anwachsenden Jugend einpflanzt. Unsere Freude am heutigen Tage wird aber weiter auch noch beeinträchtigt durch die traurige Wirtschaftskrise, die unseren gesamten Volkskörper erfaßt und über die weitesten Kreise Arbeitslosigkeit. Entbehrung. Hunger und Verzweiflung gebracht hat. Denn die bedrohliche Zahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter und der betroffenen Familienangehörigen an sich schon zu größtmöglicher staatlicher Sorge und Hilfe Anlaß gibt, so gilt dies in starkem Umfange für den Westen, wo die Arbeitslosigkeit nicht nur zahlenmäßig groß ist, sondern in den vorwiegend großen Städten und im Industriegebiet sich noch drückender und entmutigender auswirkt. Es wird des vereinten Zusammenwirkens aller Dolksteile bedürfen, um die gegenwärtige Volksnot abzuhelfen, um unser arbeitsames Volk im langsamen wirtschaftlichen Aufstieg zu einer lichten Zukunft äu bringen.
Leicht wird es uns nicht gerade werden, besonders hier im Westen, denn zu all den Leiden und dem Elend, das sich aus der Wirtschaftskrise ergibt, ist die rheinische Bevölkerung nun auch noch von der verheerenden Hochwasserkatastrophe betroffen worden. Wie die preußische Staatsregierung unmittelbar auf den ersten Bericht des Oberpräsidenten der Rheinprovinz eine halbe Million Mark zur Einleitung einer staatlichen Aotstandsaktion »zur Verfügung gestellt hat. so hat sie sich sogleich auch für die 'Bereitstellung von Reichsmitteln mit der Reichs- rcgicrung in Verbindung gesetzt. Die preußische Staatsregierung hat in der Folgezeit für die Hochwassergeschädigten noch weitere Beträge von insgesamt 2 Millionen Mart zur Verfügung gestellt. Das hat die preußische Staatsregierung trotz der großen Finanznot des Staates freudig und gern getan, weil sie jetzt und in _ einer späteren Zeit keinerlei Gelegenheit versäumen wollte und will, um das in den schweren Augenblicken der vergangenen Besetzung der Rhein- provinz mehrfach zugerufene Wort:
„Sreue um Treue" auch ihrerseits zur lebendigen Tat werden zu lassen und die Schicksalsverbundenheit der Rheinlande mit Preußen und dem Reich erneut zu bekräftigen. Möge die weihevolle historische Stunde, in der wir am Fuße des heiligen Kölner Domes zusammengetreten sind, uns zu dem erneuten Gelöbnis Bereuten,
.... treu zu Preußen, treu zum Reich zu stehen und, befreit von dem lähmenden Druck der Besatzung in gemeinsamer Aufbauarbeit unser deutsches Vaterland durch das Dunkel der trüben Gegenwart einer besseren Zukunft entgegenzuführen."
Während der letzten Worte des Ministerpräsidenten und dem Lobgesang ..Herr Gott, wir danken dir", den die Kapelle intoniert, setzt das Geläute der Glocken von allen Kirchen der Stadt ein. Die Menge lauscht noch einige Minuten der ehernen Musik der Glocken, bann beginnt sich allmählich der Platz zu leeren, die Flammen erlöschen, bet Friede der Rächt senkt sich über die befreite Stadt.
Hindenburgs und LuthersGrütze
Berlin, 31.3an. (WB.) Aus Anlaß der Räumung der ersten Zone des besetzten Rheinlandes wurden von feiten des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers nachstehende Telegramme an den Oberpräsidenten Fuchs in Koblenz gerichtet :
„Heute um Mitternacht wird für die erste ZvUe des befreiten Rheinlandes die Stunde der Befreiung schlagen. Ich bitte Sie, aus diesem AnNth der Bevölkerung der besetzten Teile der Ihrer Obhut anvertrauten Provinz meine aufrichtigsten Wünsche und besten Grüße zu entbieten und ihr sowie den Behörden den Dank des Vaterlandes für ihr treues Aus harren in der nunmehr hinter ihr lie- genhen schweren Zeit auszusprechen. Reue große Aufgaben stehen bevor, ich hoffe, daß die Behörden in engem Zusammenwirken mit allen Kreisen der werktätigen Bevölkerung die wiedererlangte Handlungsfreiheit dazu benutzen, um nach Möglichkeit die Schäden zu heilen und an dem Wiederaufbau der Heimat zu arbeiten. Daß auch dem übrigen besetzten Gebiete bald der Tag der Freiheit kommen möge, ist aller Deutschen sehnlichster Wunsch. — v. Hindenburg, Reichspräsident."
