Ausgabe 
31.10.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 256 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Montag, 31. Oktober 1932

Pnrd und Verlag: vrühl'jche Univerfitäts-Vlich- und Lteindruckerei R. Lange in Sietzen. Lchriftleitung und Sefchäfirftelle: Schulltratze 7.

Die Parteiführer im Wahlkampf

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 V, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Biegen.

Schwerer Raubüberfall in Erfurt

50 000 Mark sollten geraubt werden. - Ein Bankangestellter erschossen.

davon. Der Polizeibeamte feuerte aus seiner Pistole sieben Schüsse hinter dem Kraftwagen her und verletzte dabei den Bei­fahrer. Die anderen Schüsse haben den Wagen getroffen. Der Polizeibeamte hatte die Geistesgegenwart, ein auf der Straße stehendes Motorrad sofort anzutreten und den Räubern nachzujagen. Er verlor aber das schnell fahrende Auüo bald aus den Augen.

Autodiebe rauben in München 7000 Mark.

München, 31. Ott. (WTB. Funkspruch.) In Schwabing wurde heute ein schwerer Raubüberfall verübt. Zwei Angestellte des Wohlfahrtsamtes sollten 7 00 0 Mark beim Wohlfahrtsamt abliesern. Als sie das Wohlfahrtsamt betreten wollten, sprangen zwei Burschen aus einem Auto, das die An­gestellten verfolgt hatte, schlugen die Beamten mit Gummiknüppeln nieder, raub­ten den Geldbetrag und entflohen im Kraftwagen, ohne erkannt zu werden. Das Auto ist kurz vorher gestohlen worden.

Washington, 31. Off. (TU.) Die aus diplo- malis^.n Kreisen bekannt wird, ist die Regierung der vereinigten Staaten bereit, Frank­reich im Austausch gegen eine wesentliche Ab­rüstung weite st gehende Sicherheits­garantien zu gewähren. Staatssekretär Stirn- f o n wolle vorbehaltlich einer endgültigen Rege­lung den Brianö-firlloggpaft als bin­dend anerkennen, d. h. im Falle drohenden Krieges eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen den Beteiligten anskreben, und, falls diese erfolglos verlaufen sollte, Finanz- und Mirkschafts- boyfott gegen die Angreifernation in Erwägung Ziehen. Frankreich wolle dagegen das stehende Heer, die schwere Artillerie und die Tanks ver­mindern, falls die amerikanische Regierung die französischen Grenzen, besonders die gegen Deutsch­land, garantiere. Die Regierung der Vereinig­ten Staaten sei bereit, Frankreich diese Garantie in Form eines Gentleman agreements zu geben, falls Frankreich tat- sächlich abrüste und der amerikanische Senat seine ablehnende Haltung gegenüber jeder Art von 2Hili- tärbündnissen ändere. Dieser Plan wird haupt- verhandlungsgegenstand des amerikanischen Sach­verständigen Rorman Davis in Genf sein.

Amerika garantiert Frankreichs Sicherheit?

Gegenlei ung für Abrüstung Frankreichs?

Rachdruck gefordert werden, daß solche Dinge von einem breiten Volkswillen getragen würden.

Breitscheid spricht in Sachsen.

Eheinnitz, 30. Ott. Sonntag nachmittag sprach in einer Kundgebung der Eisernen Front in der Sporthalle Dr. Breitscheid vor etwa 12 000 Menschen. Der reaktionäre Charakter des Kabi­netts P a p e n ergebe sich, so sagte er, schon aus seiner Zusammensetzung. Papen hat sich selbst charakterisiert, als er in seiner Rede bei seiner Einzeichnung in das Goldene Buch in München gesagt habe, das Ziel sei die Wiederherstellung des Reiches in seiner alten Herrlichkeit. Die Me­thoden, mit denen die Regierung Papen die Ar­beitslosigkeit bekämpfen wolle, seien verhängnis­voll. Zur Bekämpfung der Arbeitslo­sigkeit gebe es nur einen Weg, und dieser sei die Stärkung der Kaufkraft. Mit den Kontingentierungsmaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft verhänge Deutschland die Selbst­blockade über sich. Die Isolierung Deutschlands werde infolge seines Aufrüstungsgedankens immer größer. Die Sozialdemokraten wollten zwar auch die G l e i ch h e i t i n d e r R ü st u n g , aber nicht durch Auf-, sondern durch A b r ü st u n g. Papen sage, er wolle unabhängig vom Volke und dessen Willen sein. Wenn Papens Herrlichkeit vor­über sei, werde der Sozialismus etwas neues auf­bauen.

