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31.12.1932 Drittes Blatt
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr.Z«8 Drittes Blatt

Gießen an der Jahreswende 1932/33.

gn wenigen Stunden sinkt das Jahr 1932 in die ElMgteit hinab. Ein Jahr voll größter Sorge und schwerer Kämpfe geht damit von dem deulichen Volke. Millionen von deutschen Volksgenossen haben im Verlaufe dieses Notjahres leider keine Verbesse­rung ihrer Wirtschaftslage erfahren: für die Ge­samtheit ist es ein neues Glied in der Kette der dunklen Mst.ogsjahre unseres Volkes geworden. Es wäre aber verkehrt, den Mut sinken und die Hoffnung auf eine bessere Zeit schwinden zu lassen. 21 l le n Gewalten zum Trotz sich erhal­ten", muß in dieser Stunde des Jahreswechsels nicht nur vom Standpunkt des gemeinsamen deut­schen Schicksals aus, sondern auch unter dem Ge­sichtswinkel des Hcimatbezirks maßgebend für die w itere Wirksamkeit bleiben. Diese Richtschnur muß sich bcson'ders der Kommunalpolitiker bei der Prü­fung des kommunalpolitifchen Jahres- ergebniffes von 1932 vor Augen halten. Nie allgemeine Verwaltung

der Stadt.

Zu'den Hauptleidtragenden dieses Not­jahres gehören unzweifelhaft bi« Gemeinden. Auf ihre Schultern wurden immer neue Lasten ge­legt, ohne Ausgleich in Gestalt erhöhter Einnahmen. Zwar hörte man oft schöne Worte über die Bereit­schaft der Reichs- und Länderregierungen zur Hilfe­leistung für die Kommunen. Leider blieb es aber nur bei Liesen Worten. Hinsichtlich der Taten sind jetzt am Sch üsse des Jahres nur Fehlan­zeigen zu erstatten. Daß bei d-isser Sachlage die kommunale F ino n z wi rt f cha f t und mit ihr die gesamten Funktionen der Kommune als Antriebskraft und Auftraggeber für die hei­mische Privatwirtschaft immer stärker not­leidend wurden, liegt auf der Hand. Unsere Stadt Gießen macht davon leider keine Ausnahme. Zwar können wir dank der vorsichtigen und sorg'am obwägenden Führung unserer städtischen Geschäft« noch darauf Hinweisen, daß wir einen so großen finanziellen Notstand wie in vielen anderen Städ­ten nicht zu verzeichnen haben und daß auch die Vermögenswerte unseres Gemeinwesens noch intakt dastehen. Der Stadtverwaltung und dem Stadtrat gebührt für diese weise Sorgfalt alle Anerkennung. Man konnte aber von hier aus nicht verhindern, daß durch Einwirkungen von oben her auch unser Gießener Finanzplon Lm Verlaufe des Jahres 1932 ein gehöriges Loch erhielt. Bei der Ent­wicklung ter gesamtdeutschen Finanzwirtschaft ist für den Gießener Stadtsäckel bis jetzt schon für 1932 eine Mindereinnahme von rund 70 000 Mark durch eine etwa 20prozentige Senkung ter Ueberweisungssteuern des Reiches zu verzeichnen. Dagegen kann man auf der anderen Seite mit Be­friedigung sagen, daß die auf rein kommunaler Grundlage aufgebauton Einnohmevoranschläge bis­her im großen und ganzen erwartungsgemäß sich entwickelt haben. Erfreulicherweise sind auch die auf die Erträgnisse unserer Wald- und Grundstückswirt- schaft gesetzten Hoffnungen im großen und ganzen zur Wirklichkeit geworden. Wer aber deswegen meint, die Stadt Gießen verspür« von den ftnan- ziellen und wirtschaftlichen Nöten dieser Zeit doch nur wenig, ter befindet sich im Irrtum. Unter dem Einfluß der allgemeinen deutschen Not mußte auch in der Wirtschaftsführung unserer Stadt vieles un­terlassen, oder immer wieder zurückgestellt werden, das an sich drinylich für di« aktuellen Aufgaben und zweckmäßig für die Weiterentwickelung unseres Gemeinwesens ist. Wir erinnern z. B. nur daran, daß der vollkommen« Ausbau des S ch u l h o u s e s in den Eichgärten noch immer nicht möglich

