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Roman von Hertha Fricke
Arheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister. Werdau 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Als Eva-Marie sich verabschiedete, sah sie die kalten, Hellen Augen der Pflegerin mit einem feindseligen Blick auf sich gerichtet. Erstaunt sah sie das lauernde Gesicht des Mädchens. Sie hatte deren Gegenwart ganz vergessen durch die sympathische und lebhafte Art der kranken Frau, durch das Plaudern von ihrer Heimatsinsel.
Der Fabrikherr erledigte das Geschäftliche in seiner höflichen, kühlen, knappen Art, nannte ein fabelhaftes Gehalt und gab seiner Zufriedenheit darüber Ausdruck, daß seine Frau Fräulein von Diemen gewählt habe! Zugleich gab er dem Diener Anweisung, Bewerberinnen, die noch kämen, mitzuteilen, daß die Stellung als Gesellschafterin seiner Frau beseht sei. Doch sollten den Damen alle Unkosten erseht werden.
In dem blauen Klubsessel am Kamin sah ein großer schlanker Herr, den Eva-Marie erst gewahrte. als sie den Kontrakt schon unterschrieben hatte. Da stand er auf und verbeugte sich vor ihr.
..Mein Bruder, Dr. Andresen!" stellte der Kaufmann vor.
Ein unendlich kluges, feines, gütiges Gelehrtengesicht sah an ihr herab. Eva-Marie verneigte sich. Sie freute sich, und Freude verschönt. Daß sie die gutbezahlte Stellung hatte, freute sie! — Daß ihr die Kranke schon jetzt lieb war! — Lind daß dieser kluge, angenehme Doktor hier aus und ein ging — hier, wo sie die nächste Zeit sein würde! — Dann stieg sie wieder in den eleganten Wagen, der sie heimbringen sollte, und lehnte sich in die weichen Polster mit dem Wohlbehagen einer sicheren Zukunft. Sie rechnete schon aus. daß sie einen recht ansehnlichen Teil ihres Gehaltes der Mama überlassen könnte für die notleidenden Damen ihrer Bekanntschaft. Allerhand Freuden stiegen vor ihrem Auge auf wie sprossende Blumen. Freuden, die ihr lange versagt waren! And das Sorgen für andere, für Menschen, die ihr lieb waren, die irgendwelchen Mangel litten, nahm den ersten Platz dabei ein.
Anderen Freude machen, Wünsche erfüllen, der höchste Lebensgenuß reicher Herzen! Aeberströ- mende Fülle! Köstlichste Freude am Besitz! Eva-
Marie von Diemen empfand dieses Glück. Sie kam aus dem Jagen nach Berdienst, um elende Groschen für mühselige Kleinarbeit, in ruhige, sichere Verhältnisse. Für die nächste Zeit wenigstens.
2.
Exzellenz von Diemen war nun schon wochenlang auf dem Lande bei ihrem Bruder. Sie schrieb lange, zärtliche Briefe an Eva-Marie, die mit ihrer Stellung bei der kranken Frau Andresen recht zufrieden war. Sie machte Spaziergänge mit dem Bruder und den beiden Rich- ten und berichtete getreulich alles. Ihre Wohnung hatte sie vermietet. Sie litt nicht Not, das beruhigte Eva-Marie. 2m Hause Andresen ging alles stilvoll und vornehm seinen Gang. Die teuren Gemälde, die echten Teppiche zeigten einen gediegenen Geschmack. Die große Bibliothek enthielt viel Schönes und Wertvolles. Es sah nichts nach Neureich aus, obwohl der Reichtum des Herrn noch nicht allzu langen Datums war. Eva- Marie war fast ständig um die leidende Dame. Kam der Gatte, und sie wollte sich taktvoll und unmerklich zurückziehen, so geschah es oft, daß die Kranke Eva-Marie zurückhielt.
„Ach bleiben Sie doch, liebes Fräulein von Diemen! Ihre Gegenwart ist mir so angenehm, und sie stören durchaus nicht!"
Dann drehte sich das Gespräch meist um das Befinden der Dame, um Zeitungen, um allerlei Kleinkram. Oft brachte der Gatte eine kleine Aufmerksamkeit, erlesene Blumen, Früchte, ein Buch mit. Es machte wenig Eindruck auf Frau Andresen. Sie legte ihren schönen Kopf mit den blonden Zöpfen ein wenig müde auf die Seite, mit mehr höflichem als herzlichem Dank tot sie die Dinge auf den zierlich geflochtenen Tisch, der an einem Liegestuhl stand, oder reichte sie Eva- Marie.
