Ausgabe 
31.12.1932 Drittes Blatt
 
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Oeutschnationale Vorschläge zur Schulden- und Zinsfrage.

Berlin. 31. Dez. (CNB.) Die Scherl-Blätter veröffentlichen heute im Rahmen des deutjchnatio- nalen Aufbauprogramms die Borjchläge zur Schulden- und Zinsfrage, die im einzel­nen die bekannten Forderungen Hugenbergs ent­halten. Als Ursachen der Schuld- und Zinsnot wer- den die Blutentziehung durch Versailles, die Tri­bute, die hemmungslose Verschuldung Deutschlands an das Ausland zu hohen Zinssätzen, die Rück­zahlung von über 8 Milliarden Auslandschulden in den Jahren 1931 und 1932, die Ueberlastung durch die Ansprüche des öffentlichen Haushaltes bezeich­net. Als Grundsätze für die allgemeine Regelung werden angeführt: Gläubiger und Schuld­ner seien in Wirklichkeit schicksalsoerbun- d e n. Beide hätten ein gemeinsames Interesse an der Erhaltung besKapitals; Kapitalverlust be- deute Vermogensverminderung auf beiden Sei­ten. Gläubiger und Schuldner hätten ein gleich­mäßiges Interesse an einem gerechten Zins, untragbarer Zins gefährde den Schuldner und damit den Vermögenswert des Gläubigers-, Zinszuschüffe aus öffentlichen Mitteln, d. h. zu Lasten des Steuer­trägers könnten nur ganz vorübergehend gerecht­fertigt werden Zum Schluß lieißt es: Wir ver­langen von der Reichsregierung in der Grund- und Hauptfrage der Außenschulden sofortiges und energisches Vorgehen. Die reichen Länder, England und Frankreich, verlangen Nachlaß ihrer Schuld wegen Summen, die einen Bruchteil der deutschen Jahresleistung aus­machen. Frankreich weigert sich jetzt, auch nur einige Dutzend Millionen Mark an seinen Gläubiger Amerika zu zahlen, Deutschlands Not wird sich zur Katastrophe steigern, wenn wieder ein geschichtlicher Augenblick versäumt wird.

Der Fall Hentsch

Dresden, 30. Dez. (TU.) Unter der lieber- schriftMarxistische Hysterie" schreibt derF rei­he i t s k a m p f ", das Organ der NSDAP.:Wir haben mit aller Deutlichkeit erklärt, daß auch wir das größte Interesse an der baldigen A u f - klärungderMordtat haben. Es ist angesichts des Falles erklärlich, wenn die Oeffentlichkeit über den Gang der Ermittlungen unterrichtet wird. Trotzdem ist es uns merkwürdig erschienen, daß sich die Nachrichtenstelle der Staats­kanzlei, die sich bisher bei den 14 Morden an Parteigenossen in Sachsen noch niemals mit irgend­einer Erklärung an die Oeffentlichkeit gewandt hat, bemüßigt fühlt, am laufenden Band Presseinforma­tionen im Falle Hentsch herauszugeben. Noch ein­mal erklären wir alle Fabrikanten der in diesem Zusammenhang gebührend gebrandmarkten Presse als Lügner und Verleumder, wenn sie es wagen, die Tat einiger junger Menschen einer Millionen- Bewegung an die Rockschöße zu hängen." In einer parteiamtlichen Erklärung der NSDAP, wird betont, daß keine Stelle der Partei einen ge­meinen Mord begünstige oder decke oder gutheitze. Wir rücken, so heißt es in der Erklärung, von jedem gemeinen Mord ab und verabscheuen ihn als Ver­brechen jederzeit. Solange die Untersuchung im Falle Hentsch aber noch nicht abgeschlossen ist, also noch nicht feststeht, was überhaupt zu dieser Tat, die an sich verurteilt werden muß, geführt hat, so­lange kann eine grundsäkliche Stellungnahme nickt erfolgen. Die mutmaßlichen Täter sind noch nicht gehört worden. In ihrer Vernehmung wird aber die Klärung allein abhängen.

Jteue Kriegsgefahr in Südamerika.

