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21.11.1932 Erstes Blatt
 
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Chefredakteur

Dr. Friede. Will). Lang«. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein undfürdenAn- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in Biegen.

5 9%, Rumänen 9'A bs ander 9% bis 13«, glfls, )t Frischeier 10 bis IC.:, und schmutzcier 7!i icnen 7« bis 8, Iugosli. M bis 8«, Holländer 9 5 9.

Deutschland und der

Die ersten Ermittlungen.

General-Anzeiger für Oberheffen

Dnid und Verlag: vriihl'sche Univerfitäl§-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: ZchufNraße 7.

3n politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Botschafter bei dieser Gelegenheit in irgendeiner Form das Befremden darüber zum Ausdruck bringen wird, daß in der französischen Presse das Attentat mit einem Deutschen und mit der Aationalfozialistischen Partei rnZu­sammenhang gebracht worden ist.

Koerber rechtfertigt sich.

Moniertet Beziehungen zu denAngeschuldtgten gerichtlich sestgcftcllt

Paris, 20. Roo. (ÖIB.) Zu der Erklärung, die Ministerpräsident herriot dem Vertreter einer Nachrichtenagentur abgegeben hat, ersucht uns der darin genannte deutsche Journalist koerber um Veröffentlichung folgender Erklärung:

herriot hat gesagt: Die in der Untersuchung wegen des Attentats auf das Denkmal von Rennes oerwittelten Angefchuldigtea hätten erklärt, sie hätten Geld für ihre Propaganda von einem notorischen deutschen Rationalisten, deralsein Vertreter Hitlers in Frank­reich betrachtet werde, erhalten. Tatsache ist, daß die beiden von herriot gemeinten Angeschuldigten Jeusset und Eattelliot vor dem Untersuchungsrichter in Rennes am 22. September gegen 13 Uhr in Gegenwart von koerber unter Eid zu Proto­koll aussagten, dah sie niemals Herrn koerber um irgendeine Unterstützung angegangen seien oder eine solche von ihm empfangen hätten. Ebenso sagte koerber unter Lid zu Protokoll vor dem Untersuchungsrichter aus, dah die Angeschuldigten ihn niemals um einen Centime gebeten oder einen Lentime von ihm erhalten hätten. Velde Angeschuldigte, deren Bekanntschaft koerber ganz unfreiwillig ge­macht hat und zwar sechs Monate vor dem Attentat, das herriot erwähnte. da sie ihn in feiner Wohnung besuchten, um ihm das Programm ihrer Bewegung klorzulegen, verliehen koerber offenkundig, wie ebenfalls vor dem Unter­suchungsrichter zu Protokoll gegeben wurde, voll­kommen enttäuscht, da sie einsahen, das; er mit ihrer Bewegung keinerlei Sympathie habe und daß er auch keinerlei Beziehun­gen zu Hitler besitze, oder die Angeschuldigten, wie sie wünschten, zu Hitler nicht in Beziehung sehen konnte. Die von herriot gemachte Aussage widerspricht also den gerichtlich fe st gelegten Tatsachen. Ein weiterer klarer Beweis für die ungenaue Darstellung, die der Mi-

Reihe von Besprechungen mit seinen engeren Partei­freunden gehabt, lieber den Inhalt der Verhand­lungen zwischen Rationalsozialisten und Zentrum wird auf beiden Seilen strengstes Still­schweigen bewahrt, weil man unter allen Um­ständen vermeiden will, dah der weitere verlaus durch Indiskretionen gefährdet werden könnte.

Vorläufige Absage Hugenberos.

Reichstagspräsident Göring hat auch versucht, mit den Deuts ch nationalen in Fühlung zu kommen. Diese Absicht ist aber zunächst mihlungen. und zwar deshalb, weil die Deutschnationalen wohl erwartet hatten, daß Hitler selbst sich an sie wenden würde. DerMontag", der ja dem Geheim­rat hugenbe r g nahesteht, berichtet darüber, dah die Verhandlungen in deretwas merkwürdigen Art" eingeleitet worden seien, dah Reichstagspräsi­dent Göring am Sonntagnachmittag durch feinen Adjutanten Geheimrat hugenberg in das Palais des Reichstagspräsidenten zu sich bestellen lieh. Dr. hu­genberg lieh nach der genannten Quelle darauf mit­teilen, dah er Herrn Adolf Hitler wie stets, so auch jetzt zu einer politischen Besprechung zur ver- fügung stehe. Lr müsse es aber nach den Vorgängen der letzten Wochen ableljnen, einer in so unge­wöhnlicher Form erfolgten Aufforderung des Herrn Reichstagspräfidenten Göring nachzukommen. Rach dieser Absage bleibt natürlich immer noch d i e Möglichkeit für direkte Besprechun­gen zwischen Hitler und hugenberg offen. Man kann aber wohl annehmen, dah sie jetzt erst in einem späteren Stadium in Frage kommen, wenn zwischen Rationalfozialisten und Zentrum eine größere Klarheit erzielt worden ist.

