Nr. 222 Erstes Blaff
182. Jahrgang
Mittwoch, 21. September 1932
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Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Sine Wahlrede Gregor Straßers
München, 21. Sept. (211.) In einer Wahlversammlung der Nationalsozialisten im Zirkus Krone hielt Gregor Straßer am Dienstagabend eine zweistündige Rede, in der er unter Hinweis auf die Abstimmung im Reichstag u. a. ausführte: Die besten Anordnungen würden ergebnislos sein, wenn nicht «in großer Teil der Ration in freiwilliger Mitarbeit diese Gesetze durchzuführen bereit sei. Erst diese Mitarbeit des Volkes mache die Gesetze zu etwas Lebendigem und Leben erzeugendem. Das Wirt- fchastsprogramm Papen habe zwar di «Idee der Rationalsozialisten hinsichtlich der produktiven Krediterweiterung übernommen, aber in der Durchführung sei Papen Seitenwege gegangen, die zur Erfolglosigkeit führen müßten. Papen suche nicht Kredite zur sofortigen Auftragserteilung und Bezahlung, sondern überlasse dies« Ausgabe den großen Unternehmungen, wobei er übersehe, daß der Absatz der Erzeugnisse in keiner Weise gewährleistet sei. Ohne jedes Währungsexperiment, ohne Binnenwährung, nur durch die Bereit st ellung von ein paar Milliarden Mark könne die Frage der Ankurbelung der Wirtschaft gelöst werden, wenn die Maßnahmen nur richtig angeseht würden. Das Papensche Programm habe nur die Auswirkung, daß die Banken liquid würden. Durch die Arbeitsprämien würden nur die Unter- nehmungen belohnt, die bisher schon rücksichtslos abgebaut hätten. Der nationale Papen subventioniere in Wirklichkeit die internationalen Danken. Di« Rationalsozialisten seien bereit, die Verantwortung zu übernehmen, aber sie gingen in keine Regierung, in der sie nicht die letzte Möglichkeit der Entscheidung hätten.
Volles parlamentarisches Recht der Rationalsozialisten sei es, die Regierungsgewalt zu fordern.
Warum sollte jetzt die Weimarer Verfassung, da sie günstig für die Rationalsozialisten sei, auf einmal nichts mehr taugen? Herr v. Papen habe mit seiner Regierungskunst vor dem 31. Juli der nationalen Rechten nur geschadet, die Linke aber gestützt und gefördert. Die Armee in die innerpolitische Regierungsgewalt einschalten zu wollen, sei ein gefährliches Unternehmen. Sie gehör« dem ganzen Volke als ein Kristallisationspunkt der kommenden Freiheit, und die Reichswehr hätte keine Daseinsberechtigung, wenn sie etwas anderes sein sollte als der Anfang der kommenden Volksarmee. Die Rationalsozialisten bekämpften Herrn von Papen, weil er einer Schicht angehöre, die an ihren eigenen Fehlern zugrundegegangen sei. und weil er als ein solcher Mann niemals Führer des deutschen Volkes sein könne.
Oie GpO. im Wahlkampf.
Berlin, 20.Sept. (TU.) In einer Wahlkundgebung der Berliner „Eisernen Front" sprach im Sportpalast der erste Vorsitzende der SPD., Otto Wels. Der Reichsregierung warf er vor, daß sie unbekstinmert um den Wortlaut und den Geist der Verfassung den Reichstag aufgelöst habe. Wels verbreitete sich dann über angebliche Abmachungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum. Nationalsozialisten »und das Zentrum, das von den Nationalsozialisten sonst als schwarze Pest bezeichnet worden sei, hätten sich für den Wahlkampf gegenseitige Schonung versprochen. Die Ereignisse, die die Auflösung des Reichstages veranlaßten, seien von Hitler gewollt herbeigeführt worden. Hitler habe das Zentrum beschworen, den Reichspräsidenten von Hindenburg durch Reichstagsbeschluß abzusetzen. Das Zentrum sollte die Sozialdemokratie veranlassen, diesen Kampf gegen Hindenburg mitzumachen. Die Sozialdemokratie habe sich aber für diese Rolle bedankt. §ür den Fall der Amtsenthebung Hindenburgs habe itler wieder als Reichspräsident kandidieren wollen. Hitler selbst habe am letzten Samstag in Besprechungen im Hause des Reichstagspräsidenten Göring erklärt, daß er mit einer Gegenkandidatur Brünings rechne und daß voraussichtlich dann Brüning im zweiten Wahlgang gewählt werden würde. In diesem Falle wollte Hitler durch die Abmachungen mit dem Zentrum Reichskanzler werden. Eine solche Unwahrhaftigkeit, wie sie hier hinter den Kulissen sich abgespielt habe, sei im politischen Leben Deutschlands noch niemals dagewesen. Gregor Straßer, so behauptete Wels weiter, habe in Uebereinstimmung mit anderen führenden Personen aus der Umgebung Hitlers am 9. September dem Reichswehrminister von Schleicher nach vorangegangenem telephonischen Anruf einen Besuch gemacht und Schleicher ersucht, Hitler die Unmöglichkeit der Kanzlerschaft klar zu machen. Straßer habe erklärt, Schleicher sei der einzige, der das Kanzleramt ausüben könne. Schleicher habe sich aber ablehnend verhalten und im Anschluß an diese Unterredung das bekannte Communique veröffentlichen lassen.
