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Wir betrauern tief das Ableben unseres lieben A. H.
Theodor Windisch
Generaldirektor, Ministerialrat a. D.
aktiv S.-S. 99
Die G. B. „Germania“
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Rachdruck verboten!
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Wölfersheim (Oberhessen), 23. Juli 1932.
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Der Weg zum neuen deutschen Reich.
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Am 23. Juli starb nach schwerem Leiden gänzlich unerwartet der Vorstand unserer Gesellschaft
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Meta tarn sich unendlich wichtig vor.
„Gnädige Frau dürfen sich darauf verlassen, sie ist es gewesen."
Die Gräfin lachte: „Das muß wirklich ein ulkiges Dämchen sein, die solche tollen Sachen macht. Der Doktor soll froh sein, sie nicht an den Hals bekommen zu haben."
Frau von Welp hatte sich erhoben.
„Leihe mir dein Auto, Celia, damit ich rasch fortkomme, ich bin im Taxi hergefahren, habe es aber gleich wieder zurückgeschickt."
Im Auto der Gräfin fuhr dann Frau von Welp zu ihrer Freundin und erzählte ihr, was sie von Meta gehört.
Das Gesicht der Baronin verfinsterte sich zusehends. . ,, „
Endlich litt es sie nicht mehr auf ihrem Stuhl, sie sprang auf und rief, sich die Schläfen haltend: „Das kann ja nicht wahr sein, das darf nicht wahr sein. Damit hätte Lil ja sich und uns schrecklich blamiert!"
Die andere machte eine beschwichtigende Bewegung.
„Bewahre, Liebste, Sie und den Herrn Doktor geht das alles doch gar nichts an. Jeder blamiert sich eben so gut er kann. Lil Körner hat Sie ja heimlich verlassen, außerdem ist sie mündig und niemand ist verantwortlich dafür, wenn sie Dummheiten macht." — Als Frau von Welp gegangen war, fiel es der Baronin ein, sie hatte vergessen, die Freundin zu bitten, über die entsetzliche Neuigkeit Schweigen zu bewahren und von selbst kam die immer Klatschfreudige nicht auf die Idee. Frau von Welp erzählte denn auch am selben Tage noch verschiedenen Bekannten die neueste Sensation, die sich Lil Körner geleistet.
Mittags erfuhr Werner von seiner Mutter, was sie gehört.
Er schüttelte den Kopf.
„Dieser Meta ist die Phantasie durch gegangen, zu einem so verrückten Streich ist Lil doch nicht fähig."
„Ich glaube es aber, Werner", widersprach sie.
Er ging erregt im Zimmer auf und ab, zwang Lils Bild vor sich hin. Da stand sie vor ihm, schlank und zierlich, ein feines blondes Menschenkind mit großen leuchtenden Augen. Sie paßte nicht in die Rauheit des Lebens, das so armes Zirkusvolk zu führen gezwungen ist, das seine Tage im Staube der Landstraßen verbringt.
Er beharrte: „Lils früherer Zofe ist die Phantasie durchgegangen." Er sann nach. „2ch gehe heute abend in den Zirkus, um nachznforfchen,
Mittwoch, den 27. Juli, abends 8^2 Uhr, im Saale des Cato Leib. — Thema:
Schlussabrechnung mit dem November-System.
ob Lil sich bei den Leuten befindet."
Die Baronin erschrak. War das nicht gefährlich? Wenn Werner Lil wiedersah, konnte es dann nicht zur Aussöhnung kommen?
Sie sagte erregt: „And wenn Lil nun in dem Zirkus ist, wirst du sie etwa bitten, wieder Heimzukommen?"
Er hob abwehrend die Rechte.
„Rein, Mutter, das würde ich nicht tun. Denn wenn das mir ganz unglaublich Scheinende Wahrheit ist. paßt Lil überhaupt nicht mehr her. Ich nehme an, Lil hat irgendeine Stellung angenommen und ich hatte ja auch gar nicht die Absicht, mich irgendwie um sie zu kümmern, aber dieser von der Zofe aufgebrachten Geschichte muß ich auf den Grund gehen."
Die Baronin bat: „Gehe nicht, Werner, ich bitte dich."
„Doch, Mutter, doch", war seine Entgegnung, „ich möchte mir Gewißheit holen, damit wir wenigstens dem Klatsch über Lil, der nun einsetzen wird — denn Frau von Welp ist nicht stumm —, entgegentreten können."
Er entfernte sich bald. Doch ließ er sein Auto zu Hause und fuhr mit der Straßenbahn nach dem Schönhof hinaus.
