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>r Kindt sDtn. 2p.) )e Weltanschauung wolle usschalten. Die Deutsch« amtzse dagegen und suche mzen zu erhalten und zu eter Haurh (D. BP.) dem Handwerk den gvl« en habe. Wan müsse ver« kurrenz der Konsumveretne besteuert wird, wie das Se- gewiesen werden, dah trotz ile die Konsumvereine teu- Gewerbetreibenden.. rlaufc der Bechandlungen dner an die Bersmnmluna lebtet, ihren Wünschen und Urschrift für das Bolks- ^LchMimmunawi ua zu verleihen Der Reo- ^5* »
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Oberhessen.
LandLreis Gießen.
f. Klein.Linden, 31. Mai. Die Der. steigerung des Grases von Feldwegen, Böschungen und Flutgräben innerhalb unserer Ge- marnmg fand am Freitag bei guter Beteiligung der Interessenten statt. Der erzielte Betrag mit 480 Mark bleibt allerdings weil hinter dem Betrag des Vorjahres (900 Mark) zurück. Die Ursache l#t der schleckte Grasstand infolge der naßkalten Witterung. Wenn auch das Netz der Feldwege durch die Feldbereinigung bedeutend erweitert wurde, so macht sich der Grosertraa doch erst nach und nach in aussteigender Linie bemerkbar. Bei einigermaßen guter Witterung wird in den kommen- den Jahren auch hier für unsere Gemeindekasse eine bedeutende Mehreinnohme gegen früher zu erwarten sein. — Leider ist sestzustellen, daß ein großer Teil unseres besten Wiesengeländes im Lahntal zwischen Wetzlarer Straße und dem Eisenbahndamm der Umgehungsbahn Gießen—Wetzlar immer mehr versumpft und versauert. Mit jedem Jahr nimmt die Sumpfdotterblume hier in starkem Maße zu. Zu wenig Gefälle der Entwässerungs- und Flutgräben sowie die Einwirkung des Eisenbahn» dammes auf das Grundwasser sind hieran schuld.
: Beuern, 31. Mai. Mit einer in allen Teilen wohlgelungenen dreitägigen Wanderung feiner Iugendabteilung beschloß der hiesige Dolksbildungsverein seine Tätigkeit für bas verflossene Winterhalbjahr. Unter Führung des 1. Vorsitzenden besuchten 20 Burschen und Mädchen am Freitag, SamStag und Sonntag die schönsten Punkte des westlichen Thüringer Waldes, wie Sriebrid)- roba, Lauchagrunb, Inselsberg, Ruhla, Hohe Sonne unb Marien- und Annatal. Der britte Tag ber Wanberung galt dem Besuch der Wartburg unb ber Stadt Eisenach. Wohl allen Teilnehmern werden die Erinnerungen an diese Wanberung unvergeßlich sein. — Die Bucherausgabe bes Vereins wirb ben Sommer über eingestellt. ES wurden im verflossenen Winter rund 1500 Bücher an die Mitglieder des Vereins au8- geliehen. — Die Gemeinde setzte in den letzten Tagen einen D e rn e i n d e b u l l e N ber Simmentaler Rasse zum Schlachten ab. Derselbe hatte das respektable Gewicht von 20 Zentnern erreicht und ging gestern mit ber Bahn auf ben Markt nach Frankfurt a. M.