Erfurt, 31. Oft. (MTB. Funkspruch.) Dor dem Gebäude der Deutschen Dank und Disconto- Gesellschaft wurde heute morgen ein schwerer Raubüberfall verübt. Mehrere Personen, die in einem Kraftwagen vorgefahren waren, überfielen einen Lohngeldträger und raubten ihm 5 0 0 0 0 Mark.

ZweiBotender hiesigen Filiale der D e u t - schen Bank und Disconto-Gesell- schäft hatten von der Reichsbank 50 0 0 0 M k. a b g c h o l t und befanden sich auf dem Wege zur Deutschen Bank. Kurz vor deren Eingang spran­gen plötzlich aus einem vor dem Bankgebäude haltenden Kraftwagen mehrere Männer her­aus und gaben ohne irgendeinen Anruf auf die Dgnkboten zahlreicheSchüsseab. Einer der Boren sank sofort tot zu Boden, der andere erhielt einen schweren Bauchschuß. Die 50 000 Mk. waren in einer K i st e verpackt, die zur Erde fiel. Die Räuber wollten sich der Kiste be­mächtigen, wurden jedoch durch das Dazwischen­springen eines De rkehrspolizisten daran gehindert. Die Räuber bestiegen schleunigst ihr Auto, das eine Hamburger Rümmer zeigte, und fuhren im schnellsten Tempo

Kerne Antwort Deutschlands.

Berlin, 31. Oft. (ERB. Funfspruch.) Zu dem morgen, 1. Rovember, ablaufenoen Abfommen über einen einjährigen st ungs st in­stand, das von der Dölkerbundsversammlung im vorigen Jahre auf die Initiative Grandis ab­geschlossen wurde, erfahren wir von zuständiger Seite, daß die deutsche Regierung die kürzlich erhaltene Umfrage des Generalsekretärs des Dölkerbundes, ob die beteiligten Regierungen mit einer Verlängerung dieses Abkommens um weitere 4 Monate einverstanden seien, nicht beantwortet hat und auch nicht beantwor­ten wird, bevor die Frage der deutschen Gleichberechtigung geklärt ist.

Maßgebend für die Haltung Deutschlands ist die Tatsache, daß, nachdem dieses im vergange­nen Jahre von der Völkerbundsversammlung ge­schlossene Abfommen in den Zuständigkeitsbereich der Abrüstungskonferenz üdergegangen ist, Deutschland mit einer Antwort z u Maß­nahmen der Abrüstungskonferenz Stellung nAjmen würde. Das will aber Deutschland nicht, so lange die Frage der Gleichberechtigung nicht geklärt ist. Diese Hal­tung Deutschlands ist auch in dem Schreiben der deutschen Regierung an den Präsidenten der Ab­rüstungskonferenz, Henderson, vom 14. Sep­tember zum Ausdruck gekommen.

Taten vollbracht habe: den Sturz des schwarz­roten Systems in Preußen und im Reich und trotz des Leipziger Urteils die Beseitigung des Dua­lismus Reich-Preußen. Das Urteil des Staatsgerichtshofes erwecke den Ein­druck, daß es aus allzu juristischen Hirnen her­vorgegangen sei und die Praxis und die Wirk­lichkeit nicht genügend berücksichtige. Es habe zu dem absonderlichen Ergebnis geführt, daß jetzt zwei preußische Regierungen beständen. Das Ur­teil sei aber nicht besonders tragisch zu nehme n, und es sei zu erwarten, daß die Re­gierung v. Papen auch die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten bald werde Überwinden können.

