Hindenburg fährt ins Manöver.
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Der Reichspräsident von Hindenburg bei der Abreise vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße, von wo er sich nach Fürstenberg a. d. Oder begab, um von dort aus an den Herbstmanövern der Reichswehr teilzunehmen.
Fürstenberg (Oder). 20. Sept. (TH.) 21m Dienstag nach 14 Mr traf Reichspräsident v. Hindenburg in Begleitung eines kleinen Stabes mit dem fahrplanmäßigen Zug in Fürsteru- berg ein. Der Reichspräsident in der Uniform des Generalseldmarschalls machte einen außerordentlich frischen Eindruck. Rach kurzer Begrüßung durch das Reichslvehrkommando. die Behörden und die vaterländischen Verbände, die einen großen Empfang vorbereitet hatten, begab sich der Reichspräsident im Auto unter dem Subei einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge zu den Truppen auf das Manövergelände. Er wird auch am morgigen Manövertag noch teilnehmen und in Fürstenberg übernachten.
Der Hauptanziehungspunkt des Tages war nach dem begeisterten' Empfang Hindenburgs im festlich beflaggten Fürstenberg das Hebersehen LermotorisiertenRotenRufklärung südlich Fürstenbergs über die Oder. Während die Kavalleriemacht 5 bis 20 Kilometer östlich der Oder zusammengezogen ist. ist bis zum Abend fast die ganze motorisierte Aufklärung übergeseht, um westlich der Oder über den Fried- rich-Wilhelm-Kanal nach Rorden und Rordwesten vorzufühlen. Ferner hat am Abend unter dem Schutz ter vom Gegner noch nicht behelligten Mo
tortruppen der erste Teil der Kavallerie hart nördlich Fürstenberg mit dem Heberwinten des Stromes begonnen. Snzwischen hat Blau bei Lebus eine Schiffsbrücke über die Oder geschlagen und schafft starke Kräfte auf das Westufer, die südlich Frankfurt die übergegangene Rote Aufklärung zurückdrücken sollen. Der Mittwoch wird also voraussichtlich scharfe Kämpfe beiderseits der Oder südlich Frankfurt bringen.
Nach der Begrüßung auf dem Bahnhof Fürsten- berg und der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt begab sich der Herr Reichspräsident im Kraftwagen nach Ziebingen, wo er sich von dem Führer der roten Partei Generalleutnant von Bock Vortrag halten ließ. Von Ziebingen ging die Fahrt in Richtung Frankfurt a. d. O. zu den hier eingesetzten Truppen. Kurz vor Frankfurt ließ sich der Reichspräsident von dem Leiter der Hebungen, dem Chef der Heeresleitung, G e - neral der Infanterie Frei Herrn von Hammer st ein, Vortrag halten. Ohne Frankfurt zu berühren, fuhr der Feldmarschall dann in die Gegend von Reppen, wo ihm Teile der Infanterieregimenter 9 und 8 begegneten, die er begrüßte. Von hier aus kehrte der Reichspräsident nacb Fürstenberg zurück, wo er die Nacht in feinem Salonwagen zubringt.
Aus aller Welt.
vier Iahre Gefängnis für den ehemaligen Landlagsabgeordnelen Schulz.
Vor dem Sondergericht Waldenburg fand ba? Prozeß gegen den früheren kommunistischen Land» tagsabgeordneten Richard Schulz statt wegen grausamer Mißhandlung seines elfjährigen Sohnes Werne-r. Der Andrang des Publikums war schon lange vor Beginn der Verhandlung derart stark, daß schließlich Polizeikräfte eingreifen und die Menschenmassen aus dem Gerichtsgebäude entfernen muhten.
