Ausgabe 
31.10.1932 Erstes Blatt
 
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Deiner Hände Werk

Nachdruck verboten.

3 Fortsetzung.

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Vornan von Klothilde von Stegmann-cLlein. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

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^Sie^grützte mit einem freundlichen Lächeln und wandte sich der Terrasse zu. Mit einem tnum- phievenden Gesicht ging Hiltrud an der Seite Des hw,en Schweden in den Garten hinunter. Sie Wie ihren Willen durchgesetzt und Sabine von dem jungen Manne getrennt, den sie seit semem Auftauchen hier im stillen begehrte. Sie wol

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der Mutter sagen, dah man diese ehemalige Schulfreundin, diese Sabine, nicht metzr nach Bremorichlotz einladen sollte. Das fehlte chr ruxh, M sie ihr den ersten Mann mit Beschlag be­legte, der sie wirtlich interessierte und der ihr mehr bedeutete als einer ihrer vielen Verehrer.

Viertes Kapitel.

Guten Tag!" erklang plötzlich eine Stimme Au Hi-Wrud hin von dem Seitenweg des Parks

K-uvt. in einem weihen Anzug, kam rasch auf ^Garten Tag!" erwiderte Hiltrud, übellaumg wegen der neuen Störung.Bist du schon zurück? Wir wollen gerade eine Partie Pingpong spie­len." Sie ging schnell über den schwellend wei­chen Rasen auf den grünen Tisch zu, der mut seinem ausgespanuten Retz auf die Spiels war­tete.LIebrigenS kannst du uns die Bälle aus­heben", rief sie chm über die Schulter zu.

Kurt wurde feuerrot. Aber ehe er etwaS zu ant­worten vermochte, sagte Erikson:

Das ist doch nur ein Scherz von Ihnen, gna- diges Fräulein?! Sie werden doch nicht im Ernst von Ihrem Herrn Bruder verlangen, dah er uns die Bälle aufsammelt!" ,, . ,

Warum denn nicht?" gab Hiltrud schnippisch zur Antwort. Aber als sie auf der Stirn des jungen Herrn Erikson eine Falk des Unmuts aufsteigen sah, meinte sie lachend:

Ich weih nicht, Sie scheinen ebensowenig einen Scherz zu verstehen wie mein Brüdovlein, Ba- ron Erikson selbstverständlich wollte ich Kurt nicht kränken."

Aber in ihren matten, blauen Augen flammte etwas Böses auf.

Kurt verneigte sich kurz und ging weiter, ent­fern sah ihm mit einem leisen Bedauern nach. Er mochte diesen frischen, gescheiten, jungen Men­schen gern, und er verstand es nicht, dah er hier im Hause von Frau Melanie wie auch von Hil­trud immer spöttisch behandelt wurde. Es warf kein gutes Licht auf Hlltrud. Aber er hütete |ich, etwas zu sagen. Er war hier Gast im Hause.

So folgte er denn höflich der voranschreitenden Hvllrud und war bald in ein eifriges Spiel Der- Heft, bei dem Hiltrud eine geschickte und schnelle Partnerin war. Jetzt, wo sie sich schneller be­wegte, um die kleinen leichten Bälle des Tisch- tennis zu erhaschen, hier und dort lief, nm doch n-och einen Schlag mit dem kleinen leichten Schla­ger anzulwingen, verlor ihr Gesicht den blas iier- ten Ausdruck. Ihre zarten Wangen glühten, ihre Augen leuchteten; sie sah wie ein strahlend schö­nes Kind aus in diesem Augenblick.

Wenn Sie wüßten, gnädiges Fräulein , sagte der junge Schwede in einer Spielpause,wie gut Ihnen solch eine fröhliche und unbekümmerte Be­schäftigung steht!" Und er sah mit einem war-

men Blick auf Hiltrud.Viel besser, als wenn sie immer die ferne und in ihrem Wesen sorg­fältig abgezirkelte junge Dame der Gesellschaft darsteÄen." r ,, ,

H-.^trud errötete leicht. Eie hatte wohl ge'purt, dah in diesem Lob sich auch ein Tadel verbarg. Aber seltsam, von diesem Manne nahm sie so- gar das entgegen, ohne dah ihre Eitelkeit und ihr Trotz ausbegehrten. So sagte sie denn nur:

Aber eigentlich ist es nicht ganz damenhaft, sich so zu erhitzen wie ich nur aussehe!" H l- trud zog schnell ihr Taschenspiegelchen und ord- nete sich das verwirrte Haar.Wenn man mich fo sähe!"

