ueberschwernmung, besonders der tiefer gelegenem Altstadt, ist die ganze Rheinuferftrahe durch einen Wall von Sandsäcken gesichert. Der Kaiser- Wilhelms-Park mit den tiefer gelegenen Aus­stellungsgebäuden steht unter Wasser. Am ganzen Riederrhein sind weite Land strecken völ­lig vonden Fluten überschwemmt. Die Stadt Z o n s ist zum großen Teil vom Wasser überspült. Die Ortschaften R h e i n f e l d und Dormagen sind gänzlich von der Welt abge­schnitten. In Grimlingshausen stehen etwa 50 Häuser im Wasser. In Reuh riß das Wasser in den neu aufgeschütteten Damm am Crftkanal in der Rähe der Eisenbähnbrücke ein Loch in einer Ausdehnung von 25 Meter.

Am Neujahrsmorgen sind auch die Ort­schaften Warbehen, Huisbersen, By­te r r a n d und Emmericher-Ehland voll­ständig vom Wasser überflutet worden. Da das Wasser steigt, mußte man im Laufe der Rächt damit rechnen, das ferner die Ortschaften Hans- daer, Hoonnepel bis nach Appeldorn einlaufen, so daß von der holländischen Grenze bis nach Tanten die ganze Riederung jenseits des Bann­deiches unter Wasser stehen wird. Der in den am Rhein liegenden Ortschaften durch das Hoch­wasser angerichtete Schaden ist unübersehbar. Ueberall Bilder der Verwüstung. Furchtbar ist die Lage der Bewohner der Riederrhein-Rie- berung, die teilweise noch ohne Hilfe sind. Es war unmöglich, sie in Sicherheit zu bringen. Biele einsam gelegene Höfe sind vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Bei Rheinberg, Cleve und an anderen Orten haben sich kilo­meterbreite Seen gebildet.

Das Schicksal Neuwieds.

VierAünstel bet Stabt unter £9 Ziffer. Schwere Crwerbslosennot.

WER. Reuwied, l.Jan. Wohl keine andere Stadt am Rhein hat unter dem Hoch­wasser so zu leiden, wie die Stadt Reuwiod. Der Strom ist in einer Breite von 1,6 Kilometer in die Stadt eingedrungen. Vier Fünftel der Stadt steht unter Wasser. In den Rheinanlagen beträgt die Wasserhöhe 4 Meter. Die Wasser­höhe in der Stadt wurde heute vormittag 11 Uhr mit 2,38 Meter bemessen. Die Strömung innerhalb der Stadt ist so stark, daß die Straßen sowohl in der Rord- wie in der Südrichtung nur mit Motorbooten befafjren werden können. Mehr als 1000 Wohnungen wurden geräumt. Ein großer Teil davon dürfte kaum wieder bezugsfähig sein. Das gesamte ^Wirtschaftsleben der Stadt ruht. Heute vormittag ist ein Stillstand des Wassers eingetreten. Heute abend war das Wasser bereits am einige Zen­timeter zurückgegangen. Die Stadtverwaltung hat im fürstlichen Schloß und in der Blindenanstalt Rotküchen eingerichtet, aus denen die De- völlerung gespeist wird. Die Büros der Stadt­verwaltung wurden in Schulen und sonstigen Ge­bäuden untergebracht. Das Wasser hat fast den Stand von 1920 erreicht. In Bendorf und E n g e r s stehen zwei Fabriken vollständig unter Wasser. Die Straßenbahnverbindung Vallendar Ehrenbreitstein ist unterbrochen.

Am Blechwalzwerke im Wiedtal ist durch Staudruck des Rheins das gesamte Werk unter Wasser gesetzt worden. Infolgedessen hat die Werklcitung von der 2300 Arbeiter zählenden Belegschaft 2000 Mann entlassen müssen. Zu­gleich mit den übrigen infolge des Hochwassers entlassenen Personen ist die Zahl der Er­werbslosen i n Reuwied auf 6000 ge­stiegen. Hierzu kommt noch eine große Zahl der Rebenunterstützungsempfänger, so daß sich die Zahl auf insgesamt über 20 000 stellen wird. Unterhalb der Wiedbrücke ist in einer Länge von 150 Meter der Eisenbahndamm vom Rheinstrom unterspült und abgerutscht. Der Verkehr wird einstweilen eingleisig aufrechterhalten.

