vollständig zertrümmerte. Auster dem Prinzen wurde der junge Flugzeugführer Bruce-Bossorn, der Sohn eines konservativen Abgeordneten und dessen Mutter getötet. Graf Erbach-Fürstenau weilte als Gast Bossows in England.
Nie vorstä-iische Kleinsiedlung
Berlin, 27. Juli. (WTB.) Nachdem nunmehr der erste und zweite Bauabschnitt der vorstädtischen Kleinsiedlung und die Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose organisiert ist, und das Prüsungs- verfahren für die Zukunft den Landesbehörden über- traaen werden konnte, gehen die Geschäfte mit dem 1. August auf den R e i ch s a r o e i t s m i n i st e r über. In seinem Bericht stellt Reichskoinmissar Dr. Saasten als Ergebnis seiner Tätigkeit u. er. fest. Mit den 73 Millionen Reichsmark des erlten und zweiten Abschnittes werden zusammen rund 2 7 0 0 0 vorstädtische Kleinsiedlungen und 800 00 Kleingärten gefördert. Legt man je Siedler bzw. Stlcingartcn eine Familienzahl von fünf Köpfen zugrunde, was die in den Richtlinien vorgeschriebene Bevorzugung der Kinderreichen rechtfertigt, so kommt die diesjährige Aktion rund 107 000 mal 5 gteid) 335 000 Menschen zugute, lieber
den Erfolg läßt sich naturgemäß zur Zeit ein cmd- gllltiges Urteil noch nicht abgeben.
Arbeitsbeschaffung durch landwirtschaftliche Bodenverbefferungen.
Berlin, 27. Juli. (WTB.) Bon den zur Arbeitsbeschaffung bereitgestellten 135 Millionen Mk. sollen 60 Millionen zum Straßenbau und 50 Millionen beim Ausbau von Wasser- st rast en und 25 Millionen Mark für landwirtschaftliche Meliorationen Der. Wendung finden. Der Reichsernährungsminister hat die 25 Millionen Mark kürzlich den Landesregierungen zur Vergebung an Wasser- genossenschaften, Dodenverbesserungsgenossen- schasten und einzelne Landwirte zur ‘Verfügung gestellt: Meliorationsdarlehen im Betrage von rund 2,5 Millionen Mark sind durch die deutsche Bodenkultur bereits in den letzten Tagen vergeben worden. Die Möglichkeit, Arbeitslose zu beschäftigen, ist bei den landwirtschaftlichen Bodenverbesserungen besonders groß, da durchschnittlich 70 Prozent der aufgewandten Mittel auf Löhne und nur 30 Proz. auf Baumaterialien entfallen, und die auszuführenden Arbeiten fast durchweg von ungelernten Arbeitern mit der Hand ausgeführt werden können.
Eisenbahnunglück am Bahnhof Gesundbrunnen bei Berlin.
Zusammenstoß zwischen Personenzug und Rangiermaschine. - Zwei Tote-, zahlreiche Verletzte.
Schwere Erwerbslosenausschreitungen in Ruhla.
Weimar, 27. Juli. (TA.) Rach einer Mitteilung des Thüringischen Innenministeriums kam es am Mittwoch in Ruhla bet Eisenach zu schweren Erwerbslosen - Ausschreitungen. Erwerbslose veranstalteten einen verbotenen Umzug, dem die städtische Polizei pflichtgemäß entgegentrat. Dabei sind drei Poltzeibeamte zu Boden geschlagen worden. Bon ihnen ist einer durch acht Messerstiche in den Rücken und ein zweiter durch Messerstiche in Arm und Rücken schwer verletzt worden. Die Polizeibeamten haben dann notgedrungen von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Dabei ist ein Ar- beiter namens Eberlein durch Kopfschuß schwer verletzt worden und später im Eisenacher Krankenhaus gestorben. Eberlein war an der Dernon- ftration offenbar nicht beteiligt, aber auf feinem Wege in den Bereich des Zusammenstohes gekommen. Die Ruhe und Ordnung in Ruhla ist nach Eintreffen eines Kommandos der Schutzpolizei aus Gotha wiederhergestellt worden.
Finanzausschuß des Hessischen Landtags.