Rio de Janeiro, 30.Dez. (TU.| Wegen der drohenden Streitigkeiten zwilchen Colum­bien und Peru und der Zusammenziehung columbianischer Schiffe an der Amazonas- Mündung hat die brasilianische Regierung fcharse Noten an beide Regierungen gesandt, in denen sie auf den bestehenden Vertrag über die Schiffahrt und den Verkehr auf dem Amazonas- Fluß aufmerksam macht. Die brasilianische Regie­rung werde bei einer Fortsetzung der Feindselig­keiten zu einer Kündigung des Vertrages und zur Sperrung des Amazonas für colum- bianische und peruanische Schiffe gezwungen sein. Gleichzeitig hat die brasilianische Regierung die Absendung eines Kreuzers, zweier Zer­störer und von sechs Seeflugzeugen von Rio de Janeiro nach Tabatinga am Amazonas angeordnet.

Um die Unabhängigkeit der Philippinen.

Washington, 30. Dez. (LU.) Das ameri- kan.sche Repräsentantenhaus nahm nach vorheriger Zustimmung des Senats die Philippinen-Vorlage an. Rach dieser Vorlage werden die Philippinen nach dem Ablauf von zehn Jahren die völlige Unabhän- ?igkeit erlangen, falls der, von der ameti- an.sehen Regierung kontrollierte Philippinen- Kongreß innerhalb von zwei Jahren eine eigene Verfassung aufstellt. Die politische Bedeutung dieser Entscheidung ist gleich Rull, da mit einem Einspruch des Präsiden­ten Hoover gerechnet werden muh.

Aus aller Wett.

Die Todtnauer Hütte niedergebrannt.

Die am Südhang des Feldbergs etwa 1300 Meter hoch gelegene Todtnauer Hütte im Schwarzwald ist bis auf die Grundmauern nie­dergebrannt. Personen sind nicht zu Scha­den gekommen.

Dieder einmal die Brüder Sah.

Das berüchtigte Bruderpaar Erich und Franz S a ß in Berlin macht wieder von sich reden. In einem Haus in der Trebbiner Straße bemerkten Hausbewohner in einer der vergangenen Nächte verdächtige Gestalten Dem Ueberfallkommando ge­lang es nach längerer Jagd, zwei jüngere Männer fe st zunehmen, die jede Angabe über ihre Per­sonalien verweigerten. Beide wurden dem polizei- lichen Erkennungsdienst vorgeführt und als die Brüder Saß entlarvt. Sie befolgen ihre alte Tak- tit und schweigen. Die beiden haben schon oft von sich reden gemacht Im Januar 1929 wurde, rote erinnerlich, in der Berliner Filiale der da­maligen Disconto-Gesellschaft ein Riefenein- b r u d) ausgeführt. Die Einbrecher gruben einen Stollen und gelangten in den Tresorraum. Mit einer riesigen Beute konnten sie entkommen. 1930 wurden die beiden Brüder in Moabit im Keller eines Hauses wieder einmal gefaßt Man vermutete, daß sie einen Einbruch in ein Zigarrengeschäft plan­ten. Sie redeten sich aber vor Gericht wieder her­aus. 1931 wurde bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung Material gefunden, das den Verdacht

auftauchen ließ, daß beide sich mit der Herstellung von Falschgeld beschäftigten. In der Berufungs­instanz wurden sie wegen Uebertretung zu je drei Wochen Haft verurteilt. Man darf daraus ge­spannt sein, was die beiden Brüder jetzt für Aus­reden gebrauchen werden. Nach den Feststellungen am Tatort und nach ihrem ganzen Gebaren durf­ten sie diesmal des versuchten Einbruchs überführt fein

Betriebsunfall im Münchener Schlachthof.

Infolge der großen Kälte wurde ein Rohr- anschluß an der Kältemaschine in der Hauptkühl­halle des Münchener Schlacht- und Viehhofes undicht, und eine gewaltige MengeA m m o n i a k° gas strömte aus, das einen großen Teil der Kühlräume vol'kommen vergaste. Die Feuerwehr kämpfte zwei Stunden mit Sprüh'trahlen dagegen an, ehe es gelang, die dichten Gasnebel zu beseitigen. In den Raumen waren große Fleischmengen eingelagert. Bis jetzt ist noch nicht festgestellt, wieviel davon unbrauchbar wurde. Personen llnd n'ckt »u Schaden gekommen.

Wegen Unterschlagung verhaftet.