war, die Stadt sich vielmehr mit einer teilweisen Fertigstellung begnügen mußte, die es ermöglichen wird, von Ostern nächsten Jahres ab wenigstens einen Teil der neuen Schulräume dem Lehrbetrieb dienstbar zu machen. Wir weisen als Beispiel weiter darauf hin, daß auf dem Gebiete des Straßen­baues auch im Verlaufe tes scheidenden Jahres außerordentlich große Minuspunkte zu verzeichnen waren, da für die notwendigen umfangreicheren Ar­beiten tes Strohenwesens e.nfach kein Geld verfüg­bar gemacht werden konnte. Vollständig ungewiß ist ferner, was mit dem Viehhofprojekt, der Gaswerkfrage, der Verwaltungskon­zentration durch geschloffene Zusammenfassung aller Dienststellen in einem Gebäude (Rathaus- projekt) für absehbare Zeit geschehen soll. Das sind nur einige wenige Projekte, die nicht etwa städtische Liebhabereien, sondern unabweisbare Notwendig­keiten darstellen, ganz abgesehen von vielen kleine­ren Angelegenheiten für die Befriedigung von sach­lich berechtigten Wünschen der Bürgerschaft. In der allgemeinen Verwaltung unserer Stadt sind also auch bei dieser Jahresbilanz zahlreiche Fehlan­zeigen vorhanden.

Nie städtischen Betriebe.

Bei der Betrachtung der wichtigsten Spezialge­biete der städtischen Wirtschaft wendet sich der Blick naturgemäß zuerst den städtischen Betrieben zu. Die Not der Zeit ist auch hier überall fühlbar geworden. Das Elektrizitätswerk hat in diesem Jahre gegenüber dem Jahre 1931 eine Minderung derStromabgabe um etwa 8 Prozent zu verzeichnen. Die nutzbare Strom­abgabe belief sich im Jahre 1932 auf insgesamt 7 919 865,5 Kilowattstunden, gegen 8 542 759.5 Kilo­wattstunden im Jahre 1931. Von dem Verbrauch entfallen im Stadt- und Ueberlandgebiet auf das erste Vierteljahr 1932 insgesamt 1 952 268,5 (1931 = 2 200 395,5), auf das zweite Vierteljahr 1 730 761,5 (1 857 214), auf das dritte Vierteljahr 1 926 700,5 (2 042 680,5), auf das vierte Vierteljahr 2 310 135 (2 442 469,5) Kilowattstunden. Die Wenigerabgabe an Strom beschränkt sich in der Hauptsache auf industrielle Abnehmer, während der Stromverbrauch der Kleinabnehmer eine Zunahme erfahren hat.

Ein wertvolles Ergebnis enthüll die Jahresbilanz der Straßenbahn. Nach jahrelangem Bemühen gelang es nun endlich, die Straßenbahnver­bindung von Gießen nach Wiefeck zu bauen; am 15. September 1932 wurde mit dem Bau der Strecke Marburger StraßeWiefecker Weg bis zur Gießener Gemarkungsgrenze vor Wiefeck be­gonnen, die neue Teilstrecke konnte am 29. Novem­ber in Betrieb genommen werden. Don diesem Tage ab wurde auch die etwa zwei Jahre lang still- aelegte Straßenbahn st recke durch d i e Bahnhofstraße und Markt st raße wie­der in Betrieb genommen. Nach dem Vertragsab­schluß mit der Gemeinde Wiefeck wurde am 18. No­vember mit dem Weiterbau der Straßenbahn von der Gemarkungsgrenze bis zum Lindenplatz in Wie­feck begonnen, die Eröffnung dieser Endstrecke er­folgte am 22. Dezember 1932. Seitdem ist Wiefeck völlig an das Gießener Straßenbahnnetz angeschlos- fen. Unter der Einwirkung der Wirtschaftskrise ist auch der Verkehr auf der Straßenbahn nicht un­erheblich zurückgegangen. Bis zum 28. Dezember wurden im Jahre 1932 insgesamt 1102161 Per­sonen, gegen 1239080 Personen im Jahre 1931 auf der Straßenbahn befördert. Die Frequenz verteilt sich auf die Vierteljahre wie folgt: erstes Viertel­jahr 1932 = 251894 Personen (1931 = 310 747), zweites Vierteljahr 273 870 (334 088), drittes Vier­teljahr 281 412 (297 925), viertes Vierteljahr 294 985

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Roman von Margarete Ankelmann.

