Nr. ZO Drittes Blatt Giehener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Gberheflen)
Mittwoch. 25. März 1<)52
.....J
RußtandsWachi am Stillen Ozean ^ot'Weih-Gelb. — Oer Kamps um die Bahn. — Moskau am Kreuzweg.
Don unserem K.-Berichterstatter.
tRachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Harbin, März 1932.
Aus der ganzen Erde gibt es derzeit kein so unpersönliches melancholisches Nervenbündel wie diese koloniale Provinzstadt Harbin Ein Nervenbündel nicht wegen ihrer Ausgestörtheit. — Schanghai ist böser daran, dort brennt es schon, während hier der eigentliche Brand erst noch erwartet wird Aber in Harbin bündelt sich da- Schicksal der Nossen, nicht nur der Staaten. DaS ist gcwtst viel gesagt. Doch wie sollte man diese Dcrknotung nicht gerade s o sehen, wo doch Safran in Schanghai seinen Widerstand gesunden hat — in dem kriegerischen Boykott der Chinesen. Während Harbin niemandes Besitz ist, während hier keiner ist, der Widerstand zu leisten vermochte Harbin ist so unpersönlich wie nur möglich, weil cS allen gehört, weil es alle«1 Welt bekannt ist und in Wirklichkeit doch keinem. Nicht einmal sich selber gehört es. Die Japaner hatten hier einen leichten Sieg Darum hebt sich Harbins unpersönliche Internationälität vom Hintergrund der Weltpolitik wie eine einzige grohc Unsicherheit ab. Aus seine Bewohner wirkt daS zurück sie sind seit der Japaner Einzug hier um einen Ton melancholischer geworden. Einzig die Westeuropäer, aber nur wenige sind es. treten unter den 250 000 Harbiner Bürgern ziemlich sicher aus. Denn auch die Chinesen haben vor den Japanern beigegcben.
ES ist immerhin Krieg. Und seitdem die Japaner hier sind, gibt cs auch wieder so etwas wie Ordnung. Das war dringend nötig. Um nur einen Fall von vielen zu nennen: Kurz vor dem Einzug der Japaner gab cS zwischen den Nüssen und Chinesen einen unerhörten Krawall. Ein Nüsse soll, hiest cS, einem chinesischen Händler irgendein Stück Ware entrissen haben und damit gefluchtet sein. Die Chinesen taten sich im Nu zusammen und Überfielen den Nüssen. Woraus die Russen sich ihrerseits zusammenschlossen und — tagelang in der Stadt von nichts anderem die Rede war, als von der so blutig auSgebrochcnen russisch-chinesischen Feindschaft. Ein wahrer Krieg drohte und wer weist, wie die Dinge ausgcgangen wären, — doch die Japaner besetzten die Stadt Später stellte sich heraus, das; jener Russe nur so gehandelt hatte, wie alle Russen und man möchte sagen Weihen gegenüber einem Chinesen gehandelt hätten, der sie gerade wieder mal unverschämt übervorteilt und dazu noch provoziert. So geladen ist die Luft zwischen Russen und Chinesen
Aber jener taaelange Strastenlrieg zeigte auch ein anderes: dast nämlich die Unterschiede zwischen weihen und roten Russen gegenüber den Chinesen aushören. wenn die Chinesen im Unrecht sind. Und sie sühlen sich immer im Recht, womit wir denn auch unmittelbar in das ganze ostasiatische Russenproblem gelangt sind. ES gibt in der Mandschurei an die 800 000 Russen, davon 200 000 in Sowjetdiensten. Die übrigen bOOOOO sind Emigranten Kaufleute. Gelehrte, Bauern, doch zumeist Soldaten und Offiziere, Ucberreste alter bolfchewistenfeindlicher Armeen. Aber alle 800 000 sind heute offene Feinde der Chiisefen. wenn eS auch aus Gründen der parteipolitischen Scheidung vertuscht wird Mit den Japanern aber hält man es wegen der Ordnung, die sie ins Land bringen. Darüber hinaus jedoch herrscht. . . Aber versuchen wir es lieber, daS Bild von einer anderen Seite her zu betrachten.