„Heute, wo es endlich gelungen ist, die Bestimmungen des Versailler Vertrags über die Räumung der ersten Rheinlandzone zu verwirklichen, richten sich die Gedanken der Reichsregierung vor allem auf die noch andauernde Rot der zweiten und dritten Zone. Ich weiß mich in meinem Empfinden eins mit den Bewohnern der befreiten ersten Zone, wenn ich gerade in dieser Stunde bestätige, daß die Reichsregierung weiterhin ihre ganze Kraft daran setzen wird, für die Reichsteile, die noch unter fremder Besatzung bleiben, die Last zu erleichtern und die Dauer der Besatzung zu vermindern. Den Bewohnern der ersten Zone aber, die nun am Ende des Leidensweges stehen, die sie aufrechten Hauptes um ganz Deutschlands willen gegangen sind, dankt die Reichsregierung von ganzem Herzen für ihre vaterländische Treue. Reichskanzler Dr. Luther."
Koblenz, 31. Ian. (2H.) Auf das Telegramm des Reichspräsidenten ist folgende Antwort des Oberpräsidenten Fuchs abgegangen. ..Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Berlin. Ehrerbietigster und herzlichster Dank für die wohltuenden Grüße und Glückwünsche anläßlich der Räumung der nördlichen Zone meiner Provinz. Die hinter uns liegende schwere Zeit hat das Gefühl der Rotwendigkeit eines einigen Deutschland weiter gestärkt. Die jetzt eintretende Crleichterung erfüllt uns mit Hoffnungen auf die Zukunft und gibt uns neuen Mut zur Lösng der Aufgaben, die uns im Reich und Preußen gestellt sind." gez. Fuchs.
Die Räumung der ersten gone.
Aachen, 30. Febr. (WB.) Der hiesige Regierungspräsident erhielt heute nachmittag von dem Kommandierenden General der belgischen Besahungszone die schriftliche Mitteilung, daß die erste Zone, soweit sie belgisch besetzt ist, ebenfalls Mitternacht zum 1. Februar als geräumt zu gelten hat. Es bleiben auch hier nur einige Abwicklungsstellen zurück.
Krefeld, 30. Ian. (WB.) Die für Krefeld in Aussicht genommene Befreiungsfeier, die einen Fackelzug und eine Illumination der Stadt vorsieht, wird am Montag abend stattfinden.
Zur Einleitung der Feier werden am Montag mittag von 12' bis 1 älhr die Glocken sämtlicher Kirchen läuten.
Düsseldorf, 30. Jan. (TU.) Heute vormittag verabschiedete sich der belgische Oberstkommandierende bei dem Beigeordneten Knopp in Düsseldorf-Oberkassel und übergab einen Brief des belgischen Kommandierenden Generals an öen Regierungspräsidenten zu 'Düsseldorf, in dem mitgeteilt wird, daß die Räumung am 31. Januar um Mitternacht als beendet zu betrachten ist.
Köln, 30. Ian. (TU.) Freitag abend kurz nach 6 Uhr wurde in Siegburg die französische Flagge auf Dem Kommandanturgebäude niedergehvlb Darauf rückte der Rest der französischen Besatzungstruppen ab. Um Mitternacht von Sonntag zum Montag findet auch hier eine Befreiungsfeier statt.
Bonn, 30. Jan. (WTB.s Heute mittag 3 Uhr wurde die französische Flagge niedergeholt. Rach einer Parade der hier noch anwesenden französischen Truppen marschierten diese nach dem Eüterbahnhof, wo sie verladen wurden. Der Abzug der Franzosen erfolgte ohne Zwischenfall.
München-Gladbach, 30. Ian. (WTD.) Der Tag der Befreiung von der fremden Besatzung wird morgen hier und in den Städten Rheydt. Viersen usw. durch große Kund- gebungen der gesamten Bürgerschaft gefeiert.
