Ausgabe 
29.11.1932 Erstes Blatt
 
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der nationalen flämischen Gruppe -urückzusühren. Der verhältnismäßig starke Verlust der Libe­ralen geht auf gewisse örtliche Vorgänge in Antwerpen zurück, wo die Liberalen den Kom­munisten den Kulturkampf ansagten, was den letzteren einen unerhörten Auftrieb gab. Zieht man die praktischen Folgen aus diesem Wahl­ausgang, so muh festgestellt werden, daß die bis­herige katholisch-liberale Mehrheit unerschüttert dasteht, dah also das gegen­wärtige Kabinett unverändert wei­terbestehen könnte. Die Wahlen in Belgien endeten, wie vorauszusehen war, ohne äleber- raschung.

Eupen-Malmedy

Berlin. 28. Noo. (CNB.) DieGermania" weist in ihrer Würdigung des Wahlergebnisses von Eupen-Malmedy darauf hin, daß die Par­teien, die für eine Wiederholung der 21 b ftimmung in den abgetretenen Gebie- t e n eintreten, eine Zweidrittelmehrheit er­zielen konnten. Sie schreibt dazu:

Diese Abstimmungsparteien haben insgesamt nur den geringen Rückgang von 200 Stimmen zu ver­zeichnen. Wenn man aber die erheblich höhere Wahl- beteiligeng gegenüber dem Jahre 1929 in Rechnung stellt und sich vor Augen hält, daß die belgische Katholische Union ihre Stimmen auf einen Schlag nahezu verkoppelt hat, so geht man nicht fehl, wenn man nach besonderen Gründen für diese überraschende Erscheinung sucht. Es liegt klar auf der Hand, so heißt es weiter, daß diese Krästever- schiebung durch den von uns milgeteilten unge­wöhnlichen Eingriff des Bischofs von Lüttich verursacht worden ist, der durch die Unter­stützung des Kardinals von Mecheln eine noch schärfere Unterstreichung erfuhr. Es verdient, besonders erwähnt zu werden, daß der katho- lische Klerus in Eupen-Malmedy über­wiegend aus den altbelgischen Gebieten entnommen wird, so daß dem bischöflichen Erlaß über seine bloße Kundgebung hinaus noch besonderer Nach­druck durch die pfarramtliche Autorität verliehen werden konnte.

Man muh leider feststellen, dah in der Frage der kirchlichen Betreuung das Deutschtum in Eupen-Malmedy noch schlechter gestellt ist, als in Südtirol, wo wenigstens die Betreuung durch deutsche Pfarrer trotz aller behördlichen Ein- mischungsoersuche sichergestellt ist.

Wir haben bereits unserer Erwartung Ausdruck gegeben, daß man sich an höherer kirchlicher Stelle auf Grund des dringenden Gesuches der Christlichen Volkspartei an den Kardinalstaatssekre­tär Pacelli mit dem Vorgehen des belgi­schen Episkopates beschäftigen wird, und wir glauben, daß auf Grund des Wahlergebnisses diese Frage besondere Dringlichkeit beansprucht. Wir hof­fen, daß bis zu den neuen Abstimmungen, die in Eupen-Malmedy bevorstehen, die unzulässigen rno- ralischen Bindungen von kirchlicher Seite weg ge­fallen sind und der deutschen katholischen Bevölke­rung ein Bekenntnis zu ihrer eigenen Partei frei­gegeben wird.

Politische Demonstrationen in der Leipziger Universität.

Leipzig, 29. Nov. (WTB. Funkspruch.) In der Universität kam es heute früh zu einer Demon- ftration nationalsozialistischer Stu­denten gegen Professor Keßler, der am Montag in einer Leipziger Tageszeitung einen Leitartikel unter der Ueberschrift ,,Deutschland erwache!" veröffentlicht hat, in dem er sich fegen Hitler und den Rationalsozia- Ismus wendet. Professor Keßler konnte infolge der Demonstration seine Vorlesung nicht durchführen. Das vermittelnde Eingreifen des Rektors der Universität blieb erfolglos.

Kleine politische Nachrichten.

Die beiden Abgeordneten des Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbundes, Freiherr von Stauffenberg und Haag, und der auf der Liste des Thüringischen Landbundes gewählte Ab­geordnete A o i ch t sind der deutschnationalen Reichstragsfraktion beigetreten.

