Ausgabe 
29.11.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

nungsverschiedenheiten auch im Kabinett zum äluSDtUil kommen.

Der Dankgouverneur sei der Meinung, daß ein Zahlungsverzug eine Katastrophe für den briti­schen Kredit bedeuten würde, während das Schatzamt von einer sofortigen Zahlung die schlimmsten Folgen für die Finanz- und Wirt­schaftslage des Landes erwarte.

Ein Blatt berichtet, daß der britische Botschafter in Paris gestern spat abends in London ein» getroffen sei und heute im Auswärtigen Amt vorsprechen werde.^>as Blatt hält es für sicher, daß dieser unertoawete Besuch mit der Kriegs­schuldenfrage Zusammenhänge.

Ztaiienischer Appell an Amerika.

Eine i (merkenswerte Rede in Gegenwart Musso in o.

TU. Rom, 28. Roo. Am Montag fand In Rom tm Beisein Mussolinis die ordentliche General­versammlung der Bereinigung der italie­nischen Akt'iengesellschaften unter dem Vorsitz des Präsidenten, des Senators Pirelli, statt. Dieser erstattete einen umfangreichen Bericht, In dem er heroorhob, daß besonders verdienstvoll die Wiederbelebung der Wirtschaft durch Mussolini gewesen sei. Von ihr aus werde, so sei zu hoffen, die gesamte Wirtschaft gesunden.

Zur Kriegsschuldenfrage sagte Pirelli u. a. folgendes: In Lausanne habe man ein gutes Beispiel gegeben, in dem man die Lö­sung angenommen habe, die Italien schon lange offen als einen der wichtigsten Punkte der Wieder­aufbaupolitik gefordert gehabt habe.

Zur Ueberwindung der Krise seien nicht vor­übergehende Maßnahmen, sondern ein Schwamm drüber" notwendig.

Wer könne leugnen, daß die Frage der Kriegsschul­den gegenüber den Vereinigten Staaten nicht das­selbe Aussehen habe. Als Folge von Lausanne seien 130 Millionen Bürger der großen europäischen Gläubigerländer bereit, Deutschland eineinhalbmal so viel zu schenken, als die ungefähr 130 Millionen Amerikaner ihrerseits Europa schenken müßten. Die ganze Frage müsse in ihrer Beziehung zur schwe­ren Weltwirtschaftskrise betrachtet wer­den. Unter diesem Gesichtspunkt scheine es außer Zweifel, daß das Interesse der Vereinig­ten Staaten am Wiederaufblühen der Weltwirtschaft weit größer sei, als das Interesse, unsichere Guthaben politischen Charakters aufrechtzuerhalten. Eine wirtschaftliche Erholung würde durch Streichung der gesamten Kriegsrech­nungen gefördert. Schließlich sei Europa der beste Kunde der amerikanischen Ration. So habe Europa in den letzten Jahren rund 50 Prozent der ameri­kanischen Ausfuhr ausgenommen, darunter allein 80 Prozent der Baumwolle und 80 Prozent des Getreides. Es habe in der kurzen Zeit ständig stei- gende Mengen von Fertigwaren aus Amerika be- zogen.

Amerika würde an Kriegsschulden in den näch­sten Jahren ungefähr ein viertel Milliarden Dollar jährlich erhallen, feine Ausfuhr fei aber infolge der Krise um eine zehnmal höhere Summe gesunken.

Nachdem Pirelli noch weitere Verluste der ame- rikanischen Wirtschaft durch die Krise vergleichsweise angeführt hatte, erklärte er es als einleuchtend, daß das Interesse Amerikas darin liegen müßte, nicht weiter Tausende von Millionen von Dollar im Jahre infolge der Wirtschaftskrise zu verlieren, um dafür aus dem erschöpften Europa ein paar hundert Millionen Dollar Iahreszahlungen an Kriegsschul­den herauszuholen.

Frankreich will zunächst Zeit gewinnen.

