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haben, aber bis zur Stunde warte das besetzte Gebiet auf den Sperling. Len man in Locarno in der Hand zu haben glaubte. Die Besatzung dauere noch immer fort mit den Begleiterschei­nungen, die nur als rechtswidrige ^lebrrschrei- tungen des Versailler Vertrages bezeichnet wer­den könnten Die unerhörten Uebergrtife und Gewalttaten französischer Besahungssoü>aten seien noch immer ungesühnt, wie der Fall Rouzier.

Reichsminister Dr.. Dell:

Mit dem Geist von Thoiry und Locarno ist die Fortdauer der Besetzung des Rheinlandes unvereinbar. Don den Hoffnungen, die an die Versicherungen deS französischen Ministers geknüpft wurden, kann man mit dem Dichter sagen:Wie weniges hat sich entfaltet, dies wenige, wie klein und arm". Wir haben volles Verständnis dafür, wenn von der anderen Seite Achtung vor der Ehre Frankreichs ver­langt wird. Wir müssen aber erwarten, zumal nach unserem Eintritt in den Völlerbund, daß auch wir als eine Kulturnation ge­würdigt werden, und dah man auch jenseits unserer Grenzen nicht vergessen darf, dah auch wir Deutschen eine Ehre haben, deren Schutz wir in vollem Mähe für uns in Anspruch nehmen. (Beifall.) Damit ist nicht nur der Fort­bestand der Besatzung, sondern vor allem auch die fremde Gerichtsbarkeit und die Art, wie wir bei dieser Gerichtsbarkeit behan­delt werden, schlechterdings unvereinbar. Ge­rade weil wir von der Aufrichtigkeit der Worte Briands voll überzeugt sind, müssen wir erwar­ten. dah den Worten nun auch endlich Taten fragen. Der Minister geht dann auf die Hilfsmaßnahmen ein. Sn größerem Umfange solle auch den Votleidenden aus Kleingewerbe und Landwirtschaft im westlichen Grenzgebiet ge­holfen werden. Bisher seien dafür von den Ländern sechs Millionen und vom Deiche drei Mlllionen zur Verfügung gestellt worden. Die Erwerbslvsenziffer sei im besetzten Ge­biet weit größer älS in anderen Deichs gebieten. Zur Linderung der Dot sollte die Wirtschaft be­vorzugt berücksichtigt werden bei der Vergebung von Aufträgen des Reiches, der Länder und der Gemeinden. Reben der Staatshilse sei notwendig auch die Hilfe durch Handel, Industrie und Ge­werbe des unbesetzten Gebietes.

Die Ausschreitungen von Angehörigen der Bes?.hungsarmee haben sich in ausseheneregender Weise gehäuft. Richt weniger als 45 Fälle über­wiegend ernster Ratur, haben die Bevölkerung in tiefe Erregung verseht. Wir bvnühen uns um eine wesentliche Reform der Militär- j u st i z bei den Verhandlungen über die Or­donnanzen, über die lebhafte Klagen bestehen. Ter Fall von Germersheim wird am 20.Dezember zur Verhandlung kommen und von/ deutscher Seite wird alles getan werd-n, was zu einer restlosen Aufklärung erforderlich ist. damit die Tat, die den Tod eines DeUt-t>-»-r^ und schwere Verletzungen zweier Deutscher Folge hatte, ihre gerechte Sühne findet.

Dank unb Anerkennung schulden wir »er Be­völkerung des besetzten Gebietes für ihre unbe­irrbare korrekte Haltung gegenüber den Llus- schreituugen und Angriffen.

