Ministerialrat Schrohe vom Ministerium des Innern und andere herzliche Glückwunschwvrre.
Der (Krwciterungsbnii
ist in harmonischer Weise an das im 3afcre 1912/13 errichtete Hauptgebäude durch einen 15 Meter langen Derbindungsgang ange'chlossen. DaS Gebäude ist 31 Meter lang und 13,5 Meter breit und besteht aus einem Kellergeschoß, dem Erd-, dem 1. und 2. Obergeschoß, sowie dem teilweise ausgebauten Dachgeschoß. 2m Neubau sind 20 Krankenräume mit insgesamt 52 Betten geschaffen worden. Die Heilstätte verfügt von nun an insgesamt über 87 Betten. 3m Kellergeschoß des Neubaues sind die Dorratsräume, eine Kühlanlage, ferner die Heizräume. 3m Erdgeschoß wurden die Wirtschastsräume zentralisiert. 3m ersten und zweiten Obergeschoß sind die Räume für die Patienten, Behandlungszimmer, Baderäume usw. Sämtliche Räume des Hauses sind mit warmem und kaltem fließenden Wasser versehen. 3m Dachgeschoß lind weitere Räume auSgebaut, die in ihrer Hauptsache auch für die Aufnahme der Patienten Verwendung finden sollen. Ferner befinden sich dort ein Trockenboden und verschiedene Wäsche- und Ge- täfefammem. Mit den Bauarbeiten wurde am 1. April 1925 begonnen, nachdem die Erdbewegungsarbeiten bereits Mitte Februar in Angriff genommen wurden. Die Baukosten beliefen sich auf rund 360 000 Mark. Die Arbeiten wurden saft durchweg von einheimischen Lieferanten und Meistern ausgeführt.
Der Heilstättenverein, sein verdienter Vorsitzender, die ärztliche Leitung, der Baumeister und alle, die bei diesem Werke tätig waren, können stolz sein auf diese Schöpfung, von der reicher Segen für die Kranken und guter Fortschritt sür die wissenschaftliche Forschung au8- gehen mögen!
Wirtschaft.
' Die preußischen Spareinlagen im 3 a n u a r. Die Spareinlagen der preußischen Sparkassen zeigen nach der durch das Weihnachtsfest verursachten geringeren Zunahme im Dezember 1925 für den 3anuar 1926 wiederum eine Sarfc Vermehrung, und zwar um rund 109 tun. Rm. Hierbei ist aber allerdings zu berücksichtigen, daß im 3anuar die Zinsgutschriften sür das 3ahr 1925 erfolgten. Der Einlagenbestand erreichte Ende Jaunar den Betrag von 1 205,4 Mill. Rm.
* Mansfeld A.-G. f ü r Bergbau und Hüttenbetrieb, Ei sieb en. Da die Umsätze und die Rentabilität im Jahre 1925 gegenüber dem Vorjahre eine wesentliche Steigerung aufgewiesen haben, ist voraussichtlich eine angemessene Dividende zu erwarten. Allerdings ist gegenwärtig gegenüber den erhöhten Produktionsmengen des Jahres 1925 besonders in den Walzfabrikaten eine leichte Abschwächung des Auftragseinganges festzustellen. Jedoch wird von den Auswirkungen der Kredite für die nächste Zeit eine Besserung erwartet. Die aus der gegenwärtigen Wirtschaftslage herrührenden Stockungen im Zahlungseingang sowie die unvermeidbaren Verluste an Außenständen sind sehr unbedeutend und geben zu Besorgnissen keinen Anlaß.
Berliner Börse.
lCigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Berlin, 1. März. Der Auftakt der neuen Börsenwoche war wenig ermutigend. Die Börse begann die neue Woche, nachdem die Tendenz bisher schon unsicher war, in ausgesprochen m a t t e r V erfass u n g. Die führenden Aktienmärkte, so u. a. der Schiff ahrts- und Montanmarkt, hatten Kursverluste von 3—4 Proz. aufzuweisen. Die Baissespekulation hatte ihre Fühler mit Erfolg aus- geslreckt und wurde dabei unterstützt durch die pessimistischen Ausführungen in der Mitgliederversammlung des Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikates über die Entwicklung der Absatzverhältnisse. Die überaus schwierige Wirtschaftslage kommt auch in den Reichspost- und Reichsbahn-Verkehrs- und Um- fatzziffern, sowie in dem sehr schleppenden Geschäft der Leipziger Messe zum Ausdruck. Außerdem wurde die Börse weiter beeinflußt von der anhaltenden matten Verfassung der Reuyorker Börse, ferner durch die in außenpolitischen Hinsicht weiter bestehende Unsicherheit, und die Tatsache, daß der Geldmarkt nach der Ultimooersteifung noch keine Erleichterung erkennen läßt. Mit dem Zurückfließen der Gelder dürfte erst Mitte dieser Woche
m rechnen jein. Tagesgeld horie man mH 7 bis V''> Proz. Für Ultimo März erwarte! man eine noch größere Anspannung der Geldverhältniste, doch wird in Bankkreisen diese Auffassung nicht gtzteili. Im Dcvisenvcrkchr zeigte sich die französische Währung widerstandsfähig. Paris notierte gegen London 131,50. Die übrigen Valuten sind nicht me» sentlich verändert.
Börsenkurse.
Frankfurt o.M.
Berlin
Datum:
y/e Deutsch« RcichLanleih« • 4% Deutsche ReichSanlcche .
3‘/.r7i Deutsche Reichsan leide 3% Deutsche RcichSaoleihe .
Deutsche äparpränritnanlei6e 4e,'o Preußische Äonfoll • . .
4% Hegen
3’/»% Hessen
3% Hessen Temsche Wend. Dollar-Aol.
bto. Doll -Schatz-Anweisna')
<•/» Zollnirfen 5% Äoldmertkaner ...
Berliner Handelsgesellschaft.
Commerz- and Privat. Bank Tarmi'l. und Nationaldank . Deutsche Bank........
Deutsche Bereinsbank .... DiLconto Eommandit Metalldank..........
Mittrldeutsche Kreditbank Oefterrrichtsche Kreditanstalt
Westdank
Bochumer Saß .......
Buderus
Caro Deutsch-Luxemburg......
Gelsenkirchener Bergwerk. . Hmpener Bergbau......
Kaliwerke Sscheröleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurabütlr .
Oderbedarf
Phönix Bergbau » Rhcümahl......... . .
Webtet Montan ...... TellnS Bergbau. ......
Hamborg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ... Cheramlsche Werke Albtu . . Zementwerk Heidelberg . . . Philivv Holzmann .....
Anglo-Cont-Guano .
Chemische Mäher Alapin . .
S. (9. Tforbeninbuftrie, A -A.
olbfromibi
Holzverkohlung
RütgerSwerkr Echcldeanstalt «klg. EkektrtzitätS'Sesellschaft Bergmann .
Mawkrastwerke ....... Schuckert . . ........
Siemens & Halöke
Adlerwerte Kleyer .....
Daimler Motoren. ......
Hehliaensiaed».........
Meguin.............
Motorenwerks Mannheim .
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . . . MetaLgesell^a^ Frankfurt . Schuhfabrik Herz ■ . . . ", * j Sichel ........
Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Doghäickel . . .
Rur»
,-Uhk- Rur»
Schluß Rar»
tlnfana Rare
*7. 2.
1.3.
27.2.
1. 3
1.384
0.381
0.875
0,38
—
0.33
0.38
Ü.StiO
—
0 35
0 36 '
U.4'.U
_
0.49
0,495
0 225
022
—
.3711
—
—
0,365
0,350
—
0 355
—
—
—
0.355
—
—
—
0,38
—
—
—-
93
—
99,45
—
=9.45
—
11.4
11,6
—
40,1
49,75
—-
145.3
—
115
—
109*
109.5*
109 5*
109,5*
1'7
127,3*
127’
125,7*
27
127*
126,5*
12,2*
73
-—.
-
W—
120.25
120’
130.7*
120’
81
83
—
101,2*
101*
101,2*
101,5
6,75
6,75
0,75
7
—
0,033
—
—
83,3
86
45.4
4i
—
44
43
44.4
88.5
85*
8*7.9*
89
«7,5*
87*
107
105,5*
106’
115
—
116’
115,5*
119
118,75
—
35,5
-
85
45
46
4 i*
45,25*
76*
74.84*
75.5*
75,35*
80,5
79*
80*
79.5'
82 5,
—
82,9
82,5
64
—
—
131
137,5*
130*
128,7*
128 7*
124.5*
128.7’
124*
<■»
—
77,75
78
—
_
63,75
—
64
—
—
81,25
—
—
——
——
125'
124,4*
125.2*
121.5*
66,25
65,75
66,5
66,25
55.5
—
73.5
—
71.5
74,25
90,25
00.23
-
-
96-
90 25*
95,75*
—
82
—
82,5*
81.5’
85
—
—
81
—
81*
80’
!)'