Die Mosel.

WER. Köln, 31. Dez. Die Mosel ist in beängstigender Weise gestiegen. Der größte Teil der Stadt Trier bis zum Stadtinnern wird vom Wasser überflutet. Das ganze Trierer Becken bildet einen großen See, der den Verkehr nach auswärts fast vollständig unterbindet. Gestern abend ging in der Gegend von Saarburg zwischen 9 und 10 Uhr ein starker Wolkenbruch nieder, der Beurig- Saarburg und den Obermoselbahnhof Winche­ringen vollständig unter Wasser setzte. Infolge der von den Betgen abstromenden Wassermen­gen wurden teilweise die Bahngleise durch die Schlamm- und Erdmallen überschwemmt, so daß der Verkehr eine Zeit lang nur eingleisig auf­recht erhalten werden konnte.

Die Ruhr.

Köln. 1. Jan. (TU.) Trotz des heftigen trockenen Windes und der Aufklärung ist die Ruhr weiter gestiegen. In Mühlheim ist die neu erbaute Stadthalle in Gefahr, da das

Wasser nahe daran ist, durch die Fenster ins Innere einzudringen. In der Altstadt hat das Hochwasser mehrere Fernsprechkabel zerstört. In Hattingen hat die Feuerwehr während des ganzen Tages tatkräftige Hilfe geleistet unb die Bewohner aus den überschwemmten Einzelge­höften in Sicherheit gebracht. Die Ruhrwiesen bil­den einen einzigen See mit gewaltig treibenden Wassermassen. Die Flußbrücke bei Steele ist poli­zeilich gesperrt.

(Einleitung einer Hilfsaktion.

Berlin, 31. Dez. (Amtlich.) Der preußische Minister des Innern und der Finanzen haben zur Linderung der ersten Rot der durch das Rhein-Hochwasser Geschädigten dem Oberprä-- sidenten in Koblenz 500 000 Mark zur Verfügung gestellt. Der Oberpräsident von Koblenz ist mit der Durchführung der inzwischen eingeleiteten staatlichen Rotftandsa'ttion betraut. Der Ober­präsident hat am 31. Dez. weitere Strecken am Rhein und an der Mosel bisucht, um sich persön­lich von dem Umfang der Hochwassertatastrophe zu überzeugen und Unterlagen zur Erwirkung einer Hilfsaktion bei den Zentralbehörden zu gewinnen.

Holland, Belgien und Nordftankreich7 *

Ain sterdam, 2. Jan. (WTB. Funkspruch.) Das Wasser der QliaaS ist weiter gestiegen. Donnerstag früh ist bei R.ederasselt an der Maas der Deich gebrochen. Die Bruchstelle ist 100 Meter breit. Das Wasser dringt unaufhalt­sam in das tief erliegen de Gebiet ein. Die Stadt M a a ft r i ch t ist feit Donnerstag abend von der Außenwelt fast vollkommen abgeschnit- ten. Der Bürgermeister von Maastricht ersuchte das Kriegsministerium telegraphisch um Ent­sendung von militärischer Hilfe. Das Kriegsministerium hat Marinetruppen mit Piv- niermaterial nach Maastricht beordert. Durch den Durchbruch des Maasdeiches bei Riederasselt ist ein Gebiet von 10 bis 12 000 Hektar vom Wasser bedeckt.

Auch in Belgien nimmt das Hochwasser katastrophale Formen an. 2n Lüttich ist der größte Teil der Stadt mit dem Bahnhöfe über­schwemmt. Die Zeitungen erscheinen nicht mehr. Es herrscht Drotmangel. Der Straßenbahn- Verkehr ist eingestellt, der Eisenbahnverkehr stark gefährdet. Die Stadt ist o h n e Trinkwasser, Gas und Elektrizität. Die Umgebung von Chor- leroi ist ein einziger See. Mehrere hundert Dörfer sind von der Außenwelt völlig abge­schnitten und werden notdürftig durch Pionier- truppen auf Kähnen verprovian­tiert.

