Ausgabe 
21.10.1932 Frühausgabe
 
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Für sich persönlich schließt er das ein für alle mal ganz aus.

Auf die Frage des Wg. Steuer (Dntl.), ob man von feiten der Preußenkasse etwa früher a n ien Zeugen herangetreten sei, erwiderte dieser: Das einzige Bestechungsangebot, das mir je In meinem Leben gemacht worden ist, hat mir Herr Klepper gemacht. (Bewegung.) Der Zeuge schil­dert dann, wie ihm Klepper aus einem Abend der Rentenbankkreditanstalt das Angebot eines Kredites ohne jede Sicherheit gemacht habe, obwohl er wußte, daß der Zeuge von Ansang an wohl zu den schärfsten journalistischen Gegnern Kleppers gehört habe. Der Zeuge habe das Angebot von vornherein als korrumpierenden Be­st echungsoersuch empfunden und sofort abgeleynt. Er habe später gelegentlich durch die Blume gegenüber Klepper darauf angespielt und lei wohl verstanden worden. Außerdem habe er sofort an jenem Abend einem Mitglied des Direktoriums der Rentenbankkreditanstalt von dem Angebot Mit­teilung gemacht, später auch seinem Verlag.

Die Bekundung des Zeugen rief bei den Ab­geordneten des Zentrums und der Sozialdemo­kraten lebhafte Erregung hervor. Sie verlangten, daß Klepper Gelegenheit gegeben werden müsse, sofort zu dieser Aussage Stellung zu nehmen. Der Antrag wurde mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Bei der abschließenden Bernehmung erklärte der Zeuge Melzer, er könne sich durchaus denken, daß Klepper selbst nicht das Gefühl eines ehrenrühri­gen Angebots gehabt habe. Die Meinungen über Moral und Unmoral seien eben verschieden. Klep­per habe übrigens auch gelegentlich vor Presse­vertretern zugegeben, daß gewisse finanzielle Transaktionen im Zusammenhang mit dem «gor* schungsinstitut von Pros. Brandt streng genom­men statutenwidrig seien. Der Ausschuß ver­tagte sich dann bis nach den Reichstags- waylen.

Eine Erklärung Kleppers.

Der preußische Finanzminister Dr. Klepper bittet das BDZ-Düro um die Verbreitung fol­gender Erklärung:

Da der 21. Ausschuß des Preußischen Land- tages meine Vernehmung zu den Aus­sagen des Redakteurs Melzer abgelehnt und sich bis nach den Wahlen vertagt hat, gebe ich auf diesem Wege die folgende Erklärung ab:

1. Ich habe niemals gegenüber einem Jour­nalisten und insbesondere nicht gegenüber Herrn Mel;er einen Versuch unternommen, durch Zu­wendungen irgendwelcher Art einen Einfluß auf seine Urteiläbilbung oder Meinungsäußerung auszuüben.

2. Es ist unwahr, daß ich Herrn Welzer, sei es anläßlich des von ihm erwähnten Abend­essens, das übrigens meines Wissens nicht bei der Deutschen Rentenbankkreditanstalt, sondern bei dem damaligen .Reichsernährungsminister Dietrich stattsand, sei es bei einer arideren Ge­legenheit, einen Kredit oder sonstige finanzielle Vorteile angeboten hätte.

3. Es ist unwahr, daß Herr Melzer mir gegenüber unmittelbar oder mittelbar habe er­kennen lassen, daß er irgendeine Aeu- ßerung von mir in dem von ihm heute vor dem Ausschuß angegebenen Sinne verstan­den habe.

4. Es ist unwah r, daß Herr Melzer die Beziehungen zu mir nach jenem Zusammensein abgebrochen hat. Wahr ist dagegen, daß ich Herrn Melzer erst an jenem Abend kennengelernt habe, daß er mich danach häufig besucht hat, und daß er mir, ohne daß irgendwelche sonstigen persönlichen Bezie­hungen bestanden, sogar Familienanzei­gen zugesandt hat. Die darüber vorliegende Korrespondenz werde ich dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses abschriftlich mitteilen.

