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6.
Ur. 49 Zweiter Blatt
Tietzener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gderhesfen)
Samstag, 27. Zebruar 1952
Oeuischland-Irankreich, die Grundfrage der europäischen Zukunst.
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M.
QBerkn wir einen kurzen QMtd auf die Politik England- und Italiens, um zu brauchbaren Endschlüsjen mi tommen. ES ist nicht der geringfte Grund dafür vorhanden, anzunehmen. daß England feine traditionelle Politik den europäischen Ländern gegenüber aufgegeben habe. Ich habe schon in meinen an dieser Stelle im Jahre 1930 verösfentlichten Aussätzen daraus h.ngewiesen, daß die Schaffung einer polit schen R or d-Süd- achse sEngland- Deutschlands-Italien) im Falle eine« Krieges mit Frankreich und seinen Trabanten Deutschland der glatten Verwüstung auS- sehen würde. Ich halte eS - nach wie vor — für unsagbar gefährlich, mit einer solchen Konstellation auch nur von Feme zu liebäugeln — ich holte eS aber für noch viel gefährlicher, zu glauben, bafj auf England oder Italien ein absoluter Verlad sein könnte. Beide Länder sind in ökonomisch schwieriger Lage. Beide sind zu größter Relativität in ihrer Außenpolitik gezwungen. Rur ein Kind kann glauben, England könne sich den LuxuS einer offnen antifranzösischen Politik mit KriegSperspektive leisten. Und nur ein ■Jlarr nimmt an, England habe ein ecnsthas - teS Inckc resse an einer Wiedererstarkung Deutschlands, welche dieselbe wirtschaftliche Konkurrenz wiederherstellte, die eS sich eben erst durch den Krieg vom Halse geschasst hat. England hat lediglich fein Interesse an einem ruinierten Deutschland. In dieser negativen Formulierung ist die gesamte englische Politik gekennzeichnet. Aus mehr zu hossen. wäre Wahnsinn: doppelt Wahnsinn angesichts der prekären Lage Englands, dessen Wirtschaft weniger wie je eine starke Konkurrenz ertrüge. Wir wollen abwarten, wie Englands Haltung aus der im Juni zusammentretenden Konferenz von Lausanne fein wird, auf welcher Formel eS sich mit Frankreich in der Frage der Reparationen einigt — ganz zu schweigen von seiner Haltung auf der Abrüstungskonferenz von Gens. England wird sich — bei seiner heutigen Lage — nirgends sestlegen: um so weniger. alS eS ja gar nicht weist, welche Heber- raschungen ihm noch der Feme Osten bereiten und zu welchen Schritten es daS japanische Vorgehen zwingen wird. Also: toenn England einmal in einer Frage unser Freund ist: so beweist daS gar nichts! Rur Phantasterei kann darin mehr sehen wollen alS das eben gerade Seiende.
Alnd Italien? Genau das gleiche, mutatis mutandis. Gympath sieren mit der Hlllerbewegung ist feine Grundlage, auf der praktische Auhen- politik getrieben werden kann. Unb kein gebildeter Italiener, der ein wenig Kenntnis von den deutschen Verhältnissen und der deutschen Psyche hat. wird glauben, dast der deutsche Mensch jemals eine rein italienische nationale Lebensform — das ist der Faschismus — für sich selbst übernehmen würde. Dazu sind alle Voraussetzungen viel zu verschieden — und viel zu verschieden auch ist d»e deutsche Ausgabe innerhalb des europäischen KrästespieleS. vor allem auch des geistigen. Auch die italienifdx? Politik laviert — must lavieren. DaS ist ihr gute« Recht, liniere Pflicht aber ist es, das Kind bei seinem (Hamen zu nennen und keine Hossnungen zu nähren, die nicht erfüllt werden können. Die italien-sche' Freundschast ist uns lieb und angenehm: in der Politik aber gilt die Frage, waS sie uns wert ist im Vergleich zu anderen Werten. Run: sie will den österreichischen Anschlust nicht, und sie rührt sich in der Korridorsrage nicht, geschweige denn in der Frage der Kolonien. Sie ist in der Repa- rationssrage auf unserer Leite, ihrem Interesse entsprechend, und sie sordert, ohne jede Aussicht
Gießener Konzertverein.
