Ausgabe 
25.12.1932 Erstes Blatt
 
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Nr 305 (Erft?$ Matt

182. Zahrgang

Sonntag, 25. Dezember 1952

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein unbfür henfUn» zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Gieren

Das Wunderber Weihnacht.

Don D. veinrichBornkamm, o. ö. profeflor der Theologie an de Landesuniversitäi, Gießen.

3n den letzten Wochen haben sich Hunderte aus unserer Stadt durch das Drama Bjärnfonslieber unsere Straft" erschüttern lassen. Auch wer es nicht gesehen oder gelesen hat. versteht den ganz ein* fach.'n Gedanken, den es ausspricht. Wäre nicht der furchtbare Widerstreit zwisichen Glauben, Zweifel und Nichtglauben, in den der Mensch von der Got- tcsbotschaf! gestürzt wird, mit einem Schlage zu lösen, wenn Gott sich 'M Wunder so bezeugte, daß niemand mehr zweifeln kann? Der glaubensmäch- tiac Pfarrer des Dramas hofft mit ganzer Leiden­schaft aus das Wunder und fleht es herbei, alle warten darauf: Und es scheint zu kommen. Seine jahrelang gelähmte Frau erhebt sich und geht. Aber nach einigen Schritten bricht sie tot zusammen. Dem Mann entringt sich die letzte hilflose Frage, an der er stirbt:Aber so war es doch nicht gemeint oder?" Der Versuch, Gottes verschlossene Hand zu öffnen und zum Schenken zu zwingen, ihm sein Ge­heimnis zu entreißen, hat den Menschen, die ihn unternahmen, das Leben gekostet und alle anderen um so tiefer in den zerstörenden Zweifel gestoßen.

Wer verstünde nicht das leidenschaftliche Verlan­gen, das zu diesem Versuch führte? Wer hätte nicht schon mit dem Propheten gewünscht:Ach, das du den Himmel zerrissest und führest herab?" Irgend eine unzweifelhafte Vergew.sserung wie gerne würden dann viele glauben! 215er der Himmel zer­reißt nicht, sondern bleibt ehern verschlossen. Nur die Erde sche.nt immer tiefer zu zerreißen. Wie aus den Spalten einer vulkanischen Landschaft dringen immer dichtere Giftdämpfe hervor und verpesten die Weit mit Haß, Lüge und Mißtrauen. Und die Menschheit zerreißt immer tiefer. Völker sind auf* gestanden gegen Völker, Stände gegen Stände, Söhne gegen Väter, die Maschine gegen den Men­schen. bet Mensch gegen das Tier. Es scheint von Jahr zu Jahr schwerer, Weihnachten zu feiern. Das Weihnachtswunder rückt, so scheint es, von Jahr zu Jahr ferner vor der harten Wirklichkeit der Welt. Dav Hamlet-Wort:Die Wett ist aus den Fugen" wird immer wahrer; ganz buchstäblich: aus dem Gefüge der festen Ordnung. Sie hat ihr Gleichge­wicht verloren und segelt dahin wie ein Schiff mit verschobener Ladung. Fast waffenlose und bis an die S gerüstete Völker wohnen nebeneinanber. Der rom der Welt staut sich an einigen wenigen Stellen, während er in anderen Ländern nahezu versickert. In großen Getreideländern wird über produziertes Getreide verbrannt in Rußland und China verhungern Hunderttausende: Arbeits­überlastete Menschen sind am Zusammenbrechen, Millionen ihrer Volksgenossen sehnen sich seit Jahren wenigstens nach einem bescheidenen Maß regel­mäßiger Tätigkeit. Sie können nicht tauschen, was jeder von ihnen im Ueberfluß hat, Arbeit und Zeit. Reinster Wille paart sich so oft mit der Unfähigkeit, ihn zur Tat zu gestalten, während niedrige Gesin­nung sich ungewöhnlicher Gaben bedienen darf und den Triumph davonträgt. Der Friede wird von denen am meisten im Munde geführt, die das ge­ringste Recht dazu haben. Das Sehnsuchtswort der Menschheit wird zur Waffe, mit der die brutale Ge­walt sich sichern und verewigen möchte.