Gnädiges Fräulein, man muh nicht immer daran denken, wie wäre es, wenn einem die an­dern sähen." .

Hiltrud blickte den jungen Schweden verwun­dert an. Alles, was er sagte, war so ganz an­ders als das, was sie immer von der stet» kühlen, ruhigen Mutter gehört hatte und was auch ihr seit ihrer Kindheit eine Richtschnur be­deutete. Sie wurde ein wenig nachdenklich, ato sie jetzt wieder auf chre Spielseite ging, um den Ball des Schweden zu parieren.

Kurt war inzwischen auf die Terrasse zuge­schritten, wo die andern Gaste mit der Mutter im Gespräch um den Teetisch versammelt waren.

Er ging immer mit einem leisen Dangen der Mutter entgegen, die fast immer irgendeine Er­mahnung oder eine spitze Bemerkung für chn hatte. Unwillkürlich strich er sich noch einmal über die Haare; ja, der Scheitel sah korrekt. Auch der Schlips war hoffentlich genau so tadellos gebun­den, wie es für die Stiefmutter von äuherfter Wichtigkeit schien. Dann erst ging er rasch die Stufen hinauf und begrüßte zuerst die Mutter mit einem korrekten Handkutz, dann die anderen verheirateten Damen, die alle ein paar freund­liche Worte an ihn richteten.

Sabine Döring, die von Frau Pastor in ein Gespräch gezogen war, streckte ihm kameradschaft­lich die Hand entgegen: _ _ . _

Tag, Kunst! Ra, wie schmecken die Femen?

Gedenkst du auch so sündhaft faul zu sein, wie ich es immer in den Ferien war? Ich kann dir daS Rezept empfehlen."

Kuvt wollte gerade eine lustige Antwort ge­ben, da klang die Stimme der Mutter scharf da- ^D,,3rduIein Sabine, Kurt hat allen Anlah, sehr fleiftig zu sein, um schnell fertig zu werden. Das Universistätsstudium kostet ja genügend."

Kurt wurde rot. Und auch Sabine schwieg peinlich berührst. Immer war es Kurt, dem die Kosten seiner Erziehung vorgeh allen wurden. Für Frau Melanies Sohn aus erster Ehe, Hans Egon, war nichts zu teuer, obwohl der schon längst fein Assessorenexamen hätte machen müssen.

Selbstverständlich, mein gnädiges Fräulein , versetzte der junge Mann verbindlich und in tabel- losem Deutsch,ich unterhielt mich nur mit ^rau Doktor Döring über den gesundheitlichen Schutz der Arbeiter in deutschen Betrieben."

,Hu, wie gelehrt!" Hiltrud zog ein entfette« Gesicht. »Macht dir denn das Späh, Sabine, immerfort nichts als Gelehrsamkeit und toten

.Das ist kein toter Äram, Hiltrud", belehrte Sabine Döring die ehemaligeSchulgenossm freund­lich, .das ist doch alles sehr wichtig. Kragenur einmal deinen Vater, dessen Betriebe ja vorbild­lich sind für alle hygienischen Arbeitseinnch- k^TIein Vater hat einen großen Betrieb. Er ist ja auch schliehlich ein Mann; aber wie das alle« Frauen beschäftigen kann na ja, du warst ja immer etwas eftraoagant hebe «Sabine... Mnb als sie einen befremdeten OhiSbraa auf dem charaktervollen Gesicht des jungen Schweden sah fuhr sie rascher fort:Wie wäre e» mttetnet Partie Pingpong, Baron Erikson? Die Diener haben die Tische vorhin ausgestellt sehen Sie? Ich hätte Lust dazu."

