Ausgabe 
31.10.1932 Erstes Blatt
 
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wolle. Run veröffentlicht Dr. Schnee einen län­geren Brief an den Abgeordneten Dingeldey, in Lern er seinen Austritt aus der Partei mit einer politischen Begründung versieht, die sich gegen die Politik de- xabinettS v. Popen richtet. Wenn Dr. Schnee die Heranziehung der Ra- tivnalsozialisten zur Verantwortung be­fürwortet, so weih er selbst sehr genau, dah die Deutsche Dolkspartei diese Forde­rung schon seit Jahren vertreten hat. Gr weih ferner, dah die Nationalsozialisten am 13. August das Angebot deS Reichskanzlers und deS Reichspräsidenten, an der Regierung mit star­ken Machtpositionen beteiligt zu sein, abgelehnt haben. Insofern fehlt dem Austritt von Dr. Schriee jede stichhaltige Begründung."

Oie neue kommiffarische Preußenregierung.

Berlin, 31.Oft Die Ernennungen der neuen Kommissarischen preustenregie- r u n g werden jetzt veröffentlicht nachdem die Ur­kunde bereits vollzogen worden ist. Mit der Wahr­nehmung der Geschäfte der preußischen Minister werden beauftragt:

Inneres: Dr. Bracht, der zvm Reichsmini- ster ohne Geschäftsbereich ernannt worden ist;

Finanzen . Dr. p o p i h, der ebenfalls zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt wurde;

Landwirtschaft: Reichsernährungsminister von Braun;

wirtschaft und Arbeit: Staatssekretär L r n st;

Kultus: Prof. Dr. Koehler (Greifswald); Justiz: Staatssekretär Hölscher.

Schwere Zusammenstöße in Hamburg.

Hamburg, 30. Oft. (XU.) Gestern gegen 16.30 Uhr kam eS tm Stadtteil Eimsbüttel zu einer Schlägerei zwischen Reichsban­ner leuten und einigen Äationalsozia- listen. 3m Verlause dieser Schlägerei blieb ein AeichSbannerrnann tot am Platze. Eine »weite Person erhielt einen Oberarmschuh.Es hatte sich beim Plakatekleben eine Auseinandersetzung entsponnen. Eine gröhere Kolonne AeichSbanner- leute wollte einen Rationalsozialisten verprügeln. Dieser ergriff die Flucht und wurde nachher ge­stellt. Cr soll, da er sich bedroht fühlte, eine Pi­stole gezogen und mehrere Schüsse abgegeben ha­ben. Ein Mann, der ein Abzeichen der antifaschi­stischen Aktion trug, wurde am Oberarm durch einen Schuh verletzt. Als der Tat verdächtig wur­den der 26jährige Expedient 3ohann Asmus unb sein 24jähriger Bruder, der Handlungsgehilfe Kurt ASmus festgenommen. Beide sind Mit­glieder der RSDAP.

Bon der Gaupvessestelle der NSDAP, wird eine längere Erklärung veröffentlicht, in der gesagt wird, Loh der Tater von etwa 20 Reichsbannerleuten überfallen worden sei und zunächst Schreckschüsse in die lluft abgegeben habe. Als die Angreifer nicht von ihm abgelassen hätten, hätte er schließlich auf diese geschossen, wobei ein Reichsbannermann, der schon verschiedentlich an Uebersällen auf Rational- sozlalisten beteiligt gewesen sei, den Tod erlitten habe. Der Täter soll schon häufig von politischen Gegnern überfallen und verletzt worden sein.

3m Laufe des heutigen Sonntags ist es in Ham­burg wiederum zu sehr schweren Zwischen­fällen gekommen, in deren Verlauf mehrere Per­sonen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die schwersten Zusammenstöße spielten sich in den Stadtteilen Hammerbrook und B a r m b e ck ab. In fast allen Fällen entwickelten sich die Zusammen­stöße aus Streitigkeiten mit nationalsozialistischen Werbekolonnen, die am Sonntagsrüh in verschiede­nen Stadtteilen eingesetzt worden waren. Als eine solche Werbekolonne tue Wenden st raße durchzog, wurde sie plötzlich von Kommunisten und Reichs- bannerkulen angegriffen. Es fiel eine große An­zahl Schüsse und die sich entwickelnden Schlä­gereien zogen sich durch mehrere Straßen hin.