©arm ft ab t, 27. Juli. (WHP.) Iw Fina nz. a u s s ch u h des Hessischen Landtags wurde ein nationalsozialistischer Antrag, wonach die F o r st- besoldungsbeiträge der Gemeinden und der Privatwaldbesitzer sofort wesentlich zu senken sind, mit der Maßgabe, daß die Beiträge nicht höher sein dürfen als der Er
trag des Waldes im letzten Jahre, mit 7:5 Stimmen angenommen. Ein kommunistischer Zusatzantrag, wonach die Forstbesoldungsbeiträge de« Gemeinden völlig gestrichen, die der Pri- vatwaldbesitzer, sofern der Waldbesitz ein Grund, vermögen unter 20 000 Mark und ein Jahreseinkommen bis zu 3000 Mark hat, ebenfalls erlassen werden sollen, wurde abgelehnt. Don der Regierung wurde zugesagt, daß sie den leistungsschwa. chen Gemeinden entgegenkommen wolle daß ober die gewünschte Senkung der Beiträge' mit Rücksicht auf die Staatskasse n i ch t m ö g l i ch sei.
Mit den 6 Stimmen der Rationalsozialisten ge. gen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimmenthaltung des Zentrums wurde der nationalsozialistische Antrag angenom. men, woanch die Sondergebäudesteuer auf Antrag bis zur Hälfte erlassen werden kann, wenn in dieser Höhe nachweisbare Aufwendungen für Instandsetzung und Verbesserungen an der Sonderge- baudesteuer unterliegenden Gebäuden gemacht worden find. Die Bestätigung des Rotgesehes "ber dieJnkraftsehungdesStaatsvor- anschlags für 1932 wurde mit den Stimmen Der Rationalsoziailsten und Kommunisten gegen rtJ- &m uub Sozialdemokraten abgelehnt. Einstimmig genehmigt wurde die von der Regierung nachgesuchte Ermächtigung zur Au,- nahme eines Darlehens von 500000 Mark bei derReichsversicherungs- a n st a l t zur Errichtung von Wohnungsbauten für versicherungspflichtige Angestellte. Ebenso wurde einStaatszuschußfürdenSisen- erzbergbau in Oberhessen bewilligt, da 'vnst c^r von der Reichsregierung bereitgestellte Zuschuß hinfällig wird, wenn sich das Land nicht beteiligt.
Nie Katastrophe.
Berlin, 27. 3ulL (DTB) Der Personen- zug 2 0 8, Stralsund — Berlin, der um 17.19 Uhr in Berlin eintreffen soll, stieß bet der Einfahrt in den Bahnhof Gesundbrunnen mit einer Lokomotivezusammen. Die Lokomotive und mehrere wagen entgleisten und stürzten u m. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind bei dem Unglück zwei ToteundbOvcrlehte geborgen. Unter den verletzten befinden sich mehrere Schwerverletzte. Line der beiden weiblichen Reichen konnte bisher noch nicht identifiziert werden. Bei der zweiten Toten handelt es sich um die Ehefrau L i n k h o r st aus Berlin. Ihr Mann ist schwer verletzt.
Ner Hergang des Unglücks.
An der Dahnstraßenbrücke fuhr die Rangier- lokornotive eines Vorzuges gegen den gerade in Der Einfahrt befindlichen fahrplanmäßigen Stral- sunder Personenzug, der sehrgutbesetzt war. Infolge des wuchtigen Zusammenpralls wurden vier Waggons des Personenzuges aus den Gleisen gehoben und zum Teil ineinander geschoben, um dann umzufallen. Die Un» glücksstelle bot unmittelbar darauf ein D i l d der Verwüstung. Aus den Personenwagen ertön* ten die verzweifelten Hilferufe der bestürzten Passagiere, die sich ausdenWoggonsnicht befreien konnten. Die sofort alarmierten Feuerwehren, große Bereitschaften der Schutzpolizei und Sanilätsmannschaften wurden sofort an Die Anfallstelle geführt. Man ist dabei, mit Schweißapparaten die noch in den Waggons ein- geschlossenen Passagiere zu befreien.
Gegen Mitternacht befanden sichnoch 1 3 Der- letzte in den Krankenhäusern, die anderen konnten inzwischen nach Anlegung von Verbänden entlassen werden. Die Auf räum ungs- arbeiten sind sckweit fortgeschritten, daß ein Gleis von den Trümmern ganz befreit daliegt. Die Gleisanlage wird jedoch erneuert werden müssen, da der Unterbau durch das Unglück stark gelitten hat.
Oie amtliche Narstellung.
Das Haltesignal von der Lokomotive überfahren.
