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22.8.1932 Erstes Blatt
 
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Aus aller Welt

Darauf stellte der Oberstaatsanwalt foL

Strafanträge:

Gegen

Oesterreichs Trauer um Schober.

' Tod tiefe hielt einen

zusehen, gende

licher Täterschaft und den Angeklagten L a ch - mann wegen politischen Totschlages und wegen vergehens gegen das Kriegsgeräte., das Waffen- mißbrauch- und das Schustwasfengeseh auf Grund der Verordnung gegen politischen Terror vom 9. August 1932, die Todes st rase, sowie gegen die gleichen Angeklagten wegen gefährlicher Körper­verletzung 2 Zähre Zuchthaus. Gegen die Ange­klagten Jl o m a cf und Hoppe beantragte der Oberstaatsanwalt wegen Beihilfe zum politischen Totschlag je fünf Jahre Zuchthaus.

Nachruf im Nationalrat.

Wien, 20. Qlug. (WTD.) Der plötzliche Dr. Schobers hat im Parlament Trauer hervorgerufen. 3m Bundesrat die Vorsitzende Frau Rudel-Zehn« k

die Angeklagten Kotlisch, Müller, Gräupner, Wollniha wegen gemeinschaft-

es war ein Kampf um die wirtschaftliche Annähe­rung zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich konnte man die Grundideen seines Denkens und handelns am besten erkennen. Ohne Ruhe und Rast arbeitete er weiter an der. Befreiung des öster­reichischen Volkes. Er erkämpfte im Haag die Frei­sprechung Oesterreichs von allen Reparationsschul­den, und er erwirkte wenige Monate später die In- vestitionsanleihe für unser Land. Ein großes Lebenswerk hat Dr. Schober in unverbrüchlicher Treue zum deutschen Volke vollendet. Ein gutes Herz ist ausgeblutet.

Das deutsche Beileid.

Berlin, 20. Aug. (WTD.) Anläßlich des Ab- lebens des früheren österreichischen Bundeskanz­lers Dr. Schober haben der Reichspräsident von Hindenburg, der Reichskanzler von Pa Pen und der Reichsminister des Auswär­tigen Freiherr von Reurath dem österreichi­schen Bundespräsidenten telegraphisch ihre herz­liche Teilnahme ausgesprochen.

Ferner hat der bayerische Ministerpräsident Dr.Held in einem Telegramm an den öster­reichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß die herz­lichste Teilnahme der bayerischen Staatsregierung zum Ausdruck gebracht.

Schobers Nachfolger im Nationalrat.

Wien, 20. Aug. (WTD.) Der Landbündler Grabenhofer aus dem Burgenlande ist der Rachfolger für den gestern verstorbenen Altbundeskanzler Dr. Schober im Rationalrot.

für die Angeklagten im großen und ganzen ungün­stiges Bild.

Das plaidoyer des Oberstaatsanwalts

Oberstaatsanwalt L a ch m a n n betonte heute zu Beginn feiner Anklagerede, daß die politische Einstellung der Angreifer Anlaß und Beweggrund der Tot bildeten. Dieses werde be­wiesen durch die -Zeugenaussagen, die medizini­schen Gutachten des Sachverständigen, und durch die eigenen Angaben der Angeklagten. Der Ver­anlasser der Tat von Potempa sei in dem An­geklagten Lachmann zu suchen, der sich den Arm zur Ausführung der Tat aus dein ©21.» Heim in Droslawih entlieh. Bezüglich der An­geklagten K o t t i s ch und Wollniha, die an­gegeben hatten, der nationalsozialistischen Bewe­gung nicht anzugehören, sondern dem Oberschic- fischen Selbstschutz, erklärte der Oberstaatsanwalt, daß sie als sympathisierende Mitglieder der RSDAP. zu betrachten seien. Der Anklagevertreter kam zu dem Schluß, daß es sich um eine vorsätzliche Tötung handele. Die Angeklagten hätten mit äleberlegung gehandelt. Der Oberstaatsanwalt be­gründete dann, daß die acht Destandsmerkmale der materiellen Rotverordnung vom 9. August vor­liegen und dadurch die vorsählicheTötung zum politischen Totschlag werde. Dies gelte auch im besonderen hinsichtlich des Zeitpunk­tes der Ausführung der Tat, über die ganz be-

Aus öer pnwinzialhauptstadj.

Gießen, den 22. August 1932.

Licht und Nahrung.