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In Berlin wurde der kommunistische Schwarzsender, um dessen Ermittlung die Behörden seit längerer Zeit bemüht sind, erneut gehört. Es wurden etwa 45 Minuten lang kommu­nistische Hetzreden, u. a. auch gegen die Regierung und gegen die Nationalsozialisten gehalten.

In verschiedenen Stadtteilen Berlins wurden von unbekannten Tätern, vermutlich Kommunisten, Schaufen st er von Scherl-undUll ftein- Filialen durch Steinwürfe zertrüm­mert. Die Steine waren in Packpapier eingewickelt, das die Aufschrift trug:Nieder mit dem Verbot derRoten Fahne"! Heraus zum Massenstreik!" Mit einbrechender Dunkelheit versuchten in verschie­denen Stadtteilen Kommunisten, Demonstrations- zöge zu bilden.

KreuzerKa r l s r u h e" ist in Vigo (Nord­spanien) eingelaufen und wird am 31. Dezember nach Kiel in See gehen.

Norwegen hat das Einreisegesuch Trotzkis abgelehnt.

Aus aller Welt.

Eine Erklärung des Rektors der Technischen Hochschule Braunschweig.

Der Rektor der Technischen Hochschule Braun­schweig teilt mit: Zu den Pressemeldungen über meine Ernennung zum Leiter der Biologischen Reichsanstalt stelle ich fest, daß eine Ernen­nung nicht erfolgt ift. Richtig ist, daß ein Ruf als Vachfolger von Geheimrat Pros. Dr.

Appel an mich ergangen ist, und daß ich mit dem Ernährungsministerium Verhandlungen über die Vachfolgeschaft aufgenommen habe. Wenn von einem Teil der Presse diese Berufung mit dem Braunschweiger H och s ch u l k o n f l i k t in Verbindung gebracht wird, so stelle ich demgegen- über eindeutig fest, dah auch nicht der geringste Zusammenhang zwischen der Berufung und den Vorgängen an der Technischen Hochschule Braun­schweig besteht. Ich stelle weiter fest, dah meine Berufung bereits vor dem Braunschweiger Hoch- schulkonflikt in Aussicht genommen worden war. (gez.): Professor Dr. G. Gähner.

Durch einen Doxhieb getötet

Dem Vernehmungsrichter im Berliner Polizei­präsidium wurde der frühere Boxer Otto Iacksch unter der Beschuldigung vorgeführt, den SA.-Mann Erwin I ä n i s ch in der Nacht vom 25. zum 26. No­vember durch einen Boxhieb so zu Boden gestreckt zu haben, daß Iänisch an den Folgen des Schlages verstorben ist. Gegen Iacksch wurde Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todeserfolg erlassen.

Der Tod des Füllers Moithowski.

Zu dem Tode des Füllers Woithowski, der auf dem Rebenflöz der Delbrückschächte in Hindenburg eingeschlossen und bereits bis auf die von einer mächtigen Steinplatte eingeklemmten Fühen freigelegt war, erfahren wir, dah die Rettungsmannschaft sich auf dem Llmgehungsweg bereits in allernächster Rähr des Verunglückten befand. 3n der weichen Kohlenschicht hatte die Rettungsmannschaft mit einem Draht vorgefüblt und geglaubt, die Deine des Verunglückten be­reits in einem halben Meter Entfernung gefühlt zu haben. Sein Tod tarn der Rettungsmannschaft vollkommen überraschend. Dem älnglücklichen waren zur Stärkung Sekt und Aepfel gereicht worden. Auch sonst war Woithowski soweit ge­sichert, wie es irgend möglich war, so dah sein Oberkörper verhältnismäßig außer Gefahr war. Als Todesursache bleibt nur die Erklärung, daß Herzschwäche eingetreten ift Da nunmehr die Rettungsmannschaft nur noch auf sich selbst Rück­sicht zu nehmen hat, kann sie etwas schneller an der De rgung der vier Leichen arbeiten, die das llnglüd gefordert hat.

Aufsehenerregender

Selbstmordversuch eines Hamburger Arztes.

