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F r a n k f u r t, 31. Oft. (WTB. Drahtmeldung.) Die Börse war zum Wochenbeginn zunächst wiek^r recht fest, worin sich die optimistische Ausfassung über die innerpolitische Lage ausdrücken dürfte. Nach den ersten Kursen machte sich, Wohl beeinflußt durch die mangelnde Aufnahmefähigkeit des Marktes, vere nzelt eine leichte Abschwächung bemerkbar. Das Geschäft blieb aber ziemlich lebhaft.
3m allgemeinen gingen die Besserungen bis zu 1,5 Prozent, die Rückgänge bis zu 0,5 Prozent. Am Chemiemarkt lagen 3G.-Farben, Metallgesellschaft und Scheideanstalt gut behauptet. Deutsche Erdöl Jagen 1,5 Prozent fester. Bei Montanwerten standen den Rückgängen von Gelsenkirchen und Mannesmann um bis zu 0,5 Prozent die Erhöhungen von Rheinstahl und Stahlvereinsaktien im gleichen Ausmaß gegenüber. Der Elektromarkt zeigte fast durchweg Erhöhungen. So gewannen Bekula, Licht und Kraft bis zu 1 Prozent, Gesfürel 1,5 Prozent. Eine Ausnahme machten Siemens mit minus 0,5 Prozent. Arn Schiffahrtsmarkt waren Befestigungen bis zu 1,25 Prozent zu verzeichnen. Don sonstigen Werten gewannen Daimler 0,25 Prozent, Conti- linoleurn-Zürich 0,5 Prozent und Deutsche Linoleum 1 Prozent.
21m Rentenmarkt war die Lage gleichfalls befestigt, wobei Diskonthoffnungen mitgewirkt haben. Die Umfaße waren von Anfang an ziemlich rege, und Reichsaltbesih und Reu- besih konnten sich um eine Kleinigkeit verbessern. Auch Reichsschuldbuchforderungen, sowie Liquidationspfandbriefe waren gesucht. 3m Freiver-
den Staatsaufbau zu schaffen. Der Redner legte dann eingehend dar, daß, wenn der 6. Rovember keine wesentliche politische Veränderung bringe, unter Umständen mit einer Annäherung der RSDAP., des Zentrums und der SPD. über die Gewerkschaften zu rechnen sei, um eine neue sozialistische Front aufzurichten, die das Zentrum zweifellos mitmachen werde. Hieraus könne für das Bürgertum eine riesige Gefahp erwachsen, gegen die der Sozialismus der letzten 13 3ahre nur ein Kinderspiel fein werde. Weiter sprach sich der Redner für die Heraufsetzung des Wahlalters aus, forderte von der Regierung entschiedenes Handeln und betonte, unser Volk könne leider nicht mehr warten, sondern brauche schnelle und umfassende Hilfe. Er forderte Befreiung der Wirtschaft von allen staatlichen Einflüssen und Eingriffen, Gewährleistung der freien Schaffensmöglichkeit des selbstverantwortlichen Wirtschafters, unbedingte Aufrechterhaltung und Verteidigung des Privateigentums gegenüber allen sozialistischen Tendenzen, auch gegenüber dem Sozialismus der RSDAP., Stärkung und Schuh des Mittelstandes, Wahrung der wohlbegründeten Rechte der Beamten, Angestellten und Arbeiter, die Schaffung wahrer Werk- und Arbeitsgemein^ schäften mit dem Ziele der echten Volksgemeinschaft. 3etzt müsse überall der Ruf befolgt werden: „Staatsbürger erwache!", denn auf dem Wege der Rur-Partei-Einstellung könne Deutschland nicht gerettet werden. Die Arbeit für das Volk müsse über die Arbeit für die Partei gestellt werden. Die DVP. wolle keineswegs die politische Entwicklung rückwärts gedreht, sie wolle den freien Staatsbürger auch gegen reaktionäre Bestrebungen geschützt wissen. Sie wolle Männer am Ruder sehen, die ohne Rücksicht auf die Partei nur Deutschland als Ziel kennen. Durch das Vertrauen Hindenburgs seien solche Männer jetzt am Werk, und für diese trete die DVP. ein, für Hindenburg und mit Hindenburg für ein nationales Deutschland und ein schöneres und besseres Vaterland.
An die mit starkem Beifall aufgenommenen Reden schloß sich eine kurze Aussprache an, in der ein Anhänger der republikanischen Parteien und ein junger Volksparteiler sprachen.
Sparer und Zentner.
