nr.222 SvühauSsade
182. Jahrgang
Mittwoch, 21. September 1932
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ma? Fitter. sämtlich in Gießen
in
Randnoien.
Das diplomatisä)e Durcheinander, das über den weiteren Arbeiten des Bureaus der A b r ü ft u n g 5« f o n f e r e n 3 entstanden ist, hat eigentlich schon die Grenze einer Komödie überschritten. Es zeigt sich eben, daß niemand ernsthaft mit dem unerschütterlichen deutschen Nein gerechnet hatte, und daß nun alle möglichen Versuche gemacht werden, um über den toten Punkt Hinwegzukommen. Wobei England und Frankreich in trautem Wettbewerb eine Po» litik des doppelten Bodens treiben. Herr Herriot, der im Ausschuß den deutschen Forderungen nach Gleichberechtigung fein „Niemals" entgegengesetzt hatte, weiß davon mit einemmal nichts mehr und beruft sich darauf, daß nur die
nichtssagenden amtlichen Communiqu6s Gültigkeit hätten. Die englische Regierung, die mit ihrer überheblichen Denkschrift den Franzosen treffliche Sekundantendienste geleistet hatte, hat mit dieser Extratour in ihrer eigenen Presse nur geringes Verständnis gefunden und bemüht sich nun ebenfalls in Interpretationsoersuchen, die ungefähr das Gegenteil von dem sagen, was in dem amtlichen Schriftstück enthalten ist. Frankreich und Deutfchland hätten die ganze Note mißverstanden. England denke gar nicht an eine unfreundliche Haltung Deutschland gegenüber, sondern sei nach wie vor zu allen Vermittlungsversuchen bereit. Herr Henderson endlich, der als Vorsitzender der Abrüstungskommission an der weiteren Entwicklung am stärksten interessiert ist, hat der deutschen Regierung ganz offiziell gut zugeredet und veröffentlicht auch noch in einer englischen Zeitung einen Artikel, worin er die Deutschen zu beruhigen sucht mit dem Nachweis, daß ja eigentlich alles in schönster O r d n u n g s ei.
Mir können mit Befriedigung feststellen, daß diese ganzen Rattenfängermelodien in Berlin auf taube Ohren gestoßen sind; der Zweck der Hebung ist zu deutlich Alle Welt bemüht sich jetzt, uns gute Worte zu geben, nur damit wir reumütig und vertrauensvoll nach Genf zurückkehren und uns an den weiteren Arbeiten der Konferenz beteiligen. Sitzen wir dann erst einmal da, dann soll die alte Knochenmühle das Ausslackem des nationalen Widerstandes :" Deutschland zermahlen und uns zu einem be- schcidenen Kompromiß bringen, der Dreiviertel des Weges auf französischer Strecke liegt. Die Haltung der deutschen Politik zeigt aber deutlich, daß es diesmal mit einer solchen Methode nichts mehr ist. Wir haben getan, w a s w i r konnten, um ein Versacken der Abrüstungskonferenz zu verhindern, wir haben rechtzeitig unsere Bedenken angemeldet, haben die Verbindung nach Paris gesucht, ohne daß von irgendeiner Seite Unterstützung kam. Damit ist Deutschlands Ausgabe zunächst erfüllt. Legt die Abrüstungskonferenz Wert daraus, dem deutschen Minimalprogramm zu entsprechen, dann sind wir tu Unterhandlungen gern bereit. Unerfüllbar sind unsere Bedingungen gewiß nicht. Herr von Reurath wird ja in der nächsten Woche in Gens auf der Ratstagung zur Verfügung stehen und anhören, was ihm die anderen zu sagen haben...
Die polnische Regierung hält anscheinend den Zeitpunkt für gekommen, die Karten ihres Spiels um Dgnzig aufzudecken. Das ist an sich fein Fehler, denn wenn mit aufgedeckten Karten gejpielt wird, wissen die Spieler, was sie voneinander zu halten haben. Vor einigen Monaten hatte die Regierung der Freien Stadt Danzig sich an den Völkerbundskommifsar gewandt und Schutz gegen die Uebergriffe der polnischen Zoll- und Wirtschafts- gefetzgebung und den Mißbrauch der polnischen Be- fugmffe zur Benachteiligung Danzias in Zollfragen gefordert Der Völkerbundskommifsar forderte Die polnische Regierung zur Aeußerung auf. Monate ließ die polnische Regierung verstreichen, ohne eine An - wort zu erteilen. Jetzt endlich ist die polnische Antwort tteim Völkerbundskommifsar einqegangen. Polen lehnt in seiner Antwort die ForderuWen Danzigs rundweg ab und stellt dafür eigene Forderungen auf, die eine völlige Aufhebung der Danziger Reseroatsrechte wie sie in dem Wirtschaftsabkommen vom Oktober 1931 feftgeiegt wurde», darftellen.