CS sind erst ein paar Jahre her, Öa träumten viele Russen noch von einem BündniS mit
den Asiaten, d h hier den Chinesen und Japanern, gegen Europa, im einzelnen auch gegen Deutschland. Das war die Zeit der Reaktion aus Europas Derrat am nationalen Russland. Europa sei schuld am Triumph des Bolschewismus. Harbin war ener der Mittelpunkte dieser Lehre. Je mehr aber die Politik auch Japans und Chinas gegenüber bem Sowjetstaat den Emigranten Nachteile brachte - - viele Emigranten muhten zum Beispiel ihren Dienst aus der Ostchinabahn Sowjetangestellten überlassen —. je mehr auch Frankreich, England und Italien mit dem roten Moskau paktierten, desto kritischer begann man zu denken. Und heute ist von der paneurasischen Lehre nur noch der Schatten übrig geblieben Zugleich aber mit dem Schwinden dieser Stimmung wechselte das Derhalten zu den Gelben Die Chinesen suhlten sich aus einmal a l S die Herren nicht nur über die emigrierten Russen, sondern auch über die roten, denn deren Interessen an der Ostchinabahn waren ja nur geduldet, und zwar aus Gründ alter Zwangs- Verträge zwischen Petersburg und Peking. Der chinesische Fremdenhah. gepaart mit Unordnung. Hinterlist und schleichender Habgier, der sich zur selben Zeit gegen die Fremdmächte in ganz China und im einzelnen gegen Japan entwickelte richtete sich im besonderen gegen d i e Russen, soweit er sonst Widerstand fand, denn die Russen waren die Schwächeren. Und sind es noch heute.
Insofern also der chinesische Fremden- und Weistenhast sich gegen alle Russen ohne Unter- schjed. rote wie weihe, richtet, sind sich die Russen einig. Das um so mehr, als gewichtige national-russische Interessen von selten Chinas und Japan« gesährdet sind, Interessen, deren Derteidigung eine Dristenzfrage ebenso der Bolschewisten ist. wie sie es für jedeS andere Rustland war und fein wird: der AuSgang Rustlands in den Stillen Ozean scheint in jafrani- schen Besitz übergehen zu sollen. Und hier nun klasst sofort der Abgrund aus zwischen Antibolschewisten und Bolschewisten Die Sache ist an sich sehr einfach. Nur die Politik macht sie verwickelt und schier unlösbar. Denn im Grunde sind die Chinesen die natürlichen Partner der Russen. Die Chinesen! beanspruchen keinen Rückzug russischer Interessen. Im Gegenteil: alS natürliche Nachbarn zu Lande werden sie gemeinsam von der See her bedroht. Wo aber politische oder wirtschaftliche Konflikte bestehen, da geht eS nur um eine Korrektur — zum Beispiel in bezug auf die Verwaltung der Ostchinabahn. die ja gemeinsamer Besitz ist.
Auch die Kolonisationsfrage ist Konfliktsstoff nur solange es russische Bauern aus Sibirien in der Mandschurei gibt, mit dem Aufhören einer Emigration hört auch diese Reibung auf, Ostsibirien ist menschenarm, aber an allerlei Natur- schätzen überreich für RustlandS Kolonisation also eine fast unbegrenzte Möglichkeit. Jedoch ist auch da« rote Moskau an die Taktik des ftänbigen Lavierens zwischen Japan und China gebunden, ganz wie das alte Ruhland, und ist eS heute um so mehr, als feine eigene Kraft nur gering Ist: Ruhland verfügt in feinen fernöstlichen Gewässern weder über eine Kriegsslotte noch auch eine ausreichende Handelsflotte. Das ganze russische Küstengebiet lebt isoliert vom übrigen Ruhland, wird von dort her sogar al« eine Art Last empfunden, muh es doch mit Geld und Nahrungsmitteln unterstützt werden, obwohl eS eine wahre Goldgrube materiellen Reichtums fein und an Ruhland sogar noch grohe Schätze abgeben könnte
Gießener Giadiiheaier.