Oie Reichsmitiel
für Znstandsehungs Arbeiten.
Berlin, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Durch die Rotverordnung vom 4. September 1932 sind weitgehende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung für das Baugewerbe, vor allem auch für das Handwerk, getroffen worden. Der Reichsarbeitsminister hat jetzt im Deutschen Reichsanzeiger die näheren Bestimmungen über die Vergebung der Mittel veröffentlicht. Die Kosten der Instandsehungsarbeiten müssen mindestens 25 0 Mark betragen. Der Z u - schuß beträgt ein Fünftel der Ko st en. Eine Rückzahlung wird nicht gefordert. Die
Der Konflikt zwischen Reichskommissar und Landlag in Preußen.
Oer Reichskanzler ist beim Reichspräsidenten vorstellig geworden.
Berlin, 20.Sept. (TU.) Der Preußische Landltag hat bekanntlich vor einiger Zeit den kommunisti- «schcn Antrag angenommen, in dem es heißt, daß die preußischen Beamten nicht oer- pflichtet seien, den Anordnungen des Reichskommissars für Preußen Folge zu l e i st e n. Der Reichskanzler, der in der gestrigen Besprechung zwischen Hindenburg und K e r r l zugegen war, hat im Verlause der Besprechung die Erwartung ausgesprochen, daß es 'bei diesem B«schluß des Preußischen Landtages nicht verbleibe. Er hat, wie amtlich milgeteilt wird, den Landtagspräfidenlen darauf aufmerksam gemacht, daß sich die kommissarische preußische Regierung mit den Beschlüssen des Landtages nicht ab finden könne. Die Tatsache, daß eine Land- taasmehrheit einen Beschluß fassen konnte, der sämtlichen Staatsbeamten und Angestellten das Recht zusprechen will, die Anordnungen der vorgesetzten Dienststellen zu ignorieren, sei der schärfste Schlag, der der Staatsautorität je von einem Par- lament zugefügt wurde. Wenn der Landtagspräsident darauf hingewiesen habe, daß er selbst in dem «ntscheidenden Augenblick das Präsidium nicht führte, fo besagt das nichts gegen die Tatsache, daß d i e Nationalsozialisten und die Kommuni st e n sich zu der Mehrheit gegen die Staatsautorität zusammengefunden hätten, und daß man gar nicht absehen könne, welche Beschlüsse eine solche Mehrheit in bezug auf lebenswichtige Bestandteile des Staates noch zu fassen vermöge. Soweit «5 sich bei diesen Beschlüssen um die Bewilligung enormer Summen für irgendwelche Zwecke oder um das Verlangen der Aufhebung von Notverordnungen handele, habe die kommissarische Regierung zwar an ihrem Standpunkt festgehalten, daß sie an Beschlüsse dieses Landtags nicht gebunden sei. Wenn der Landtag aber auch noch indie a u s f ü h r e n « den Organe des Staates mit Beschlüssen einbringe, die den notwendigen reibungslosen Verlauf der Staatsverwaltung gefährdeten, bann habe er geradezu jede Daseinsberechtigung verwirkt. Der Reichskommissar, der bereits dem Herrn Reichspräsidenten Vortrag über diese Dinge gehalten hat, fasse den Beschluß des Landtags gegen die Gehorsamspflicht der Staatsbeamten und -angestellten sehr ernst auf. Es scheint, als ob das Verhalten des Landtags den Anlaß bieten könnte, die Frage der Derwaltungsreform rascher und wirksamer zu klären, als man bisher annehmen konnte.
Reue Landtagsbeschlüffe.