Wir hatten am 15. März 1926 eine Besatzung von 88 000 Mann, am 15. September von 80 000 Mann. Da- ist keine Herabminderung, wie sie einer Kulturnation von der Bedeutung und Ver­gangenheit der deutschen Ration, wie sie eines gleichberechtigten und gleichwertigen Mitgliedes des Völkerbundes würdig ist. ('Beifall.) Es ist schlechterdings un-tragbar, dah in Genf im Völker­bund und Völkerbundsrat die Vertreter der deut­schen und französischen Ration einträchtig und friedlich zusammenarbeiten für den Wiederaufbau Europas und für die Erhaltung der Kultur des Abendlandes, und daß dann noch eine Besatzung, zumal in einer solchen Stärke, in unterem Dater- lande besteht. (Lebhafte Zustimmung.) Darum möchte ich nachträglich das Wort unterstützen, das hier vor wenigen Tagen ausgerufen worden ist: Jetzt hat Frankreich das Wort! Seht muh Frankreich zeigen, daß nach den schwc- «n und grohen Opfern Deutschlands auch Frank- Hich sich nicht mit bloßen Verheißungen begnügt, sandern daß es aus dem Rebelgebllde des Den­kens an Versöhnung und Verständigung hinaus- tritt in die praktische Verwirklichung deS gleichen Rechts auch für Deutschland. Erne errrft gemeinte Verständigung kann nur dar'n bestehen, daß die Besatzung, die heute noch wie ein Alpdruck auf dem besetzten Gebiet lastet, sobald tote möFich verschwindet. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Behersdörffer (Dechr. Vp.) be­dauert, daß die Wirtschaft im unbesetztenDeutsch-- land zu wenig älnterstütztfngsbereitschast für das besetzte Gebiet zeige.

Der Haushalt wird nach den Ausschußvor­schlägen bewilligt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch.

Der Ankauf der D. A. Z. durch das Reich.

Ltresemarm im Haushaltsausschriß.

Berlin, 30. Rov. (DDZ.) Der Haushalts­ausschuh des Reichstages setzte heute die Be­ratung über den zweiten Rachtragsetat für 1926 beim Auswärtigen Amt fort. Es folgte zunächst eine Aui spräche über den Ankauf derD.A.Z.". Reichsminister des Aeuheren, Dr. © 11 e fe­rn a n n. wiederholte zunächst seine Erklärungen über den Ankauf derD.A.Z.", dir er s. Zt. im Auswärtigen Ausschuß abgegeben hatte. Der Minister fügte hinzu, daß bereits das erste Reichskabinett Luther den allerdings vergeblich gebliebenen Versuch gemacht habe, das Unternehmen zu erwerben. Damals s.i Preu­ßen dem Reiche zuvorgekommen. Sm Snteresse der Säuberung der Reichspolitik sei dann durch das zwefte Kabinett Dr. Luther aus preu­ßischem Besitz die »D.A.Z." angekauft wor­den. Das Reichskabinett habe sich aus sach­lichen Gründen itach eingehenden Erwägungen entschlossen die .D.A.Z." nicht als selbständiges Ertoerbsunternehmen dcs Reiches in den Etat einzustellen. Die zu diesem Ankauf erforder­lichen Mfttel wurden zwei Dispositions­fonds entnommen. Es wurde also' i n etatrechtlich einwandfreier Weise verfahren.

Die Llbg. Stoecker (Kom.) und Kube (Völk.) Initiierten scharf das Vorgehen der Re­gierung, das sie als eine Umgehung des EtatS- aefetzes und eine absichtliche Verschleierung des Tatbestandes bezeichneten.

Der Abg. Hergt (Sn.) hielt die Ausgaben für den Ankauf derD. A. Z." und für die lau­fenden Zuschüsse mit der Bezeichnung der Fonds.

die lediglich die Förderung des Rachrichtenwesens zur Aufgabe haben, für unvereinbar.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann ver­breitete sich dann übet die etatrechtliche Selle der Angelegenheit. Er legte die Gründe dar, die die Regierung bewogen habrn. dieS. A. Z." nicht im Sinne der früheren Norddeutschen All­gemeinen Zei.ung" offiziell als Degierungsorgan zu bezeichnen.

Abg. v. Gu6rard (Zeickr.) etflärte, durch das Bekanntwerden des Reichsbesches sei leider die Lage eine völlig andere geworden und es be­stehe die Gefahr, daß sie zur alten Rorddeut­schen Allgemeinen Zeitung herabgleite. Deshalb werde dieD. A. Z." doch einmal wieder ab» gestoßen werden müssen, weil nunmehr der Zweck des Ankaufs verfehlt sei. Es müsse aber der Regierung dafür die Snitiative belassen werden.

