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Vornan von Gert Gothberg.

CopyTight by Martin Feuchtwanger, Hall».

28 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er war also frei! Anders frei war er geworden wie er gedacht und doch nie gewünscht hatte. Er wußte auch mit dieser Freiheit nichts mehr anzufangen.

Doktor Ansbrück war ein ganz anderer Mensch geworden. Das Ideale in seinem Wesen war fort. In sein schönes Gesicht hatte sich Härte, ja, fast ein brutaler Zug gegraben. Weil er an Frauen­liebe und Treue nicht mehr glaubte!

Das muhte für einen Menschen wie ihn immer zum Verhängnis werden. War es in gewisser 'Beziehung ja auch geworden! Er gehörte nun zu den bekanntesten Lebemännern der Hauptstadt.

Seine Freunde schüttelten die Köpfe, aber, zu sagen wagte keiner etwas. Sie taten ihm zuliebe mit; mancher fühlte sich sehr wohl dabei, mancher nicht.

Am unglücklichsten, unzufriedensten war Ans- brück selbst. Ihn ekelte dieses Leben an, aber es war doch der einzige Weg für ihn, um dieses Dasein überhaupt noch ertragen zu können. Er konnte doch nicht jeden Abend dayeim sitzen. Er wäre verrückt geworden. Gewiß, ab und zu nahmen geschäftliche Besprechungen ihn tagelang in Anspruch. Dann war er todmüde und froh, wenn er endlich allein war. Aber cs kamen doch dann wieder lange Wochen, endlose Nächte, die er nicht einsam verbringen konnte.

«Heiraten Sic wieder, lieber Freund!"

Mehr als einmal hatte inan ihm das gesagt. Meist waren es Väter mit Töchtern, die ihm das wohlwollend rieten. Heber seiner Vergangen­heit schwebte geheimnisvoll dos Ende seiner Frau. Aber er stand doch weit ab von diesem Geschehen.

lind es war nun bereits ein reichliches Jahr darüber vergangen. Also hätte er heiraten können, lind Ansbrück erwog zuerst auch ganz ernstlich, ob es nicht doch gut fei, irgendein liebes junges Geschöpf in sein einsames Heim zu nehmen. Eine gute Ehe, wunschlos, genügsam, zu führen. Doch dann schüttelte ihn dos Grauen.

Wen sollte er denn eigentlich heiraten? Irgend­ein junges Mädel, dos wohlbehütet zwischen Vater und Mutter stand und ihn süß und un­schuldig anlächelte? *

Hatte Lisa von Massow nicht auch einst so süß und unschuldig zu ihm emporgelächelt, und was war aus dieser Ehe geworden? lind er hatte sie geliebt!

Dann kam Aenne! Mitten in seine zerstörte Ehe hinein kam sie in ihrer blonden Schönheit, lind er hatte noch einmal an Liebe und Treue und an ein großes, reines Glück geglaubt!

Dann erfuhr er durch ihre eigene Schwester, daß sie berechnend war. Daß sie dem Verlobten untreu gewesen war, weil sie sich von ihm, dem reichen Manne, mehr versprach!

Da war der Zusammenbruch gekommen. Da begann ein neues Leben für* Rudolf Ansbrück.

Eine Ehe kam für ihn nicht mehr in Frage. Er wußte, daß er mit dieser Einschätzung der Frau im allgemeinen manchem jungen Mädchen, nwncher edlen Frau llnrccht zufügte; aber er konnte es nicht mehr ändern, daß Glauben und Vertrauen für alle Zeiten zertrümmert am Boden lagen.

So begann das Leben, vor dem ihm selbst graute, und doch führte er es weiter.

Heute war er von einer längeren Geschäftsreise zurückgekommen. Seine Hausdame, eine liebe, gütige, weißhaarige Dame, freute sich sehr, denn, sie liebte ihn wie einen Sohn. Er küßte ihr die Hand und setzte sich dann mit ihr zu Tisch. Er hatte vor, am Abend zu Hause zu bleiben.

Gerade als der Nachtisch aufgetragen wurde, klingelte das Telephon. Er ging hinüber. Vilma von Bandorff!

Ah, doch zurück, Herr Doktor? Guido Lenz erzählte mir eben, daß er Sie an sich vorüber­fahren sah. Wir haben hier eine sehr nette, kleine Gesellschaft. Wollen Sie uns nicht noch ein biß« chen die Freude machen?"

Guten Abend, mein gnädiges Fräulein! Ja, ich bin vor zwei Stunden etwa von der Reise zurückgekommen. Wenn Sie es wünschen, komme ich sehr gern und danke Ihnen herzlich für die freundliche Einladung."

Ich freue mich. Sie wiederzusehen, und auch meinen Eltern wird es eine große Freude sein."

Dilrnas Stimme klang erregt, er hörte es wohl. Ein grausames Lächeln legte sich um seinen Mund.

