Ausgabe 
21.11.1932 Erstes Blatt
 
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Die Gewaltenteilung in Preußen

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Ob sich diese neue Methode praktisch ein« spielt, ist freilich immer noch fraglich. Wir können uns jedenfalls nicht vorstellen, wie etwa der Innenminister S e v e r i n g durch die Refe­renten des Innenministeriums eine Vorlage im Landtag vertreten lassen will, die von seinem -Z.Dangskollegen Bracht ausgearbeitet ist; wenn nicht etwa diese Rotverordnung des Reichspräsi­denten nur ein Vorläufer ist, um den Weg zu bere ten, den ja auch der Staatsgerichtshof selbst gew.esen hat, der alten preußischen Regierung äußerstenfalls auch ihre repräsentativen Rechte zu nehmen. Es kann einigermaßen überraschen, daß diese Rotverordnung unmittelbar nach dem Rücktritt des R e i ch s k a b i n e t t s herausgegeben ist, aber einstweilen bleibt ja Herr von Papen als geschäftsführender Reichskanzler auch noch Reichskommissar. Innerhalb der preußi- ichen Verwaltung ändert sich vorläufig nichts, bis die Entscheidung über die künftige Reichs- reg.erring gefallen ist, die, so oder so, auch für Preußen bestimmend werden muß. Entweder es gelingt, der Präsidialregierung im Reich eine parlamentarische Rückenstühe zu geben. Dann wird selbstverständlich gleich die Reuregelung in Preußen mitbestimmt; oder es gelingt nicht, dann wird vermutlich der Reichspräsident in die Zwangslage geraten, aus eigener Macht» Vollkommenheit auch in Preußen end­gültige Verhältnisse zu schaffen, weil er sonst vor der Gefahr steht, daß die enttäuschten Oppo­sitionsparteien auf dem jJmtoege über den Preu- hischep Landtag zu einem Vorstoß gegen das neue Relchskabinett einsehen.

Der Danzig-polnische Wirtschastsstreit.

Der Völkerbundskommissar entscheidet in wichtigen Punkten für Danzig.

?en! ®r- Schmitt sprach das Bekenntnis der süd­deutschen Lander zum großen deutschen Vaterland aus. Trotz der schweren politischen und wirtschaft­lichen Krise wolle man nicht verzweifeln, sondern an Deutschlands Zukunft glauben. Das Augenmerk der Reichsregierung müsse stets auf das notleidende Grenzgebiet Baden gerichtet bleiben.

Erwerbslosenkundgebung im Kasseler Rathaus.

Kassel 19. Noo. (TU.) Im Kasseler Rathaus kam es in den letzten Tagen zu erregten Ausein­andersetzungen mit Erwerbslosen, die schließlich am Samstag so ernste Formen annahmen, daß das Ue Verfallkommando eingreifen mußte Sine Erwerbslosenabordnung verhandelte am Sams- ta9 mit dem Wohlfahrtsdezernenten der Stadt we-

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nifferpräfibenf in feiner Erklärung abgegeben Hal, liegt darin, daß beide Angefchuldiglen wenige Tage' nach ihrer Konfrontierung mit Herrn Koerber in Kenne« aus der haft entlassen wurden.

Hernots Rede in Nantes.

P ° r i S, 21. Rovbr. (WTB. Funkspruch.) eine ausführliche Darstellung der Ausführungen Herriots in Nantes. Rach einem Hinweis auf die Bedeutung Driands habe Herriot über den Friesen gesprochen. Leiser sprechend .Herriot dann hinzugefügt, leider seien die ^imstande nicht immer günstig. Frankreich stehe i m Rl l t t e l p u n k t von Mächten, die ihm nicht so helfen, wie sie ihm helfen könn­ten. Unb in kaum noch hörbarer Stimme habe er dann hinzugefügt, als Regierungschef könne er nicht mehr sagen. Sich plötzlich ausrichtend betonte Herriot dann mit lauter Stimme fein Vertrauen in die Zukunft. Mit der Saust auf den Tisch schlagend habe er betont, er übernehme die Verpflichtung, mit allen Mitteln zwei große Ideen zu verteidigen, die Frie­de n s i d e e einer Aussöhnung aller Völker, aber auch die Idee Frankreichs, das genug schwere Opfer bewilligt habe und das Recht zu haben, innerhalb dieser allgemeinen Aussöhnung seinen Platz einzunehmen.

