Ausgabe 
1.3.1926
 
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Nr. 50 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (Seneral-Ailzeiger für Gberheffen)

Montag, t. März 1926

Neue Tatsachen zur Kriegsschuldfrage.

Don Dr. Fritz Kern, o. Professor der Geschichte an der Universität 'Bonn.

Sn der Presse wird immer häufiger von dem Ausbleiben des zweiten Tirpihbandes ge­redet. Man möge mit Mutmaßungen zurück- haltcn, denn der zweite Band wird zu seiner Zeit erscheinen, und er dürfte noch gewichtiger als der erste ausfallen, dafür sorgt schon sein Stoff, die Geschichte des Krieges. Heute seien nur aus den Tagen, die dem Kriegsausbruch un­mittelbar vorangingen, einige neue Einzelheiten mitgeteilt, die zur Beurteilung der Kriegs- s ch u l d f r a g e ins Gewicht fallen.

Am 29. Juli 1914, abends 6 Llhr, hat der Kaiser den Großadmiral nach Potsdam gerufen. Der Kaiser war in vollen Illusionen, er glaubte den Frieden gesichert. Am gleichen Lage war nämlich Prinz Heinrich von Preußen aus Eng­land zurückgekehrt, und der Kaiser teilte mit, der englische König habe erklärt, daß England in dem Krieg neutral bleiben werde. Allerdings habe Sir Edward Grey geäußert, die Sache würde anders, wenn wir Frankreich niederschlügen. Der Kaiser fragte:Was heißt das?" Tirpitz:Greys Rede zeigt deutlich, daß England sich seine Schritte vorbehält und nicht klaren Wein ein- schenkt. Nur wenn England klipp und klar seine Neutralität erklärt, kommt es nicht zum Krieg."

Der Kaiser:Sch habe das Wort eines Königs, bas genügt mir. Aach diesem Ausdruck eines romantisch gefärbten Glaubens gewährte der Kaiser dem Großadmiral weiterhin' einen tiefen Einblick in die Nervosität, in welche die Politik des Grafen Derchtold die Wilhelmstraße verseht hatte.Sch weiß nicht, was die Oester­reicher wollen, so äußerte der Kaiser. ,.Sch werde von allen Seiten bestürmt und habe des­halb einen Herrn vom Auswärtigen Amt nach Wien schicken wollen, aber die österreichischen Dahnen sind wegen der Teilmobilmachung gegen Serbien schon gesperrt. Deshalb ist an den Bot­schafter in Wien telegraphiert worden, er solle vom Grafen Derchtold kategorisch Auskunft dar­über verlangen, was sie eigentlich wollten. Die Serben haben doch olles bis auf einige Bagatellen konzediert. Sch kann verstehen, daß die öster­reichische Armee Genugtuung braucht, nachdem sie dreimal vergeblich gegen Serbien mobilisiert ist, aber dazu genügt ein Faustpfand."

Unmittelbar nach dieser Unterredung hat der Großadmiral ihre genaue Niederschrift ver­anlaßt. So gibt dieses Aktenstück mit photogra­phischer Treue den Gemütszustand des Kaisers am 29. Suli wieder. Wir sehen, wie ihn einzig und allein die Sorge um Er­haltung des Friedens bewegt hat. Darum drückt er mit voller Wucht auf den öster­reichischen Minister des Auswärtigen, um die Forderungen Wiens, die ja in der Tat nur auf Sühne, nicht auf Eroberungen gingen, unver­züglich auch der Entente gegenüber restlos zu crflarcn. Lind aus demselben Grund klammerte sich der Kaiser an jeden Strohhalm englischen Friedenswillens. Die Aeußerung, die Tirpitz dem Kaiser gegenüber in dieser Aussprache tat, traf den entscheidenden Punkt: Hätte England seinen Aeutralitätswillen klar ausgesprochen, dann hätte der Zar niemals die Mobilmachung angevrdnet. England und nur England hatte eS damals in der Hand, den Krieg zu verhindern, wenn es wollte. Lind zwar ohne Einbuße der Machtstellung und des An­sehens der Ententemächte, da ja Deutschland sich dafür einsehte. daß die Wiener Politik gegen Serbien in den Schranken der bereits von der Entente grundsätzlich zugebilligten Sühne für den Lhronfolgermord blieb.