—
99,71*
100*
38.5
38
38.5
39,5
34
33,5
35
23
*
29
-*
10
—
-*
—
32 3
—
1 —
—
—-
——
—•
—
93.5
92,5
—
—
63,23
-
03 5
——
—
—
27
6,1
—-
5,75
106
107,75
107
105
43 5
43
45
45
14,75
—
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 1. März. Tendenz: schwächer, Pfandbriefe und ausländische Renten fest. Die Börse eröffnete die neue Woche, soweit die Aktienmärkte in Betracht kommen, in unsicherer rnd gedrückter Stimmung bei weiter stagnierendem Geschäft. Während der Terminhandel ein lustloses Gepräge zeigte und bei starker Vernachlässigung empfindliche Kurseinbußen erlitt, beanspruchte der Pfandbriefmarkt verstärktes Interesse der Spekulation. Die Umsatztätigkeit auf diesem Gebiet nahm etwas größeren Umfang an, und das Geschäft zeigte teilweise stürmischen Charakter. Vorkriegs-Pfandbriefe konnten bereits vorbörslich ansehnliche Steigerungen erzielen. Auch der Ausland-Rentenmarkt machte die gleicke Entwicklung durch, so daß für diese Gruppe anseynliche Besserungen einsetzten. Die Verstauung an den Aktienmärkten ist auf die anhaltende schwache Verfassung der Reuyorker Börse zurückzn- führen. Große Verstimmung wurde auch dadurch in den Markt getragen, daß die unerquickliche V ö l- kerbundsdebatte jetzt einen so breiten Raum einnimmt, daß man bereits von einer Völker- b u n d s k r i s e sprechen zu können glaubt. Im Hinblick auf diese ungünstigen Motive war der Aktien-
Die tolle Herzogin.
Roman von E r n st Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wenn Sie nur eine Bewegung machen oder gar ein einziges Wort sprechen," fuhr sein furchtbarer Gast fort, „während ich mit dem Kellner verhandle, schieße ich Ihnen durch meine Tasche zwei Kugeln in Ihren dicken Bauch. Verstanden?"
„M—M—Monsieur--!" ächzte der Levan
tiner.
Ein Fellach trat ein, und James Wood widmete sich mit ebensoviel Sachkenntnis wie Hingebung der Aufgabe, ein erquisites Diner zu komponieren. Dabei 'ließ er kein Auge von seinem unfreiwilligen Gastgeber. Doch der saß gottergeben da und ließ den Dingen ihren Lauf. Im Gegenteil — er schien sich darein schicken zu wollen. Und je länger die Beratung zwischen James Wood und dem Ganymed im Kaftan dauerte, desto mehr glätteten sich seine vvrhin so gramdurchfurchten Züge. Als die Dincr- diskussion beim Dessert angclangi mar, wagte sich auf seinen Mund sogar ein Lächeln, ein seines, listiges Lächeln.
„Ich sehe," sagte er, „der Herr versieht sich auf die Genüsse, die ein künstlerisch zusammengeietztss Menü gibt. Aber etwas hat der Herr doch vergessen."
„Das wäre?"
„Was sind das köstlichste Diner, der feurigste Wein ohne die Gesellschaft einer schönen Frau, die dem Essen die richtige Würze und dem Wein das wahre Feuer verleiht."
James Wood witterte Unrat.
„Sie haben nicht so unred)1. verehrter Gast- freund", lachte er. „Aber die besonderen Umstände, denen ich dieses Diner verdanke--"
Eine großartige Handbewegung des Direktors wies feinen Einwand zurück.
„Der Herr beurteilt mich immer noch falsch", meinte er, und feine Goldzähne nahmen wieder ihren freundlichen Glanz an. „Oder fürchtet sich ein Mann wie Sie vor einer Frau»"
„Das kommt daraus an. in welchem Verhältnis diese Frau zu Ihnen und zum Gottseibeiuns stehl,
teurer Direktor. Bah — Sie haben ja so recht, daß ich wirklich ein Narr wäre, dieses kleine Risiko nicht auf mich zu nehmen. Habe ohnedies lange genug die Gesellschaft einer schönen Frau entbehrt, der man in die Augen schauen kann, wenn man ihr zutrinkt."