Paris, 29. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die Antwortnote, die die f r a n z ö s i s ch e Re­gt e r u n g gegenwärtig auf die amerikanische

Oberhessischer Kunstverein.

Iahresschau oberhessischer Kunst."

Die am Sonntag eröffnete Weihnachtsausstel- lung erscheint diesmal unter der Lieberschrift Iahresschau oberhessischer Kunst", womit zunächst angedeutet wird, daß die Ausstellung im Ge­gensatz zu der Gepflogenheit früherer Jahre auf Arbeiten aus unserer Provinz beschränkt bleibt: doch soll die soziale Idee der Künstler- Hilfe keineswegs in den Hintergrund treten. Da ein Lieberblick über die Produktion aller Zweige der bildenden Kunst angestrebt wurde, hat man diesmal begrüßenswerter auch der Architektur einen (toenn auch vorerst bescheidenen) Platz ein­geräumt. Die Iahresschau gliedert sich nach Disziplinen, diese wiederum nach Stosskreisen oder Motivgruppen: der Zweck solcher Anordnung ist in der Vornotiz vom Samstag begründet worden.

Die Malerei nimmt, wie gewöhnlich, den brei­testen Raum ein. Don Lotte Droese, die aus der vorjährigen AusstellungDrei Frauen der Gegenwart" hier schon bekannt ist, findet man fünf figürliche Kompositionen, die alle den per­sönlichen Stil dieser Malerin, ihre fast männliche Handschrift und ihre eigentümliche, zarte und doch leuchtkräftige Farbgebung aufweisen: wir nennen besonders:Mädchen mit Gaukler" wegen der aparten Wirkung von Grün und Rot, die Gruppe Mutter und Kind", und dieFrauen im Sturm", deren Zusammenklang von Kobalt und Gelb wohl aus der Rohlfsschen Schule stammt. Qlenc Bil­der von Mueller-Le utert: zwei Maler- Porträts, Garvö und Steinbach, sehr energisch und lebendig in Haltung und Kolorit: zarter und weicher daneben das BildnisMarianne": ganz romantisch:Mädchen mit Sonnenblume": und das für unser Gefühl reifste, überhaupt eines der schönsten Stücke der Iahresschau:Die Sand­grube" (an der Marburger Straße).

Aus Dad-Rauheim kamen Kraus mit einem großen und markanten Delbstporträt (ganze Figur) und Kutscher mit einem skurrilen Stil­leben. Don K l i p st e i n in Laubach sieht man diesmal, außer der gewohnten Graphik, auch einige kleine feine Malereien älteren Datums: daneben eine Reihe trefflicher Radierungen: Landschaften, Köpfe, Tiere. Eimer bringt neben einer heimatlichen Ernte-Landschaft einige märchenhaft-humoristische Phantasiestücke. Hans Ewald Kleine, ein begabter junger Gießener, jeigt neben etlichen gut gesehenen Bühnenbild- Entwürfen ein Helle- Seestück von der Kurischen

Rote in der Schuldensrage vorbereitet wird, wiePetit Parisien" ankündigt, weder eine Annahme, noch eine Verweigerung des Fälligkeitstermins vom 15. De­zember enthalten. Die endgültige Entscheidung über .ihre Stellungnahme werde Die französtzche Regierung erst nach der Antwort der ameri- konischen Regierung auf die neue Rote treffen. Damit gewinne $) e r r i o t eine gewisse Frist und werde nicht nötig haben, wie man zuerst geglaubt habe, die Vertagung der für kommenden Freitag in Gens vorgesehenen Fünferkonferenz zu fordern.

N e Beilegung des Konflikts zwischen Danzig und polen.

Genf, 28.Rov. (TLl.) Der Völkerbunds- rat genehmigte am Montag ohne weitere Aus-

Rehrung und ein paar impressive Llmrih-Skizzen aus dem Zoo.