In der Tat, es ist eine aller natürlichen Ord­nungen beraubte Menschheit, eine aus den Fugen gegangene Welt. Wunder, die wieder Zutrauen zu Gottes Weltregiment begründeten, machtvolle Wen­dungen, herrliche Fügungen scheinen, je länger der Mensch dem Treiben der Welt zusieht, um so ferner. Was er etwa dafür gehalten hat, wird wieder aus­gelöscht durch nachfolgenden Zweifel, und seine Not wird nur tiefer. So wird es immer schwerer, Weih­nachten zu feiern. Die Freude, die wir uns gegen- feit a bereiten, kommt uns fast wie ein Unrecht vor inmitten des Leides der Menschheit. Der Lichter - glanz und Kinderjubel erscheint uns immer schwä­cher gegenüber der Dunkelheit in ungezählten Her­zen und Häusern. Die Wärme, die bas Fest aus* strahlt, vermag ben Eishauch ber Not immer we­niger zu vertreiben.

Und doch: wenn wir das Christentum nur recht verständen, sollte es immer leichter werden, Weih- nachten zu feiern. Denn das Christentum weiß es längst, daß die Welt so aussieht, wie die Mensch­heit sie in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach glücklicheren und freundlicheren Vorstellungen, die sie sich von ihr gemacht hatte, wieder anzusehen ge­lernt hat. Für eine solche Notwelt war von Anfang an seine Botschaft berechnet. Es hat Weihnachten nie bringen wollen als ein gemütvolles Familien­fest und als unvergleichliche Umsatzgelegenheit. Dar­um weiß es in allem Ernst der schweren Hand Got­tes zu danken, daß sie all das begleitende Weih- nachtsbeiwerk bei Seite rückt und es angesichts der Rot so kraftlos macht, wie es aus sich selbst ist. Lichter und Lieder, Gaben und Kindheitserinnerun­gen können nur als Spiegel hinter dem Licht stehen, bas von dem Kind in der Krippe ausstrahlt. Rückt man sie davor, so verlieren sie ihren Glanz, und nur ber Mensch spiegelt sich in ihnen. Wer nichts von dem echten Weihnachtslicht weiß, zeigt nach einer kurzen Freuden stunde man kann das beobachten bald wieder fein verarbeitetes ober mißmutiges Alltagsgesicht und lernt von Jahr zu Jahr immer sch'echter Weihnachten feiern Im Sturm der Not aber verfliegen ihm jene abgeleiteten Freuden wie welke Blätter. Vielleicht ihm zum Segen. Denn nun ist ber Blick mieber fr ei gegeben auf das wirtliche Deihnachtsgeschehen und er ist gefragt, ob er sich die Augen dafür öffnen lassen will ober nicht. Das Christentum weiß sehr wohl, daß Gott sich nicht mit unzweifelhaften Beweisen bestätigt. Ja, wenn er eine so unbestreitbare Gegebenheit wäre, daß es Torheit erschiene, sich seiner nicht zu bedienen, wie man sich der Schwerkraft ober ber Elektrizität be»

Notwerk der deutschen Lugend.

Ein Weihnachtsaufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung zur Hilfe für jugendliche Erwerbslose

Berlin, 24. Dez. (TU.) Der Reichspräsident und ble Beidjsregierung erlassen folgenden Ausruf:

Die flöt ber Arbeitslosigkeit lastet schwer ge- robe auch auf ber beuIschen 3 u g e n b. Weber Arbeitsbeschaffung noch Arbeitsbienst können oer- tjinbern, bah mit dem Anbruch bes Winters fjun- terttausenbe junger Deutscher mit bem Schicksal ber Arbeitslosigkeit unb ber Untätigkeit zu ringen haben. Darum rufen Reichspräsident unb Reichsregierung bas beutsche Volk am wechnachtstage zum Jl o t - werk ber beutfefjen 3 u g e n b auf. Das Rot­werk soll ber arbeitslosen 3ugenb Gelegenheit ;u ernstlicher beruflidjer Bilbungs- arbeit bieten unb ihr sonstige sinnvolle, geistige unb körperliche Betätigung ermöglichen. Ls soll ihr in verhinbung bamit täglich eine gemein­same warme Mahlzeit sichern.

Gemeinsinn unb Hilfsbereitschaft oller Teile ber Bevölkerung müssen in biesem Rotwerk Zusammen­wirken, um die arbeitslose 3ugenb körperlich unb geistig gefunb unb lebenstüchtig zu erhalten unb ihren Willen zur kamerab- schafllichen Selb st Hilfe zu stärken. Die frei­willigen Anstrengungen ber Bevölkerung werben ble planmäßige Unter st ühung bes Reiches erfahren. Die Reichsregierung stellt allen geeigneten Einrichtungen, insbesondere auch freiwilligen Kameradschaften junger Arbeitsloser, die sich in ben Dienst bes Rotwerks stellen unb es praktisch verwirklichen, Hilfe zur Verfügung. Sie sollen vor allem bie vorgesehene Verpflegung ermöglichen.