Der Leiter der Bezirksdirektion Köln der Deut­schen R e i ch s p o st r e k l a m e G. m. b. H., B o n z, und fein Stellvertreter Kind sind unter dem Ver­dacht der Untersch'agung ober Veruntreuung ver­haftet und ins Untersuchungsgefängnis Klingel­pütz gebracht worden. Der durch die Veruntreuungen entstandene Fehlbetrag soll sich aus 160 000 bis

170 000 Mark belaufen Dazu wird amtlich mit- geteilt: Die Deutsche Reichspostreklame G m. b. H. is, eine Privatgesellschaft, b« betrieblich mit der Deutschen Reichspost in keinem Zusammenhang steht. Das Personal der Post- Reklame besteht nicht ausBeamten der Deut­schen Reichspost, sondern aus Privatangestellten. Die Unterichlagungen waren durch falsche Buchungen geschickt verschleiert, fo daß sie erst bei einer unvermuteten Kontrolle durch die Zentralleitung der Deutschen Reichspostreklame ent- deckt werden konnten. Die schuldigen Angestellten sind sofort von ihren Posten entfernt worden. Die Angelegenheit wurde der Staatsanwaltschaft über­geben

Starke Zunahme

der Grippe- und Lungenerkrankungen in USA.

Wie das Gesundheitsamt in Reuyork mit­teilt. nehmen dieErkrankungenanGrippe und Lungenentzündung im Staate Reu­york und den Rachbarstaaten ständig zu. In der Stadt Reuyork wurden am Dienstag 107 Grippe- Fälle gemeldet und am Mittwoch 127 Falle, Dar­unter sieben tödlich verlaufene. Fälle von Lun­genentzündung wurden am Dienstag 91, am Mittwoch 191 gemeldet. Besonders stark betrof­fen lind die dichtbevölkerten Wohnviertel, die Gefängnisse und die unbemittelten Bevolkerungs- kreise.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Grazie auf dem Schliiisckmb.

M e l i t t c> B r u n n e r, die österreichische Kunstlauf­meisterin, beim Training in St. Moritz, wo sich jetzt namhafte Eiskunstläufer aller Länder ein Stelldichein geben.

Jahreswechsel

Am 17. April 1823 schrieb Goethe an die Gräfin Augusta Stolberg:Lange leben heißt: gar viele überleben, geliebte, gehaßte, gleichgültige Menschen, Königreiche, Hauptstädte, ja Wälder und Bäume, die wir jugendlich gefäet und gepslanzet. Wir über­leben uns selbst und erkennen durchaus noch dank­bar, wenn uns auch nur einige Gaben des Geistes und Leibes überbleiben." Das sind goldene Worte der Altersweisheit. Der vierundsiebzigjährige Dich­ter war sich darüber klar, daß im Alter die Kräfte nachlassen. Goethe war in seinem Alter dankbar und klug, zugleich auch dem Schicksal und den Menschen gegenüber mild gestimmt. Mit scharfem Blick erkannte er, daß das Leben wie ein Strom dahinrinnt. Das sehen wir namentlich beim Jah­reswechsel mit aller Klarheit. Was der gewaltige, durch die Jahrtausende rauschende 90. Psalm sagt, indem er sich an Gott wendet, tritt greifbar vor uns hin:Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommet wieder, Menschenkinder! Du läs­sest sie dahinfahren wie einen Strom; sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blüht und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret."

Angesichts dieser Veränderung, dieses ewigen Wechsels erwachen in der Seele des denkenden Menschen quälende Gedanken. Hat das ganze Welt­geschehen eigentlich einen Sinn, so fragt er sich, hat es einen Zweck, daß ich mich redlich mühe und die vergängliche Zeit im Dienste des Guten aus­kaufe? Diesen Fragen scheint der Weltlaus ein ein­ziges, großes Nein entgegenzufetzen. In jedem Zeit­alter gibt es Dichter, die ihre Zeitgenossen durch Gedankenfülle, Bllderpracht, Wohlklang der Sprache entzücken, und schon die nächste Generation sieht ihre Werke an wie welke Blätter, die man in ein Buch eingepreßt hat. Philosophen stellen Gedanken­systeme auf, die fest gefügt sind und den Anspruch machen, den Schleier von manchem Geheimnisse zu nehmen; hundert Jahre später ist man über diese Systeme völlig hinausgeschritten; es geht den Philosophen wie dem Kinde, das etwas auf feine Schiefertafel geschrieben hat, und dem die Niederschrift alsbald wieder weggewischt wird. Staatengründec, Politiker und Feldherren richten unter tausend Wi­derständen einen Staat auf, er wird wie ein neues schönes Wohnhaus ausgebaut und zweckmäßig ge­staltet; dann kommen politische Ereignisse, es kom­men Menschen, die das ganze Staatsgefüge um­werfen und auf den Trümmern einen völligen Neubau errichten. Mancher Mensch quält sich am Ende seines Lebens mit dem Gedanken, daß un­geheuer wenig von dem, was er geleistet und auf- gebaut hat, nach feinem Tode noch irgendeine Be­deutung hat.