Von Will sind zuvörderst zwei tüchtige Por­trätköpfe aufzuführen, auch zwei freundliche Landschaften und eine Anzahl älterer Radierun­gen (Gießener Strahenbilder und Architektur­stücke). Der Bildhauer K ö d d i n g überrascht mit mehreren Gemälden: einem auf vier Grundfarben ausgebauten Frauenporträt und zwei h-essischen Landschaften. Ludwig De eg bringt neben einem großen (farbig etwas harten) Porträt ein duf­tiges Dlumenstück und zwei Landschaften, von denen der koloristisch sehr sein und locker gemalte Dorstadtwinkel" uns einer besonderen Empfeh­lung wert scheint.

Eine Reihe hübscher, hessischer Motive findet man bei dem Orten berget Fri? s , bei Kin­zenbach, bei Pfaff (auch etliche Dlumen- stilleben), Barthel (auch Miniatur-Radierun­gen), C. von Reuter und Rohrbach. Ste­phan zeigt seine hier schon bekannten, charak­teristischen Radierungen aus Oberhesfen. Ernst Thome ist mit etlichen großzügigen, teilweise ganz leicht getonten Berglandschasten aus Mit­tenwald vertreten. Don Klingelhöfer ver­zeichnen wir ein Stilleben,Wicken und Aepfel", von Jost ein farbenfrohes Mädchenbildnis, von D i e h m a n n dieRäher^n": ein tüchtiges Bild in ruhiger Farbgebung und sympathischer Hal­tung. L i st bringt eine auf wenige Linien und Farbtöne vereinfachte Landschaft: auch Barnas ist mit einer Gruppe kleiner hessischer Landschaf­ten wieder zur Stelle.

* i

Die Plastik wird von überwiegend neuen Ar­beiten des Gießener Bildhauers Bourcarde vertreten: eines der schönsten Stücke ist der zarte und ganz verinnerlichte FrauentvrsoWerdende Mutter": daneben eine nobel gegliederteWeib­liche Figur", eine gedrungen durchmodellierte HolzplastikMein Dater", ein paar charakteristisch belebte Porträtköpfe (Alfred Bock, Fräulein G.), außerdem zwei neue Relief-Entwürfe.

In der Architektur-Abteilung sieht man Licht­bilder nach Entwürfen des Hess. Hochbauamtes Friedberg: von Reg.-Baurat Braun (dörfliche Kriegerdenkmäler) und Reg.-Baurat Metzger (Ausnahmen vom Kerckhosf-Institut und vom Kvnihky-Stift in Dad-Rauheim, ferner vom Krie­ger-Ehrenmal in Friedberg). Die Lichtbilder des Hochbauamtes Büdingen, Reg.-Baurat Frey, zeigen ebenfalls Entwürfe von Kriegerdenkmälern I und zur Restaurierung hessischer Landkirchen I (Ober-Widdersheim, Ridda, Gettenau und Hitz- 1 kirchen).

spräche das am Samstag zwischen Danzig und Polen abgeschlossene Abkommen, in dem sich die polnische Regierung u. a. zur Zurückziehung des Zlotyabkommens verpflichtet. Der Rat be­schloß dann, einen Dreierausschuh einzufetzen, der die Revision des bisherigen Derfahrens in der action directe prüfen und im Januar Bericht erstatten soll. Die polnische und die Danziger Regicruiig werden aufgefordert, bis zum 10. Ja­nuar ihre Stellungnahme dem Dreierausschuh einzureichen.

In einer anschließenden Geheimsitzung beschloß der Rat, das Mandat des amtierenden Dölker- bundskommissars Rofting bis zum 1. Februar zu verlängern. Die Ernennung des künf­tigen Danziger'kerbunds.ommissars, für den ein englischer Diplomat vorgesehen ist, soll möglichst noch im Laufe der gegenwärtigen Ratstagung erfolgen.

Die Iahresschau wird durch eine Reihe kunst­gewerblicher Entwürfe, die hier schon mehrfach ausgestellten, gefälligen Silberarbeiten von

Küchel, abgerundet. -y-

Gießener Konzrrtverein.