(Eine schwere SdHcfjerel sand auch vor einem nationalsozialistischen Berkehrslokal am Hei- dcnkampweg statt. Die Polizei erschien überall mit großem Aufgebot und mit zwei bzw. drei Schnell­wagen, jedoch verschwanden bei ihrem (Eintreffen die Täter sofort von den Straßen. Sogar d i e Verletzten wurden In den m ei ft en gäl­ten mitgenommen Die genaue Zahl der Opfer läßt sich nicht übersehen. Auf nationalsozialisti­scher Sette werden zwei S A.-L e u t e mit Rücken st ichen, ein SS -Mann mit einer schweren Kehirnverletzung und ein weiterer SA.-Mann mit Kopfverletzungen Semelbet, die von Schlägen mit einer mit Nägeln ewehrten Latte herrühren, ferner sieben Leichtver­letzte. Das Reichsbanner meldet einen Schwerverletzten und eine Anzahl Leicht­verletzter

Weiterhin kam es am Sonntag gegen 13 Uhr 50 in der Holstenstraße an der Wandabeker Seite zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten noch zu einer dritten Schlägerei, in deren 'Verlaus auch einige Schüsse fielen. Hierbei wurde der in

Wandsbek wohnende 4-1jährige Hch. Schwarz, der Mitglied der KPD. ist, durch Bauchschuß verletzt. Einschreitende Polizeibeamte wur­den gleichfalls beschossen, mit Steinen bewor­fen und jo hart bedrängt, daß sie auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch machen mußten. Da­durch wurde der in Wandsbek wohnende 27jährige Bruno Borowski, als er einen Stein auf die Beamten werfen wollte, durch Kopfschuß verletzt. Auch Borowski soll Angehöriger der KPD. sein.

Oie Königsberger Unruhen vor Gericht.

Königsberg i. Pr-, 29. Okt. (WTB.) Dor dem Sonderger cht fand heute der Prozeß gegen 19 Nationalsozialisten statt die beschuldigt wurden, an den Unruhen vorn 1. August beteiligt gewesen zu fein. Zunächst wurde gegen 11 Ange­klagte verhandelt, denen oorgeworsen wird, einen zweistöckigen Schuppen und eine Laube vorsätzlich in Brand gesteckt und mehrere Wohngebäude beschä­digt zu haben. Am Tagender Reichstagswahl waren die Angeklagten bis etwa 22 Uhr in einem Lokal versammelt. Von hier aus begaben fi« sich in die Wohnung eines Parteigenossen, in der man die durch Radio übertragenen Wahlergebnisse ab­hörte. Um etwa 4 Uhr verteilte der Angeklagte Diplomhandelslehrer Burow, der Sturmführer des Sturmes 12, an einzelne Mitangeklagte Fla­schen mit Sprengstoff, die bann zwischen 5 und 6 Uhr durch einige Angeklagte in dem Vorort Kalt- Hof auf einige Grundstücke geworfen wurden. Die Angeklagten haben in ihren Aussagen erklärt, daß sie hierbei einem Befehl gefolgt seien. Sie sollten In Kalthos Unruhe stiften und die Flaschen aus- roerfen, es aber vermeiden, Personen- ober Sach­schaden anzurichten, desgleichen sollten Zusammen­stöße mit der Polizei ober Reichswehr vermieden werden.

Da- Urteil lautete: Der Angeklagte Raether wird freigesprochen. Die übrigen An­geklagten werden unter Freispruch von den üb­rigen Anklagen verurteilt: Günther. Largel, Ger­hard Kuhn, Bruno Kühn, Otto Kuhn, Liß, Mül­ler, Gust und Wetzel, sämtlich wegen schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit vollendeter ein­facher Brandstiftung, Burow wegen Anstiftung dazu. Tie Strafen wurden wie folgt erkannt. Durow zu l>/2 Jahren Zuchthaus, Müller ein Jahr Gefängnis, der Zugendliche D a r g e l zu fünf Monaten Gefängnis, alle übrigen zu neun Monaten Gefängnis. Die von den meisten Angeklagten erlittene Untersuchungshaft wird voll angerechnet.

Anschließend trat daS gleiche Dondergericht sofort erneut zusammen, um gegen die wegen der Tankstellenattentoie vorgesührten acht Angeklag­ten zu verhandeln. Die Anklage legte sieben An­geklagten versuchte Brandstiftung an einer Tank­stelle zur Last und dem angeklagten 'Buchhalter Erich Walter Anstiftung zu diesem Verbrechen. Walter wurde zu neun Monaten Gefängnis, die übrigen Angeklagten zu fünf bis sieben Monaten Gefängnis verurteilt.