Noch am 13. August hat der diplomatische Vertreter Polens in Danzig die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß es gelingen werde, zu einer Verständigung mit Danzig zu kommen, die ein friedliches Nebeneinander gewährleisten würde. Um zu wißen, was von den Worten der Diplomaten zu halten ist, und was sich Polen unter einer Verständigung mit Danzig vorstellt, muß man einen Blick auf das werfen, was Polen dem Völkerbundskommifsar als Entwurf zu einem „Vertrag" vorgelegt hat. Polen verlangt bedingungslose U n t e r jp e r f u n g D a n z i g s in fast jeder Beziehung. Die Selbftändig- fert Danzigs soll nur noch auf dem Papier stehen. Alle Hoheitsrechte in Fragen des Zollwefens und der Wirtschaftsgesetzgebung in bezug auf die Ein- und Ausfuhr sollen an Polen übertragen werden. Mehr noch, das Amt des Völkerbundskommisfars soll nach den polnischen Wünschen ausgeschaltet werden, denn Polen fordert das Recht, künftig über feine Befugnisse in Danzig selbst und ausschließlich bestimmen zu dürfen. Um die Wirtschaft Danzigs vollkommen von der polnischen abhängig zu machen, verlangt Polen die bedingungslose Anpassung der indirekten Steuern und Monopole an die polnische Gesetzgebung, die Regierung der Freien Stadt soll nicht einmal' das Recht haben, beim Zustandekommen dieser Gesetze mitzuwirken.
Soweit beschränkt sich der polnische Vertragsentwurf auf die Besitznahme Danzigs als Wirtschaftsgebiet. Das weitere Ziel Polens liegt bei der Vorbereitung der polnischen Okkupation. Es wird von Polen die Alleinherrschaft über Danzig auf Dem Gebiete der Sicherheitspolizei gefordert, der
Amerika und die deutsche Gleichberechtigung.
Hoover wünscht weitere Teilnahme Deutschlands an der Abrüstungskonferenz, aber keine Einmischung in den Streit um Deutschlands Gleichberechtigung.
Washington, 19. Sept (TU. Funkspruch.) Präsident Hoover hat unerwartet eine Erklärung abgegeben, in der er unter Bezugnahme auf Pariser Pressemeldungen über die deutsche Gleichbercchti- gungsforderung zunächst fcftfteUt, daß die Stellung der amerikanischen Regierung zu dieser Frage klar fei. „Die einzige Frage, an der die Bereinigten Staaten interessiert sind, ist die chrittweise Herabsetzung der Rüftun- gen in der ganzen Welt. Wir sind keine Partner des Dersailler Bertragswerks. Die Bestrebungen der deutschen Regierung sind eine rein europäische Sache. Amerika hat bereits erklärt, daß es an den diesbezüglichen (Erörterungen keinen Anteil nehmen wolle. Wir find daran interessiert, daß Deutschland weiterhin an der Abrüstungskonferenz teilnimmt, die nunmehr für die ganze Welt so erfolgversprechend aus- ieht, und daß Deutschland bei der Erreichung ihrer Ziele m i t h i l f t.
Etappenweise Rüstungsangleichung.
Ein angeblicher Vorschlags Englands.
Parks, 20. Sept. (WTD.) Der Londoner Havas-Vertreter will berichten können, daß die engli'che Regierung, um Deutschland eine moralische Genugtuung zu geben, daran denke, im Rahmen einer Abrüftungskonven- t i o n d ie militärische Ungleichheit, über die Deutschland sich beklage, zu beseitigen. England plane die Ausarbeitung eines Abkommens, das für eine bestimmte Periode, beispielsweise fünf Jahre, eine Rlist ungsrevidierung vorsehe. Rach Ablauf dieser <fcit würde das Abkommen einer Reduktion unterzogen werden, damit unter Berücksichtigung der Ergebnisse weitere Reduzierungen vorgenommen werden könnten. Man weise darauf hin, daß man durch diese vorsichtige Methode etappenweise den gegenwärtigen Abstand zwischen dem Rüstungsniveau der Besiegten und der übrigen Mächte verringern würde. Voraussetzung für dieses Verfahren wäre jedoch, daß Deutschland wieder an der Abrüstungskonferenz teilnehme.