Berlin, 20. Sept. (DDZ.) Im Handels- a u s s ch u ß des Preußischen Landtages fand mit Unterstützung der Kommunisten «ine Reihe Nationalsozialist ischer Anträge Annahme. Danach sollen zur Förderung der Landeskultur und der ländlichen Siedlung für eine Reihe von Jahren Gesamtaufwendungen in Höhe von 2,1 Milliarden Mk. gemacht werden, zur Förderung des Eigenheimbaues, insbesondere für städtisch« Industriearbeiter sollen für das laufend« und das nächst« Jahr 500 Millionen, für Wege, Straßen und Kanäle 400 Millionen vorgesehen werden. Ferner soll die Reichsregierung ersucht werden, die Z i n - s e n weitgehend zu senken, die st a a t l i ch e n R e - giebetriebe abzubauen, 50Prozent der Hauszinssteuer zur Instandsetzung von Alt-
wohnungen bereitzustellen und die Großwarenhäuser mit einer Sondersteuer zu belegen. Ein kommunistischer Antrag auf Preissenkung für alle Produkte der staat- lichen und kommunalen Betrieb« fand in einer vom Zentrum vorgeschlagenen Fassung Annahme, wonach bei Gas, Wasser, Elektrizität und Verkehr eine erhebliche Preissenkung erfolgen soll. Ferner fand gegen Deutschnationale, Zentrum' und Kommunisten der von den Sozialdemokraten unterstützte Antrag der Rationalsozialisten auf Verstaatlichung der Großbanken Annahme.
Einstimmige Annahme fand ferner der nationalsozialistische Antrag, umfassende Maßnahmen zu ergreifen, die eine Bevorzugung des deutschen Holzes bedeuten und neue Wege zum Schutze der auf diesen Erwerbszweig ange- 'wiesenen deutschen Waldarbeiter Vorschlägen. Zur Erhaltung des Metallerzbergbaues soll auf die Reichsregierung eingewirkt werden,
Düsseldorf, 20. Sept. (TU.) Auf dem Kongreß der christlichen Gewerkschaften sprach der Geschäftsführer des Gesamtverbandes, B a l t r u s ch , Berlin. Er erklärte u. a., die Krise sei in der Hauptsache auf die Kriegs- und Rachkriegsfolgen zurückzuführen. Der Unterverbrauch und die mangelhafte Organisation des Absatzes seien die grundlegenden Ursachen für die Gleichgewichtsstörung zwischen der Erzeugungsfähigkeit der Wirtschaft und der Kaufkraft breitester Massen. Die Wirtschaft könne nicht durch einseitige Zollpolitik und durch autarkische Bestrebungen groß- agrarischer Kreise gehoben werden. Die Gewerkschaften verwahrten sich aus arbeitsmarktpolitischen, devisenpolitischen und volklichen Gründen gegen Einfuhrbeschränkungen und Kontinge n.tierungs - Maßnahmen sowie gegen eine veraltete feudale Agrarwirtschaft, die die Existenz der Arbeiterschaft weiter einschnürt. Der Redner ging weiter auf das Arbeitsbeschaffungs Programm der Rcichsregierung, auf die Hebung der Ausfuhr, die richtige Einstellung der Erzeugung sowie auf die Erziehung der Verbraucher zum richtigen Verbrauch der Waren und auf die Rot- wendigkeit der Bevorzugung deutscher Erzeugnisse ein. Alle monopolistischen Unternehmungen müßten in erster Linie der Volksgesamtheit gemeinwirtschaftlich zugute kommen, die Genossenschaften der Arbeitnehmer gefördert und selbständig in den Rahmen einer vernünftigen Wirtschaftsplanung eingeordnet werden. Die Gewerkschaften hätten die planvoll« Betreuung des wichtigsten Erzeugungsfaktors, der menschlichen Arbeitskraft, durchzuführen. Die schweren Einrisse der Regierung Papen in das Lohn- und Tarifwesen seien geeignet, das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft zu gefährden. Die Erringung und Erhaltung eines angemessenen Reallohnes und damit eine Stärkung der Kaufkraft sei eine der wesentlichsten Grundlagen für das Gedeihen der Wirtschaft. Eine Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei eine wirtschaftliche Rotwendigkeit. Die Gründung eigener Unternehmungen, vor allem der Genossen-
daß die Einführung ausländischer Erze kontin- aentiert und erforderlichenfalls auf ausländische Erze ein Zoll eingesührt wird, daß ferner notleidenden Unternehmungen für die Krisenzeit Subventionen zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe gewährt werden. Der Ausschuß sprach sich weiter auf Grund eines kommunistischen Antrages für Maßnahmen zu Gunsten Jugendlicher aus. Danach soll für Jugendliche unter 18 Jahren die Arbeitszeit auf sechs Stunden herabgesetzt werden bei vollem Lohnausgleich; in gesundheitsschädlichen Betrieben sollen Jugendlich« und Frauen nicht beschäftigt werden; Erwerbslosen - Jugendheime, in denen für Weiterbildung Sorge zu tragen ist, sollen in genügender Zahl eingerichtet werden. Lehrlinge sollen nach vollendeter Lehrzeit mindestens ein Jahr bei voller Bezahlung weiterbeschäftigt werden, sofern eine Beschäftigungsmöglichkeit besteht; Jugendlich« sollen bei vollem Lohn jährlich Urlaub erhalten.