Copyright by Martin Feuchttvanger, Halle (Saale)

19 ilortleRung Nachdruck verboten

Fluchend schritt er den Gang entlang, an dessen Ende ihm Joe entgegenkam.

lleberrascht fragte sie ihn:

*2öaß tust du hier, Titus?"

Scheu sah er sich um, ehe er leise antwortete: Dieser Doktor Richter ist schon in der Kabine, um sich schlafen zu legen. Das macht und natür­lich einen Strich durch die Rechnung. Gerade heute, wo ich ihn sicher bei seiner Dulcinea auf­gehoben wähnte. Er schien übrigens sehr ver­ärgert zu sein. Ich weih natürlich nicht, was vorgefallen ist. Er ist ja immer sehr zugeknöpft und laßt sich auf keine Unterhaltungen ein.

Aber ich kann in meiner Kabine nichts mehr unternehmen. Wir müssen also die Schmucksachen in deinem Koffer unterbringen."

Komm, wir wollen gleich in meine Kabine gehen. Tie Tippmamsell wird ja vorläufig nicht kommen. Ihre spanischen und anderen Verehrer werden sie schon festhalten."

Im nächsten Augenblick waren die beiden in der Kabine der Damen verschwunden.

Joe zog einen mittelgroben Handkoffer hervor, der ein elegantes Reisenecessaire enthielt. Durch den Druck auf einen fast unsichtbaren Knops öffnete sich hinter diesem Wandteil ein Heiner Raum, den Titus und Joe gut zu gebrauchen wußten.

Bald war er gefüllt mit allen möglichen Wert­objekten. Sie hatte an dem Abend in mehreren Kabinen noch gute Beute gemacht, und kostbare Schmuckgegenstände verschwanden in dem ver­borgenen Kofferfach.

Dann wurde der Koffer wieder sorgfältig ver­schlossen.

DieGeschwister" sahen sich lachend an. Das sHien gut geglückt zu sein. Vor morgen mittag toürte wohl keiner der Schiffspassagiere einen Verlust bemerken. Der Dali würde sehr lange dauern, und die Schiffsgäste würden ermüdet sein und sich nicht mehr um ihr Gepäck kümmern.

lind bis ihnen die Augen geöffnet, waren sie beide längst über alle Berge.

Unauffällig kehrten Joe und Titus wieder zur Gesellschaft zurück...

Es war schon sehr spät, als Magdalene und Joe ihre Kabine aufsuchten. Magdalene hatte jeden Tanz getanzt, war aus einem Arm in den anderen geflogen und war fröhlich gewesen in der Erwartung des kommenden Tages, der ihr das Glück bringen sollte.

sie in ihrer Kabine waren, fragte Joe:

Wie geht es dir jetzt, Madelon? Bist du wieder ganz in Ordnung?"

Eigentlich ja, Joe! Ich hab' nur so ein dumpfes Gefühl im Kopfe. Vielleicht habe ich ein wenig zu viel getrunken."

Cs wäre vielleicht ganz gut, wenn du noch eine Tablette nehmen würdest. Du sollst ordentlich schlafen, damit du morgen frisch bist, wenn wir uns Barcelona ansehen."

Ich weiß noch nicht, ob ich da mitmache. Ich habe ein wenig viel gesehen in den letzten Tagen. Und es wird vielleicht zu anstrengend für mich s ein ..

Es wäre eigentlich schade, wenn du dir Bar-. celona nicht ansehen würdest, Madelon! Bar­celona ist die schönste Stadt Spaniens: die solltest du dir nicht entgehen lassen."

Ich glaube aber doch, daß ich lieber auf dem Schiff bleibe. Cs wird besser für mich sein. Ich werde vielleicht später noch einmal nach Spanien kommen."

Dann bleiben wir also auf dem Schiff, Liebste! Du legst dich auf Deck und ich pflege dich. Titus hatte s ich zwar schon sehr auf Barcelona gefreut, und er wollte schon ganz früh mit uns los- ziehen. Run werde ich noch schnell zu ihm hin- übergehen und ihm sagen, daß er allein gehen soll."