# Obbornhofen, 31. Mai. Wenn man in diesen Tagen durch die Baumstücke unseres Ortes wandert, bietet sich dem Auge ein zu dieser Zeit seltener Anblick dar. Hier und da erblickt man nämlich in d o II ft e r Blütenpracht stehende Apfelbäume. 'Zur Zeit, wo die anderen Bäume im Dlütenschmuck standen, waren die jetzt blühenden Bäume noch in iyrem Winterkleid, so daß man, wenn man das blühende Leben ringsum sah, diese Bäume für abgestorben hätte halten können. Die Apfelbäume haben im übrigen sehr geringen Fruchtansatz, so daß mit einer spärlichen Apfelernte zu rechnen ist. Dagegen zeigen Birnen und Kirschen einen guten Behang. Allem Anschein nach ist auch mit einer geringen Zwetschenemte zu rechnen. Stacke!- und Jo- hannisbeeren zeigen auch nur schwachen Behang. — Der Saaten st and a u f dem Feld ist ausgezeichnet, Winter- und Sommerfrucht haben einen guten Stand, so daß bis jetzt mit einer sehr guten Ernte gerechnet werden kann. Mit der K l e e h e u - ernte ist hier begonnen worden. Bei weiter anhaltender günstiger Witterung wird wohl auch bald das Heumachen seinen Anfang nehmen: der Stand des Grases ist ein sehr guter.
ri. Lich. 31. Mai. Unter ungemein zahlreicher Beteiligung ber Bevölkerung aller Stänbe unb Kreise von hier unb ber ganzen Umgegenb feierte gestern hier ber ober hessische Verdank) ber kirchlichen Posaunenchöre sein großes Jahr es fest. Bereits in ber Morgenfrühe um V,7 Uhr ließen bie Chöre in der Stabt ihre Weisen erschallen, um bie Bevölkerung zu bem lange unb sorgfältig vorbereiteten Festtag zu wecken. Darnach versammelten sich die über 100 Bläser in ber Kirche, wo nach einer von Stiftspfarrer Schorlein - m e r gehaltenen Morgenanbacht bie gemeinsame Probe stattfanb. Um *',10 Uhr füllte sich bie gewaltige alte Morienstiftskirche mit einer Ge- meinbe von etwa 1000 Seelen zum Festgo11es- bienst. Die gewaltige kirchliche Liturgie der lutherischen Kirche war verbunden mit ben ebelsten Weisen ber alten Kirchenlieder. Die Leitung ber
vereinigten Posaunenchöre lag in ben bewährten Händen des DerbandSdirigenten, Weißbinder- meister Doller aus Lang-Göns. Die Festpredigt hielt Pfarrer Gerber aus Leipzig. Ferner hielten Stiftsdechant Lenz- Lich und ber Prälat ber hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl aus Darmstadt Ansprachen. Die Liturgie hielt Stiftspfarrer Schorlemmer-Lich. Den Höhepunkt ber Feier bildete das alte Tedeuin unter Begleitung von Posaunen unb Pauken, letztere von kundiger Hand bedient. Telegraphenbeamter Klaus von Butzbach hatte sich freundlicher Weise hierzu zur Verfügung gestellt. Ein gemif<f>ter Chor, an dem sich der hiesige Frauenchor unb ber Gesangverein Cacilia beteiligten, half zu einer stilgerechten Ausführung dieses uralten Lobgesanges. Am Rachmittag begab man sich in einem F e st z u g, während dessen zum erstenmal Märsche kirchlichen Stils zu Gehör kamen, die Stiftsdechant Lenz unter Mitwirkung bekannter Kenner kirchlicher Musik, darunter z. D. Prof. Arnold Mendelsohn herausgegeben hat, zum Hardtberg. Diese Märsche zu hören, war ein besonderes Ereignis für bie musikalische Welt! Auf ber Harbt fanb eine große Festver - samm lung statt. Dort sprach ber Superintendent für Oberhessen. Oberkirchenrat Wagner aus Gießen, der Vorsitzende des Verbandes, Pfar-er D. F r i t s ch aus Ruppertsburg unb ber Festprediger Pfarrer G er ber, der von der Arbeit der Leipziger Mission in Indien und Afrika berichtete. Auch wurde dort verkündigt, daß die drei großen kupfernen Kesselpauken, die bei dem Fest zum erstenmal in Tätigkeit traten, von Freunden dec Sache gestiftet worden sind, nämlich von Fürst Reinhard zu Solms-Hohensolms-Lich, von dem Landeskirchenamt zu Darmstadt und von Prälat i. R. D. W a l z, ber ein geborener Licher ist. Die Kollekte des Festtages war für die Leipziger Mission bestimmt. Die Bevölkerung der Stadt Lich hatte es sich nicht nehmen lassen, die auswärtigen Festgäste in liebenswürdigster Weise aufzunehmen unb zu bewirten.