Zoh Leb. MUtstäuc-Pas io 1.
Unter den Solisten in Bachs Matthäus- Passion fällt dem Evangelisten eine ausschlag- gebende Rolle zu, da er mit seiner Partie die jeweilige Situation festlegen must, aus der die betrachtende Musik erwächst. Die Partie stellt ungc mein hohe Anforderungen an die Gestaltungskraft, um die ständig wechselnden, in sich fortschreitenden Ereignisse treffend zu charakterisieren. Mar Meili (München) ist für diese Ausgabe ganz besonders prädestiniert. Neben der bewunderungswürdigen Leichtigkeit in der Beherrschung des Stimmtcch- Nischen, selbst in den schwierigsten Höhenlagen, Der- mag er mit starker suggestiver Straft die einzelnen Situationen schlaglichtartig zu erhellen. Er hält sich ebenso frei von extrem betonter Dramatik wie von der f)croorfebrung naturalistischer Momente. Seine vornehme, durchgeistigte Art des Situationserlebens basiert auf einen, besonders stark pulsierenden lyri- schen Einschlag und fesselt durch den Adel der musikalisch.geistigen Erfassung. Dem gesanglichen Stil des Eoangelistenparts vermochte er eine gänzlich andere innere Einstellung in der Arie gegenüber- treten zu lasten: aber auch hier war fein Ton schön, überaus nachgiebig und stets organgemäst.
Erich Meyer-Stephan wußte in der Erfassung der Jesus-Partie dem oft begangenen Fehler des Verfallens in Pathos zu entgehen. Für ihn war die innere Hingegebenheit und religiöses Erleben die Grundlage für die Durchgestaltung. Trotz der schönen stimmlichen Leistung würde es doch ratsam erscheinen, der Durchbildung der Hohe noch ganz besondere Aufmerksamkeit zu zuwenden.
Ruth Arndt bewies auch diesmal wieder die oft an ihr gerühmten Vorzüge Ihren strömenden voluminösen Alt stellte sie mit feindifferenzierender Modulationssähigkeit in den Dienst ihres grosten Gestaltungsvermögens. Die Durchführung der Arie „Erbarme dich" liest ebenso gesangliches Können bewundern, wie die Arioso-Sätze die innere Verbundenheit mit der jeweiligen Situation erkennen ließen.
In Margarete von W i n t e r s e l d t lernten wir eine Sopranistin mit einem sehr sympathisch gefärbten Organ kennen, bie die ihr Anfallenden Aufgaben in hoch musikalischer Art mit mystisch ergebener Versunkenheit erfüllt. Leider erfchicn ihre Stimme im Xkbcrgang zur Höhe nicht frei und besonders behindert bei längeren Bindungen in der ilcbcrgangdlagc.
Aniversitätsmusikdirektor Dr. Stefan Tem e s- pari) hatte sich einen grosten homogenen (Shor-
auf Erfolg, Abrüstung, was uns theoretisch nur passen kann. — So sieht es um unsere beiden .Bundesgenossen" und ihre Politik au«
Aber es sieht noch anders aus. Denn es soll niemand glauben, dast Frankreich die Hände in den Lchoh legt und die Dinge emsach ihren Laus nehmen Iaht. Ganz im Gegenteil Die französische Werbearbeit um England sowohl wie Italien ist in den Kulissen ganz beträchtlich. Wahllos sind die politischen Stimmen, welche angesichts des völlig unsicheren Deutschland - eine rasche und eneraische Wiede rherstellung der alten Entente fordern alt beste Garantie für die Erhaltung deS europäischen Frieden«. Auch in diesem Salle ist es billig, die Achseln zu zucken und zu sagen, dast eine solche Konstellation niemals wiederkehrt. Sie kann rascher wiederkehren, als eS sich die Schulweisheit deutscher Ideologen bäumen läßt — und sie wird sogar bestimmt wiederkehren, wenn die deutsche Austenpolitik irgendwelcher Regierung — heiße der Kanzler nun Brüning oder sonstwie — eine methodisch unkluge oder falsche Politik triebe.
