Ausgabe 
25.7.1932 Erstes Blatt
 
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eineKonvertierung", eine Umwandlung der in Frage kommenden schulden in ganz niedrig verzinsliche und allmählich zu tilgende Amortisa- tionsschulden, erfolgen. Der Tilgungsbetrag muß bei den einzelnen Gläubigerinstituten angesammelt und zur allmählichen Auslosung d^r von dem Verfahren erfaßten Forderungen verwandt werden. Das ist gewiß auch ein Statseingriff. Aber gegen­über den zwecklos Kapital zerstörenden Eingriffen der sogenannten Osthilfe und manchen Diktaten der Notverordnung ist es ein Eingriff der den vom Sozialismus geschaffenen unhaltbaren Zustand end­gültig liquidiert und der einen Zustand der Wirt­schaft herstellt, in dem sie wieder frei von staatlichen Eingriffen aus sich selbst heraus schaffend und rech­nend die Zukunft gestalten kann. Es ist auch der einzige Weg auf den wir wieder zu einem gesunden und natürlichen inländischen Zinsfüße gelangen können.

Brüning spricht in Westfalen.

In Münster erklärte Dr. Brüning, daß es ihm gelungen fei, die Welt mit ihren eigene^ Ar­gumenten zu überzeugen, daß nämlich eine Strei­chung der Reparationen für sie selbst ein Glück dar­stelle. Dr. Brüning verwahrte sich abermals gegen den Vorwurf, daß er durch Staatssekretär Berg­mann ein Angebot auf eine Abschlußzahlung habe machen lassen und erklärte dann, man werde eines Tages in der Wirtschaft noch froh sein, daß es noch zwei Parteien in der Mitte gebe, die yentrumspartei und die Bayerische Volkspartei, die zwar sozial seien, aber jedes sozialistische Experiment ablehnten. Es sei gefährlich, wenn man heute die Sozialdemokratie wieder zu­rückdränge in die Resignation und in den Radika­lismus.Ohne Rücksicht auf Parteiiyterefsen", so schloß Dr. Brüning,gehen wir den Weg der 23er- antwortuna und der Mäßigung, des Schußes der Bürgerfreiheit, des Kampfes gegen jede Form der Diktatur weiter."

In Dortmund hielt auf dem 3. L^eichstreffen der DJK. (Deutsche Jugendkrast) im StadionRote Erde" Dr. Brüning eine kurze Ansprache. Nicht Macht allein kann den Staat retten, nicht Macht, die angewendet wird von einer kleinen Gruppe, sondern Autorität, auf Freiheit und freier Zustimmung aufgebaut. Wie wir auch kämpfen, alles kommt darauf an, die ruhigen Nerven vor der Entscheidung zu behalten. Wir kämpfen gegen die Vorherrschaft einer Partei, wir kämpfen für die Volksgemeinschaft. Wir kämpfen für einen inneren Frieden und gegen den Terror bet Straße, dem wir uns nicht unterwerfen werden. Das sind die Ideale, in denen wir uns einig sind. Wir wollen vor allem Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit."

Aus aller Welt.

Tagung der deutschen Kriegsopferverbände.

In Bremen tagen vom 24. bis 26. Juli die KriegsopferoerbändeReichsverband" undZentral­verband deutscher Kriegsbeschädigter und Krieger- Hinterbliebenen."

Auf der Tagung, die eine Verschmelzung der beiden Kriegsopferorganisationen herbeiführen will, fand in Anwesenheit von etwa 1500 Dele­gierten, Ehrengästen und Gästen eine eindrucks­volle Totengedenkfeier statt. Der Vor­sitzende des Reichsverbandes deutscher Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterbliebener. Leh­mann, hielt eine Gedächtnisrede. Er wies auf die große Zahl von Familien der Hinterbliebenen hin und betonte immer wieder, daß das deutsche Volk nicht nur den Kriegsopfern gegenüber eine Ehrenpflicht anzuerkennen, sondern auch abzutra­gen habe. Die Kriegsopserorganisationen ge­lobten auch auf dieser wichtigen Tagung wieder als Dank an die Kameraden ihre Arbeit, Hilfe und Unterstützung den Hinterbliebenen zu widmen. Vach der Feier wurden auf dem Ehrenfriedhof zwei Kränze niedergelegt.

