wissen Grade Rechnung trägt. Auch die Engländer haben in den Besprechungen eine vorsichtigeHaltung eingenommen, so das; als Gesamtergebnis der Eindruck besteht, daß in Genf in keiner der behandelten Fragen En tscheid ungen getroffen worden sind.
Tardieu verlieh noch am Freitagabend Gens. Der amerikanische Staatssekretär Stimson beabsichtigt, sich zur Erholung von einer leichten Erkrankung für einige Tage in die Berge zu begeben. G r a n d i kehrt Samstag auf einige Tage nach Rom zurück. Auch Macdonald will sich am Ende der Woche für kürzere Zeit ausruhen, so dah bis Mitte nächster Woche keine neuen Verhandlungen zu erwarten sind.
Noch keine Einigung über Lausanne.
Tardieu über feine Unterredung mit Brüning.
Paris, 23. April. (WTB. Funkspruch.) Heber die gestrige Unterredung zwischen Reichskanzler Dr. Brüning und dem französischen Ministerpräsidenten Tardieu berichtet der Auhenpolitiker des „Petit pa- risien" aus Gens, Tardieu habe nach der Unterredung erklärt, Brüning und er hotten keinen Besprechungsgegenstand ausgelassen. Er, Tardieu, habe noch niemals Gelegenheit gehabt, mit Reichskanzler Brüning und Staatssekretär v. Bülow sich so eingehend auszusprechen. Die gestrige Gelegenheit habe man benutzt, um die Deutschland und Frankreich interessierenden Fragen vorüberziehen zu lassen. Ministerpräsident Tardieu habe, so fährt der Korrespondent fort, die Ideen, die bei diesem Meinungsaustausch zum Ausdruck gekommen seien, und den Gesamteindruck, der sich ergeben habe, für sich behalten. Das Blatt berichtet hinzufügend, dah hinsichtlich der Reparationen noch keine Entscheidung getroffen worden fei, weder über das Datum des Zusammentritts der Lausanner Konferenz, die nicht vor der zweiten Hälfte des Juni beginnen dürfte, noch über den Vorsitz, obwohl die französische Regierung allerdings daran gedacht habe, als B o r s i h e n b e'n den Belgier Theunis vorzuschlagen. „Echo de Paris" dagegen erklärt, die Lausanner Konferenz könne kaum später als am 16. Juni zusam- menlreten. hinsichtlich der Reparationen hätte weder die deutsche noch die französische Einstellung bisher eine Aenderung erfahren.
Keine Beruhigung in Paris.
Tie Krisis der Konferenz nur vertagt.
P a r i s, 23-April. (WTB. Funtfpruch.) „Echo de Paris" (nationalistisch) meint, der französische Borschlag werde früher oder später doch a b g e l e h n t werden und dann käme die Krise der Konferenz. Das scheine aber noch in weiter Zukunft zu liegen, da Brüning mit Tardieu übereingekommen sei, die Diskussion über die beiden entgegengesetzten Standpunkte bis nach den Wahlen in Deutschland und Frankreich zu verschieben. — „Journal" (rechts) stellt fest, dah der französische Borschlag formell nur von der Kleinen Entente, Polen, den südamerikanischen Staaten — mit Ausnahme Argentiniens und Brasiliens — Belgien und in gewissem Sinne auch von Japan unterstützt werde. Die übrigen Großmächte dagegen und die meisten kleinen Mächte seien Anhänger der These, daß die durch den Friedensvertrag Deutschland auferlegten Beschränkungen auch auf die übrigen Staaten ausgedehnt werden mühten. Es habe den Anschein, dah Frankreich bei jeder Etappe immer weiter eingeengt werde. — „Matin" (regierungsfreundlich) ist der Meinung, dah die neue Fassung der Cnt- schliehung England nicht fest lege, die Stellung Frankreichs dagegen aufrechtcrhalte.
„Journee Industrielle" erklärt, die Gefahr für Frankreich sei nur vertagt worden. — Der sozialistische „Populaire" hebt hervor, Frankreich bleibe in der völligen Isolierung, in der es auch vorher in Genf gewesen sei. „Figaro" (nationalistisch) spricht von einer „Waffenruhe" für den französischen Borschlag. — Die „Action Fran^aise" (royalistisch) glaubt, dah die Aussichten für seine Annahme offensichtlich sehr schlecht stünden.