„Bravo, mein Herr--! Sie werden zufrieden
sein! Was sage ich zufrieden? Glücklich werden Sie sein! Berauscht--"
„Wohl der Zweck der Hebung? Ich fürchte. Sie werden da eine Enttäuschung erleben."
„Dieses Risiko nehme ich auf mich, mein Herr!" Und zum Fellachen gewendet:
„Bitte Madame Lßonie hierher!"
Drei Minuten später öffnete sich die Tür — in ihr stand die kleine Leoantinerin mit dem Unschulds- mund und den Satansaugen.
,,A la bonne heure!“ rief James Wood.
4. Kapitel.
Läckielnd trat sie ein. Ihr Blick blieb eine Ee- tunde lang auf dem jungen Mann haften, huschte bann zu dem Direktor hinüber. Blitzartige Frage — blitzartige tHnttyi.
Feierliche Verstellung.
„Das ist Madame Lsonie Sperazzi!"
„Mein Name ist James Wood!"
„Ich heiße Aristides Sperazzi. Madame ist meine Schwester!"
Langsam kam sie an den Tisch heran. James Wood suchte nach einem passenden Vergleiche, aber er fand leinen andern als den uralten Gemeinplatz — den Vergleich mit der Katze. Das war kein Gehen das war ein Wiegen, Gleiten, das war schreitender Tanz. Bloß die Musik fehlte dazu, die geheimnisvolle Musik des Orients, die der Europäer nicht versteht und deshalb so häßlich, monoton findet. Und die doch so hinreißend, so berauschend ist---
Der Gast wollte ihr Den Plag auf der Ottomane einräumen, doch sie mit ihrem unschuldsvollsten Lächeln winkte ihn neben sich. Sperazzi zog sich seinen Fauteuil an Woods Seite.
Hm — jetzt haben sie mich in der Mitte! dachte Wood.
Das 'Mahl begann. Es war ein succfcs von der ersten Platte bis zur letzten. Die Weine erstklassig — und Madame Leonie wirklich bezaubernd. Aber James Wood behielt den Kops klar. Geschäft ist Geschäft — nicht wahr?
markt mit Abgaben stark belastet, wobei das her anskommende Material nur einer geringeren Ausnahmelust begegnete. Die Rückgänge wirkten sich besonders scharf am Schiffahrt- und M o n tanmarkte aus. Von Montan-Aktien erlitten Deutsch-Lux. Gelsenkirchen und Phönir Verluste bis zu 3 Proz. Schiffahrtswerte schwächten sich 3 bis 4 Prozent ab. Bei den Farbwerten hielten sich die Rückgänge in engeren Grenzen. Von Elektromerten konnten Elektr. Lieferung um 3 Prozent anziehen. A. E. G. stellten sich nach Abzug der Dividende auf 90,5. Bankaktien waren ziemlich gehalten. Von A u t o a f t i e n schwächten Kleyer etwas ab, während Daimler um 2,5 Prozent höher gingen. Am K a s s a in a r k t der Industriepapiere setzten Zellstoff Waldhof ihre Steigerung um 1,75 Prozent auf 107,75 Prozent fort. Auch Zement Heidelberg zogen leicht an. Im übrigen mar hier die Haltung gleichfalls recht unsicher und die Rückgänge überwiegend. Der deutsche Rentenmarkt, der sich anfangs gehalten zeigte, unterlag später ebenfalls der schwächeren Strömung. Kriegsanleihe, die anfänglich 0,381 notierten, senkten sich später auf 0,378. Don ausländischen Renten lagen Türken und Ungarn fest. Der Freiver - kehr war geschäftslos. Api 0,38, Becker Stahl 45, Becker Kohle 55, Benz 41, Brown Boveri 68, Entreprise 9,5, Krügershall 87, Ufa 55, Unterfranken 68 Prozent. Der weitere Verlauf brachte an den Aktienmärkten neue Kursrückgänge, während Pfandbriefe und ausländische Renten in ihrer festen Haltung verharrten. Die Spannung am Geldmärkte übertrug sich auf den neuen Monat. Besonders für kurzfristige Mittel war eine größere Verknappung festzustellen. Die Sätze waren fast unverändert. Tages- geld 7 bis 8 Prozent, Monatsgeld 6,5 bis 8,5 Proz., je nach Adresse. Bankdiskonten 5 Prozent, Industrie - akzepte 6 Prozent. Im internationalen D e oisenverkehr konnte sich Paris gegen London bis auf 132 erholen. Das englische Piund liegt mit 4,85g gegen Kabel etwas schwächer. Die übrigen Valuten sind fast unverändert.