Der Hamburger Arzt Dr. E n o ch war vor einigen Tagen verhaftet worden, weil er beschuldigt worden war, minderwertige Seren herge­stellt und gefälschte Kontrollplomben zum Vertrieb gebracht zu haben. Wie jetzt bekannt wird, hat Dr. Enoch kurz vor seiner Verhaftung einen Selb ft- mordversuch unternommen. Er dürfte kaum mit dem Leben davon kommen. Als Dr. Enoch von seiner bevorstehenden Verhaftung erfuhr, brachte er sich am linken Unterarm eine kleine Verletzung bei und brachte Tetanus-Toxin in die Wunde. Als die Kri­minalbeamten bei ihm eintrafen, mußte er sofort ins Hafenkrankenhaus übergeführt werden. Seinem Rechtsanwalt gegenüber hat Dr. Enoch die Herstel­lung minderwertiger Seren b e ft r i 11 e n , aber zu­gegeben, daß er in dringenden Fällen nachts, wenn keine Kontrollbeamten mehr anwesend waren, das Serum ohne behördliche Kontrolle hinausgehen liefe. In diesem Falle habe er bann das Serum mit einer anderen Plombe versehen.

5000 Zentner (Betreibe verbrannt.

In Stuhm (Ostpreußen) brach in dem Mühlen­gebäude der An- und Verkaufsgenossenschaft GmbH. Grohfeuer aus, dem 5 000 Zent­ner Getreide zum Opfer fielen. Der Gesamtschaden dürfte sich auf 100 000 Mark be­laufen, ist aber durch Versicherung gedeckt.

Für 50 000 Mark pelze gestohlen.

Aus den Lagerräumen einer großen Berliner Firma in der Leidiger Straße wurden bei einem Einbruch Edelpelze im Werte von 50000 Mark gestohlen.

3n Notwehr erschossen.

In dem Büro der Brockensammlung in der Acker­straße in Berlin wurde der 26 Jahre alte Arbeiter Karl Merkle von einem Kriminalbeamten Inder Notwehr erschossen. Wie zu dem Vorgang gemeldet wird, erschien bei der Kriminalpolizei des zuständigen Polizeireviers ein junger Mann und gab an, daß er von Merkle mit einer Pistole be­droht worden sei. Daraufhin erschien ein Beamter in dem Büro der Brockensammlung und forderte von Merkle die Herausgabe der Pistole. Merkle zog einen Trommelrevoloer aus der Tasch und ging mit den WortenKriegst auch noch ein Ding verpaßt" auf den Kriminalbeamten los. Der Beamte wehrte den Angriff ab. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf der Kriminalbeamte einen Faust schlag ins Gesicht erhielt. Merkle drohte dem Beamten noch­mals mit Schießen. In seiner Bedrängnis gab der Beamte einen Schüfe aus seiner Dienftpjtote ab, der seinen Angreifer in die Brust traf.

Phosgengas im härsaal.

3n einem Hörsaal des Physiologischem Institutes der Universität Halle ereignete sich ein aufre­gender Vorfall. Als man damit beschäftigt war, einige Stahlslaschen, in denen sich Reste von Phosgen befanden, versandfertig zu machen, wurde eine Flasche aus ungeklärter älrsache un­dicht. Das außerordentlich giftige Phosgengas strömte aus und verbreitete sich sehr schnell Im Hörsaal, der von den Studenten fluchtartig ver­lassen wurde. Der Feuerwehr, die mit schwerem Gasschuhgerät verging, gelang es, das Ventil ab­zudichten und so jede weitere Gefahr zu beseitigen. Gesundheitlichen Schaden hat niemand erlitten.

Riesenbrand in Reuyork.

Im Dergnügungszentrum Neuyorks ist ein Nie- fenbranb ausgebrochen, der den gesamten Verkehr auf dem belebten Broadway zum Stillstand brachte. Das Feuer war in einem von Russen geleiteten Nachtklub entstanden und nahm bald Riesen- ausmaße an. Zur Bekämpfung des Großfeuers waren mehrere Feuerwehren Neuyorks aufgeboten worden, die aber nicht verhindern konnten, dafe die Gaststätte vollkommen ausbrannte. Starke

Rauchschwaden zogen sich den Broadway entlang, so daß ein Verkehr nicht mehr möglich war. Durch den Qualm wurden nicht weniger als 30 Feuerwehrleute betäubt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Sach- schaden beläuft sich auf 35000 Dollars.

Spiegelpanzer zur llnsichtbarmachung von Truppen und Geschützen.