Abg. Müller-Franken (Soz.) nennt das Experiment mit dem Ankauf der Zeitung verfehlt und spricht den Wunsch aus, das Verhältnis die­ser Zeitung zur Regierung sobald als möglich zu lösen.

Reue Deutschenhetze in Ostoberschlesien.

Polnische Temonftrationen gegen den deutschen Wahlsieg.

B e u t h e n , 30. Rov. (WB.) As Demon­stration gegen den Ausfall Der Gemeinde wählen in Polnisch-Oberschlesien hat am Sontag in Katt owih ein Aufmarsch der polni­schen Aufstandischenverbände stattge- funöen, bei dem der polnische Snnenminifter und der Wojewode Ansprachen an die De­monstranten richteten. Sm Demonstrationszuge wurden Plakate mitgeführt, die unter hetzerischer bildlicher Darstellung Die Vertreibung der Deutschen, die Auslösung und Vertreibung des Deutschen Volksbundes, dir Entlassung der sich zum Deutschtum bekennendrn Staats- und Kommunalbeamten, die Ungültigkeitser­klärung Der Gemeindewahlen und anderes mehr verlangten. Obwohl die genannten hohen polnischen Funktionäre zugegen waren, und obwohl zahlreiche Polizei zu Ach und zu Pferde aitfgeboten war, wurde gegen diese ver­hetzende Agitation nicht eingeschritten. Sie hielt auch den polnischen Snnenminifter und Woje- woden nicht ab, ihre Ansprachen auf Dem Marktplatz zu halten. Der Reichs- und Staats­vertreter bet Der Gemischten Kommission wird daher unter Hinweis auf Artikel 83 des Genfer Ablommens die Aufmer.samkeit des Präsidenten Ealonder auf diese Vorfälle lenken, da nach diesem Artikel die vertragsschließenden Teile verpflichtet sind, allen Einwohnern des Abstimmungsgebietes ohne Unterschied Schutz ihres Lebens und ihrer Freiheit zu gewährleisten.

Wie dieSchlesische Volkszeitung" aus Laurahutte meldet, haben sich die Sicherheits- Verhältnisse seit Den Wahlen erheblich verschlech­tert. Sn Den letzten Tagen ist ein Hütteninspektor und ein Derginspektor von Banditen überfallen und schwer mißhandelt worden, Sn Der Rächt zum Sonntag haben die Polen die höhere deutsche Minderheitsschule angegriffen. Sämtliche Fenster­scheiben wurden eingeschlagen.

Die ViermSchtestonfersnz

Französische Befürchtungen.

Paris, 30. Rov. (TU.) Rach den gestrigen offiziösen italienischen Erklärungen werden Die Aussichten für eine Diermächtekonserenz (Deutsch­land, England, Frankreich und Stalien) wiedev als besser bezeichnet'. DasEcho de Paris" be­fürchtet daher, daß sich Briand schließlich doch überreden" lassen werde, mitzmnachen. DaS Blatt benutzt Die Gelegenheit, um erneut gegen eine solche Konferenz zu plädieren, die^ranT- reich keinerlei Vorteile bringen könnte. Es wurde besser sein, wenn man den Völkerbunds- rat allein handeln ließe. Die italienisch-fran­zösischen Fragen ließen sich am besten in direk­ten Verhandlungen zwischen Den beiden Staaten regeln. 'Wenn Briand mit Der Viermächtekon­ferenz einem ttalieni sch-deutschen Zu- samm en gehen vorgreifen wolle, so werd« er gerade das Gegenteil erreichen. Eine Derartige Konferenz werde die Zusammenarbeit zwischen. Deutschland und Stalien nur oe*7chleunigen.

Die italienische Spionage in Frankreich.