Berlin, 28. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Berlin teilt zu dem Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Gesundbrunnen mit:
Die Lokomotive, die gestern nachmittag den schweren Unfall des Personenzugs 208 verursachte, h a t das Haltesignal überfahren, was ihr Heizer bei seiner Vernehmung zugegeben Hal. Das Personal dieser Lokomotive war nach einer Ruhe von 10% Stunden erst seil 4% Stunden im Dienst, als das Unglück geschah. Ls bestand aus den Reservelokomotivführern krupke und Reiner, von denen ürupke den Dienst des Lokomotivführers, Reiner den des Heizers ausführle. ürupke, der in der Charite wegen Nervenschock ausgenommen ist, hat noch nicht vernommen werden können. Er ist 50 Jahre alt, hat schon 1917 die Lokomotivführerprüfung bestanden und gilt bei seinen Vorgesetzten als ein zuverlässiger und ordentlicher Beamter. 3n den Krankenhäusern befinden sich noch 1 3 verletzte, jedoch sind die Verletzungen erfreulicherweise nicht lebensgefährlich.
Llmbau -er Reichswehr.
Oie Forderung in Schleichers Rundfunkrede.
Aus -er Provinzialhaupista-i.
Don unserer Berliner Redaktion.
Berlin, den 27. Juli 1932.
Die Rundfunkrede des Generals v. Schleicher hat, wie zu erwarten war, in der ganzen CSklt einen geradezu sensationellen Widerhall gesunden. Während man in London sich ruhig und sach. lich äußert und in Som Schleichers Offenheit begrüßt, markiert die gesamte französische Presse höchste moralische Entrüstung besonders über jene Stelle der Schleicherschen Rede, in der der Minister den Umbau der deutschen Wehrmacht ankündigt, für den Fall, daß Deutschlands rechtlich begründete Forderung entweder nach der Abrüstung der anderen oder nach der Rüstungsgleichheit unerfüllt bleiben sollte.
Es bleibt zu beachten, daß General von Schleicher ausdrücklich von einem Umbau, nicht von einem Ausbau der Reichswehr sprach. Die Verhandlungen mit England und Italien vor dem Scheitern der Genfer Abrüstungskonferenz hatten sich bisher in der Richtung erstreckt, daß Deutsch, land das Recht aus die Schaffung und Einführung zusätzlicher und uns durch das Versailler Diktat seither verbotenerWaffen forderte. Roch vor einigen Monaten wäre Deutschland bereit gewesen, sich mit der Erlaubnis zum D a u v o n K a mpf - slugzeugen, die keinen offensiven Charakter besitzen und in ihrem Wirkungskreise beschränkt sind, und der Einführung von modernen Kampfwagen zu begnügen. Heute, nach den Ankündigungen Schleichers und besonders nach dem katastrophalen Fiasko der Genfer Abrüstungskonferenz gehen Deutschlands Forderungen weiter.
Wenn auch beim Aufbau und der Organisation der Reichswehr das höchst Mögliche geleistet worden ist, jo darf doch nicht verkannt werden, daß auf die Dauer eine zwölfjährige Dienstzeit für den deutschen Soldaten sich als s ch w e r e Bela st u n g herausstellt. Während England feine ebenfalls langfristig verpflichteten Soldaten in den Dominions und Kolonien beschäftigen kann, ist die praktische und theoretische Ausbildung des deutschen Reichswehrsoldaten nach einigen Jahren abgeschlossen. Da jährlich nur ein bestimmter Prozentsatz ausscheidet, sind die Beförderungsaussichten im Offizier- und Unteroffizierkorps nur gering. Außerdem genügen hunderttausend Mann nicht entfernt, um Deutschlands Grenzen zu verteidigen.. Denn auch die Bewaffnung dieser Hunderttausend hat in keiner Weise Schritt gehalten mit der Ausrüstung der anderen europäischen Armeen. Ein Umbau der deutschen Reichswehr könnte also nach zwei Rich- tungen hin erfolgen, einmal durch eine Vermehrung der Reichswehr selbst und durch eine r-1 Vt01 d" Ersatzes, oder aber durch die Scho ff u n g einer Volksmiliz, die eine militärische Durchbildung für alle Zwecke des Ad- wehrkampfes erfährt.
Eine amtliche Stellungnahme zu diesen Plänen und Möglichkeiten liegt noch nicht vor. In der Ucber- zeugung, daß um der Aufrechterhaltung des euro- päischen Friedens willen die Stärke der jetzigen deutschen Wehrmacht erweitert oder umgebaut werden muß, aber sind fick ausnahmsweise einmal alle deutschen Parteien einig.