Die Bunde-igenosfenschast England« oder Italiens ist also eine sehr fragwürdige Angelegenheit. Sie kann als a b s 0 1 u te r Wert In ber deutschen Kalkulation keinerlei Rolle spielen Deutschland ist, mag es auch heute viele Sympathien in der Welt haben, im Grunde allein. DaS ist vielleicht eher ein Vorteil als ein Rachteil, sofern e« die Sympathien, die eS besitzt, richtig auszunuhen und spielen zu lassen versteht. 3e deutlicher eS sein großes Ziel der Befreiung, der wirtschaftlichen Sanierung und der politischen Rehabilitation im Auge behält, je unprogrammatischer eS zu Werke geht: desto besser wird eS Doranfommen. Aber je lauter es seine Stimme am unrechten Ort erhebt, um so lauter auch werden die Gegenstimmen sich bemerkbar machen.
Welches ist nun daS Ergebnis dieser Darstellung?
1. Die deutsch-sranzäsische .Verständigung" ist im Augenblick auf dem Rullpunkt angekommen.
2. Die deutsch-sranzös.schen Beziehungen müssen wieder auf einen Punkt gebracht werden, von dem aus eine neue Annäherung möglich ist. Das Wort .Verständigung" ist aus dem Spiel zu lassen, da es dauernd zu Mißverständnissen Anlaß gibt Es handelt sich nur darum, einen erträglichen „m o d u s v i v e n d i“ zu finden.
3. Ohne unbedingt zuverlässige und auch realpolitisch wirksame Bundesgenossenschaslen ist jede brüskierende Politik Frankreich gegenüber zu unterlassen. Der deutsche Revisionsgcdanle und Revisionsstandpunkt ist unverändert aufrechtzuerhalten, die Methoden seiner Verfechtung aber Haven wirklich politische und nicht demonstrative zu sein.
4. Dem französischen Sicherheitsbedürfnis ist das deutsche Verlangen nach Sicherung entgegenzustellen. Man soll so wenig wie möglich von .Ausrüstung" an und für sich reden, indem man sich auf die Gleichberechtigung beruft: sondern von der unerläßlichen Rotwendigkeit praktischer Sicherungsmöglichkeit: Deutschland ist tatsächlich nicht gesichert.
5. Man soll die Sragen der territorialen Revision des Versailler Vertrages nicht mit denen der Reparationsstreichung gleichzeitig aus den Tisch werfen. Diese sind zunächst wichtiger al- jene. Außerdem ist zu sagen, daß Deutschland kein Interesse hat an einer allgemeinen territorialen Revision. Es hat mit dem neuen Rumänien und dem neue n Jugoslawien gute klangkörper gebildet, der den ihm gestellten Aufgaben in jeder Hinsicht voll gerecht zu werden vermochte. Ungemein stimmungsstark wirkte sich der Schlußchor aus: in großzügiger Weise, erfüllt vom starken Impuls der Erregung, baute er den Eingangschor auf. Hier wie auch in der Choralphantasie am Schluß des ersten Teiles hätten noch reichlichere Schattierungen die Wirkung bedeutend gehoben. Bei den Chorälen legte er mehr Gewicht auf daS Ausschwingen der Grund- ftimmung alS auf die Sinzeiinterpretation des Textes. Der Choral .Wenn ich einmal soll scheiden" wurde zu einem Akt religiösen Erschauerns. Der Knabenchor ging bei der durchaus präzisen Durchführung des Cantus firmus im Eingangs- chor und in der Teilnahme an dem Choralgesang in der stimmlichen Stärke weit über die Grenzen hinaus, die im Interesse des schönen Klanges und mit Rücksicht auf die jugendliche Stimmkraft geboten find. Das Orchester gab sowohl als Ganzes als auch in den teilweise ausgezeichneten Sollstenle.stungen Iden Solo-Diolinpart hatte Wilhelm Schöttler übernommen) mit seinem Eingehen auf den Willen deS Dirigenten dem Gesanglichen sichere Grundlage und klangliche Verklärung.