*
Homberg «Riederrhein). 30. Ian. Gestern gegen 11 Uhr ist die belgischeBesatzung abgezogen. Die Räumung ging in aller Ruhe vor sich. Die Truppen zogen geschlossen zum Bahnhof, wo sie verladen wurden. Rur ein Offizier und 12 QUamt werden noch bis heute hier bleiben. Auch die Räumung Moers durch die belgische Besatzung wird heute endgültig beendet fein. Der Kreisdelegierte ist bereits ab- gereift. Das Truppenlager von Schwafheim und die Besatzungswohnungen sind schon übergeben worden. Zur Abwicklung der letzten Geschäfte wird noch ein Kommando auf einige Tage zurück- bteiben. _________
Der hessische Staatsvoranschlag 1926.
«Von unserer Darmstädter Redaktion.)
IV.*)
Die Denkschrift zum Entwurf des Staatsvoranschlags 1926 veröffentlicht in tabellarischer Form eine Uebersicht über die Einnahmen, in der die Hauptabteilungen, besonders wichtige Kapitel, die Mehrerträge im einzelnen und insgesamt und Damit die Deckungsmöglichkeiten nachgewiesen werden. Der Abschluß der Uebersicht zeigt, daß für 1926 ein Fehlbetrag von 9.1 Mill. Mk. bleibt (1925 8,5 Millionen). Dor Der (Erörterung Der Deckungsfrage behandelt die Denkschrift die Entwickelung und Bedeutung Der einzelnen Einnahmequellen. Unter diesen stehen die Erträgnisse der Steuern voran. Hebet die Einkommensteuer wird u. a. gefügt: „Bei der Einkommensteuer bietet für 1926 besondere Schwierigkeiten die Festsetzung des Schlüsselanteils, mit dem das Land Hessen an dem Gesamtanteil der Länder beteiligt fein wird. Zur Zeit beträgt dieser Anteil 2.28 v. H. Er geht zurück auf die Veranlagung für 1922, wird aber vom 1. April 1926 ab ersetzt werden durch einen neuen Schlüssel- an t e i I, Der auf Grund Der im Gange befindlichen Veranlagung Der Einkommensteuer errechnet toerDen wird. In diesem neuen Schlüsselanteil wird sich mithin die besondere Ungunst Der augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse in Hessen in ganzer Schwere zahlenmäßig ausdrücken. Eine Schätzung des künftigen Schlüsselanteils ist schwer, doch bietet vielleicht die derzeitige Isteinnahme in Hessen int Vergleich zur Isteinnahme im ganzen Reich einen gewissen Anhalt. Während, nach der Bevölkerungszahl berechnet, auf Hessen 2,18 v. H. der Reichs- einlommenfteuer entfallen müßten, betrug in der Zeit Dom 1. Januar 1924 bis 30. Juni 1925 die Isteinnahme an Lohnsteuer in Hessen durchschnittlich nur 1.88 v. H. und die Isteinnahme an anderer Einkommensteuer sogar nur 1.63 v. H. Diese Mindereinnahme erklärt sich leicht aus der Depression der Wirtschaft im besetzten Gebiet und im Randgebiet aus Anlaß des Ruhrtampfes, zumal der größte Teil des unbesetzten hessischen Gebietes landwirtschaftliches Rotgebiet war. Alles das wird in Dem nächsten Verteilungsschlüssel zur Auswirkung kommen. Eine Verbesserung erfährt er allerdings dadurch, daß die Lohnsteuer von in Hessen wohnenden, aber außerhalb Hessens beschäftigten Arbeitern bei der Berechnung des Schlüssels zugunsten Hessens mit berücksichtigt wird. Man hat deshalb bei der Veranschlagung der Einkommensteuer einen Schlüsselanteil von 2 v. H. angenommen, einen Sah. der nach dem Vorstehenden immerhin optimistisch geschäht ist. Bei Der Körperschaftssteuer liegen Die Verhältnisse ähnlich. Der derzeitige Schlüsselankeil beträgt 1.44 v. H Er geht zurück auf Die Veranlagung für 1921. Die Isteinnahme in Hessen beträgt im Durchschnitt Der oben angegebenen Zeit aber nur 1.27 v. H. der Reichseinnahme. Mit dieser Zahl darf auch nur als mit dem vom 1. April 1926 ab wirksam werdenden neuen Schlüsselanteil gerechnet werden."