Brüning vor dem Zentrum Westfalens

H a g e n , 30. Oft. (TU.) Die Zentrumspartei Westfalen hatte für Sonntag zu einer großen öffent­lichen Wahlfundgebung in der Stadthalle aufge­rufen, in der Dr. Brüning sprach. Er halte es für seine Pflicht, so sagte er, gerade auf die Vor- gesch.chte dieser Wahl hinzuweisen als Warnung für die jetzige Reichsregierung, endlich die Verbin­dung mit den verfassungsmäßigen Vertretern des Volkes zu suchen. Die Re­gierung von Papen, die eingesetzt worden sei, um die Nationalsozialisten in die Verantwortung hin­einzubringen, habe die Pflicht, streng bei der Wahr­heit und Wirklichkeit zu bleiben und zu verhüten, das Volk in einen übertriebenen Optimismus zu versetzen. Sie müsse mit allen Mitteln versuchen, den Reichstag arbeitsfähig zu machen. Leute, die glaubten, aus dem Artikel 48 der Reichs­verfassung jede Maßnahme und jede Möglichkeit be­gründen zu können, hätten in dem Urteil des Staats­gerichtshofes eine starke Niederlage erlitten. Er gebe zu, daß es notwendig sei, die Verfassung in einigen Punkten zu ändern. Die Aenderung der Verfassung dürfe jedoch nur auf verfass sungsmäßigem Wege erfolgen. Sie dürfe nicht das Ziel haben, das demokratische Grundprinzip der Weimarer Verfassung offen oder geheim zu beseitigen. Die Außenpolitik der Regierung von Papen müsse sich in erster Linie

Hitler in Dortmund.

Dortmund, 30. Oft. (TU.) Aus einer Wahl- propagandafahrt durch Westdeutschland sprach Adolf Hitler am Sonntag spätnachmittags in der Westfalen-Halle, die wegen Lieberfüllung polizeilich geschlossen werden mußte. Er betonte einleitend, daß die Partei fest und uner- schü11erlich dastehe, wie nie zuvor. Er fefcte sich sodann mit den Zuständen auseinander, , die zu jener Zeit herrschten, da man ihm den I Eintritt in die Regierung angeboten habe. Er habe den ihn angetragenen Sitz im Regierungszug abgelehnt, um nicht später wieder aussteigen zu müssen. Auch sei der Zug nicht dorthin ge­fahren, wohin die RSDAP. gewollt habe. Wenn der Rationalsozialismus in die Re­gierung einziehe, werde Deutschlands große historische Stunde schlagen. Dann 'werde sich auch Herausstellen, daß die Maß­nahmen der gegenwärtigen Regierung unzuläng­lich seien. Schon vor 13 Jahren sei ihm, Hitler, bewußt gew,sen, daß das zersplitternde Parteien- shstem Deutschland auf dem Gebiete der Politif und der Wirtschaft zugrunde richte. Denn nur eine machtvolle Einheit des natio­nalen Willens und Handelns könne herrschen. Als Mann allein sei er, Hitler, im Vergleich nicht stärker als Papen oder Gahl. Aber die 14 Millionen Deutscher, die er für das künftige Reich gewonnen habe, seien sein Ver­dienst und d.e Krone mühevoller Arbeit. Die

Eine Erklärung des Präsidenten des Herrenkiubs.

Berlin, 29. Oft. (TU.) Graf Hans-Bodo von Alvensleben, der Präsident des Herrenklubs, richtet an die Telegraphen- Union eine Zuschrift, in der es u. a. heißt:Ich habe bisher geschwiegen und mich nicht gewehrt, weil ich mir sagte, daß jeder vernünftige und einigermaßen unterrichtete Politiker doch selbst weiß, wie unbeteiligt der Herrenklub als solcher und gerade auch seine leitenden Persönlichkeiten an den politischen Entscheidungen der ganzen Jahre gewesen sind. Herrn von Papen sahen wir nur selten in unserem Kreise, und er hat seine ad- weichende Meinung auch mehrfach dokumentarisch niedergelegt. ^Inzwischen ist unser Klubfreund Herr von Papen Reichskanzler, und Herr von G a y l den wir leider noch seltener als Herrn von Papen bei uns gesehen haben ist Reichsinnenminister geworden. Aber wir haben schon damals, als die beiden Herren noch sozusagen Privatleute waren, keinen Einfluß auf ihre Entscheidun­gen genommen. Wer auch nur einigermaßen weiß, wie locker das Zusammenleben in einem Klub ist die Ungebundenheit ist da ja das Wesen des Klubs, im Gegensatz zu einem Verein oder gar einem Bunde kann nur lächeln über die Mär- ch e n, die seit Anfang Juni von allen Seiten über den Herrenklub verbreitet worden sind. Wir sollen den Sturz von Brüning veranlaßt und die Berufung von Papen durchgesetzt haben! Dabei weiß doch jeder politische Laie, daß der Reichspräsident von Hindenburg seine Entscheidungen völlig unabhängig trifft. Der Klub hat seiner Bestimmung und seinen Satzungen nach auch gar nicht den Ehrgeiz, als sol- cher politischen Einfluß zu nehmen. Sein Zweck ist lediglich, Gelegenheit zu politischer Aussprache zu geben und damit der Sammlung und Information unabhängiger Persönlichkeiten zu dienen, die über Partei- und Organisationsschranken hinweg sich ver­antwortlich fühlen über Volk und Staat. Wenn eine Regierung in dieser Grundeinstellung mit uns über- einstimmt und wir in diesem geistigen Sinne eine Verbindung zwischen Regierung und Volk darstet- len, so ist gegen eine solche Funktion doch sicher von keiner Seite etwas einzuwenden. Um so ent« schiedener können wir aber die Behauptungen mi.be Hegen, die dahin gehen, daß die Mit- glieder der Regierung an Beschlüsse des Herrenklubs gebunden wären und damit von anderen Kreisen des Volkes ausgeschlossen würden."