Arbeitsbeschaffung durch Instand« sehung des Hausbesihes.
Berlin, 22. April. (WTB). Amtlich. Unter den Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung ist die Instandsetzung des hausbesihes von besonderer Bedeutung. Der Reichsarbeitsminister hat vor kurzem die Länder auf verschiedene Maßnahmen tjingeroiefen, die der Arbeitsbeschaffung auf diesem Gebiete dienen können. Die Länder sind gebeten worden, soweit möglich, Mittel der Hauszins st euer für 3 n- stondsehungen bereit)« ft eilen und dem einzelnen Hausbesitzer die Aufnahme von Kapital durch Zinszuschüsse aus der Hauszinssteuer zu erleichtern. Es ist ferner darauf hin- geroiefen worden, dah auch die Möglichkeit besteht, die erforderlichen Mittel durch Wechselkrcdit zu beschaffen. Auf Grund von Verhandlungen mit der Reichsbank konnte feftgefteUt werden, dah d ie Reichsbank grundsätzlich bereit ist, derartige wechsel zu diskontieren. Auf diesem Wege wird sich die Ausführung von Jnstandsehungs- arbeiten in erheblichem Umfange ermöglichen lassen.
Verminderung des Personalbestandes der Reichsbahn.
Berlin, 22. April. (TU.) Die Reichsbahnhauptverwaltung hat mit den Eisenbahnergewerkschaften Verhandlungen ausgenommen, um über die Mahnahmen zur Berminderung des Personalbestandes zu einer Einigung zu kommen. Rach Angabe der Reichsbahn liegen gegenwärtig rund 3 0 0 0 Lokomotiven, die vollkommen betriebsfähig sind, fest. Aus dem gleichen Grunde
können auch 1 4 0 0 0 Güterwagen nicht verwendet werden. Im ganzen sind 1 8 000 Arbeiter, in erster Linie aus den Werkstätten überzählig. Sie würden, wenn die Vorschläge der Hauptverwaltung verwirklicht werden, künftig zehn Monate im Jahre voll
arbeiten und zwei Monate feiern. Bon den Gewerkschaften hat man sich bisher zu diesem Vorschlag noch nicht endgültig geäußert. Im Reichsarbeitsministerium steht man dem Vorschlag sympathisch gegenüber. Dieses wird jetzt zwischen den beiden Parteien vermitteln.
Privatwirtschaft und Wirtschaftskrisis.
Oer Reichsverband der Deutschen Industrie zur Lage.
Berlin, 22. April. (WTB.) Unter Vorsitz von Dr. Krupp von Bohlen und Hallbach sanden'heute Sitzungen des Präsidiums und Vorstandes des Reichsverbandes der Deutschen Industrie statt. Beide vertreten den Standpunkt, daß die immer stärker zunehmenden Absperrtendenzen der einzelnen Staaten, den internationalen Kreditmarkt und Warenhandel zu vernichten drohen. Deutschland insbesondere kann nur dann seine kreditpolitischen Beziehungen mit dem Auslande aufrechterhalten und seine Verpflichtungen erfüllen, wenn man ihn in einem ausreichenden Maße seine Waren a b n i m m t. Jeder Versuch, die Zahlungen außerhalb des Warenverkehrs zu verlangen, muß zwangsweise zu einer Gefährdung der i n* ternationalen Währungsbasis führen. Der Reichsoerband hält es deshalb für erforderlich, daß die Reichsregierung gegenüber dieser Entwickelung eine weitgehende handelspolitische und innerwirtschaftliche Aktivität entfaltet. Insbesondere muß nach seiner Auffassung
1. mit allen Mitteln eine Stärkung des deutschen Produktions. und Handelsvolumens und damit eine Verbesserung des deutschen Arbeitsmarktes und eine Erhöhung des verfügbaren Devisenbestandes angestrebt werden;
2. muß eine möglichst weitgehende Förderung der deutschen'Ausfuhr unter gleichzeitiger Stärkung des Binnenmarktes Platz greifen. Hierzu gehört in erster Linie eine Senkung aller Faktoren der Produktionskosten sowie auch eine r e st l o s e Ausnutzung aller Kreditmöglichkeiten;
3. muß, solange eine Devisenbewirtschaftung nicht entbehrt werden kann, diese unter sorgfältiger Beachtung unserer handelspolitischen Interessen gehandhabt werden.