Hessen und die Reichsresorm.

Staatspräsident Dr. Adelung gegen eine Zerreißung hessischen Gebiets und gegen eine Verlegung von Reichsbehörden von Darmstadt und Mainz.

Darmstadt, 20. Oft. (WSN.) Staatspräsident Dr. Adelung gewährte dem Vertreter des WTB. eine Unterredung, in der einige mit der Reichs- reform zusammenhängende Fragen erörtert wurden. Der Staatspräsident führte u.a. aus:

Aus den Reden des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsinnenministers geht nicht mit vollkom­mener Klarheit hervor, wie die Resormvovschläge der Reichsregierung aussichen werden. Durch Notverordnungen lassen sich jödenfalls keine versa ssungsändernden Neu­regelungen durchführen. Die Reichsregierung hat aber auch erklärt, daß sie an ihre Plane nur im engsten Einvernehmen mit Öen Vänöerregicrungen herantreten werde und sic dann dem'Reichstag zuleiten wolle.

Mit diesem Hinweis ließe sich auch alles eifrige Geschreibe und Gerede obskurer kreise ablun, die stets bemüht sind, mit dem Zirkel die deut­sche Welt neu einzuteilen, und die neuerdings die hessische Provinz Oberhessen nach Kassel einverleiben wollen. Dazu kann ich nur eindeutig und bestimmt erklären, daß die hessische Regierung, und ich darf wohl sagen tc gesamte hessische Bevölkerung nicht da­ran denken, hessisches Gebiet auf­teilen zu lassen. Bei allen früheren Verhand­lungen im Ausschuß des Reichsrats ist eine derartige Frage nie und von keiner Seite zur Erörterung gestellt worden. Hessen wird im Interesse Gesamtdeutschlands in jeder Um­gruppierung sein Eigenleben als Land behalten müssen, wie immer seine Grenzziehung auch oerlaufcn möge.

Der Puter und die Lausbuben.

Son Ernst Berg

Die Farm liegt vor den Toren der Stadt. Das ist ein Unglück für den Puter. Immer sind die Buben da. Sie bleiben am Drahtgitter des Gartens stehen und machenRock-dock-dock!" Das ärgert den Puter. Kein Mensch weiß, weshalb, aber es ärgert ihn. Er bekommt einen roten Kopf und kollert. Die Zungen haben nur darauf gewartet. Sie freuen sich, wenn er sich ärgert. Sie wiederholen ihrRock-dock- dock!" unaufhörlich und in allen Tonarten. Und der Truthahn antwortet. Der Truthahn gerät in Hitze. Er sieht öle Jungen mit giftigen Blicken an. Stob ziert unö kollert. Senkt Öen Kopf unö kollert. Seine Wut wachst mit jeöem Augenblick. Sie wachst ins Maßlose.

Die Jungen lachen unö schreien. Sie suchen sich gegenseitig zu übertrumpfen. Das Experiment ge­lingt jedesmal. Der Puter tut ihnen den Gefallen, sich aufzuregen. Er wirkt komisch in seinem Zorn. Das Spiel ist den Jungen bereits zu einer lieben Gewohnheit geworden.

Die Erwachsenen denken: Wenn dieser Puter doch den Schnabel halten wollte! Dann wäre bas Spiel schnell zu Ende. Die Lausbuben langweilten sich. Sie ließen von dem Puter ab und wendeten sich andern Ungezogenheiten zu. Aber der Puter schweigt nicht. Er muß kollern. Der liebe Gott hat ihn zum Choleriker gemacht, und Choleriker müssen kollern. Philosophische Besinnlichkeit liegt dem Puter nicht. Diplomatie ist ihm fremd. Er muß kollern. Die Galle überwiegt.

