Ausgabe 
21.9.1932 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft.

Herabsetzung

des Reichsbalik-Oisfonisahes auf 4°/0.

Berlin, 21. Sept. (1DIB. Funkspruch.) Die Reichsbank seht mit Wirkung ab 22. September den Diskontsatz von 5 v. h. auf 4 o. h. und den Lom- bardsah von 6 v. h. auf 5 v. h. herab.

Dazu keilt die Reichsbank mit, daß sie sich noch Be­seitigung des bisherigen gesetzlichen Hindernisses zu der Zinssenkung um so eher entschließen konnte, als seit der letzten Herabsetzung des Reichsbankdiskont- sahes der Status der Reichsbank eine weitere Er­leichterung erfahren hat, die Verflüssigung an den deutschen Geldmärkten fortgeschritten ist und auch an den führenden Plätzen des Auslandes neue erheb­liche Ermäßigungen der offiziellen Raten erfolgt sind.

WeiiereErmäßigungdesprivaidiskonts

Berlin, 21. Sept. fwTB. Funkspruch.) Der Privaldiskont ist um % v. h. auf 3% v. h. in der Mitte ermäßigt worden.

* 300 Reueinstellungen in der Kammgarns Pin nerei Stöhr & C o. in Leipzig. 3m Rahmen der Wiedereinfüh­rung von Arbeitskräften in den Prvduktions- prvzetz auf Grund der letzten Rotverordnung hat sich die Kanimgarnspinnerei Stöhr & Co. AG. Leipzig entschlossen, die Belegschaft der in ihr zufammengefchlossenen Betrieben zunächst um 300 Personen zu erhöhen.

ttneinheitliche Berliner Börse.

Berlin, 21. Sept. (WTB. Funkfpruch.) Die heutige Börseneröffnung machte einen durchaus freundlichen Eindruck, obwohl rein kursmäßig keine ganz einheitliche Tendenz festzustellen war. lieber die immer noch bestehenden außenpolitischen Span- nuncjen scheint man sich hinwegzusetzen, auch die heutige Landtagseröffnung blieb ziemlich eindrucks­los, dagegen traten weiter aus der Wirtschaft vor­liegende Meldungen über eine Belebung in den Vordergrund. Gesellschaften wie Eontigummi und Stöhr berichteten von weiteren Einstellungen, die Preiserhöhungen in der Zellstoffindustrie und die Befestigung an den Eisenmärkten regten an, auch die Hausse auf der gestrigen Londoner Wollauktion sand stärkere Beachtung. Der Zentralausschuß der Reichsbank hat erwartungsgemäß den Diskont mit Wirkung ab morgen um 1 auf 4 v. h. ermäßigt, doch war dies anscheinend von der Börse bereits escomptiert. Trotzdem war die Spekulation eher zu Deckungen geneigt, zumal auch Neuyort freundlicher geschlossen hatte. Das Kundschaftsinteresse beschränkte sich auf wenige Spezialpapiere. Contigummi ge­wannen 2,75 v. h., Elektro Schlesien 3,25 v. $).,

Bremer Wolle 3,75 v. h., Lahmeyer 2 v. h. und Stöhr ebenfalls 2 v. h. Anderseits waren Kaliaktien bis zu 2 o. h. rückgängig. Farbenaktien litten an­fangs wieder unter stärkerem Angebot und gingen unter den Paristand zurück.

Im Verlaufe wurde es zunächst allgemein etwas freundlicher, doch vermißte man später das Eingehen von Kundenorders. Die Kurse bröckelten daraufhin auf nahezu allen Marktgebieten langsam ab, zumal man verschiedentlich über die Abwicklung der be­kanntlich zum Ultimo fälligen Hälfte der allen Lombardverpflichtungen diskutiert. Farben, die vor­übergehend den Paristand wieder erreicht hatten, wurden lebhafter gehandelt und gingen bis auf 98,75 v. h. zurück. Sonst betrugen die Verluste aber meist weniger als 1 v. j).

