Ur. 96 Erstes Via«
182. Jahrgang
Montag, 25. April 1932
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Nie Länderwahlen.
Das Ergebnis.
Von unserer Berliner Redaktion.
Die große Zahl der Länderwahlen liegt hinter uns. Sie hat nach den Voraussagen größere Tlebcrraschungcn kaum gebracht. 3n Bayern dürfte das Kabinett Held am Ruder bleiben; in Württemberg, wo die Nationalsozialisten aus Kosten oller anderen Parteien gegenüber Ger letzten Reichstagswahl 200 000 Stimmen gewonnen hoben, wird sich die Regierungsbildung sehr schwierig gestalten. In Hamburg hoben Sozialdemokraten und Staatspartci als Regierungsparteien etwas gewonnen. Das Gleichgewicht zwischen Rechts und Links hat sich aber kaum verschoben. Rur in Anhalt ist eine klare Regierungsmehrheit vorhanden. Das wichtigste Ergebnis ist natürlich Preußen wegen der mittelbaren und unmittelbaren Rückwirkungen auf die Reichspolitik
Der Ansturm auf die Weimarer Koalition ist D#>n unzweifelhaftem Erfolg gewesen. Rur das Zentrum hat sich wieder olS Turm in der Schlacht erwiesen. Dagegen haben die Sozial- demokraten schwer bluten müssen. Eie verlieren fast ein Drittel ihrer alten Frak- tionsstärkc und sinken unter 100, während die Staatsportei von ihren 22 Mandaten nur Zwei retten konnte. 3m alten Landtag hotte die Weimarer Koalition von 450 Stimmen eine knappe Mehrheit von 230. im neuen wird sie gerade noch zusammen über 162 Sitze verfügen und dadurch ebenso stark sein als die R a t i o n o l s o z i o l i - st e n allein, die mit 162 Mandaten in deü künftigen Landtag einziehen.
Die. Verluste.der Sozialdemokraten sind größer, als die Parteileitung selbst erwartet hatte. Die Abwanderung zu den Kommunisten ist doch recht erheblich gewesen. Allerdings haben auch die Kommunisten keine Ursache, über den Ausgang besonders erfreut zu sein. Sie konnten ihre Mandotssihe zwar von 48 auf 57 steigern, ihre Erwartungen sind aber doch etwas höher geschraubt gewesen. Sie haben zwar einen Teil der Verluste, die fie im zweiten Wahlgong der Reichspräsidentenwahl erlitten hoben, ausgleichen können, die Zahlen vom ersten Wahlgang haben sie jedoch nirgends erreicht. Gegenüber dem 13. März kehren sie mit erheblichen Verlusten vom Schlachtfeld zurück.
Sieger auf der ganzen Linie sind die Ra - tionalfozialisten. 3hre Gewinne sind nicht überall gleichmäßig. Sie haben aber an allen Stellen ihre Stimmenzahl über den ersten Wahlgang der Präsidentenwahl hinaus steigern könnest, haben teilweise sogar noch einen Zuwachs über den zweiten Wahlgang hinaus gehabt. Aus dem Gesamtbild ergibt sich, daß ein großer Prozentsatz der H ugenberganhän- g e r, die im zweiten Wahlgang für Hitler stimmten. dort hängengeblieben sind. Die nationalsozialistische Bewegung hat also offenbar ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Dafür hobe'4 die Deutschnationalen schwer ein- gebüßt. Don den 71 Mandaten des alten Landtages haben sie gerade 31 gerettet. Der Kampf gegen die Rativnalsözialisten. den sie in den letzten Wochen mit steigender Verve geführt hoben, ist vergeblich geblieben. Sie erreichten etwa den Stand der Reichstagswahl von 1930 wieder.