Der MadriderHeraldo" berichtet über die Er­findung eines spanischen Ingenieurs namens Omedes, durch die dieLlnsichtbar­machung" vonTruppenund G e schützen ermöglicht werden soll. Es handele sich um eine Art Spiegelpanzer, der in einem bestimmten Winkel zum Erdboden derart eingestellt werden könne, daß die vor ihm liegende Fläche wieder­gespiegelt werde, während alles, was sich hinter ihm befindet, infolge der Undurchsichtigkeit die­sesSpiegel-Panzers" verdeckt würde. Tie Er­findung könne jedem einzelnen Soldaten zugute kommen, und ein hinter dem Spiegelpanzer ver-

borgenes Geschütz beispielsweise sei auf wenigstens 250 Meter unsichtbar.Heraldo" kündigt an, daß diese Erfindung offiziell geprüft werden würde.

Verbrennungstod eines Motorradfahrers.

Frankfurt a. M., 28. Vov. (WSR.) Auf der Homburger Landstraße fuhr am Samstagabend ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf einen nach Viedereschbach fahrenden Dreschmaschi­nenzug auf. Dabei explodierte der Ben­zintank des Motorrades, das sofort in Flammen stand. Der Führer des Motorrades, der 24jährige Ferdinand Hart aus Wehrheim (Taunus), verbrannte. Der Soziusfahrer wurde in weitem Dogen auf das freie Feld geschleudert und erlitt glücklicherweise nur I leichte Verletzungen. Der Dreschmaschinenzug war vorschriftsmäßig beleuchtet, die Laterne lag zertrümmert am Änglücksort.

Aus der Proviuzialhauptstadt.

Oie hessische Schlachtsteuer.

Die von her hessischen Regierung schon vor einiger Zeit angekündigte Einführung einer Schlacht st euer ist nunmehr auf dem Verord­nungswege erfolgt. Es werden danach eingeführt eine Schlachtsteuer für die Schlachtung von Rind­vieh, Schweinen und Schafen, sowie e>ine Aus­gleichsabgabe auf die Einfuhr von Fleisch von Rindvieh, Schweinen und Schafen in frischem oder zubereitetem Zustande, sowie von Fleisch- und Wurstwaren in das Gebiet des Dolksstaates Hessen. Steuerpflichtig ist jeder, der auf eigene Rechnung schlachtet ober schlachten läßt. Der Steuerpflichtige hat die Schlachtung bei der für den Ort der Schlach­tung zuständigen Steuererhebestelle anzumelden und gleichzeitig die Steuer zu entrichten, und zwar vor der Schlachtung, bei Notschlachtungen vor der Fleischbeschau. Steuererhebestelle ist die Gemeinde­kasse, in Gemeinden mit Schlachthauszwang kann die Bürgermeisterei auch eine Sonderkasse (z. B. die Schlachthauskasse) damit beauftragen. Die Ge­meindekasse hat die Steuer durch Vermittlung der Kreiskasse an die Hauptstaatskass^ abzuführen. In diese fließt auch die Ausgleichsabgabe.

Nach den Durchführungsbestimmungen gelten als steuerpflichtige Schlachtungen auch die Not - und Hausschlachtungen. Eine Haus­schlachtung im Sinne der Verordnung liegt dann vor, wenn das Schlachttier von dem Steuerpflich­tigen in eigener Wirtschaft gezogen wurde, und das Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt (Familie nebst Dienstpersonal) verwendet werden soll. Als in eigener Wirtschaft gezogen gilt ein Stück Großvieh nur dann, wenn es mindestens 6 Monate, ein Kalb, wenn es mindestens 14 Tage, ein Schwein oder Jungrind, wenn es mindestens 4 Monate vor der Schlachtung dem Viehbestand des Steuerpflichtigen als dessen Eigentum ununterbrochen angehört hat. Eine Hausschlachtung liegt nicht vor, wenn die Schlachtung aus Anlaß von Familienfeierlichkeiten, z. B. Hochzeiten, erfolgt. Der Begriff der Haus- Schlachtung fällt weg, wenn das Fleisch aus Haus­schlachtungen gegen Entgelt veräußert, oder ge- werbsmäßig verwendet wird. In diesen Fällen ist die Steuer wie bei den übrigen Schlachtungen festzu- setzen. S t eu e r f r e i ist die Hausschlachtung eines Schweines innerhalb eines Kalenderjahres, ferner eines zweiten Schweines innerhalb des glei­chen Zeitraumes, falls der Haushalt des Steuer­pflichtigen aus mehr als 5 Personen einschließlich Dienstpersonal besteht. Ferner sind von der Schlacht­steuer befreit Kälber mit einem Lebendgewicht bis 30 Kilogramm einschließlich, Schweine bis zu 40 Kilogramm Lebendgewicht einschl., und Schafe bis zu 20 Kilogramm einschl. Das Fleisch der geschlach­teten Tiere kann solange mit Bescylag belegt wer­den, bis die Steuer entrichtet ist.