Aus Oer Provinzialbauptstadt.

Gießen, den 31. Oktober 1932.

Bunter Herbst ...

Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Farbtöne, in die, von unsichtbarer Hand, auf Berge, Wiesen, Wälder und weite Ebenen getaucht werden.

Das unendliche Weiß des Winters wird ab­gelöst durch die ersten hauchdünnen, zaghaften Farbklänge des erwachenden Lebens der Ratur, und zum Sommer hin vertiefen sich diese Farb­melodien, werden ausdrucksvoll und stolz vor Kraft. Und fie beginnen zu verblassen, wenn der erste kühle Lufthauch sie streift.

Das ist der Vorbote des Malers, dessen Tusch­kasten so viele Farben enthält, daß die einzelnen Klexe durcheinanderpurzeln und neue, ungeahnte Farbspiele bilden. So reich an Phantasie ist nie­mand außer ihm. so bielgeftaltenb, lebendig und stimmungswechselnd. Jedes Blatt, das der ein­schlafende Baum herabwirft, hat ein anderes Ge­sicht, spricht an einem Zipfel noch von den Freuden des Sommers, und gegenüber die andere Zacke hat die Farbe schon verloren und die Kraft, und die feinen Adern pulsieren nicht mehr so freudig Das Blatt ist müde. Wo wir Hinschauen: immer wieder entdecken wir diesen Kontrast, der Leben heißt.

Bunt ist alles um uns geworden, und bunter noch regt es sich in unseren Gedanken. Denn alle Stimmungen, die uns gefangennehmen, finden einen Widerhall in der Äatur. Und alles Ge­dachte, das fönst nur heimlich, ohne Form und Farbe in uns wuchs, findet plötzlich fein Bild dort draußen, wo die Gräfer und die Bäume ihr Kleid wechseln.

Die Sonne scheint, aber sie wärmt nicht mehr sehr. In den Wäldern tropft es bunt von den Bäumen und rauscht geheimnisvoll. Denn alles, was dort lebt, ist dem Herbst untertan, der seine eigene Freude am Spiel von Mosaikgebilden hat. Und der Mensch, der durch diese buntgemalte Landschaft geht, wird nachdenklich und oft genug sich dessen nicht bewußt, daß er nur ein Glied in dieser Kette ist. die in ihren hellen und dunklen Farbklexen über daS Sichtbare hinaus eine Welt von Stimmungen in sich trägt, die verzaubert ist, um dem Schlaf entgegensuträumen. E. M.

Eine Familie wegen Hehlerei verhaftet

Der Polizeibericht meldet: Am Samstag wurde in Wieseck die Familie des SchneiberS U.. beste­hend aus Mann, Frau und zwei Söhnen, unter der Beschuldigung der Hehlerei bzw. des Einbruchs verhaftet. Die Festgenommenen wurden gestern dem Amtsgericht zugelührt, das gegen die Sltem und einen Sohn Haftbe'ehl erließ, während der andere Sohn schon von der Polizc wieder auf freien Fuß gesetzt war. Die verhafteten Eltern haben sich bei den gemeldeten zahlreichen Diebstäh­len in der letzten Zeit in Gießen und Umgegend der Hehlerei schuldig gemacht. Bei der Haus­suchung in ihrer Wohnung fand man Kleidungs­stücke und Stosse, die aus dem Einbruch in Grün- berg herrühren. sem:r elektrische Haushaltsgeräte, die aus einem Einbruch in Klein-Linden stammen. Bei einer in Gießen wohnenden Tochter wurde gleichfalls Diebesgut gesunden, das der Familien­vater dort hingeschafft hatte. Während die Eltern der Hehlerei beschuldigt werden, kommt der Sohn als Mittäter bei den Einbrüchen in Betracht. Der junge Mann hat ferner mit einem Floberlqewehr am Ortsrande von Lollar eine Anzahl Hühner abgeschossen und diese Beute ebenfalls mit »ver­schärft". DaS Ermittlungsverfahren in der gro­ßen Diebes- und Hehlerafsäre nimmt seinen Fort­gang.

Daten für Montag, 31. Ettobcr.

