Gorguloff zum Tode verurteilt.
pari», 27. Juli. (IU.) 3m Gorguloff-prozeh fällte das Gericht am Mittwochabend nach kurzer Beratung der Geschworenen, die die beiden ihnen oorgelegten fragen mit „3 a" beantwortet hatten, da» Urteil. Der Mörder des französischen Staatspräsidenten Doumer wurde zum Tode verurteilt.
Die Vernehmung einer Reihe von Zeugen hatte keine neuen Momente in die Verhandlung gebracht. Lebhafte Bewegung aing durch den Saal, als di e Frau Gorguloffs ausgerufen wurde. Bei dem Anblick seiner Frau rief der Angeklagte aus: „Ich bitte um Verzeihung!", wurde aber sofort vom Dorfitzenden unterbrochen. Mit tränenerstickter Stimme erklärte die Zeugin, zwei Wochen vor dem Anschlag habe sie in seiner Haltung eine gewisse Aenderung festgestellt. Er habe häufig über Kopfschmerzen geklagt und die Nacht oft nicht schlafen können. Frau Gorguloff schloß ihre Aussagen mit der Bitte um Mitleid für sie und das Kind, das sie erwarte. Der General st aatsanwalt hatte in seiner Anklagerede auf den großen 23er» tust hingewiesen, den Frankreich mit dem Tode des Staatspräsidenten Doumer erlitten habe. Der Mör» der fei ein Ausländer und Paris dürfe nicht zum Schußfeld der Ausländer werden. Alle diejenigen, die das nicht verstehen wollten, müßten verjagt werden. Er glaube nicht darau, daß Gorguloff Bolschewist sei. Gorguloff besitze gerade als Arzt besser al» jeder andere die Fähigkeit, Geistesgestörtheit vorzutäuscheu. Der Generalstaatsanwalt verlas sodann einen Brief, den der Angeklagte nach seiner Verhaftung von einem aus Frankreich aus- gewiesenen Russen erhalten habe und der deutlich die Mentalität einer ganzen Reihe russischer Emi- granten wiedergebe. Der Gerreralstaatsauwalt forderte die Geschworenen auf, den Angeklagten dem Scharsrichter auszuliefern: „Geschworene der Seine! Denkt an das Urteil der Geschichte! Mein Mitleid gilt nur derjenigen, die jeden Tag am Grabe ihres Gatten weilt."
Der Verteidiger des Angeklagten hatte auf geistige Unzurechnungsfähigkeit pla- dierl. Während seiner Ausführungen gestikulierte der Angeklagte wie ein Wahnsinniger, riß sich den Kragen ab und schrie immer wieder: „Tötet mich, tötet mich!"
Die hessischen Rationalsoziaiiflen fordern Verhaftung der Innenministers Leufchner.
Darmstadt, 27. 3uli. (ID 57t.) Der Gauführer der hessischen RSDAp., Lenz, hat an den Oberreichsanwalt in Leipzig folgende» Telegramm gerichtet: „Leufchner versucht unter amtlichem Deckmantel durch Zwangsmaßnahmen gegen die presse und dergleichen die Angelegenheit der kommuni st Ischen Dokumente zu verschleiern. Die Bevölkerung Hessen» sordert die sofortige Verhaftung Leufchner» wegen Verdunkelungsgefahr und restlose filärung ber 5 chuld an der Duldung der kommunistischen Hochverrats-, Landesverrats- und Bür- gerkriegspläne."
Abkommen
über kassenärztliche Vergütung.
Berlin, 27. Juli. (TU.) Die S p i tz e n v e r - bände der Aerzte und Krankenkassen haben zur Durchführung des neuen Kassenarztrechtes ein Honorarabkomme n geschlossen, das rückwirkend vom 1. April an die Selle der bisherigen Vereinbarungen tritt. Das Abkommen enthält ein- gehende Bestimmungen über die Ermittlung des angemessenen Vergütungssatzes. Es ist e l a st i sch e r gestaltet als die bisherigen Verordnungen und gestattet eine ftärtere Rücksicht auf die örtlichen Bedürfnisse. Von den Einzelheiten verdient besondere Erwähnung der N o t a b j ch l a g für versicherte Arbeitslose in höhe von 5 0.5). und für Kassen mit mehr Arbeitslosen als 30 v. h. des Mitgliederbestandes in höhe von 10 o. h. _______________
©er Rohrbruch.
Don Georg Mühlen-Schutte.