Der Tarif für die Schlacht st euer ist ge­staffelt, je nach dem Lebendgewicht. Der Höchst- betrag ist 25 Mark für Ochsen von über 750 Kilo­gramm Lebendgewicht. Die Schlachtsteuer für Schweine beträgt bei Hausschlachtungen für den ausschließlichen Gebrauch im eigenen Haushalt, so­fern nicht wie oben erwähnt, Steuerfreiheit ge­geben ist, unabhängig vom Gewicht, 2 Mark. Im übrigen beträgt die Schlachtsteuer für Schweine, je nach dem Lebendgewicht, 4 bis 8 Mark. Schweine bis 40 Kilogramm sind steuerfrei.

Die Ausgleichsabgabe für eingeführtes Fleisch in frischem Zustande beträgt 10 Pf., für Fleisch in zubereitetem Zustande 12 Pf. und für Fleisch, und Wurstwaren 15 Pf. für jedes ange­fangene Kilogramm. Für die örtliche Verwaltung der Schlachtsteuer und der Ausgleichsabgabe wird eine Vergütung gewährt, deren Höhe das Gesamt- Ministerium bestimmt.

Auf die Verwaltung der Schlachtsteuer finden die für die Verbrauchssteuern geltenden Bestimmungen der Reichsabgabenordnung Anwendung mit der Maßgabe, daß an die Stelle des Finanzamtes das Kreisamt tritt. Nach den vom hessischen Finanz­minister erlassenen Durchführungsbestimmungen tritt die Schlachtsteuer vom 1. Dezember 1932 in Kraft.

Gemeindeabend

der Matthäusgemeinde Gießen.

Es gehört zur Tradition in der Matthäus- gemeinde, daß sie sich am 1. Advent zu einem schlichten, ernsten Gemeindeabend zusammen- findet. Wie groß das Bedürfnis nach einem solchen Zusammensein ist, zeigte am Sonntagabend der überfüllte Saal des Cas6 Leib.

Nach einem vom Frauenchor der Stadtkirche schlicht und fein vorgetragenen Choral begrüßte der Vorsitzende der Männer- und Frauenvereinigung, Lehrer Wehrheim, die zahlreich erschienenen Gemeindeglieder. So wie sich jetzt in den grauen und nebeligen Tagen der Dorweihnachtszeit die ein­zelnen Familien in ihrem Heim zusammenfinden, so

sei auch das der Sinn dieses Abends, daß sich die Matthäusgemeinde wie eine Familie zusammenfinde, um auf der dunklen und finsteren Wanderung des Lebens immer wieder neu einen Strahl von dem Licht aufzufangen, auf das uns die Adoentszeit mit be­sonderem Nachdruck Hinweise: Jesus Christus.

Von diesem Gedanken her war auch das Pro­gramm des Abends bestimmt, und man sah, daß auf die Zusammenstellung sehr viel Mühe verwandt war, damit der Gemeinde nicht nur eine nette Un­terhaltung und ein schöner Abend geboten würde, sondern daß durch alles, was gesunken, musiziert und gespielt wurde, etwas hindurchklänge von dem einzigartigen, heiligen Auftrag, der gerade in der heutigen Zeit in besonderem Maße einer christlichen Gemeinde von Gott gegeben ist. In diesem Gedanken bewegte sich auch die Ansprache des Gemeinde- Pfarrers, der deutlich den Unterschied zwischen einem Familienabend eines Vereins und einem Ge­meindeabend heroorhod. Daß durch einen solchen Abend das Verantwortungsbewußtsein der Gemeinde gegenüber Gott, gegenüber sich selbst und gegenüber der Welt gestärkt werden solle und dafe eine Kirchen- gemeinde in all ihrer vielgestaltigen Arbeit in den einzelnen Gemeindevereinen keine andere Aufgabe habe, als die: in dieser Zeit der Not das Wort des hl. Gottes zu hören und es weiter zu sagen und zu rufen in die Dunkelheit und Finsternis der Welt.