Paris, 1. Dez. (TU.) Wie sich ein Spät­abendblatt aus Rizza melden läßt, sind im An­schluß an die Verhaftung der italienischen Spione Prvpoce und Latapie zahlreiche Verhaf­tungen vorgenommen worden. Die französische Polizei soll Beweise in den Händen haben, nach denen Stalien großes Snteresse für die Anlegung neuer Straßen, der Unterhaltung des franzö­sischen Eisenbahnnetzes und an Den französischen Flugplätzen nähme. Außerdem sollen zwei Doku­mente aufgefunben worden fein, die sich auf Den Zustand Der französischen Häfen in Algerien, die französischen Truppenbestände in Marofto und die Militärfahrzeuge beziehen. Man mißt in Pa­riser Kreisen dieser Rachricht sensationelle Be­deutung bet

Die deutsch-englischen Industrieverhandlungen.

Berlin, 30.Rov. (WTB.) Die Begeg­nung zwischen Derttetern des Reichsverbandes Der deutschen Industrie und Der Federation vf British Industrie wird, toic der Reichsverband mitteilt, am 3. Dezember vormittags in London statt, inden. Bon deutscher Seite werden Der Vor­sitzende des Reichsverbandes, Geheimrat Professor Duisderg, Der erste stellvertretende Vorsitzende Abg. F r o w e i n - Elberfeld, Staatssekretär z. D. Dr. v. Simson, DorsitzenDer der handelSpoliti- schen Kommission Des Reichsverbandes, Das ge- schäfts führende PräsidialmitglieD Geheimrat K a st l und Der Geschäftsführer Dr. Serie, von englischer Sette Der derzeitige Präsident bzw. Vizepräsident Eric Geddes, Col. the hon. Ver- non Willey, Eol. O. C. Armstrong. D. S. C. Vincent Caillard und Peter Rylands teilnehmen. Der Reichsverband entspricht mit Der Eilsendung Der Dem engeren Kreise Des Präsidiums und Der Geschäftsführung angehören- Den Herren einer Einladung. Die im Auftrage ces Vorstandes Der FeDeration Der erste Ge­schäftsführer Mr. Rügen und Der Referent für

Deutschland. Mr. Ramsden, im Sommer in Ber­lin überbrachten mit dem ausgesprochenen Zweck, Die Mlg ichkeiten Der Zusammenarbeit zwi­schen den beiden Die Gesamtindustrie iyrer Länder um. aff en Den Verbänden zu erörtern. Die im Rahmen und unter Ausschluß Der Belange einzelner SnDuftrieen zu führenden Erörterungen sind allgemeiner wirtschaftspolitischer Ratur und werden voraussichtlich Handels- und zollpvlitische Fragen, gewisse Puntte Der Weltwirtschafts- konferen;. Das Ausstelluitgs- und Messewesen sowie das Problem der Doppelbesteuerung einen größeren Raum einnehmen.

Ernste Lage in China.

Die Fremdemnederlassmtgen in Hankau bedroht.

London, 30. Rov. (ZU.) Infolge des gestri­gen Rücktritts der chinesischen Regierung schwebt das diplomatische Korps wieder einmal völlig in dec Luft, da keine Körperschaft vorhanden ist, mit der sie sich in Verbindung sehen könnte. Die neuesten Rachrichten aus China lauten wiederum außerordentlich ernst. 3n Schanghai ist die Lage sehr gespannt, da kommunistische Agita­toren mit allen Mitteln versuchen, einen General- streik zu proklamieren. 3n hankau ist nunmehr auch eine französische Truppenabteilung zum Schuhe der Fremden gelandet. Zur Zeit liegen in den chinesischen Gewässern 15 englische Kanonen­boote und vier Kreuzer.

Auf dringendes Ersuchen des amerikanischen Generalkonsuls sind auch zwei amerikanische Zerstörer von Schanghai nach hankau abgegangen, da dft Lage wegen des Generalstreiks und frem- denfeindllchen Kundgebungen für das ganze Jrem- benoiertel in hankau bedrohlich zu werden beginnt Besonders fehlt es an Rahrungsmitteln. Die beiden Zerstörer werden entsprechend dem Dorgehen der Engländer und Franzosen Mannschaften lan­den, um die amerikanischen Staatsbürger schützen zu können. 3n ganz Mittelchina herrscht Hungers­not Bewaffnete Banden, die der Kanton-Armee angehören, sollen offen in die Jrembennie- derlassungen eingedrungen fein. In ganz hankau herrscht Schrecken, wie weiter gemel­det wird, herrscht trotz der Zunahme der bolsche- wistischen Propaganda in Schon ghai Ruhe. Täglich werden Hunderte von Verhaftungen vorge­nommen.