In der Hochparterre-Wohnung des Hausbesitzers Lemke erscheint mit umwölkter Stirn der Mieter Kuhlapp aus dem ersten Stock.
„Guten Tag Herr Lemke!"
„Ah, guten Tag, mein lieber Herr Kuhlapp! Bitte, nehmen Sie Platz! Womit kann ich Ihnen dienen?"
„Herr Lemke, wir haben Rohrbruch In unserer Toilette."
„Rohrbruch?! Ei ei!"
,„Ei ei' dürste kaum der passende Ausdruck sein, Herr Lemke. Es handelt sich um einen sehr ernsten Rohrbruch."
„hm! Aber es ist doch ein ganz dickes, gußeiser- nes Rohr; wie haben Sie denn das bloß kaputtgekriegt?"
„Ich? Ich soll das Rohr kaputtgemacht haben? Herr Lemke, ich mache Sie darauf aufmerksam, daß mir nicht zum Spaßen zumute ist. Ich verlange sofortige Reparatur."
„Sehr gut! Ausgezeichnet! Eine Frage Herr Kuhlapp! haben Sie Vermögen?"
„Etwas."
„Wieviel?"
„Das weiß ich nicht. Es steckt im Futter meiner Sonntagsweste. Fühlt ich an wie ein Fufziger. Kann aber auch ein Sechser ein."
„Das macht keinen Unterschied. Jedenfalls reicht es nicht für die Reparatur."
„Was denn? Ich soll die Reparatur bezahlen?" Wer denn sonst? Ich habe kein Geld. Ich habe nicht mal Futter in der Weste."
„Aber es muß doch Rat geschaffen werden, Herr Lemke. Das Wasser steht fußhoch in meiner Wohnung."
„Das ist nichts Besonderes. Kennen Sie Venedig?"
„Nein."
„Schade! Sie sollten es sich mal ansehn. In den venetianischen Parterrewohnungen fließt der Canale Grande durch den Korridor."
„Lassen Sie mich mit Venedig zufrieden. Wir sind in Deutschland, uno in Deutschland ist es nicht Mode, daß im Wohnzimmer ein See steht."
„Aber ein See ist etwas sehr Schöne»."
„Frechheit!"
„sie können Weiden am Ufer pflanzen, das gibt ein malerisches Landschaftsbild. Sie können Plötzen angeln, können baden, können ... Donnerwetter!"
Der Blick des Hauswirts richtet sich nach der Zimmerdecke. An der Zimmerdecke hat sich ein gro-
preußische Steuergelder für presse- und Propaganda-Zwecke? Nationalsozialistische Enthüllungen.-Amtliche Untersuchung eingeleitet.
B e r l i n, 27. Juli. (TU.) Der Nationalsozialistische Preußische Pressedienst gibt Ausführungen des Abgeordneten hinkler wieder, der an Hand von Briefen darlegt, daß eine Reihe der der früheren preußischen Staatsregierung nahestehenden Zei- tun gen in Osterode, Stolp, Köslin und in Köln aus allgemeinen Steuermitteln vom Finanzmini st erium finanziert worden sind. Die Finanzierung geschah nach diesen Unterlagen durch bie„AentraleV«rlagsgesellschoft m.b.h.", dessen verantwortlicher Leiter Dr. Hugo Buschmann ist. Aus einem in der Veröffentlichung angeführten Schreiben Buschmanns an den Verlagsdirektor Kalk- Hoff geht hervor, daß die Zentrale Verlagsgesellschaft (ZV.) eine in der juristischen Form der G. m. b. h. eingekleidete Verwaltungsstelle für das preußische Finanzministerium ist. Die ZV. bediente sich einer Anzahl von Treuhändern. Die Treuhänder richten Betriebe ein, kaufen Automobile und Grundstücke und sind angewiesen, zur Verschleierung zunächst alle diese Sachen auf eigenen Namen zu kaufen bzw. eintragen zu lassen. Nach den Mitteilungen des Abgeordneten hinkler hat die ZV. an Kalkhoff in den Jahren 1929 bis 1931 über 420000 Mark gezahlt. Nach den
Mitteilungen von hinkler werden die Zahlungen auch zur Stunde noch geleistet. Nicht nur Zeitungsunternehmen wurden nach seinen Angaben durch die ZV. unterstützt, sondern es wurden auch erhebliche Gelder für Wahlarbeiten der Regierungsparteien aus allgemeinen Steuergeldern aufgewendet, hinkler weist darauf hin, daß der Staatssekretär Schleusener, der jetzige kommissarische Verwalter des Finanzministeriums Mitwisser dieser Dinge sei und sie gutgeheihen habe. Die Verhandlungen des Staatssekretärs Schleusener mit Buschmann hätten sich in Gegen- wart des zuständigen Fondsreferenten, Ministerial- rat Dr. L a n d f r i e d abgewickelt. Dazu wird amt- l i ch mitgeteilt: Das bisherige Untersuchungsergebnis über eine Beeinflussung der Preußenwahlen aus amtlichen preußischen Mitteln hat den Reichskommissar für das Land Preußen dazu veranlaßt, in dieser Sache und in einer Reihe von ähnlich gelagerten Fällen, die inzwischen bekannt geworden sind, den kommissarisch als Ministerialdirektor im preußischen Staatsministerium tätigen Ministerialrat Dr. Landfried und Ministerialrat Dr Schütze im preußischen Innenministerium mit der Feststellung des Tatbestandes zu beauftragen.