Nur im Licht, im Rhythmus von Sonnenwenden, wächst dem Menschen die Nahrung. Kraft, Wille, Werden sind die ständigen Gefährten des Lichtes, und erst wenn das Licht sich senkt, die Erde nach uraltem Gesetz ihre Frucht getragen, kommt die große Ruhe, die Stille der Sättigung, das Aus­ruhen im Herbst vor dem tiefen Schlaf So lange aber das Licht regiert, kämpft und ringt alles nach Vollendung und strebt nach oben. Die harte Arbeit ums tägliche Brot ist nur im Lichtschein ertragbar, sie wäre hoffnungsloses Werk, wenn nur Dunkel- Heiken sich breiteten. Nichts ist unerträglicher als hoffnungsloses Unbeschäftigtsein. Die Polarfahrer erzählen, daß selbst die friedfertigsten Naturen rabiat werden und unverträglich sind, wenn in der Polarnacht in engem Raum kleine Gegensätze sich verschärfen, weil Schaffen und Tätigsein unmöglich sind

Lichtglaube und Lichtgewißheit ist stets Eigen­schaft aufwärtsstrebender Völker gewesen. Der Ein- zelne, der nur Dunkelheiten sieht und pessimistisch wittert, ist und bleibt ein Kümmerling.

Es geht eine Sehnsucht nach Arbeit durch das deutsche Volk. Für den Arbeitslosen ist die Hoff­nung auf Arbeitsmöglichkeit wie die Vorfreude auf einen sonnenlichten Tag. Im Kampf um Nahrung wird der Mensch, und die Kampfmöglichkeit muß geschaffen werden, damit Untätigkeit' nicht Seele und Leib vergiftet. Es wird ein Neues durch unser Volk gehen, wenn viele die ersten Schritte in das Dickicht des Wirtschaftslebens und -erlebens tun können, das ihnen vielleicht zunächst nur Gestrüpp, aber keine Blätter und Früchte zeigt. Das ist aber | gut so, denn im Widerstand gegen das nicht voll I Verstandene, im Vorwärts- pnd Eindringen ent­wickelt sich wieder die Kraft des Armes, die Ge- schicklichteit der Hand, die Schärfe des Verstandes.

Aber eins sollten wir in diesem Kamps um Ar- beitsmöglichkeit nicht vergessen. Es gibt einen Schrein, der hierbei zum Lichtträger werden kann. Immer wird der Kämpfende und Schaffende mer« ten, daß sein Werden und Wirken irgendwelche Beziehungen zu dem hinabgesunkener Geschlechter hat. Der Bauersmann weiß, daß viele Geschlechter die Fruchtbarkeit des Ackers schufen, daß Wald und Wiese durch ihre Arbeit entstanden. Und das Wesen dieser Vergangenheit liegt ausgezeichnet in den- chern In ihnen liegt die Phönixasche, die schöpfe- risch ist Und wer zu lesen versteht, wer die Licht- strahlen erkennen kann, der weiß um die Grund­lagen schöpferischer Kräfte und kann sich aneignen, was ihm im Werktage frommt. Des Lehrbubs Auf­stieg ist undenkbar ohne des Lehrmeisters Wissen, und das Licht eines neuen Deutschland wird die gleichen Quellen haben, aus denen früher Deutsch- lands Glanz brach. Wissen und Arbeit Licht und Nahrung bleiben die Pole des deutschen Seins...

rt.

Keuersgesahren in der Erntezeit.

2luf den Feldern stehen zum Teil noch die Getreldestiegen. Rach und nach füllen sich die Scheunen mit Wintervorräten, mit dem Segen der Ernte. Dieser Segen kann aber leicht zum Unsegen werden, wenn der Landwirt nicht dafür Sorge tragt, daß die Gefahren der Erntezeit abgewendet werden Die größte Gefahr ist wohl die des Brandes Roch ist es Zett, einen Teil der Gefahr zu bannen, weil die Scheunen noch ganz oder teilweise leer stehen.

Man prüfe etwa vorhandene Schornsteine, ob sie auch dicht sind, ob das Mauerwerk keine Risse zeigt, ob die Schieber in Ordnung sind und gebe dem Schornstein vor dem Einbringen der Ernte noch einen neuen Kalkanstrich. Haltet die Schorn­steine besonders im Dachboden frei von leicht brennbaren Stoffen.

Ebenso wichtig ist es, die elektrischen Starkstromanlagen in der Scheune, int

Bundeskanzler a. D. Dr. Johann Schober.