Die Vernehmung des Angeklagten ergab, daß Schulz mehrfach vorbestraft ist. jedoch behauptete er, daß hier nur politische Vergehen Vorgelegen hätten. Hinsichtlich der Mißhandlungen an seinem Sohn Werner gab er zu. von feinem Züchtigungsrecht oftmals Gebrauch gemacht zu haben, weil der Junge ungehorsam gewesen sei. Habe er dabei die Grenzen des Züchtigungsrechtes überschritten, so sei dies aus „psychologischen Gründen" erfolgt. Schwere Mißhandlungen im Sinne der Anklage stritt Schulz entschieden ab. Er erklärte, daß sein Sohn Werner öfters hingefallen sei und sich dabei die Verletzungen zugezogen habe. Rach längerer Verhandlung beantragte der Staatsanwalt in den Rachmittagsstunden gegen Schulz wegen Vergehens gegen § 224 (Körperverletzung) eine Zuchthausstrafe von vier Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Das Sondergericht verurteilte Schulz wegen Körperverletzung in lebensgefährdender Weise und grausamer Art zu vier Jahren Gefängnis. Außerdem wurde die Einziehung der zur Mißhandlung benutzten Gegenstände vorgenommen. Das Urteil ist sofort rechtskräftig.
Ein Brautpaar tödlich verunglückt.
Sn Haarburg ° Wilhelmsburg ereignete sich ein schweres Verkehrsunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein Harburger Brautpaar, das eine Radtour unternahm, wurde von einem Auto angefahren und von den Rädern gerissen. Bei dem Sturz erlitten die beiden jungen Leute schwere Schädeloerletzungen, denen sie bald darauf erlagen.
Dreifacher Raubmord im polnischen Korridor.
Sn Switz (Kreis Tuchel) im polnischen Korridor wurden in der vergangenen Rächt der 28jäh- rige Kleinbesitzer Kaminski, feine Ehefrau und sein Schwiegervater ermordet. Der Täter zündete darauf das Wohnhaus Kaminskis an, das vollständig niederbrannte. Die Leichen der Ermordeten lagen völlig verkohlt in den Schuttmassen. Es liegt wahrscheinlich Raubmord vor. da bekannt war, daß K. 1500 Zloty zur Abzahlung einer Hypothek aufbewahrte.
vorn Reichsbund Deutscher Mieter.
Der in München versammelte Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter stellt in einer Entschließung fest, daß die vom Reichsbund seit langem geforderte weitere Senkung der Mieten für Räume in Alt- und Reubauten bis heute noch nicht erfolgt ist. Millio- ■ncn von Mietern könnten die Mieten nur noch mit Hufe der Fürsorgebehörden auf bringen; Hun- derttousenden drohe die Exmission. Trotzdem werde der Mieterschutz weiter abgebaut, statt verstärkt. Daher fordere der Reichsbund ein so- äialeä Miet- und Wohnrecht, ferner müsse der
Kleinwohnungsbau durch Bereitstellung öffentlicher Mittel baldigst in Gang gebracht werden. Der durch die Enteignung der Hypothekengläu- biger entstandene Entschuldungsgewinn des Hausbesitzes müsse restlos für die Zwecke der Wohnungswirtschaft verwendet werden. Rachdem dem Hausbesih erneut 50 Millionen Mark aus Reichsmitteln zur Vornahme von Snstandsetzungs- und anderen baulichen Arbeiten zur Verfügung gestellt worden seien, müsse von der Reichsregierung die Schaffung eines gesetzlichen Zwanges zur Ausführung dieser Arbeiten durch die Hausbesitzer gefordert werden.
Fallschirmabsprung aus 7300 Meter höhe.
Die deutsche Fallschirmpilotin Frau Lola Schröter, Chemnitz, hat in Kiel den bisherigen Weltrekord im F a l l s ch i r m a b s pr i n - gen weit Überboten. Mit einem Wasserflugzeug ließ sich Frau Schröter in eine Höhe von 7300 Meter bringen und sprang dann westlich von Kiel ab. Die Fallzeit betrug 28 Minuten, die unter dem Fallschirm zurückgelegte Strecke 45 Kilometer. Die Landung erfolgte in Hohenberg, 22 Kilometer von Kiel entfernt. Frau Schröter hat damit den bisherigen Weltrekord der Rumänin Vrascu von 6000 Meter überboten. Der deutsche Fallschirmhöhenrekord wurde bisher von Georg Resch, Würzburg, mit 5100 Meter gehalten.