Ein besonderes Kapitel ist die Zerreibung der Mitte, die mit den preußischen Wahlen jetzt restlos auseinanderfällt. Die Gesamtheit der wirklichen Mitte, die im alten Landtag noch mit über 80 Mandaten war, würde vielleicht bei günstiger Zählung etwa zehn Mandate bringen, die Mitte bekommt die Quittung für ihre Unentschlossenheit, die parteipolitische Hemmungen nicht überwinden konnte und trotz der Gefahr des völligen Dankerotts nicht rechtzeitig den Weg zu -einem neuen Zusammenschluß finden konnte. Das Bürgertum, das in jedem gesunden Staat den Kernpunkt der Regierung bilden müßte, ist zur politischen Bedeutungslosigkeit verurteilt. Es hat aus der Verzweiflung über die trostlose wirtschaftliche Lage seine Zuflucht bei den Ratio- nalfozialistcn gesucht.
Die Rationalfozialisten werden jetzt zu zeigen haben, was sie in der praktischen Arbeit leisten können. Die Parteibesetzung wird ungefähr fo aus- sehen. daß den 162 Sitzen der Weimarer Koalition jetzt aus den Deutschnationalen. Rationalsozialisten und den Resten der Mitte etwa 200 gegenüberstehen, so daß die 5 6 Kommunisten das Zünglein an der Waage bilden. Ausgefallen sein dürsten ungefähr , Millionen Stimmen, weil die wahltechnischen Voraussetzungen für die Auswertung dieser Stimmen, die jeweils an ein Mandat in einem Wahlkreisverband gebunden find, nicht vorhanden waren.
Hätten die Deutschnationalen den Vorschlag der Volkspartei angenommen und einer formellen Listenverbindung zugestimmt, dann würde das Schwergewicht der Rechten sich unmittelbar an die Mehrheit herangezogen haben, während jetzt die Möglichkeit einer Regierungsbildung bis zur Hoffnungslosigkeit durchererziert werden muß. Zentrum und Rationalsozialisten toärcn allein zwar imstande, eine Mahrheit zu bilden, das Zentrum wird sich dazu aber sicher n.cht bereit finden. Für eine Minderheits
regierung nach dem Vorbild des Kabinetts I Geschäftsordnung eine absolute Mehrheit Brüning ist die Basis viel zu knapp, rechnungs- verlangt, sich als unmöglich erweist. Aber die mäßig hat also die Weimarer Koalition I Minderheitsregierung Braun muß rasch zu unwahrscheinlich Recht behalten, wenn sie glaubt, haltbaren Zuständen führen, da schließlich doch daß ihr Kabinett geschäftsführend am Ru- ein Eingreifen des Reiches kaum zu ver- der bleiben könnte, weil die Wahl eines meiden ist.
neuen Ministerpräsidenten nach Veränderung der I -------
Oie neuen Landtage.
Kammerdieners zur Wahl erschien. Das Lokal, das durch Polizeistreifen und mehrere höhere Polizeioffiziere besonders gesichert war, wurde neben vielen Reugierigen von einem Heer von Photographen und mehreren Tonsilm-Apparaten umlagert, sogar im Lokal selbst wurde der Wahlakt des Reichspräsidenten von einer Wochenschau festgehalten. 3m zweiten sog. Ministerwahl- fötal in der Tauben st raße wählte heute nur Reichspostminister Schätzet. Der preußische Ministerpräsident Braun wählte im Laufe des Vormittags in Zehlendorf unweit feiner Woh-
Preußen.
zusammen 422 (450)
Bayern.
Abgeg. Stimmen:
22 069 849.
Wahlbeteiligung 81" n.
14.9. 30
Wandale
So;.
4 674 943
(4 989 500)
93
(137)
Deutschnat.
1 524 931
(1 968 700)
31
(71)
Zentrum
3 374 413
(3 158 100)
67
(71)
Kommunisten
2 819 602
(3 141 500)
57
(48)
Dp. vp.
330 807
(1 004 200)
7
(40)
H7p.
191 032
(803 100)
0
(16)
Landvolk
153 562
(579 000)
0
(12)
Staatspartei
332 441
(681 000)
2
(22)
Tlat.Soz.
8 008 219
(3 968 000)
162
(9)
D Hann.
63 803
(------)
1
(5)
Chr.So;.
255 068
(509 400)
2
(4)
So;.-ilrb.-Parfei
80 437
(-------)
0
(3)
Bolksrechtsp.