Rachruf. 3m Sitzungssaal des Rational­rates lag auf dem verwaisten Platz Dr. Scho­bers ein prächtiger Lorbeerkranz mit einer schwarz-rot-goldenen und einer rot-weißen Schleife.

3n der auf 10 Uhr angesehten Trauer- sitzung hielt der Präsident des Rationalrates Dr. Renner einen Rachruf, in dem er u. a. ausführte,

Dr. Schober fei von der Idee des Staates er­füllt gewesen und habe die Ueberzeugung ge­habt, daß Oesterreich ein rein deutscher Rational- slaal sei.

Er habe jedes auhergefehliche Mittel der Gewalt abgelehnt und stets daran festgehalten, daß der Staat nur in der Rechtsordnung leben könne. Schobers Ueberzeugung, daß Oesterreich rein deutscher Rationalstaat sei, erkläre sein Wirken auf der Genueser Weltwirtschaftskon­ferenz von 1922, wo er das Sanierungswerk vor­bereitete. Ferner erkläre sie seinen Erfolg im Haag, wo es gelang, Oesterreich von der Re- parationslast zu befreien. Schließlich sei aus diesem Charakterzug auch der Plan einer Zoll­union Oesterreichs mit dem Deutschen Reich ent­sprungen. Wenn sich dieser Plan auch nicht habe verwirklichen lassen, so gereiche doch auch der Mißerfolg Schober noch zur persönlichen Ehre.

Vizekanzler Winkler über Schobers Wirken.

Wien, 20. Aug. (WTD.) Vizekanzler W ink» ler hat heute im Rundfunk einen Rachruf auf den verstorbenen Bundeskanzler a. D. Dr. 3ohannes Schober gehalten, worin er u. a. sagte:

Schon in der Zeit der Monarchie hat Schober als Leiter der Staatspolizei dem Staat wertvoll« Dienste geleistet. Zweimal stand Schober an der Spitze des zweiten deutschen Staates Mitteleuropas, das aus den Pariser Vorortsverträgen hervorgegangen ist. Wenn man die Tätigkeit Schobers als Politiker betrachtet, so war sie nie negativ. Schober hat in der Politik immer das Beste gewollt Man muh ihn als Politiker vor allem unter europäischem Aspekt betrachten. Und je länger er sich mit allgemeinen politischen Fragen be­faßte, desto fester wurde seine Ueberzeugung, daß die europäische Kleinstaaterei das Unglück dieses Kontinents sei. und daß es nur ein Ziel gebe: Wirtschaftliche Zu­sammenfassung. Er hat für diese seine wirtschaftlichen Ziele in Genf vor der überstaat­lichen 3nstiHltion des Völkerbundes gekämpft: «r trat dort für regional« wirtschaftliche Zu»' sammenfassung ein. Und was war für ihn natür­licher als der Versuch, ein

deutsches regionales Wirtschaftsabkommen zwi­schen den beiden deutschen Staaten Mittel­

europas

ZU erreichen? Wir erinnern uns alle noch der schwe­ren Kämpfe, die gerade um diese Idee geführt wur­den, der schweren Vorwürfe, die gegen Schober, den geistigen Träger dieser Idee, erhöben wurden. Heute, am Ruhebett eines Toten, muß noch einmal wiederholt werden, daß es die lautersten politischen und wirtschaftlichen Beweggründe waren, die ihn auf diesen Weg führten und führen mußten, da er in ihm eines der Mittel sah, die zur Wiederaufrich­tung des eigenen Vaterlandes und Europas führen könnten. Schober hat diesen Kampf mit Ueberzeu- gungstreue geführt. Es war ein hoher Versuch, bei dem er

infolge der Machtverhättnisse der Internationalen Politik scheiterte.

Des Versuchs muß gerade aber heute noch einmal öedacht werden. Gerade in diesem Kampf und

Wiederbeginn

der Südamerikafahrten desGraf Zeppelin'.

3n der Press«, namentlich in ausländischen Blättern, war in letzter Zeit verschiedentlich ein« Rachricht v«rbreit«t, daß das LuftschiffGraf Z e p p « l i n seinen Südamerika-Dienst für dieseMHerbst infolge wirtschaftlicher Schwie­rigkeiten eingestellt habe. Wie der Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen hierzu mitteilt, ist diese Rachrichl durchaus falsch. Tatsache ist, daß nur der Anfang der Herbstfahrten, der für den 15. August festgesetzt war, um 14 Tage ver­schoben wurde, weil der Flugzeug-Anschluß- dienst von Pernambuco wegen der südamerikani­schen politischen Wirren nicht sichergestellt erschien. Die Fahrten beginnen danach am 29. August und sollen in der programmäßig vorgesehenen 14- tägigen Folge durchgeführt werden.