Don Deutschen Anleihen waren Altbesitz­anleihe, bei denen die näherrückende Auslosung weiterhin anregt, wieder um 0,50 befestigt. Sonst ergaben sich eher geringfügige Rückgänge. Aus­länder zeigten nur minimale Veränderungen nach beiden Seiten: dieser Markt lag ziemlich geschäfts­los. Der Markt der fe st verzinslichen Werte wurde durch die Diskontsenkung, die man ja auch seit mehr als 3 Wochen erwartete, kaum beeinflußt. Es schien bei verschiedenen Stadtanleihen und Land­schaften leichtes Angebot oorzuliegen. Nur Reichs- Ichultchuchforderungen waren bis zu 0,50 o. h. fester.

Trotz der Diskontermäßigunq hat sich am G e l d - markt noch keine Erleichterung durchsetzen können, Tagesgeld ist nach wie vor mit 5,75 v. h. und dar­über gesucht und nur für erste Adressen mit 5,65 v. h. zu haben. Das Geschäft am Diskontmarkt ist noch unverändert ruhig, es scheint, als ob bei den Danken noch viel Diskontmaterial verkaufsreif vor­liegt und die Banken wiederum abwarten, ob der Privatdiskontsatz weiter ermäßigt wird. Die Umsätze in Reichswechseln per 5.12. und - Reichsschatzanwei­sungen per 16. Januar sind gleichfalls sehr gering.

Frankfurt unsicher.

Frankfurt a. M., 21. Sept. (WTB- Drahtmel­dung.) Auf Grund der festen Schlußtendenz Wall­streets nannte man an der Vorbörse im Anschluß an den freundlichen Abendbörsenverkehr leicht be­festigte Kurse, zumal auch von einzelnen Industrie­zweigen eine weitere Belebung des Geschäftes ge­meldet wurde. Zu Beginn der amtlichen Börse herrschte jedoch starke Zurückhaltung, wobei man auf die wilden Streiks im Ruhrgebiet unter Führung der extremen Parteien und auf die latente inner- und außenpolitische Lage sowie auf die heutige Landtags­sitzung verwies. Die Ermäßigung der Reichsbank, diskontrate um 1 auf 4 o. h. blieb vollkommen ohne Einfluß, und vermochte selbst dem Rentenmarkt keine nennenswerte Anregung zu bieten, da sie durch die letzttägigen Steigerungen bereits diskonttert seien. I Die ersten Kurse lagen daher nicht so hoch, wie man erwartet hatte, zumal zwei größere vorliegende Der- I

.^ers für IG.-Farben verstimmten. Bei kleinen ..miätzen lagen jedoch die Mehrzahl der Marktgebiete zunächst noch von 0,5 bis 1 v. H. höher, nur IG. lagen schwächer, und zwar gegen den Vorbörsenkurs um 1,5 o. S)., ferner Rheinische Elektro, Mannheim, mit minus 1 v. H. Montan-,' Elektro-, Schisfahrts-, Chemie-Neben- und Zellstoffwerte gewannen von 0,5 bis 1 d.S)., ferner von Ein^elpapieren Daimler, Junghans und Zement Heidelberg bis zu 0,5 o. S). Reichsbankanteile und Deutsche Linoleum blieben unverändert. Bald nach der ersten Kursfestsetzung stellten sich bann vom Farbenmarkt ausgehend durch­weg kleine Abschwächungen ein, nur Schiffahrts­aktien blieben gehalten.