Die rumänische Krisis.

Um die Rückkehr Carols. Ein Brief König Ferdinands.

Bukarest, 30. Ilov. (TU.) Die Dynastische Krise nimmt immer kritischere Formen an. Die Regierung hat eine große Anzahl von Offi­zieren, Die Anhänger Des früheren Kronprinzen Carol finD. aus Bukarest entfernt oDer pensio­niert. Auch Die Bewegung in Der Bauern­partei wird für Die Ruhe Des Landes bedenk­lich, Da Die Partei offen zugibt, daß sie Die Rückkehr Carols fordere. Gestern wurde Den Bukarester Blättern im Ministerium des Snnem mitgeteilt, daß Die Zeitungen toeDec über das Befinden des Königs noch über Die Frage der Thronfolge berichten dürften. Der König hat an Den Ministerpräsidenten einen Brief gerichtet, in Dem es u. a. heißt: Glück­licherweise kehren meine Kräfte in letzter Zett wieder und ich glaube, daß ich wie bisher meine Pflichten gegen Vaterland und Volk werde er­füllen können, Tlebrigens habe ich bewiesen, daß ich Die notwendigen Beschlüsse in Selbstüberwin­dung zu fassen verstand, handelte es sich nun um Die Aufopferung persönlicher BanDe im Sn» tereffe Des Vaterlandes ober um Die notwendige Entschlossenheit als König, Den Folgen der Verirrungen eines heißgeliebten Kindes ein Ende zu machen. Sch habe also das Recht, zu glauben, Daß niemand an meiner beständigen Sorge zweifeln kann, in vollem Maße meine Pflicht bis zum letzten Atemzuge zu erfüllen. Dieses von meinem Onkel, dem erstell König von Rumänien, begründete Werk, werde ich ent­schlossen nerteiDigen, indem ich alle Anstrengungen mache, um ihm eine sichert', aus Den Ruhm der Dynastie und die Konsolidierung pes Staates gegründete Zukunft zu gewährleisten. Sch bin überzeugt, daß ich hierbei die älnterstühung aller guten Rumänen erhalten werde, in erfter Linie aller mir treu ergebenen Berater. Diese werden alle nationalen Kräfte zu sammeln verstehen, um einen Wall um Den Thron zu bilden, damit meinen Entschlüssen und meinen Handlungen Achtung verschafft werde.

Königin Maria ist heute vormittag elf Tlhr von ihrer Amerikareise in Cher- burgeinget rossen. Die Königin hat sich am Rachmittag mit einem Sonderzuge nach Paris begeben.

Der Vorsitz auf der Ratstagung.

Berlin. 1. Dez. (WTB.-Funkspruch.) Der Vorwärts" meldet aus Brussel: Außenminister Dr. St re fe man? hat dem Generalsekretär des Völkerbundes während seines 'Berliner Auf­enthaltes vorgeschlagen, den Vorsitz für die Dezember - Tagung Les Völkerbunds- rates "Belgien ^u übertragen und Deutsch­land Den Vorsitz während der März-Ses­sion zu überlassen. Vandervelde dürfte bereit sein, diesem Vorschläge zu entsprechen.

Tschitscherin

kommt nach Frankfurt.

3369t Frankfurt a. M-, 30. Nov. Der rus­sische Volkskommissar für auswärtige Angelegen­heiten, Tschitscherin, ist heute nachmittag, von Lenin­grad kommend, auf dem Seewege in «Stettin ringetroffen. Tschitscherin trat abends 7 Uhr die Weiterreise nach Berlin an, wo er deutschen Regierungsvertretern Besuche abstatten wird. Bor- aussichtlich tritt er schon am morgigen Tage die Weiterreise nach Frankfurt an, roo er sich wegen eines schweren Leidens in die Behandlung des Professors n. Roorden begeben wird.

Aus aller Welt.