Wenn noch irgendein Zweifel über die deutsche Friedenspolitik bisher bestehen formte, so wird er durch eine weitere Mitteilung des Groß­admirals hinweggeräumt. Der Kanzler berichtete am 30. Suli um Mittag, also einige Stunden vor der russsichen Gesamtmobilmachung, über die Lage. 'Betbmann-Hollweg erklärte dabei, e r gebe di e Hoffnung auf Erhaltung des Friedens nicht auf. solange der deutsche Vorschlag desHalts in Belgrad" von Wien nicht abgeschlagen sei. Die große Mehrheit der Völker sei an sich friedfertig. Allerdings konnte der Kanzler nicht verhehlen, daßdie Direk­tion verloren und der Stein ins Nollen geraten sei". Darauf stellte Tirpitz den Antrag, für die MarineSicherung" anordnen zu dürfen. Der Kanzler st raubte sich, wie Tirpitz berichtet, lebhaft gegen diese Maß-

Die eingemauerten Vögel.

Don Wilhelm Schmidtbonn.

Die nachfolgende Erzählung stammt aus einem im Drei-Maslen- Derlag (München) erschienenen Buche des rheinischen Dichters Wilhelm Schmidtbonn. der vor kurzem sein fünfzigstes Lebensjahr vollen­det hat. Es heißtDie uner­schrockene 3 n f e 1, ein Sommer­buch aus Hiddensee, ist mit Zeich­nungen von Hermann Ebers ge­schmückt. der Lasker-Schüler zugeecg- net, und umschließt eine Fülle von Gedanken und Bildern und kleinen, feinen, lächelnden ober traurigen Smpressionen.

3n unserem Zimmer, kaum größer als der Tisch, zeigt sich ein nasser Fleck an der Decke oben. Mein Kind zeigt daraus.Dom Regen", sagen wir. Am nächsten Tag fällt ein Stück der Decke mitten unter uns auf den Tisch. Sch gehe zu unserem Herbergsvater, einem guten Mann, der neben der Herbergsmutter. einer guten Frau, auf der Dank vor der Haustür sitzt. Sch denke weniger an uns, als an den Schaden,, den das Haus erleiden könnte, und sagte:Da ist ein Stück Decke heruntergefallen. Dom Regen. Es ist ein Loch im Ziegeldach. Wollt ihr es nicht zumauern lassen?" Als ich abends vom Meer zurückkam, war bte Arbeit schon erledigt, das Loch zu. Aber nun kommt das, worum es sich handelt: durch das Loch fjcrcinfliegenb, hatten im Sommerbeginn Schwalben ihr Nest in den Dach­boden gebaut. Welch ein immer neues Schauspiel, zuzusehen, wie die Allen ein- und ausflogen, um die Sungen zu füttern, deren Gezirp man hörte. Sn einem plötzlichen schrecken frage ich:Lind die Sungen, wo sind die Sungen? Sind die Sungen hinausgetan? Die Herbergsleute sehn mir ins

regel. Sein Derhalten sticht auffällig gegen das des englischen Ministers ab.

Am meisten umstritten ist ja heute noch, wie weit England am Ausbruch des Krieges mit­schuldig fei. Zur Klärung dieser Frage gibt Tirpitz eine Gegenüberstellung, die als eine der stärksten Belastungen Englands wirken muß. Schon am 28. Suli Hal der englische Marine­minister Churchill die britische Flotte ihre Kriegs­stationen einnehmen lassen. Llm 5 Llhr nachmittags an diesem Tag wurde die ausschlaggebende Erste englische Flotte nach Scapa F.'ow beordert, und zwar geheim. Lind am 30. 3-uli. also dem Lag. an dem Dethmann-Hollweg noch nicht einmal die Sicherung der deutschen Flotte zugeben wollte, telegraphierte Churchill an den Ober­befehlshaber im Mittelmeer:Allem Anschein nach kommt es zu einem Krieg, in dem auch England und Frankreich verwickelt werden. Shre erste Aufgabe muß sein, durch Bedeckung von Transporten der afrikanischen Armee Frankreich zu unterstützen und. wenn möglich, die schnellen deutschen Schiffe, besonders die(Soeben, zu stellen." An diesem 30. Suli also, an dem die