Die Förderung bes Rotwerks ber beutschen 3u- genb ist bem R e i ch s a r b e 11 s m i n i st e r über­tragen. Er wirb bie notroenbigen Anorbnungen treffen.

Berlin, ben 24. Dezember 1932.

Der Reichspräsibent: gez von Hindenburg.

Die Reichsregierung:

gez. von Schleicher, Reichskanzler.

Nie Durchführung.

Amtlich wird zu obigem Aufruf weiter er­gänzend mitgeteilt:

Das Rotwerk der deutschen Jugend, zu dem Reichspräsident und Reichsregierung aufrufen, wird auf Anordnung des Reichsarbeitsrnmisters durch die Reichsanstalt für Arbeits­vermittlung und Arbeitslosenver- sicherung durchgeführt. Für das Rot- werk stehen aus Reichsmitteln in dem laufenden Haushaltsjahr 9 Millionen Mark zur Verfügung. Hieraus dürfen Beihilfen sol­chen Einrichtungen und insbesondere auch solchen freiwilligen Körperschaften gewährt werden, die allein oder in Zusammenwirken mit anderen Stellen jugendliche Arbeitslose im Al­ter bis zu 25 Jahren außer zu gemein­samer Mahlzeit durchschnittlich minde­stens vier Stunden am Tage Zusam­menhalten. Hiervon sollen nach Möglichkeit zwei Stunden der beruflichen Fort­bildung dienen, die übrige Zeit soll sport­licher Betätigung und geiziger Bil­dungsarbeit gewidmet sein. Die Beihilfe soll so berechnet werden, daß höchstens, je nach den örtlichen Berhältnissen, 15 bis 25 Pf. für jeden Teilnehmer gewährt werden.

Sie haben regelmäßig zur Boraussetzung, daß sich auch andere private oder öffentliche Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und sonstigen Aufgaben des Rotwerks beteiligen.

Die Reichsanstalt für Arbeitsvernnttlung und Arbeitslosenversicherung wird die hiernach er­forderlichen Maßnahmen im eng st en Ein­vernehmen mit den Körperschaften, Berbänden, Bereinigungen und allen sonstigen Stellen einleiten und ÖUiujidpren, die sich nach ihrem Aufgabenkreis mit der Hilfe für die arbeitslose Jugend befassen.

Zur Förderung des Rotwerks sollen unverzüg­lich in den Betrieben aller Arbeitsämter Ar­beitsgemeinschaften gebildet werden, sie sollen unter Vermeidung überflüssiger Organi­sationsarbeit alle Stellen zusammen­fassen, die sich der arbeitslosen Jugend an­

nehmen: Reben den Arbeitsämtern vor allem die Gemeinden (Jugend- und Wohlfahrtsämter, Berufsschulen), die freie Wohlfahrts- und Ju­gendpflege (insbesondere Winterh Ife), die Geist­lichen und Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art, die Derufsverbände der Arbeitnehmer, die Arbeitgebervereinigungen usw.

Der Reichsarbeitsminister Hot sich an sämt­liche Landesregierungen sowie an die kommunalen karitativen Bereinigungen und son­stige in Betracht kommenden Spihenverbände ge­wandt und sie um Unter ft üt)ung des Rot- Werks und Mitwirkung bei seiner Durchführung gebeten.

Roosevelt unb Hoover kommen nicht zueinander.

Washington, 23. Dez. (WTB.) Gouverneur I Roosevelt drückt in einer Erklärung über die von Hoover gemachte Bemerkung, daß dem zukünf- | tigen Präsidenten eine gemeinsame Arbeit mit Hoover in den Fragen der auswärtigen Politik unerwünscht sei, sein Erstaunen aus. Roosevelt sagt: Ich bin von der Erklärung des Weißen Hauses überrascht. Es ist nicht nur für unser Land, sondern auch für die Lösung der Welt* fragen bedauerlich, daß die Erklärung abgegeben und öffentlich verlautbart ist, ich betrachte eine Zu­sammenarbeit in den auswärtigen Fragen als un­erwünscht. Ich habe Hoover vielmehr in klarer Weise na hege letzt, seine Vertreter zu einer vorläufigen Bearbeitung der schwebenden Fragen zu ernennen und habe gebeten. Über die Fortschritte die­ser Vorarbeiten auf dem Laufenden ge­halten zu werden Ebenso habe ich das Ange­bot gemacht, mich mit Hoover während der Zeit bis zum 4. März beraten zu wollen. Ich hoffe, daß dieses praktische Programm und dieses be­stimmte Angebot zu gemeinsamer Arbeit vom Prä­sidenten angenommen werden wird.