Der Puter leidet sichtbar. Was für die Jungen ein Spaß ist, ist ihm eine Dual. Er möchte gern davonlaufen, aber er will den Gegnern auch nicht das Feld überlassen. Er will seine Ehre verteidigen. Er will einen guten Abgang haben. Der Kopf des Puters ist puterrot. Das Blut steht ihm in den 'Augen. Das Schwämmchen unter dem Kinn schlen­kert gefährlich. Der Puter fühlt die Neckereien der Kinder wie Peitschenhiebe. Er leidet. Er leidet körperlich und seelisch. Der Grimm frißt sich in ihn hinein. Er wird noch schimpfen, wenn die Kinder längst verschwunden sind. Er wird schwer einschlafen. Er wird an Fleisch verlieren.

Der Puter ist nicht dumm. Er weiß genau, diese Buben wollen ihn ärgern. Er weiß sogar, sie meinen es nicht so schlimm. Es sind dumme Jun­gen. Aber es ärgert ihn, daß sie ihn ärgern wollen. Es ärgert ihn noch mehr, daß er sich ärgern läßt. Der Truthahn ist stolz. Er ist eitel. Es ärgert ihn gu denken, sie könnten denken, sie könnten ihm etwas anhaben. Er möchte ihnen zeigen, wie gleichgültig sie ihm sind. Er möchte sie zerschmettern. Er kann

Hessen kann und muß bei seiner Lage dies­seits und jenseits des Rheins unö Mains, gleichsam als klammer zwischen Nord unö Süd, mit seinen kulturellen Leistungen in Vergangenheit unö aller Rot zum Troß auch in der Gegenwart, den Anspruch er­heben, als wichtiges Glied des Deutschen Reichs und als Kernstück jedes etwa im Rhein-Main- Gebiet entstehenden neuen staatlichen Gebildes erhal - len zu bleiben.

Wir werden auch in der Lage fein, die großen Schw erigkeiten auf finanziellem Gebiet zu überwinden, und zwar insbesondere dann, wenn unferm Anspruch ausreichend Rechnung getragen wird, daß wir die Lasten, die uns die Besatzungszeit besonders aufbürdete, nicht allein zu tragen haben. Cs ist bekannt, daß Hessen vor dem Kriege eines der fteuer- krästigsten deutschen Länder war, und es ist ebenso zahlenmäßig nachweisbar, daß wir weit mehr als alle übrigen deutschen Länder in unseren finanziellen und wirtschaftlichen Kräf­ten Rot gelitten haben, weil wir eben a m ftärlften durch fremde Besatzung und Ruhrkampf in Mitleidenschaft ge­zogen waren. Wenn infolge dieser schweren Schädigungen das Land in besondere finanzielle Rot geraten ist. so ergibt sich daraus die Pflicht des Reiches, die Schädigungen, die Hessen für das ganze Reich hat auf sich nehmen müssen, auch in Zukunft zu berücksichtigen.

Run taucht die Frage einerkleinen Reichs- refortn durch Zusammenlegung von

weder das eine noch das andere. Er kann nur hilf­los dastehen. Sich aufregen, sich ärgern und kollern. Es ist eine Leidenschaft.

Die Jungen sehen seine Verlegenheit unö amü­sieren sich. Der Geöanke kommt ihnen gar nicht ihr Verhalten könnte grausam fein. Was tun Sie Denn Schlimmes? Sie necken Öen Puter ein wenig. Des­halb braucht er sich hoch nicht aufzuregen. Wenn er sich aufregt, ist es seine Sache. Einmal ist öer Pächter Dazu gekommen unö hat einen furchtbaren Krach gemacht. Sie sollten schleunigst schauen, daß sie öa wegkämen, sonst schlüge er sie windelweich. Da hat Der Kleine mit öer Himmelfahrtsnase ge­rufen: Sie stünden nicht auf seinem Grundstück, sondern auf dem Gemeindeweg. Da könne jeder stehen solange er wolle. Und außerdem täten sie dem Puten nichts. Sie sagten nurRock-dock-dock!" Das sei nirgends verboten,Rock-dock-dock!" > zu sagen. Jeder Mensch könneRock-dock-dock!" sagen, soviel er wolle.