Der Reichspräsident hat sich nun doch, nach­dem die Bemühungen zu einem friedlichen Aus­gleich zwischen den beiden preußi­schen Regierungen gescheitert sind, ent­schließen müssen, dem Dualismus, der in dem Gegensatz zwischen Braun und Popen die preu­ßische Verwaltung beherrscht, durch eine Rot­verordnung ein Ende zu machen. Zeit wurde es ja nachgerade, denn der Krieg, der um die Medaille für Gerhart Hauptmann entstand, ging eigentlich schon über den Rahmen des Lächerlichen hinaus. Er war das sichtbarste Anzeichen dafür, daß in irgendeiner Form d i e Aufteilung der Gewalten vorgenommen werden mußte. Der Staatsgerichtshof hat durch «ein Urteil dazu gezwungen. Welch geringes Maß von Verständnis er damit für die einfachsten praktischen und politischen Rotwendigkeiten an den Tag gelegt hat, zeigt sich ja fast stündlich, und es liegt eine grimmige Ironie darin, wenn der Reichspräsident in seinem Begleitschreiben darauf aufmerksam macht, er habe seine Rot- Verordnungim Geiste des Urteils er­lassen. Wir werden also jetzt das Schauspiel er­leben. daß die Herren des Kabinetts Braun ich im Wohlfahrtsministerium ansiedeln, daß sie drei lebendige Ministerialdirektoren als be­vollmächtigte Vertreter zum Reichsrat zur Ver- sugung haben und, soweit es erforderlich ist auch Beamte zum Vortrag bitten, sowie Akten anfordern können; immer aber nur inner- balb der Rechte, die ihnen durch das Urteil des Staatsgerichtshofs verblieben sind, also so­weit die Vertretung vor den vier Parlamenten in Frage kommt.

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Schenk mir ein Buch der Uebersicht" sagte der Student zur Schwester,das Fachstudium macht so einseitig. Ich möchte eine Deutung des Ganzen et- was, das Zusammenhänge sehen läßt, ein Buch der willst $Qran denke, wenn du mich beschenken

«Schenkt mir Bücher", sagte der Arbeitslose,daß ich wenigstens für Stunden mich vergessen kann "

Schenk mir mal ein Buch mit ein paar Winken für den Haushalt", sagte die junge Frau zur Freun- oin,ch hab doch immer im Büro gesessen, manch- mal weiß ich gar nicht, wie ich etwas anpacken soll "

schenkt mir doch ein Buch", sagte der Mann zu oen Kollegen,irgend etwas von Reisen und For- schungen. Selbst kann ich jetzt nicht fort, da mochte ich wenigstens in Bild und Wort etwas von der weiten Welt erfahren. Es reift sich ganz gemütlich vom Lehnstuhl aus, namentlich, wenn man schon in öie bequemen Jahre gekommen ist."

hon ' nn Uni Jeines Buch", schreibt Liselotte auf ?*\?ßun'd)3ecäeI' "U'cht so Märchen, wahre Ge' schichten von Madeln, die immer besser turnen ton­nen als alle anderen, und nachher furchtbar be- piaöTnl"30611' Unö immcr s'egen bei den Olym-

schenk mir Bücher", sagte die Meisterin im fanntP *mmen dum ^eger im Kopfsprung,be- tannte Bucher. Ich werde zu einseitig. Neulich war

gen zusätzlicher Beihilfen, da das Wohlfahrtsamt wegen der schwierigen Finanzlage der Stadt die Forderungen der Erwerbslosen ablehnen mußte. Die Winterhilfe erklärte sich jedoch bereit für jedes Kind eine einmalige Beihilfe zu gewähren. Die Erwerbslosen waren damit nicht zufrieden und ga­ben ihrem Unwillen in drohenden Äußerungen Ausdruck. Während der Verhandlungen waren die Frauen der Erwerbslosen mit ihren Kindern im Rathause erschienen. Da es nicht gelang, die Er­werbslosen zu beruhigen, mußte die Polizei ein­greifen. Dis Erwerbslosen ließen ihre Kinder in den Diensträumen des Wohlfahrtsdezernenten zurück, wo sie später von städtischen Fürsorgerinnen in Ob- Hut genommen wurden.

Cm scheußliches verbrechen aufgeklärt.