Die Seultonationden und das Mimst papen.
Briefwechsel zwischen Hugenberg und dem Kanzler über die Notverordnungen und das Ergebnis von Lausanne.
Berlin 27. Juli. (TU.) Geheimrat Dr. Hugenberg hat an den Kanzler ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Daß wir nicht parlamentarisch eingestellt sind, wissen Sie. Daraus folgt schon, daß wir nichtdenWunsch haben, mit parlamentarischen Hilfsmitteln einem von der Autorität des Reichspräsidenten getragenen, sich vom bisherigen Regierungsshstem abwendenden Kabinett Schwierigkeiten zu bereiten. Wir haben aber auf der anderen Seite eine Mitverantwortlichkeit für die nationale Bewegung. Sie ist nicht etwa Dank der Absicht oder der Bemühung irgendeiner Regierung, sondern aus dem Volk heraus neu erstarkt und darf nicht nochmals — wie 1923/24 — enttäuscht werden. Das ist der Grund der nachfolgenden Kritik an zwei Maßnahmen Ihrer Regierung: Rotverordnung vom 14. Juni 1932 und Abschluß des Vertrages von Lausanne.
Wir begrüßen es, daß nunmehr in Tleberein- stimmung mit unserer Auffassung durch Ihre Einsetzung als Reichs kommissar der unerläßliche Schritt zur Lösung der inner- politischen Machtfrage getan ist. Die Energie, mit der die ersten Maßnahmen durch- gefützrt worden sind, hatte den Erfolg eines kampflosen Zurückweichens der bisherigen preußischen Machthaber. Anders liegt es mit den oben bezeichneten beiden Vorgängen. Ich weiß, daß die Regierung Brüning in einem Augenblick zurückgetreten ist, in dem die öffentlichen Kassen teer und Deutschland bankerott war. Sie, Herr Reichskanzler haben ein Trümmerfeld übernommen. Trotzdem können wir der Artnicht zu- stimmen, in der die Finanzfrage angefaßt worden ist. Wir legen Wert daraus, loyal das einzuhalten, was wir zur Zeit des Voung-Kampfes versprochen haben: Unsererseits nicht dazu beizutragen das Volk durch den Voung- plan verelenden zu lassen. Deshalb können wir die Finanzmaßnahmen der Rotverordnung vom 14. Juni 1932, wie seinerzeit schon ausgesprochen, nicht guthei ßen. Die Rotverordnung enthält Härten, die bei vielen Betroffenen eine verzweifelte Lage erzeugen. Ich wäre dankbar, wenn Sie, sehr verehrter Herr Reichskanzler, eine gewisse,
Ihren Auffassungen entsprechende baldige Erklärung in Erwägung zögen, daß die fragliche un- haltbareRotverordnung.die im wesentlichen noch auf Brüningschen Vorarbeiten beruht und ebenso alle anderen Brüningschen Rotverordnungen von der jetzigen Regierung nicht ausrecht erhalten werden sollen. Ich nehme an, daß hiiuugesügt werden kann, daß die Vorarbeiten zu ihrer Aufhebung, d. h. zuihremErsah durch zusammenfassende, die Härten beseitigende und den Verord- nungsinhalt nach der positiven Seite hin ergänz zende Gesetze bereits im Gange sind. Der erste, sofortige Schritt zur Beseitigung unnötiger Härten müßte auf Grund eines Zusammenwirkens der Reichs- und der preußischen Regierung die Aushebung der preußischen Finanz-Rotverordnung vom 8. Juni 1932 sein.