Die Vortragsfolge stellte sowohl an die Ausfüh­renden, als auch an die Zuhörer hohe Anforderun­gen. Es hatten sich für die Durchführung des Abends in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt: Frau Kachinka Flimm, Gießen (Sopran), Fräu­lein Magda Zimmer, Gießen (Violine), Fräulein Hilde Dayersdorf, Gießen (Klavier) und Pfarr­assistent K n e 11, Gießen (Violine). Außerdem wirk­ten mit der Frauenchor der Stadtkirche, der Sing­kreis und die Spielschar der Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde. Frau Flimm sang, von Leh­rer Simon am Klavier gut begleitet, einige Ad­vents- und Weihnachtslieder, von denen das Ad­ventslied: ,,£) du, mein Trost und süßes Hoffen" am besten gefiel. Sehr großen Beifall fand eine von Fräulein Zimmer (Violine), Pfarrafsistent K n e 11 (Violine) und Fräulein Bayersdorf (Klavier) gespielte Sonate von Händel, bei der be­sonders der Allegro°Satz sehr flüssig und schwung­voll zum Vortrag kam. Schon hier fiel der volle, warme Ton des Spiels von Fräulein Zimmer auf, der bann in zwei mit viel Musikalität vor- getragenen Solostücken, einem Adagio von Tartini und einem Adagio von Corelli in der Bearbeitung von Busch, besonders zum Ausdruck kam. Fräulein Bayersdorf am Klavier bewältigte ihren Part mit großem musikalischen Verständnis und feiner Anpassungsfähigkeit. Biel Freude machten auch die Chöre des Singkreises der Jugendver» e i n i g u n g , der alte Weihnachtslieder in zwei-, drei- und vierstimmigen Sätzen sang.

Den Abschluß des Abends bildete ein größeres Laienspiel:Wir sind die drei Könige mit dem Stern" von Adolf Wurmbach. Es knüpft an die alte Sitte an, daß am Weihnachtsabend arme Menschen als die drei Könige verkleidet singend vor die Häu­ser der Reichen ziehen, um dort um milde Gaben zu bitten. Das Spiel zeigte solch drei Bettelkönige, tue auf ihrer Wanderung durch die Stadt unversehens zu einer ganz armen Familie kommen, die in einer Stallwohnung hauste. Ueberwunden durch dieses Elend, das noch größer als ihr eigenes ift, schenken sie alte ihre eingesammelten Gaben diesen armen Menschen und erleben in diesem ihnen selbst unbe­greiflichen Tun das Wunder der Weihnacht. Das Spiel, das lange Dialoge und wenig dramatische Handlung hat, stellte an die Spieler hohe Anforde­rungen, denen sie sich aber gewachsen zeigten. Es hinterliefe bei allen, die es gesehen haben, einen tie­fen Eindruck und unterstrich noch einmal den Haupt­gedanken des Abends, dafe es im Dunkel der Zeit, auch in Elend und Not nur ein wirkliches Licht gibt: das Kind in der Krippe, Jesus Christus unser Herr.

Weihuachismeffe des Verbandes für Deutsche Frauenkultur.

Tie Ortsgruppe Gießen des Verbände« für Deutsche Frauenlultur zeigt im CasS Amend wieder eine Ausstellung deutscher Wertarbeit, eine Weihnachtsausstellung von seinem Reiz, die zu besuchen sich keine Hausfrau entgehen lassen sollte. Auf kleinem Raume ist in geschmackvoller und übersichtlicher Form vieles vereinigt. Tie Schau wurde organisiert unter dem maßgeben­den Gedanken:Für wenig Geld viel Freude!" Tie Dinge, die in der Ausstellung zusammengetragen sind, erscheinen sehr wohl ge­eignet, Freude zu machen.

Eine Reihe bekannter Gießener Firmen hat zu der Schau beigesteuert. Tie Firma E. R o h r L C o. hat in einem Rebenraum des Billard­saales eine vielfälttge Ausstellung aufgebaut. Breiten Raum nimmt darin das Schützer Leinen

Srhättlidz in den OSRAMVerkaufsstellen. \