Der Sparerbund veranstaltete am Samstag im „Aquarium" in Verbindung mit der Volksrechtpartei und dem Rentnerbund seine zweite Wahlversammlung. Justizrat Lindt-Darm« stodt als Redner beschäftigte sich zunächst eingehend mit dem Unrecht, das die Entwertung der Mark für die Volksgemeinschaft bedeutete und den Sparern, den Rentnern, den Gläubigern so ungeheuren Schaden zufügte. Die Bestrebungen der Dolksrecht- Partei gingen bald nach der völlig unzureichenden Aufwertung darauf hinaus, das ungerechte Aufwertungsgesetz im Wege des Volksbegehrens zu Fall zu bringen. Der Gesetzentwurf für dieses Volksbegehren sei aber von der Reichsregierung abgelehnt worden mit dem Bemerken, daß es gegen das Haushalts- gesetz des Reiches verstoße. Diese Ablehnung sei verfassungswidrig gewesen, ein Standpuntt, den sogar die Sozialdemokratische Partei seinerzeit geteilt habe. Es dürfe nicht vergeßen werden, daß die Sparer diesen Kampf nicht allein um ihrer Interessen willen ausgefochten sehen wollten, sondern um des Rechtes willen, das noch immer die beste Garantie für die Ordnung gwesen sei. Es müsse betont werden, daß der damals eingebrachte Gesetzentwurf mit dem Haushaltsplan der Reichsregie, rung nichts zu' tun hatte.
Das Rentneroersorgungsgesetz habe auch eine recht tragische Geschichte hinter sich. Die Mittelstandspar
Man brauche nicht Proletarier, wenn man Herr auf eigenem Grunde sein könne, sei dieser Grund auch klein. 3m Dritten Reich dürfe sich kein Mensch als Ausgestoßener betrachten, sondern er müsse sich einstigen in das große Ganze, damit ein neues Geschlecht erwachse. Dann würden die Parteien überflüssig sein, weil das Volk für sich lebendig schasse. Hitler solle diesem neuen Volke der Führer sein. Der Tag des 6. Rovember sei Schicksalsstunde um Leben und Sterben des deutschen Volkes.
Deutsche Volkspartei.
3m Saale des Cafe Leib fand am Samstagabend eine öffentliche Wählerversammlung der Deutschen Dolkspartei statt. Die beiden Redner polemisierten scharf gegen die RSDAP. Eine Anzahl junger Rationalsozialisten machten im Verlaufe des Abends immer häufiger störende Zwischenrufe und Protestkundgebungen, die den Vorfitzenden, Oberreallehrer Appel, veranlaßten, die Opposition wiederholt auf sein Hausrecht hinzuweisen und die schließlich sogar zum Erscheinen von uniformierten Polizeibeamten im Saale führten. Trotz dieser Störungen konnten sich die Referenten durchsetzen und die Versammlung zu Ende geführt werden.
Als erster Redner sprach Oberschulrat S ch e p p - Berlin an Stelle des verhinderten Oberstudien- direktors Dr. Decker-Kassel. Der Redner streifte zunächst d'.e Verhandlungen zwischen der RSDAP. umb dem Zentrum, bei denen ein Erfolg von vornherein unmöglich gewesen sei. Diese Verhandlungen seien um so sonderbarer, wenn man bedenke, wie stark noch bis vor der letzten Wahl die RSDAP. das Zentrum bekämpft und beschimpft habe. Hierauf wandte er sich gegen die RSDAP. und bestritt Hitler das Recht, mit 37 Prozent der Wählerschaft alle Macht für sich zu fordern. Wenn Hitler Hindenburgs Auf gefolgt wäre, hätte er von 13 Ministerposten 7 allein bekommen. Damit und zugleich auch als preußischer Ministerpräsident hätte er großen politischen Einfluß ausüben können. Hitler sei wohl ein glänzender Agitator und fortreißender Redner, jedoch ein schlechter Staatsmann. Die DVP. stütze das Kabinett Papen, weil es von dem Vertrauen des Reichspräsidenten v. Hindenburg getragen werde und mit der Partei- Herrschaft endlich Schluß machen wolle. Dieses Kabinett verdiene Vertrauen, weil es Taten vollbringe und nicht Schlagworte und Reden mache. In der RSDAP. trete immer stärker der sozialistische Zug zutage, eine gewisse Proletarisierung der RSDAP. sei schon eingetreten. Ruf einen Zuruf „Gott sei Dank" bemerkte der Redner, diese Entwicklung müsse das Bürgertum beachten. Der Redner sprach sich weiter für die Reform der Weimarer Verfasfung im Sinne der Papenschen Ankündigungen aus, betonte die Wichtigkeit des Schutzes der Religion im staatlichen Leben und in der Schule, begrüßte die entschiedene Haltung des Kcb netls Papen in der Außenpolitik, sprach sich für die Wdereinsührung der allgemeinen Wehrpflicht aus und dankte dem Reichswehrminister v. Schleicher für fein zielklares Auftreten. -3um Schluß rechtfertigte er noch kurz das technische Wahlabkvmmen mit den Deutschnationalen, lehnte leere Versprechungen ab, sagte aber tatkräftiges ©in treten für die Ziele des Papon-Programms und Ablehnung aller einseitigen Herrschaftsbestrebungen zu.