Der jetzige Inhalt der Rotverordnung vom 14. Juni 1932 ist um so unbefriedigender, als damit zunächst keinerlei aufbauende Maßregeln verbunden waren. Auf solche wartet das ganze Volk. Rach meiner Auffassung ist die dringendste Maßnahme eine baldige und jeden Eingriff in öie Privatschuldverhältnisse ausschliehende Regelung der bestehenden Schuldverhältnisse. Ich habe mich in dieser Beziehung öffentlich geäußert und werde in den nächsten Tagen noch weitere Vorschläge machen. Mit diesen Vorschlägen wäre der deutschen Wirtschaft ohne ein eigentliches Moratorium eine neue sichere Grundlage und die Möglichkeit eines vom Ausland unabhängigen tragbaren deutschenZinsfutzes, sowie in Verbindung mit anderen, dringend erforderlichen wirtschaftlichen Maßnahmen die Aussicht auf Erholung gegeben.
Mit einem sofortigen Vorgehen dieser Art würden auch die Gefahren zum großen Teil abge- bogen fein, die mit dem Ergebnis von Lausanne verknüpft sind. Wir wissen, daß auch diese durch die Hinterlgssenschaft des Kabinetts Brüning stark beeinflußt waren. Aber schon der Mißbrauch, den jetzt Zentrum und Sozialdemokratie mit Lausanne treiben, zeigt, daß unser Wider-
ßer nasser Fleck gebildet. Schwere Tropfen fallen herab. Dann ergießt sich in vielen Strahlen das Wasser aus der Kuhlappschen Wohnung in die Lemkesche.
Die beiden Manner stehen erstarrt. Nach einer Weile kommt Bewegung in den Mieter Kuhlapp.
„Entschuldigen Sie mich einen Augenblick!" sagt er mit übertriebener Höflichkeit und wendet sich zur Tür.
„Wo wollen Sie denn hin?" ächzt der schwergeprüfte Hauswirt.
„Ich springe bloß mal nach oben und hole mir Badeanzug und Angelrute runter."
Oer Zinker.
Vor ein paar Tagen hat man ihn verhaftet, den feinen Herrn aus Roms „bester Gesellschaft". Er, der immer weiße Gamaschen trug, und ein Monokel am Band, sitzt heute, in tadelloser Haltung, aber sehr bleich, zwischen Dieben und Falschspielern in römischer Polizeigewabrsam.
Wie war es nur möglich, daß sich die Polizisten an diesem Herrn der Welt vergreisen konnten, auf dessen Schultern, liebevoll ausgepolstert vom besten englischen Schneider, nie ein Makel gelegen hatte? Wie war es möglich, daß er nun, Falschspieler unter Falschspielern, einem recht peinlichen, recht hoffnungslosen Prozeß entgegensetzen muß?
Run, ihn hat sein Schicksal getroffen. Er ist schuldig — richtig. Aber man ist feinem Verbrechen — Spiel mit gezinkten Karten, Betrug, Unterschiebung falscher Kartenspiele bei höchstem Einsatz — deshalb auf die Spur gekommen, weil er zu früh und zu deutlich die Wahrheit gesagt hatte. Einen Verbrecher dingfest zu machen, weil er gelogen hat, das dürfte in der Regel vorkommen. Aber einen Betrüger als Betrüger zu entlarven, weil er die Wahrheit gesagt hat ...7
Monatelang hatte man über seinen Scherz gelacht. Abend für Abend war er im Spielklub erschienen, hatte gespielt, um große Summen zumeist, mit zuweilen großem Gewinn. Nie aber hatte er eine Karte am Baccarattisch angerührt, nie ein Spiel begonnen, ohne sich vorher sehr höflich vor seinen Mitspielern zu verbeugen und zu sagen: „Meine Herren Ich mache Sie wie immer, darauf aufmerksam, daß ich falsch spielen werde ..." Höfliches, gedämpftes Gelächter In der Runde. Vielleicht, daß man es für einen Aberglauben hielt, für eine Marolt" jenes Mannes, dessen Ruf so sehr über allen s'l erhoben war. Das Spiel ging zu Ende. Wieder hotte
der vornehme Mann eine größere Summe Geldes gewonnen. Bevor er dann wieder welterspielte, um aufs neue zu gewinnen, bemerkte er mit leisem Schmunzeln: „Ich habe es Ihnen ja gesagt, ich habe mit falschen Karten gespielt ..."