Bernatd Lhaw: „Candida".
Der offizielle Untertitel dieser Komödie lautet: Mysterium in drei Akten: eine private Aenherun^ Shaws bezeichnete es als „rociiierlid)eii Unsinn . Wie inan Shaw kennt, wird cs gestattet sein, beide Erläuterungen nicht übermäßig ernst zu nehmen. Er nimmt ja selber, wie etwa neuerdings wieder die letzten Bulletins von feiner füdasrikanifchen 'Reife dartun, nicht allzuviel auf dieser West von der seriösen Seile.
Man darf auch daran erinnern, dast das Stück bald seinen vierzigsten Geburtstag begehen wird — es wurde 1894 geschrieben —, dah es also ein Der- hältnismähig frühes Werk ift öic|cr Shaw Ist noch loergleichsweisc, gemessen an seinen späteren «chrif. ten) milde, lyrisch, manchmal beinahe romantisch: nach nicht so paradox, so giftig und In angriffsluftig wie später, obwohl cs auch hier schon, zumal am Anfang, eine Menge von mehr oder minder Der- steckten, kleinen Bosheiten und Anzüglichkeiten gibt, über die man sich innerlichst amüsiert fühlt.
Die „Candida" reicht, worauf schon langst hin- gewiesen worden ist. noch in die Bezirke des alten Ibsen hinein — zeitlich und geistig. ('IRan merkt den Abstand von unserer Gegenwart nicht nur an dem Vorhandensein von reinigungsbedürftigen Petroleumlampen, sondern ctma auch an der Art und Weise, wie hier, im Dorübergehen, die soziale Frage gestreift wird.) Und gerade im Anschluh an die seinerzeit von Ibsen entwickelten Probleme ist die Komödie besonders in England lebhaft diskutiert worden.
Der Vergleich der Titelheldin, der Pfarrersfrau Candida Morell, mit der Adookatengattin Nora Helmer lag nicht sehr fern. Cs ergibt sich die nämliche Situation. Gleichgewichtsstörung in der Che Bei Ibsen endet das (wenigstens in der allein gültigen ersten Fassung) mit einem schrossen Bruch: bei Shaw endet es im Sinne der bürgerlichen Moral .. und zugleich einer höheren, menschlich begründeten Sittlichkeit.
(Eanbiba ist die Gemahlin des Pfarrers Jakob Morell zu St. Dominik in London. Morell ift ein guter, aber geistig und menschlich nicht sehr kräftiger Mensch. Candida, ruhend in der Ausgeglichenheit und lleberlegenheit ihres Wesens, ist der reifere und wertvollere Partner in dieser Che Jede (fr- ichütterung ihres Zusammenlebens muh, wie die Tinge liegen, zur Krisis füfjrcn; sie ist sofort da.
Diorell, weltfremd und seinem sozialen Cmpfin den folgend, einen jungen, hilfsbedürftigen und etwas verwahrlosten Menschen aus bester Familie in sein Haus aufnimmt, und dieser achtzehnjährige Romantiker sich in Candida verliebt
*
Die beiden Männer geraten alsbald heftig an einander, trugen, der Junge, hat das schwankende Fundament dieser Che instinktio crfannl Er sieht mich Morells schwache Position, Candidas Heber- legenheit. er scheint sogar vom Glück begünstigt. Als Marell selber die Gefahr begreift, wird er nachdenklich und unterwirft sich der Entscheidung der Frau: Candida soll zwischen ihm und Eugen wählen
Und es erweist sich, in dem feinen und ganz komödienhaft abtiingenben Schlußakt, dah die Frau nicht nur in der Mitte zwischen beiden Man- nern steht, sondern — wie ihre Entscheidung lehrt — auch über ihnen- sie bleibt bei Morell mit der ebenso weiblichen wie menschlichen Begründung, dah dieser sie nötiger brauche als der Junge.