RuhigeAufnahmein England.
London, 28. Juli. (WTB. Funkspruch.) Ti- mes schreibt: Der starke, schweigsame Mann der deutschen Regierung, General von Schleicher, Hot mit einer Offenherzigkeit gesprochen, für die die Welt ihm dankbar sein sollte. Er hat gesagt, was Deutschland empfindet: denn es ist kaum Zweifel- haft, daß er der Stimmung und den Hoffnungen der großen Mehrheit seiner Landsleute treffend Ausdruck gab. Seine Rede zeugte von hem politischen Verantwortungsbewußtsein eines Mannes, dessen Stellung in der eigenen Regierung unangreifbar ist, und der während einer Reihe von Jahren eine führende Gestalt in Deutschland bleiben dürfte. Seine Ansichten verdienen deshalb zwei- fellos die ernstesten Erwägungen der fremden Regierungen trotz der ungewöhnlichen Methode if rer Bekanntgabe. Der deutsche Wunsch nach Gleichberechtigung bilde das allerdringendste Problem der Abrüstung und sei eine der ernstesten Ursachen der Ungewißheit in Europa. Wenn nicht in einer angemessenen kurzen Zeitspanne ein Plan vereinbarter Rüstungseinschränkung auf der Grundlage der Gleichberechtigung aller Länder erreicht werde, dann könne als sicher betrachtet werden, daß Deutschland sich selbst als frei von den Verpflichtungen der A b - ruftungsMaufeln des Versailler Vertrages betrachte. Nachdem es der Abrüstungskonferenz nicht gelungen fei, mit der Frage der Rechtsgleichheit fertig zu werden, werde es jetzt die dringende Pflicht der am nächsten interessierten Regierungen sein, sie auf diplomatischem Wege in Angriff zu nehmen.
Amerika zu Konzessionen bereit, wenn Europa abrüstet.
Paris, 28. 3uli. (DTB. Funkspruch.) „Neuyork fjeralb“ und „Ehikago Tribüne“ berichten übereinstimmend, daß der amerikanische Botschafter Edge In einer Zuständigen Unterredung mit dem Ministerpräsidenten H e r r i o l darauf hingewiesen habe, daß de r Schlüssel für eine Zusammenarbeit Amerikas mit Europa in der Abrüstung liege, wenn nach dieser Richtung ein entscheidender Schritt getan und evtl, gleichzeitig eine Neuregelung der Wirtschaftsbeziehungen angebahnt werde, würden die vereinigten Staaten z u Konzessionen bereit sein.
Gießen, den 28. Juli 1932.
Kleines Recht und großes Llnrecht.
Man hat gesagt, der Mensch habe dann seine Selbstbildung vollendet, wenn er erkannt hätte, in welchem Verhältnis seine Ginzelpersönlichkeit zum Umberfum stände. Aber diese geistige Haltung beda.f einer notwendigen Ergänzung. Die Rotwendigkeit des Weltalls und seiner Gesetze vermögen wir ebenso wenig zu begreifen, wie wir Gott ganz erkennen können. Hier schweigt das Wissen an bestimmten Markscheiden, andere Geisteskräfte melden sich und führen uns über die Grkenntnisgrenzen hinaus.
Die Bildung und Ausbildung der geistigen Kräfte hat immer das eigentliche Ziel der Menschheit bedeutet. Diesem geistigen Menschen vor allem war das klassisch-romantische Ideal des Deutschtums der Goethe- und Rach-Goethe- Zeit gewidmet. Es war die Epoche, Da Deutschland das Land der Dichter und Denker war, aber die einseitige Ausbildung der Persönlichkeit führte zu den Enttäuschungen der Hochgebildeten, wenn das wirkliche Leben mit seiner Härte sie anfaßte. Das Leben, konnte Schiller sagen, male „mit lieblichem Betrüge Elysium an die Kerkerwand" und der hochfliegende Geist konnte nur zu oft in der engen Wirklichkeit seine Flügel nicht gebrauchen. Man empfand deshalb die Alrt- gerechtigkeit uhD Häßlichkeit des wirklichen Lebens doppelt schmerzlich und flüchtete aus der Welt, in das Reich des Idealen und Schönen.