Wie Sie befehlen, mein gnädiges Fräulein." Erikson verbeugte sich artig; Sabine Döring machte ein belustigtes Gesicht. Das hatte Hiltrud mal fein angefangen, das Gespräch zwischen ihr und dem jungen Schweden zu trennen, der nun wartend dastand, in der Meinung, dah Hlltruv ihre ältere Jugendfreundin auch auffordern wuroe.

Run" rief aber Hlltrud ungeduldig schon von der Treppe herauf,wo bleiben Sie denn. Baron G^linö? Fräulein Döring?" fragte er leise mah­nend zurück. , ,

Ah, Sabine spielt ja Wohl nicht nicht wahr du hast für derartig oberflächlichen Zeitvertreib nicht viel übrig?" rief Hiltrud, ein toentg mokant. Sabine sagte aber ganz ruhig:

Du hast recht, Hiltrud. Ueberdies mutz ich mich «sowieso verabschieden ich habe heute noch zu

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Kurt war die Zornesröte ins Gesicht getfkgeA Brüsk schob er die Teetasse zurück, die der 5>ienet chm soeben nebst einem kleinen Teegebäck serviert hat!e:

Wenn du der Ansicht bist, liebe Mama, dah ich meine Zeit verschwende, dann gestattest du vielleicht, dah ich mich entferne. Ich kann die Zeit besser anwenden, als wenn ich hier in der allerdings sehr angenehmen Gesellschaft ver­bringe."

Lind damit stand er mit einer knappen Verbeu­gung auf und ging mit harten Schritten tnfl Haus

Tiefe Stille war seinem Abgang gefolgt Alle hier gönnten der hochmütigen Frau Me4anie diese Abfuhr. War es doch bekannt, datz sie immer otwas an diesem Stiefsohn auszusetzen hatte, dessen Fleitz und Arbeitsamkeit allgemein be­kamt waren. Frau Melanie war erst rot und dann bl atz geworden.

Sie müssen verzeihen, meine Damen", sagte sie mühsam,Kurt ist noch em sehr unerzogener junger Mann, der die Formen der gesellschaft­lichen Hösiichkeit nur mangelhaft beherrscht Das kommt davon, datz er ganz wild und ohne rich­tige Äinberftubc aufgcwach'en ist Aber ich hoffe, er lernt noch, wie man sich zu benehmen hat." Sie lenkte das Gespräch geschickt auf etwas an­deres.

Zornig war Kurt ins Haus gegangen. Es war zuviel, zuviel der ewigen Kränkungen, die ihm von selten der Stiefmutter und der Stiefschwester immer wieder angetan wurden. Wäre es nicht um den Vater gegangen, er wäre nicht mehr hier­hergekommen und hätte auch die Ferien auswärts verbracht Die Stiefmutter würde sich nie daran gewöhnen, dah man kein dummer Junge mehr war, den man nach Belieben kommandieren und erziehen konnte. Er durchschaute sie ja! Ec durch­schaute genau ihre Beweggründe. Eie wollte ihm bas Vaterhaus Dcrleiben, damit Hlltrud und Hans Egon ihn ganz verdrängen konnten. So­lange der Vater noch lebte, würde ihnen das ja nicht gelingen. Hm des Vaters willen versuchte Kurt immer wieder, mit der Stiefmutter tm Guten auszukommen. Aber heute war sein Tem­perament eben mit ihm durchgegangen.

Mit finsterem Gesicht stieg er hinauf. Auf bei Treppe zum ersten Stock stieh er mit seinem Stief­bruder Hans Egon zusammen.

.Ra, Kleiner", sagte der herablassend, .mal wieder von der teuren Alma mater zurück? Wer » doch auch noch mal fo gut hätte, freier Student zu sein unsereiner muh sich mit den blöden Akten totschuften."

Kurt muhte trotz seiner Wut unwillkürlich lächeln. Wer Hans Egon so sah, im Reitdreh, elegant vom Scheitel vis zur oofrle, rosig und gepflegt, der glaubte nicht recht and Totschuften.

(Fortsetzung folgt)

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