Heber die Umsatzsteuer heißt es in Der Denkschrift: „Bei Der Umsah st euer ist eine Verschlechterung des Schlüsselanteils bereits mit Dem 1. öftober l. I. wirksam geworden. Bis dahin wurde der Länderanteil an der Umsatzsteuer nach dem Verhältnis Der Bevölkerungs- zahl verteilt und Hessen bekam demzufolge 2,18 v. H. Vom 1. Oktober 1925 ab wird Der Län- Deranteil an Der Umsatzsteuer nur noch zu zwei Drittel nach Verhältnis des tatsächlichen Aufkommens in den einzelnen Ländern verteilt. Da in Hessen nur etwa 80 v. H. dessen aufkommen, was nach Der Bevölkerungszahl auskommen müßte, so ergibt sich eine Senkung des hessischen Schlüfselcmteils von 2,18 v. H. auf etwa 2,04 v. H Immerhin kann für 1926 ein Ertrag von 4,6 Mill. Mk. vorgesehen werden gegenüber 3,9 Mill. Mf. im Vorjahre, wegen Der oben erwähnten Erhöhung des Länderanteils im Zusammenhang mit der nunmehrigen gesetzlichen Gewährleistung einer Mindestüberweisung."
Die Verschlechterung der Budgetziffern des Hess. Staatsvoranschlags wird in Der Denkschrift wie folgt begründet: „Es verdient festgestellt und beachtet zu werden, daß
') Dergl. Rr. 15, 18 und 20 des G. A. vom 19., 22. und 25. Januar 1926.
allein durch unmittelbares Eingreifen der R e ichs steu er geseh gebung in Form von Steuerermäßigungen und Herabsetzung der ßänöcranteile in 1925 und 1926 Die hessischen Staatsfinanzen eine Verschlechterung Der BuDgetziffern von über 6 Millionen Mark erfahren haben. Tatsächlich ist die Verschlechterung noch erheblich höher, wenn Die Wirkung Dieser beiden Maßnahmen Des Reiches nach Dem wirtlichen Steueraufkommen des ersten Vierteljahres 1925 berechnet wird. Sie würde sich Dann für den hessischen Staat auf etwa 12 Millionen Mark, für Die Gemeinden aus etwa 6 Millionen Mart stellen. Es ist nieöerDrüdenD, feststellen zu müssen, daß sich lediglich infolge dieser Reichsmaßnahmen Der hessische Staatshaushalt Fehlbeträgen in Der eigenen Jahres wirtschaft gegenüber sieht, Die fast summarisch genau Dem Ausfall Der entzogenen ©teuerer» trägnisse entsprechen und Die zunächst keine Aussicht eröffnen. Die eigenen hessischen Landes steuern irgendwie zu ermäßigen, im Gegenteil zur Rotwendigkeit führen, sie in erhöh t e in M a ß e der staatlichen und kommunalen Wirtschaft Dienstbar zu machen. „Bei den Lan- Dessteuern" so wird weiter ausgeführt. ..hat man sich Darauf beschränkt, Grund-- und Gewerbesteuer mit Den vorjährigen Ansätzen einzustellen. Bei Der Gewerbe st euer allerdings sind infolge Der wenig günstigen Wirtschaftslage Die Eingänge Derart schleppend, Daß die Erzielung Des Solls zweifelhaft erscheint. Mit her organischen Reuregelung Der Gewerbesteuer wird erst in einem späteren Zeitpunkt gerechnet werden können."