Der Pächter hat sich grün geärgert und der Purer rot. Der Puter hat von der Unterhaltung kein Wort verstanden, aber er hat bas immer wieder­holteRockdock'dock!" gehört und sich geärgert. Und dabei haben diese verflixten Bengels nicht einmal die Unwahrheit gesagt. Sie tun dem Truthahn wirk­lich nichts. Im Gegenteil, sie geben sich alle Mühe, ihn in öer Nähe zu halten. Sie heben keine Stein­chen auf. Sie versuchen nicht, ihn mit einem Stecken zu erreichen. Seit der Pächter geöroht hat, sind sie sogar besonders freundlich geworden. Sie sagen jetzt:Röck-döck-döckchen!" und machen ein Gesicht wie eitel Sirup.

Die Jungen hören nicht auf mit dem grausamen Spiel, unö öer Puter ist wütender denn je. Es geht ihm nicht um das Wart, es geht ihm um Öen Geist. Es geht ihm um öie Unverschämtheit seiner Peiniger. Er läßt sich nicht foppen. Lieber krepiert er. Er kollert nicht mehr, er verkollert sich. Es ist, als ob er einen Knödel im Halse hätte unö daran ersticken wollte.

Der Puter ist ein stolzer Vogel. Seine Urahnen haben einst die heiße Zone bewohnt. Vielleicht hat er dort viel Sonne geschluckt unö ist herüber so hitzig gemoröen. Er ist stolz unö empfindlich. Er beugt sich nicht. Man muß ihn richtig behandeln, bann ist er zutraulich unb harmlos. Er frißt einem die Körner aus der Hand. Aber man darf ihm nicht zu nahe treten. Er ist leicht aufgebracht und geht sofort in die Höhe, wenn man ihn ärgert. Seine Umgebung, Tauben, Menschen, Hühner, hat es nicht leicht mit ihm. Er tyrannisiert alle, Mensch unb Getier, aber am meisten sich selbst.

Die Jungen kennen ihr Opfer und nützen seine Schwäche aus. Sie haben nicht den Verstand, chr

Reichsmiklelbe Hörden auf. 3n Darm­stadt befindet sich der Sih eines Landes­finanzamts und einer Oberpostdirek- f io n. 3n Main; hat eine Reichsbahn- direktion ihren Sih. Mir werden mit allem Rachdruck an unfern» Standpunkt festhalten, bah die Zusammenhänge zwischen dem Staats­gebiet und seinen zentralen Stellen einerseits und diesen wichtigen Reichsbehörden anderseits nicht zerrißen werden dürfen. Dies gilt in be­sonderem Maße von dem Landesfinanzamt, weil diese Behörde bekanntlich den weitaus überwiegenden Teil der Landeseinnah­men verwaltet und fast feine ganzen kasiev- geschäste besorgt.

Die Auswirkungen einer verfehlten Reuvrga- nifation zeigen sich leider bei der vor einigen Jah­ren erfolgten Reuorganisation der Reichs­arbeitsämter, die keinerlei Rücksicht auf staatliche und kommunale Verbundenheit ihrer Aufgaben nimmt.

Für die Frage, wo die großen Reichsbehörden ihren Sitz haben sollen, scheint mir entscheidend, welche Bedeutung die Behörde für die betret» sende Stadt hat. Wenn man einer ausgespro­chenen Beamtenstadt, wie z. D. Darmstadt, das Landesfinanzamt oder die Oberpostdirektion nimmt, so ist das für Darmstadt ein ganz

schwerer Sch lag. Aehnliches gilt bezüglich der Reichsbahndirektton für Mainz. Verliert da­gegen eine große Industrie- oder Handelsstadt eine solche Behörde, so bedeutet das für sie nicht annähernd das Gleiche. 3ete Reform muh sorg­sam den wirtschaftlichen und kulturellen 3ntci> essen des Volkes Rechnung tragen und darf nicht nach starrem Schema erfolgen.