Sie tat die Blumen in irgendeine schöne Base und dachte still darüber nach, ob wohl nie eine tiefere Neigung zwischen den beiden Gatten bestanden hätte. Ob sie nur auf seiner Seite war? Oder ob das Leiden die Kranke müde gemacht hakte?
Diesen letzten Gedanken mußte sie bald beiseite tun, wenn der Gatte gegangen war. Dann konnte Frau Andresen oft lebhaft, sogar heiter sein, plaudern, erzählen und sogar scherzen!
Das Ghepaar besaß ein schönes Kind, ein Mädchen von etwa acht Jahren. Es war zur Zeit in einer Pension, weil die Erziehung iftn Hause, wo alles sich um die leidende Hausfrau drckhte, ein wenig vernachlässigt worden war. Sonntags kam Gerti herüber aus dem Pen
sionat. Dann wirbelte sie durch das Haus, küßte Vater und Mutter, und es katm Eva-Marie vor, als wäre Frau Nenate freundlicher gegen den Gatten in des Kindes Gegenwart. Dies war auch die einzige Zeit, die Eva-Marie von Dismen ganz frei war, wo sie entbehrt wurde.
„Wenn Gerti da ist, habe ich Gesellschaft genug, liebes Fräulein von Diemen, dann dürfen Sie sich auch einmal ganz selbst gehören! Sie verwöhnen mich ju sonst genug!" —
Herr Andresen war sehr froh, daß seine Frau mit der Gesellschafterin so einverstanden war. Er begegnete Fräulein von Diemen mit großer Höflichkeit und Freundlichkeit. Nur eine Person war in Eva-Maries Umgebung, der sie durchaus nicht angeneihm zu sein schien, ja, von der eine gewisse Feindseligkeit fühlbar war, die das junge Mädchen nicht begreifen konnte.
y Unö doch war sie begreiflich! Schwester Elisabeth war bis dahin Alleinherrscherin in dem schönen Gartenflügel gewesen, und sie hatte stets verstanden, ihrer Aingebung die Wertung ihrer Persönlichkeit vorzuschreiben. Sie war genau und pünktlich in der Ausführung ihrer Pflichten, und der Arzt konnte nicht anders, als sie als tüchtig in dieser Beziehung hinzustellen. Trotzdem ging eine Gefühlskältc von ihr aus, die der empfindlichen Kranken auf die Nerven fiel. So war der Wunsch in Renate Andresen entstanden, außer der tüchtigen und notwendigen Pflegerin einen freundlichen und unterhaltenden Menschen um sich zu haben.
Dies war mit dem Einzug der herzenswarmen Eva-Marie von Diemen erfüllt.
Eva-Marie war ein Sonnenkind, sie wurde bald die Freundin Frau Renates und sie liebte die sympathische Kranke. Je besser das Einvernehmen der beiden Damen wurde, je herzlicher und munterer ihre Anterhcrltung, desto kühler und härter wurde Schwester Elisabeths Gesicht, desto eisiger ihr Ton.
Frau Renate sowohl wie Herr Andresen nann- ten Eva-Marie nie anders, als mit ihrem vollen Namen. „Fräulein von Diemen!" Schwester Elisabeth hatte nur ein kurzes, geringschätziges „Fräulein" für sie.
3.
Es war wieder ein Sonntag. Klein-Gerti wirbelte im Haus 'herum. Mit ihrem entzückenden blonden Knabenköpfchen saß sie am Ruhestuhl der Mutter, hielt deren Hand, erzählte lustige Schulgeschichten, neckte sich mit ihrem Papa und dem „Onkel Heinrich", dem Bruder des Vaters. Dessen prächtiger Humor brachte oft eine Heitere Stimmung in das Zimmer, in dem trotz aller
lichten Schönheit die leise Schwermut eines verblühenden Lebens lag.
Wan hatte den Tee im Gartenzimmer genommen. um bei Frau Renate zu sein. Sie hatte einen schmerzfreien Tag und freute sich der Ge- s>ellschaft ihres geliebten kleinen Mädchens.
„FräuLein von Diemen, Sie sind bis acht Ahr entlassen!" sagte gütig Renate Andresen. „Bis sieben Ahr ist mein Wtldfang bei mir, dann werde ich ein Stündchen ruhen. Sie müssen einmal an die Luft! Alle kleinen hübschen Mädchen müssen Sonntags mal ihren Ausgang haben. Möchten Sie den Wagen?" Sie lächelte.
„Wenn ich bitten darf, bis hinaus in den Grünewald, — dort steige ich aus und gehe ein Stückchen spazieren!" Eva-Marie sah ihre Herrin so dankbar an.
„Wenn die kleinen Mädchen Sonntags aus- gehen, haben sie aber einen Kavalier!" scherzte Dr. Andresen.