Das Verbrechen an der 6jährigen Rosemarie Pokorra-Boddin, das vor kurzem in Ber­lin großes Aufsehen erregte, Hot jetzt eine über­raschende Aufklärung gefunden. Die Kleine wurde am 12. Rovember d. I. bewußtlos auf dem Dahn- gleiS zwischen den Bahnhöfen Stettiner Bahn- Hof und Gesundbrunnen aufgefunden. Bei der Un­tersuchung hotte sich herausgestellt, daß das Kind.

sehr schwere Verletzungen erlitten hatte, offenbar von einer Straßenbrücke aus auf Steife geworden worden war. Rach außerDrdentlich langwierigen Ermittlungen formte werden, daß d i e Mutter

inbeö bas Verbrechen verübt hat. Die Mutter die 25iahrige Ehefrau Martha Boddin. Mt nach ftunöenlangem Verhör gestanden, ihr Kind auf die Dahngleise geworfen zu haben. Sie habe die ^at aus Verzweiflung begangen. Diese Angaben erscheinen jedoch nicht sehr glaubwürdig, da die Mordkommission in der Wohnung

V? ^sicherungspolice üorfanb, nach der das Kind bei Tod durch Un­fall mit 4000 Mk. versichert war.

Ergänzungswahlen zur Friedberger Handelskammer.

Friedberg, 19. Nov. (WSN.) Bei der geftri- gen Ergänzung swahl zur Industrie- Unm^nLH5fQmrner Friedberg wurde in N i d d a Kaufmann Hons Schmoll wie- dergewahlt.

Oer Oarmstädier Dolksbankprozeß erneut vertagt.

Darmstadt, 20. Noo. (MSN.) Wie wir hören, ist wegen Erkrankung des Houptongeklagten im Dormstadter Volksbonkprozeß, des ehe­maligen Direktors Becker, der Prozeß er­neut vertagt worden. Er dürfte nunmehr, und zwar endgültig, am 30. Januar 1933 beginnen.

Die Zahnpaste von höchster Qualität Sparsam im Verbrauch.

Aus aller Welt.

Einweihung 6er neuen Rheinbrncke Mannheim - Ludwigshafen.

,Ä dem Geläut- der Klrchenglocken wurde die feierliche Einweihung der neuen Rhein- brurfe zwischen Mannheim und Ludwigshafen vollzogen. Der Oberbürgermeister von Ludwigs- Hafen Dr. E c o r i u s, betonte, daß die Pfalz i* Mnb S^orden und dadurch in ihrer wirt- ^"t?!dIun9 stark gehemmt sei. Reichs- *1° & r gab einen geschichtlichen lieber- bild seit der Erbauung der ersten Brücke zwischen Mannheim und Ludwigshafen im Jahre 1867 und sprach ollen am Bau Beteiligten den Donk der Reichsbahn aus. Finanzminister Mattes beglück- wünschte die Reichsbahn zu dem neuen Werk und stattete dem Reichsoerkehrsminister und der Reichs- regierung den Dank des Landes Baden für die finanzielle Hilfe am Brückenbau ab. Im Namen des Landes Baden übernahm er dann die Rheinbrücke und sprach die Hoffnung aus, daß auch die beiden anderen Rheinbrücken bald erstehen möchten. Der bayerische Innenminister Dr. Stütze! übernahm dann die Brücke für das Land Bayern. Der badische Staatspräsident Dr. Schmitt durchschnitt das weiße Band, dos die Brücke sperrte, und die Fest- gaste begaben sich zum Tee-Empfang in den Ritter- aal des Mannheimer Schlosses. Dort begrüßte Obertürgenneifter Dr. Heimerich im Namen öer Stadt Mannheim die Erschienenen. Staatspräsi.

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ber Gedenkfeier teilzunehmen. Pfarrer Dr. Wenzel gedachte dann der gefallenen Helden der Gard'e- regimenter. Das Lied vom guten Kameraden klanq gedampft durch das Gotteshaus. Fahnen und Stan­darten senkten sich. Gebet und Segen leiteten über £urn Ausmarsch der Fahnen und Standarten, der ich unter den Klängen des Hohenfriedberaer Mar­sches vollzog.

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-..Die vaterländischen Verbände unter Führung des Nationaloerbandes der deutschen Offi­ziere hielten am Nachmittag einen Heldengedächtnis- Gottesdienft in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ab zu dem auch mehrere Mitglieder des Hohen- zollernhaufes erschienen waren. Die Gedächtnisrede HE Hofprediger Walter Richtrr-Reichhelm.