44 119
(1928: 236 400) 0
(2)
Hab. Mittelst.
9 949
(------)
0
(1)
komm. Opp.
—
(-------)
0
(1)
Linkskomm.
■ ■
l-------)
0
(1)
Splitterparteien
189 632
(-------)
0
(0)
Fraktionslos
(7)
zusammen 128 (113)
Württemberg.
24. 4.32
14. 9. 30
Wandale
Bayer, Bp.
1 272 074
(1 175 100)
45 (40)
So,.
604 098
(787 700)
20 (30)
Bayer. Bb. u. Slp.
253 260
(351 000)
9 (15)
Deutschnat.
127 963
(75 100)
3 (11)
Hat.-Sa,.
1 270 602
(677 900)
43 (9)
komm.
259 400
(224 700)
8 (3)
So,. Arb.-Part.
13 452
(--------)
- H
Chr.-So,.
12 109
(-------)
- (-)
D. Bp. u. wp.
66 012
(176 700)
- (4)
werkt, votksp.
236
(------)
- (-*)
14.9.1930
Wandale
So,.
206 572
(280 700)
14
(21)
Zentrum
254 675
(281 600)
17
(16)
B. u. wgb.
133 645
(178 400)
9
(15)
StP.
59 689
4
(8)
D. Bp.
19 319
(135 400)
—
(4)
komm.
116 644
(130 100)
7
(6)
Dn.
53 410
(54 500)
3
(4)
Lhr.-So,.
52 352
(91 400)
3
(3)
Hat.-So,.
328 188
(128 700)
23
(1)
Bolksrechtp.
—
( - )
—
(2)
80 (80)
Oie Hamburger Bürgerschaft
27.9.1931
Wandale
So;.
226 233 (214 500)
49 (46)
Hat. So;.
233 528 (202 500)
51 (43)
Deutjchn.
32 344 (43 300)
7 (9)
Zentrpm
10 019 (10 800)
2 (2)
komm.
119 477 (168 700)
26 (35)
Staalsp.
84 139 (67 100)
18 (14)
D. Bolksp.
23 805 (35 900)
5 (7)
wirtfchp.
4 880 (11 400)
1 (2)
Ehr. So;.
7 729 (10 800)
1 (2)
So;. Arbp.
2 200 ( — )
0 (-)
160 (160)
Oer Landtag in Anhalt.
14.9.1930 Mandate
So;.
75120
(85 000)
12
(15)
Deutjchn.
12 807
(13 700)
2
(2)
Zentrum
2 630
(2 600)
1
(0)
komm.
20 414
(23 700)
3
(3)
D. Bolksp.
8194
(22 960)
2
(6)
Haus- u. Grundbef.
6 386 (28: 8300)
1
(2) '
D. Slp.
3 227
(5 000)
1
(2)
Jlal.-Soj.
89 602
(44 000)
15
(1)
So;. Arbp.
803
( - )
0
(-)
Landbund
—
( - )
—
(4)
wirtfchp.
—
( - )
—
(1)
37 (36)
Ruhiger Verlaus des Wahltags.
Berlin, 24. April. (TLI.) Rach den bis *u den frühen Rachmittagsstunden vorliegenden Meldungen haben die Länderwahlen im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen. Rachdem am Vortag der Wahl von allen Parteien noch einmal die letzten Kraftreserven mobilisiert worden waren, war die Propagandatätigkeit am Sonntag nur noch gering. 3n einigen Wahlkreisen war überdies ein Verbot jeglicher Wahlwerbung für den Wahltag erlassen worden. Die Wahlbeteiliguna war bis in die frühen Rach- mittagsstunden1 hinein keineswegs einheitlich, während aus Pommern, den schlesischen Wahlkreisen. Schleswig-Holstein und Magdeburg recht lebhafte Wahlbeteiligung gemeldet wurde, die mitunter diejenige vom 2. Wahlgang für die Reichspräsidentenwahl übertraf, wurde aus anderen Wahlkreisen eine auffallende Zurückhaltung der Wahlberechtigten gemeldet.