Neubesitz und Schutzgebiete waren behauptet. Gold­pfandbriefe blieben auf dem seither befestigten Niveau ziemlich unverändert, während Liquidationspfand­briefe uneinheitlich lagen. Frankfurter Hyp.-Liqu. verloren etwa 0,75 v. $)., dagegen zogen besonders Hamburger und Hessische Liquidationen etwas an, wobei man Taufchoperationen von höher in niedriger stehende Papiere beobachtete. Im Verlaufe lagen fest­verzinsliche Werte fast geschäftslos. Der Verlauf war bei sehr geringen Umsätzen weiter schwächer, und auch zum Schluß der Börse war keine Erholung fest- zustellen. Die Rückgänge betrugen erneut von 0,5 bis 1 v. H. Am Geldmarkt trat eine leichte Ent­spannung ein, so daß der <patz für Tagesgeld auf 4,5 v. H. ermäßigt wurde.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 21. Sept. (WTB. Drahtmel­dung.) Die Getreidebörse verkehrte trotz etwas ge­ringeren Angebots in sehr stiller Haltung, zumal das Angebot im Vergleich zur Nachfrage wesentlich größer erschien. Bei kleinen Umsätzen bewegten sich die Preise für Brotgetreide sowie flir Braugerste auf letzter Basis, während Hafer und Futtermittel ge­schäftslos lagen und eher zur Schwäche neigten. Das Mehlgeschäft war weiter schleppend, wobei die Forderungen seitens der Mühlen erneut ermäßigt wurden, ölhaltige Futterarttkel gaben durchweg nach, weil man die viel billigeren Mühlenabfälle (Weizen- und Roggenkleie) bevorzugt. Gegen 14 Uhr nannte man folgende Preise: Weizen 213 big 214 Mark, Roggen 170, Sommergerste für Brauzwecke 175 bis 180, Hafer (inländischer) 142,50 bis 145, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 32^5 bis 33,25, Weizen­mehl (niederrheinisches) 32,25 bis 33, Roggenmehl 25,50 bis 26,50, Weizenkleie 8,25, Roggenkleie 8,25 Mark.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

K W i r b e r s, 20. Sept. Die evangelisch-kirch- lichen Frauen» und Mädchen-Vereine des Kirch­spiels Wirbura mit Bei ts berg-Saasen veran­stalteten am Sonntag ihr erstes gemeinsames Iahresfeft auf dem Wirberg. Trotz des un­günstigen Wetters hatte sich zum Festgottesdienst

eine zahlreiche Festgemelnde eingefunden, die DeC Predigt des Festpredigers Pfarrer Herber (Wölfersheim), andächtig lauschte. Der Chor deS Bereins von Saasen sang unter Leitung seines Dirigenten Lehrer Bleser (Saasen) ein Lied. Die Kollekte war für die Innere Mission be­stimmt. Tie Rachversammlung fand wegen des einsehenden Regens wieder im Gotteshause statt. Pfarrer Doll (Wirberg) eröffnete die Versamm­lung mit der Begrüßung, besonders des Grün­ders und früheren langjährigen Leiters des Saa- sener Vereins Lehrer i. R. Herber (Wölfers­heim), der auf die Ditte des Ortspfarrers sodann zur Versammlung sprach. Er mahnte zur Treue zu den alten Grundsätzen des Vereins. Pfarrer Herber zeigte an Beispielen aus seiner Vereins- ttätigfeit, was ein rechter edangelisch--kirchlicher Frauenverein sein soll. Pfarrer D ö l l hanfte allen, die ihre Dienste der Veranstaltung ge­widmet hatten, waren doch mehr als 200 Mädchen und Frauen bewirtet worden von. freiwilligen Helferinnen.

Kreis Büdingen.

»?" Unter-Schmitten, 19. Sept. Die im Talgrund zwischen Ober- und Unter-Schmitten gelegeneB r u ch m ü h l e" kann im nächsten Frühjahr auf ihr 200jöhriges Bestehen zurückblicken. Von dem ehemaligen Riddaer Stadtmüller Wasfenschmitt auf dem land- gräflichen Gelände der sog.Siebener Wiesen" an bet Ridda erbaut und elf Jahre später durch den Anbau seiner Walkmühle vergrößert, wechselte sie anfänglich häufig die Tesitzer, weil fein Müller darauf bestehen kann". Der allge- meine Anbau der Kartoffeln im Riddatal etwa ums Jahr 1775 trifft das MüUerHandwerk hart, da das Mahlgut auf die Hälfte zurückgeht. Die Mühle gerät unter den Hammer, aber es findet sich kein Käufer. Erst 1787 wird sie von Johan­nes (Bergt von Kohden käuflich erworben und instandgesetzt. Anziehende Getreidepreise tragen dazu bei, die Mühle über Wasser zu halten. Im 19. Jahrhundert wird die Vruchmühle von den Müllern Stamm, Geelhaar und Bech­told betrieben. Sett 1913 ist sie im Besitze von Gustav Loos, der sie zeitgemäß erneuerte und das Mühlengehöft durch An- unb Umbauten er­weiterte.