Aber er sand den kleinen Wanderzirkus nicht mehr. Zwei spielende Buben berichteten auf Befragen, der Zirkus hätte eigentlich noch ein paar Tage spielen wollen, aber ein Pferdebursche, der auch Iongleur wäre, hätte ihnen heute nachmittag, als der Zirkus abgebaut wurde, wobei sie geholfen hätten, erzählt, man zöge etwas früher nach Rauheim, weil die Kursaison an- gefangen habe und man dort mit besseren Einnahmen als hier rechnen dürfe.
Er versprach den Halbwüchsigen drei Mark, die sie unter sich teilen sollten, wenn sie ihm zu sagen vermöchten, was für Menschen zum Zirkus gehört hätten. Da sie beim Aufbauen geholfen, wüßten sie es vielleicht. Er glaube nämlich, feit gestern wäre eine Bekannte von ihm dabei.
„Wie sah sie denn aus?" fragte der eine Iunge, ein derber Rotkopf von ungefähr dreizehn Iahren.
Er erwiderte und versuchte ganz ruhig dabei zu erscheinen: „Cs handelt sich um eine junge blonde Dame."
Der Iunge nickte eifrig: „3a, so eine war dabei? Aber die ließ sich draußen nicht sehen. 3ch mußte beim Direktor aus feinem Wagen was holen und dabei habe ich sie gesehen. Cs ist ein feines Fräulein und ich habe gehört, wie die eine Tochter vom Direktor „Lil" zu ihr gesagt
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Ober* vefsingen für das Rj. 1932 liegt vom Mittwoch, dem 27. Juli 1932 ab. 1 Woche auf der Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen.
Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll vorgebracht werden. 5485D
Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Ober-Bessingen, den 25. Juli 1932.
Hess Bürgermeisterei Ober-Bessingen.
Keil.
v Redner: 1 .HerrStudienrat Kauer,Wetzlar. 2 HerrLandwirt Dr.Lahr,Ober-Hilbersheim
Deutschnationale Volkspartei / Ortsgruppe Giehen#
MMtzMMg Das Fachgeschäft | Miete Mk. 78.—. für Gesundheitspflege in der Schulstraße ^aufebenwtfSen 11 und 12 Ubr vor-
Die Entwicklung unseres Werkes hat er seit der Gründung in aufbauender Form maßgeblich beeinflußt. Durch seinen Tod erleiden wir einen unersetzlichen Verlust. Er gab unserem beruflichen Leben mit überragendem Weitblick und durch seine vorbildliche Tatkraft Ziel und Inhalt.
Stets werden wir seiner in dankbarer Verehrung gedenken.
Direktion und Angestellte
der Braunkohlen-Schwelkraitwerk Hessen-Frankfurt A.-G. (Hefrag).
Dienstag, den 26. Juli 1932, versteigere ich gegen sofortige Barzahlung:
zwangsweise nachmitags 2 Uhr im „Löwen". Neuenweg 28, dahier, bzw. an Orl und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokast: 5483D
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Original Vornan von Anny von panhuyü. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
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Herr Ministerialrat a. D.
Theodor Windisch
hak. Ich mußte über den komischen Namen, bett ich noch nie gehört habe, lachen. Der Iongleur erzählte mir nachher, sie wäre der neue Clown, doch das war natürlich bloß 'n fauler Witz, denn Mädels als Clowns gibt es doch nicht."
Er wollte noch etwas sagen, aber Werner Sturm steckte ihm die versprochenen drei Mark zu und verschwand ohne ein weiteres Wort. Verblüfft sahen ihm' die zwei Buben nach, aber dann schlugen sie sich gegenseitig vor Freude auf die Schulter. Die drei Mark waren rasch verdient und ohne jede Anstrengung, alles übrige war ihnen vollkommen gleichgültig.
Werner Sturm ging langsam heim. Er wollte den Weg zu Fuß machen, vielleicht befreite ihn die wundervolle Luft hier draußen, die von den Taunusbergen herübergezogen kam, von dem unerträglichen Druck, der jetzt auf seinem Kopf lag. Was er für unglaublich-gehalten, war doch wahr, Lil hatte die Tollheit begangen, mit einem kleinen Wanderzirkus mitzuziehen. Als Clown! Lil, die zierliche, elegante Lil, war in einem der landfahrenden Wagen untergekrochen, darin man aß, schlief und sich für die Vorstellungen ankleidete und schminkte. Sie, in der er noch gestern seine zukünftige Frau gesehen, zog nun mit einem Wanderzirkus von Ort zu Ort, wollte Kleinstädtern, Vorortleuten und Bauern Clownpossen vormachen. War das nicht überspannt? Stand das nicht jenseits aller Vernunft und Kritik?