Auch das Reichsbanner gedachte wie olljähr-^ ich heute der Opfer des Krieges. In der Mittags- stunde trafen sich Abordnungen der vier Kreise des Gaues Berlin-Brandenburg auf dem Neuen Markt von denen sich je zwei Ehrenkameradschaften über Öen Schloßplatz unö die Schloßbrücke nach dem Ehrenmal Unter Öen Linden begaben, wo sie nach einer kurzen Feier einen Kranz nieder- legten, ferner fanben auf den verschiedenen Krie- gerfriedhosen Gedenkfeiern des Reichsbanners statt.

Hohe Zuchthausstrafen im Altonaer Gprengstoffprozeß.

?ltona, 21 Rov. (WTB. Funkspruch.) Rach mehrtägiger Verhandlung fällte heute dos Sonder­gericht seine Entscheidung in dem Prozeß gegen die wegen der Handgranatenanschläge in Schles­wig-Holstein angeklagten Rationalsozialisten. Der Hauptanaeklagte Standartenführer und Mitglied des Reichstages Moder wurde zu 61/« Iah-

'Zuchthaus verurteilt, der Ange­klagte Gr e z e sch z u 6 Ia h ren Zuchthaus, w Ji? 1 n no fünf Iahren und Plaehn zu 5V, Iahren Zuchthaus. Acht Angeklagte er- ^R-ter2J,e^-5a^rer Zuchthaus. Zehn Angeklagte erhielten G-efangnisstrasen von ein bis neun Mo- naten. elf Angeklagte wurden freigesprochen.

Oie KPO. dementiert.

J1!11',19' (TU.) Die Pressestelle der

KPD. nimmt zu den Enthüllungen der Kreuz-Zeitung" über die Sitzung des M o s- Lahonhrr?n '"u ro s vorn 14. August 1932 ein- geljent) Stellung und bezeichnet sie alsErfindungen aus antibolfchewlftischen Fälscherwerkstätten". Ins- besondere wird darauf hinaewiesen, daß die Sitzung des Politbüros vorn 14. August sich mit den Vor- gangen jm deutschen Reichstag vom 13. September befaßt hoben soll, was offensichtlich unmöglich sei Im übrigen werden die von derKreuz-Zeitung" angeführten Behauptungen in Bausch und Bogen gewiestn^ mU 0ro&er Entrüstung zurück-

fo em netter Mensch bei Hilde, und denke dir, ich konnte gar nickt mitreden, sie sprachen von allen Be" n 58u^ern' Don bcnen keine Ahnung Schenk mir ein Buch, denn ich habe Freude Daran, schenk mir ein Buch, denn die Bücher wollen leben, und sie leben erst, wenn sie gelesen werdenl" Tag der deutschen Hausmusik.

22. Rovember.

_ Man schreibt uns: DerTag der deutschen Haus- musrk (22. November) soll in ganz Deutschland zur Besinnung auf eines der kostbarsten, heute fast ganz vernachlässigten deutschen Kulturgüter aufrufen. Der heutige Musikbetrieb ist allzu sehr in die Breite gc= gangen und verflacht. Vielfach hört der moderne Mensch heute im Strudel lauter Unterhaltung über Des Taaes Nichtigkeiten gedankenlos einer Musik zu, &eren Hauptaufgabe es zu fein scheint, durch Lärm zu betäuben. Den Musikbedarf weitester Streife be­friedigen Grammophon, Radio und Tonfilm. So staunenswert alle diese technischen Wunder sind, der unmittelbaren Darbietung in guten Konzerten'ver­wogen sie doch nicht entfernt nahezukommen. Ganz besonders bedauerlich aber ist es, daß die eigene, persönliche Musikausübung immer mehr zurückge- brangt wird. Die Besinnlichkeit und Beschaulichkeit früherer Zeiten ist uns oerlorengegangen. Und doch roaren es vielleicht die schwersten und trübsten Zeiten ber Vergangenheit Deutschlanbs, in benen es gerabe bie deutsche Hausmusik war, die den bedräng­ten Menschen Ruhe, Frieden und neue Hoffnung brachte.

-Wieder durchleben wir Zeiten schwerster Not, Sorge und Hoffnungslosigkeit. Noch lassen wir uns betäuben von technischen und artistischen, in ihrer 21rt in der Tat häufig bewundernswerten Leistun­gen. Niemals aber vermögen sie zu ersetzen, was die eigene häusliche Musikausübung den Ausübenden und der Familie zu geben vermag. Nur sie vermag im richtigen Sinne für musikalische Erhebung und Begeisterung durch unsere unvergänglichen Meister- werke in den öffentlichen Konzerten vorzubereiten.