Was fällt dir ein, Joe? Ratürlich gehst du mit deinem Bruder. Ich dulde es auf keinen Fall, daß du bei mir bleibst. Ich freue mich dann, wenn ihr mir abends alles erzählen könnt. Vielleicht fahre ich, toeim ich mich nachmittags wohl fühle, dann noch auf ein paar Stunden in die Stadt. Begleitung finde ich immer, wenn ich welche suche. Cs sind ja Leute genug da, die sich um mich kümmern.

Und Schlafpulver werde ich lieber keines neh­men: ich denke, ich werde auch so gut schlafen. Aber wenn du mir noch ein Glas Wasser her­übergeben wolltest; es wird mir gut tun nach dem vielen Sekt."

Magdalene sah nicht, daß Joe einige Tropfen aus einer kleinen Flasche in das Wasser gab, das sie ihr jetzt herüberreichte. Sie war mit ihren Gedanken beschäftigt, die sich eifrig um August Richter drehten.

Sie hatte gehofft, ihn noch einmal im Tanzsaal zu sehen. Er blieb indes den ganzen Abend über verschwunden. Obwohl sie jeden Tanz getanzt hatte, waren ihre Gedanken nicht einen Augenblick von August Richter losgekommen, und von dem, was sich am nächsten Tage ereignen würde.

Es würde von morgen an endgültig aus sein mit Madelon Wintere. Magdalene Winter würde auferstehen und sich dem Manne offenbaren, den sie liebte und dem sie in sein kleines Dorf folgen wollte.

Alles sollte er erfahren. Daß sie früher ein kleines Düromädel gewesen, daß sie durch das

(296 320). Die FrequenzderStraßenbahn hat sich durch die schlechte Wirtschaftslage in diesem Jahre um etwa 12 v. H. gegenüber 1931 verringert. Man kann aber wohl annehmen, daß nach der Erweiterung nach Wiefeck sich die Frequenz durch stärkere Benutzung ter grünen Linie erhöhen wird.

Das Gaswerk hat in dem Notjahre 1932 eine Verringerung der Gasabnahme auf 3 115 000 Kubikmeter aufzuweisen. Während im ersten Halbjahr der Rückgang sich ziemlich stark bemerkbar machte, war dies im zweiten Halbjahr nicht mehr der Fall, ja im Monat September wurde sogar, gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, eine kleine Mehrabgabe an Gas erzielt. Die geringere Abnahme des Gasverbrauchs im letz­ten halben Jahre wird damit erklärt, daß die Wirtschaftslage sich etwas besserte und die für Koch- und Heizzwecke geschaffenen Gasgeräte immer mehr Eingang in die Haushaltungen fanden. Aehnliche Verhältnisse machten sich in der Gaslieferung nach Wiefeck geltend; hier betrug ter Jahresverbrauch 54 800 Kubikmeter. Zur Erzeugung des Gases wur­den etwa 8000 Tonnen westfälische Kohle verbraucht, die zum Verkauf rund 4000 Tonnen Koks und rund 330 Tonnen leer als Nebenerzeugung ergaben. In der Ammoniakfabrik wurden 54 Tonnen schwefel­saures Ammoniak erzeugt. An Graphit fielen sechs Tonnen ab. Das Gasrohrnetz hat nachErweiterungen jetzt eine Länge von 57 300 Meter erreicht.

Das Wasserwerk hat aus dem Pumpwerk Queckborn 2 345 000 Kubikmeter Wasser gegen­über 2 456000 Kubikmeter im Jahre 1931 gefördert. Der Zulauf aus den Brunnen- und Stollenanlagen im Gießener Stadtwald und bei Großen-Buseck be­trug 155 000 Kubikmeter, so daß der Gesamtwafser- zulauf sich im abgelaufenen Jahre auf 2,5 Millionen Kubikmeter berechnet. Aus dem Gießener Wasser­werk erhielten Queckborn 23 587 Kubikmeter, Wieseck 16 963 Kubikmeter, Heuchelheim 65 564 Kubikmeter, Lindenstruth 4146 Kubikmeter und Klein-Linden 44 670 Kubikmeter Wasser. Das Wasserrohrnetz ist 122 300 Meter lang. Durch die Anlage des neuen rund 5000 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters an der Straße nach Reiskirchen konnte der Wasser­bedarf auch an den heißesten Tagen ohne jede Schwierigkeiten gedeckt werden.