Dr. Best endgültig außer Verfolgung gefetzt.

Leipzig, 20. Oft. (1D5JL) Durch Beschluß des IV. Strafsenats des Reichsgerichts vom 12. Oktober ist der im Zusammenhang mit an­geblich hochverräterischen Plänen hessischer Rational­sozialisten beschuldigte Dr. Best endgülttg anher Verfolgung gesetzt worden. Die Vorunter­suchung, die in den Händen des Reichsgerichtsrats Dr. Zöller als Untersuchungsrichter des Reichs­gerichts lag, hat zu dem Ergebnis geführt, dah eine Anklage nicht erhoben werden kann. Es wurde daher von der Reichsanwaltschast der Antrag auf Auherverfolgungssehung Dr. Betts ge­stellt, der vom zuständigen IV. Strafsenat des Reichs­gerichts im nichtöffentlichen Beschluhoerfahren be­stätigt worden ist.

Aus aller Welt.

Schweres Einsturzuaglüct in der Schwe'z.

3n den Anlagen der Kühlhaus-AG. in St. Mar­garethen (Grenzstation an der österreichisch-schweize­rischen Grenze) ereignete sich ein schweres Ein­st u r ; u n g l ü ck. 3n einem Speicher waren aus dem Dachboden große Mengen von Futtermitteln gelagert worden. 3nfolge Ueberlastung stürzte die Decke ein. Eine große Anzahl von Arbeitern wurde unter den Trümmern begraben. Rach dem Polizeibericht sind bei dem Einsturzunglück zehn Tote zu beklagen und zwar vier männliche Angestellte und sechs Frauen und Mädchen, ferner 19 verletzte, darunter viele $chwerverletzle. Als Ursache des Unglücks wird Ueberlastung des Getreidespeichers angesehen. Die 3n- haber der Kühlhaushandels-AG., ein Holländer, der jahrelang in Hamburg lebte, und ein Ungar, sind bereits polizeilich vernommen worden. Das ganze zweistöckige Mittelstück, des zum Schlachthaus von Sankt Margarethen gehörenden Getreidespeichers ist eingestürzt. 3m ersten Stockwerk befanden sich sechs Räume sür Geflügel, wo etwa 80 Frauen und Mädchen mit dem Rupfen von Hühnern befchäfttgt waren. Man bemerkte ein gefährliches Knistern und Knacken. Kur; darnach ftür;te das ganze Dach mit­samt den großen Getreidemengen herunter und be­grub etwa 50 Arbeiterinnen unter sich. Die Alarm­glocken riesen alle erreichbaren hilsskräfte zusammen.

Die Herabsetzung der Loszahl

bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie.

Die Verwaltung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wird die vor kurzem beschlossene HerabsetzungderLoszahl nicht mit einem Male in vollem Umfange, sondern schrittweise vollziehen. Bei der im nächsten Frühjahr begin­nenden 41. Lotterie werden zunächst 200 000 Cofe dadurch vom Berkaus ausgeschlossen werten, dah von jeder Losnummer nur die ersten sechs Achtel zum Verkauf gelangen. Dem Wunsch nach ganzen und Doppellosen wird jedoch auch weiterhin entsprochen werden können.

Einbruch in das Zittauer Stadtmuseum.

Das Zittauer Stadtmuseum wurde in einer der vergangenen Rächte von Verbrechern

h e i m g e s u ch t, denen Museumsgegenstände von unschätzbarem Wert in die Hände fielen. Be­sonders zu beklagen ist der Verlust von sechs wertvollen Taschenuhren aus dem II., 18. und 19. Jahrhundert, die zum Teil in Silber und Gold getrieben und mit Dmaillezifferblättern versehen sind. Weiter wurden zwei große goldene, mit Diamanten besetzte Mon st ranzen und ein goldener Kelch mit Deckel gestohlen. Außerdem nahmen die Einbrecher zahlreiche Schmuckgegenstände goldene Halsketten, Arm­bänder. Broschen usw. mit, die es in Deutsch­land in dieser Ausführung nur in wenigen Stücken gibt.