Vanknoten.
Berlin, 27. Fevr
Geld
Briet
Amerikanische Roten .....
4.18«
4.206
Belgische Noten........
19,01
19.11
Dänische Noten .......
108.83
109.37
Englische Noten........
20,359
20,459
Französische Roten ......
Holländische Noten......
15,10
15 6
(67,53
168,37
Italienische Noten......
Norwegische Noten......
16 86
14,9,
90,89 59,OJ
91,35
Dnitsch-Oesterr., ilOO Kronen
59,33
Rumänische Noten . ....
Schwedische Noten ■ ...
1'12,17
112.73
Schweizer Noten ......
80,603
81.005
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten ..
59,0 >
59,3a
12.38
12,45
Ungarische Noten.......
5.835
5,875
öHittffurtcr Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 1. März. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26 bis 30 Mk.. Roggen, inländischer, 17 bis 17,25; Sommergerste für Brauzwecke 20 bis 22,50; Hafer, inländischer, 18 bis 21,50; Mais, gelb, 18,25 bis 18,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,75 bis 40,25; Roggenmehl 25,25 vis 25,75; Weizenkleie 9,25 bis 9,50; Roggen- fiele 9,50 bis 9,75; Erbsen 28 bis 34; Linsen 40 bis 70; Heu, süddeutsches, gut, trocken 8,50 bis 9; Weizen- und Roggenstroh 4,50. bis 5; Treber, ge» trocknet 16 bis 16,75 Mk. Tendenz: etwas fester.
frankfurter Schlachtviehmarkt.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M. 1. März. Auftrieb: 1209 Rinder (darunter 411 Ochsen. 29 Bullen, 850 Färsen und Kühe), 353 Kälber, 137 Schase, 3713 Schweine. Rinder. Ochsen: Vollflei- schige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 45 bis 52 Mark; junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 38 bis 44; mäßig genährte junge und gut genährte ältere 30 bis 37. Bullen: Bollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 44 bis 48; vollfleischige jüngere 38 bis 43. Färsen und Kühe: Vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 45 bis 52; vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Zähren 39 bis 44; wenig gut entwickelte Färsen 35 bis 44; ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 32 bis 38; mäßig genährte Kühe und Färsen 21 bis 30; gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 20. Kälber: Doppellender feinster Mast 65 bis 70; feinste Mast kälber 56 bis 64; mittlere Mast- und beste Saugkälber 48 bis 55; geringere Mast- und gute Saugkälber 40 bis
Als der Hennessy geschlürft und die Corona Co- ronas, die Sperazzi als Strönunq des Ganzen offerierte, angezündet war. legte er sich behaglich zurück und eröffnete die Debatte.
„Sie entsinnen sich noch, Madame, unserer kleinen Unterhaltung von vorhin?"
Sie streifte nachlässig die Asche ihrer Dimitrino ab. Nur durch ihr Lächeln antwortete sie.
--Madame schienen etwas irritiert durch die Melancholie, die meine Rede verdüsterte und mein Konversationstalent nicht ins rechte Licht kommen ließ. Es war die tnelancholischfte Melancholie, die es gibt, diejenige, die aus dem Gegensätze zwischen einem vollen Herzen und einer leeren Brieftasche entspringt ---"
„Es scheint aber, daß — wie dieses Souper bezeugt — Ihrer Melancholie abgeholfen wurde. Sie sehen, mein Wunsch hat Ihnen Glück gebracht — Sie haben gewonnen."
Sie bog sich etwas zurück und blickte ihn unter halbgeschlossenen Lidern hervor spöttisch an. Ohne Zweifel — diese kleine entzückende Frau war zehnmal gefährlicher als der dicke, brutale Kerl, der ihr Bruder war oder sonst irgend etwas. In James Wood stiegen allerlei wilde Instinkte hoch, und ein Wort des jüngeren Dumas schoß ihm aufreizend durch den Kopf — In die 'Arme reißen dieses Weib, sich st. ulüsten und dann--da kein Fenster in
dem Raum war, zur Tür Hinauswersen. Und der Bruder.' Bah — ein Hieb mit dem Browninggriff unter das Kinn---
Doch das Geschäft! Er tränt gemächlich ein Täßchen Nektargebräus, das sie in Aegypten Kaffee nennen. Der Kaffee hat noch keinen zum Mörder gemacht---
Sie mochte erkennen, was in ihm zischte. Das Raubtier witterte das Raubtier. Graziös zog sie die Beine unter sich auf den Sitz und beugte sich zu ihm hin. Ganz dicht an seinem Gesicht war ihr Mund.