Zur Deckung des Fehlbetrags im Staatsvoranschlag 1926 sotten insbesondere die Erträge Der Sondergebäudesteuer herangezogen werden. Die Ausführungen über diese Steuern in der ..Denkschrift zum Entwurf des Staatsvoranschlags 1926" rechnen mit Dem Inkrafttreten der Friedens miete am 1. April ds. Is., doch liegt bekanntlich dem Reichstag ein Antrag Müller-Franken vor. die Friedensmiete erst um ein volles Jahr später einzuführen. Welches Schicksal dieser Antrag im Parlament hat, ist noch nicht abzusehen. Wird der Antrag vom Reichstag angenommen, so werden seine Rückwirkungen verschlechternd für Den hessischen Etat sein. Der Finanzminister hat in seinem Cxposö zum Voranschlag bereits darauf hin- gewiesen. Wie sich die Regierung die beträchtliche Erhöhung der Sondergebäude- ft e u e r denkt und sie rechtfertigt, ist aus nachstehenden Erläuterungen Der Denkschrift zu ersehen. ..Vom 1. April 1926 ab soll Die volle Friedensmiete erreicht werden. Davon sotten dem Hausbesitzer 60 Prozent überwiesen werden und 40 Prozent Der gesetzlich bestimmten öffentlichen VerwenDung anheimfallen. Die letztgenannte Zahl entspricht in Hessen etwa einem Steuersatz von 2 Mart auf 100 Mark Steuerwert. Der Teil, mit dem Die Steuer zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs des Landes und der Gemeinden zu verwenden ist, wurde gesetzlich auf mindestens 20, höchstens 30 Prozent der Friedensmiete fest- gelegt, infotangc die Miete die Friedensmiete nicht übersteigt. Die Friedensmieten betragen in Hessen rund 100 Millionen Mark oder rund 120 Millionen Mark mit den gewerblichen Gebäuden: für den allgemeinen Finanzbedarf Der Länder und Gemeinden wären also nach der letzten Ziffer 24 bis 36 Millionen Mark in Anspruch zu nehmen. Zur Zeit betragen unter Zugrundelegung eines Mietsahes von 93 Prozent Der Friedensmiete die Sätze für die Sonder- steuer für 100 Mark Steuerwert 80 Pf. (Staat) + 80 Pf. (Gemeinde) 4~ durchschnittlich 5 Pf. (Gemeindeverbände) 165 Pf. Um den gesetzlichen Betrag von 2 Mk. zur Erreichung der vollen Friedensmiete zu erzielen, ist also eine Erhöhung um 35 Pf. erforderlich. Danach ist für 1926 Die Reuregelung auf Grund der reichsgesetzlichen Bestimmungen in Aussicht genommen. Für den Staat und zur Förderung des Wohnungsbaues insgesamt werden vorgesehen 130 Pf. Dies ergibt (bei einem Bruttoertrag von 31,2 Millionen Mark) nach Abzug Der Ausfälle und der Zuschüsse an die Fürsorgeverbände für bedürftige Mieter einen reinen Ertrag von 23,8 Millionen Mark. Dieser enthält jedoch, wie früher schon erwähnt, von 1926 ab auch Den Teil Der Sonder- steuer, Der bisher von Den GemeinDen für Bauzwecke erhoben würbe, womit Die gesamten aus Der Sondersteuer für Bauzwecke verfügbaren Mittel zusammengesaßt sind. Dementsprechend ist aus diesem Aufkommen nunmehr, wie bei Den Ausgaben schon gesagt, der Betrag von 10 Millionen Mark für Bauzwecke zur Verfügung ge« stellt, einschließlich des Betrages, der nach Der seitherigen Hebung von Den Gemeinden für Diesen Zweck zu verwenden gewesen wäre. Für Den Staatshaushalt bleiben sonach noch 13,8 Millionen Mark übrig, Das sinD 4 Mil- ionen Mark mehr als 1925, eine Rotwendigkeit, die auf der reichsgesehlichen Regelung begründet und als — allerdings nur teilweiser — Ausgleich für die oben festzustellende Entziehung von Reichssteueranteilen leider notwendig geworden ist. Bei Der Verteilung Der SonDersteuer kommen künftig 75,5 Pf. auf Das Land, 54,5 Ps. auf Die Förderung Des Wohnungsbaues während 70 Pf. (— 12,8 Millionen Mark) an Gemeinden und Gemeindeverbände ausschließlich für ihre Haushaltszwecke und ohne Verpflichtung zur baulichen Verwendung zur Verfügung stehen. — ein Ausgleich, Der hierdurch den Gemeinden für Den Ausfall an Reichssteueranteilen in verhältnismäßig höherem Ausmaß zuteil wird als Dem Staat."