Cs würde zu weit fuhren und ist hier nicht der Ort, der ungemein zwingenden und überaus fyiu- patnjfchen Begründung im einzelnen zu folgen: man mag es sich anljorcu und diese dichterisch stärkste Szene der Komödie auf sich wirken lassen, wie sie im gedämpften Kammerspieston einer gepflegten Ausführung — unter Fasso11 s sorgsamer Leitung — sich darbietet: der Schluhakt ist auch regiemahig der beste Teil eines zugleich erheiternden und nachdenklichen Abends. Zwar konnte die Inszenierung die leisen Schwachen des Stückes nicht völlig verdecken, aber sie bewies Sinn für den eigentümlichen Ton der Shawschen Dialektik seine Ironie, feinen (hier noch ziemlich milden) Spott und auch feine Freude an unverblümter Meinungsauherung. — Löffler hatte einen hübsch ausgestatteten Innen- raum für alle drei Akte entworfen
Candida war Maria Koch: sie hatte es fdimer, wenn man bedenkt, was Shaw alles von dieser Frau verlangt: sie hatte es leicht, wenn man weih, wie sehr die Rolle ihren Fähigkeiten entspricht und entgegenkommt. Sie gab mehr als die Rolle, sie gab einen prächtigen Menschen in wohltuender und un- theatralischer Natürlichkeit, eine Frau, wie sie hier gebraucht wird, in der ruhigen Sicherheit ihres Gefühls, voll der lleberlegenheit, Mütterlichkeit und inneren Reife, aus der allein die zuvor geschilderte Entscheidung kommen kann.
Den Jakob Marell gab Fojso11: anfangs fast em wenig zu. selbftbewuht, gesichelt und gellact m
Aber die Bolschewisten haben sich selbst um die Möglichkeit des Ausbaues und der Jnterellen- siche.ung gebracht. Sie ritten ibr Steckenpferd der Weltrevolution in China fo lange und reiten es auch heute noch, sie rechneten so lange aus eine Angliederung eines vollchewisierten Chinos an die Sowjetunion, bis China national erwachte wenn heute auch vornehmlich gegen Japan, bis China in bezug auf die Ostchinabahn äutzerst ungesprächig wurde zumal Moskau in«q<betm mit Japan verhandelt^: es heistt — und die japanische Presse behauptet es trott aller Moskauer Abreden . dast der Kreml seine Interessen an der Ostchinabahn an Japan verkaufen wolle. Geschieht das. so begibt sich Rus- hienenweges zum
Stillen Ozean und übrig bleibt ihm nur die nördliche Bahn über Tschita, Chabarowsk und Wladiwostok, was zugleich auch eine Preisgabe aller mandschurischen Interessen bedeuten würde.
Doch den Japanern dauerte alles zu lange: sie besetzten Harbin zum ..Schutz gegen chinesische Räuberbanden" und dehnen ihren Machtbereich systematisch auch auf die Verbindung Harbin- Wladiwostok auS, womit sie jedem russischen Herzen ein Stück Lebenskrast abreisten, wie damals Port Arthur unseligen Angedenkens. In Wirklichkeit versügt Japan schon jetzt über eine zweite russische Herzkammer nämlich Harbin. Und wenn nichts dazwischenkommt, d. h. wenn der rote Kreml nicht noch im letzten Augenblick es verhindert, werden russische Weitzgardi- ft c n schon bald einen Vormarsch auf Wladiwostok wagen. Was kann ihnen lieber fein als Moskau- namenlose Schwäche, diese- belffricllofc Versagen im Kampf um eine der besten russischen Lebensadern den AuSgang in den Stillen Ozean' Der japanischen Hilse sind die Weistgardisten sicher. Unverblümt redet die japanisch-offiziöse russische Zeitung Harbins die Emigration in Tokios Netze. So unverblümt, dast nun wieder andere national-russische Kreise hier stutzig geworden sind und nicht eindringlich genug vor den Fallen warnen können. Aber eS gibt der Kampf- und Abenteuerlustigen genug um dem Bolschewismus am Zeug zu sticken, paktieren sie auch mit Japan, allerdings auch nur mit dem Vorbehalt, nur zeitweilig unter Japans Schuh eine Wladiwostoker Republik zu gründen, denn das Endziel sei ja Rustlands völlige Befreiung Ob aber diese seltsame russisch-japanische ..Freundschaft" nicht eine gründlich falsche russische Rechnung werden wird, sei dahingestellt.