„Nun, mein Herr bekehrter Melancholiker?"
So blickten sie sich in die Augen. Tasteten sich mit den Blicken ab. Maßen sich. Beschnüffelten sich wie zwei Bestien, die sich noch nicht klar darüber sind, wie und wo sie sich packen sollen.
Aristides Sperazzi saß dabei, hatte die Hände auf dem Lauche und machte ein gleichgültiges Gesicht. Für die beiden anderen war er gar nicht da.
„Ja, ich habe gewonnen", sagte James Wood.
47. 2 chasc: Mastlämmer und Mafthämmel 45 biS 50; geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 43. Schweine: Vollfleischige von 80 bi« 100 Kilogramm SO bi» 82. unter 80 Kilogramm 72 bis 79. von 100 bi» 120 Kilogramm 81 biS 83; von 120 bis 150 Kilogramm 80 bis 82; unreine Sauen und geschnittene Eber 62 bis 75 Mark. Marktverlaus: Bei Rindern ruhiges Geschäft und ausverkauft, bei Schweinen und Kleinvieh mäßig und geräumt.
Büchertisch.
„Der Heger". (Heger-Verlag TD. 9>.
Korn. Breslau. > Das 8. Heft her forstlich-kyno- logischen Zeitschrift ist recht umfangreich geraten unb bringt für ben Zöger, hen Natur- und Tierfreund eine Fülle von Anregung. Unterhaltung unb Wissensstoff. Bieger-Roskock spricht
über ..Geschlechtsverhältnis unb Büchfenhege": Frhr. von Reibnih gibt an Hand von Abbil- bungen einen interessanten Einblick in seine Eulen- geblrgische Silberfuchsfarm; Alexander Schmook erzählt vom Marder im Winter, über ba« brutsche Langhaar unterrichtet ein Aufsatz von HanS Hasenclever (mit Bildern).
Deutschkunbliche Bücherei: Minnesang und Spruchbichtung im deutschen Mittelalter. Von Studienrat Dr (3. Salomon. 57 Seiten. Steif broschiert 80 Ps. -- Deutche Lyriker von Liliencron bi» Werfel. Von Stubien- rat Dr. H Röhl. 79 Seiten. Steif broschiert 80 Pf. - Einführung in das Mittelhochdeutsche. Don Dr. R. CB Himel. 2. erweiterte Auslage bearbeitet von Stubienrot Dr. G. Wenz. 49 Setten. Steif drosch. 60 Pf. - Die deutsche Renaissance- maleret Von Dr. U. Christossel. 61 Settern Stets broschiert 80 Ps. Frühmittelalterliche deutsche Kultur im Bilde. Von Prosessvr R. Goette. 32 Takeln mit 20 Seiten erläutern dem Text. Steif broschiert 90 Pf. - Die deutsche bU- benbe Kunst der Romantik im Bilde. Von Prof. Dr. F. Knapp. 32 Tafeln mit 16 Seiten erläuterndem Text. Steif broschiert 80 Ps. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 575
— Geschichten aus dem Mittel- alter. Herausgegeben von Hermann Hesse. Verlag Karl Hönn. Konstanz, Landschlacht (Schweiz). Der Dichter des „Demian" und der „Roßhalde" hat in diesem Buch alte, lange vergessene. oder nur noch im engen Kreise wissenschaftlicher Forschung erschlossene Quellenbücher auch für ein breiteres, und ungelehrtes Leserpublikum wieder lebendig zu machen versucht. Seine „Geschichten aus dem Mittelalter" umfassen dreizehn Erzählungen aus dem „Dialogus miraculorum“ des weiland Cistercienserpriors Caesarius von Heisterbach (1170—1240), die der Herausgeber selbst übertragen hat, und neun Stücke ans den „Gesta Romanorum“ (älteste Handschrist 1342), denen eine Uebersehung aus der Mitte des vorigen Zahrhunderts zugrunde liegt. Was Hermann Hesse hier im kleinen und Unscheinbaren getan hat, mit der Herausgabe dieser schönen und schlichten Prosa, die, trefflich vorgetragen, oft wie die Heiligenleben und frommen Mirakel der „Legcuda aurea“ zu lesen ist, das empfängt seine Weihe und bedeutsame Weite in der Grundanschauung, aus der dieses Buch geschaffen wurde. Was wie eine Rückkehr zur deutschen Romantik vor 100 Zähren anmutet, soll „heute .. . wo unsere Kultur erschüttert erscheint und ihre geistigen Fundamente von vielen Seiten her einer neuen Kritik unterzogen werden", als Gegengewicht gegen einen einseitigen Klassizismus die Besinnung auf das deutsche Mittel- alter und die Freude daran wieder erwecken und den Geist deutscher Romanik und Gotik wieder lebendig machen. Zn solchem Sinne wird man das schöne und (in her guten, alten Bedeutung des Wortes) einfältige Buch herzlich begrüßen, dem der Verlag eine würdige Ausstattung gegeben hat Klaren Druck auf sehr leichtem Papier und als illustrierenden Buchschmuck Holzschnitte des XV. Zahrhunderts.