Setzten wir an die Stelle Wilhelms II. Mus­solini und behalten wir dabei das dauernde Schwanken der italienischen Außenpolitik zwischen der englischen und französischen Annäherung im Auge, und bcadjten mir, daß wiederum die englisch- französischen Gegensätze sich im Mi 1 te 1 meer und in Richtung Deutschland gleichermaßen auswir- ken, so ergibt sich naturnatwendig eine beunruhigende Unsicherheit der deutsch-italienischen Beziehungen. Diese Unsicherheit wird eine a 1l- gemein kontinentale, weil die kontinentalen Grenzen noch den Charakter von Kriegsrudimenten tragen, und weil in Italien ein Phänomen von maßgebendem Einfluß ist: der F a s z i s m u s. Ich habe stets das Aktive im Faszismus als Antrieb für den im Grunde idyllisch veranlagten Italiener aner könnt und habe diesen Kern auch nicht außer acht gelassen, wenn seine Aeußerungen bisweilen brutale Form annahmen. Der Faszismus ist eine inneritalie­nische Angelegenheit und wir sind zu einer Stellung­nahme erst berechtigt, wenn er sich auf dem Gebiete der Außenpolitik auswirkt und zu einem Element der kontinentalen Beunruhigung wird.

Der Exponent des Faszismus ist Mussolini.

Das große Heimatblatt

Eichener Anzeiger

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deutsche Flotte noch auseinandergerissen, die eine Hälfte in Wilhelmshaven, die andere in Kiel lag, getrennt durch den noch unfertigen, niemals bis dahin mit Dreadnoughts befahrenen Nord­ostseekanal, an diesem Tag also war die Erste englische Flotte bereits schlagfertig auf ihrer Kriegsstation und wurden im Mittelmeer solche zweideutigen Befehle erteilt! -

Erst nachdem Der Kanzler sich überzeugt hatte, daß dieSicherung der deutschen Flotte eine Verschärfung der Situation nicht enthielt und über die für das Landheer gegebenen Be­fehle nicht hinausging, gab er am 30. mittags feine Zustimmung. Aber nicht früher als am Morgen des 31. traten die in der Ostsee liegenden Schiffe die Fahrt nach der Nordsee an. Wenige Stunden spater traf in Berlin die Nachricht von der am 30. abends befohlenen russischen Gesamt­mobilmachung ein.

England aber hat erheblich schon früher mit dem Krieg gerechnet! Seit dem 30. Suli ließ es auch die Linie Ostende Terschelling abpatrouillieren, und der englische Sperrgürtel DoverCalais ging am 31. auf Position. Damit sand die Reihe der marinestrate­gischen Maßnahmen ihre Krönung, die schon a m 2 6. Suli mit der ostentativen Bereit- Haltung der englischen Flotte be­gonnen hatte, Maßnahmen, die darauf be­rechnet waren, den Russen und Franzosen den Rücken zu steifen und die tatsächlich auch ent­scheidend dafür ins Gewicht gefallen sind, daß die russisch-französische Kriegspartei die friedlichen Strömungen am Zarenhof überrennen konnte.

Wohin steuert Italien?

Don unserem Dr. ch.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Rom, Ende Februar 1926.

Ein Gespräch in einem Londoner Klub, einige Zeit vor dem Kriege, kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich hier in Rom die Zickzacklinien der Außenpolitik Mussolinis verfolge. Damals wurde dasSprunghafte der deutschen Außenpolitik und die verschiedenen bramarbasierenden Reden Kaiser Wilhelms II." getadelt, weil sie eine allgemeine Unsicherheit und Nervosität mit sich brächten und einen ungünstigen Einfluß auf die Beziehungen Englands zu Deutschlands haben müßten.

Gesicht.Die Sungen? Wahrhaftig, die sind vergessen, sie sind drin." Aber es ist deutlich zu merken, daß die Sungen nicht vergessen wur­den, sondern daß es nur unbequem gewesen war, sie herauszuholen. Sch horchte nach oben. Sch höre die Sungen schreien.Sie sind ja erst ein paar Tage alt, das Schreien dauert nicht lange, sie werden schnell verhungert sein, sagen die guten Menschen, die Herbergsleute. Sch schäme mich meiner lächerlichen Weichheit ist nicht Meer um uns und gehen nicht draußen ungesehen viele Schisse unter? 3ch lache sogar ein wenig den lachenden Herbergsleuten zu, gehe ins Harcs, wir essen zu Abend, wir legen uns zu Bett. Die Nacht hier im Norden ist hell. Draußen stoßen unablässig die alten Vögel gegen das Dach, gegen die Stelle, die vorher offen und Eingang zu einem vollen Glück des Lebens gewesen war und nun, durch einen unbegreiflichen Zauber, verschlossen ist, gar nicht mehr zu sehen, als wäxe alles nicht gewesen. Aber die Sungen schreien deutlich hören wir sie durch die Decke. Lind die Alten stoßen leidenschaftlicher gegen das Dach. Dicht über uns, die wir mit der Hand die Decke des schrägen Zimmers an­rühren können, kriechen die Sungen das Holz hinauf, zum erstenmal von der Angst aus dem Nest getrieben. Wenn sie oben sind und an den Winkel zwischen Dach und Wand onstoßen, fallen sie herunter. Smmev wieder, die ganze Nacht durch. Lind unablässig dazu das leise Schreien ein ganz anderes Schreien, als das der Alten, eher, als ob es von Mäusen käme, nein, von kleinen Menschenkindern. Sterben sie noch nicht? Wird ihr Kriechen und ihr Schreien noch nicht schwächer? Wir können nicht schlafen. Wir wälzen uns in den Betten. Wir lachen über un­sere Empfindsamkeit. Aber mein Kind kommt aus seinem Dettchen zu uns geklettert und weint. Am Morgen, sehr früh, gehe ich zum Leucht» türm, Nachschau zu halten, ob heute über dem