Zweites Konzert: Marta Linz.

Mochten auch einem LIneingeweihten vielleicht die Pressestimmen aus Italien und Spanien über Marta Linz mit ihren Lobeshymnen übertrieben erscheinen, so wird doch derjenige, der die Ent­wicklung der Künstlerin im Laufe der Jahre ver­folgt hat und das Erlebnis des letzten Konzerts in sich aufgenommen hat, das dort Gesagte vollauf bestätigen müssen. Marta L i n z ist eben eine Gei­gerin, nicht nur eine Dirtuosin, die alle die ver­schiedenen musikalischen Auswirkungsmöglichkeiten in umfassendster Weise in sich vereinigt. Sie kann an alles herantreten, ob Barock, ob Klassik oder Moderne, ob Virtuosität ober musikalische Ge­staltungskraft gefordert wird, ob deutsche oder romanische Kunst, jedem wird sie gerecht werden, nie in Einseitigkeit, ob durch Reigung oder Ver­anlagung oder Schulung bedingt, verfallen. Als Geigerin wird sie ebenso wenig die Züge bewuht herauskehren, die nicht zum Wesen des Frauen­haften gehören, wie sie andrerseits nie das Ty­pisch-Weibliche in den Vordergrund stellt.

Wiederum bestätigte sich das, was an dieser Stelle schon einmal vor sechs Jahren ausgesprochen werden konnte, und was bei keiner der Geigerin­nen, die in der Zwischenzeit hier gewesen sind, in so starkem Grade beobachtet werden konnte: die innige Verbindung des musikalischen Erlebens so­wohl mit Dem Körperlichen wie auch mit dem Moto­rischen selbst auch in den Momenten stärksten lern- peramentaufwallens wird diese innere Harmonie nie gestört. Denn immer wieder ift es die Schlicht­heit, Unaufdringlichkeit, das Freisein von jeglicher Pose, wodurch die Geiaerin die Sympathie der Hörer gewinnt. Marta Linz steht nicht etwa ruhig auf dem Podium, aber ihre Bewegungen, Gebär­den sind spielbedingt, organisch fundiert. All ihr Gestalten erwächst ihrem Inneren mit zwingender Notwendigkeit: alles gelingt ihr mit fast somnam­buler Sicherheit, so daß man wohl kaum von ihr enttäuscht werden könnte.

Zwei Säulen gleich, standen am Eingang des Programmes Ioh. Seb. Bachs Partita in E-Dur und Beethovens Kreutzer-Sonate (A-Dur). Mit weich' innerer Gespanntheit erwuchs das Präludio: da waren die Passagen energiegeladene Kurven, die mit stupender Griffsicherheit gemeistert wurden. Jeder einzelne Satz wurde mit der sowohl rein- musikalisch wie auch historisch gebotenen Stilcharakte­ristik erfaßt, mit der Gegensätzlichkeit in der ter rassen­

weisen, den die evangelischen Kirchenführer in der Abrüstungsfrage bei der Regierung ihres Landes unternommen haben.

Oie Scheidung zwischen Warenhäusern und Einzelhandel.

Berlin, 28. Rov. (ERB.) Der Vorstand und die Generalversammlung des Warenhaus- Verbandes haben heute den Austritt aus de rHauptgemeinschaftdesDeutschen Einzelhandels einstimmig gebilligt. Der Warenhausverband nimmt von jetzt ab die In­teressen seiner Mitglieder bei den Behörden und vor der Oefsentlichkeit als Epihenverband selbstän­dig wahr. Er ist auch zu weiterer Zusammen­arbeit mit dem übrigen Einzelhandel in dem be­stehenden Sonderausschuß für Wettbewerbsfragen unter der Voraussetzung bereit, daß er in Zu­kunft in diesem Ausschuß durch eine eigene Dele­gation vertreten sein kann.

Steigende E »nahmen der Znva idenversicherung.