75. Geburtstag des Präsidenten von Venezuela.

Auf ein 75jähriges, arbeitsreiches und von un­gewöhnlichem Erfolg gekröntes Leben, konnte dieser Tage der Präsident der Vereinigten Staaten von Venezuela, General Jan Vicente Gomez, einer der bedeutendsten Staatsmänner unserer Zeit, zurückblicken. Der Präsident hat innerhalb von kaum 20 Jahren aus einem wirtschaftlich fast völlig ruinier­ten Lande eines der reichsten und bestoerwaltetsten der Welt gemacht. Auch Deutschland hat allen Anlaß, des Präsidenten Gomez an diesem Tage dankbar zu gedenken, der sich allezeit als treuer Freund Deutschlands und der Deutschen erwiesen hat, ganz besonders während des Weltkrieges, während dessen er nicht nur streng neutral geblieben ist, son­dern auch den zahlreichen in Venezuela ansässigen Deutschen alle erdenkliche, auch finanzielle. Unter» stützung hat zuteil werden lassen.

Der frühere abessinische Kaiser Zassu wieder gefangengenommen.

Wie aus Addis Abeba gemeldet wird, ist der aus dem Gefängnis entwichene frühere abes­sinische Kaiser Lidj Vassu nach einer aus­gedehnten Verfolgung mit 15 000 Mann Regie- rungstruppen nunmehr in der Gebirgsgegend der Provinz Gojjam wieder gefangenge­nommen worden. Lids Vassu wurde in ein anderes Gefängnis in der Vähe der Hauptstadt gebracht. Der seit längerer Zeit verhaftete König von Gujjam, Vas Hailu, der eines Anschlags zur Wiedereinsetzung des früheren Kaisers be­schuldigt war, ist vom Parlament und Ober­haupt zum Tode verurteilt worden, vom Kaiser jedoch zu lebenslänglicher Verbannung mit Verlust sämtlicher Rechte und des ganzen Eigentums begnadigt worden.

Generalprobe des Tillingschen Raketenflugzeuges.

Der Raketenforscher Ingenieur Tilling hat in aller Stille an der Vervollkommnung des Rake­tenflugzeuges gearbeitet. Kürzlich fand auf dem Dümmersee der erste Start des Raketen­flugzeuges statt. Die Versuche wurden in der Rächt gemacht und brachten vollen Erfolg. Das Flugzeug, das äußerlich den Eindruck eines Rie­sengeschosses macht, hat das Ziel des Raketen­forschers zu einem hohen Grade verwirklicht, näm­lich geringe Veschleunigungswerte beim Start mit hoher Reise- und Endgeschwindigkeit zu erzie- len. Der Start wurde auf elektromechanischem Wege bewirkt. Sobald die Reisegeschwindigkeit erreicht war, entfalteten sich in etwa 2000 Meter Höhe automatisch zwei dem Rumpf des Flugzeu­ges eng angeschmiegte Tragflächen, die nun die Tendenz des fliegenden Geschosses in einen Gleitflug umwandelten. Die Steuerung wird durch vier stromlinienförmig angeordnete Stabili- fierungsslächen bewirkt, die ebenfalls automatisch in Tätigkeit treten. Sie brachten nach einiger Zeit die Rakete, die als Geschoß die Erde ver­lassen hatte, als Flugzeug zum Erdboden zurück.

Der Mord an dem Amlsvorsteher kölhur.

Wie bereits gemeldet, wurde der Amtsvor­steher des Ostseebades Zingst, K ö t h u r, vor eini­gen Tagen erstochen. Allgemein war angenom­men worden, daß es sich bei dem Mörder um einen Kommunisten handelte. Der Verhaftete verwei­gerte bei mehreren Vernehmungen die Angabe seiner Personalien, bequemte sich jedoch schließ­lich zu einem G e st ä n d n i s. Es handelt sich um einen 40 Jahre alten Staatenlosen namens Pe­te r e i t, der vagabundierend in den Ostseebädern umherstreift. Petereit gehört keiner Partei an.