Er gibt den Stil an, er allein formuliert außen­politische Probleme. Er ist daS Kräftezentrum des Landes, von dem aus dieöffentliche Meinung" von heute auf morgen umgestellt werden kann.

Italien wiederholt stets, auf dem Kontinent seine natürlichen Grenzen den Brenner gegen Oesterreich und die Nevosoalpen gegen Jugoslawien erreicht zu haben, aber nicht die Grenzen, die seinem Willen zum Imperium gesteckt sind: die seiner volklichen und wirtschaftlichen Expansionskraft entsprechen. Mit anderen Worten, Italien glaubt noch nicht saturiert sein, und zwar haupt­sächlich infolge eines schlechten Abschneidens in Ver­sailles.

Das Wort Imperialismus ist im italienischen politischen Sprachgebrauch neu, keiner der früheren Staatsmäner hat von einem italienischen Imperium gesprochen. Heute ist es ein politisches Schlagwort, nicht eine Bezeichnung für etwas historisch Gewor­denes, wie in England und im alten Rom. Aber ein Schlagwort voll mitreißender Kraft, in einer Atmosphäre von überhitztem Patriotismus, in einer Entwicklung, in der alles auf zugreifende Energie, auf Neuschaffen gestimmt ist, wie im faszistischen Italien.

Mussolini hat in einem Interview, das er dem Vertreter der United-Preh gab, dem Imperium nicht den Charakter eines bestimmten Programms ge­geben, sondern die Bezeichnung einer Mentalität un­tergeschoben; eine Lebensbejahung, die einem star­ken, wirtschaftlich sich entwickelnden und selbstbewuß­ten Volke entspräche.

Wir wollen ohne Einschränkung die wirtschaft­lichen und politischen Erfolge Mussolinis auf das Konto einer starken, einheitlichen, von ihm geschaf­fenen Zentralregierung setzen, um die manches an­dere Land Italien beneiden könnte. Das Nettuno- Abkommen, das die von den vorausgegangenen Re­gierungen verfahrene F i u m e f r a g e der Adria­romantik entkleidete, und auf die realpolitische Basis eines wirtschaftlichen Ausgleichs der Anrainer stellte, das I u b a l a n d - Abkommen, das die liberalen Re­gierungen nicht aus der geschickt gelegten, englischen DerwiÄung mit dem Dodekanes hätten lösen können. Die enorm wichtige Konsolidierung der amerikanischen und englischen Schul­de n , mit einem für Italien durchaus günstigem Er­gebnis. Der deutsch-italienische Handels­vertrag, dessen Abschluß nicht zum mindesten dar­auf zurückzuführen ist, daß Mussolini übe»triebene Forderungen einzelner italienischer Wirtschaftskreise,