Auch Diugeldey will nur mit Hitler verhandeln.

Dos Auto des nationalsozialistischen Führers S) i 11 e r oirb bei bet Ausfahrt aus einer riesigen Volksmenge mit Hellrufen begrüßt.

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An die Verhandlungen, die Sonntag nachmittag beim Reichstagspräsidenten Göring stattgefunden haben, schlossen sich noch interne Besprech u n- gen bei den Rationalfozialisten im Kaiserhof". wo auch Adols Hitler wohnt, u n d im engeren kreise der Zentrumsführung, von unterrichteter Seite erfahren wir, dah die Ein­ladung Görings zu Besprechungen nicht nur aus das Zentrum und die Deutschnationaien beschränkt ist, sondern sich auch auf Deutsche Volk spar­tet und Bayerische Volkspartei er­streckt. Ls ist also sicher, dah auch mit den Füh­rern dieser beiden Parteien verhandelt wird. An den Führer der Dvp.. D i n g e t d e y , ist man bisher jedoch von keiner Seite herangetreten. In volksparteilichen Kreisen vertritt man den Stand­punkt, dah der Parteiführer keinen Anlaß habe, sich auf Verhandlungen mit Göring ein- zulasfen. Besprechungen mit dem Reichstagspräsi­denten hätten nur bann einen Sinn, wenn alle in Frage kommenden Parteiführer, also auch Hitler s e l b ft, daran teitnähmen.

Görmgs Ausgabe.

Rur informatorische Fühlungnahme

Zur Konstruktion dieser ganzen Verhandlungen werden von nationalsozialistischer Seite solgende Ge­sichtspunkte unterstrichen: Die Rationalfozialisten find bereit, positiv d i e Aufgabe der Regie­rungsbildung in Angriff zu nehmen, wenn der Reichspräsident ihnen die Führung über­trägt, d. h. Herrn Hitler den Auftrag erteilt. Dieser Auftrag liegt bisher nicht vor, und deshalb werden die Verhandlungen auch nicht von Adolf Hitler geführt. Vielmehr ist nach national­sozialistischer Auffassung zunächst Rcichstagspräsi- dent Göring der gegebene Mann. Das werde einmal durch feine Stellung als Reichstagspräfident bedingt, noch stärker aber durch die Tatsache be­stimmt, daß er von den Parteien gewählt ist, die vom Reichspräsidenten zur Frage der na­tionalen Konzentration gehört worden sind. Seine Unterhaltungen mit den Parteien gehen von der Frage der Reichstagseinberufung aus, gelten weiter der Stellung der Parteien zum Kabinett Papen und von da aus den Möglichkeiten, die zur Bil­dung einer neuen Regierung führen ton­nen. Ls wird betont, daß diese Verhandlungen nur informatorisch sind und vorbereitenden Lha- rakter haben. Dabei ist aber kein Zweifel darüber, daß sie sowohl dem Personenkreis als auch und das in erster Linie die Programmfragen einer gemeinsamen Kabinettsbildung umfassen.

Keine Verhandlungen Schleichers mit Hitler.

Berlin, 21. Nov. (TNB. Funkspruch.) In einem Berliner Montagsblatt sind Behauptungen über die Haltung des Reichswehrministers während der poli-

19. Dl-v. 3m Hinblck erfolgte Äontingcntit- tel bereits in dm Dm« kaufe getätigt. Diese fc« n Woche zum EWanb, hr schleppenden Verlag iftimmung blieben die tet* Die Aussichten für d, nächsten Zeit dursten a -urteilen sein. Allerdings 'Igte Doreindeäung des jteit Machst noch einige 2Iuilcmb8angcboten ta bamrufr.gcn. Die Der« M lauten (in l&v* ütei lÄö-M. deutsch»

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Schleichers Aufstieg" über eine Rundfrage des Keichswehrministers an die Wehrkreiskommandeure unwahr. Eine solche Umfrage ist nicht er­folgt. Weiter wird vom Reichswehrnumsterium zu den Behauptungen über Besprechungen des Reichswehrministers mit Hitler erklärt, daß General von Schleicher keine Verhandlun- g e n m i t H i t l e r g e f ü h r t und ihn feit Wochen überhaupt nicht gesehen hat.