Glückwunschtelegramm des Reichsverkehrsministers an den Luftschiffbau Zeppelin.

Der Reichsverkehrsminister Freiherr E l tz von R üb e na ch hat an den Luftschiffbau .zur Rückkehr desGrasen Zeppelin" von seiner Südame- rifafahrt ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat mit der Z u ° ruckle gung des 5 0 0 0 0 0. Kilometers eine in der Welt einzig dastehende Leistung vollbracht. Ich spreche bei dieser Gelegenheit dem kampferprob­ten Führer des Luftschiftes, Herrn Dr. Eckener, dem bewährten Konstrukteur, Herrn Oberingenieur Dr. Dürr, sowie der gesamten Besatzung des Schiffes und den Mitarbeitern des Luftschiffbaues Zeppelin, deren restloser Hingabe allein diese Leistung zu verdanken ist, meine herzlichsten Glück­wünsche aus und verbinde mit ihnen die besten Wünsche für weitere glückliche Fahrten des Schiffes und das Gedeihen des Luftschiffbaues Zeppelin.

Gronau in Colombo.

Der deutsche Flieger Wolfgang v. Gronau hat auf feinem Flug vom Chiklasee an der Vorder- indischen Küste des bengalischen Meerbusens dcij- l o n erreicht. In Chrlka waren die deutschen Flleger Gäste des Rajah von Callecot, eines der reichsten Maharadschas Indiens. Während in Chikla für Gronau und feine Mannschaft aufs allerbeste ge­sorgt worden war, mußten sie in Cocanada an der vorderindischen Küste, wo der Dornier-Wal Zwi- schenstation gemacht hatte, recht bescheiden in ein­fachen Zelten ohne jede Bequemlichkeit leben. Vor­aussichtlich wird der Wal zwei Tage in Colombo bleiben, da Gronau einige kleine Instandsetzungen vornehmen will, um danach möglichst schnell seinen Flug in kleineren Etappen zu vollenden.

Unrecht zu begreifen, und öer Puter ist töricht genug, sich ärgern zu lassen. Er kann es nun ein­mal nicht vertragen, geneckt zu werden. Das ist bei allen Putern so und bei vielen Menschen.

Die Ausstellung der Familie Vantzer in Marburg.

Gin trüber, grauer Himmel. Draußen strömt der Siegen; kalter Wind. Wir treten ein in die weiten, Hellen Räume des LIniversitätsmuseums; der Weister selbst führt uns. Schon gleich in der Eingangshalle erblicken wir eines seiner neuesten Werke, das Bildnis des Freiherrn vom Stein. Es gibt uns einen so lebendigen Eindruck von der kraftvollen und klugen Persönlichkeit dieses Mannes, daß wir meinen, der Künstler müßte ihn selbst gekannt haben.

3m ersten Stock erst sinden wir in sinnvoller und künstlerisch vollendeter Anordnung die eigent­liche B anher-Ausstellung. Sie gibt uns nicht nur ein eindrucksvolles Bild von dem ge­samten Lebenswerk des Künstlers, sie spiegelt auch feine Seelenstimmungen und sein persönliches Erleben wieder. Denn wie er selbst einmal sagte, sind alle seine Bilder, ob Freude oder Trauer, Frieden und philosophische Ruhe in ihnen liegt, wenn auch zuerst ost unbewußt, Ausdruck seines persönlichsten, innersten Erlebens.

So wandern wir durch die harmonischen Räume von einer Schönheit zur andern und sind über­wältigt von der Feinheit des Empfindens, von so viel Fülle und Kraft, wie wir sie auch gerade in den neuesten Werken erblicken.