Das Volks bad wurde im scheidenden Jahre von 139 573 Badegästen, gegen 150 175 im Vor­jahre besucht. Der Rückgang ist auf die ungünstige Wirtschaftslage und auf eine längere Schließung der Schwimmhalle wegen Erneuerungsarbeiten zurückzuführen. An Bädern wurden im Jahre 1932 verabreicht: Schwimmbäder 58 206 (1931 = 65 544), Wannenbäder 22 099 (25 728), Brause­bäder 22 799 (22 010), Schulbäder 34 819 (34 843), Schwitzbäder 1650 (2050). Je Einwohner und Jahr gerechnet find 3,9 Bader verabreicht wor­den. Der Wasserverbrauch des Dolksbades belief sich 1932 auf 35 600 Kubikmeter, also je Bad auf 254 Liter.

Nie Bautätigkeit.

Erfreulicherweise hat die Bautätigkeit in Gießen im Jahre 1932 trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse ein verhältnis­mäßig günstiges Resultat gezeitigt. An reinen Wohnungsbauten wurden fertiggestellt bzw. bis zum Rohbau ausgeführt 20 Einfamilien­häuser, fünf Zweifamilienhäuser und zwei Fünf- familienhäuser, ferner die Kirche und das Wohn­haus der Reuapostolischen Gemeinde, das Pro- vinzialkinderheim am Alten Steinbacher Weg und das Eissporthaus in den Cichgärten. Sämtliche Bauten stellen, gerechnet nach dem Dauzustand am Schlüsse tes Jahres, einen Wert von etwa 375 000 Mark dar. An Um- und Aufbauten für Wohnzwecke wurden insgesamt zwölf Projekte ausgeführt, die einen Bauwert von rund 65 000 Mark darstellen. An Umbauten für gewerbliche

Große Los plötzlich reich geworden war und dar­über den Kopf verloren hatte. So terforen, daß sie beinah ihr Glück mit Füßen getreten und verscherzt hätte, wenn nicht die Liebe sie plötzlich überfallen und sehend gemacht hätte.

Was ist mit dir, Madelon, du siehst auf ein­mal so strahlend aus?" fragte Joe, die feit einer Weile erstaunt Magdalenes Gesicht beobachtete-

Ich träumte vom Glück!" antwortete Magda­lene.Dom Glück, das hoffenllich bald zu mir kommen wird!"

Joe mußte sich abwenden» um den höhnischen Zug zu verbergen, ter um ihren Mund lag. Morgen würde die Welt anders aussehen für dieses dumme und leichtgläubige Geschöpf. Da würde sie nicht mehr vom Glück träumen, sondern zu einer rauhen Wirklichkeit erwachen.

Dann sah sie Magdalene wieder an, ging auf sie zu, streichelte sie.

Jetzt ist es aber Zeit, daß du einschläfst. Es ist spät genug geworden. Hier, trinke noch einen Schluck Wasser. Und dann gute Rächt!"

Gehorsam trank Magdalene, reichte der Freun­din die Hand, kehrte sich zur Seite. Bald überfiel sie eine bleierne Müdigkeit, und sie schlief fest und regungslos.

Als Titus am anderen Morgen um sechs Uhr die Augen aufschlug, sah er zu seiner grenzen­losen Verwunderung, daß Doktor Richter fix und fertig angekleitet dastand.

Um Gottes willen, Herr Doktor, weshalb sind Sie schon so früh fertig?" fragte er erstaunt.

Ich will nach Barcelona, Herr van Jolliet!"

Sie haben wohl vor. den kleinsten Winkel der Stadt zu durchforschen, Herr Doktor, weil Sie sich schon so früh auf den Weg machen?"

August Richter hatte wenig Lust, sich mit seinem unsympathischen Kabinengenossen in ein Gespräch einzulassen.

Kurz antwortete er:

Ja, ich will bald losgehen, damit ich die große Hitze vermeide! Ich werde gleich zum Früh­stück gehen!"