In Den foIgenDen Abschnitten erörtert Die Denkschrift noch eine Reihe von Einnahmequellen, Die zur Deckung des Fehlbetrags herangezogen werden können. Es finden sich hier die nachstehenden bemerkenswerten Betrachtungen von allgemeiner Bedeutung: „Die Aussicht, daß das Land wieder in Den Besitz einer, wenn auch beschränkten Steuerhoheit auf Dem Gebiete Der Personalsteuern durch das Zuschlagsrecht zur Einkommen st euer gelangt, wie es von 1927 ab vorgesehen ist, kann leihet für Hessen nicht die Erleichterung bringen, die vielleicht in anderen Ländern mit Recht aus einer stärkeren - Ausschöpfung Der Einkommensteuer durch Landeszuschläge erhofft wird. Denn Hessen ist in seiner Steuerkraft durch die Besetzung^ von 40 Prozent des Gesamtgebietes so geschwächt, daß dies jetzt schon. Den ungünstigsten Einfluß auf Den Verteilungsschlüssel ausübt, so daß künftig auch das Zuschlagsrecht keinen befriedigenden Ausgleich für Die Verschlechterung unseres Steueranteils bringen kann. Solange nicht durch eine Wiedergesundung her Wirtschaftsverhältnisse Produktion und Umsatz neu befruchtet unb Die Einnahmequellen aller Art
wieder gefördert werden, wird sich eine grundlegende Besserung auch der Staatsfinanzen kaum erzielen lassen. Bis Dahin muh versucht werden, mit den vorhandenen Mitteln und unter Erhaltung des Bestehenden in dem hiernach möglichen Umfange über Die Jahre hinwegzukommen, die sich, wie zu hoffen, und wenn aud) mit einschneidenDen Wirkungen, als der wirkliche Uebergang von der Kriegs- und Rachkriegszeit zu einer Wieder- gesundung unserer Volks- unh Staatswirtschaft darstellen. Daß Hessen in dieser Beziehung keine Ausnahme macht, zeigt Das Beispiel her übrigen Länder, in Denen Der Staatshaushalt Durchgängig ebenfalls mit erheblichen Fehlbeträgen zu rechnen hat. Es Darf jedoch nicht übersehen werden — weder bei Der eigenen wie bei Beurteilung unserer Lage durch das Reich , daß der Druck aus Hessen um so schwerer lastet, als fast die Hälfte seines Gebietes besetzt ist, mit all den politischen und wirtschaftlichen Folgewirkungen in Bezug auf staatliche Verpflichtungen und Leistungen, Steuerkraft und auf Das Randgebiet. Unter diesem Gesichtspunkt wird sich h a-Ä Ae i ch der Verpflichtung nicht entziehen können, zur Aufrechterhaltung einer ordnungsmäßigen Finanz- Wirtschaft Des Landes Hessen mindestens dadurch beizutragen, daß derjenige Ausfall an Steuern ersetzt wird, der infolge Der Besetzung bestimmter Gebietsteile erwächst: eine Rotwendig- keit, die für Die Länder mit besetztem Gebiet im Reichsrat grundsätzlich und ohne Widerspruch bereits anerkannt worden ist."
Aus den ReichstagsausschWen.
Berlin, 30. Jan. (TU.) Im Haushaltsausschuh Des Reichstages wurde der Etat des Reichsverkehrsministeriums für Das Rechnungsjahr 1926 in VerbinDung mit Dem Gesetzentwurf über die Versorgung Der Polizeibeamten beim Reichswasserschutz beraten. Vos dem Eintritt in Die Tagesordnung wies Der Abg« Heimann (Soz.) Darauf hin, Daß sich leiDec in Den letzten Jahren stets eine Verzögerung in Der Erlegigung her Haushaltsberatung ergeben habe, so Daß seit 1914/15 keine Etatberatung pünktlich beendet werden konnte. Redner schlug Dann eine bestimmte Kontingentierung der Redezeit für die Etatverhandlungen vor. Auch des Reichstagspräsident Löbe schloß sich Diesen Vor^ schlügen an, Die von Der Mehrheit des Ausschusses begrüßt und angenommen wurden. Nunmehr erstattete als Berichterstatter des Ausschusses Abg. Dr. Quaatz (Dn.) sein Referat über den Haushaltsplan des Reichsverkehrs-» ministeriums. Abg. Becker- Arnsberg (3tr.)' forderte, im Haushaltsplan für 1927 hie notwendigen Mittel zum Bau des Lippe-Seitenkanals von Hamm bis Lippstadt anzufordem. Zur Frage der Verreichlichung der Wasserstraßenverwal- tung erklärte namens Der preußischen Staatsregierung Ministerialdirektor A r t i n u s er müsse auf Grund eines einstimmigen Beschlusses des Preußischen Landtages und linier Hinweis aus die einhellige Stellungnahme her großen' deutschen Wasserstraßenländer der vom Reichsverkehrsministerium angekündigten Verreichlichung der Wasserstrahenbehörden in her Proviitzial- und Ortsinstanz widersprechen. Reichsve^kehrs- Minister Kröhne begründete Die nach seines Ansicht erreichbaren Vorteile, die sich aus einer Derreicbligung ergeben, und vertrat die Meinung, daß durch die Vereinheitlichung in Reichshand eine Verbilligung der Wasserstrahenverwaltungen erfolgen würde. Es würde selbstverständlich auf Besonderheiten des betreffenden Stromlandes bei den behördlichen Maßnahmen gebührende Rücksicht genommen werden.