Konkordat der methodistischen Kirchen.
Sn Londons größter Konzert-Halle sand in An- •tt>efenf)eit von. 10000 Personen die Hnterzeichnung des Konkordats zwischen den drei m e '- thodtstischen Kirchen statt. Die Urkunde wurde von den Präsidenten der Weslyan-Methodi- sten, der primitiven Methodisten und der United- Methodisten sowie von dem ersten Präsidenten der nunmehr vereinigten Kirche vollzogen. Die treue unierte Kirche zählt in England Über eine Million 'sTeltan^er Un& e^roa 12 Millionen in der ganzen
Flugzeugunglück in Italien. — Sieben Tote.
Zwei Wasserkampfslugzeuge stießen, wie aus Rom gemeldet wird, bei Spezia in der Luft zusammen, als sie aufs Wasser niedergehen wollten. Sieben Personen wurden getötet.
Wettervoraussage.
Kaltluft hat fick weiterhin über das Festland aus- gebreitet und neben stärkerer Abkühlung beim Verdrängen der warmen Luft noch Niederschläge verursacht. Das Barometer steigt aber weiter an so daß sich das britische Hoch mehr südöstlich entfalten kann. Da^Vetter bleibt dabei vorerst noch kühl, wird sich aber Whiger gestalten, wenn auch beim Wechselspiel der Luftmassen vorübergehend noch leichte Stö- rungstätigkeit zustandekommt.
Aussichten für Donnerstag: Noch kühl, wechselnd bewölkt und aufheiternd, meist trocken.
Aussichten für Freitag: Weiterhin teils bewölkt und teils aufheiternb trocken.
Lufttemperaturen am 20. September: mittags 15 Grad Celsius, abends 11,2 Grad; am 21. September: morgens 10,2 Grad. Maximum 16,5 Grad, Minimum 10 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. September, abends 16,8 Grad; am 21. September: morgens 13,6 Grad Celsius. — Niederschläge 5,8 mm. — Sonnenscheindauer 2)4 Stunden.
Wieseck und die Straßenbahn- Erweiterung
Seit einigen Tagen ist der Dau der Straßenbahn von der Marburger Straße bis zur Gießener Gemarkungsgrenze vor Wieseck im Gange. Damit wird nach langjährigen Bemühungen die Straßenbahn-Verbindung Gießen— Wieseck nun endlich geschaffen. Die neue Verkehrsverbindung zwischen den beiden Gemeinwesen wird zweifellos allseitig begrüßt werden, da sie geeignet ist, die Beziehungen der Bevölkerung von Wieseck und Gießen noch enger als bisher zu gestalten.