Diesen Zweifeln und Fragen tritt der religiöse Glaube mit entschiedener Lebensbejahung, mit einem siegesgewaltigen Optimismus entgegen. Im Christen­tum gibt es einen Glaubenssatz, der vonden letzten Dingen" handelt. Dieser sich auf viele Bekundungen der Bibel stützende Glaubenssatz sagt, daß alles Weltgeschehen ein ewiges Ziel hat, daß alles, was auf Erden geschieht, einer Vollendung der Welt ent­gegenstrebt. Oft wird diese Wahrheit in dichterischen Bildern von großem Ausmaße zur Darstellung ge­bracht. Ein Dichter des 17. Jahrhunderts, der luthe­rische Theologe Johann Matthäus Mays art, spricht in einem hinreißenden Liede vonJerusalem, der hochgebauten Stabt" und schildert, wie er selbst mit den Seligen am Ende in das Reich einzieht, in dem alles Vollendung ist. Paulus hat dieselbe Wahrheit begrifflich schärfer zum Ausdruck gebracht; in dem ersten Briefe an die Korinther weist er auf die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben hin und ermahnt die Christen, an die er schreibt:Seid fest, unbeweglich und nehmet immer­dar zu in dem Werk des Herrn, sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn." Nicht vergeblich!" Das steht über allem, was ein Mensch aus einem reinen guten Herzen, aus dem Gedanken an die Pflicht und aus Liebe zu den Menschen heraus tut; jeder noch so kleine Dienst ist ein Baustein zu dem Werke, das in der ewigen Welt zur Vollendung kommt. Das meint auch Goethe, der dem angeführten Worte an die Gräfin Stolberg noch das andere anfügt:All dies Vorübergehende lassen wir uns gefallen; bleibt uns nur das Ewige jeden Augenblick gegenwärtig, so leiden wir nicht an der vergänglichen Zeit." In diesem Sinne war auch Schiller ein Mann, der auf der Grunlage des christlichen Glaubens stand; denn ihm verdanken wir die Aeußerung:Unaufhaltsam enteilet die Zeit, sie sucht das Beständige, sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an." H. B.

(Ricaner Wochenmarttpreisc.

Siehen, 31. Dez. Es kosteten auf Dem heu­tigen Wochenmarkt oas Pfund: Süßrahmbutter 120. Landbutter 100 bis 110, Kochbutter von 80 Pfennig an, Matte 25 bis 30, Wirsing, gelb 8 bis 10, grün 12. Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10. gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grün­kohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10. Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, | Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 biS 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppen­

hühner 60 bis 80, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Rüsse 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 60, ausländische Eier 12 bis 13, inländische 12 bis 13, Blumenkohl 40 bis 60, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 Mark.

Vornotizen.

lagestalenberfür Samstag: Stabt= tfjeater, 20.15 bis 22.30 Uhr:Stöpsel". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:F. P. 1 antwortet nicht". Astoria-Lichtspieke, Seltersweg:Rothaut".

Tageskalender für Sonntag: Stadt­theater, 15.45 bis 18.15:Aschenbrödel"; 20 bis 22.30 Uhr: Kabarett. Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:F. P. 1 antwortet nicht". Astoria-Licht- spi-ele, Seltersweg:Rothaut"

* * Sein 25j ahriges Dienstjubilaum feiert am 2. Januar der Dankprokurist Ludwig Kreß bei der Deutschen Dank- und Disconto- Gesellschaft, Zweigstelle Gießen.