1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Wit­tenberg an.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag: Ev. Kirchengemeinde Gießen, 23.15 Uhr, Turnhalle am Oswaldsgarlen, Gustav-Adolf-CecächniS eier. Volkshochschule, 20 Uhr, Universität (1. Stock). Kursbeginn. Dezirkssparkasse Gießen, 9 bis 18 Uhr Turnhalle der Pestalozzischule, Ausstellung: Kinderland und Spargedanke. HauS der Hand­arbeit, Hotel Hindenburg 11 bis 13, 15 bis 19 Uhr. HandarbeitS-Ausstel'u Lichtspielhaus Bah hofstrase: »Flucht von der Teufelsins.l'. Astoria-Lichtspiele. Settec»u,vg: 17, 19 und 21 Uhr, .Das Geschlechtsleben".

Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Morgen, 20 Uhr, 5. Vor­stellung im Dienstag»Abonnement, Wiederholung deS Lustspiels: .Roulette", von Ladislaus Fodor. Spielleitung: Karl Hehser. Gewöhnliche Preise. Ende 22 Uhr. Am Mittwoch, 2. Rovern der, Erst­aufführung des StückeS: .Sechs Perfcmen suchen einen Autor", ein Stück, das gemacht werden soll, von Luigi Pirandello. Mit der Erstaufführung dieses b.zarr anmutenden Werkes wirb an un­serer Buhne erstmalig ein Werk des bekannten Italieners in den Spielplan ausgenommen. Spiel­leitung dieses in seiner Idee neuartigen Stückes hat Oberspielleiter Peter Fas sott. Die Erst- aufsührung ist die 5. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.

** Zentralstelle für Srf orschung der Kriegsursachen. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers a. D. Dr W. Marx ver­anstaltete die .Gesellschaft für Erforschung der Kriegsursachen" am vorigen Freitag in Berlin ihren ersten Vortragsabend vieles Winters. Pro­fessor Dr. R o l o f f von der Universität Gießen sprach über das Thema .Verantwortlichkeit am Weltkrieg". An der sich an den Vortrag anschlie­ßenden angeregten Aussprache beteiligten sich u. a. Staatssekretär a. D. Zimmermann, Profes­sor Dr. J) c r r c, Prof. Dr. Görcke, Dberftubien« bireftor Dr. Reiinann, Dr. von W e g e r e r.

Gustav.Adolf - Gedächtnisfeier. Veranstaltet von der evangelischen Kirchenge­meinde Gießen, findet heute abend in der Turn­halle am Oswaldsgarten die Aufführung eines Spieles von Josef Schieber unter dem Titel .Gustav Adolf" statt, das in eindrucksvollen Bil­dern der Kirche Rot und Rettung schildert. Das Stück wurde dieser Tage bereits in Bad-Rauheim mit großem Erfolg aufgesührt. Darsteller sind Dad-Rauheimer Laienspieler. Der Verein für christliche Musik hat seine Mitwirkung zugesagt.

"Kursusbeginn an derVolkShoch- schule. Heute, Montag. 31. Oktober. 20 Uhr, be­ginnen in der Universität die Kurse(StbiT, »Unsere Muttersprache", .Englisch!" (für Anfän­ger), »Englisch l!" (für Fortgeschrittene). Nähe­res ist auS der heutigen Anzeige ersichtlich

Oer Wahlkampf in Gießen.

NSDAP.

Die Ortsgruppe Gießen der RSDAP. hielt gestern abend im Cafe Leib eine Wahlkundgebung ab. Redner deS Abends war Prof. Dr. Suchen- wirt, Wien. Cr sprach über das Thema .Pa - pen oder Hitler?" und führte u. a. aus: In Deutschland sei man verständlicherweise wahl- mübe. Die RSDAP. sei daran nicht schuld. Der letzte Wahlkampf sei begeistert geführt worden. Hitler zog mit den bisher je auf eine Partei ver­einigten größten Anzahl von Abgeordneten in den Reichstag ein. Man hoffte, daß ihm der Auftrag zur Regierungsbildung zuteil werde, wie eS nach geübtem Brauche bisher immer der Fall war. daß der stärksten Partei der Auftrag zur Re­gierungsbildung wurde. Am 13. August habe man aber eine harte Enttäuschung erleben müssen. Dem Führer der größten Partei hätte die Führung überlassen werden müssen. Das wäre keine un­berechtigte Forderung gewesen. Hitler habe auch nicht unrecht daran getan, den Posten des Vize­kanzlers abzulehnen. Den Erfolg feines Kamp­fes habe er nicht um ein Linsengericht preisgeben dürfen, denn die Macht wäre doch weiter bei Po­pen geblieben. Die Annahme der angetragenen Aemter hätte für die Bewegung den Tod bedeu­tet und damit den Tod für dos deutsche Volk, denn die RSDAP. fei heute das deutsche Volk. Die Aokehnung der Uebergabe der Macht an Hit­ler sei kein Ruhmesblatt für Hindenburg. Heute spiele der Herrenklub eine große Rolle. 1918 habe man nichts von ihm gehört, jetzt aber maße man sich dort größte Rechte an und wolle das Volk wieder in Abhängigkeit zwingest. Die deutsche Erde müsse für die Zukunft dem deutfchen Men­schen gehören: er d.ürfe nicht Proletarier im eige­nen Lande sein.