Berlin, 28. Noo. (TU.) Neben den Kranken­kassen verzeichnen auch die Landesversiche­rungsan st alten seit den Sommermonaten ein stetiges Ansteigen der Beitragslei- ftungen als deutliches Zeichen einer Besserung Der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Es find im Juli 51,3 Mill. Mk. Beiträge zur Invalidenversicherung eingegangen, im August 52,3, im September 55,1 und im Oktober 56,9 Millionen Mark. Die Beitrags­leistung war also im Oktober um 5,6 Mill. Mk. höher, als Im Juli. Da Beitragserhöhungen nicht oorgenommen worden sind, muß also die Zahl der Arbeitnehmer entsprechend ge­stiegen fein.

Aus aller Welt.

Zwei neue Rahbeben im Ruhrgebiet verspürt.

Montag früh verzeichneten die Seismographen der Bochumer Erdbebenwarte wiederum zwei kleine Nahbeben, von denen das Erste nach Tlelbungen aus Essen auch von Personen deutlich verspürt worden ist. Das erste Beben begann um 5 Uhr, das zweite um 6.42,6 Uhr. Bei beiden Beben setzte nach etwa 14 Sekunden die zweite Bewegungs­phase ein, was einer Entfernung des Bebenherdes von.etwa 125 Kilometer entspricht und den Schluß zuläßt, daß der gleiche Herd rode bei dem Beben in der letzten Woche, also Holland, in Frag« kommt. Die größten Bewegungen betrugen in Bochum */»5 Millimeter, also etwa halb soviel roi« bei dem ersten Beben. Nach dreiviertel Minuten war in beiden Fällen der Boden wisder ruhig.

*

In verschiedenenOrten der holländischen Provinzen Limburg und Nord-Brabant wurden wieder Erd- st ö ß e wahrgenommen. Besonders stark waren die Stöße in der Stadt Herzogenbusch zu verspüren.

Sturm über England. Starke Schneefälle in Schottland.

Während der letzten Tage und Rächte wütete ein starker Sturm über Rord- und Mitteleng­land, der teilweise eine Stundengeschwindigkcit von 110 Kilometer erreichte. Der DampferBri- tannic traf erst mit 24 Stunden Verspätung in Liverpool ein. Auf dem Flusse Wear stießen zwei Dampfer zusammen. Bei der Insel Islay lief ein Fischdampfer auf. An einigen Stellen in Schottland kam es zuS ch n e e- stürmen, die d:n Berk.hr sehr start behinderten. Bei Inverneß mußten zwölf fteckengeblie- bene Kraftwagen von den Insassen ver­lassen werden, die ihre Reife zu Fuß fortsetzten.

Lin drittes Todesopfer des Seilbahnunglücks bei jreiburg.

Der bei dem Llngnck aus der Seilschwebebahn auf dem Schau-ins-Land schwer verletzte britische Staatsangehörige Willy Kühlental aus Lon­don ist im Krankenhaus geworben. Er stand im 70. Lebensjahr.

artigen Abstufung des Dynamischen, mit dem $4 fintierten, der durch die einzelnen Formen gefor­derten thematischen Kontrastierung.