Inzwischen hatte er einige Gegenstände in seine Aktentasche gesteckt und die Tasche xuge- klappt. Er stellte sie auf einen Stuhl in der Rähe ter Tür. Dort Hand auch schon sein fertig ge­packter Koffer. Ehe indes Titus noch etwas fragen konnte, hatte er die Kabine verlassen.

Titus hatte sich fertig angekleitet. Seine Akten­tasche stellte er auf einen Stuhl neben jenen, auf dem Doktor Richters Tasche stand. Seinen Schlaf­anzug hängte er an einen Ragel an der Wand. Auch fein Koffer blieb hier. Zunächst sollte ja ter Steward nicht merken, daß van Jolliet nicht mehr auf das Schiff zurückkam.

Als Titus fertig war, kam Doktor Richter noch einmal herein, zusammen mit dem Steward.

Also, die Tasche und den Koffer bringen Sie

Samstag, 3s. Dezember M2

mir ans Land, sobald ich gefrühstückt habe. Ich tarnt mich darauf verlassen nicht wahr?"

Jawohl, Herr Doktor wird besorgt!"

Was ist das, Herr Doktor?" fragte jetzt Titus. Sie wollen uns verlassen? Fahren Sie denn nicht mit bis Genua?"

Rein, ich habe mich anders entschlossen! Ich verlasse das Schiff und fahre von hier aus gleich mit der Bahn nach Hause zurück!"

In diesem Moment klopfte es an die Tür. Titus öffnete. Joe stand draußen, zum Ausgehen bereit

Ich wollte nur nachsehen, Titus, wo du bleibst! Wir wollen doch zeittg in die Stadt Madame bleibt auf dem Schiff; aber sie war liebenswürdig genug, mir den Ausflug zu gestatten."

Es ist gut, daß ich Sie sehe, gnädiges Fräu­lein!" sagte jetzt August Dichter.Ich möchte Sie bitten, Madame Wintere meine besten Grüße zu bestellen! Ich gehe an Land, um mit der Eisen­bahn die Heimreise anzutreten."

Joe Rowakowska hatte Mühe, ihr Erschrecken zu verbergen. Es paßte keineswegs in ihre Pläne, daß der Doktor so früh schon das Schiff verlleß. Da hieß es besonders klug handeln, daß sie nicht irgendwie mit ihm karambolierten.

In diesem Augenblick trat ein Mann in dis Kabine, um das Gepäck des Doktors zu holen. Riemand achtete darauf, daß er die falsche Akten­tasche erwischte; jene, die Titus van Jolliet ge­hörte, statt jener des Doktors um so weniger, als die beiden Taschen sich haargenau glichen.

Wenige Sekunden später nahm Titus van Jolliet die zurückgebliebene Aktentasche an sich und begab sich seelenruhig an den Frühstückstisch.

Die Schiffspassagiere lagen alle noch im tiefen Schlummer. Der gestrige Ball schien ihnen in den Gliedern zu liegen. Außer Doktor Richter und den Geschwistern waren nur ganz wenige Frühaufsteher im Frühstückssaal zu sehen.

Als erster verließ Doktor Richter den Saal. Er war unruhig. Unter keinen Umständen wollte er Magdal nr Winter noch einmal s hem Er hatte sich jetzt zu einem Entschluß durchgerungen, der ihm schwer genug geworden war. Aber er muhte stark bleiben; es war das beste für ihn.

Rachdem er sich vom Kapitän und den Offi­zieren verabschiedet hatte, verließ er den Lan­dungssteg.

Am Kai standen Fahrzeuge aller Art. Er bestieg eine der Kraftdroschken und ließ sich zum Bahnhof fahren. Cr hatte nur einen Gedanken: Fort aus ihrer Rahe, damit er ihr nicht mehr zu begegnen brauchte.