Das politische Frühstück.
Anpassung Beo Hooverplans an die britische Tenkschrist?
Paris, 20. Sept. (TU.) Erst am Dienstag beschäftigten sich einige Pariser Blätter mit dem Frühstück, das Herriot am Montag zu Ehren des amerikanischen Senators Reed und des amerikanischen Botschafters E d g e veranstaltet hat. Das „Journal des Debats" schreibt, die Staatsmänner hätten sich hauptsächlich m i t dem deutschen Schritt, der französischen Antwort und der britischen Erklärung zur Gleichberechtigungsfrage beschäftigt. Da Amerika nicht zu den Unterzeichnermächten des Dersailler Vertrages gehöre, nehme es an den juristischen Auseinandersetzungen kein Interesse. Dagegen errege der „konstruktive" Teil der Londoner Denkschrift in hohem Maße die Aufmerksamkeit der Washingtoner Regierung, da dieser Teil sich direkt auf die Abrüstungskonferenz beziehe. Amerika beabsichtige, die Hoovervorschläge in ein
Veterinärpolizei und auf allen anderen Gebieten der inneren und kulturellen Verwaltung, also auch durch Handhabung der Zensur. Man sieht, Polen geht jetz. aufs Ganze, wird damit aber nur erreichen, daß die Befriedung des Ostens in weite Ferne gerückt ist.
Wäre Deutfchland eine geschloffene Ration, wie es die Franzosen, Engländer und Italiener sind, so könnte die Regierung in einer Frage der bedingungslosen Unterstützung des gesamten deutschen Volkes sicher sein. Es ist die Frage der Wehrgleichheit, welch« die deutsche Regierung zum Anlaß eines außenpolitischen Vorstoßes gemacht hat, dessen Bedeutung von geradezu schicksalhaftem Range für die deutsche Zukunft ist. Keine deutsche Regierung, über welche Mehrheit sie möglicherweise auch verfügen mag, kann die jetzt erhobene Forderung wieder fallen lassen, ohne sich selbst und damit die deutsche Zukunft preiszugeben. Deutschland hat auf seiner Seite das Recht, aber es hat über das Recht hinaus auch die moralische Berechtigung, auf einer Abrüstung der anderen oder einer Rüstungsangleichung zu bestehen. Die militärpolitische Lage Europas macht dieses Recht zu einer unabwendbaren Verpflichtung zum Wohle der Sicherheit des deutschen Volkes, das 23 Prozent seiner Bevölkerung in den Städten zu wohnen hat. Ein deutscher Soldat kommt auf ungefähr 120 der Deutfchland umklammernden Mächte Die Reichshauptstadt Berlin ist in knapp einer Stunde durch feindliche Bombenflugzeuge zu erreichen, ohne daß irgend eine Ab-
Abkommen nach Art des Londoner Planes einzubauen. Aus diesem Grunde seien Veränderungen am Abrüstungsplan des amerikanischen Präsidenten nicht ausgeschlossen. Reed und Edge hätten betont, daß ihre Regierung eine deutsche Wiederaufrüstung verwerfe. 3m Verlaus des Gespräches hätten sie auseinandergeseht, in welchen Punkten sich der Hooverplan nach amerikanischer Auffassung abändern lasse, um ihn den französischen und den englischen Gesichtspunkten anzupassen. Um die Verhandlungen nicht zu stören, werde man im Rahmen der Genfer Arbeiten zunächst eine gewisse Zurückhaltung üben. Das Bureau werde sich damit begnügen, den Zeitpunkt des Zusammentritts des Hauptausschusses festzusehen und das Programm zu entwerfen.
Sauerwein hebt im „Paris Soir" hervor, daß Amerika bei der Abfassung der britischen Denkschrift zweifellos eine nicht unwesentliche Rolle gespielt habe. Diese Auffassung sei ihm in Genf bestätigt worden, wo man betone, daß Washington eine Störung und Verzögerung der Abrüstungsverhandlungen durch die deutschen Gleichberechtigungsforderungen nicht Anlassen wolle.