** Erfolgreiche Stenographen. Bei der letzten Handelskammer. Sienograpycn Prüfung konnten, wie man uns mitteilt, wiederum 12 Mit­glieder des Kurzschriftvereins von 1861 mit Er­folg bestehen. Es waren erfolgreich in der Haupt­prüfung bei 180 Silben: Helmut Zfchunke, bei 150 Silben: Emil Jost, Willi Brück - mann, Wilhelm Drück und Heinrich Volk; ferner die Vorprüfung bei 120 Silben: Emma Reih, Irma Levi, Hans Möller. Rnni K o m p f, Elfriede T e n n i g e r, Anneliese F u h r i g und Anni Schmittdieb

* * Geschäfts» erlegung. Dom 2. Januar ab verlegt der Mehgermeister Ädolf Hofmann seine Rinds- und Schweinemehgerei nach seinem Hause Dammstraße 25 in nächster Rähe der Wall­

torstraße. Das Geschäft besteht bereits 55 Jahre, 52 Jahre lang befand es sich an der Ecke Walltor- straße und Dammstraße. Da die Stadt Gießen vor drei Jahren zur Verbreiterung der Damm- strahe das Haus abreißen mußte, in dem sich das Geschäft befand, wurde der Betrieb nach der Walltorstraße 4 verlegt. Don hier zieht der Be­sitzer jetzt in sein eigenes Grundstück Damm­straße 25.

** Noch fein Schnee im Vogelsberg. Währ end aus dem Taunus (aus Königstein) von der Nacht zum Freitag Schneefall gemelbet wird, der allerdings noch keinen Wintersport ermöglicht, ist der Vogelsberg noch immer ohne Schnee. Wie wir heute früh vom Hohevobskopf hörten, geht dort Sprühregen nieder, der zu einer leichten Bereisung des Geländes führt. Dabei ist es dunstig unb drei Grab falt. Die Wintersportaussichten sind also bis jetzt noch immerwässerig".

** Neue Lehrgänge in Einheitskurz- schrift werden von den Stenographenvereinen un­serer Stabt im heutigen Anzeigenteil angekündigt. Die Vorteile der Stenographie für den Dienst im kaufmännischen unb behördlichen Wirken bürsten wohl so aUaemern anerkannt sein, daß es einer wei­teren Empfehlung zur Beteiligung an den Kursen kaum bedarf. Interessenten seien auf die Anzeigen besonders hingewiesen.

** Unter dem Verdacht der Branb- st i f t u na verhaftet. Der heutige Polizeibericht meldet: Wegen dringenden Verdachts, eine Felb- scheune in der Nähe von Marburg in Brand ge­steckt zu haben, wurden hier vier Wanderburschen auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Marburg fest­genommen Obwohl sie die Tat in Abrede stellen, erfolgt heute ihre Vorführung vor bas Amtsge­richt, ba sich Verdachtsmomente ergeben haben, die ihre Festnahme re fertigen.

Die öffentliche Arbeitsbeschaffung in Oberheffen.

Ein Rück- und Ausblick.

Äon ^egierung0rat Dr. Bues, Direktor des Arbeitsamts Gießen.

An der Schwelle des neuen Jahres dürfte es nicht vermessen sein, Rückschau auf die öffentliche Arbeitsbeschaffung des letzten Jah­res in Oberheffen zu halten unb aus biefer Rückschau Anregungen für bie öffentliche Arbeits­beschaffung im neuen Jahre zu geben. Mit tatkräf­tiger Förderung fast aller oberhessifchen Bürger­meister, Amtsoorstänbe unb Direktoren ber Felb- bereinigungs-Kommissionen, Forstämter, Hochbau­ämter, Kreisämter, Kulturbauämter unb ßanbroirt- schaftsämter haben im letzten Jahre 2 08 Not - ftanbsarbeiten und 524 Arbeitsdienste durchgeführt ober in Angriff genommen werben können. Alle biefe Arbeiten kommen ber Allgemein­heit zugute. Den beteiligten Amtsstellen für bie Mitwirkung bei ber Arbeitsbeschaffung an biefer Stelle zu banken, ist eine angenehme Pflicht.