Kreis Friedberg.
z$ Bad-Rauheim, 31. Mai. An dem gestern von der hiesigen Ortsgruppe des Hessischen Iagdklubs veranstaltetcn Tontaubenschießen beteiligten sich aus allen Teilen Hessens 30 Schützen, die von dem Vorsitzenden ber Ortsgruppe, Zahnarzt Dr. Haustein, begrüßt wurden. Besondere Anerkennung fand die Tatsache, daß auch der Rachbarklub „Huber tus"- Gießen mit 5 Schützen vertreten war, darunter der Vorsitzende Aug. Pascoe (Dutenhofen). Die Gießener Gäste haben sehr gut abgeschnitten, so daß sie die wertvollsten der gestifteten Preise mit nach Hause nehmen konnten, darunter den schönen Ehrenpreis der Bad - und Sturoer- waltung. Es wurde in mehreren Konkurrenzen geschossen, wobei durchweg gute, zum Teil sogar vorzügliche Leistungen geboten wurden. Zwei wertvolle Ehrenpreise hatte der Hessische Iagdklub (Darmstadt) gestiftet. Wir bringen nachfolgend die (Kamen ber Preisträger: Eröffn u ng s s ch i eß e n: 1. Preis: Bücher, Gießen: 2. Müller, Sprendlingen: 3. Pfeffer, Bad-Rauheim: 4. Dr. Honstein, Bad-Raüheim, Hübner, Darmstadt: 5. Jäger, Frankfurt a. M.: 6. Fr. Pascoe, Gießen: 7. Christ, Grünberg: 8. Rickel, Bad-Rauheim: 9. Äug. Pascoe, Dutenhofen: 10. von Bentheim, Gießen. Preis von Bad-Rauheim (mit Ehrenpreis der Bad- und Kurverwaltung): 1. B ö ch er, G i e ß e n: 2. Rickel, Bad-Ra"heim: 3. Jäger. Frankfurt a. M.: 4. Dr. Haustein, Bad-Rauheim: 5. Hübner, Darmstadt: 6. Müller, Sprendlingen; 7. A. Pascoe, Dutenhofen: 8. Frhr. v. Diemar, Darmstadt: 9. Pfeffer, Dad- Rauheim: 10. Deuer, Darmstadt: 11. Bock, Darmstadt. Vorgabeschießen: 1. Almendin - g er, Gießen: 2. Deuer,Darmstadt: 3 Mayer, Bad-Rauheim: 4. Diefenbach, Darmstadt: 5. Müller,Sprendlingen: 6. Dr. Haustein, Dad-Rou- heim: 7. Duschbaum, Darmstadt: 8. Fr. Pascoe, Gießen: 9. Jäger, Frankfurt a. M. Först erschießen: 1. Drück Rödgen (Gießen): 2. Textor, L ich: 3. Delofs, Bad- Rauheim. Trostpreisschießen: 1. Man- gelsdorf, Gießen.
Kreis Büdingen.
le. Bleichend ach, 31. Mai. Die zweite Bilanz unseres Ende August 1924 gegründeten Naifseisenvereins hat die Erwartungen
entsprochen, welche die des ersten Geschäftsjahres nur 4 Monate) gemacht hatte. Die Spargelder sind von 2942 Mk. bis Ende 1925 auf rund 7000 Mk. angewachfen. Der Gesamtumsatz erhöhte sich von 46 490 Mk. auf 254 663 Mk. Der Reingewinn betrug im Restjahr 1924 261 Mk., in 1925 2003 Mk. Er wurde zu verschiedenen Rücklagen und zur Vergrößerung des Reservefonds verwendet. Mit einem kleinen Teil hat der Verein, den Raiffeifenarund- sätzen entsprechend, eine Dorfbücherei gegründet.