Bezeichnenderweise ist in den Presseberichten über die französisch-amerikanischen Verhandlungen nur von der Haltung der Vereinigten Staaten, nicht aber von derjenigen Frankreichs die Rede. Kein Wort deutet darauf hin, daß Herriot, wie von amerikanischer Seite zuverlässig verlautet, den Grundsätzen des Hooverplanes zuge stimmt hat. Augen
scheinlich will man einerseits keine Kritik hcrauS- sordcrn und andererseits eine Auslegung finden, die den französischen Interessen und Wünschen möglichst weitgehend Rechnung trägt.
Kritik an Sir John Simon.
London, 20. Sept. (WTD.) Gegen Sir Iobn Simon, den britischen Außenminister, werden im Zusammenhang mit dem britischen Memorandum in der Londoner Abendpresse scharfe Angriffe gerichtet. So bezeichnet „Star", das Memorandum als schulmeisterliches Geschwätz. Die Folge des Memorandums sei, daß die Abrü- rüstungslonferenz jetzt unter bedeutend schwierigeren Umständen zusammcnt.ete als je zuvor. Gibt es denn keinen ausrichtigen Mann wie etwa Macdonald, Baldwin oder Snowden, der die Welt in aller Ossenheit davon unterrichten wird, daß Großbritannien keine Ration von A-d v o k a t e n ist, sondern daß es vielmehr ehrliche Abkommen auch ehrlich betrachtet?
„EveningStandard" macht Sir John Simon den Vorwurf, daß er England in einen europäischen Sturm hineingezogen habe. Man könne sich nicht darüber wundern, daß Simons Rote in Deutschland Verärgerung und Enttäuschung hervorgerufen habe. Die Rote zeige denselben Mangel an Blick für die Tatsachen der internationalen Lage wie er England m den Weltkrieg geführt habe. Die Rote trete für eine moralische Unterstützung der französischen Regierung ein, die doch bereits vom englischen Volk verweigert worden sei.
Ein Gparausschuß der Länder.
Oie Konferenz der Zinanzminifter Hali weitere Senkung der Derwaliungökosten für notwendig.
Berlin, 20. Sept. (TU.) Amtlich wird mit- geteilt: Im Reichsfinanzministerium fand am Diens- lagunterdemVorsitzdesReichsfinanz- ministers eine Besprechung mit den Finanz- ministern der Länder statt. Die eingehende Aussprache ergab, daß bei den noch immer sinkenden Einnahmen und den steigenden Wohlfahrtsausgaben der Gemeinden die finanzielle Lage für viele Länder und Gemeinden in den nächsten Monaten selbst bei Annahme einer leichten Besserung der Wirtschaft noch äußerst schwierig werden wird und daher an weitere Dereinfachungs- und Ersparnismaßnahmen, wo solche Möglichkeiten bestehen, nicht Dorübergegangen werden kann. Zur Prüfung dieser Frage wird bereits in den nächsten Tagen ein kleiner Ausschuß im Reichsfinanzminifterium zu- sammentreten, dem ein Vertreter des Reichssinanz- minifteriums und sieben Vertreter der Länder angehören. Der Ausschuß besteht außer dem Reichssinanzministerium aus den vier großen Ländern Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberg und den mittleren Ländern Hamburg, Thüringen und Mecklenburg- Schwerin.
In der Ministerkonferenz hat der Reichsfinanzminister zunächst einen Ueberblick über die Lage gegeben, damit eine Reihe von Anregungen verknüpft und schließlich die Wünsche der Länder entgegengenommen. Dabei zeigte sich aber, daß das Gremium dieser Konferenz viel zu
Wehrmöglichkeit bestände. Frankreich hat sich durch einen gigantischen Festungsgürtel geschützt, Deutschlands Grenzen liegen dagegen offen für jeden Angriff. Deutschlands Recht auf Sicherheit ist praktisch und theoretisch anerkannt worden von Amerika, England, Italien und Rußland. Jeder Offizier der europäischen Militärmächte weiß, daß Deutschland geradezu einen Anreiz zum Heberfall bietet. Selbst der Rot-Front- Führer Thälmann sprach vor einiger Zeit das Wort: „Entwaffnete und wehrlose Staaten sind die Ursachen imperialistischer Kriege!" Imperialismus hin oder her: Deutschlands Recht und Deutschlands Pflicht, die 65 Millionen seiner Bevölkerung zu schitzen, ist eine Tatsache, an der nicht zu rütteln ist.