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Hitlers zweiter Besuch beim Reichspräsidenten.

Hitler fordert erneut die Führung und wird beauftragt, Bedingungen und Möglichkeiten für ein von ihm geführtes Kabinett festzustetten. - Noch für heute Antwort zugesagt.

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Oie amtliche Mitteilung.

Berlin, 21. Rov. (WTB. Funkspruch.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag er­neut Herrn Adolf Hitler. Ueber diefe Besprechung wird folgende amtliche Mitteilung herausgegeben: Rachdem der Führer der Rationalfozialiftifchen Deutschen Arbeiterpartei dem Herrn Reichspräsi­denten mit aller Bestimmtheit erklärt hat, dah seine Partei nur in einer von i h m geführten Regierung mitarbeiten könne, hat der Herr Reichspräsident Herrn Hitler als den Führer der stärksten Partei des Reichs- tags ersucht, festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen eine von ihm geführte Regierung eine sichere, arbeits­fähige Mehrheit mit einheitlichem A r - beitsprogramm im Reichstag finden werde. Herr Hitler erklärte, feine Antwort auf dieses Er­suchen dem Herrn Reichspräsidenten heute nach­mittag schriftlich zu übermitteln.

Oer Empfang.

HrüßeMenschcnmcngen hegrützcu wiederum Hiner.

Berlin, 21. Nov. (ERB. Funkspruch.) Der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, ist heute um 10.30 Uhr beim Reichspräsidenten vorgefahren. In seiner Begleitung befand sich der Reichstagspräsident Göring und Minister a. D. Frick. Bor dem Hotel ,Kaiserhof" hatte sich, obwohl der Zeitpunkt der Be- 'sprechung Adolf Hitlers beiip Reichspräsidenten ge­heim gehalten wurde, wiederum eine große Anzahl von Parteianhängern angesam­melt, die ihren Führer mit Heilrufeck begrüßten und das Auto bis zum Reichskanzlerpalais im Laufschritt begleiteten. Die Polizei hatte jedoch umfang­reiche A b s p e r r m a ß n a h m e n bereits um 10 Uhr vorgenommen.

Hitler verließ bereits um 10.50 Uhr das Reichskanzlerpalais und begab sich unter Heilrufen seiner Parteianhänger zumKaiserhof". Hier sam­melten sich die Menschenmengen, die sich vorher in der Wilhelmstraß'e und am Wilhelmplaß aufgehal­ten hatten, vor demKaiferhof", der durch ein starkes Polizeiaufgebot abgesperrt war. Die Menge nahm auf dem gegenüberliegenden 'Burgen steig Aufstellung und forderte im Sprech-Lhor Hitlers Erscheinen aus dem Balkon. Als der Führer der Nationalsozialisten nicht er­schien, brachte ihm die Menge ein dreifaches Noch auM Da der Verkehr durch die angesammelten Men schenmasien stark behindert wurde, sorgte die Polizei dafür, daß Fahrbahn und Bürgersteige wieder pas­sierbar wurden.

Goebbels spricht auf dem Wilhelmsplatz zur Menge.

tischen Verhandlungen der letzten Wochen sowie über die H i n e i n z i e h u n g der Reichswehr in die politischen Erörterungen enthal­ten. Vom Reichswehrministerium wird dazu erklärt, daß bei den ganzen Verhandlungen der letzten Wo­chen sowohl innerhalb des Reichskabinetts sowie bei dem Reichspräsidenten der Reichswehrminister mit keinem Wort die Haltung der Reichs­wehr erwähnt hat. Ebenso sind von der Presse wiedergegebene Mitteilungen mit der Ueberschrist

P a r i s, 20. Aov. (WTB.) Bach den bisherigen Ermittelungen scheinen es die Täter tatsächlich auf den Zug abgesehen zu haben, in dem Herriot reifte. Sie haben vermutlich gegen 3.30 Hör den der beschädigten Stelle nächstgelegenen Bahn­übergang in einem Automobil überfahren, dann einen Weg längs der Strecke benutzt und sind etwa 10 Minuten vor der ersten^Explosion den­selben Weg zurückgegangen. Die Spur des Autos ist fest gestellt worden. Der Streckenwärter hat zwei kleine Explosionen, ähnlich den Explosionen von Signalraketen gehört. Er glaubt, auch ein Geräusch vernommen zu haben, als ob ein Motor angelassen werde. Der Borfall erinnert an Drohungen, die gelegentlich der Enthüllung des bretonischen Denkmals in Rennes von autonomistischer Seite gefallen sind. Aebrigens wäre der Zug des Ministerpräsidenten in Wirklichkeit gar nicht betroffen worden, da gegen 6.30 Uhr bereits ein herausf ah- rentier Personenzug die gefährdete Stelle hätte passieren müssen.