rl. Bleichenbach, 20. Sept. Der Wild» schweinbestand in unseren Wäldern hat sich trotz eifriger Nachstellungen stark vermehrt. Am Samstag brach im Selterser Wald ein großes R u ö e l am Hellen Tage aus einer schweren Fichten- dickung ganz dicht an essenden und lär­me n b e n Wa ldarb eiter n hera-us. Ein Tier konnte erlegt werden, die übrigen 12 oder 13 mit einem starken Keiler zogen bann wie ein Sturm- wird durch Buchenwald, Fischteich und Bach an manchem arg erschreckten Menschen vorbei über die Bleichenbacher Straße und verschwanden im Betten­wald.

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Einladung

jur ordentlichen Generalversammlung am Freitag, dem 30.d.2N abends 8% Uhr, im Saale des Gewerkfcyaftshanses, Schon- Zenstrahe. 6581D

Tagesordnung:

1. Geschäftsbericht.

2. Genehmigung der Bilanz nebst Ge­winn- und Verlustrechnung für 1931.

3. Verteilung des Reingewinns aus 193L 4. Bericht über die gesetzliche Revision.

5. Entlastung des Vorstandes.

6. Wahlen in den Vorstand und Auf- sichtsrat.

7. Wahl eines Mieterrats.

Gießen, den 16. September 1932.

Baugenossenschaft 1894 zu Gießen E. G. m. b. h.

Bergen, Vorsitzender des Aufsichtsrats.

. Bilanzabdrucke liegen am Tage der Versammlung im Versammlungslokal aus, I außerdem sind solche zu haben bei dem Rechner der Genossenschaft, Herrn Wöl- f e r , Karl-Dogt-Straße 10.

Donnerstag, den 22. September 1932, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im! Löwen", Jleuznroeg 28, dahier, zwangs-j weife gegen Barzahlung: 66100 j

5 Sessel 7 Vertikos, 3 Nähmaschinen, 6 Chaiselongues 1 Radioanlage, 9 Sofas, 6 Diwans, 1 Kassenschrank, 3 Schreib­maschinen, 1 Haarschneidemaschine, 1 Per­forier- und Rillmaschine, 1 Broschüren- Heftmaschine, 33 750 Bogen verschiedene Sorten Papier, 75 Weinbücher, 1 Photo­apparat, 4 Schreibtische 1 Klavier, 1 Wirtschaftsbüfett, 3 Gläserschränke, 1 Badeofen mit Wanne, 1 Flurgarderobe, 8 Büfetts, 1 Irumeaufpiegel, 7 Tisches 16 Stühle, 2 Kommoden, 3 Spiegel, 1 Regulator, 1 Teppich, 2 Wäscheschränke, 2 Kleiderschränke, 1 Graminophom 1 Sprechapparat, 1 Blumenkrippe, 1 Äa- renschrank, 1 Spiegelschrank, 1 'Schärf­maschine, 1 Vitrine, 1 Waschtisch, 2 Kre­denzen, 1 Harmonium, 1 Bücherschrank, Ständerlampe.

Werner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versleigerungslokal):

1 Pferd, 1 Kuh, 2 Schweine, 2 Kühl­schränke, verschiedene Spielwaren, Besen, Christbaumschmuck, 1 Aga-Personen- wagen, 1 Horch-Personenwagen.

Bestimmt:

21 Einkaufsnetze, 1 Telefunkengerät 33 mit eingebautem Lautsprecher.

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Die Preise sind ganz erheblich, teils bis zu SO Prozent herabgesetzt.

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