In Rordfrankreich nimmt das Hoch­wasser ebenfalls zu. In M a u b e u g e ift die ganze Unterstadt überschwemmt. Die Stadt Z a e n in der Rormandie ist zur Hälfte überflutet. Marinesoldaten versorgen die Bevölkerung in Booten mit Lebensmitteln.

Im Gebiete von Reims muhten mehrere große Dörfer sowie Teile von Caen und Ret - bei von der Bevölkerung geräumt werden. Zahl­reiches Vieh ist umgekommen. Die Ueberschwem- mung kommt an Umfang dem Hochwasser vor 120 Jähren gleich. Die O r n e führt riesige Mengen von Möbelstücken und Viehkadavern mit.

Erdbeben in Norditalien.

Triest, 2. Jan. (Wolfs.) Ein Teil Rord- italiens ist gestern abend von einem starken Erd­beben heimgesucht worden, das in Triest etwa zwei Minuten andauerte. Die von Panik er­griffene Bevölkerung stürzte aus den Häusern, den Theatern und Vergnügungsstätten auf die Straße. Mehrere Personen wurden dabei ver­letzt. In Fiume, Görz, .Monfalcone unb auch in Venedig kampiert die Bevölkerung im Freien, da man weitere Erdstöße befürchtet. In Venedig sind Zahlreiche Häuser beschädigt worden.

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Thronverzicht des rumänischen Kronprinzen

Bukarest,!. Jan. (WTB.) A m t l i ch. Da der rumäniche Kronprinz Karl dem König seinen unwiderruflichen Verzicht auf die Thron­folge und alle daraus entspringenden Vorrechte mitgeteilt hatte, sah sich der König gezwungen, diesen Verzicht anzunehmen und heute in das Schloß Pelesch einen Kronrat einzuberufen. Er teilte seine Entschließung mit und fordette alle Anwesen­den auf, ihm bei deren Ausführung sowie bei der Proklamation seines Enkels, des Prin­zen Michael, zum Thronfolger behilflich zu fein. Auf Grund der ihm von allen Seiten gemachten Zusicherungen wurde die Volksvertretung auf Mon­tag, 4. Januar, einberufen. In dem Abdankungs­schreiben Karols an seinen Vater heißt es: ,Hch habe den unwiderruflichen Beschluß gefaßt, auf die Würde eines Thronfolgers und auf die Familien­angehörigkeit zu verzichten. Ich verpflichte mich, in den nächsten zehn Jahren nicht nach Rumänien zu kommen, außer wenn der König es anders befiehlt." Prinz Karol ist am 3. Oktober 1893 auf Schloß Pe- lefch in Sinaia geboren. Im Jahre 1918 war er eine morganatische Ehe mit der Tochter eines rumänischen Generals eingegangen. Die Ehe wurde später für ungültig erklärt. Seit dem 10. März 1921 ist er mit der Prinzessin Helne von Griechen­land verheiratet. Ihr Sohn, der nunmehrige Kronprinz Michael, ist am 25. Oktober 1921 geboren, lieber die Vorgeschichte der Verzichtleistung wird be­kannt, daß zwischen dein Kronprinzen und dem Ministerpräsidenten B r a t i a n u schon feit langer Zeit tiefgehende politische und persönliche Differenzen herrschten. Ihretwegen weigerte sich der Kronprinz auch anläßlich der Erkrankung seines Vaters, an einer etwaigen Regentschaft zusammen mit seiner Mutter und Bratianu teilzunehmen. Der Kronprinz hielt zu dem populären General Alle­re s c u , während Königin Maria auf fei­ten Bratianus stand. Auch nach der Genesung des Königs blieb der Konflikt unter der Oberfläche bestehen. Vom Außenamt wird dagegen erklärt, daß der Verzicht auf den Thron nicht aus politischen, sondern aus Familiengründen erfolgt fei.

Tettenser

Meist bedeckt, südliche bis weslliche Winde, wieder milder, Regenfälle.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 7,1 Grad. Minimum 1,7 Grad Celsius. Riederschläge 12,8 Mm. Heutige Morgentemperatur 4,6 Grad Celsius.