3« Berlin.
Berlin. 24. April. Die Reichshauptstadl bietet heute, verglichen mit den beiden Reichspräsidentenwahlen, ein weitaus lebhaf- tere-S Gtraßenbi ld. Während die Hauptverkehrsstraßen und die großen Plätze, abgesehen von den Litsaß-Säulen, fatz gar keine Wahl- Propaganda aufweisen, herrscht in den Reben- strahen, vor allem denen des östlichen und nördlichen Berlins, aber auch in den südlichen Vororten, ein regelrechter glaggcntrieg, wie er bisher in Berlin noch nie beobachtet werden konnte. 3n vielen Häusern sind vier, ja manchmal sogar fünf verschiedene Parteifahnen herausgesteckt. Zahlreiche Radfahrer-Kolonnen, hauptsächlich der RSDAP. und der KPD. mit ihren Parteifahnen, durchfuhren die Stadt. Der Samariter- dienst, der einzelnen Parteien, der heute hauptsächlich die Aufgabe hat, bettlägerige und altersschwache Wähler an die Urne zu tragen, hatte bereits in den ersten Wahlstunden seine Arbeit intensiv ausgenommen. Die Litfaßsäulen sind fast restlos mit riesigen Wahlplakaten beklebt und nur unterbrochen durch die öffentlichen Bekanntmachungen über die Wahl und die Wahllokale
Besonderes 3ntereffc erregte bei der heutigen Wahl das Wahllokal in der Kanonierst r a h e , wo kurz vor 8.30 Llhr der Reichs - I Präsident v. Hindenburg in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner und seines I
nung.
Rachdem es in der Reichshauptstadt in der Rächt zum Wahlsonntag schon vielfach kleinere Zusammenstöße, zwischen politischen Gegnern gekommen war. forderte der Wahltag am frühen Morgen ein Todesopfer. 3m Südwesten Berlins in der Möckemstraße wurde gegen 4.30 Llhr der 22jährige Kaufmann Udo Eurth, c i n Angehöriger der RSDAP von Kom- muniften überfallen und durch einen Schuß in die Schläfe getötet. Vier Kommunisten wurden als mutmaßliche Täter verhaftet. Als im Laufe des Sonntagvormil- tags die Ermordung des jungen Rationalfozialisten im Südwesten Berlins bekannt wurde, wurden in der dortigen Gegend vielfach die Haken- kreuzfahncn mit einem Trauerflor versehen. Ob es sich bei einem zweiten Fall auch um einen politischen Mord handelt, bedarf noch der Aufklärung. 3n einem Garten am Bahndamm in Steglitz wurde gegen 5 Uhr die Leiche des Architekten Hugo Freeck aus ® b a r l Ottenburg gefunden. Freeck ist wahrschein- lich nach voraufgegangenem Kampf übereinen 1.5 Meter hohen Drahtzaun getoor- f e n worden.
3n den preußischen Provinzen.
3m ganzen Ruhrgebiet ist es am Wahltage überall ruhig gewesen. Dagegen mußte die Polizei in der vergangenen Rächt wiederholt cinfd)reiten und Demonstranten und Klebekolonnen festnehmen. Zu ernsteren Zusammenstößen kam es gestern abend in Duisburg- Hamborn in einer nationalsozialistischen Versammlung, die von einer größeren Menge Kommunisten gestört wurde Bei der Schlägerei wurden 14 Personen so schwer verletzt, daß sie dem Krankenhaus zugeführt werden mußten. Auch am Hamborner Altmarkt kam es zu einer Schlä- gerei, bei der die Polizei einschreiten mußte. Ein 49jähriger Arbeiter wurde durch einen Bruststich so schwer verletzt, daß der Tod unmittelbar darauf eintrat. Drei Kommunisten wurden als mutmaßliche Täter feftgenommen. 3n Recklinghausen, Gelsenkirchen. Bochum sowie im Sauerland ist alles ruhig gewesen. 3n Düsseldorf wurde ein Kaufmann von Kommunisten auf der Straße überfallen und fo schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. 3n der Rächt waren verschiedentlich Malkolonnen unterwegs, von denen einige verhaften wurden. 3m ganzen Rheinlande find nirgends beachtenswerte Zwischenfälle am Wahltage vorgekommen. ebensowenig im übrigen Preußen.