August Richter begriff sich selbst nicht mehr. Er spürte nichts mehr von ter kühlen Gelassen« beit, die ihn sonst auch in den schwierigsten Augenblicken nie verlassen hatte. Die Liebe hatte ihn mit aller Gewalt gepackt, ihn aus den Fugen geworfen. (Fortsetzung folgt)

Zwecke sind insgesamt 16 Projekte erledigt Wor­ten. die einen Bauwert von rund 125 000 Mark haben. An kleineren Bauvorhaben, in ter Haupt­sache Garagen, wurden 14 durchgesührt mit einem Dauwert von rund 10 000 Mark. 3m ganzen sind also im Jahre 1932 Bauarbeiten im Gesamtwert von mindestens 5c 5 000 Mark zur Ausführung gckommen. Die mit jedem Bauvorhaben verbun­denen Rebenarbeiten gestatten es. diese Mindest­summe auf 600 000 Mark zu erhöhen. Richt ein- g.schlossen in diese Berechnung sind diejenigen Arbeiten, die das Gießener Handwerk infolge der Reichszuschüsse für die Jnstündsehung votz Wohnungen bisher zu leisten hatte. Bis zum Schlüsse dieses Jahres sind schätzungsweise für 65 000 Mark Instandsetzungsarbei t en infolge des Reichszuschusses geleistet worden. Wenn man be­rücksichtigt, daß die gesamte diesjährige Dau- tät'gkeit ohne irgendwelche Unterstützung seitens ter Stadt oder des Staates durchgeführt wurde, so kann das Ergebnis nicht als schlecht b^eichnet werten. Rachdem in diesem Jahre der Gedanke des kleinen Einfamilienhauses durch die Errich­tung eines Musterhauses an der Sicher Straße immer breiteren Boten gefunden hat, kann nach den bereits bekannten Planungen für das kom­mende Jahr damit gerechnet werden, daß die (Bautätigkeit sich günstig weiterentwickeln wird, zumal das Reich immer mehr dazu übergeht, diese Form ter Eigensiedlung kräftiger zu unter­stützen.

Nie Wohlfahrtspflege.

Ein besonderes Sorgenkind war auch in diesem Jahre wieder das Wohlfahrtswesen. Die wirtschaftliche Rot kommt auf diesem Gebiet am stärksten zum Ausdruck, zumal von reichswegen durch Rotverordnung eine wesentliche Verschie­bung der Fürsorgeverpflichtung für Erwerbslose von ter Reichsanstalt auf die Gemeinten statt­gefunden hat. Besonders unter ter Einwirkung dieser Maßnahme sank die Belastung tes Ar­beitsamts Gießen mit ter Crwerbslosenfürsovge in Gießen-Stadt im Jahre 1932 wie folgt: Krisen­unterstützungsempfänger am 1. Januar 428, am 1. April 451, am 1. Juli 405, am 1. Oktober 277, am 1. Dezember 280; Arbeitslosenunterstühungs- empfänger am 1. Januar 484, am 1. April 494, am 1. Juli 275, am 1. Oktober 185, am 1. De­zember 161. Zwar haben ter freiwillige Arbeits­dienst und die Rotstandsarbeiten entlastend mit* gewirkt, aber ter Hauptteil dieses Rückganges hat sich dann doch als Zunahme ter Wohlfahrts­erwerbslosen beim Wohlfahrtsamt geltend ge­macht. Daß das soziale Elend in Gießen sehr groß ist, darf als so bekannt vorausgesetzt wer­ten, daß wir uns hierüber weitere Darlegungen ersparen können. Reben der Linderung ter Rot durch die öffentliche Hand steht hier in anerken­nenswerter Weise auch wieder das private und freiwillige Hilfswerk der GießenerWinter- nothilfe in vorderster Front ter Helfer, und sehr bedeutsam ist die Hilfe bisher gewesen, die von dieser Seite den Unterstützungsbedürf­tigen dargebracht wurde. Möchte dieses Hilfs­werk auch fernerhin die tätige Förderung der Bürgerschaft finden!

Nas private Wirtschaftsleben.

Bei einem ileberblid in großer Linie übet die Entwickelung ter privaten Wirtschaft in unserer Stadt ist nicht zu verkennen, daß diesmal einige Besserungspunkte zu verzeichnen sind, in der Gesamtheit aber die Verhältnisse immer noch viel zu wünschen übrig lassem Bon den günstigen Aryeichen ist zunächst hervorzuheben, daß im Jahre 1932 in den Konkurs- und Vergleichsver­fahren ein Rückgang gegen das Vorjahr eingetre­ten ist; in diesem Jahre wurden 34 Konkurs-