Der unbedingte Höhepunkt der Veranstaltung wurde Beethovens ^-Dur-Sonate, die der Meister seiner Zeit zunächst für den Mulatten Bridgetower bestimmt, sie aber spätes: dem Geiger Rudolph Kreutzer zugeeignet hatte; ein Werk, das seiner Anlage nach auf der Grenze zwi­schen dem Rein-Kammermusikalischen und dem Kon- zerthaften steht und das von jeher als ein bevor­zugtes Lieblingsstück des bedeutendsten Geiger ge­golten hat. Marta Linz und Paul Meyer ließen die Sonate in ihrer kraftüberfüllten Dämonik er­stehen; fernab von nüchterner Versachlichung, mit Der man in unserer Zeit selbst Beethoven gegenüber treten zu müssen glaubte. Mit persönlicher innerer Anteilnahme, mit stärkstem inneren Dabeisein der beiden erwuchs das Werk mit lebensnahem Atem: das war ein gegenseitiges Geben und Nehmen ein gegenseitiges Sich-Fördern im Wachsen und Wer­den, sich steigernd zu höchsten Momenten musika- lischer Evolution. Die Adagio-Einleitung wie auch der Kopfsatz wurden in ihren Entwicklungsphasen mit eindeutiger Klarheit des Ideenganges ausge- breitet, jede thematische Episode wurde dem geistigen Gesamtverlauf organisch eingegliebert! mit starker Wucht der Kontraste gipfelten die Akzente. Da­zwischen die wechselvolle Vielgestaltigkeit in den Variationen. Mit schimmernder Klarheit leuchteten die satztechnischen Feinheiten auf; immer wieder war es ein Ineinander-Aufgehen der beiden mit­einander konzertierenden Instrumente; filigran al eich durchsichtig fügte sich Das Figur en werk. Mit ständig wachsendem Impulse treibend, schäumend, war das Finale.

So fpohtan, so plötzlich hervorbrechend, wie nach der Kreutzer-Sonate, wird man selten im Kon­zertsaal Beifall beobachten können. Es ist beson­ders erfreulich, daß einen starken Anteil daran Paul Meyer hatte, der sich hier als ein Kam­mermusi kspieler von ganz besonderen musikalischen und pianistischen Fähigkeiten erwies.

Die sich anschließende Folge von kleineren Stücken liehen die unerschöpflichen Vorzüge der Konzertgeberin immer wieder aufs neue erkennen; ihre verinnerlichte Kantilene, nachgiebig bis zum feinsten, fast ätherischen Tonhauch (Pargo- l e s i : Aria), ein eminentes violinistisches Kön­nen (Arpeggien, Triller, Doppelgriffe) in den Martini -Variationen über ein C o r e l l i sches Thema. Ein Spieltemperament, das auch der musikalischen Eigenart fremder Rationen voll ge­wachsen ist, vielseitige musikalische Gestaltungs­fähigkeit und bestrickender Charme im Spiel zo­gen die Zuhörer in ihren Dann, so daß Zugabe auf Zugabe folgen mußte. Dr. H.

Abrüstung und Gleichberechtigung.

Simons Bericht.

Herriöt sott nach Genf kommen.

London, 28. Nov. (WTB.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" meldet: Sir John Simon, der am Sonnabend aus Genf zu- rückgekehrt ist, wird feine Kollegen im Kabinett über das Ergebnis feiner privaten Besprechungen mit Norman Davis, Freiherrn o.Neurath, -aszun in0juo0j«)nüflj qun tJiojjg uojdQj richten.

paul-Boncour Hal es hartnäckig abgelehnt, in die deutsche Forderung noch Gleichberechtigung einzuwilligen, bevor Deutschland dem französi­schen Sicherheitsplan zugestimmt hat.

Dieser Plan muß aber von der Abrüstungskonferenz erst erörtert werden und wird möglicherweise u. a. für Amerika, Großbritannien und Italien unan­nehmbar sein. Da Paul-Boncour anscheinend infolge seiner Instruktionen nicht in der Lage ist, von seinem Standpunkt abzuweichen, wird von Lon­don aus auf Herriot eingewirkt, um ihn zu ver­anlassen, persönlich an den unformellen Erörterun­gen teilzunehmen, die in der zweiten Hälfte Dieser Woche in Genf beginnen sollen. Falls Herriot ein­verstanden ist, bann ift mit Sicherheit zu erwarten, daß auch Macdonald nach Genf geht.

Herriot und Oav»s beraten.

Paris, 28. Rov. (TLl.) Der amerikanische Ab- ordnungssührer Rorman Davis hatte am Mon­tagvormittag eine zweistündige Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Herriot.