DerAusbruch aus dem ttleiwitzer Gefängnis

G l e i w i 8, 30. Rov. (TU.) Die Befreiung der zehn Gefangenen aus dem hiesigen Gerichtsgefäng­nis hat gestern abend zur Verhaftung des ge- fessest aufgefundenen Justizwachtmeisters Krouse geführt. Er wird wegen Mittäterschaft und Bestechung dem zuständigen Richter zuge- führt werden. Bei Der Vernehmung verwickelte er

sich in eine Reihe von Widersprüchen. Außerdem wurde bei ihm ein Betrag von 300 Mk. vorgefun­den, den er angeblich von feiner Braut aus Leob- schütz erhalten haben will. Es steht fest, daß die Besreiungsaktlon von langer Hand von pol­nischer Seite vorbereitet war. Alle zehn Befreite sind über Die Grenze nach Ostoberschlesien in polnisches Gebiet entkommen. Einer von ihnen teilte Das Gelingen seiner Flucht durch Telegramm an das Gleiwitzer Gerichtsgefäng­nis mit.

Ter Prozeß

gegen den Iuwelenräuber Spruch.

Dor Dem erweiterten Schöffengericht Ehar- lottenburg fand unter großem Andrang Des Pu- blllums Der Prozeß gegen Den Sutorienräubet Spruch statt Die Anklage lautet trotz Der abge­gebenen Schüsse mir auf vollendeten schwe­ren Raub. Die ursprünglich beabs.chttzte An­klage wegen Mordversuches hat Di:Staatsanwalt- schast fallengelassen. Wegen Hehlerei mitange- klagt sind Die Schwester Des Hauptangellagtrn Charlotte Spruch, sowie seine SreunD.-n, Die Filmstatistin Else Ring hausen. Der er auL Dem Raub eine Perlen! rite unD eine Tlhr mit Kette geschenkt hat. Se- Hauptangellagte So- hannes Spruch äußerte sich Dann zur Lat selbst. Er habe sich überlegt, Dah man als Aben­teurer berühmt werden könne. Es fei gerade Die Zeit Der Polizeiausstellung gewesen und er habe sich gedacht, es müsse euvaS geschehen. waS Die Welt noch nicht gesehen habe. oür Sutoelen habe ec sich immer schon inter- efjert. Brillanten hätten ihn fafriniert Wenn ntcht gelingen sollte, wollte er sich^erichieherr. Damit Dann nach seinem Tode Die Welt von ihm erfahren sollte. Auch Der Polizei habe er Dann schließlich sagen wollen, er sei Durch Eid gebunden, er sei nur Der aussührende Teil. Es fei aber anders gekommen. Drr Qlng^agte gab Dann eine genaue Schilderung Der Einzelhetten Des Raubes, sowie von seinen Bemühungen, sich den Rachforschungen Der Polizei zu entziehen. Die Angeklagte Charlotte Spruch bekun­dete, sie habe vorher keine 'Ahnung von Den Plänen ihres Bruders gehabt und ihm auch eine solche Lat nie zugrtraut. Erst abrndS habe sie von dem Raubübersall gelesen und Daran gedacht. Daß ihr Bruder Dabei im Spiele gewesen sein könne. Sie habe sich Dann enlschlo sen, die Sachen zu vergraben. 2lus Dem Plaidoher des OberstaatsancvÄts ist hervorzüheben, Daß er Das Gericht 5at. Die zur Verhandlung stehende Sache aus Der At­mosphäre des »Kientopps'" hrrairszuheben, in Die fte "hineingebracht worden fei unü Das Thema Falsche HelDenvereT>rung" beiseite zu lassen. Es bleibe Dann nichts übrig als eins übler Raubüberfall. Die Tat sei lange vorbereitet gewesen. Psychopathische Züge könnte man allerdings heute in der Rachkriegszeit mit Leichtigkeit bei fc:r Mehrzahl Der Men­schen leftfteUen. ES gehörten im Gegenteil eifern« Rerven Dazu, eine solche Tat in Der belebten Louentzienstrahe ouszuführen. Es werben Dann verurteilt: Johanne« Spruch wegen schweren Raubes, Rötigung und erfchtoer- ten Waffenbesitzes zu einer Zuchthausstrafe von sechs Sahren und zwei Monaten, sowie zur Aberkernrung Der bürgerlichen Ehren­rechte auf fünf Sabre. Die Stellung unter Polizei­aufsicht wird für zulässig erklärt. Charlotte Spruch erhält wegen Sachhehlerei fünf Monate Ge­fängnis. Else Ringhausen gleichfalls wegen Sachhehlerei Drei Monate Gefängnis.