Endlich aber ist bie Hausmusik berufen, den Mit-' telpunft guter und gesunder häuslicher Unterhaltung und Geselligkeit abzugeben, ja den Deutschen die Häuslichkeit wiederzugeben, die dem modernen Menschen schon fast oerlorengegangen ist, die aber in Deutschland wiederkehren muß, wenn Deutsch­land gesunden soll. h. S.

Der lag ber deutschen Hausmusik soll, nach einer Anordnung des hessischen. Ministers für Kultus und Bildungswesen, auch in den Schulen besonders beachtet werden. Den Schulleitungen ist empfoh­len worden, an diesem Tage die Schüler und Schü- lermnen auf den Sinn und die Bedeutung der Hausmusik hinzuweisen.

Or. Temesvary Bundeschormeifler des Hessischen Sängerbundes.

»S11 J>cL<Vn ®a,m/taS in Darmstadt ab gehaltenen Hessischen San- a-? Nachfolger des verstorbe- E DundeSchmormeisters Olaumann (Mainz) ^isnmsikdirektor und Chormeister des Bauerschen Gesangvereins Dr. T e m e S v a r y in Gie^n zum D undeschormeisterdesHes- N.! n S a n g e r b u n d e s gewählt.Diese Wahl hat für die Sanger von Gießen und Oberhessen noch eine besondere Bedeutung insofern, weil sie

Heldengedenkfeiern in öer Reichshaupistadi.

. Berlin, 20.Rov. (TU.) Am Totensonntag fand im Re ich s t a g s gebä u de eine Gedächt- nisfeier. für die Toten des Weltkrieges statt zu der der Reichsbund der Kriegsbeschä- drgten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter­bliebenen aufgerusen hatte. An der Veranstaltung im Plenarsihungssaal nahmen zahlreiche Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens teil. Mit Bee­thoven-Musik, gespielt vom Steiner-Quartett, be- «ann die Feier. Dann sprach der Vorsitzende iLyristoph P f a n d n e r Gedenkworte, die in der Mahnung gipfelten, das Andenken der Toten des Weltkrieges immer lebendiger zu erhalten, da Ne das größte Opfer gebracht haben, ein Opfer das gebiete, m all unserem Beginnen nach einer besseren Ordnung, nach Gerechtigkeit und Frieden zu streben. Die Toten mahnten jedem Volke das unverbrüchliche Recht zu gewährleisten, in F r e i - heit und Gleichberechtigung unter den anderen Völkern zu leben, um so zu einem besseren Menschentum zu kommen. Un­sere toten Kameraden mahnten die Menschheit und alle Staatsmänner der Welt, die Grundlagen für die Sicherheit eines jeden Landes und für den allgemeinen Frieden auf dem Boden gleichen Rechts, der Achtung vor der einzelnen Ration und des Verstehens aller Völker zu schaffen, llr- Jula v. Garden und Robert Müller sprachen dann Dichtungen, darunter auch einen Ausschnitt von UPalter FlexDer Wanderer zwischen zwei Wel­ten . Am Ende der Gedenkfeier fang der Berliner Aerztechor das Lied vom guten Kameraden und BeethovensDie Ehre Gottes".

Die Vereine der früheren Truppen- te . l e d e r G a r n i s o n B e r l i n hielten, wie all- Totensonntag in der neuen evangc- hftften Garnisonkirche eine Totengedenkfeier für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Kameraden ab.

k ^den Ehrengästen sah man viele ehemalige Cfjefs der Garberegimenter. Um 12 Uhr erfolgte der Einmarsch der Fahnen und Standarten. Pfarrer Dr Wenzel gab ber Gemeinde bekannt, daß r kV ra 11 b,e von Hindenburg in "Übte, da ihn die politischen Geschäfte nicht die Zeit ließen, wie alljährlich, an

Danzig, 20. Nov. (WTB.) Nach dem Scheitern der polnilch-danziger Wirtschaftsverhandlungen und nach der Ablehnung der wiederholten Dergleichsvor- schläge des vorläufigen Hohen Kommissars R o - st i n g durch Polen hat der Hohe Kommissar nun- mebr seine Entscheidungen in den drei großen Streit- verfahren, 1. polnische Beschwerde wegen der Hand­habung ber Danziger Zollverwaltung unb polnischer Schabensersatzanspruch vom 15. September 1931; 2. polnischer Antrag auf Abschaffung ber Danziger Cigenbedarfskontingente und 3. Antrag auf Frei­zügigkeit öer in Danzig bearbeiteten ober weiter- verarbeiteten Waren nach Polen, auf der Basis des Sachverständigengutachten getroffen.