Gouverneur Or. Schnee tritt aus der OVp. aus.

Dv r I i n, 29. Oft. (ERB.) Gouverneur z. D. Dr. Schnee hat an den Vorsitzenden der Deut­schen Volkspartei, Reichstagsabgeordneten Sin­ge ldeh, ein Schreiben gesandt, in dem er sei­nen Austritt aus der Deutschen Volfspartei erklärt.

In diesem Schreiben sagt Dr. Schnee u. a., daß er die Zusammenfassung aller nationalen Kräfte zum Wiederaufbau Deutschlands und zu seiner Befreiung vom Druck des Versailler Diktates für ' eine unbedingte Rotwendigkeit halte. Hierfür sei die Mitwirkung der nationalso­zialistischen Bewegung unerläßlich. Es erfülle ihn mit großer Sorge, daß die innen­politischen Ereignisse zur entgegengesetzten Ent­wickelung geführt hätten. Seiner Ueberzeugung nach mache es die außenpolitische Lage notwen­dig, daß die gegenwärtig mangelnde breite Grund­lage im deutschen Volke geschaffen werde. Gegen Schluß seines Briefes schreibt Dr. Schnee, daß er von dem Standpunkt aus, von dem aus er sich in den vergangenen Jahren politisch betätigt habe, keine Möglichkeit mehr sehe, im Rahmen der Deutschen Volkspartei weiterzuwirken.

DieRationalliberale Correspondenz" schreibt zu der Austrittserklärung des Gouverneurs z. D. Dr. Schnee:Der frühere Reichstagsabgeord­nete Dr. Schnee hatte die Deutsche Volkspartei gebeten, von einer Wiederaufstellung zum Reichs­tage abzusehen, weil er sich ausschließlich der Lei­tung der von ihm geführten Verbände widmen

auf die Abrüstung und nicht auf die Aufrüstung beschränken. Das deutsche Volk würde nicht in der Lage sein, in den nächsten Jahrzehnten finanziell Schritt zu halten mit den Rüstungen der Nachbarn. Unsere stärkste Waffe sei daher die A b r ü st u n g s- forderung. Durch die K o n t i n g e n t s p o li - t i k der Reichsregierung fei unsere auf Ausfuhr ein­gestellte Industrie geschädigt. Außerdem sei unsere Landwirtschaft durch die Nichterfüllung von Ver­sprechungen auf diesem Gebiete enttäuscht worden. Recht, Sicherheit und Verfassungssicherheit seien die Grundlage jeder Staatsführung und notwendig zur Aufrechterhaltung jeglicher Staatsautorität. Die Zentrumspartei kämpfe für eine autoritäre Regierung, die in völliger Verantwortung führe, keine Prestigepolitik treibe und den Mut habe, sich im Reichstag mit den verfassungsmäßig gewählten Vertretern des gesamten deutschen Volkes auszusprechen. Brüning forderte zum Schluß dazu auf, für das Vaterland, für wirkliche Autorität, für die Grundlage einer wirklichen Wirtschaftsbesserung, für Wahrheit, Recht und Freiheit zu kämpfen. Die Ausführungen Dr. Brünings wurden mit starkem Beifall ausgenommen.

Siegerwald

zur Verfaffungsreform.