Bombenanschlag.

An einem der letzten Tage ertönte in Limbach (Hessen-Nassau) eine furchtbare Detonation. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß vor einem Grundstück in der unteren Helenenstraße, in dem sich eine Schuhmacherwerkstatt befindet, ein Spreng- stoffanschlag verübt worden war. Auf beiden Seiten des Grundstücks wurden in einer (Entfernung bis zu 70 Meter die Fensterscheiben bis zum dritten Stockwerk von dem ungeheuren Luftdruck eingedrückt. Auch sonst zeigen die Gebäude mehr oder weniger große Schäden. Der Sprengkörper ist vermutlich eine behelfsmäßig angefertigte Bombe. Die Täter sind bisher unbekannt. Personen sind nicht verletzt worden.

Gronau in Grönland gelandet.

Der deutsche Ozeanflieger von Gronau ist mit feinemGrönlandwal D. 2053" von Reykjavik (3s- land) nach Grönland gestartet. Gronau ist in Jvig- tut auf Grönland wohlbehalten angekommen. Die Bevölkerung bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

Vootsunglück auf der Donau. Drei Tote.

Auf der zur Zeit hochgehenden Donau bei Regens­burg übten sich zwei Burschen im Alter von 17 Jahren im Kahnfahren. Schließlich tippte der Kahn um, und beide ertranken, obwohl ihnen ein be­herzter Bursche nachgesprungen war, um sie zu ret­ten. Der junge Mann ertrank schließlich selbst.

Großseuer in Vaden.

In der Amtsstadt V r e 11 e n sind in einer der letzten Nächte vier Anwesen niederge­brannt. Die Bewohner konnten nur das nackte Leben retten. Der Schaden wird auf über 20 0 000 M k. geschäht und ist nur zum geringen Teil durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Brandes ist noch ungeklärt.

Grohfeuer an der österreichisch-bayerischen Grenze.

Durch eine Brandkatastrophe wurde der größte Teil des an der österreichischen Grenze ge­legenen österreichischen Pfarrdorfes K o l l er­schlag vernichtet. In zwei Gebäuden brach gleichzeitig Feuer aus, das sich mit rasender Ge­schwindigkeit über das Dorf ausbreitete. Feuer­wehren aus Oesterreich und Bayern eilten herbei, um sich an den Löscharbeiten zu beteiligen. Trotz der größten Anstrengungen gelang es den Weh­ren erst, das Feuer einzudämmen, nachdem 21 Anwesen den Flammen zum Opfer gefallen waren Zwei Personen werden ver­mißt. Drei Personen wurden mit schweren Brandwunden und Rauchvergiftun­gen ins Krankenhaus geschafft. Zahlreiches Vieh kam in den Flammen um. Da das Feuer in zwei Häusern ausbrach, die auf verschiedenen Seiten der Dorfstraße lagen, wird Brandstiftung vermutet.

Die personalverändeningen in Preußen.

D e r l i n , 23. Iuli. (WTB. Funkspruch.) In der gestrigen Sitzung wurden folgende Personalver­änderungen beschlossen:

Cs werden mit der kommissarischen WahrnehmungderGeschäfte beauftragt: a) Staatssekretär im Staatsministerium, der Mi­nisterialdirektor Dr. R o b i s . b) Ministerialdirek­tor im Staatsministerium, der Ministerialrat Dr. Landfried im Finanzministerium.

Bei den Oberpräsidien a) in Kassel, b) in Kiel sollen die Geschäfte der Oberpräsidenten durch die Vizepräsidenten bei diesen Oberpräsidenten wahrgenommen werden, c) in Magdeburg wird der Landrat Menge! in Ober-Barnim mit der vertretungsweisen Wahr­nehmung der Geschäfte beauftragt.