Der Vorsitzende brachte zum Ausdruck, daß die Reichsregierung angesichts derunerträg- lichen Belastung der Betriebe die un
abweisbare Pflicht habe, allergrößte Sparsamkeit walten zu lassen und insbesondere auch auf dem Gebiete der Verwaltungs- re form und des Finanzausgleiches Schritte zu ergreifen, um die Wirtschaft vor de r E r - drosselung durch Steuern und soziale Lasten zu bewahren.
Das Präsidium beschäftigte sich mit Angriffen auf dem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß gegen das Unternehmertum. Die Behauptung, daß insbesondere Teile der Schwerindustrie eine Inflation anstrebten, ist um so unverständlicher, als gerade diese Unternehmungen sich bei der Zerstörung der inländischen Kapitalbildung mit ausländischen Anleihen finanzieren mußten, also bei einer Geldentwertung nur stärker belastet würden. Auf demselben Riveau steht der Versuch, die Hauptschuld für die jetzigen Zustände derPrivatwirtschaft in die Schuhe zu schieben. Gerade die freien Gewerkschaften hätten allen Anlaß zur Zurückhaltung in dieser Beziehung. Denn dem Einfluß der sozialistischen Parteien und der freien Gewerkschaften auf die Poli- tik in den Jahren von 1918 biß 1 929 ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß das privat- wirtschaftliche System seiner natürlichen Ent- wickelungsgri^ndlagen beraubt und a u s gehöhlt worden ist. Wenn sich aus dieser künstlichen Einschnürung der Privatwirtschaft Rückwirkungen auf den allgemeinen Lebensstandard und den Arbeitsmarkt ergeben haben, so ist das einzig und allein Schuld der sozialistischen Politik, die allen Warnungen der Wirtschaft zum Trotz ihre wirtschaftsbela st enden und Wirtschaf t s g e f ä h r d e nd e n Eingriffe von Jahr zu Jahr gesteigert hat. Rur durch eine grundsätzliche Abkehr von diesen Methoden könne die Grundlage für eine Erhaltung der Betriebe, eine dauernde Verringerung der Arbeitslosigkeit und eine allmähliche Verbesserung der Lebenshaltung aller Schichten des deutschen Volkes wieder geschaffen werden.
Im Endkampf um Preußen.
Deutschland wird nach dem 1. Füll nicht mehr zahlen.
Eine Erklärung des Reichsfinanzministers.
Altona, 22. April. (TU.) Auf einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei erklärte Reichsfinanz- minifter Dietrich: Das Reich steht heute im Endkampf um die Abrechnung des Krieges. Das Mora- torium wird am 1.Juli ablaufen, aber Deutschland wird nach dem 1. Juli nicht mehr zahlen. Wann ich, der zuständige Finanzminister des Deutschen Reiches, das schon aussprechen darf, ohne daß es zu internationalen Verwicklungen kommt, so kann man das als Beweis dafür ansehen, daß auch den Staatsmännern der anderen Länder die Sachlage ziemlich klar geworden sein muß. Frankreich sei in einer schwierigen Sage, denn die Zahlungen von Deutschland fielen aus. Aber seine Schulden an Amerika müsse Frankreich weiter zahlen. Mehr und mehr zeige sich die politische und wirtschaftliche Unmöglichkeit der Friedensverträge, die eines Tages von selbst völlig zusammenfallen würden. Die Reichs- regierung habe den großen Banken 5 Milliarden Mark zahlen müssen, damit sie nicht zusammen- brechen. Außerdem habe das Reich 12 0 bis 1 30 Genossenschaftsbanken fortgesetzt stützen müssen; deren Zusammenbruch hätte die Vernichtung des gesamten Handwerkerstandes bedeutet. Das selbständige Unternehmertum des Mittelstandes müsse geschützt werden; denn es habe sich als das stärkste Fundament des Volkes erwiesen. Der kommende Winter werde noch schwerer als der norausgegangene. Ob wir ihn überstehen würden, hänge von' der Bereinigung der internationalen Atmosphäre und von der Lösung des Arbeitslosenproblems ab.
Hitler und Kube
im Berliner Sportpalast.