schäften, habe den Zweck, bei den Gewerkschaftsmitgliedern das Interesse für die Wirtschaft und ihre Bedeutung zu wecken. Die wirtschaftliche Stellung der Gewerkschaften sei in der Zeit der Wirtschaftskrise und der Präsidialregierung auf das schwerste gefährdet. Sie müßten mit allen Mitteln gegen alle Einflüsse verteidigt und im Sinne öffentlich-rechtlicher Berufsarbeit ausgebaut werden.
In der Aussprache forderte K a l l s ch e i d t vom Christlichen Bergarbeiterverband unter lebhaftem Beifall die Verstaatlichung der freien Wirtschaft, vorerst der S ch Werin d u st r i e und des Bergbaues. Für die hohen Subventionen aus allgemeinen Steuermitteln fordere die Arbeiterschaft ein entsprechendes Rlit- bestimmungs- und Kontrollrecht. Körner, Köln, vom Landesverband Rheinland stimmte dem Plan auf Organisation der Elektrowirtschaft im Sinne einer starken Einflußnahme des Staates zu. Die Gewerkschaften verlangten eine sinnvolle staatliche und genossenschaftliche Beeinflussung der Wirtschaft sowie ein System sinnvoller Planwirtschaft. Reichstagsabgeordneter Fahrenbach (Zentr.) betonte, daß der Wirtschaftsplan der Reichsregierung von der Arbeiterschaft nicht in allen Teilen und unter allen Umständen abgelehnt werde; jedoch sehe er in die praktische Durchführung dieses Planes erhebliche Zweifel, da er rein spekulativer Ratur sei. Wenn die erhoffte Wirtschaftsbelebung nicht eintrete, dann werde der Plan zu einem Verhängnis für Staat und Wirtschaft. Der Vorsitzende des Landarbeiterverbandes, Behrens, forderte den Abbau der überspitzten landwirtschaftlichen Großbetriebe. Jede Beeinträchtigung der Kaufkraft führe zu einer Verschärfung der landwirtschaftlichen Absahkrise. Auch Behrens lehnte die Autarkie als für Deuchtsland unmöglich ab. Dagegen forderte er aus nationalen Gründen beschleunigte Durchführung des Regierungsprogramms.
Der Kongreß der LhrWchen Gewerkschaften.
Arbeiten dürfen erst nach dem 2 5. September 19 3 2 begonnen sein.
Oer Reichskanzler spricht morgen im Rundfunk für die Winterhilfe.
Berlin, 21. Sept. (ERB. Funkspruch. Eig. Meldung.) Reichskanzler von Papen wird morgen um 19 Uhr über alle deutschen Sender als Auftakt zur Winterhilfe eine Ansprache unter dem Thema „W i r wollen Helsen" halten.
Oie Tagung des Büros der Abrüstungskonferenz.
Genf, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Präsident Henderson eröffnete die Tagung des Bureaus der Abrüstungskonferenz mit einer kurzen Ansprache, in der er erklärte, die Abrüstungskonferenz sei jetzt an ihrem kritischsten Punkte angelangt, es handele sich jetzt darum, ob man zu einer wirksamen und ernsthaften Herabsetzung der Rüstungen oder zu einem neuen Rüstungswettlauf gelange. Hauptaufgabe des Bureaus sei die Vorbereitung des zweiten Tagungsabschnittes der Konferenz, der, wie er bestimmt hoffe, eine Reihe konkreter Abrüstungsmaßnahmen zeitigen werd«.