Die Freude ist ganz auf meiner Seite, gnädiges Fräulein. Ich bin in einer Stunde da und hoffe, durch die etwas verspätete Ankunft nicht etwa die anderen Gäste zu stören."

Keinesfalls. In einer Stunde also auf Wie­dersehen, Herr Doktor."

Auf Wiedersehen, mein gnädiges Fräulein."

Doktor Ansbrück blieb ein Weilchen stehen, lächelte. Das Leben ließ ihn nicht in Ruhe, es stürzte sich mit seinem Genuß, seinen heißblütigen Menschen wieder über ihn.

Er hatte sich entschlossen, zu gehen, weil er vor­hin, während er am Tische saß, wieder jenes grauenhafte, schleichende Etwas kommen sah. Die­ses Etwas, das ihm die Waffe in die Hand drücken wollte, um dem verpfuschten Leben ein Ende zu machen.

Es würde sich eines Tages vielleicht doch er­füllen. Aber erst dann, wenn er vielleicht in die­sem furchtbaren Geben wahnsinnig geworden war!

Darum Menschen! Soviel Menschen als mög­lich! Unb Vilma von Bandorff mit ihren ge­heimen Wünschen war ein Problem!

Er würde sie niemals heiraten, das wußte er schon heute. Doch ihr Wesen reizte ihn immerhin.

Liebe Frau Lormann, ich gehe nun doch noch aus. Vielleicht wird cs sehr spät werden. Ich bin zu Freunden eingeladen."

Die alte Dame blickte traurig in sein schönes, braunes Gesicht. Doch sie sagte nichts, nickte nur schweigend.

Er ging in fein Schlafzimmer hinüber, um sich fertig zu machen.

*

Strahlende Helle in allen Gefellfchaftsräumen von Schloß Bandorff. Herr von Bandorff sah feine schöne Tochter forschend an. Dann sagte er:

Du hast die Hoffnung noch immer nicht auf­gegeben, trotzdem du weißt, daß man ganz offen von seinem Verhältnis zu der Tänzerin Lilian Verari spricht?"

Ich weiß es! Das ist wahr. Aber ich weiß auch noch mehr. And trotzdem liebe ich ihn. Ich werde heute eine Entscheidung herbeiführen."

Kind, übereile nichts!"

Aber Vilma lächelte nur.

Hnb dann war Doktor Ansbrück da. Vilma lächelte strahlend und siegessicher, und einige Damen dachten: Ob es ihr doch gelingen wird?

Ansbrück war von allen Seiten sehr in An­spruch genommen. Trotzdem widmete er sichVilma,

so viel er konnte. Sie bemerkte das mit stolzer Genugtuung. Hub ihre Hoffnung würbe größer, heißer. Einmal burchschritten sie miteinanber allein den Wintergarten.

Vilma hatte es sehr geschickt einzurichten ge­wußt. Unter den Palmen nahmen sie in roten Korbsesseln Platz.

Kühl und prüfend ging Ansbrücks Blick über sie hin. Vilma fühlte seine innere Gleichgültig­keit und hätte am liebsten laut aufgeweint. Jetzt zweifelte sie selbst an der Erfüllung ihres heißesten Wunsches.

Ihre Lippen zuckten.

Er sah es und lächelte. Dann nahm er ihre Hand.

Gnädiges Fräulein, Graf Osten ist unglücklich. Er liebt Sie. Glauben Sie mir, er ist ein guter Kerl; das bißchen Leichtsinn, das wird sich legen. Er ist viel eher zu bessern als ich. Er bat mich, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Ich tue es hiermit. Obendrein kommt es mir von Herzen. Ich habe Osten sehr gern.

Vilma lehnte sich weit zurück. Ihre Augen schlossen sich halb.

Doktor Ansbrück ich liebe Sie und nicht Graf Osten."

Oh, ein Scherz, mein gnädiges Fräulein? Männer wie mich begehrt inan -niebt und man liebt sie erst recht nicht."

Langsam stand das junge Weib auf.

Sind Sie ein Teufel?"

Vielleicht! Sie wären bestimmt zu schade, nur ein Experiment für einen Mann zu sein."

Und wenn ich mir nicht zu schade dazu wäre?"

Ich glaube nicht mehr an Liebe und Treue."

Hnd ich verlange sie nicht."

Seine großen Augen musterten sie erstaunt. Wollte dieses Mädchen sich auf jeden Fall vor ihm demütigen? Warum?

Vilma trat auf ihn zu.

Ich liebe Sie!"

Plötzlich war es finster. Die matten grünen und rosa Dirnen waren erloschen. Vilma tastete sich zu dem Manne.

Weshalb läßt du mich um ein wenig Liebe betteln?

Der Mann stand regungdlod da.

Plötzlich umschlang er Vilma, küßte sie.

'Lustiges Stimmengewirr!

(Fortsetzung folgt.)

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