Aber Deutschland ist leider noch immer keine Ration, die in Fragen der Außenpolitik und der Landesverteidigung einen geschlossenen Willensblock bildet, der heute allein dem Vorstoß der Regierung zum Siege verhelfen kann. Deutschland ist aufgelöst in eine Anzahl von Parteien, die sich innenpolitisch bis aufs Blut befehden und dem Auslande das beschämende Schauspiel bieten, wie ein Volk in seiner höchsten Rot nichts besseres zu tun hat, als übereinander herzufallen und sich zu zerfleischen. Kaum war die deutsche Forderung auf die Gleichberechtigung in der Wehrfrage erhoben, so er- schienen in der ausländischen Presse Auftähe rechtsradikaler Politiker, die der Regierung das Recht absprachen, eine solche Forderung zu erheben, da fte über keine ausreichende Mehrheit im Reichstag verfüge. Welch eine un- geheuer buche Verkennung politischer Realitäten:
groß ist, um in den Einzelfragen praktische Arbeit leisten zu können. Deshalb hat der Reichssinanz- minifter den Vorschlag gemacht, einen solchen Ausschuß zu bilden, der seine Beratungen zweckmäßig und in Ruhe durchführen kann.
Der Ausschuß ist im Laufe des Nachmittags bereits zu einer ersten Sitzung zufammengetommen, um zunächst den Aufgabenkreis festzulegen, in dem sich die Untersuchungen und die Vorschläge bewegen sollen, zu denen man zu gelangen hofft. Das Arbeitsgebiet des Ausschusses erstreckt sich auf die verschiedenen Verwaltungszweige, so auf die Justizverwaltung, die Schulverwaltung usw. Der Ausschuß wird sich auch mit der Frage der Beamtenbesoldung beschäf'i- gen. Hierfür besteht gerade bei den Ländern ein starkes Interesse, da die Besoldungsverhältnisse bei ihnen recht ungleich sind und deshalb häufig Grund zu Mißstimmungen in den Kreisen ihrer Beamten gegeben haben. Ein besonderes wichtiges Gebiet ist die A r b e i t s l o s e n - und die W o.h l- f a h r t s u n t e r st ü tz u n g. Bei den bisherigen Beratungen hat sich auch bereits eine gewisse Linie hierfür abge.zeichnet, die darauf hinausläuft, daß Ueberschüsse oder Erfparnisse bei der Arbeitslosenfürsorge der jetzt besonders beanspruchten Wohlfahrtsfürsorge zugute kommen sollen.
Aus der Mannigfaltigkeit dieser Aufgaben entwickelte sich die Arbeitsweise des Ausschusses von selbst. In seiner heutigen ersten Sitzung ist
weil sich die Reichstagsparteien nicht einigen können, muß Deutschland wehrlos bleiben!
Gefährlicher noch, weil eine bewußte Sabotage des deutschen Willens zur Gleichberechtigung, ist die Erklärung der Sozialdemokratie, di« sie soeben der Oeftent- lichkeit übergibt. Genau in dem Augenblick, in dem sich «ine Weltfront gegen Frankreich zu bilden beginnt, in dem Frankreich zur groß angelegten Gegenoffensive ausholt, in dem alles darauf ankommt, die Geschlossenheit des deutschen Volkes nach außen hin zu bekunden, hält es die Sozialdemokratie für möglich, einen Aufruf zu erlassen, der die wehrpolttische AI- tion der Reichsregierung für verfehlt erklärt. „Rur eine Außenpolitik", so schließt d:c e Erklärung der Sozialdemokratie, „die auf die Verständigung der Völker auf dem Boden allgemeiner Gleichberechtigung, auf die Erhaltung des Friedens und die internationale Abrüstung gerichtet ist, bürgt für die wirkliche Sicherheit." Kein Wort von deutschem Recht auf Gleichberechtigung. Kein Wort vom Bruch des uns gegebenen Wortes, kein Wort von Völkerbundsartikel 8, der jedem Land, allo auch Deutfchland, das Recht auf national« Sicherheit zubilligt, kein Wort darüber, daß sich Deutschland bisher mit einem Höchstmaß guten Willens vergeblich bemüht hat, „die Verständigung der Völker auf dem Boden allgemeiner Gleichberechtigung, die Erhaltung des Friedens und die internationale Abrüstung" zu erreichen. In Paris und in Warschau wird man an dieser Erklärung seine Helle Freude haben und sie als Waffe gegen Deutschland zu handhaben wissen.