Wes Presse-Echo des WahlsonnlW.
Berliner Montagsblätter.
Berlin, 25. April. (ERB. Funkspruch.) Die ,.M o n t a g s p o st" bucht einen wesentlichen Stimmgewinn des Zentrums, der?vor allem deshalb gewürdigt werden müsse, weil Die Partei des Kanzlers im Brennpunkt des Angriffes gestanden habe. Vollkommen zusammengebrochen seien die bürgerlichen Parteien, die bisher dem Zusammengehen mit den Rationalsozialisten das Wort geredet hätten. Für das Zentrum, die Sozialdemokratie und auch die Etaatspartci bedeute die Tendenz der Wahl unbestreitbar eine Rechtfertigung ihrer Politik. — Das heute zum letztenmal erschienene „M o n t a g 8 b l a 11" nennt Hitler und Hugenberg „geschlagene Sieger". Es werde sich jetzt darum handeln, welche Entschlüsse das Zentrum fasse. Vermutlich werde es einstweilen für die ordnungsgemäße Fortführung der Staatsgefchäfte keinen anderen Ausweg geben, als das bisherige Ministerium als sogen. Geschäftsmini st e- r i u m im Amt zu belassen. Als das einzig erfreuliche der Wahl nennt das Blatt das fast gänzliche Verschwinden der Splitterparteien
..D e r M o n t a g" schreibt, als maßgebende Parteien 'kämen nur noch die Deutschnalionale Volkspartei, die Rationalfozialisten. das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Kommunisten in Betracht. Eine sichere Mehrheitsbildung in den Grenzen, die bisher für die politische Entwicklung in Deutschland maßgebend gewesen feien, fei vermutlich nicht mehr möglich. — Die ..Reue Montagszeitung" nennt als wichtigstes Ergebnis der Preußenwahlen den großen Stimmverlust der Sozialdemokraten- Rund 500OOO ihrer
Wähler hätten ihre Stimmen der KPD gegeben. Das Blatt glaubt an eine Koalition des Zentrums mit den Rational- s o z i a l i st e n.
pariser presieftimmen.
Paris, 25. April. (WTB. Funkspruch.) Zum Ergebnis der gestrigen preußischen Landtags- wahlcm schreibt der Berliner Korrespondent des „M a t i n“, die Wahlen hätten die Lage nicht geklärt. Die öffentliche Meinung in Deutschland werde gespannt bleiben, da die Verteilung der Sitze für den Augenblick wenigstens die Schaffung einer regierungsfähigen Koalition unmöglich mache Die Verhandlungen würden bald zeigen, ob Hitler geneigt fei, auf legalem Wege zu bleiben, um die Regierungsgewalt in die Hände zu bekommen.
.3 o u r n a 1" schreibt. Hitler sei noch nicht Sieger. aber künftighin könnten nur sehr geschickte Kombinationen ihn daran hinderst, in der deutschen Politik eine wichtige Rolle zu spielen.
..Echo de Paris" meint, der deutsche Parlamentarismus sei gestorben Man befinde sich bereits einem 4. Reich gegenüber, das von Militärpersonen und methodischen Bureaukraten, von Kalkulatoren und Anhängern des Abenteuerführers geleitet werde. — ..R e p u b l i g u e" schreibt, die Wahl fei sowohl besorgniserregend wie beruhigend. Besorgniserregend, weil die revolutionäre Woge weiter über Deutschland hinweg- fege. Beruhigend, weil Hitler nicht über die absolute Mehrheit verfügen werde
„Quoli dien" schreibt, Deutschland sei in ein Aden- teuer geraten, dessen Ende und Folgen man nicht absehen könne. Man beobachte eine Entwicklung, an der sich weder Frankreich noch Europa freuen könne — Der sozialistische „Populaire" äußert, die gestrige Weht sei die legte Gelegenheit für Hit-