Horizont die Snfel Moen zu sehen ist ein Ämstand, der jemanden, der durch eine Berliner Straße eilt, gleichgültig läßt, der aber hier eine große Bedeutung hat. Lange liege ich oben im Gras, sehe den Bernsteinsuchern unten am Strande zu, bis der letzte nach Haus gegangen ist. Endlich gehe auch ich meinem Dach zu. Langsam gehe ich. Seher Käfer ist mir ein Grund zu Aufenthalt. Wäre ein Segel auf dem Meer, so würde ich einen Grund haben, noch länger zu zögern, hinaussehend. Meine Tur naht. Nun werden die Sungen wohl verhungert fein. Aber nein, dasselbe Geschrei außen und innen, das­selbe wahnsinnig gehetzte Stoßen der Alten gegen die neuen Ziegel, dasselbe ewig wiederholte Hinaufkriechen und Hinabfallen der Sungen unter dem Dach. Wir setzen uns an die Mittagssuppe. Aber wir werfen den Löffel fort, laufen hin­unter, fordern, daß das Dach wieder abgenom­men und die Vögel herausgenommen werden. Es ist niemand da außer der Frau, keine Leiter zu finden. Mir fällt ein, daß es nötig ist zu sagen, wir zahlen die Linkosten. Seht sagt man und, wo der Dachdecker wohnt. Wir laufen eine Stunde weit keuchend durch den Sand, kommen mit dem Mann zurück, er deckt die Ziegel ab, nimmt die Sungen fünf sind es heraus und seht sie mit dem Nest in einen Dusch. Als ich mich um» drehe, fange ich noch gerade das Lächeln auf, mit dem die inzwischen versammelten Männer und Frauen der Nachbarhäuser sich ansehen: Nachsicht! Er scheint ein wenig krank im Kops, gibt Geld aus für eine Sache, die ihm keinen Nutzen bringt, erregt sich wegen einiger sechs Lage alter Vögel." Dabei sind diese Menschen gute Leute in ihrer Art. die sich abarbeiten für ihre Kinder und einander mit Aufopferung pflegen, wenn sie krank sind.

Lind sie behalten reckt in ihrem >

daS sie vorn Meer gelernt haben. Den., a.b Die Ziegel wieder auf gemittelt sind und die Wen- |

die das Abkommen im letzten Augenblick gefährdeten, noch hemmen konnten, um den eminent politischen Charakter des Vertrages zu wahren.

Aber hiermit ist der italienische Imperialismus noch nicht befriedigt, und da sich jede starke politische Welle in Realitäten auflöfen muh, wenn sie nicht Gefahr laufen will, im Lächerlichen zu versanden, so ist die Frage sehr berechtigt, wohin steuert die­ser italienische Imperialismus?

Eine Expansion nach Tunt s wäre durchaus po­pulär, auch in dem nichtfafzistischen Italien, denn Tunis ist von Italienern rnb nicht von Fran­zosen kolonisiert und die natürliche, dem Mutteriande vorgelagerte, durch Sizilien mit ihm verbundene Ko­lonie. «o populär ein Kolonialkrieg um Tunis wäre, so empfindlich auch das Nationalempfinden Italiens durch das in seiner Anwendung nur ausgesetzte fran­zösische Entnationalisierungsgesetz verletzt wird, durch das die 120 000 italienischen Kolonisten mit einem Schlage staatsrechtlich zu Franzosen gemacht wür­den. so ist doch an einen Konflikt zwischen Italien und Frankreich nicht zu denken, da Frankreich ein Gegner ist, mit dem Italien heute, wenn es nicht alles auf Spiel setzen will, einen Waifengang nicht wagen kann.

Eine Expansion nach der anderen Küste der Adria, mit der weite chauvinistische Kreise Italiens liebäugeln, liegt außerhalb des Bereiches der Mög- lichkeit, da Italien im Hinterland, ohne das die Küste wertlos wäre, mit griechischen, von England unter­stützten Aspirationen Zusammenstößen würde, und sich daraus ein englisch-italienischer Konflikt ergeben könnte, mit dem Italien niemals rechnen darf.

So lagen die Verhältnisse vor dem bekennten deutsch-italienischen Zwischenfall, der, an sich unbedeutend, bei der Impulsivität und Sprunghaftigkeit Mussolinis aber noch eine weiter- gehende Bedeutung haben kann. Denn seine un­mittelbare Folge ist die Gegnerschaft I t a * l i e n 3 in Genf. So sehr auch Italien den Völ­kerbund als Clearinghouse europäischer Konflikte verachtet, so ist es doch diplomatisch viel zu ge­schickt. als daß es sich zunächst nicht dieser Waffe gegen uns bedienen wollte. Schon unterstützt die faszistische Presie den von Frankreich ausgehenden Gedanken, seinem Trabanten Polen einen stän­digen Sitz im Rat einzuräumen, und läßt durch­blicken, daß auch die Tschechoslowakei und der S. H. S.-Staat ein derartiges Recht beanspruchen könnten.

Diese Stellungnahme ist die Folge einer äugen« blicklichen Verärgerung Mussolinis und bedeutet wie« derum ein Schwanken in der großen Linie der italienischen Außenpolitik. Annäherung an Frank­reich statt an England: sie ist zugleich ein Aufgeben der bisher einzig festen Linie in der italienischen Außenpolitik, nämlich des Mißtrauens gegen Ver­größerung oder irgendeine Veränderung im status quo der Kleinen Entente.