— Deutschlands sportliche Weltgeltung wird bei den olympischen Spielen 1928 in Amsterdam erneut erhärtet werden müssen. Cs ist von größter Wichtigkeit, daß die deutschen Sportkreise über die Borgänge unb Leistungen bei den olympischen Spielen 1924 in Paris, an denen Deutschland bekanntlich nicht tcilnahm, unterrichtet werden. Dieser Notwendigkeit trägt das reichhaltige Wert „Die olympischen Spiele Paris 1924", das die Reemtsma A.-G. in Altona- Bahrenfeld hem deutschen Sport stiftete, in bester Weise Rechnung. 359.
„Ich hobc die Ansicht gewonnen, daß solch eine ingeniöse Erfindung, wie sie an Ihren Roulettetischen angebrachr ist, ganz gut mit einer kleinen Steuer belegt werden könnte."
Keine Miene zuckte in Madame Lsonies Gesichtchen.
„Ei — ei--!" lächelte sie. „Sie haben jeden
falls eine neuartige Auffassung von solchen Angelegenheiten, Herr Wood. Daß ein Gentleman sic von rein steuertechnischen Gesichtspunkten aus betrachten könnte, ist mir vollständig neu. Aber jeden falls interessant — bitte, fahren Sie also fort! Doch halt — noch eine Tasse?"
Entzückend das Spiel ihrer zarten Finger, als sie ihm die Tasse füllte und reichte. Dann kauerte sie sich wieder zurecht, legte den Kopf schief und war bereit, ihm zuzuhören.
„Wir wollen den Begriff des Gentleman aus dem Spiel lassen, Madame. Er ist so vag und wird jo oft mißbraucht, daß wir besser tun, ihn wenigstens jetzt beiseite zu schieben."
James Wood lächelte. „Es ist für beide Teile gewiß angenehmer, wenn wir unter Vermeidung aller Hinwege |o schnell wie möglich zum Ziele gelangen. Also kurz und bündig, meine Herrschaften! Sie haben in Ihrem Etablissement Roulettetische stehen, die — gedoktert sind. Wie ich mich mit meinen eige nen Augen überzeugen konnte, läuft vorn Fuße des Croupiers, der die Roulette bedient, unter bem Teppich und durch den Tischfuß eine Hebelvorrich tuilg, die im richtigen Moment an der Roulette selber eine kleine, kaum sichtbare Platte in die Höhe schiebt, so daß die Kugel genau auf die Ziffer fällt, die der Croupier haben will. Daß diese Zisfer immer diejenige is», die am wenigsten besetzt ist, dafür sorgen die christlichen Grundsätze, nach denen dieses Eta- blisiernent geleitet roirbz
„Ja, die Vorrichtung arbeitet exakt", sagte Madame Lsonie. „Aber es gehört große Geschicklich. keil dazu, sie zu handhaben."
„Das will ich meinen. Wenn der Croupier daneben tritt und gerade eine Nummer erwischt, bte fünfmal mit dem Maximum dekoriert ist, kann das ins Geld gehen."
„Und das Schlimmste ist — man tann bann ten schuldigen nichr entlassen. Sie verstehen, —■ — nicht wahr. Herr Wood?" ,
(Fortsetzung folgt.)