Preußen.
Der Basaltbruch der Leuner Burg
Y 2eun (Kreis Wetzlar), 31. Mai. lieber ben Höhenzug der östlichen Ausläufer des Westerwaldes, auf dem die von Napoleon angelegte Heeresstraße .Hohe Straße" hinläuft, erheben sich als höchste Punkte Bieler Burg, Leuner Burg, Dianaburg und Greifenstein. Während die beiden letzteren als beliebte Ausflugsorte bekannt sind, hat die Leuner Burg Bedeutung als ausgezeichnetes Basaltvorkommen. Schon der Ausstieg zu dem Bergkegel durch die auf den Hängen liegenden unzähligen Basaltstücke deutet auf eine gewaltige vulkanische Tätigkeit des Gipfels in früherer Zeit. Hier angekommen, ficht man einen ausgedehnten, maschinell eingerichteten B a s a l t b r u ch und einen auch in der Form ausgezeichneten Säulen- b a f a l t, der z. Z. in einer Höhe von etwa 8 bis 10 Meter abgebaut wird und nach Beendigung der jetzt begonnenen Aufschlußarbeiten von einer tiefer- gelegenen Stelle aus eine Höhe von gar 20 Meter erreichen dürfte.
Die Gemeinde Leun, die die Nutzbarmachung dieses Vorkommens schon vor vielen Jahrzehnten vornahm, verpachtete den Bruch dem Kreise Wetzlar, der hier neben Pflastersteinen das Material zur Straßeneindeckung herstellte. So wurde der Bruch in kleinem Umfange jahrzehntelang betrieben, bis kurz nach dem Kriege die 25jährige Pachtzeit zu Ende ging und eine Neuverpachtung stattfand. In dieser Zeit, 1920, machte sich bereits eine gewisse Konjunktur für den Basalt bemerkbar, so daß bei der Neuverpachtung neben dem Kreise auch noch industrielle Unternehmungen für die wirtschaftliche Ausnutzung des Bruches starkes Interesse zeigten. Verschiedene Verhandlungen führten bann zur Wieder Verpachtung an den früheren Pächter, ben KreisWetzlar, und zwar zu einem für die damaligen Verhältnisse als angemessen erscheinenden Mindestpachtprcis von jährlich 6000 Mk. auf die Dauer von 25 Jahren. Nicht lange darnach war jedoch der Pachtpreis durch die fortschreitende Inflation vollkommen illusorisch geworben, und man rechnete daher allgemein bei dem Eintritt der Stabilisierung auch hier auf eine entsprechende Neuregelung des Pachtprei- s e s. Bedauerlicherweise hat jedoch der Kreis Wetzlar bisher eine solche Neuregelung abge- lehnt und lediglich den durch die Umrechnung von Papier- in Goldmark zu dem am Tage des Abschlusses gültigen Kurs sich ergebenden Betrag als Vergütung an die Gemeinde gezahlt hat. Diese gesetzlich zulässige, doch den ßeunern Einwohnern unfaßbar und unerträglich erscheinende Handlung hat in der Gemeinde begreiflicherweise starke Erregung heroorgerufen, um so mehr, als die Kreisbehörde einmal die Gemeinde Leun zugunsten des Gesamt- kreises jährlich um einige 1000 Mk. schädigt und andererseits gleicyzeitig als Aufsichtsbehörde dafür verantwortlich ist, daß der Gemeinde die Einkünfte aus ihrem Vermögen ungeschmälert zuteil werden.