Der (Empfang derManhattan" in Hamburg.

An Bord des dieser Tage in Hamburg einge­troffenen amerikanischen Passagierdamp­fersM a n h a t t a n" fand ein großer Emp­fang statt, an dem u. a. der amerikanische Bot­schafter Sackett mit Gemahlin teilnahm. 3m Ramen des Senats hieß Bürgermeister Roh das Schiff im Hamburger Hafen willkommen. Botschafter Sackett sprach in seiner Rede die Erwartung aus, daß dieManhattan" ein Dienst­bote der Freundschaft sein und der wirtschaft­lichen Wohlfahrt beider Rationen dienen werde. Warum Piccard nicht im deutschen Rundfunk sprach.

Auf verschiedene Anfragen teilt der Südwestfunk in Frankfurt a. M. mit, daß die italienische Sende­gesellschaft Eiar, ohne vorher Prof. Piccard Mitteilung davon zu machen, der Schweiz die Ueber- tragung des Vortrages von Piccard angeboten hat und die Schweiz wiederum dieses Angebot an die deutschen Sender weiterleitete. Als Piccard kurz vor der Uebertragung durch den italienischen Ansager die Uebernahme seines Vortrages durch die Schwei­zer und deutschen Sender erfuhr, weigerte er sich, den Vortrag zu halten, da er vertraglich an die amerikanische Presse gebunden sei und nur über die italienischen Sender sprechen dürfe. Es besteht die Absicht, Professor Piccard sobald wie möglich für einen Vortrag für die deutschen Sen­der zu verpflichten

Schlußsitzung in Ottawa.

O t t a w a, 20. Aug. ($11.) 3n der großen Halle des kanadischen Parlaments fand am Samstag die feierliche Schlußsitzung der Wirt­schaftskonferenz des englischen Weltreiches statt. Der kanadische Minister­präsident Bennett hielt eine Rede, in der «r sich sehr befriedigt über den Verlauf der Konferenz oussprach. Die Konferenz habe gezeigt, so sagte er, daß die Rationen des eng« l i sch en Weltreiches eine feste Ein­heit seien. Was man auch immer von dem er­zielten Abkommen denken möge, sie müßten zu einer Verbesserung des Handels im Weltreich führen, was wiederum mittelbar günstig auf den Welthandel einwirke.

Auf eine Ergebenheitsadresse der Konferenz an den König von Eng­land war die Antwort des Königs eingegangen. 3n ihr heißt es, daß sich der König über den Erfolg der Konferenz, die die hohen Erwartungen erfüllt habe, freue. Er sei der festen Zuversicht, daß die Ergebnisse der Arbeit und der Geist der Zusammenarbeit und der Hilfsbereitschaft, dem der Erfolg zu danken sei, den Völkern des Welt­reiches zum wahren Segen gereichen möge.

Nachdem Lord Hails harn den Bericht des Ausschusses für die Förderung des Welt­reichshandels vorgelegt hatte, begann die amtliche linker Zeichnung der Abkom­men. Zunächst wurden die Abkommen zwischen England einerseits und den verschiedenen Do­minions und den Kolonien anderseits unter­schrieben. Bei der Unterzeichnung des englisch­kanadischen Vertrages kam es zu großen Bei- fallskundgebungen der Versammlung. Hierauf erfolgte die Unterzeichnung der Abmachungen zwischen den Dominions und den Kolonien. Rach einer Reihe von Reden der 2lbordnungsführer wurde eine Dankesentschließung für den kana­dischen Ministerpräsidenten einstimmig angenom­men. Die Schlußsitzung dauerte zwei Stunden.

England hat Verträge mit Australien, Reu­seeland, Südafrika, 3ndien, Reufundland. Rho­desien und Kanada unterzeichnet.

Kleine politische Nachrichten.

Havas meldet aus D u e n o s Aires, daß der deutsche KreuzerKarlsruhe" dort einge­laufen lst. Er wurde von einer riesigen Menschen- meng<\ die sich auf der Reede eingefunden hatte begrüßt. Zahlreiche beflaggte Boote fuhren ihm entgegen.