So erfreulich die Straßenbahnerweiterung ist, so bedauerlich bleibt die Tatsache, daß sie nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge eigentlich nur eine halbe Maßnahme darstellt, da sie bis vor den Ort, aber nicht in den Ort selbst hinein gelegt wird. Als Behelfsmaßnahme für einige Zeit könnte die Wiesecker Bevölkerung mit dieser Lösung zufrieden sein, auf die Dauer wird jedoch eine Straßenbahnverbindüng zwischen Wieseck und Gießen für die Wiesecker Einwohnerschaft nur dann volle Bedeutung gewinnen, wenn durch das Stra- ßenbahnnetz der Verkehr im Orte selbst schon verschlossen wird. Aus dieser Betrachtung der Dinge heraus, die über die unmittelbare Gegenwart hinweg auf eine weitere Zukunft gerichtet ist, sollte man in Wieseck die gebotenen Schlußfolgerungen ziehen, die dahin gehen müßen, gelegentlich des jetzigen Erweiterungsbaues eine vollständige Lösung der Straßenbahnfrage herbeizuführen. Da die Bauarbeiten nun im Gange sind, wäre es doch zweckmäßig, sie gleich auf die Verlegung des Schienennetzes nach
Wieseck hinein auszudehnen. Natürlich erfon bert eine derartige Ausdehnung des Baues erhöhte Geldmittel. Den gegenwärtigen Bauabschnitt hat die Stadt Gießen, dank kluger und weitsichtiger Vorbereitung des Erweiterungsbaues, finanziert. Wenn man in Wieseck im eigensten Interesse jetzt eine ganze Lösung schaffen wollte, wäre es wohl zweckmäßig, alsbald an die Stadt Gießen mit dem Ersuchen heranzutreten, in gemeinsamer Arbeit die endgültige Regelung der Straßenbahnverbindung herbeizuführen. Vielleicht wird es beim Zusammenwirken der beiden Gemeinden verhältnismäßig leicht sein, die Finanzierung des verlängerten Erweiterungsbaues zu ermöglichen. Vielleicht könnte die eine oder die andere Gemeinde das erforderliche Daukapital beschaffen, oder durch die Zusicherung einer gewissen Zins- garantie die Finanzierung erleichtern. Falls Wieseck zur Finanzierung selbst zu schwach wäre, könnte unter Umständen Gießen diese Aufgabe eher übernehmen, während die Gemeinde Wieseck lediglich eine Zinsgarantie zu leisten haben würde.
Der Gemeinde Wieseck möchten wir, wie schon gesagt, den Rat geben, sich wegen der Erweiterung des Strahenbahnnetzes bis nach Wieseck hinein ungesäumt an d i e Stadt Gießen zu wenden, damit mit möglichster Beschleunigung ein Hebereinkommen geschaffen wird, das die Fortführung der ge genwärti gen A r- beiten b i6 in den Ortsbereich ermöglicht. Die Wiesecker Bevölkerung könnte dann schon mit Beginn des Winter die Straßenbahn- Verbindung nach Gießen aus dem Orte heraus benutzen und damit eine Annehmlichkeit des Verkehrs genießen, nach der sie jahrelang gestrebt hat und die besonders bei ungünstiger Witterung sehr zu schätzen ist.
Aus her Provmzialhauptsiahl.
G iehen, den 21.September 1932.
Botanisches vom Apfel.
Heber 1300 Apfelsorten verdanken wir dem Fleiß des Landmanns, der Kunst des Gärtners , und dem Eifer der Pomologen. Dabei wissen ' wir nicht einmal, von welcher Urform unsere köstlichen Aepfel eigentlich abstammen. Die landläufige Ansicht, unser Wild-, Holz- oder Korn- apfewaum mit seinen kugeligen, 2 bis 2,5 Zentimeter im Durchmesser großen, sehr sauer schmeckenden Scheinfrüchten sei der Stammvater unserer Kultursorten, wird von der botanischen Wissenschaft stark bezweifelt. So behauptet der Raturforscher Foke auf Grund eingehender erfolgreicher Kreuzungsversuche mit orientalischen Wildlingen, daß der im Kaukasus und im Altaigebirge verbreitete Apfelstrauch viel eher als Stammvater unserer prächtigen Tafeläpfel anzusehen und zu ehren sei. Wieder andere Forscher nennen den in den Parken und Anlagen häufig als Zierbaum gepflanzten Beeren- oder Kirschapfel den Altvater unserer Apfelkulturen. Auch ein in Rordchina beheimateter Wildapfel wird als Ursprung vieler Kultursorten genannt.