Zur näheren Beurteilung der Sachlage sei nur kurz darauf hingewiesen, daß der Kreis nach dem alten Vertrag eine Pachtsumme von 200 Mk. zahlte, bei einer Beschäftigung von 2 bis 3 Steinschlägern, dagegen heute den Betrieb maschinell bewirtschaftet und z. Z. 38 Mann beschäftigt, darunter allein 12 Kipper, und für diese Ausnutzung nur einige hundert Mark Pacht mehr zahlt. Die für den Kreis Wetzlar geographisch äußerst günstige Lage dieses Bruches — kann doch das Material von der Höhe in Talfahrten bequem nach dem Lahn- und Dillgebiet transportiert werden — sowie die vielseitige Verwendung des Materials sollte den Pächter allein schon aus diesen Gründen veranlassen, eine den Verhältnissen gerecht werdende Vergütung an die Gemeinde abzuführen.
Ein von der Gemeinde Leun erneut gestellter Antrag auf Neuregelung der Pa.cht- summe führt hoffentlich dazu, daß in der am 2. Juni stattfindenden Kreistagssitzung ein für Leun annehmbarer Beschluß gefaßt wird.
Der dritte Schutz.
p Kriminalroman von Ole Stefan!.
Vorspiel.
Das war wie eine Jagd — und ganz Mitteleuropa bildete den Schauplatz. Die Blätter aller Länder widmeten ihr ellenlange Spalten. Dann erfolgte Racoszns Verhaftung, unb das allgemeine Interesse erloscy. Niemand konnte damals ahnen, daß das Duell erst vier Jahre später seinen endgültigen Abschluß finden würde — in den Ereignissen, die die Grundlage dieser Erzählung bilden sollen.
Man erinnert sich vielleicht noch an Brentheims Kops. Ein viel veröffentlichtes Bild zeigt den greifen Kommissar mit den Hellen, etwas heroorquellenden Augen unter der kantigen Stirne. Das spärliche schlohweise Haar liegt straff auf den Schädel gedürstet. Brentheim stammte aus einer alten norddeutschen Familie unb war nach zehn Jahren aktiver Tätigkeit in ber Armee zur Polizei übergetreten. Der Ruf ber Dienste, bie er ber deutschen Justiz geleistet, ist so verbreitet, daß sich besondere Würdigung an dieser Stelle erübrigt Unerschrockenheit und Tatkraft, getragen von einem bis in sein Alter hinein riesenhaft kräftigen Körperbau, er- fehlen bei ihm einen Teil der aciftigeren Fähig- fetten, die unter anderen der Rechtsanwalt Kramer für die wesentlichste Waffe des modernen Krimi- naiiften hält: den psychologischen Blick und den Mut zu gewagten Kombmationen.
Kramers Gefühl für Recht und Unrecht beispiels- weise ist weit labiler als dasjenige des alten Korn- mistars — „weniger ernsthaft" wie Brentheim, der den um zwanzig Jahre jüngeren Rechtsanwalt wie einen Sohn liebte, im Scherz zu sagen pflegte: „Du bist eben Sportsmann, siehst du — und ich war immer Beamter!" —
In wenigen Worten ein Bild von Racoszys Persönlichkeit zu geben, ist bedeutend schwieriger. Der Chronist hörte zeitgenössische Urteile über ihn, die sich damit begnügten, ihn einen „romantischen Commis voyageur" zu nennen. Oder solche wie des Peber Monsback, der in einem feiner amüsanten Aufsätze in der „Dänischen Abendpost" schrieb:
. Baron Racoszy ist ein oeritabler Filmheld,
der mit einem kühnen Sprung aus der Leinwand heraus die dritte Dimension gewonnen hat."
Ich weiß nicht, ob diese ironischen Urteile dem Baron gerecht werden. Mir scheint, diese Betrachter vergessen einerseits den tatsächlichen Schaden, den der Mann angerichtet hat — und übersehen andererseits doch seine glänjenöen Fähigkeiten. Kein Zweifel: wären sie im Dienste der menjch- lichen Gesellschaft gebraucht worden, so hätten sie dieselben großen Wirkungen in nützlicherem Sinne gezeigt, wie sie sie leider in schädlichem und gefährlichem Sinne zuwege gebracht haben.