Der zweite Reoner. Gärtnereibesitzer Schröder, Kajsel, bezeichnete die Wahl am 6 Rovember als eine Entscheidung von schicksalsschwerster Bedeutung, da es sich darum handle, an die Stelle der Rur-Parteipolitik eine bessere Grundlage für
teien hätten in dieser Hinsicht leider versagt. Di« Forderung der Heraushebung der Rentnerversorgung aus der Wohlfahrtsunterstützung zum Rechtsanspruch habe bisher leider noch feine Erfüllung gefunden. Die Aufwertung an sich fei eine Frage, di« stets auf der Tagesordnung bleiben wende. Entscheidend für die Aenderung der Situation fei die Feststellung der Rechtsgrundlage, die hinsichtlich der Aufwertungsgesetze sichtlich auf Irrtümern beruhe. Leider gehe die Rechtspflege nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung einig, da sich der Reichstag als gesetzgeberische Körperschaft m unfruchtbarer Arbeit erschöpft habe. Im Hinblick auf den Wellspar- tag ging der Redner auf das Wesen der Sparkassen em, deren Aufgabenkreis erweitert worden sei und bankenmäßigen Charakter angenommen habe. Im Interesse der Sparer müßten sich die Sparkassen auf den Aufgaben kreis von ehemals beschränken. In kurzen Ausführungen referierte dann der Vortragende über die internationale Liga der Sparer und deren bisher geleistete Arbeit.
Der Sparerbund werde es sich nicht nehmen lassen, den Kampf um die Aufwertung fortzuführen. Allenthalben bestünden Lücken im Recht, die die Rentner und Sparer immer wieder in das Hintertreffen geraten ließen. Deutschland müsse wieder Rechts- und Kulturstaat werden. Diesem Ziele gelte der Kampf der Volks rech tpartei. Man wisse zwar, eine völlige Aufwertung fei nicht möglich, aber auf eine ferne Gewinnchance allein dürfe man di« Sparer auch nicht Hinweisen, weil sie diese wohl nicht mehr erleben könnten. Die Aufwertungsfrage fei vor allem auch eine ethische Frage. Das Rechtsgefühl in unserem Volke müsse neu erstarken, denn nur dann könne andren, besseren Verhältnissen der Weg bereitet werden.
kehr wurden Steuerguticheine für 1934 mit etwa 90,5 bis 91 Prozent genannt.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 31. Oft. Auftrieb: 1372 Rinder, darunter 310 Ochsen, 175 Bullen. 453 Kühe, 420 Färsen, ferner 433 Kälber, 81, Schafe, 4240 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 29 bis 32 Mk.. (ältere) 25 bis 28, sonstige vollfleischige (jüngere) 22 bis 24; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 27 bis 29, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 22 bis 26; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26. sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 23, fleischige 17 bis 19, gering genährte 14 bis 16; Färsen (Kalbinnen, 3ungrinöer): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 30 bis 32. vollfleischige 26 bis 29, fleischige 23 bis 25. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 40 bis 44. mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 39, geringe Kalber 30 bis 35. — Schweine: voll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 42 bis 45, von etwa 200 bis 240 Pfund 41 bis 45, von etwa 160 bis 200 Pfund 39 bis 43, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 35 bis 40 Mk. — Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schafe ruhig, geräumt Schweine schleppend, nahezu ausveÄauft.
Wettervoraussage
Unter Abflachung hat sich der Nordseewirbel nach Deutschland hin verlagert und verursacht unbestär- diges Wetter. Durch seine Rückseite wird mit dem Heranholen kühler Ozeanluft der unbeständige Witterungscharakter vorerst aufrechterhallen, so daß noch einzelne Schauer auftreten. Allerdings steigt von Westen und Südwesten her der Luftdruck kräftig an, wodurch eine Beruhigung in Aussicht steht, bei Aufklaren werden in der Nacht die Temperaturen Gefrierpunktsnähe erreichen. Ob sich die Besserung längere Zeit durchsetzen wird, läßt sich noch nicht sagen, zumal nördlich der britischen Inseln bereits Anzeichen für das Herannahen einer neuen Störung zu erkennen sind
Aussichten für Dienstag: Noch wechselhaftes Wetter, bewölkt mit Aufftaren, einzelne Schauer, nachts Temperaturrückgang bis in Ge« frierpunktsnähe.
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