Insgesamt streiten sich 12 Wildäpfel um die Krone, der Menschheit „die prächttge Frucht des Paradieses und der Venus" geschenkt zu haben. Fest steht nur: unsere Kultursorten sind Kreuzungsprodukte verschiedener Wildarten, wobei neben den schon genannten Wildlingen auch der Paradies- und der Splittapfel ihr Bestes dazu bei getragen haben. Wie der Ursprung, so verliert sich auch der Beginn der Apfelkultur in vorhistorischem Dunkel.
Schon in den Pfahlbaudörfern des Bodensees fand man halbverkohlte Apfelreste. Die griechische Dichtung nennt in Homers Sliade den Apfel des Paris, der Anlaß zum trojanischen Krieg geworden sein soll. Von den Römern erzählt der Geschichtsschreiber, daß ihre Literatur bereits 24 Apfelsorten kannte, und der Römer mit dem Pfropfen und Veredeln der Apfelbäume wohlvertraut war. Große Verdienste um die Verbreitung und Verbesserung der Sorten erwarben sich im Mittelalter die italienischen, französischen und deutschen Mönche. Sn stetem Austausch wechselten sie in ihren Klostergärten Sorten und Edelreiser, um den für ihr Kloster, seine Bodenverhältnisse und sein Klima besten Apfel zu züchten.
Tagung deutscher Mikrobiologen in Gießen.
Heute morgen begann im Physiologischen Snsti- tut der hiesigen Landesuniversität eine Tagung der „Deutschen Vereinigung für Mikrobiologie", an der etwa 100 Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnahmen. Rachdem gestern ein Degrüßungs- abend im Studentenheim am Leihgestemer Weg stattgefunden hatte, begann heute morgen die Vollversammlung, der eine Ausschußfitzung vor- ausgegangen war. Sm Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag von Geheimrat Kölle (Frankfurt), der über „Das Lebenswerk von Robert Koch" referierte. Geheimrat Kolle ist der älteste, noch im Amte befindliche Mitarbeiter Robert Kochs. Die Teilnehmer der Tagung werden außerdem noch verschiedene Vorträge anhören. Ein gemütliches Beisammensein im Flughafen und ein Ausflug nach Dad-Rauheim am morgigen Donnerstag sind ebenfalls vorgesehen. Heute. Mittwoch, 16 Hhr, findet im Hygienischen Institut die feierliche Einweihung einer ©affft) - Erinnerungstafel statt.
Vornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch: Cafä Leib, 20 Uhr, Vortrag über „Was gibt es Neues beim Radio und Fernsehen?" — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Das Lied einer Rächt".
— D ie Ob st Versteigerung der Stadt Gieße n findet am Freitag, 23. September, statt. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.
— Die Lieferung der Düngemittel für die städtischen Wiesen soll vergeben werden. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.
" D i e holländische Königin im Bahnhof Gießen. Am Montagmittag kam mit dem Eilzug, der 13.17 Uhr von Kassel der in G.ießen eintrifft, die hoUändische Königin ^/ideinnne in ihrem Sonderwagen auf dem Dahn- bof Gießen an. Rach kurzem fahrplanmäßigen Aufenthalt von sechs Minuten setzte sie im glei- I Z^n Zuge ihre Reise in Richtung Frankfurt fort.
jni9tn ber Riederlande befand sich auf der Rückreise nach Holland, um dort das neu zusam- mengetretene Parlament zu eröffnen.
** Eine Vereinigung der Anwohner derBahnhosstraßegegründet. Im „Psäl- zer Hof" hat sich gestern abend eine Vereinigung der Anwohner der Bahnhofstraße, Marktstraßc und Neustadt gebildet, mit dem Zweck, den diesen Straßen entzogenen Verkehr wieder dorthin zu leiten. Besonders will sich der Verein dafür einsetzen, daß die Straßenbahn dort so bald wie möglich wieder fährt. Man will auch die Schaufensterdekoration besonders pflegen und durch abendliche Beleuchtung der Fenster für die Geschäfte werben. Man hofft, da sich viele gute Geschäfte in diesen Straßen befinden, daß Gießens Bevölkerung bei ihren Einkäufen auch diese etwas mehr als bisher berücksichtigt.