Mimi Dock (Klaviers zeigte dem Evangelisten gegenüber sehr seines musikalisches Anpassungsvermögen. wie auch Joh. R e b e l i n g an der Orgel die klanglichen Akzente verstärkte und die einzelnen Grundstimmungen in der Auswirkung trefflich unterstützte.
In Anbetracht des großen und vielseitigen Klangkörpers, der pünktlich zur gegebenen Anfangszeit zur Stelle sein muß, erscheint die Forderung nicht unberechtigt, daß auch die Hörer dementsprechende Pünktlichkeit beachten. Dr. H.
Historisches vom Papier.
In unserem ..papierenen" Zeitalter hat man auch die Geschichte dieser Erfindung, die das Gesicht der Kultur so vollkommen veränderte, gründlich ausgehellt. Wir kennen heute sogar den "Kamen des Erfinders, wie Professor Löfsler in einem die Geschichte des Papiers behandelnden Aussatz des Buchhändler-Börsenblattes hervvr- hebt. Es war der chinesische Ackerbauminister Tsai Loung ober Tsai-Lun. der dafür im Jahre 105 n. Chr. die höchste Auszeichnung erhielt. In den Annalen der späteren Han-Ä)nastie toirb darüber berichtet „Bon altersher nahm man für Schriftstücke vielfach BambuStafeln. die man zusammenband Die Verwendung von Seiden
Handelsbeziehunyen, kraft derer c« die franko- hM)c Südvstpolitik wirksam balancieren kann.
t Wan soll der deutschen Jugend klarmachen, daß in Frankreich eine neue Jugend heranwächst, welche begriffen hat. daß der Hebe Gott nicht Franzose ist. Wan toll der deutschen Jugend sagen, daß es erst ihre Ausgabe sein wird, das deutsch-sranzösische Verhältnis auf einen ganz neuen Generalnenner zu bringen. Man soll ihr sagen, daß Geschichte nach vorwärts und nicht nach rückwärts gemacht wird — und daß also, wer berufen i st. w i e die deutsche und französische Jugend, Geschichte großen Stils nach vorwärts zu machen, e« endlich lernen muh. der Bergan- genenGeschichte und ihrenverbrauch- ten Ariomen den Rücken zu lehren! Sort mit Dergleichen, die hinken, fort mit Berufungen auf Werte, die keine Geltung mehr haben. Die Losung heißt Morgen und Uebermor- g e n : aber^ nicht mehr Gestern und Vorgestern?
7. Den Franzosen gegenüber: klare, einfache Haltung. Schluß mit Ra^e- und Revarchegeschrei. aber bestimmteste Ablehnu ng vonDer- sai11eS. vor allem Ablehnung de« Geiste« der DersailleS geschaffen bat. Ablehnung heißt nicht unfluge Zerreißung oder Kündigung, welche dem Selbstmord gleichkämen. Schluß mit dem ganzen Literatengewäfch der geistigen Kollektiv- Verständigung: So etwa- gibt c« nicht und hat eS noch nie gegeben. Die Grenzen so weit offen wie nur möglich: den Au-tausch so intensiv wie
möglich. Aber unerbittcrt Schluß mit offiziellen Ausfprachen und Debatten, bet denen nicht- her- auskommt. Die Sprachen lernen und gut lernen' Damit Jugend mit Jugend von Person zu Person sprechen kann.