Die Vertreter Bayerns und Hessen widersprachen namens dieser Regierungen der Verreichlichung der Wasserstraßenbehärden. Der Ausschuß bewilligte darauf die sachlichen Ausgaben für das Reichsverkehrsministerium, für die Seezeichenverwaltung, für den Ems—Jadekanal und für die Deutsche Seewarte. Für die kostenlose Lieferung von Witterungsberichten an wissenschaftliche Anstalten wurden 116 000 Mark bewilligt. Die Frage der Versorgung der Polizeibeamten beim Reichswasserschutz wurde dem Unterausschuß des Haushaltungsausschusses überwiesen, ebenso die Erörterung und Nachprüfung der personellen Ausgaben des Reichsverkehrsmini- steriums.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen des Volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstages über die Gewerbebetriebe auf den Bahnhöfen führte Ministerialdirektor Schlütter vom Reichsverkehrsministerium aus, daß der § 6 der Gewerbeordnung die Anwendung der Bestimmungen der Gewerbeordnung für Eisenbahnunter, nehmungen ausschließe. Für den Betrieb auf den Bahnhöfen sei die Gewerbepolizei nicht zuständig, sondern die Bahnverwaltung treffe hier selbst die Anordnungen. Die Reichsbahngesellschaft wolle ihre Freiheit aber tatsächlich auf die Bedürfnisse des Reiseverkehrs eingeschränkt wissen.
Deutschnationale Anträge im Reichstag.
Im Reichstage ist folgender Antrag von Freytag-LoringHoven (Sn.) und Hu - genberg (Dn.) eingegangen: „Der Reichstag wolle beschließen: Im Hinblick darauf, daß bet Der in weiten Kreisen herrschenden Rot und der weiter um sich greifenden Arbeitslosigkeit die Veranstaltung großer, in der Öffentlichkeit viel vermerkter Bälle. Festlichkeiten usw.. in krassem Widerspruch zu unserer Lage steht und in hohem Maße verbitternd und aufreizend wirkt, unh daß bei den gegenwärtigen Verhältnissen eine Repräsentation seitens der hohen Reichsund Staatsbeamten auf solchen Festen wenig an- * gebracht erscheint, wird' Die Reichsregierung aufgefordert, zu erwägen, ob unb inwieweit die für solche Repräsentationszwecke zu verwendenden Gelder anderen (der heutigen Lage angemessenen) Zwecken zuzuwenden sind. Dem Reichstage ist eine entsprechende Vorlage zu machen. Auch die Landesregierungen sind zu einem gleichen Schritt anzuregen."
Im Reichstag ist ferner folgende Anfrage von Keudell (Dn.) eingegangen: „Die polnische Regierung hat bis in die letzte Zeit eine Reihe von Maßnahmen getroffen, welche neben de» dadurch verursachten schweren Schädigungen des Deutschtums eine bewußt feindselige Haltung erkennen lassen (Agrarreform, Liquidation, Ausweisungen. Ein-> reiseerschwerungen usw.). Kann die Reichsregierung angesichts dieser Tatsache eine Weiterführung der Handelsvertragsverhandlungen mit Polen verantworten?" ■
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Abg. Hc l ündnis mit abgelehnl lre so scharf ge auftreten, dar 9 Monaten d
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