Noch vor kurzem verurteilte die öffentliche Mei­nung in Italien den Danziger Korridor als unnatür­lich, betrachtete die Ostgrenzen als revisionsbedürftig und charakterisierte die Unterdrückung der Deutschen in der Tschechoslowakei als eine wirtschaftliche Torheit.

Alles das ist mit einem Schlage aufgegeben, und man würde heute einer Bildung eines unter der Führung Frankreichs stehenden antideutschen D l o ck s in Genf begrüßen, nur um mit diesem Block die Ausrollung der Minderheitsfrage vor oem Völ­kerbund zu vereiteln. Wenn man bei einer Regie­rung mit so kleinlichen Mitteln rechnen muß, so kann man mit allen noch fo unmöglich erscheinenden Even­tualitäten rechnen. Und darin liegt die Gefahr, die die von Mussolini allein geleistete italienische Außen­politik für die langsame Sanierung der Derhältnissq Europas hat.

Wenn man heute nochmals auf das United-Preß- Jnteroiew zurückschaut, so bekommen die damals ge­fallenen Aeußerungen Mussolinis einen recht beun­ruhigenden Unterton.Die Geschichte kennt nicht we­nige Fälle," sagte Mussolini,in denen durch Verein­barungen und friedliche Teilungen die Mächte ein gesünderes und billigeres Gleichgewicht erreichen, und ich bin überzeugt, daß Italien, wenn sich hierzu die Gelegenheit bietet, die Mittel nicht sehlen werden, durch Transaktionen den Teil zu erhalten, der ihm zukommt, und feine Zukunft als Großmacht garan­tiert." Man erinnere sich hierbei auch an die von Italien allerdings dementierte, von Belgrad aus­gehende Nachricht von einer Verständigung über die Aufteilung Oe st erreich s. Daß Italien sei­nerzeit, während der finanziellen Hilfsaktion für Oesterreich, an eine Wirtschafts-Union mit ihm dachte, ist eine Tatsache. Nur protestierte damals die oberitalienische Industrie. Daß ein Pufferstaat längs des Brenners italienischen Wünschen genehm wäre, ist nicht in Abrede zu stellen. Alles dies sind Momente, die den von Mussolini erwähntenTrans­aktionen" eine bestimmte Richtung geben könnten.

scheu wieder den Platz verlassen haben, beginnen die Alten, nun wirklich wahnsinnig geworden, mit lächerlicher ilnoernunft, von neuem gegen die Ziegel zu stoßen. Sie sehen die fünf Sungen in dem Nest im Busch nicht. Llnerklärlich, daß sie sie auch nicht hören. Bis zum. Abend stoßen sie und schreien, und am Abend liegen unbeachtet die Sungen verhungert oder erfroren da. 96 Mahyongg vom Kuli bis zum Marschall.

Während bei uns die Mode des Mahyongg- Spiels doch nur kleine Kreise ergriffen hat. ist in feiner Heimat China Mahyongg das Nationalspiel, dem sich die Söhne des Himm­lischen Reiches vom Kuli bis zum Marschall mit wilder Leidenschaft hingeben.Man tann bte Kulis der Schiffsmannschaft in Hausen zu­sammen sehen, wie sie mft einer geradezu er­staunlichen Geschicklichkeit Mahyongg spielen," schreibt der englische Reisende Sir Percival Philips.Sn jedem Gasthaus, in dem man zur Nacht bleibt, findet man Gesellschaften, die Mahyongg spielen. Die höchsten Beamten sind von dem Zauber dieses Spiels eingenommen, und es scheint fast, daß nichts so die Räder der Regierung aufhält, wie Mahyongg. Selbst die Bürgerkriege können nicht ohne dies Vergnügen geführt werden. Während einer der letzten Be­suche des Marschall Tlchangtsolin in Tientsin wollte ihn ein englischer Beamter in einer wich­tigen Angelegenheit sprechen und war für 9 Llhr srüh in fein Hauptquartier bestellt. Als er sich zur bestimmten Zeit einfand, erklärte ihm ein Adjutant mit den Zeichen größten Bedauerns, daß der Marschall bis 3 Llhr morgens aut gewesen sei und noch schlafe. Als der Engländer meinte, er hätte wohl einen neuen Krieasplan

- -s müssen, erwiderte der Qlbjutanh 2.0) nein, lc. Marschall Pa. Mahyongg gespielt/