Gewiß — er war nicht der große Verbrecher des technischen Zeitalters: geübt in der zweckmäßigen Anwendung praktischer Physik und Chemie, kaltblütig, diszipliniert, sachlich . . . sondern er liebte die Geste und den Schnörkel. Er verließ sich auf die Wirkung seines persönlichen Schwunges, auf den suggestiven Einfluß seiner Erscheinung, auf feinen sorgsam trainierten Charme — und ich denke, die obenerwähnten Beurteiler können nicht umhin zuzugeben: der Erfolg, in den meisten Fällen wenigstens, gab ihm Recht.
Seine genaue Kenntnis des menschlichen Charakters, feine Erfahrung in der Haltung aller Gesell- schaftsschichten, vor allem aber seine unglaubliche Verwandlungsfähigkeit in jede Gestalt und in jedes Alter hinein — unterstützt von verblüffenden Sach- fenntniffen — dienten ihm zur Ausführung seiner umfassenden verbrecherischen Pläne und gestatteten ihm, zehn Jahre lang in der ersten Berliner Ge- sellschaft eine glänzende Rolle zu spielen, sechs Jahre als Landarzt an der dänischen Sundküste zu praktizieren und eine geraume Zeit eine offizielle Stellung während der Unruhen des Balkans einzunehmen.
Nicht nur, daß er nahezu alle europäischen Sprachen fließend sprach, eine ungewöhnliche Begabung ließ ihn selbst Dialekte verstehen und beherrschen, so daß ihn der Bewohner von Aarhus am breiten Klang seiner Mundart ebenso als engeren Landsmann einscyätzen mochte, wie der dänische Großstädter an seinem Hellen Kjöbnhavnsk. Aber auch der Ostpreußc wie der Wiener, der Sizilianer wie der Schweizer, der bretonische Bauer wie der Concierge vom Montmatre hätten seiner Aussprache nicht angemerkt, daß fie einen Ungarn von unoermischtern Blut vor sich hatten. —
Von seinem Leben wußte man nur, daß er mit fünfzehn Jahren aus einer Budapester Kadettenschule entlaufen war. Ein Dezennium später tauchte er in Berlin auf. Seine aesellschaftlicke Stellung, fein mondänes Auftreten, das Interesse endlich, das er am Berliner Sport- und Theaterleben nahm, konnten niemanden auf die Vermutung bringen, daß dieser Mann zugleich das Haupt der gefährlichsten europäischen Falschmünzerbande darstellte, den Anstifter der riesenhaften Pariser Bankeinbrüche und den Erpresser, der den letzten Sproß des italienischen Fürstengeschlechtes P . . . . schließlich in den Tod trieb.
Niemanden als Brentheim. Schon die Pensionierung in Händen, die iym nach seiner unermüdlichen Arbeit die reichlich verdiente Ruhe bringen sollte, wurde er noch einmal durch die kühnen und geheimnisvollen Verbrechen aufgestachelt, die sich in den europäischen Hauptstädten zu mehren begannen, und die bei aller formalen Verschiedenheit einen gemeinsamen Grundcharakter trugen: den der absoluten Dunkelheit ihrer Entstehung. Wohl wurden einzelne ausfuhrende Organe gefaßt und bestraft — doch um nach verbüßter Strafe in pekuniär gesicherter Position weiterzuleben, ohne daß man die Herkunft Der Gelder und den Hauptanstifter der Verbrechen ermitteln konnte.
Zwei Jahre brauchte Drencheim, um die Fäden zu entwirren und auf den gemeinsamen Knoten- Suntt zu verfolgen, dann durchschaute er das llysterium. —
Am 4. August 19 . . wurde der Portier des Mietshauses Nr. . . am Kurfürstendamm in Berlin W von Hausbewohnern darauf aufmerksam gemacht, daß der Lift nicht funktionierte, sondern — zwischen dem ersten und zweiten Stock eingeklemmt — festzustehen schien. Nach einstündiger Arbeit, mit Hilfe eines herbeigerufenen Monteurs gelang es, den Fahrstuhl wieder in Bewegung zu bringen.