Mit der vertretungsweisen Verwaltung der R e - glerungspräsidien werden beauftragt: a) in Lüneburg der Geheime Finanzrat Ministerial­rat Dr. Reschke: b) in Liegnitz der Vizeprä­sident beim Oberpräsidiurn der Provinz Branden­burg von Hahnke; c) in Frankfurt (Oder) der Ministerialrat Schönner im Ministerium des3n» nern d); in Merseburg der Ministerialrat Dr. Sommer im Ministerium für Handel und Ge­werbe; e) in Ti ün ft er der Oberpräsident Gra­nowski.

Der Polizeipräsident von Berlin wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Zum Polizeipräsidenten in Berlin wird der Präsi­dent des Polizeipräsidiums in Essen, Dr. Melcher, ernannt. Mit der kommissarischen Derwaltung der Polizeipräsidien werden beauftragt:

a) in Königsberg i. Pr. Landrat Berner in Goldap,

b) in Kiel Landrat Graf Rantzau in Sege- berg,

c) in Kassel Regierungsrat von K o 11 w i tz in Düsseldorf,

d) in Altona Oberregierungsrat Diesen- b a ch in Hannover,

e) in Erfurt Oberregierungsrat Kretz sch­mor in Bochum,

f) in Essen Polizeipräsident Dr. Wiesmann in Erfurt,

g) in Köln Polizeikommandeur Lingens im Ministerium des Innern.

Mit der vertretungsweisen Verwaltung des Po­lizeipräsidiums in Elbing wird Regierungsrat Dr. Gosch decke in Marienwerder, in Oppeln Regierungsrat Dr. Hueter in Oppeln, in H a - gen Regierungsrat Dr. Witze! in Hagen beauf­tragt.

Aus der Provinzialhauptstadt.

G t e ß e n, den 25. Iuli 1932.

Oer tägliche Traum ...

Es geht uns allen ... ja, ich weiß, wir sollen in Optimismus machen" ... also es geht uns allen nicht sehr gut. Das kleine Auto steht in der Garage als Pfand für die rückständige Miete, die Hundesteuer ist noch nicht bezahlt, der Haus­wirt grüßt uns nicht mehr, und das Fernsprech­amt droht mit Sperrung. Viele Dinge, die wir noch bis vor kurzem unzweifelhaft besaßen, sind uns gepfändet, sind uns genommen, gehören uns nicht mehr.

Nur eins besitzt ein jeder von uns, und das kann man ihm nicht nehmen, nicht pfänden, nicht verkaufen: einen Traum. Einen ganz privaten, heimlichen, sehr beglückenden Traum.

Er sieht sehr verschieden aus bei den einzelnen, aber es ist immer derselbe. Der eine träumt da­von, daß er in sechs Wochen in irgendein Nest am Meer fahren wird, wo Freunde ein Häuschen besitzen und ihn.eingeladen haben. Er muh nur noch das Reisegeld zusammenbekommen. Der an­dere hat einen Bekannten, der ihn nächstens mit dem großen Filmmann bekannt machen wird, und der wird ihn dann ... ach, alles ist dann möglich.

Der große Filmmann muß nur erst Zeit haben. Der Dritte hat einen Onkel in Bangkok, dem es gut geht. Dem hat er geschrieben, und wie er den Onkel kennt, wird der bestimmt etwas für ihn tun ... der Onkel muh nur erst geantwortet haben. Der Vierte, der Fünfte, der Sechste, alle haben sie eine Reise, die winkt, eine Stellung, die man ihnen verschafft, einen prominenten Be­kannten, der aus Amerika kommt, oder ganz schlicht ein Lotterielos.

Hinter all diesen Träumen steht ein grohes Wenn". Aber das stört fast gar nicht, bgnn- so ein Wenn ist bei jedem Traum, unir^toenn es nicht da wäre, dann würde es sich schon um Wirklichkeiten, um Gewißheiten handeln, und Ge­wißheiten haben immer ihre Haken.

Von diesen Reisen, Stellungen, prominenten Freunden träumen all die Leute, die sich das Kino nicht mehr leisten können und darum früh zu Bett gehen. An diesen Träumen zehren sie, von diesen Träumen nähren sie sich, wenn ringsum nicht mehr viel Nahrhaftes zu finden ist, und dieser Traum, nichts anderes als er, ermög­licht es ihnen, sich ein bißchen Optimismus wie ein Feigenblatt vorzuhalten und auf die tägliche Frage:Wie geht's?" lächelnd zu antworten: Danke, ausgezeichnet!"