Solingen, 30. Oft. (ERB.) In einer Ver­sammlung der Zentrumspartei beschäftigte sich am Samstagabend Minister a. D. Dr. Steger - Wald mit der Rede des Ministers v. G a h l vor dem Verein Berliner Presse. Die Aende­rung des Wahlrechts durch Verkleinerung der Wahlkreise Heraufsetzung des Wahlalters au 25 Jahre die Erteilung von Zusatzstimmen an Familienernährer und Kriegsvcrletzte seien Dinge über die man sprechen könne. Die Meinungen gingen auseinander über den Weg der hierbei einzuschlagen sei. Die Zentrumspartei wehre sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß solche einschneidenden Aenderun- gen durch Verordnungen getroffen würden. Wenn auch in der Haltung des Ministers eine starke Annäherung an den Standpunkt des Zen­trums festzustellen sei, so müßte doch mit allem

B e toegung werde weiter wachsen. Er lasse sich nicht davon abbringen, daß es eine Volksgemeinschaft geben müsse, die berufen sei, das wahrhaft freie und nationale Reich zu er­richten.

Rerchstagspräsident Göring spricht in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 29. Oft (WSR.) In der FosthaUe veranstaltete heute abend die RSDAP. eine Massenkundgebung, in der Reichstagsprä­sident Göring das Wort ergriff. Der Redner zählte die Ereignisse seit der letzten Reichs­tagswahl auf und ging besonders eingehend auf die Gründe ein, die Adolf Hitler ver­anlaßten, die ihm angebotene Vizekanzler­schaft abzulehnen. Vor den Olamen Hitler gehöre nicht das Wort Vize oder Stellvertreter. Uebrigens habe Hitler nicht die gesamte Macht verlangt, wie man es jetzt die Wähler glauben machen wolle, sondern die Staatsführung, und Hitler hätte nicht nur das Recht, sondern die Pflicht gehabt, diese Staatsführung zu verlangen. Die RSDAP. for­dere endlich die Macht, um Deutschland retten zu können. 2m letzten Augenblick, als die Ver­handlungen um die -Regierungsbildung noch nicht vollkommen gescheitert gewesen wären, sei aus dem Halbdunkel gewisser Klubs eine neue Macht­gruppe in Erscheinung getreten, die v. Papen vorgeschoben habe, nicht um das Volk zu -retten, sondern um die Sonderinteressen dieser Gruppen zu verteidigen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen übte Göring dann außeror­dentlich scharfe Kritik an der Regie­rung Papen, an der Art und Weise, wie sie zur Regierung sich gedrängt habe, wie sie bis jetzt ihr Amt ausgesührt habe. Den Klassen- kämpf habe die Regierung neu heraufbeschwo- ten, ein hohles Wirtschaftsprogramm führe Deutschland in weiteres Elend und die Papensche Außenpolitik habe Deutschland jetzt mehr denn je in der Welt isoliert. Auch die Deutschnationalen und der Stahl­helm erfuhren scharfe Angriffe seitens des Red­ners. Die DRVP. müsse doch eigentlich froh fein, daß die Hitlerbewegung ins Leben gerufen wor­den sei, denn sonst gäbe es gewiß keine Deutschnationalen mehr. Hitler habe doch erst dafür gesorgt, daß man in Deutsch­land wieder national denken lernte, und wenn die Hitlerbewegung einmal zerschlagen würde, dann auch wehe der Deutschnationalen Volks­partei.

Hugenberg über seine Ziele.

Leipzig, 29.0kt. (ERB.) Der deutschnatio­nale Parteiführer Dr.Hugenberg sprach in einm: Wahlkundgebung der DRVP. In einem geschichtlichen Rückblick verteidigte er die Hal­tung seiner Partei, die sich stets treu geblieben sei- Hierbei wandte er sich in sehr scharfer . gegen die Rationalsozia­

listen. Mit Unrecht werde die DRVP. von den Rationalsozialisten des Plagiats bezichtigt. 2n Wirklichkeit sei das nationale Gedankengut nicht von ihnen erfunden, sondern stamme aus der nationalen und alldeutschen Bewegung. Auch das Wort vomDritten Reich" habe er im Jahre 1919 auf dem Deutschnat nalen Parteitag in Berlin zum erstenmal geprägt, und seine Partei behalte das Ziel des Dritten Rei- chesfest undunerfchütterlich imAuge, weil sie davon überzeugt sei, daß das jetzige Reich dem deutschen Volke niemals Glück und Segen bringen tonne. Sie DRVP. habe mit ihrer Politik die Verewigung der marxistischen Herr­schaft verhindert und das Bürgertum, d. h. alle nichtsozialistisch denkenden Kreise, gerettet. Es sei zu hoffen, daß ter Weg zur Errettung Deutsch­lands durch die Regierung Papen beschritten sei. Bei aller inneren Unabhängigkeit der Partei von der Regierung v. Papen müsse anerkannt werden, daß sie zwei große

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