Im Staatsdepartement wurde bestätigt, daß in den Fragen der interalliierten Schulden, bes Han­delsvertrags mit Frankreich und der Weltwirt- schaftskonferenz keine neuen Schritte u n - ternommen werden sollen, bevor Roosevelt sein Amt antritt. Hoover und alle führenden Männer in seinen Ministeriensterben" am 4. März, so heißt es in der Erklärung, und für Europa hat es wenig Zweck, mit Leuten zu verhandeln, deren po­

litischer Tod in nicht viel mehr als zwei Monaten bevorsteht. Präsident Hoover geht heute auf längere Zeit nach Florida in die Ferien. Er enttzcht damit nicht nur der Notwendigkeit, am Neujahrs­tag das diplomatische Korps zu empfangen, sondern er braucht auch das stundenlange Händeschütteln mit Amerikanern nicht mehr über sich ergehen zu lassen, das im Weißen Haus zum Jahresbeginn Brauch ist. Die Verhandlungen mit Frank- re ich, die Paul-Boneour anbahnen zu wollen scheint, dürften unter diesen Umständen ebenfalls verschoben werden.

Wird Davis vermitteln?

Besprechungen mit Hoover nnd ttoofevelt.

Washington, 24. Dez. (Reuter.) Norman Davis, der amerikanische Hauptdelegierte bei ber Abrüstungskonferenz befinbet sich auf dem Wege nach Albany, wo er heute, Samstag, eine Besprechung mit Roosevelt haben wirb. Vor seiner Abreise hatte Davis eine lange Bespre­chung mit Hoover und Stirn fon über Fragen ber Weltwirtschaftskonferenz unb ber Ab­rüstungskonferenz. Nach seiner Besprechung mit bem zukünftigen Präsidenten wird er nach Wa­shington zurückkehren und feine Konferenzen im Weißen Hause wieder aufnehmen. Man hofft, daß sein Besuch bei Roosevelt ben Weg zur I n - angriff nähme bes Schulbenproblems ebnen wirb. Präsibent Hoover hat inzwischen seine angetünbigte Ferienreise nach Florida angetreten.

Die Bilanz eines Monstre-prozeffes

Oer Streit Laro-petschet.- Inflation der Akten, Zeugen und Anwälte.

Rach mehr als halbjähriger Dauer, am 97. Verhandlungstage, ist in Moabit von der Großen Strafkammer unter dem Vorsitz des Land­gerichtsdirektors Ohnesorge das Urteil im Caro-Petschek-Prozeß gesprochen, einem Strafverfahren, das in der ersten Verhand­lungszeit ein ungeheures Aufsehen erregte, um dann allmählich zum dankbaren Gegenstand der Witzblätter und der Berufshumoristen zu werden. Diesen ist allerdings in dem Monst.e Prozeß reich­lich Stoss geliefert worden und zuguterletzt schien das eigentliche Verfahren, der wirlliche Streit­gegenstand, immer mehr in den Hintergrund zu treten, um allerhand Entgleisungen und 6hl» blüten Platz zu machen, an denen beide Lager gleichmäßig beteiligt waren. Von dem zu Be­ginn erwarteten Wirtschaftskampf zwischen -Braunkohle (Petschek) und Stickstoff (Caro) vor den Schranken des Gerichts blieben kaum noch Reminiszenzen, und erst in den Plä­

doyers wurden die Zusammenhänge wieder an­gedeutet. Dr. Ernst Petschek, der Sohn des bekannten tschechischen Braunkohlenmatznaten Jgna§ Petschek, hatte gegen seinen früheren Schwiegervater Geheimrat Rikodem E a r o , den Miterfinder der Stickstossgewinnung aus der Lust, Anzeige wegen versuchten Betru­ges und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versi cherung ange­strengt. Der versuchte Betrug wurde darin er­blickt, daß Caro wahrheitswidrig behauptet habe, er habe an Ignaz Petschek eine Mitgiftvon 400 000 Mark für feinen Schwiegersohn gezahlt und von diesem eine Quittung über Den Betrag erhalten. Diese Behauptung hat Caro in einem Zivilprozeß um die Herausgabe der Mitgift eidesstattlich wiederholt. Sowohl der Oberstaatsanwalt beim Landgericht lll, als auch der Generalstaatsapwalt beim Kammergericht wiesen die Anzeige ab, erst nach einem

dient, bann sollte es wohl an Gottgläubigen nicht fehlen! Aber er verschmäht unechte Anhänger, bie «richt ihn selbst, sondern die Sicherheit ihres Daseins von ihm begehren. Er muh in Verborgenheit unb Dunkel gesucht werben. Darum kennt das Christen­tum nur das eine, in bie Gestalt eines Kindes ver­hüllte Weihnachtswunder: Jesus Christus.