Er senkte sich langsam zum Parterregeschoß.
Man öffnete die Tür und erschrak über den seltsamen Anblick zweier Männer, die bewußtlos auf dem Boden lagen.
Der eine, aus einer leichten Kopfwunde blutend, wurde rasch erkannt: als der den ganzen zweiten Stock des prächtigen Mietshauses bewohnende Baron Racoszy. Seine elegante Kleidung war zerdrückt und fein Kragen zerrissen.
DillkreiS.
bl. DillenburL 31.Mai. Dieser Tage and im hiesigen Kreishaus eine Konferenz zwischen Vertretern der Reichsbahngesellschaft einerseits und Vertretern des Kreises, der Stadt und der Industrie andererseits statt. Gegenstand der Beratungen war die Weiterführung derK raftwagenlinie von Laasphe nach Dillenburg, die durch den Einspruch der Reichsbahngesellschaft eingestellt werden muhte. Bei der Besprechung wurde in deutlicher Weise auf das Bedürfnis einer solchen Verbindung zwischen dem Dilllreise und dem Kreise Wittgenstein hingewiesen. Die .Vertreter der Reichsbahn beharrten jedoch auf dem Standpunkt, dah ein Bedürfnis nicht anerkannt und der Ausfall durch eine Krastwagenlinie für die Dahn nicht in Kauf genommen werden könne. Der Rc- gierungspräfident in Wiesbaden wirb nunmehr über die Frage zu entscheiden haben. So oder so: es muh auf alle Fälle in den Derkehrsverhält- niffen des Diehhölz- und DanfetaleS sowie deS Wittgensteiner Landes Wandel geschaffen werden.
Oberlahnkrcis.
R u n k e l a. d. L., 31. Mai. Als der Kaufmann Ritter am Sonntagabend gegen 11 Uhr mit dem Motorrad, auf dem er seine Frau mitführte, die steile Straße Schadeck — Runkel passierte, rannte er gegen einen quer über bie Straße gelegten Balken. Die Maschine schleifte das Hindernis einige Meter weit und kam dann zum Stehen. Abgesehen von einem kleinen Schaden an dem Motorrad ist den beiden Kraftfahrern glücklicherweise nichts weiter passiert. Wer den ruchlosen Bubenstreich verübt hat, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.
Obcrwefterwaldkrcis.
CO Höhn-Urdorf (Westerwald), 30. Mai. Gestern fanb ein Landwirt von hier, wie schon kurz berichtet, beim Mähen seiner Wiese die Leiche eines Mädchens. Der Landmann benachrichtigte sofort die Polizei. Diese stellte mit Hilfe yerbcigeeilter Einwohner von Urdorf fest, daß die Ermordete die Tochter des Landwirts Denner aus älrdorf war. Als des Mordes verdächttg wurde ein Mann aus Urdorf namens Krämer fest genommen und nach Freiendiez gebracht. Krämer hat mit der Ermordeten ein Verhältnis gehabt, das ein gerichtliches Eingreifen zur Folge hatte. Am Freitag abend hat er das Mädchen am Bahnhof abgeholt und auf dem Heimweg auf der abgelegenen Wiese durch Messerstiche in den Rücken und die Brust ermordet. Der Kreisarzt stellte fest, daß der Tod zwischen 11 und 12 Llhr nachts eingetreten war. Die Staatsanwaltschaft war alsbald an Ort und Stelle. Der Mörder hat ein volles Geständnis abgelegt. Dem Verhältnis war bereits ein Kind entsprossen. Jetzt erwartete das Mädchen ein zweites Kind. Um sich der Braut und seinen Verpftichtungen zu entledigen, beging der Unmensch die Mordtat.