An biefen öffentlichen Arbeiten finb bie 6 ober- hessischen Kreise unb selbstverstänblich auch bie ein­zelnen Gemeinben mit verhältnismäßig großen Unterschieben beteiligt:

a) Notstandsarbeiten:

Im alten Jahr mürben 208 Notstanbsarbeiten genehmigt, bie sich über bie Kreise wie folgt ver­teilen:

Gesamtzahl

v. H.

Alsfeld

32 Maßnahmen

15,4

Bübingen

47

22,6

Friebberg

18

8,6

Gießen

54

25,9

Lauterbach

26

12,5

Schotten

31

15,0

Die Förberungszuschüfse bes Arbeitsamts für biefe 208 Maßnahmen verteilen sich auf bie ein­zelnen Kreise folgenbermafjen:

Gesamtzahl v. H.

Alsfeld

163 493,RM.

13,1

Bübingen

266 053,

21,4

Friedberg

227 410,

18,3

Gießen

307 353,

24,9

Lauterbach

126 091,

10,0

Schotten

154 586,

12,3

Insgesamt 1244 986,RM.

b) Freiwilliger Arbeitsdienst:

Im alten Jahr wurden genehmigt in den Kreisen: Gesamtzahl d. H.

Alsfeld 86 Maßnahmen 16,5

Büdingen 110 20,9

Friedberg 46 8,7

Gießen 137 26,2

Lauterbach 52 9,9

Schotten 93 17,8

Insgesamt 524 Maßnahmen

Für diese 524 Maßnahmen, für bie insgesamt 12900 Arbeitsdien st willige genehmigt wurden, kamen durch den Herrn Bezirkskommissar

tJörberungsbeträge

zur

Bewilligung in

ben Kreisen:

Gesamtzahl

v. H.

Alsfelb

246 106,

RM.

13,7

Bübingen

373 530,80

20,7

Friebberg

220 702,

II

12,3

Gießen

556 132,

31,2

Lauterbach

151 619,

I.

8,4

Schotten

245 077,

ff

13,7

Insgesamt 1 793 166,80 RM.

Die (Befaml-Jörbetungsfumme, die aus Mitteln der Reichsanstatt für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung für diese öffentlichen Arbeiten in Oberheffen im letzten Jahre bewil­ligt worben ist, beträgt mithin 3038152,80 R21L;

sie verteilt sich auf die 6 o b e r h e s s i s ch e n Kreise folgendermaßen:

Gesamtzahl

o. H.

Alsfeld 409 599, RM. 13,5

Bübingen 639 583,80 ,, 21,0

Friedberg 448 112, 14,7

Gießen 863 485, 28,4

Lauterbach 277 710, 9,2

Schotten 399 663, 13,2

Aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, daß es durch bie gemeinsamen Bemühungen ber Arnis- stellen unb Behörben im alten Jahr gelungen ist, in ben heutigen Zeiten immerhin beachtliche Sum­men für öffentliche Arbeitsbeschaffung in Oberhes­sen mobil zu machen.

Don dem Gesamt-Förderungsbetrage von rund 3 Millionen Mark entfallen auf den Kopf ber oberhessischen Bevölkerung, soweit biefe zum Bezirk bes Arbeitsamts Gießen gehört, 9,90 RM. Auf bie einzelnen Kreise entfallen auf ben Kopf ber Bevölkerung: Alsfeld 10,80 RM., Büdingen 14,80 RM., Friedberg 530 RM. Gießen 9 RM., Lau- terbach 11,90 RM., Schotten 14,20 RM.

Sehr aufschlußreich finb auch bie Förberungssätze, bie pro Kopf ber Bevölkerung auf bie einzelnen oberhessischen Gemeinben entfallen. Es würbe zu weit führen, wenn man bie einzelnen Gemein­den aufzählen wollte, es seien nur für {eben Kreis die an ber Spitze stehenben 5 Gemeinden mit dem Betrage genannt, der pro Kopf ber Einwohnerzahl im alten Jahr für Notstanbsarbeiten und freiwilli­gen Arbeitsdienst bewilligt wurde. Bei ber Betrach, tung ber folgenben Zahlen darf nicht außer acht gelaßen werben, baß sich in einzelnen Gemeinben hier unb ba ber öffentlichen Arbeitsbeschaffung um überwinbliche Schwierigkeiten entgegengestellt ha­ben mögen; immerhin mögen aber die nachfolgen-