Wenn es ihm nicht so weh getan hätte, wenn er Lils Tun nicht wie «inen Schlag ins Gesicht empfunden hätte, wäre das Ganze ja zum Lachen gewesen. „Vergeßt nicht, daß ich mündig bin!“ hatte sie geschrieben in dem zurückgelassenen Brief. Er begriff Lil nicht, wie kam sie nur auf so eine unbegreifliche Idee!
Sehr spät kam er nach Hause. Seine Mutter erwartete ihn, sah ihn fragend an.
Er ließ sich in einen Stuhl fallen und sagte stockend: „Es ist wahr, Mutter, ich habe herausgebracht, Lil ist bei dem kleinen Wanderzirkus, aber der Zirkus ist heute schon weitergezogen, sie will als Clown auftreten. Ich brachte das von zwei Bengels heraus, die beim Abbrechen des Zeltes geholfen haben und nichts davon ahnen, um wen es sich bei Lil handelt." Er stützte den Kopf in die Hand. „Mutter, was ist das nur mit Lil, woher hat sie die Reigung zu solchen Dingen, die ihr doch eigentlich unendlich fern liegen müßten?"
Die Baronin zuckte die Achseln.
(Fortsetzung folgt.)
Heute entschlief nach schwerem Leiden
Herr Ministerialrat a. D.
Theodor Windisch.
Der Verstorbene hat seit der Gründung unserer Gesellschaft dem Unternehmen als Vorstand in vorbildlicher Treue gedient und sich unter Aufopferung seiner ganzen Person für die Durchführung der ihm gestellten Aufgaben eingesetzt. Wir verlieren in ihm einen ganz hervorragenden Mitarbeiter, der mit großem sittlichen Emst und unermüdlicher Schaffensfreudigkeit sein verantwortungsvolles Amt verwaltet hat. Seine großen Verdienste um unser Werk, sein liebenswürdiges Wesen und seine vornehmen Charaktereigenschaften sicherten ihm im Leben unsere höchste Achtung. Wir werden ihm auch nach seinem allzufrühen Tode stets ein dankbares Andenken bewahren.
Der Aufsicbtsrat
der Braunkohlen-Schwelkraftwerk Hessen-Frankfurt A-G. (Hefrag).
Wölfersheim (Oberh^ssen), den 23. Juli 1932.
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Meta nickte. „Also das war so: Gestern vormittag, so ungefähr halb neun, mußte ich doch für Frau Gräfin mit dem Auto nach Frankfurt reinfahren, weil ich so früh ein paar für Frau Gräfin wichtige Sachen abholen sollte. Da fuhr ich mit dem Auto am Schönhof vorbei, wo sich seht gar nicht weit von der Landstraße ein kleiner Zirkus befindet, so einer, der sich gar nicht allzuweit in eine große Stadt reintraut. Als ich beim Vorbeifahren ein bißchen neugierig dahinguckte, sah ich mit einem Male Fräulein Körner, die sich mit einem Kerl unterhielt, der wohl zum Zirkus gehörte. Es war ein derber, gewöhnlich aussehender Mensch. Sie kroch mit ihm durch einen Leinwand ausschnitt in den Zirkus hinein. Ich habe sie deutlich erkannt, aber weil ich mir sagte, wie sollte Fräulein Körner dazu kommen, noch dazu um die frühe Stunde, sich da weit draußen mit dem halben Vagabunden aufzuhalten, habe ich gedacht, es handele sich doch nur Um eine Aehnlichkeit. Lieht aber kann ich die Hand dafür ins Feuer legen, sie selbst ist es gewesen."
Frau von Welp schnappte vor Erregung nach Luft. Sie stieß abgerissen hervor: „Das klingt ja unglaublich! Sie müssen sich geirrt haben, Metal"
Die Zofe schüttelte lebhaft den Kopf.
„Gnädige Frau können sich darauf verlassen, ich habe mich nicht geirrt. Glauben gnädige Frau nur. die komische Dame ist jetzt bei den Zirkusmenschen. Wahrscheinlich spielt sie bei ihnen als Clown mit"
Sie sind nicht recht gescheit, wollte ihr Frau von Welp zurufen, aber plötzlich erkannte sie, Meta könnte recht haben.
Sie erwiderte nachdenklich: „Lil Körner ist derartiges allerdings zuzutrauen." Sie zupfte an ihrem kleinen Spitzensichü herum. „Die neueste Reuigkeit brennt mir auf der Seele, ich glaube, ich muß doch die Baronin allerschnellstens benachrichtigen, sonst tritt die tolle Person noch in dem Armeleutezirkus auf und der Skandal für die Baronin und ihren Sohn ist fertig. Jedenfalls muß die Baronin Bescheid wissen, dazu ver- rf chtet mich meine Freundschaft." ____
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