8. Immer da- Entscheidende wissen: Deutschland und Frankreich sind nicht anal eich da re. sondern komplementäre, sich ergänzende Werkel Ader keine internationalen Verwaschenheiten sondern nationale Klarheiten. Der Deutsche sei deutsch — und der Franzpfe französisch aber beide mögen wissen, daß sie da« Salz von Europa sind — und daß nur ihre friedlicheKoordination Europa retten kann. (Sin Blick nach Ostasien genügt, um darzutun, welcher Brand sich da entzünden kann. Weiß einer, w i e weit westwärts seine Flammen schlagen können?)
9 Sich immer darüber klar sein, daß nur die eine« Tage« sich schließende europäische Einheit noch eine Garantie für die nationalen Einheiten bieten kann, welche Europa bilden. Die Wclt- gefchichte ist schon längst heimlich in kontinentale Dimensionen hineingewachsen. Wer die« übersieht, kann keine in die Zukunst greifende Politik treiben; kann auch feinem Lande kein wirklicher Leiter sein. Die europäischste Begabung auf unserem Kontinent hat der Deutsche. Sei er sich doch dieser unerhörten Stärke bewußt! Rutze er fie: für bic beut,4e Ration?
Aus der pwvinziashauptstadt.
Gießen, den 27. Februar 1932.
Vorfrühling.
Das sind merkwürdige Tage, die uns Heuer im Februar beschert werden. Die Sonne wirkt schon mit ihrer Straft, daß sich überall das junge sprossende Leben regen will. Aber bei ganz klarem Sternhimmel bringt uns die Nacht noch solche Kälte, daß wieder alles stille steht. Bei Tage haben wir den Frühling in Händen, nachts aber herrscht der strenge Winter.
Auf der Eisbahn tummelt sich groß und Nein im warmen Sonnenschein. Man legt die Oberkleider ab. Die kleinen Kinder lassen sich von niemand irre machen in ihrem Spiel. Sie kennen nur den Tag, die kalten Stunden der Nacht zählen für sie nicht. Schon lange haben sie ihren Ball hervorgeholt, lallen den Kreisel tanzen, schießen mit ihren Murmeln und gehen stolz auf ihren neuen Stelzen.
Auf den Landstraßen sausen Autos vorüber. Staub wirbelt auf. Blauer Himmel leuchtet über der schlafenden Erde. Schon wagen alte Männlein und Weiblein in weißem Haar ihren ersten Ausgang. Wunderbar weht es vom Walde her. Es duftet nach frischem Grün, nach schwellenden Knos- pen. Unter dem welken Laub will sich neues Leben gestalten. In den Gärten läuten die Schneeglöckchen den Frühling ein.
Die Stare sind da. Als erste Sänger versuchen sic ihr kleines Liedchen, es will aber noch nicht recht gelingen. Die Amseln schweigen noch. Aber nicht mehr lange. Wenn erst die Lerchen zurückgekehrt sinh und ihre hellen Triller ertönen lassen, dann werden bald alle Sänger mit einftimmen.
Jetzt aber sind es noch scheue, zagende Tage. Irgendwo fühlen wir im Herzen, daß nun bald eine neue Zeit beginnt. Das Schwellen und Wachsen in der Natur draußen regt an.
Der Winter zeigte sich heuer noch nicht recht von der rauhen Seite. Mild und regnerisch verflossen die Tage. Nun hat er sich doch noch im Februar auf fein Recht besonnen. Aber wir glauben nicht mehr an seine Stärke. Die Sonnenstrahlen sind schon zu mächtig. UeberaU regt es sich in Wald und Flur, wenn auch dem oberflächlichen Zuschauer kaum bemerkbar. Neues Leden will an das Tageslicht. Die Wintersaat leuchtet schon frisch in den sonst so kah- len Feldern. Nicht lange roirb's dauern und die ersten Gänseblümchen werden am Wegrand er- scheinen.