Grohfeuer auf Der Magdeburger Zitadelle.

Sn Der vergangenen Rächt brach auf der Magdeburger Zitadelle, in Der mehrere Gewerbe­betriebe und Warenlager untergebracht sind Großfeuer aus, Das fast Die ganze Rächt wütete. Die Magdeburger Feuerwehr war in ihrer ge­samten Stärke zur Löschung DeS BrandeS ein­gesetzt und erst in den Morgenstunden konnten die Züge nacheinander zurückgezogen werden. Die Aufräumungsarbeiten werden noch Den ganzen Tag über anDauern. Der Dachstuhl des Gebäudes ist ganz nie Dergebr a n n t. die Hälfte De« Snnengebäudes zum Teil ausgebrannt. Bei Den Löscharbeiten wurden mehrere Feuerwehrleute leicht verletzt.

Der neue Präsident desSysfhäuserbunde»".

Der Vorstand des Preußischen Lander- kriegerverbandes hat an Stelle des ver­storbenen Generalobersten o. Heringen den Ge­neral der Artillerie a. D. v. Horn zum 1. Präsi­denten gewählt. Don Horn ist dadurch gleichzeitig 1. Präsident des Reichskriegerbundes ,.K y f s h ä u - s e r und der Deutschen Kriegerwohlfahrt s- g e m e i n s ch a f t geworden.

Aus der provinzlalhauptftadt.

Gießen, den 1. Dezember 1926.

Die Jagd im Dezember.

Der letzte Monat deS Weidnlannsjahres ver­heißt Dem Sünger Huberii noch manche Stunde froher Sägerlust. Doch nicht nur die FreuDe winkt, sondern auch die Pflicht ruft. »Kein Heger fein Säger! Rach Dem weichen Rovember muß Der Säger für Den Dezember mit Frost und Schnee rechnen. Bleiben sie aus. um so btifer für unser Wild nach Dem für es schlechten diesjäh­rigen Sommer. Kommen sie, Dann müssen sie Den Freund seines Wildes gerüstet f.nd:n. Wem die Winternot des Widles nicht ans Herz rührt, wer nach beendigtem Abschuß Den Weg ins Revier nicht mehr fintet, um sein Wild zu beobachten, zu füttern oder vor zwei- und vierbeinigem Raubzeug zu schützen, verdient nicht Den Ramen eines Weidmannes.

Darum seien Hinweise au; Maßnahmen zum Schutze des Wlld^ vorausgeschickt. Wenn eine leichte Decke weichen Schnees die Erde deckt, vermag unser Schalerrwild sich genügen> Aesung durch Plätzen freizul?gen. A:iders aber, wenn lwher Schnee liegt. Harschschue. sich bildet und Glatteis alles überzieht. Das Wild bricht ein. die Läufe scheuern sich wund, es z e')t mühsam lrmher oder bleibt gar stehen. Entkräftung tritt ein. der Fuchs macht leichte Beute. Sind die Fütterungen vorbereitet. Dann weih Da« W ld. wohin es zu wechsln Hit in seiner Rot. Heu. Grummel, Laubheu. gttrocknete Himb:er'chöß- linge, Lupinen- und Haferstroh, Rüben, Kartof­feln, Rückstände der Aepfelweinkeltrrei, E cheln. Bucheckern, Roßkastanien, Vogelbeere u. a. bieten Dem Heger das, waS fein Wild braucht. Ein- fettige Fütterung ist zu verme den. DaS Wild ist Abwechslung gewöhnt. Einseitge Darb etung reiner Trocken- oder Raßfütierung kann daher zu Folgen führen, die nicht erwünscht sind. Falltolld