So steht nun Moskau gegenwärtig — zumal Japan einen Nichtangriffspakt verweigert vor der Entscheidung, entweder die national-russischen Interessen gegenüber Japan und China selbst zu verteidigen, und sei eS auch durch einen noch so riskanten Krieg, oder aber diese Interessen den Weistgardisten zusammen mit Japan auszu- liefem. Man hört hier, dast in Moskau gegenwärtig sehr ernst über Krieg und Frieden beraten wird. Auster Zweifel steht die Kriegsbereitschaft der fernöstlichen sowjetrufsifchen Regierungsbehörden und Garnifonen, ja. fie sollen von Moskau wiederholt die Erlaubnis zur militärischen Aktion gegen Japan gefordert haben, aber der Kreml verlästt sich auf fein diplomatisches Geschick. Zieht man aber in Betracht, dast die Moskauer Diplomatie soeben ihre Einwilligung zu japanischen Truppentransporten aus der Ostchinabahn gegeben hat zweifellos aus japanische Kriegsdrohungen in , so fragt man sich doch: werden die Klänge deS alten russischen Kriegsmarsches „Auf den Sandhügeln Mandschuriens" die Armee der Weistgardisten zum Kamps gegen Moskau anfeuern oder die Rote Armee zum Krieg gegen Japan wie anno 1905 Oö? Um Rustlands Wacht am Stillen Ozean weht ein tragifcher Geist, soviel ist sicher. Eine Tragik um so gröber, als sie die ganze welste Rasse berührt.
Dberbeffen.
Ctabfoorffond in Lauterbach.
Lc Lauterbach, 21. Män Zu Beginn der jüngsten Gemeinderats-sitzung gedachte Bürgermeister Walz in anerkennenden Worten des verdienstvollen ersten Beigeordneten Möller, der Mefer Tage seinen 70 Geburtstag feiern konnte und der leit über 40 Jahren die Geschicke der Stadt Lauterbach leiten hall
Um in der Hauptlache den ledigen Erwerbslosen Arbeitsgelegenheiten zu beschäl- fen, wurde der Einführung des freiwilligen Arbeitsdienstes zugestimmt. Zu diesem Zwecke soll im Einverständnis mit dem Arbeitsamt die feit Jahren projektierte Straste nach dem Städtifchen Freischwimmbad chaussiert und Gutgebaut werden
Entsprechend einigen Anträgen des Gewerkschaf tskartellS wurde beschloslen. in Verhandlung mii den Frhrn Riedesel einzutreten. »IN die Gebühren für L e s e d o l z z et t e l von 2 Mark auf 50 Pt herabzusetzen
Bei den zur Schule kommenden Kindern ist es seit Jahren üblich (soweit die Litern nicht in der Lage sindi. dast das fehlende Lehrmaterial von der Stadt beschafft wird
Den verheirateten Wohlfahrtse m p f äuge r n ulw wurde eine nochmalige Winterhilfe in Form von drei Zentnern Briketts je Haushalt bewilligt.