Berlin, 22. April. (ERB.) Als letzte der großen Wahlkundgebungen im Sportpalast fand eine Versammlung der Nationalsozialisten statt. Für den erkrankten Dr. Goebbels sprach Abgeordneter Kube. Er wolle als Führer der nationalsozialistischen Politik in Preußen darüber keinen Zweifel lassen: Nach der Wahl würden die Nationalsozialisten es nicht nötig haben, H «gen berg um Unter- st ü tzungzu bitten. Der Nationalsozialismus fei nichc parteikonservativ, er sei im Sinne der Staats- autorität die einzige staatskonservative Partei, und zwar aus dem lebendigen Bewußtsein der Verbundenheit zwischen Nation und Staat. Je stärker der Nationalsozialismus in der Masse verankert ist, desto sicherer wird der kommende Staat stehen. Wer nach den Preußenwahlen noch daran Anstoß nimmt, daß wir nationale Sozialisten sind, mag es tun, das Gesetz des Handelns liegt bei uns, und di e anderen haben s i ch unserer politischen W i I ( e n 5 b i I b u ng zu beugen. Unsere Losung lautet: Alles f ü r den Staat durch das V 0 l k. — Nach der Rede Kubes betrat gegen 22.30 Uhr Hitler den Saal. Von den Galerien wurden ihm Blumen zugeworfen. Hitler führte aus: Im ganzen Reich herrscht überall eine lleberzeugung: Es wird dieses Mal über mehr entschieden, als über die bloße Zusammensetzung eines Landtages oder über die Bildung einer neuen Regierung. Die Gegner wissen das auch. Sie können nicht ihre Leistungen und ihre Werke für sich sprechen lassen. In der nationalsozialistischen Bewegung hat sich das deutsche Volk zusammengefunden. Alle Berufe und alle Stände, alle Konfessionen und alle deutschen Stände. Welche Bewegung hätte je eine so endlose Folge von Unterdrückungen erlebt. Man könne mit der Drganh Mion nicht auch die Treue ihrer Träger auslösen. Wir wollen dem deutschen Volke zeigen, wie ver
logen es ist, ihm vorzugaukeln, sein Paradies könne in einer Klasse liegen.
Warum ein Aechtskaßmett im Reich nicht zustande kam.
Die deuifchnationale Lesart
Solingen, 23. April. ($11.) Bor den deutsch- nationalen Industriellen Groß-Solingens sprach Dr. Eduard S t a d t l e r über die Gründe, die zu einem Scheitern der Berhandlungen zur Bildung einer Rechtsregierung in den letzten Monaten geführt haben. Acht Tage nach Harzburg habe ein Rechlskabinctt unmittelbar vor der Tür gestanden. Zwischen Hugenberg und Hitler fei in Berlin eine Zusammenkunft vereinbart gewesen, auf der die nächsten Schritte zur gemeinsamen Machtergreifung besprochen werden sollten. Hitler hätte aber bereits Berhandlungen mit der Mitte, mit Dingeldey und der Wirtschaftspartei angeknüpft gehabt — ohne .Kenntnis Hugenbergs. Als Kanzler sei Geßler in Aussicht genommen worden, als Außenminister Brüning und als Wirtschaftsminister ein Wirtschaftsparteiler. Als jedoch bekanntgeworden fei, daß Hitler ohne Hugenberg verhandelte, habe die Wirtschaftspartei erklärt, die Harzburger Front bestehe ja überhaupt nicht, da sei Brüning doch der sicherere Hort. Auch im Januar sei die Möglich- keit eines nationalen Rechtskabinetts in greifbarer Rähe gewesen. Sie sei an den diktatorischen Ansprüchen der Rational- sozialisten gescheitert.
Kundgebung der Rationalen Front Deutscher Stände.
Berlin, 22. April. (ERB.) Auf einer gut besuchten Kundgebung der Rationalen Front Deutscher Stände betonte Graf Westarp, daß eine Rechte, die an Stelle der Regierung Braun-Severing etwas anderes setzen wolle, der Ergänzung durch die Abgeordneten der „Rationalen Front Deutscher Stände", des Christlich-Sozialen Bolksdienstes und der Deutschen Volkspartei bedürfe. Die Hindernisse zwischen der Rechten und dem Zentrum müßten überwunden werden, nicht allein durch Kampf, sondern durch loyale Bereitschaft zu gemeinsamer Arbeit. Gelinge der Zusammenschluß mit dem Zentrum nicht, so blieben erst recht die Abgeordneten der sogenannten rechten Mitte unentbehrlich. Rur durch sie könne, wenn überhaupt, eine absolute Mehrheit der Rechten erzielt, nur mit ihrer Hilfe der Gewaltstreich der alten Koalition vom 12. April rückgängig gemacht werden, nur mit ihnen eine v d n Radikalismus und Parteiabsolutismus freie Aufbauarbeit geleistet werden.