Turnen, Sport und Spiel.
Vom Turngau Lahn-Dünsberg.
xy. Am Sonntag begann auf dem Sportplatz zu Wieseck die zweite Runde ber GauWettspiele im Faustball. Es entwickelte sich ein scharfes Spiel zwischen ben Mannschaften ber Gauvereine Garbenteich, Hausen, Launsbach, Robheim unb Wieseck. Im großen ganzen zeigte sich gegenüber ben Vorspielen ein wesentlicher Fortschritt. Das technisch beste Spiel brachten bie Mannschaften ber Vereine Wieseck unb Hausen, bie auch im Zuspiel Gutes leisteten. Bei beiden Vereinen dürfen indes bie Mittelspieler noch lernen, beim Rückschlag den Ball flacher über bie Schnur zu bringen. Bei der Auswahl der Schiedsrichter muß noch vorsichtiger verfahren werden.
Die Spiele hatten folgendes Ergebnis (ber erstgenannte Verein ist Sieger):
Wieseck I.—Robheim I. 48:32, Wieseck Launsbach I. 51:39, Launsbach II.—Wieseck II. 60:53, Garbenteich I.—Wieseck I. 63:56, Garbenteich II.—Wieseck II. 60:53. ,
Hausen I.—Wieseck I. 37:37, fiaufen I.—Robheim I. 49 48, Hausen I.—Launsbach I. 46:38, Launsbach I.—Robheim I. 58:55.
Jugend:
Launsbach—Wieseck 46:41.
Der andere war ein Dienstmann von herkulischem Körperbau, ein Mann von reiferem Alter, mit einem blonden Scheitel — der sich zum Erstaunen der ihn Berührenden als Perücke erwies unb bas echte, dünne, weiße Haupthaar bedeckt hatte.
Die beiden Bewusttlosen wurden aufgehoben unb jeber in ein anberes Zimmer ber Racoszyschen Wohnung gebracht. —
„Man muß bie Polizei holen!" entschieb ber Diener des Barons. Der Portier eilte sofort hinunter.
Nach einigen Minuten schlug Racoszy die Augen auf.
Verwirrt blickte er um sich. Schnell die Besinnung wiederfindend, fragte er nach bem Dienst- mann.
„Der liegt wie tot im Nebenzimmer. Wir lassen die Polizei holen!"
„Das ist gut", sagte ber Baron langsam. Er richtet sich auf unb bat um Master, um sich zu waschen.
Der Diener brachte es ihm unb war ihm be- hilllich. Er konnte sich nicht enthalten, zu fragen: „Was ist denn geschehen, Herr Baron?"
„Raubüberfall!" sagte der und trocknete sich ab. ..Der Mann sollte mir ein paar Pakete in die Wohnung tragen. Wir waren im steigenden Lift, da drückte er auf ben Halteknopf und sprang mir an die Kehle. Es gelang mir, ihm einen Kinnhaken zu versetzen, der ihn hinwarf. Doch riß er mich im Fallen mit sich, und ich schlug mit dem Kopf so heftig gegen die Wand, daß auch ich bie Besinnung verlor."
„So ein Schuft!" sagte ber Diener mit lieber« zeugimg.
„Er ist ein gefährlicher Kerl. Wer ist bei ihm im Zimmer?"
„Der Monteur."
„Das genügt nicht. Wenn er erwacht, schlägt er ihn ohne weiteres nieber. Gehen Sie hinüber, fesseln Sie ben Mann unb bleiben auch Sie bei ihm, bis die Polizei kommt. — Wie lange kann das noch dauern?"
„Der Vortier ist eben hingelaufsn, vor fünf Minuten frühestens können sie nicht hier fein."
„Gut — bringen Sie mir meine Zigaretten. Dann gehen Sie hinüber!"
„Aber Herr Baron selbst —"
(Fortsetzung folgt.)