Nach einer Mitteilung des Kreisschulamtes kann infolge deS Abbaues von Schulstellen die erforderliche 1 3 Schulfte11 e in Lauterbach nicht errichtet werden. Bei der hohen Klaffen- stärke der einzelnen Schuljahre ergibt sich durch die Nichtgeuehmigung der 13. Schulstelle In einer Klasse die Stärke von m i n d e st e n s 8 7 Schülern Da dieser Zustand schultechnisch nicht auf- rechtzuerhalten ist, wurde auf Vorschlag des Kreisschulamtes insofern ein Provisorium geschossen. dast der in Lauterbach wohnhafte, auf,er Verwendung befindl che Schulamtsanwärter Berndt vorerst als Hilfslehrer für ein Jahr auf Kosten der Stadt cmgeftclU werden soll
VdhDtreto Gießen.
r. Lang - Göns, 22. März. In, Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes werden in unferer Gemeinde $ur Zelt säst alle Obffbäume, besonders die Zwetschenbäume. nach vorausgegangener gründlicher Reinigung mit Obstbauin farbolineuin bespritzt, um die zahlreich vorhandenen Schildläuse zu vernichten Die Arbeiten Hk*eben von Arbeitslosen ansgesührt, die einzelnen Obstbaumbesitzer tragen einen entsprechenden Teil der Kosten.
! Aus dem südlichen Kreise Wieben, 22. März. Vereitelt wurde in den vergangenen Tagen mit dem AuSsäen des H a s e r « begonnen. In dieser Woche dürste wohl allgemein die Saatarbeit ansangen Das Land ist sehr stark abgetrocknet und lästt sich vorzüglich bearbeiten Mlerdiugs fehlt fast ganz die Winterfeuchtigkeit. Die Landwirte warten auf einen ergiebigen Regen. Die Winterfrucht st e b i gut. man sieht fast gar keine auSgewinterten Stücke Ebenso erwartet man von den ÄIccäderrt, sobald Regen und Warme einsetzen. gute Erträgnisse Spi - nat und WintersaIat haben in fast allen Hausgärten ziemlich stark gelitten und sind nur dort noch grün, wo für genügenden Schutz durch Deckreiser gesorgt wurde.
Mrcte 'IMibiuflcii
! Ober-Widdersheim, 22. März. Beim Rangieren eines ® ii t er3ug e s auf dem hiesigen Bahnhof verunglückte der Vahnangestellte Otto Engel non Steintzelni dadurch, dast er mit dem linken A r m zwischen di e Puffer geriet und schwere Quetschwunden »erlitt. Der Verunglückte wurde dem Krankenhaus in Einigen zugeführt.
seinem Wesen: aber er verstand es mit gutem Gefühl, schrittweise und unaufdringlich die Schwächen seiner inneren Position anfzudecken und glaubhaft zu machen. — V r u ck hatte den Dichter Engen March- banks: er spielte ihn als Schwierigen und Komplizier, len, nervös, überempfindlich bald melancholisch, schüchtern, bald hitzig aufbrausend und ausbrechend: eine interessante, aus vielen kleinen, sorgsam zu- saminengetragencn Zügen sich entwickelnde Ehorak- terftubie
V 0 Ick spielte mit breitem und behäbigem Humor den alten Bürgest in der Biedermannsmaske. Frl. W i e I a n b e r machte drollig und drastisch die Pro- serpina Garnett, ein Tippfräulein aus der Suffra- gettenzeit, Walter Michel den aufgeräumten und liberal gesonnenen jungen Unterpfarrer Alerander Mill.
Die Neueinstudierung fand eine sehr freundliche Aufnahme. hth.
Das Grab eines E-portsmannes vor 3500 Jahren.
Wie fportfreudig auch unser Zeitalter sein mag, so durfte es doch kaum einem Verechrer de« Vox- oder Rennsportes heute einfallen, sein Grabmal mit Szenen auS diesen Kämpfen, an denen er sich erfreut hat. und den realistischen Porträts seiner Liebtingshelden auSschmücken zu lassen, wie es vor 3500 Jahren ein reicher Etrusker getan hat. Davon geben die erfolgreichen Ausgrabungen Kunde, die, auf unmittelbare Anregung Mussolinis von der italienischen Regierung unternommen, bei Fulci im alten Stru- rien u. a. ein mit interessanten Fresken auS- getchmücktes Grab freigelegt haben. Wie fo viele« andere verdankten die Römer den Etruskern den Sport der Gladiatorenfpiele, der bei ihnen. ..den geborenen Fechtern", den fruchtbarsten Boden fanb Vieles von den bei diesen Spielen üblichen Sitten und Gebrauchen verraten die nun aus dem Grabe des etruskischen Sportmannc« ans Licht gekommenen Darstellungen.