Als zweiter Redner der Kundgebung begründete Reichsminister T r e v i r a n u s die Rotwendigkeit der Wahl selbstsicherer, jahrzehntelang erprobter Persönlichkeiten. Im Massenrausch kämpfen Millionen Parteigenossen gegeneinander mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit. Der Mutlosen sind mehr geworden, wie in jenen dunklen Rovembertagen 1918. als die Mehrheit des Bol- kes es für gescheiter hielt, den Massenstimmungen Rechnun-g zu tragen. Eine bittere Zeche hat das ganze Volk für den Kleinmut jener Zeiten zu zahlen gehabt. Glaubt man im Ernst, daß ein radikalisierter sozialistischer Stimmungsüberschwang mit anderen Vorzeichen eine Gewähr dafür bietet, daß Fehler der Vergangenheit vermieden werden? Kein rotes, schwarzes oder braunes,
sondern ein schwarz-weißes Preuße« soll dem Reichspräsidenten einen stärkeren Rückhalt als bisher für einen gerechten Ausgleich der widerstreitenden Interessen geben.
Severing zum SA.-Verboi.
Magdeburg, 22. April. (CNB-) In einer Wahlversammlung der Sozialdemokratischen Partei erklärte Innenminister Severing, am Sonntag werde der Versuch wiederholt werden, auf indirektem Wege auf die Neichspolitik Einfluß zu gewinnen. Die Länderregierungen ernennen bekanntlich nicht nur die Bevollmächtigten zum Reichsrat, sondern sie instruieren sie auch. Man könne ober wie den Reichstag auch den Reichsrat ausschalten. Die Möglichkeit bestehe auf jeden Fall, daß eine energische Reichsregierung gegen die Sabotage des Reichsrates vorgeht.
Zum Schluß besprach Severing noch die Auflösung der SA. Er habe sich stets gegen alle Bünde, auch gegen d i e Gründung des Reichsbanners gewandt, weil er wisse, daß die Gründung des Reichsbanners nicht die letzte Etappe auf dem Wege zur Errichtung von Armeen für die Rüstung zum Bürgerkriege sein würde. Die Entwicklung habe ihm hier recht gegeben. Das Reichsbanner habe aber das Bewußtsein getragen, daß die Reichsfarben schwarz- rotgolb sind. Die Welt wurde wieder non der Anschauung durchdrungen, daß Deutschland nicht ohneRepublikaner ist, und das sei das große Verdienst des Reichsbanners. Hätten die anderen auch diese Zurückhaltung geübt, hätten sie sich nur auf die persönliche Ertüchtigung ihrer Mitglieder beschränkt, dann wäre es ihm nie eingefallen, die SA. zu verbieten.
Aus aller Welt
verminderte Zurechnungsfähigkeit Leo Sktareks?
Im Sklarek-Prozeß überreichte Rechtsanwalt Dr. Pindar dem Gericht mehrere ärztliche Gutachten und erklärte, daß auf Grund dieser Gutachten eine psychiatrische Untersuchung Leo Sklareks notwendig erscheine. Professor S. H. Lewy und Universitätsprofessor Arthur Cronseld hätten zweifelsfrei erhebliche organische Abweichungen festgestellt, die teils auf anormale Anlage, teils auf schwere Erkrankung, besonders aber auch auf langjährigen Alkoholmißbrauch zurückzuführen seien. Auf Grund des ärztlichen Befunds sei bei Leo Sklarek eine organische Schädigung des Zentralnervensystems fcstzustellen, so daß beide Sachverständige die Begutachtung seines psychischen Verhaltens für dingend erforderlich halten, da eine erhebliche Verringerung seiner Zurechnungsfähigkeit vorliege.
Eine Hochzeitsgesellschaft stürzt in den Keller.