stücken dafür nannte man Papierbereitung. Aber die Seidenstücke waren au teuer und die Bambus- tafeln zu schwer. So faßte Tfai-Lun den Plan, aus Baumrinde, Hans, Lumpen und Fischnetzen Papier zu bereiten. Im Jahre 105 berichtete er darüber dem Kaiser, und dieser lobte seine Fähigkeiten. Seitdem wurde das Papier allgemein gebraucht, und im ganzen Reiche nannte man es ..Papier des Tsai-Lun". Das älteste erhaltene Papier, das von Sven Hedin in der chinesischen Ruinenstadt Lou-Lan ausgefunden wurde, stammt aus der Zeit von 180 bis 200 n. Chr. Die Kenntnis der Papierbereitung kam von China aus durch Kriegsgefangene nach Westen ins arabische Gebiet. Die erste Papierfabrik des Islam wurde im Jahre 751 in Samarkand errichtet. Harun al Raschid schus 794 95 eine staatliche Papierfabrik in Bagdad. In Kairo packte man schon im Anfang des 11. Jahrhunderts alle Waren in Papier, und bald war es auch in Persien und Indien eingebürgert. Das chinesische Papier wurde aus versilzten Pflanzenfasern hergestellt. Die ostturkestanischen Papiere des 4. und 5. Jahrhunderts sind ein Gemenge von rohen Bastsasern aus der Rinde verschiedener Pslanzen. Das Hadem-Papier ist eine chinesische Erfindung, die von den Arabern verbessert wurde. Die Rohstoffe wurden, ursprünglich wohl in Mörsern, zerkleinert; aus den Fasern und dem barübergegoffenem Wasser entstand ein dicker Drei, aus dem das Papier mit einem Draht- rahmen geschöpft wurde. 3m 12- Jahrhundert gelangt da- Papier durch die Araber nach Spanien und Frankreich, um 1270 nach Italien. Süddeutschland bezog die Ware lange auS Italien. Horb- und Westdeutschland aus Burgund und Frankreich. Die älteste deutsche Papiermühle ist mit voller Sicherheit erst in Nürnberg 1389 nachzuweisen. Die .Papiermühlen" wurden mit Wasserrädern betrieben, die ein Stampswerk in Bewegung setzten, das den Hadem- Stoss zermalmte Diele Stampfmaschinen wurden durch den Holländer" ersetzt, der 1670 in Holland erfunden, 1718 nach Deutschland eingeführt wurde. Auch das ^Schöpsen" wurde durch eine maschinelle Einrichtung übernommen, nämlich die endlose Siebmaschine, die der Franzole Louis Robert 1799 schuf. Die Verwendung von Holzschliff statt Lumpen wurde schon ums Jahr 1760 von dem Regensburger Pastor Schäffer vorgeschlagen, der durch die Beobachtung von Wefpen- ncftern dazu angeregt war, aber verhöhnt wurde, und so mußte die Erfindung 1840 zum zweiten Male von Friedrich G. Keller gemacht werden.
So wird bat menschliche Herz ogn einer neuen Hoffnung, einer neuen Zuversicht erfüllt. Salb ist ber Winter vorbei, bessere Tage kommen.
Im Februar werben bie Tage wieder klar, drängt sich bie erste Bläue vor, kommen bie halben Amseln bang, schwillt um bas bunkle Friedhosstor tiefer, weißer Schneeglockengefang.
Im Februar werben bie scheusten Träume wahr, Weibenrutcn lohen ins Land, Äinber wandern seltsam betört, Haseln wehen vom Wiesenranb, unb mein Herz ist selig verstört ...
G. B. L. Bäte.
Feierliche Eidesleistung.
Diese Woche brachte in ben hessischen Gerichtssälen eine bemerkens- unb begrüßenswerte Neue- runy.
D,eStrafprozeßorbnung enthält über bieCE ibeste i ft u n g nur bie Vorschrift^ baß ber Eib — nach vorhergehenber Belehrung über seine Heiligkeit unb Wichtigkeit — burch Nachsprechen ber Eidesformel unter Erheben der rechten Hand geleistet wird. Es hatte sich bie Sitte eingebürgert, baß ber Gerichtsvorsitzende, unb nur biefer, sich babei von feinem Sitz erhob; alle übrigen Anwesenben bereiten Platz. Diese geringe Feierlichkeit hatte zur tfolge, bah bie Eibesabnahme im Saal wenig beachtet unb burch bie besonbers in großen Sitzungen nie ganz zu oerineibenbc Unruhe unb Unaufmerksamkeit beeinträchtigt würbe.