Dast schon damals wie auch heute der Aberglaube in Sportkreisen heimisch war, zeigt eine Freske, auf der der Herr de« Grabe« in reicher Kleidung auf dem Wege zu einem Gladiatorenkampf abgebildet ist: vor ihm her fchr^ket ein zwerghafter Sklave, der auf feiner Hand einen glück- oder nnglückkündenden Vogel trägt. Die Richtung feines Fluges ift für feinen Herrn bestimmend. ob er leine Schritte dem Kumpsselde zulenten oder wieder hetmtehren wird, tote ja
die Weissagung an« dem 'Vvgelsluge durch eigene Priester, die Auguren, ein von den Etruskern übernommener und im alten Rom hochgehafteiier Brauch blieb Jeder vornehme Bürger hatte seine eigenen wahrsagenden Tiere und Auguren, die auf feine Entschliestungen von entscheidendem Dinslust waren. So wird berichtet, dast der rn- mische Diktator Fabln« Mafimu« im Jahre 230 v Chr von seinem Amt zurücktrat, well die als Orakel befragten Mäuse, die bisweilen an Stelle der Vögel traten, Ihm Unheil verkündeten Gladiatorenkäinpfe waren anfänglich mit religiösen Bräuchen verknüpft und wurden oft bei den Begräbnisfeierlichkeiten vornehmer oder reicher Bürger und Krieger veranstaltet, um die Götter dem Abgeschiedenen günstig zu stimmen. Es ging ihnen manchmal das Opser eines oder mehrerer Sklaven oder Gefangenen voraus. Eine solche Opferszene zeigt eine der prachtvollen Fresken in dem Grabe de« Sportmann« zu Fulci Unter betn Veile des Priester«, dessen charakteristische« Prosit mit der mächtigen Hakennase und reich gekleidete Gestalt die Darstellung beherrschen, ist das eine Opfer, eine nackte Jüng- ling«gcftalt. zu Boden gesunken, während ihm ein Krieger den Dnadenstost versetzt, fuhrt ein zweiter da« nächste Opfer herbei Seltsam und rätselhaft erscheint eine geflügelte Gestalt links aus dem Gemälde, die an spätere Engelsdarstellungen gemahnt, und ebenen schwer deutbar sind die beiden Figuren, die sich noch weiter links anreihen. Die eine, die sich unter dem Engels- flüget zu bergen scheint, mag vielleicht die Seele b™ Abgeschiedenen bedeuten, die aus den glücklichen AuSgang de« Opsers harrt: oder die Szene ist so zu verstehen, dast er wie auch der Eiigel auf die Entscheidung de«. Vladiatoren- kampfes wartet. Eine dritte Freske zeigt zwei Fechter im Kampfe, der Sieger, selbst au« einer schweren Wund' blutend, aus der ein dicker Strahl hervorschletzt, versetzt soeben dem Unterlegenen den Todesflotz gewist fein mildes, friedliches Motiv zur Ansschmückung eine« Grabe«.
Alle diese Darstellungen aus dein Sfrorts- leben de« alten Etrurien, die sich durch ihre scharfe Realistik auszeichnen, waren eingeschlossen in einem Grabhügel, der von autzen einem gewaltigen, runden Wall glich, bedeckt mit behauenen Steinen, zwischen denen ein üppiaer Pstanzenwuch« seit Jahrhunderten im wechselnden Spiel der Jahreszeiten ungeftort hervor- sprotz Der Spaten de« Archäologen hat jetzt dieser Idylle ein Ziel gesetzt und im« einen interessanten Ausschnitt au« der noch so rätselvolleu Welt des ölten Etrusker« enthüllt.