Strafkammer Gießen.
* Gießen, 20. Sept. Am 8. April 1931 hatte ein Geschäftsmann aus der Gegend von Ridda am dortigen Bahnhof mit seinem Auto Besuch abgeholt. Auf der Rückfahrt liefen ihm in feinem Dorf plötzlich zwei Kinder vor dem Auto von rechts nach links über die Straße. Ein Sunge wurde ton dem linken Vorderrad erfaßt, zu Boden geschleudert und überfahren. Der Tod trat alsbald ein. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer erheblichen Geldstrafe verurteilt. Heute bestätigte die Strafkammer nach einer umfangreichen Beweisaufnahme dieses Urteil. Auch das Berufungsgericht war der Auffassung, daß der Angeklagte bei der engen, unübersichtlichen und abschüssigen Straße zu schnell gefahren sei, zumal ihm bekannt war, daß gerade dort Kinder spielten. Große Strafkammer Gießen.
Gießen, 20. Sept. Die Berufungsoerhandlung gegen einen städtischen Beamten, der wegen Amtsunterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, mußte auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da der Angeklagte nicht erschienen war. Die amtsärztliche Untersuchung ergab, daß er schwer krank und bis auf weiteres nicht verhandlungsfähig ist.
Hinter verschloßenen Türen verhandelte das Gericht gegen einen Arbeiter aus Neu-Oberberg wegen Sittlichkeitsverbrechens. Wie sich aus der öffentlichen Urteilsverkündung ergab, hat er in roher Weise ein vierzehnjähriges Mädchen zu vergewaltigen versucht. Er wurde zu einem Jahr drei Monate Gefängnis verurteilt. Nach verbüßter Strafe wird er als lästiger Ausländer ausgewiesen werden.
Freigesprochen wurde auf seine Berufung ein Kaufmann aus Friedberg, der vom Amtsgericht wegen Betrugs im wiederholten Rückfall (Zechprellerei) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Die Hauptverhandlung ergab erhebliche Zweifel an seiner Schuld.
Die Verhandlung gegen einen Gemeinderechner wegen Amtsunterschlagung mußte zur Vornahme' weiterer Ermittelungen auf" unbestimmte Zeit ausgesetzt werden. Die Behauptung des Angeklagten, er habe bereits ein Defizit in der Gemeindekasse oor- gefunden und dies nur durch Heberschreibung oen Geldern aus der Feldbereinigungskasse gedeckt, wird durch sachverständige Revision 'der Bücher nachgeprüft werden.
pädagogische Freizeit in Gladenbach.
Gladenbach, 19. Sept. In der Zeit vom 5. bis 13. Sepetmber fand im gastlichen Gladenbach (Kreis Biedenkopf) unter Leitung von Schulrat Tilgner eine Freizeit für dis Junglehrer und Iunglehrerinnen des Kreises Biedenkopf statt, in der den Teilnehmern in Form von Hnterrichtsbe- suchen mit nachfolgender Aussprache ein Bild aus der Hnterrichtspraxis verschiedener Landschulen oer- mitetlt wurde. Es wurden besucht die Schulen in Erdhausen, Endbach, Wommelshausen, Mornshausen a. F., Rüchenbach und Oberweidbach. In End- bach wurde dem Landheim der Klinger-Oberrealschule ein Besuch abgestattet. Im Zusammenhang mit der Freizeit fand am 9. September im Hotel Blankenstein in Gladenbach ein Elternabend statt. Musikalische Darbietungen umrahmten zwei Bor- träge über neuzeitliche Schularbeit und -erziehung in der Grundschule (Lehrer Röck, Gladenbach) und in der Oberstufe (Hauptlehrer Durchholz, Wei- denhausen). Am 10. September unternahmen die Teilnehmer eine geologische Wanderung in die Umgebung Gladenbachs.
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