Sieben Anlonomisten verhastel.

Paris, 21. Aov. (WTB. Funkspruch.) Aach demParis Soir" sind im Laufe der Nacht in Aantes 7 Personen verhaftet worden, und zwar habe es sich um bretonische Autonomisten gehandelt, die aus Aennes, Paris und anderen Städten zugereist waren. Auch heute vormittag sei im Bahnhof noch em Autonomist verhaftet worden. Man nehme an, daß die verhafteten Autonomisten nach Aantes gekommen feien, um anderen Autonomisten die Möglichkeit zu geben, unbeobachtet ihren An- schlagsvcrsuch auszuführen. Wie der Populaire berichtet, sind von den sieben verhafteten Per­sonen vier Mitglieder einer bretoni­schen Geheimgefellschaft; unter ipnen befindet sich eine junge Studentin, die den Bei­namenSie rote 3ungf rau fuhrt und von der auch im Zusammenhang mit dem 'S) c n t - malattentat in Rennes die Rede gewesen ist. Die Vernehmung dauerte den ganzen Sonn­tag über an; ihr Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Deutsches Befremden.

Berlin, 21.Aov. (CAD. Funkspruch.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist dec deutsche Botschafter in Paris keleg^r» phisch beauftragt worden, dem französischen Mi­nisterpräsidenten Herriot den Glückwunsch der deutschen Regierung zu dem Mißlingen des auf ihn geplanten Attentats zum Ausdruck zu bringen.

Berlin, 21. Aov. (CAD. Funkspruch.) Aach- dem die ersten De-Handlungen im Kaiferhof been­det waren, sammelten sich gegen 13 ilpr immer mehr Parteianhänger auf dem Wilhelmsplatz, |d daß die Polizei Mühe hatte, den Durchgangsver­kehr aufrecht zu erhalten. Als Dr. Goebbels das Hotel verlieh, versprach er dem Reviervor- steher, die Menge zu beschwichtigen und d um Aachhausegehen zu veranlassen. Dr. ®oc^ bels forderte dann seine Parteianhanger auf, sich nach Hause zu begeben. Er fühlte d bei auö, öap der Führer die Ditte ausspreche, den Wilhelms- Platz zu räumen, um Komplikationen zu vermei­den. Die politischen Dinge lägen in ber Schwebe, und es müsse erst im Hotel Kaiseryos gewissenhaft und aufrecht gearbeitet werden^ Zum Schluß richtete Dr. Goebbels an die SA.-Führer die Aufforderung, dafür zu sorgen, daß binnen 1 0 OK i nuten der Wilhelmsplatz von den P a r t e i a n g e h ö r i ge n geräumt werde. Unter stürmischenHeil Hitler"-Rufen fuhr dar­auf Dr. Goebbels weiter und die Menge zer­streu t e f i ch b*).

Göring bringt NGOAp. und Zentrum zusammen.

Berlin, 21 Rov. (OB.) Auch am Sonntag haben die Verhandlungen über die Reubildung der Rcichsregicrung nicht geruht. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den Parteien. Rachdem der Reichs­präsident die erste Etappe feiner Besprechungen ab­geschlossen hat, war vorgesehen, daß die Parteien, die für die nationale Konzentration in Frage kom­men, zunächst untereinander Fühlung nehmen. Das ist in der Form geschehen, daß Verhandlungen zwischen den Ratio­nalsozialiften und dem Zentrum ftattge- funden haben. Hitler selbst ist an diesen Bespie- chungen nicht initiativ beteiligt gewesen. Sie werden vielmehr von dem Reichstagspräfidenten Göring geführt und haben in feiner Wohnung stattgefunden Adolf Hitler selbst hat sich den größten Teil des Sonntags imKaiferhof" aufgehalten und eine

Hr 274 Erstes Blaff 182. Jahrgang Montag, 2|. November 1952

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