Dieser Uebelftanb wirb burch einen, wie wir hören, von bem hessischen Iustizminister ausgehenden Erlaß an bie Gerichte beseitigt. Schon vor längerer Zeit war von bem Ministerium verfügt worben, baß ber Borsitzenbe sich bei ber Eidesleistung mit dem Amtsbarett zu bedecken habe; f nunmehr ist vorgeschrieben, daß alle Gerichts- Personen, Richter und Urkundsbeamte in den Zioilsitzungen, und an den Strafgerichten die Laienbeisitzer und der Staatsanwalt sich erheben unb ber Eidesleistung stehenb beiwohnen. ’ W'e sich von selbst versteht, gilt bics auch für bas 1 Publikum. Auf biefe Weise erhält ber Eid, das * feierliche Versprechen, die reine Wahrheit zu sagen, I nichts zu verschweigen unb nichts hinzuzusetzen, i bellen Bruch mit Zuchthaus bebroht ist, auch äußer- 1 sich die ihm gebührenbe Wichtigkeit.
Diese in anderen beutschen Bunbesstaaten be-
Hochschulnachrichten.
Professor vr. jur. Hermann Heller Q\.^5 ^mversität Berlin bat einen Ruf a's ProfeUor für össentliches Recht an die Universität Frankfurt a. erhallen.
Professor Dr. Robert Pohl in Göttin- nn n 2tuf _auf den Lehrstuhl der Physik S/w?eLalnXe?ltat Heidelberg als Roch- gelchnt.^ ®^imcn *at« Prof. Lenard ab- ntifec^b!rladuS b-r Archäologie an der llmoer. BiPihJOn.,?sbcr0 - Dr. Richard Schweitzer, v7nlbet 15'nen Antrag zum 31 Marz 1932 aus
^ub'schcn Staatsdienst ou^. Er folgt einem -Kufe nach Leipzig.
Eskimo-Entführung.
Sine romantische EntführungSgeschichte wird au« dem höchsten Rorden Kanadas gemeldet. Ein junger Eskimo liebte die Tochter eines Häuptlings der mit seinem kleinen Stamm an der Küste von. Hudson-Bay in der SiSwüste lebt Der gestrenge Papa wollte aber dem jungen Menschen, der noch kernen Einfluß und kein Vermögen besaß, sein Kind nicht fürs Leben anvertrauen. Rur heim- llch konnten sich die Liebenden treffen und ihre vlanc für die Zukunft schmieden. Sie warteten, WS sie emeS TageS sicher sein konnten, daß der Schnee ihre Spuren nicht verraten würde. Dann Liebhaber ganz heimlich seinen Hunde- Wllttten an brachte ihn bei Rächt nach einem versteck, unbeobachtet von den übrigen, die Braut Wubfte auS dem väterlichen Schneehaus, eilte
Hf ^obredeten Stelle, und sort ging eS so Iqjnell, als die mächtig ausgreifenden Hunde lau- SÄ" ,,d> die Liebenden auf eine Fahrt die 800 Kilometer well nach dem kanadischen Hafen Churchill an der Hud- Ä LDlIle ?ber das Glück war diesmal den Liebenden nicht hold. Sie gerieten in Schneesturm, der Stunden um biteU’£üi.n2rh Un? ^6° an der Küste tobte, und lUten furchtbar durch Kälte und Er- Eich nach einer Reise von 14 Tagen gelangten sie glücklich nach Churchill l!™^ Lebensmittel vollständig aulge-
bä^ihHin^h^c LanZ)Cn lie einen Eskimo- Häuptling, der sie nach dem Brauche ihres Volkes hnn« TfH?flabx, der Fluch des allen Häupt- Rückkehr zu ihrem Stamme un- ÄÄ.’Mri,€n "c in -5t Dutch.