Heinrich v. K l e i st hat dann im „Michael Kohlhaas" den Kampf des Rechtsanspruches des einzelnen gegen das Unrecht der Gesamtwelt dargestellt, aber er hat keine volle Lösung gefunden. Der einzelne zerbricht in diesem Kampf ums Recht, und diese Tragik hat schließlich zu erbitterten Anklagen gegen Staat und Gesellschaft geführt, die nur dann berechtigt sind, wenn sie aus einem mitfühlenden Herzen gestaltet werden. Aber auch hier muh man fein unterscheiden. In einem Brief an Amalie Schoppe aus Wien vom 1. April 1848 schreibt der Grübler Friedrich Hebbel: „Der Mensch verwandelt ein kleines Recht dadurch, daß er es zu eifrig verfolgt, sehr oft in ein großes Anrecht. Das ist Der Fluch des Geschlechts, dem auch verfallen zu sehn kein Einzelner schamrot zu werden braucht. Die ganze Welt-Geschichte predigt uns diese Wahrheit, und ist nur darum eine Tragödie, deren Lösung nicht in unseren Gesichtskreis fällt." Hebbel weiß, daß der Gegensatz sich nicht beheben läßt, er will zwar nicht auf den Kampf gegen das große Anrecht verzichten, aber er fügt den Begriff „Rotwendigkeit" ein, ähnlich wie ein anderer Dichter, der Brite Shelley, „Rotwendig- keit des Weltalls Mutter" nannte. And aus dieser Selbstbegrenzung des staatsbürgerlichen Einzelwesens kommt Hebbel zu der Lösung: „In dem Begriff dieser Rotwendigkeit, die freilich von der blinden, nicht in Vernunft aufgelösten, der sich Jeder beugt, weil er muh, sehr verschieden ist, wohne ich seitdem wie in einer Burg."
And mit dieser heldenhafien Lebensauffassung ist ein Fortschritt gegenüber Ideal und Welt, an deren Gegensätzlichkeit sich die Schillerzeit zerrieb, erreicht und für uns eine festerer Standpunkt gegeben. -rt.
(tzictzener Wochenmarktpreise.
Gießen, 28. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wocheninarkte: Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Matte 25 bis 30, Käse das Stück 5 bis 10, Wirsing 8. Weißkraut 8, Rotkraut 12, gelbe Rüben, Bund 8 bis 10, rote Rüben, Bund 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Römifchkohl 8, Bahnen, grün 12 bis 15, Bohnen, gelb 12 bis 15, Erbsen 15 bis 18, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12, Pilze 25, Kartoffeln 4, Ztr. 350, Blumen- kahl 30 bis 60, Salat 5 bis 10 Salatgurken 15 bis 30, Einmachgurken 2 bis 4, Ooerkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12, Radieschen, Bund 8 bis 10 Aepfel, ausländische 50 bis 55, Birnen 25 bis 50, Dörrobst 30 bis 35, Heidelbeeren 28 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 20 bis 25 Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Tauben, Stück 50 bis 60, Eier, Stück 8 Pf.
VornoNzcn.
— Tageskalender für Donnerst ag : Dolksrecht-Portei, 20.30 Ahr, Hotel „Hindenburg", Erweiterte Mitglieder-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Dorunter- uchung".
— Tonfilm „Voruntersuchung". 3m Lichtspielhaus Bahnhofstraße kommt von heute ab der Film „Voruntersuchung" zur Vorführung. Der Film wird sicherlich auch hier starkem Interesse begegnen, da das gleichnamige Stück im Gießener Stadttheater mit beachtlichem Erfolg aufgeführt wurde. Träger der Hauptrollen sind Albert Das - fer m ann, Gustav Fröhlich, Hans Brause-
wetter und Charlotte Anders. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
— Die Volksrechtpartei, derSparer- bund und der Rentnerbund veranstalten heute 20.30 Uhr eine erweiterte Mitgliederveriamm- lung im Hotel „Hindenburg", in der Herr H. L o - renz über die Themen „Ist die Währung in Gefahr?" und „Warum Listenoerbindung mit dem Christlich-sozialen Volksdienst bei der Reichstags- wähl?" sprechen wird. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
"Unioerfitiits-Professor Dr. Krüger-Gieß en ist, wie uns aus Jena berichtet wird, als Dozent der Ferienkurse an der Thüringi- schen Landesuniversität gewonnen worden. Die Kurse finden vom 1. bis 13. August unter dem Protektorate des Unioersitätsrektors Professor Dr. E s a u statt. Professor Krüger wird über „den Ka- tholizismus der Gegenwart, sein Werden, sein Leben, seine Theologie und seine Politik" Vorlesungen halten. Das Programm gliedert sich in 7 Abteilungen: 1. Philosophie, Religionswissenschaft, Psychologie und Pädagogik: 2. Naturwissenschaften und Geographie: 3. Hauswirfichaftswissenschaft: 4. Literatur und Kunst: 5. Körperkultur: 6. Fremde Sprachen: 7. Deutsch für Ausländer. Für die verschiedenen Vorlesungen und Hebungen haben sich hervorragende Universitätsprofessoren und namhafte Fachgelehrte als Dozenten zur Verfügung gestellt. Vorbildungs- nachweise werden von den Hörern nicht verlangt. Die Kurse sind jedermann zugänglich. Alles Nähere ist durch das Sekretariat der Jenaer Ferienkurse Jena (Thüringen), Carl-Zeiß-Plaß 15 (Volkshaus), zu erfahren.