Die Red« Hendersons wurde von der Versammlung schweigend entgegengenommen. Sodann legte der Präsident das Schreiben des deutschen Außenministers und seine Antwort vor. Beide Schreiben wurden irnWvri- laut verlesen. Mit dem Vorschläge Hendersons, über die Mitteilung der deutschen Regierung vorläufig in kein« Diskussion einzutreten für den Fall, daß die deutsche Regierung den Wunsch habe, auf seinen Brief zu antworten, erklärte sich das Bureau einverstanden.
Abschluß der M-Zahr-Feier des Gustav-Adols-Vereins.
Leipzig, 20. Sept. (WTB.) Die Jahrhundertfeier des Gustav-Adolf- Vereins fand mit der zweiten öffentlichen Hauptversammlung in der Ri- colai-Kirche ihren eindrucksvollen Abschluß. Rach festlichem Orgelspiel und gemeinsamem Gesang „Lobe den Herrn" gab Geheimer Kirchenrat Prof. D. 5^. Rendtorff ein vom Reichspräsidenten eingegangenes Danktelegramm bekannt. Stark beachtet wurde der Jahresbericht des Generalsekretärs D. Geißler. Der Generalsekretär gab einen Rückblick auf die Hauptversammlungen des Vereins in den letzten 100 Jahren. Unter ihnen hätten sich besonders die Versammlungen in Po'en und Straßburg der Erinnerung eingeprägt. Das Besonder« der Lage in d«n abgetrennten Gebieten liege darin, daß wir es hier mit einer ausgesprochenen Zerstörungsabsicht zu tun hätten. Wir ständen hier vor den unheilvollen Auswirkungen des „8 t a a t s a be rg l a u b e n s", von dem das politische Leben Europas gegenwärtig
beherrscht werde. Das Bestreben fast aller Staaten, ihre Untertanen zu einer Sprache und einer nationalen Gesinnung zu zwingen, richte allenthalben bis in die Seele unschuldiger Kinder hinein beklagenswertes Unheil an. Gegen „S t a a ts b r u t a l i t ä t" komme man mit Liebesgaben nicht an, und doch sei der Wert dieser Gabe deshalb nicht geringer. Die Betätigung des Gustav-Adolf-Dereins in katholischen Gegenden habe die von urteilsfähigen Leuten nie verkannte friedfertige Haltung des Gustav-Adolf-Vereins gegenüber der katholischen Kirche ans Licht gestellt.
Die große Liebesgabe des Gustav-Adolf-Ver- eins wurde von der Versammlung mit überwältigender Mehrheit für die Heranbildung von kirchlichen Führern und Helfern bewilligt. Als Ort für die nächste Hauptversammlung wurde Königsberg bestimmt, während für 1934 München in Aussicht genommen wurde. Die Tagung fand mit gemeinsamem Gesang und Gebet ihr Ende.
Abschluß derKonserenz vonStresa
Strefa, 20. Sept. (TU.) Die Konferryz von Stresa ist am Dienstagnachmittag abgeschlossen worben, nachdem der Bericht bes Finanzausschuss e s am Vormittag in nichtöffentlicher Sitzung gebilligt worben war. Nach Kenntnisnahme bes Berichts legten bie Vertreter ber einzelnen Länber ihre Stellungnahme zu ben Vereinbarungen nochmals ausführlich bar. Minifterialbirektor P off e erklärte, baß Deutschland nach Kräften an bem Wieder^ aufbau Sübosteuropas mitarbeiten werbe, und baß es ja b irr d) den Abschluß von Vorzugszolloerträgen als eines der ersten Länber seine Hilfsbereitschaft kunbgetan habe. Unmöglich sei es für Deutschland, über die Gewährung von Vorzugszöllen hinaus noch finan
zielle Verpflichtungen ober Garantien zu übernehmen. Dieser Erklärung schlossen sich bie Vertreter Oesterreichs unb ber Tschechoslowakei an. Der englische Vertreter stellte fest, daß Dor» zugszolloerträge mit Rücksicht auf die Dominien für England nicht in Frage kämen, und baß er auch keine Zusage für finanzielle Leistungen machen könne. Die übrigen Länder» Vertreter erklärten ihre grundsätzliche Zustimmung vorbehaltlich ber Stellungnahme ihrer Regierungen. In der. Schlußsitzung nahm u. a. Posse nochmals das Wort. Er stellte fest, es sei bas erstemal, baß auf einer Wirtschaftskonferenz über wirtschaftliche und finanzielle Hilfsmittel Einigkeit erzielt worden sei. — Bonnet schloß bie Tagung mit einem Dank für die italienische Gastfreundschaft und die Teilnehmer. ......* ■ '•'*