Ein Mag des oberhessischen Handwerks.

Im Saale des Cafe Leib zu Gießen begingen gestern zahlreiche Angehörige des oberhessischen Handwerks einen besonderen Festtag: d i e Überreichung der Meisterbriefe an ein e große AnzahlIung-Meisterin- nen und Iung-Meister. Wenn auch die Feier diesmal, in Anbetracht der großen Notlage in den weitesten Kreisen des Handwerks, einfacher als in früheren Iahren verlief, so legte sie doch Zeugnis ab von dem guten und tatfrohen Geist, der allen Nöten zum Trotz im Handwerk noch lebendig ist.

Der Vorsitzende der Meisterprüfungskommission für die Provinz Oberhessen,

Gewerbeschulrat Dr. Dünnings, Gießen, leitete die Feier mit einer kurzen Ansprache ein, in der er zunächst die Vertreter der Behörden und die übrigen Ehrengäste begrüßte und sodann das Ergebnis der Meisterprüfung bekannt gab. Es hatten sich zur Meisterprüfung insgesamt 196 Handwerker gemeldet. Davon bestanden 153, und zwar: 6 Auto-Mechaniker, 10 Bäcker, 20 Elektro-Installateure, 1 Elektro-Mechaniker, 16 Maurer, 9 Metzger, 1 Pflasterer, 2 Polsterer, 3 Sattler, 5 Dauschlosser, 5 Maschinen-Schlosser, 4 Schmiede, 5 Schneider, 5 Schneiderinnen, 1 Hand­weberin. 19 Schuhmacher, 2 Spengler und Instal­lateure, 10 Schreiner, 5 Wagner, 8 Maler und Weißbinder, 6 Zimmerer, 3 Konditor, 2 Fein- Mechaniker, 1 Bandagist, 1 Uhrmacher, 1 Metall, gieher und Dreher, 1 Schildermaler, 1 Schrift­setzer, 2 Weihzeugnäherinnen. 30 muhten wegen verspäteter Meldung oder in Ermangelung der rechtzeitigen Fertigstellung ihres Meisterstücks bis Herbst oder 1933 zurücktreten.

Dr. Dünnings wies dann in seiner Ansprache auf denTanz um das goldene Kalb" hin, der in den letzten Iahren unser Volk beherrscht und es bis an den Rand des AbgrundeS gebracht

habe. Er betonte, daß nur die Arbeit der Hand, das Werk vom Menschen zum Menschen, nicht aber die Maschine unserem Volke die Rettung bringen könne. Der Mensch mit feiner Hand­fertigkeitskunst müsse wieder zu Ehren gebracht werden, dem Nachwuchs sei besondere Pflege zu­zuwenden. In diesem. Sinne sei auch im Hand­werk zu handeln. Zum Schluß sprach er den Iungmeisterinnen und Iungmeistern herzliche Glückwünsche zu der bestandenen Meisterprüfung aus.

Der stellvertretende Vorsitzende der Hessischen Handwerkskammer,

Bauunternehmer Georg Decker, Giehen,

brachte anschließend die Glückwünsche der Hand­werkskammer und der Handwerkskammerneben­stelle Gießen zum Ausdruck und äußerte seine Genugtuung darüber, daß trotz der Not der Zeit wiederum eine große Anzahl junger Handwerker den Mut zur Meisterprüfung gefunden habe. Wenn auch das Handwerk unter der jetzigen Krise schwer leide, so dürfe es doch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgeben.

Schlossermeister Heh, Friedberg, übermittelte die herzlichen Wünsche und Grüße der Handwerkskammernebenstelle Friedberg und betonte, daß auch unter den gegenwärtigen Ver­hältnissen der tüchtige Mensch seine Geltung noch nicht verloren habe. Er ermahnte die jungen Meister zu stetem Pflichtbewußtsein und zu engem Zusammenschluß der handwerklichen Organisatio­nen, damit durch gemeinsame Arbeit für das Handwerk und für das Volk wieder bessere Zeiten errungen werden könnten.