Ter Wahlkampf gehe heute um die Frage: Popen oder Hitler? Herr von Papen, Freiherr, fei ein Mann mit vielen einflußreichen 'Verbin­dungen. ein reicher Mann, der dem Volke fern- stehe. Überwältigende Erfolge feien ihm nicht nachzufagen. Jetzt sei er auf dem besten Wege, Deutschland mit feiner außenpolitischen Führung völlig zu isolieren. Hitler habe mit Herrn von Papen nichts gemein. Er sei aus der Familie eines kleinen Beamten, habe früh arbeiten lernen müssen und erlebt, daß der deutsche Arbeiter marxistischen Utopien nachjage, er habe hungern müssen und die Sehnsüchte des Volkes begreifen lernen, um Weltkriege in vorderster Linie ge­kämpft und bann später feine Mission erfühlt, die Menschen zu begeistern, ein Volk zu führen. Er führe die Menschen zum Glauben an eigene Kraft. Am Sonntag werbe bas Volk bie unjtoci heutige Antwort geb:n: Für H tle un^RSLAP! Die arbeitende Menschheit, die Jugend insbe­sondere, erwarte von einer Regierung, dah sie die Möglichkeit schafft, die Glieder wieder nutzbar regen zu können. Die wirtfchaftllchen Maßnahmen der Regierung Papen müßten bereits als fehl- gefchlagen betrachtet werden. Mit Steuergutschei­

nen sei die Wirtschaft nicht zu retten. Es würden nur wieder Opfer von den Aermsten gefordert. An der Spitze des Volkes müsse ein Mann stehen, der (und mit ihm viele andere) für die Idee zu sterben bereit fei. Für die Ideen von Papens wolle niemand sterben, für Hitler opferten aber schon viele ihr Leben. Ernten müsse der, der gesät und geopfert habe. DaS deutsche Volk ver­lange den Führer aus eigenem Blute. Am 6. Ro- vember dürfe keine Stimme den reaktionären Parteien, keine Stimme für Papen gegeben werden.

2m Schlußwort wies der Redner darauf hin, daß der Deutsche in der ganzen Welt mit Span­nung und hoffnungsvoller Erwartung auf die Ge­schehnisse im Mutterlande schaue Der AuSland- deutsche harre des Tages, da aus der Kraft des Mutterlandes das Ansehen der Deutschen im Ausland neu erwachse. Das Schicksal der deutschen Volksgenossen in aller Welt werde jetzt im Mutterland gestaltet. 2m Osten droh: daSDeutsch­tum in Trümmer zu gehen, die deutsche Sprache werde und sei in der Tscheche! und in Polen ver­boten, die Gefahr wachse mit jedem Tag. Dem Deutschen helfe nur eines: Großdeutschland! Ge­bildet aus Reich, Oesterreich und Danzig. Das werde bann wie ein Magnet sein für btc Deut­schen in aller Welt. Dann werde daS deutsche Volk wieder im Mittelpunkte Europas stehen Die deutsche Landschaft, die Geschichte ver­pflichte uns zu sich. Das deutsche Land (da« der Redner in seinen vielen Erscheinungsformen vor das geistige Auge seiner Zuhörer führte) sei voll der wartenden Kraft, um allen zu geben. Man könne noch da und dort kultivieren, dem Meere Land abgewinnen neue Dörfer schaffen, wenn nur das größte Kapital, bie erfinbungs- reiche beutfche Arbeitskraft, mobilisiert werde.

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