Dies wurde mit der Zeit zu einer stehenden Redensart des Mannes. Man achtete schon nicht mefjr darauf. Dieser Satz begann einigen sogar schon em wenig auf die Nerven zu gehen. Man nahm ihn aber hin, als die Laune eines großen Herrn ...
So hat es sehr lange gedauert, bis die konstanten Spielgewinne des Mannes schließlich doch den Verdacht des Klubpersonals auf ihn lenkten. Man verdoppelte die Bewachung des Spieltisches, sah ihm sehr genau auf die Finger — und dabei mußte man allerlei bemerken ... Als jedoch, rechts und links, die Faust eines Kriminalbeamten zupacken konnte, zuckte der feine Mann die auf diese Weise beschwerten Schultern und bemerkte mit leiser Verachtung in der Stimme: „Wenn es Leute gibt, die einem Menschen ein halbes Jahr lang nicht zuzuhören vermögen, so sollen sie den Schaden ruhig tragen." Doch, ich fürchte, am Ende wird doch der feine Mann es (ein, der den Schaden zu tragen hat ...
Zwei Schwestern und ein Führerschein.
Die Schwestern Ethel Mary und Gertrude Moria Bowers in Poundstock (England) sehen einander so ähnlich, daß viele Leute sie miteinander verwechseln. Dieser Umstand brachte Ethel ÜJlarla auf eine glänzende Idee, als ihr der Führerschein auf ein Jahr entzogen worden war. Sie tauschte einfach den Nomen mit ihrer Schwester und bewarb sich als Gertrude Maria Bowers um einen neuen Führerschein, der ihr natürlich gegeben wurde. Ein Polizist, der die Schwestern kannte und von der Entziehung des Führerscheins gehört hatte, hielt eines Tages Ethel Maria — als Gertrude Maria — an und verlangte den Führerschein und eine Vergleichs-Unterschrift. Alles schien in Ordnung und die angebliche Gertrude Maria fuhr davon. Das Unglück wollte es aber, daß die richtige Gertrude Maria ebenfalls — zu Fuß — vorbeikam und noch ba3iu von einer Bekannten mit „Gertrude" angerufen wurde. Das brachte die Sache zum Klappen. Die Polizei erschien in der Wohnung Der Schwe- ftern — aber der Wirrwarr wurde nur noch verschlimmert. Kein Mensch konnte sogen, welche der Schwestern Ethel Maria und welche Gertrud Mario war — mit Ausnahme Der Schwestern selbst. Die wollten es aber nicht. Das Gericht in Westmin- ster fällte ein salomonisches Urteil: es verurteilte beide.
stand berechtigt war. Sowohl für den Fall der Ratifizierung wie der Richtratifizierung würde eine Ausland und Inland umfassende autonome Schuldenregelung eine neue für Deutschland tragbare Grundlage schaffen und zugleich den notwendigen Kamps um die deutsche Wehrhoheit und eine wirkliche europäische Abrüstung erleichtern. gez. Hugenberg." Die Antwort des Reichskanzlers.
3n feinem Mntroorfbrief auf Dr. hugenberg» Schreiben führt der Kanzler u. a. folgendes aus:
„Auf 3hr Schreiben vorn 23. 3uli, für das ich ergebens! danke, darf ich folgendes erwidern: 3d) begrüße es lebhaft, daß die Arbeit der Reichsregierung bei 3hnen, sehr geehrter Herr Geheimrat, und in den Kreisen 3hrer Anhänger verständnis findet. E» ist mir völlig klar, daß die ersten Maßnahmen des Reichskabinetts zur Sicherung der öffentlichen haushalte und zur Erhaltung der Sozialversicherung eine schwere Belastung für das Reichskabinett in der öffentlichen Meinung Deutschlands darstellen mußten. Bei der Lage, die dos Reichskabinett nach llebernahme der Regierung vorfand, war aber zunach st kein anderer Entschluß möglich als der, die notwendigen Aufräumungsarbeiten ohne Zeitverlust und rücksichtslos durchzuführen. Die Aufbauarbeit wird darin bestehen müssen, aus dem bisher mehr oder weniger unorganisch und unzusammenhängend entstandenen Rotoerordnungswerk eine nach einem einheitlichen Jinan}- und Mirtschaftsplan geregelte Reuordnung zu schaffen, durch die auch manche durch die vorangegangenen Rotverordnungen herbeigeführten Härten zu b e fe 11 i g e n fein werden. Hand in Hand damit wird eine tief ein- schneidende Berwallungs- und 3i- nanzresorm gehen müssen, durch die sich die Kosten des Verwaltungsapparates der öffentlichen Hand auf das Maß verringern, das der Verarmung Deutschlands entspricht. Es ist felbsiverftändlich, daß in diesem Reform-programm der Reichsregierung auch die Regelung der 3 n - und ausländischen Schulden eine wichtige Rolle spielen wird. gez. von papen.“