Der Hohe Kommissar hat, wie von maßgebender Seite verlautet, in den für Danzig wesentlichen Punkten der Danziger Auffassung Rech­nung getragen. Bon größter Bedeutung für bie Danziger Wirtschaft ist insbesondere seine Ent­scheidung, daß die Danziger Wirtschaft bas Recht auf den Weiterbezug ihrer Eigenbe­darf s k o n ti n g e n t e behält, solange nicht eine andere Bedarfsdeckung möglich und garantiert ift und daß Polen die Danzig-polnische Grenze weder gegen die in Danzig nationalisierten Waren, die durch Verarbeitung oder Umarbeitung von Kon- tingentswaren geschaffen sind, noch gegen die in Danzig rechtmäßig veredelten Waren sperren darf.

Der polnische Antrag auf alsbaldige Beseitigung ber Danziger Eigenbedarfskontingente ist von Ro- . fting also als nicht begründet' abgewiesen worden. Polen soll jedoch das Recht haben, an ber von Zeit ZU Zeit vorzunehmenden FestsetzungderDan- z : g e r Kontingente m i t z u w i r k e n. Falls die beiden Parteien innerhalb einer Frist von einem ^unat zu keiner Einigung gelangen, wird e i n Ausschuß zur Festsetzung der Danziger Kontin­gente bestehend aus einer gleichen beschrankten Zahl von Danzigern und Polen unter Vorsitz eines vom Danziger Lölkerdundskommissar bestellten neutralen Sachverständigen, eingesetzt werden

Für die Festsetzung der Mengen der Jndustrie- ronhngente werden dem Ausschuß bestimmte Richt­linien gegeben. Der Danziger Anspruch auf Frei­zügigkeit der in Danzig de- oder weiter zu ver­arbeitenden (nationalisierten) Kontingentswaren m vollem Umfange anerkannt worden

Gießen, den 21. Rovember 1932.

Schenk mir ein Buch!

Don Charlotte Reinke.

Schenk mir ein Äuch", sagte die alte Dame zu ihrem Sohn,ein Buch aus der Zeit meiner Ju- genö Lebenserinnerungen aus dem vorigen Jahr- hundert. Es wird mir sein, als plauderte ich mit alten Freunden. Das Heute ist so laut und fremd, id) bin oft so allein. Schenk mir ein Buch, das mich noch einmal ins Gestern zurückführt."

Schenk mir ein Buch über die Zukunft, Vater" dcV-Hulbwüchsige.Weißt du, etwas über den

V?lun't5^taat' oder die neuen Luftschiffe, neue tech­nische Erfindungen, den künstlichen Menschen, etwas dergleichen. Ich bin so gespannt, was man noch olles fertig bringen wirdV

Schenk mir ein Buch für die Abende, an denen öu mich allein läßt" sagte das Mädchen zum Freund.Ein Buch voll feiner Gedanken und zar- ter Worte, über dem sich träumen läßt. Wähle es sorgsam aus, denn ich werde denken, daß es Be­ziehungen zu uns hat, daß du durch das Dichter- wort^u mir sprechen willst, wenn du fern bist."

Schenk mir ein Buch voll Spannung und Le­ben , sagte der junge Mann zum Kameraden,den ganzen Tag arbeite ich hart, die Zukunft ist eine große Sorge. Schenk mir ein Buch voll guter Laune unb Zuversicht, das von Erfolgen erzählt und be­hauptet: so schlimm ift das Leden gar nicht ich miU gern daran glauben und von neuem hoffen und versuchen." 1

Schenk mir einmal wieder ein Buch", sagte die Frau zum Mann,ich höre und sehe bald nichts mehr als den Alltagskram. Schenk mir ein Buch, Das non öer ffielt jenfeits Haushalt, Mühe unb Mino spricht. Ich möchte mit dir darüber plaudern, damit wir uns nicht stumm gegenübersitzen. Ich mochte wahrend des Tages einmal an das Gelesene denken unb hinausfühlen über die allzuenge Um­welt. Schenk mir ein Buch, das mich hineinschlüpfen laßt m fremde Schicksale, ich werde frischer zu dir zuruckkehren." 0