Das Amtsgericht München verurteilte den ver­antwortlichen Schriftleiter desVölkischen Beobachters", Binz, wegen übler Rachrede äu einer Geldstrafe von 3000 Mark bzw. 60 Tagen Gefängnis. DerVölkische Beobachter" hatte dem Bayerischen Kurier" wegen eines Ar­tikels über die SA. landesverräterische Haltung vorgeworken. Dieser Vorfall führte zu dem Urteil

t

Havas berichtet?aus Madrid, der konfis. zierte Grundbesitz der am letzten Putsch­versuch beteiligten Personen habe einen ganz enor­men Wert. Allein die jährlichen Einkünfte, die der Staat für die Durchführung der Agrar­reform verwenden will, werden auf mehr 200 Millionen Peseten veranschlagt. Wie verlautet, hat der Generalstaatsanwalt beschlossen, gegen die Hauptangeklagtend er Ausstandsbewegung die To­desstrafe zu beantragen.

Professor Piccard traf mit feiner Gemahlin an Bord eines Wasserflugzeuges, das von dem ita­lienischen Luftfahrtminister B a I b o gesteuert wurde, in Venedig ein. Bei der Landung waren zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten anwesend, die Prof. Piccard und seiner Gattin einen herzlichen Empfang bereiteten.

Vorführung von Raketenflugzeugmodellen.

Auf der Atterheide bei Osnabrück fand in Anwesenheit der Spitzen der Behörden und vor etwa 4000 Zuschauern der erste Raketenflug­tag Deutschlands statt. Der bekannte Osna­brücker Ingenieur T i I i n g führte seine pa­tentierten Raketenflugzeugmodelle vor. Regie­rungspräsident Sonnenschein eröffnete die Veranstaltung mit einer Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Tilingschen Forschungen hinwies. Dann nahm Silina selbst das Wort, um darzulegen, daß das Grundprinzip seiner Forschungen darin bestehe, bei langsam steigender Beschleunigung und bei Auslösen der Flügel im Gipfelpunkt des Fluges den R a k e t e n f l u g ürMenschen möglich zu machen. Er führte echs Modelle vor, die eine Höhe von etwa 1500 Meter erreichten. Leider litt die Vorführung unter der Hitze: so explodierte eine Rakete kurz nach dem Abschuß. Trotzdem fand die Vor­führung allseitigen Beifall. Vor allem erregte Tilings Erfindung Bewunderung, nach der sich die Rakete in 1500 Meter Höhe zum Flugzeug verändert.

Der Ozeanfttger Mollifon ändert feine Pläne.

Der Ozeanflicger Mollifon hat seinen ur- prunglichen Plan, den doppelten Ozean- flug innerhalb von vierTagen durch­zuführen, aufgegeben und will erst später zu sei­nem Rückflug nach Europa aussteigen. Seine Frau die frühere Fliegerin Amy 3 o h n s o n , te lte ihm telephonisch mit, daß sie zu Schiff nach Reuyork fahren und ihn auf seinem Rückflug begleiten toer&e. Mollifon ist inzwischen, nach einer Rot­landung in Reu-Braunschweig, auf dem bei Reu- York gelegenen Roosevelt.Flugfeld eingetroffen. @mc vieltausendköpfige Menge bereitete ihm einen begeisterten Empfang.

100 000-Mark-Gewinn für Berlin.

Dieser Tage kam die R umm er 2499 der Preuhlsch - S üddeu tschen K lasse n- lotterte, die in beiden Abteilungen in Berlin gespielt wird, mit einem Gewinn von 1 00 0 0 0 Mark heraus.

Rekordhihetag in der Reichshauptstadl. Acht Todesfälle.

Ser ©onntag wohl der heißeste, den die Reichshauptstadt in diesem Jahre er'ebte war gekennzeichnet durch eine in ihren Ausmaßen noch nicht beobachtete Massenflucht der Berliner nach den vielen Ausflugsorten und Bädern in der Umgebung. Die Strandbäder wiesen Rekordbesuch auf. 3n den ersten Mit­tagsstunden schon glich Berlin einer ausgestorbe- nen Stadt. Leider kamen bei dem starken Bade­betrieb acht Menschen ums Leben - Die übergroße Hitze rief auch zahlreiche Brände durch Selbstentzündung hervor, u. a. entstand auf bem Guterbahnhof Schöneberg ein Kohlenbrand, Der aber - wie alle übrigen Brände rasch ge­löscht werden konnte.