Lebenskraft und -freute, Familienglück und Frühlingsjubel strahlen uns aus den Bildern im ersten Saal entgegen. Das schönste und bedeu­tendste ist das Familienbildnis aus dem Jahre 1909. Daneben der Tanz mit feiner Freute an Rhythmus und Bewegung. An ter gegenüber­liegenden Wand hängt ein Bild der Äbendruhe; Stille und Frieden liegen über Mutter und Kind wie über tem Vater, der sich völlig entspannt der Abendruhe hingibt. Welch einen Gegensatz zu diesem Bild bittet ter Erntearbeiter im grellen Sonnenlicht! Wie möchte man bei jedem einzelnen verweilen; der Engelwiese und ten Landschaften mit ten wunderbaren Fernfichten von ter Höhe des FrauenbergeS!

Dem zweiten Saal geben die Farnilienporträts sein eigenes Gepräge. Das Mutterbildnis ist das Schönste, was man sich denken kann; zwei Bilder von Frau Dantzer von unendlichem Zau­ber und größter Feinheit daS Porträt des SohneS, jedes dieser Bildnisse, eingerahmt

von den herrlichsten Landschaften, wirkt in voll­kommener Ruhe auf den Beschauer.

Der dritte große Saal atmet ten Ernst und btc Schwere des Lebens. Drei Hauptwerke voll un- vergeßlicher Größe: Wallfahrer am Grate ter Heiligen Elisabeth (1888), Männer vor der Kirche und das Abendmahl in ter hessischen Dorsttrche, das, durch Reproduktionen in Tausenden von Exemplaren bekannt, nun. da man das Original sieht, erst recht überwältigt. Und weiter: Alte Schwälmer Bäuerin, Köpfe von Schwälmer Bau- em, der Falk, junges Mädchen in Tracht, der 82jährige Schmidt, sie blicken uns alle an, liebe Schwälmer Freunde in ihren schönen, alten Trach­ten aus dem vertrauten Willingshausen, dessen eigene landschaftliche Schönheit immer wieder anzieht und den Künstler immer wieder zu neuem Schaffen angeregt hat.

Es war ein glücklicher Gedanke, zur Feier des 7 5.Geburtstages von GeheimratDantzer eine Ausstellung der gesamten Famllie Bantzer zu veranstalten. So finden wir in den Rebensälen einige feinempfundene Zeichnungen und Gemälde von Frau Helene Dantzer. Auch die vier far­bigen Dlätter von Elisabeth Dan her ver­raten Freute an künstlerischer Betätigung.

Marigard Dantzer-Ohier hat mit ihren zarten, lieblichen Weihnachtskalentem und ihren phantasievollen Kinderspielen und -Büchern schon viele Kinterherzen beglückt und in weih­nachtlicher Erwartung und Vorfreude höher schla­gen lassem.

Ach, und dann die lustigen Bilderbücher von Hildegard Bantzer? Der Zomepatt, das Häschenbuch und die Reise ter Schneeflöckchen. Ein kleiner Kobold muß ihr .all die Streiche eingegeben haben, die von so viel kindlichem Humor und künstlerischer Auffassung zeugen.

3m letzten ter Räume eine kleine erlesene Ausstellung von Earl Francis Bantzer, tem jüngsten Sohn. Zeichnungen von unendlicher Feinheit und größtem Fleiß, Temperabilder von eigenartigem Zauber in Stil und Farbe, dazu ein lebhaftes, frische- Blumenaquarell und eine Winterlandschaft (Del) ter Blick aus einem Dresdener Atelier in Komposition und Farbe eigenartig interessant. .

Diese so überaus reichhaltige, in sich geschlos­sene Ausstellung ist ein ganz seltenes künstleri­sches Ereignis. Aus allen Tellen Deutschlands, aus den großen Galerien in Derlin. Dresden, Breslau, Hannover, Kassel und Darmstadt find Werke zu dieser festlichen Schau in Marburg vereinigt worden, und allen denen, die 6ayi I bei getragen haben, sie zu ermöglichen, gebührt Dank und Anerkennung der Freunde und Ver­ehrer teS Weisters. *