Preußens Vertretung imReichsrat
Vertin, 27. Juli. (TU.) Die Ausschüsse des Deichsrates beriefen unter dem Vorsitz des Reichsinnenministers Freiherrn v. Gayl die Einzelheiten der von der Reichsregierung beabsich- tigten Reuregelung des Rundfunkwesens. — In der Frage der Vertretung Preußen- im Reichsrat steht die Reichsregierung auf dem Standpunkt, dast die Bevollmächtigung an das Amt gebunden sei und eine Amtsbetätigung bedeute. Demzufolge ist der Reichskommissar für Preußen bzw. sein kommissarischer Vertreter Dr. Bracht für d'te 13 Reichsratsstimmen der preußischen Regierung zuständig. Es trifft jedoch nicht zu, daß di« Mitglieder des Kabinetts Braun brieflich rhrer Funktionen als Bevollmächtigte Preußens enthoben worden seien. Ebensowenig ist Bracht an Stelle des amtsenthobenen Ministerpräsidenten zum Bevollmächtigten im Reichsrat ernannt worden. Die Rechtsfrage ist vielmehr so lange in der Schwebe, bis eine Entscheidung des Staatsgerichtshofs gefallen ist.
Rachdem eine Reihe von Ländern bereits in einer am Mittwochvormittag abgehaltenen Ausschußsitzung des Reichsrats formell Rechtsverwahrung gegen die Ausschußverhandlungen eingelegt hatte, weil die preußischen Stimmen im Reichsrat durch die Reichsregierung instruiert würden, wiederholten in der Sitzung die der Beratung der Richtlinien für die Neugestaltung des Rundfunks galt, zunächst Bayern und später auch die Vertreter anderer Länder diese Rechtsverwahrung. Sce beteiligten sich jedoch trotzdem an der sachlichen Beratung.
Kleine Theaterscherze.
Don Lothar Sachs.
Professor Max Reinhardt geht auf der Kurpromenade in Baden-Baden spazieren. Da stürzt eine Dame aufgeregt auf ihn zu: „Guten Tag, Herr Professor, Sie sind der erste interessante Mensch, den ich hier treffe.' „Da haben Sie mehr Glück gehabt als ich", antwortete Reinhardt trocken.
*
Der verstorbene Komponist Eugen d ' A l b e r t hatte sich zum 6. oder 7. Mal verheiratet. Er stellte seine neue Frau einem Bekannten vor. „Wissen Sie, Meister", erklärte der Bekannte begeistert, „Sie haben mir selten eine so scharmante Gattin oor- geftellt."
Eine sehr verwöhnte Schauspielerin hatte geheiratet. Ihr Mann machte den schüchternen Versuch, ihr einige wirtschaftliche Begriffe, wie Sparsamkeit usw. beizubrinaen und überredete sie, ein Haushal- tungsbuch zu führen. Eines Tages machte er eine Stichprobe und las folgendes:
5. November Ausgaben:
für Zigaretten 1,50 Mark
einem Bettler geschenkt —,20 „ eine Zeitung gekauft — ,15 „
~ iverses 500,00 „
Summa: 501,85 Mark.
* '
Der Theaterdirektor Paul Lindau konnte es nicht leiden, wenn feine Schauspieler auf der Bühne ein Extempore machten. Als ihm einer einmal bat, ihm zu erlauben, während der Vorstellung einen Scherz zu improvisieren, erteilte er die Genehmigung mit der Einschränkung: „Wenn das Publikum nicht lacht, nehme ich sie mit 20 Mark in Ordnungsstrafe." Das Publikum brüllte. Trotzdem wurden dem Schauspieler 10 Mark von der Gage abgezogen. Er protestierte mit dem Hinweis: „Das Publikum hat doch gelacht." „Aber nur — die Hälft e", erwiderte Paul Lindau.
Der Dramatiker Molnar wollte eine n^e Ehe eingehen. Man schlug als Tag der Hochzeit den Donnerstag vor. „Nein, Donnerstag geht nicht", sagte Molnar, „da bin ich immer im Klub. Aber wie wär's mit Montag — an dem Abend weiß ich sowieso nie was Gescheites anzufangen."