Stadtralsmttglied Bäcker-Obermeister Loeber-Gießen sprach als Vorsitzender des Ortsgewerchever- e i n s den jungen Meisterinnen und Meistern die besten Wünsche zur bestandenen Prüfung und für

ihre handwerkliche Weiterblldung aus. Er forderte den handwerklichen Nachwuchs auf, mit unbeug­samem Mut an die Arbeit und an die Ausfüllung ihres Berufes zu gehen. Weiter betonte er, daß der einzelne sich in dem starken Jnteressenwiderstreit nicht durchsetzen könne, sondern nur von dem Zu­sammenschluß in den handwerklichen Organisationen auch für den Einzelnen Besserung seiner Existenz­verhältnisse zu erwarten sei. Aus diesem Grunde sei es für die Iungmeisterinnen und Jungmeister rat­sam, sich den handwerklichen Organisationen anzu- schließen und in deren Rahmen zum Wohle des einzelnen, aber auch zur Stärkung des Ganzen und zur Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes beizu­tragen. Anschließend sprach der Redner als Ver­treter der Gießener Stadtverwaltung und des S t a d t r a t e s. Er betonte, daß er als Vertreter der Stgjit nicht nur die üblichen Grüße und Wünsche überbringe,^sondern auch zum Aus­druck bringen wolle, daß die Stadtverwaltung und der Stadtrat Dorfes Verständnis für das Handwerk und feine Nöten hätten. Der Stadtverwaltung und dem Stadtrat feien die starken aufbauenden Kräfte bekannt, die im Handwerk für das Leben und Wir­ken der Kommunen vorhanden feien. 21 n diese Kräfte müsse man sich überall in dieser Krisenzeit mehr als je erinnern. Alle öffentlichen Körperschaften müßten sich darauf besinnen, daß das Handwerk pfleglich behandelt werden müsse. Dazu gehöre die Abkehr von allen Dingen, die sich Handwerks- und mittel­standsschädigend auswirken. Dazu gehöre weiter bewußte und betonte Handwerksförderung, sowohl auf dem Gebiete der Steuern, wie auch in der Auf­tragserteilung. Die öffentlichen Körperschaften müß­ten sich vor Augen halten, daß es um ihren Bestand besser bestellt sei als bisher, wenn das Handwerk und die übrigen Schichten des Mittelstandes nicht mehr wie bis jetzt nur zu Packeseln der öffentlichen Lasten gemacht würden und noch nicht einmal ein Mindestmaß an wirtschaftlicher Förderung erführen. Der Redner erkannte an, daß unter den gegen­wärtigen finanziellen Verhältnissen die öffentliche Hand nicht überall das erwünschte Ausmaß von Förderung für das Handwerk gewähren könne, aber er forderte, daß man sich auch einmal vor Augen halte, daß die beste Sozialfürsorge doch in der Be­schaffung von Arbeit liege und hierbei Aufträge an das Handwerk nicht nur für dieses, sondern auch für die Arbeitnehmer von großem Vorteil seien, weil die Arbeit Verdienst bedeute. Die Handwerksmeister und die von echtem Handwerksgeist erfüllten Gesellen zögen Arbeit der sozialen Unterstützung vor. Diese Forderung müßten auch die Jungmeister mit allem Nachdruck vertreten, zum Segen des Handwerks und zum Vorteil der Allgemeinheit. Die Gießener Stadt­verwaltung und der Stadtrat würden sich diesem Verlangen zugänglich zeigen, und sie seien bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu tun, was dem Handwerk förderlich fein könne. Hoffentlich fei auch bei allen anderen Verwaltungen und bei den Regie­rungen der gleiche Wille zum Helfen bereit. .Mit der Ermahnung an das Handwerk zu einigendem und gefchloffenem ^'ifammenftehen, damit die ge­rechte Sache des werks überall wieder die ver­diente Achtung i Beachtung finde, schloß der Redner feine eindrucksvolle Ansprache.