Verkehrsunfall bei Brandenburg. 2 Tote

Dei dem Dorfe Grohkreuz bei Brandenburg a. d- H überschlug sich ein Lieferwagen beim Ueberholen eines Personenautos. Gleichzeitig fuhren zwei gerade des Weges kommende Motor­räder auf den Lieferwagen auf. Dessen 3nsassen erlitten lediglich Schnittverlehungen am Kopf und an der Hand. Die beiden Beifahrer des einen Motorrades jedoch wurden so schwer verletzt, daß sie bald nach dem Unfall starben. Der Fahrer dieses Rades selbst erlitt eineli U n te r - schenkelbruch. Der Fahrer des anderen Mo­torrades und seine Begleiterin haben lediglich Hautabschürfungen davongetragen.

Falschgeldwerkslatt in der Hühnerfarm.

In Zühlsdorf bei Wandlitz in der Mark Branden­burg nahm die Polizei den Arbeiter Erich D e b e r t fHi SeI ?(!5fe Fünfzig Pfennig.

11 u cT e fest. Bei der Durchsuchung des Wohngebäu­des einer Hühnerfarm in Wandlitz, wo Debert be­

schäftigt war, wurde die Züchterin Hertha Kleist, die Ehefrau eines städtischen Beamten in Berlin- Treptow, mit Morphium vergiftet auf­gefunden. Im Wohnzimmer des Hauses fand man Gipsformen und Werkzeuge, mit deren Hilfe das Falschgeld hergestellt worden ist. Unter dem Ver­dacht, ebenfalls an der Falschgeldherstellung betei­ligt gewesen zu fein, wurde ein weiterer Angestell­ter der Farm verhaftet. Vor etwa zwei Wochen meldete sich, wie die Berliner Montags- blätter ergänzend berichten, bei der Polizei ein Bekannter des Debert und teilte mit, daß Debert ihn nach einigen technischen Vorgängen bei der Geldherstellung befragt habe. Debert wurde darauf unter Beobachtung gestellt und jetzt verhaftet. Nach langer Vernehmung legten die beiden Verhafteten schließlich das Geständnis ab, daß sie gemeinsam mit Frau Kleist seit einiger Zeit Falschgeld her­gestellt haben. Sie behaupten, daß Frau Kleist sie dazu veran^ßt habe. Es steht im übrigen noch nicht fest, ob diese Selbstmord begangen hat oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Verheerendes Schadenfeuer am harz.

Dieser Tage suchte ein Großfeuer den bei dem Städtchen Bockenem am Harz gelegenen Ort Nette heim. Spielende Kinder verursachten auf dem Hof des Gutsbesitzers Burgdorf ein Feuer, das sich infolge der großen Dürre mit rasender Schnel­ligkeit ausbreitete und alle Wirtschaftsgebäude des Gutes, das Gehöft eines Nachbarn und eine große Scheune eines anderen Hofbesitzers in Asche legte. Die Feuerwehren, die auch aus den Nach­barstädten mit ihren Motorspritzen herbeigeeilt waren, mußten eine Schlauchleitung von 1,50 Kilometer Länge bis zum Nette-Fluß legen, ehe sie eingreifen konnten. Der Schaden ist sehr groß.

Grohfeuer in (Erlangen. 7 Familien obdachlos.

3n einem Hause an der südlichen Stadtmauer in Erlangen entstand dieser Tage ein Groß- feuer. Die gesamte Freiwillige Feuerwehr wurde alarmiert. Der Brand war in einem etwa 90 Quadratmeter großen Raum eines Rück­gebäudes entstanden, der als Waschboden diente. Von hier aus verbreitete sich das Feuer sehr schnell über das ganze Rückgebäude und das Vorderhaus. Die Entstehungsursache konnte noch nicht festgestellt werden. Der Gebäude- und Mobiliarschaden ist sehr groß. Die Rück- und Vordergebäude sind vollständig ausge­brannt. Durch den Brand wurden sieben Fa­milien mit insgesamt 20 Personen obdach - l o s. Die Freiwillige Sanitätskolonne leistete - in acht Fällen Hilfe.

stimmte Zeugenangaben vorlägen. Es gäbe (ein anderes Motiv für die Tat als politische Zersetzung. Der Anklagevertreter zeichnete dann die Rolle der einzelnen Angeklagten bei der Ausführung der Tat und führte aus, daß neben den flüchtigen Presche und G o l o m b e k als die Hauptbeteiligten die Angeklagten K o t t i s ch, Müller und Gräupner anzusehen seien, aber auch W o l l n i tz a und der gleichfalls flüch­tige D u tz k i seien als Mittäter in vollem Um» fange schuldig. Lachmann sei als Anstifter an-

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