Von ihm unb nur von ihm redet die Weihnacht mit einem Jubel, in dem der Jammer der Welt nicht vergessen, sondern überwunden ist.

Das ew'ge Licht geht da herein, Gibt der Welt ehr neuen Schein. Es leucht' wohl mitten in der Nacht Unb uns bes Lichtes Kinder macht.

Wenn es so wäre! Ein neuer Schein mitten in ber Nacht zu schön, um wahr zu sein, unb von der Wirklichkeit tausenbsach widerlegt. Es wäre nicht nur, es ist Unb der neue Schein bleibt seitdem in ber Welt trotz aller Nebel ber Not unb jener ©iftbämpfe ber Gemeinheit, die ihn verdunkeln, unb trotz des Spottes, ber doch, wenn Gottesglaube eine Versicherung des Lebens märe, sich als erster zu ihm bekennte. Vor bie Augen bes Kindes von Beth­lehem, vor das Gericht Jesu Christi ist die ganze Menschheitsgeschichte gefordert. Der delle neue Schein, der mit ihm hereingebrochen ist, verklärt das Echte und Große In ihr zur Ewigkeit und läßt das Niedrige in Vergänglichkeit unb Nacht ver­sinken. An den Augen Jefu kann niemand mehr

vorüber Auch wer vor ihnen flüchtet, weiß etwas davon oft tiefer als gedankenloser Glaube,, daß Gottes Augen ihn darin anblicken. Und feit Gottes Liebe in Christus Menschengestalt angenom­men hat, kann die Liebe in der Welt nicht mehr sterben. Freilich sie arbeitet nach Gottes Willen nach im Joch der Menschlichkeit und in ben Grenzen bes Eüblichen. Sic stößt an Mauern, die er ihr noch nicht wegnimmt, und trifft auf Festungen bes Has­ses die er ihr nicht öffnet. Wo echte Liebe Christi ist, lebt in ihr die unruhige Sehnsucht nach ber Vollkommenheit. Deren sie weiß, baß sie allein die Deriteißung trägt, die aus den Fugen gegangene Welt wieder in ihre Ordnung zu bringen. Alle Ver­abredungen und Organisationen der Menschheit ohne sie finb hoffnungslos. Sie leidet unter bem Stück­werk, zu dem sie in dieser Welt noch verurteilt ist, obwohl sie stille Wunder Gottes 'm ihr vollbringt. Sie weiß über Abgründe zwischen Menschen doch Brücken bes Vertrauens zu bauen unb in bitterster Not oft Wasser aus Felsen zu schlagen. Sie vermag harte Herzen zu öffnen unb verleiht schwachen_Men> scheu Heldenmut und unerwartete Kräfte. Sie ist durch keinen Widerstand zu erschrecken, weil sie weiß, daß in Jesus Christus der schuldbeladenen, irregegangenen Menschheit die Heimkehr zu Gott offen steht. Ich glaube, daß es heute wieder leid)» ter geworden sein müßte, das zu verstehen. Wir haben einen furchtbaren Anschauungsunterricht von

der Sünde der Menschheit bekommen unb können uns auch selbst schwerlich bezeugen, in Zeiten, bie die höchste Entsagung unb Liebeskrast von uns ver­langen, unsere Schuldigkeit getan zu haben. Und zugleich sind wir aus den friedlichen Träumen von einem glücklichen Aufstieg der Menschheit zu immer lichteren Höhen unsanft, aber heilsam geweckt wor­den. Nun müssen wir wählen: Wollen mir bas Ge­baren der Menschheit für einen sinnlosen, wilden Tanz halten, ber nach einiger Zeit ins Nichts sinken wird? Oder wollen wir es glauben, baß Gott für jedes Geschlecht die Tür der Heimkehr offen läßt und unser verspieltes, bruchstückhaftes Leben gnädig annimmt? Weihnacht verkündet immer neu das Wunder:Heut tut er nieder auf die Tür zum fel'gen Paradeis."

Well in der Geburt von Bethlehem bie ewige Morgenröte über ber zerrissenen Welt schon aufge­gangen und die Welt dadurch in der Tiefe verwan­delt ist, well Gott in aller Verborgenheit gegen­wärtig ist, darum wagt die Christenheit im vollen Bewußtsein aller menschlichen Not ihre Jubellieber zur Weihnacht zu fingen.

Heute geht aus ferner Kammer

Gottes Held, ber die Welt reißt aus allem Jammer.

Gott wird Mensch, bir Mensch zu gute,

Gottes Kind, bas verbrndt sich mit unferm Blute.