„Ich habe keinen!" lachte Eva-Marie. „Es geht vielleicht auch so!"
„Ich denke aber, sicherer ist m i t! Darf ich mich anbieten?" fragte der Arzt mit dem sonnigen Lächeln, das ihm alle Herzen gewann.
Frau Renate stimmte ganz begeistert zu. „Ja, tu das, Heinrich! Geh mit und behüte sie mir, sonst könnte sie mir verlorengehen! And amüsiert euch gut! Euch tut es beiden nötig, einmal hinaus, einmal frei sein von Krankenstubenluft und Klagen!"
Als sich die beiden jungen Leute verabschiedeten, kam die Pflegerin mit ihren Arzneiflaschen Herein. Sie begriff die Situation. Ein haßerfüllter Blick traf Eva-Marie, ein erschrockener den Doktor.
„Schwester Elisabeth scheint Ihnen nicht sehr gut zu sein!" sagte er sinnend zu seiner hübschen Begleiterin, als sie in der Diele standen.
„Ich Habe auch das Gefühl, aber ich kann mir nicht denken, warum", antwortete das Mädchen.
„Eifersucht!" brummte der Doktor.
„Das kann wohl sein!" meinte Fräulein Dort Diemen ernst.
„Ihre Schwägerin ist so rührend gut zu mir!"
„Kleine Anschuld!" lachte der Doktor Andresen. Der schöne Wagen stgnd vor der Tür. Eva-Marie Hatte Hut und Mantel geholt. Der Doktor schlüpfte rasch zu ihr in das Auto und setzte sich neben sie.
Die Schwester mit den kalten, hellen Augen und dem Haßerfüllten Blick war vergessen! Denn was kann es Schöneres geben, als mit jemandem, der uns sympathisch ist, an einem sonnenhellen Frühlingstag in den Wald hinauszufahren?
(Fortsetzung folgt.)
Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. August, nachm. 3% Uhr statt
5975 D
Todes-Anzeige.
GottdemAllmächtigen hat es getallen.meineliebe unvergeßlicheGattin, unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Peppier, geb. Reeh nach kurzem, mit großer Geduld ertragenem Leiden heute abend plötzlich und unerwartet im 46. Lebensjahr zu sich in die Ewigkeit abzurufen.
In tiefem Schmerz:
Karl Peppier, Bürgermeister
Karl Peppier Eugen Peppier Familie Heinrich Reeh Familie Ludwig Dönges VI. Wwe.
Rodheim a. d. Bieber, den 21. August 1932.
Mein Heber, treuer Gatte, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater
Herr Heinrich Hölscher
Oberpostsekretär i. R.
ist am letzten Samstag, früh um 7% Uhr. von seinem langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst worden.
In tiefer Trauer:
Minna Hölscher Wwe., geb. Berg
Dr. phil. August Hölscher nebst Frau und Kind Heinz Hölscher, Tierzuchtinspektor, und Braut Kurt Hölscher, cand. ehern.
Gießen (Schottstr. 8), Westeregeln, Gustow/Rügen, Frankfurt/Oder, am 22. August 1932.
Die Einäscherung findet Dienstag, den 23. August, in aller Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitte absehen zu wollen.
... ........in __04865
Die sind. Refonnierbindund Adelnhia im V.D.B.
I.A.d.C.; Wilh. Krause
F.V.
5970 D
Unterfertigte betrauert tief das plötzliche Ableben ihres Heben A. H.
August Weinmann
Gerichtsreferendar, rec. S.-S. 1929.
Geschäfts-Drucksachen bhXä"
Briefumschläge
bei Brühl, Schulstraße 7 KSSÄ.«..
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Mahnung.
Die Zahlung der für den Monat Juli 1932 rückständigen Beiträge zur Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung und der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe wird mit Frist bis 31. August 1932 gemahnt. (5972D Nach diesem Termin erfolgt Kostenberechnung und Zwangsbeitreibung.
Gießen, den 20. August 1932.
Allgem. Ortskrankenkasse Giehen-Land,
Dienstag, den 23. August 1932, nachmittags 2 Uhr, sollen im „Löwen", Reuen- weg 28, dabier, bexro. an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal) zwangsweise gegen sofortige Barzahlung versteigert werden: 5969D
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Mittwoch, 24. Aug., Wiederbeginn der Singstunde. 5966D
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AchtungI Rundfunk! Sie hören über die Sender des Südwestfunks Mittwoch, 24. August, vormittags von 11.00 bis 11.15 Uhr den sehr interessanten Lehrvortrag aus derOpekta-Küche„Zwetschgenmus oder Zwetschgenmarmelade ?" — Rezeptdurchgabe.
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