Aus die Fragen französischer Pressevertreter er­klärte Rorman Davis u. a., Herriot sei ein guter Freund von ihm. Im Verlauf der Llnter- redung sei die Schuldenfrage mit feinem Wort berührt worden. In einem Augenblick, in dem alle Geld brauchten, habe man die sranzösisch- amerifanische Freundschaft nicht durch Geldfragen trüben wollen. Was die A b r ü st u n g z u r S e « angehe, so sei keine Einigung erfolgt. Die Sach­verständigen setzten ihre Arbeit fort.

Herriot erklärte ebenfalls, daß er für Ror­man Davis Freundschuft empfinde. Er sei ein Mann, mit dem man freimütig sprechen könne, da er sehr loyal sei und im übrigen über die euro­päische Gage sehr gut unterrichtet sei. Sein Ge­spräch mit Rorman Davis habe sich ausschließ­lich auf Fragen, die in Genf auf der Tagesord­nung stehen, bezogen. Wir haben, so erklärte der französische Ministervräsident zum Schluß, heute morgen nützliche Aroeit geleistet.

Am Dienstag wird ein Kabinettsrat stattfinden. Es steht noch nicht genau fest, wann Herriot nach Gens abreisen kann. Vor seiner Ab­reise wird jedenfalls noch ein Ministerrat ein* berufen werden, der die französische Antwort an die Vereinigten Staaten gutheißen muh.

Kampf um General Weygand.

Paris, 28. Nov. (CNB.) Obgleich von offizieller Seite Dementiert wurde, daß zwischen dem Kriegs­minister Paul-Doncour und General Wey - gand Differenzen entstanden seien, gehen die Kommentare weiter ihren Weg. Im Zusam­menhang mit der Um* bzw. Reubesetzung verschie­dener militärischer Kommandostellen, die kürzlich erfolgten, wurde der Raine des Generals Ge­orges, der in den Obersten Kriegsrat berufen wurde, als möglicher Rachfolger des Generals W e y g a n d auf den höchsten militärischen Posten des Generalinspekteurs der französischen Armee, das heißt des Generalissimus genannt.

Evangelische Kirche und Reichsreform.

Forderungen des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses.

Berlin, 28. Rov. (TLl.) Der Deutsche evangelische Kirchenausschuh befaßte sich auf feiner Wintersitzung in Berlin erneut mit den Fragen der R e i ch s r e f o r m. Er er­örterte eingehend die Grundsätze, die -für die Stellungnahme der Gesamtheit der deutschen evangelischen Landeskirchen maß­gebend sind. Angesichts der Tatsache, daß durch die Reichsreform auch kirchliche Inter­essen wesentlich berührt werden, wurde erneut mit Rachdruck die Forderung erhoben, daß der Kirchenausschuß als das hierfür zuständige kirchliche Organ möglichst frühzeitig gehört werde. Im Rahmen seiner schulpvlitischen Be­ratungen erhob der Kirchenausschuß von neuem die Forderung nach einem Reichsschulgesetz. Für feine grundsätzliche Stellung zu den Schul- f ragen bleibe nach wie vor maßgebend das Schulprogramm des Deutschen evangelischen Kir­chentages vom Jahre 1921, in dem u. a. für die evangelische Bekenn tnisschule volle Entfaltungsfreiheit gefordert wird, bei Anerkennung Les geschichtlichen Rechtes der christ­lichen Simultanschule, soweit sie sich in einzelnen Gebieten eingebürgert hat. In der Berufs­schule, für die sich der Kirchenausschuß mit Entschiedenheit einsetze, sei nicht allein eine Fach-, sondern eine Erziehungsschule zu erblicken und damit die Einführung des Religions­unterrichts als ordentliches Lehrfach anzu- streben. Die Berichte der Vertreter des Kirchen­bundes auf den jüngsten ökumenischen Tagungen ließen erkennen, daß das Verständnis für die Lage und die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes im Auslande auch Dank der Mitarbeit der deutschen Kirchen im Wachsen sei. Cs fei hier u. a. auf den vielbeachteten Schritt hinzu-