Gelegentlich einer Hochzeitsfeier in Alen 5 0 n, zu der etwa 40 Hochzeitsgäste erschienen waren, ereignete sich ein Unfall, der leicht schwere Folgen hätte haben können. Die Gäste wollten nach dem Essen tanzen, als der Fußboden plötzlich nachgab. Alle Gäste stürzten mitsamt den Möbeln und dem Geschirr in den Keller, in dein das Wasser über einen halben Meter hoch stand. Glücklicherweise kamen alle mit unwesentlichen Hautabschürfungen und einem ungewollten Bad davon.
Das Einsturzunglück auf Korsika.
Die Bergungsarbeiten im Justizpalast von Bast i a wurden beendet. Es bestätigt sich, daß d i e Zahl der Toten 15 beträgt, während sich die der Verletzten auf 30 beläuft. Unter den Toten befißden sich außer zwei Rechtsanwälte n ein Dataillonsführer der Kolonialinfanterie, der den Verhandlungen als Zuhörer beiwohnte. Unter den Schwerverletzten befindet sich außer den beiden Bürgermeistern von Bastia auch der Angeklagte, der sich wegen Hehlerei in der Angelegenheit der korsischen Banditen zu verantworten hatte. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und muhte in hoffnungslosem Z u st a n d in das Krankenhaus überführt werden. Wie verlautet, sollte das Justizgebäude bereits vor mehreren Jahren einmal einer gründlichen Renovierung unterzogen werden. Da das Gebäude bereits 1858 errichtet wurde, hatten sich hier und daschonseitlan- gem baufällige Stellen gezeigt, deren Ausbesserung in Anbetracht der Wirtschaftskrise aber immer wieder verschoben wurde.
Die Hinterlassenschaft von Edgar Wallace.
Der bekannte Kriminalschriftsteller Edgar Wallace hat, wie jetzt bekannt wird, ein Vermögen von 1 8000 Pfund Sterling und Schulden in Höhe von 80000 Pfund Sterling hinterlassen. Letztere sind hauptsächlich auf schwere Verluste bei Pserd«e rennen und auf die weitgehende Gastfreu n d schäft des Verstorbenen zurückzuführen.
Was war der Anlaß zu fireugers Selbstmord?
Die Zeitung „Mya Dagligt Allehanda" erklärt, daß Ivar Kreuger schon am 11. Ak ä r z, also am Tage vor seinem Selbstmord, f a ft entlarvt worden märe. An diesem Tage fand eine Sitzung mit verschiedenen nach Paris berufenen Mitarbeitern Kreugers statt, und einer von diesen Herren verlangte Aufklärung von Kreuger über eine für ihn sehr unangenehme Frage. Kreu- ger stand, ohne ein Wort zu äußern, auf und entfernte sich, die Tür hinter sich zuknallend. Nach einigen Stunden erschien er wieder und erklärte, daß er am folgenden Tage d i e Frage beantworten wolle. Die Beantwortung erfolgte auch, aber in einer Form, die die Konferenzteilnehmer nicht geahnt hatten.
Wettervoraussage.
Nach wie vor bewegt sich das Tief über dein Nordmeer, welches seinen Kern wieder etwas vertieft und mehr nach Schottland verlagert hat. An seiner Südseite dringt weiterhin ozeanische Lust teils aus Südwesten, teils aus Westen kommend vor. Wenn sich auch zeitweise noch etwas mildere Lust mit einmischt, so besteht doch die Möglichkeit, daß kühlere Luft an der Rückseite des Tiefs sich stärker auswirkt, wodurch im ganzen leichte Auffrischung eintritt. Einzelne mehr schauerartige Niederschläge, die stellenweise auch von Gewittererscheinungen begleitet sein dürsten, sind noch zu erwarten.
A u s s i ch t e n f ü r S 0 n n t a g: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, mild, jedoch etwas frischer, einzelne Schauer gewitierhasker Art.
Lufttemperaturen am 22. April, mittags 13,6 Grad Celsius, abends 9,4 Grad; am 23. April: morgens 6,4 Grad. Maximum 15,6 Grad, Minimum 5,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. April: abends 9,8 Grad; am 23. April: morgens 7,6 Grad. — Niederschläge 9,8 mm. — Sonnenscheindauer 5K Stunden.