Regierungsrat Dr. Krüger

überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Pro­vinzial- und Kreisverwaltung, sowie der staat­lichen Behörden.. Er gab seiner Genugtuung dar- übter Ausdruck, daß das Handwerk trotz vielfacher Bedrängnis immer noch seine starke Lebenskraft bekunde, sich mit Erfolg gegen mancherlei mit­telstandsfeindliche Strömungen durchgesetzt und trotz allen Nöten der Zeit festen Boden unter den Füßen behalten habe. Diese Tatsache sei im Hinblick auf die große Bedeutung des Handwerks für unsere Volksgesamtheit besonders zu begrü­ßen. Der Redner wies sodann auf «die sozialen Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk vom Lehr­ling bis zum selbständigen Betriebsleiter hin, er­mahnte die jungen Meister zu weiterer umfassen­der fachlicher Ausbildung, würdigte mit warmen Worten der Anerkennung die handwerkliche Qua­litätsarbeit gegenüber der typisierten und nor­malisierten Massenproduktion, und betonte, daß durch die Tüchtigkeit im handwerklichen Beruf nicht nur das individuelle Arbeitsprodukt, son­dern auch der Wert der Persönlichkeit in vielfacher Hinsicht zum Besten der Volksgesamtheit Geltung erlange. Er wünschte den jungen Meistern, daß sie weiterhin immer in den guten Traditionen des Handwerks wirken möchten.

Weitere Glückwunschansprachen

hielten noch Redakteur B 1 u m s ch e i n als Ver­treter desGießener Anzeigers", der auf die guten Beziehungen zwischen Presse und Handwerk hinwies und den jungen Handwerksmeistern an­riet, nicht einem hoffnungslosen Pessimismus zu verfallen, sondern sich auf einen gesunden Opti­mismus trotz aller Schwierigkeiten der Zeit und weiter Freude an der Arbeit zu bewahren; Zei­tungsverleger Klein als Vertreter des Hand­werkerblattes, der zu eifriger Weiterarbeit und ebenfalls zu freudevoller Arbeit an dem Werke des Handwerks, sowie zu geschlossenem Zusam- m^nstehen aufforderte; Schmiedemeister Haas- Annerod, der dem jungen Nachwuchs vor allem ans Herz legte, immer auf Qualitätsarbeit zu sehen. Als Vertreter der Iungmeister dankte Herr H e n r i ch » Gießen mit herzlichen Worten für die Glückwünsche, ebenso sprach Gewerbe- schulrat Dr. Dünnings Dankesworte für alle Förderung, die das Handwerk bisher erfahren habe.

Oberreallehrer i.R.H a g g e n m ü l l e r, der jetzt seit 30 Iahren als Schriftführer des Gießener Ortsgewerbevereins und der Meisterprüfungs­kommission selbstlos im Dienste des Handwerks tätig ist, wurde von den Iungmeistern 1932 durch Ueberveichung einer Ehrengabe gefeiert, die er mit herzlichem Danke und mit der Ermahnung an die jungen Meister zu bestem handwerklichen Streben und Arbeiten entgegennahm.

Die Ansprachen wurden von flotten musikali­schen Darbietungen und von guten Gesangsvor­trägen des Bäckermeisters Deichert in an­genehmer Weise umrahmt. Im Anschluß an den offiziellen Teil hielt frohgestimmte Geselligkeit die Teilnehmer noch einige Stunden beisammen.

Ministerialrat Windisch f.

Am Samstag ist in Bad-Nauheim, wo er feinen Wohnsitz hatte, der Generaldirektor des Draun- kohlen-Schwelkraftwerks Hessen-Frankfurt A. G. (Hefrag) in Wölfersheim, Ministerialrat a. D. Theodor Windisch, nach schwerer Krankheit im 52. Lebensjahre verstorben. Der Heimgegangene stand lange Iahre im Dienste der Hessischen Re­gierung und wurde vor einigen Iahren der brei­teren Oefsentlichkeit besonders dadurch bekannt, daß er als Sachbearbeiter den von der Regierung in die Wege geleiteten üebergang des staatlichen Werkes Wölfersheim auf die Hessen-Frankfurt A. G. (Hefrag) bearbeitete. Nach dem Defitzwechf«