** Wegemarkierungseinrichtung zur Wahlpropaganda mißbraucht. Wie uns aus Kreisen des Gießener VHC. mitgeteilt wird, ist die weiße Grundierung der im Entstehen begriffenen Wegemarkierung von Gießen nach der Theodorsruh auf der Strecke vom Stellwerk bei den Gailfchen Tonwerken bis zur Schutzhütte in gröblichster Weife zu Wahlvropagandazwecken der SPD. mißbraucht worden. Als man gestern abend an der Markierung weiter arbeiten wollte, mußte man feftfteUen, daß die weiße Grundfläche auf der oben bezeichneten Strecke Stück für Stück mit den roten Werbeetiketten der SPD. mit drei Pfeilen beklebt war. Da diese Etiketten mittels der Gummierung fest angebracht waren, bleibt keine andere Möglichkeit als das Abkratzen der Zettel und völlige Neuherstellung der weißen Grundflächen. Dadurch entsteht nicht nur unnötige Arbeit und vermehrter Kostenaufwand, sondern auch eine weitere Verzögerung in der Fertigstellung der Wegemarkierung. Leider konnten die Schmierfinken, die ihre Finger nicht von einer gemeinnützigen Einrichtung zum Besten der ganzen Bevölkerung lassen fonnt-n, bisher noch nicht ermittelt werden. Man muß es entschieden verurteilen und bedauern, daß noch nichl einmal derartig gemeinnützige Einrichtungen vor dem Fanatismus rabiater Parteileute sicher find.
** Hugenberg spricht heute im Rundfunk. Wie im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben wird, spricht heute abend der Führer der Deutschnationalen. Dr. Hugenberg, im Rundfunk.
" RODAP. und Kriegsopfer. Die Kreisleitung Gießen der RSDAP. bittet uns um die Veröffentlichung folgender Zuschrift: „Anter der Aeberschrift „Protest der Kriegsopfer. Gegen den Rentenabbau" brachte der „Gießener Anzeiger" am Dienstag, 26. Juli, einen Versammlungsbericht von einer Kundgebung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Zu diesem Artikel möchten wir wie folgt Stellung nehmen: Der Titel ist dazu angetan, viele Kriegsbeschädigte insoweit irrezuführen, als sie glauben könnten, daß es sich um eine Kundgebung von Kriegsbeschädigten aller Parteischichten handeln könnte. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten vertritt lediglich die Kriegsopfer links eingestellter Kreise, während der größte Teil der Kriegsbeschädigten wohl in den Reihen unserer Bewegung Seite an Seite mit Adolf Hitler steht. Die Rede des Vorsitzenden des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, vielleicht etwas beeinflußt durch die Anwesenheit des Oberregierungsrats Ritzel, enthielt derartig unerhörte Angriffe gegen unsere Bewegung, daß es schier einer Protestkundgebung des Kampfbundes gegen den Faschismus glich. Wir Rationalsozialisten können mit Stolz feststellen, daß der größte Teil aller Kriegsbeschädigten Anhänger unserer Bewegung geworden ist, 1. weil sie 14 Jahre lang demokratische Arbeitsmethoden studiert haben und nicht mehr Demokraten sein wollen, 2. weil sie wissen, daß nur Adolf Hitler sie und unser Vaterland aus Rot und Elend erretten kann, und 3. daß dann auch endlich bad wahr werden soll, was 14 Jahre lang nur Phrase war: Der Dank des Vaterlandes fei euch gewiß!"


