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21.9.1932 Erstes Blatt
 
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Hindenburg fährt ins Manöver.

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Der Reichspräsident von Hindenburg bei der Abreise vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße, von wo er sich nach Fürstenberg a. d. Oder begab, um von dort aus an den Herbstmanövern der Reichswehr teilzunehmen.

Fürstenberg (Oder). 20. Sept. (TH.) 21m Dienstag nach 14 Mr traf Reichspräsident v. Hindenburg in Begleitung eines kleinen Stabes mit dem fahrplanmäßigen Zug in Fürsteru- berg ein. Der Reichspräsident in der Uniform des Generalseldmarschalls machte einen außer­ordentlich frischen Eindruck. Rach kur­zer Begrüßung durch das Reichslvehrkommando. die Behörden und die vaterländischen Verbände, die einen großen Empfang vorbereitet hatten, be­gab sich der Reichspräsident im Auto unter dem Subei einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge zu den Truppen auf das Manövergelände. Er wird auch am morgigen Manövertag noch teilnehmen und in Fürstenberg übernachten.

Der Hauptanziehungspunkt des Tages war nach dem begeisterten' Empfang Hindenburgs im fest­lich beflaggten Fürstenberg das Hebersehen LermotorisiertenRotenRufklärung südlich Fürstenbergs über die Oder. Wäh­rend die Kavalleriemacht 5 bis 20 Kilometer öst­lich der Oder zusammengezogen ist. ist bis zum Abend fast die ganze motorisierte Aufklärung übergeseht, um westlich der Oder über den Fried- rich-Wilhelm-Kanal nach Rorden und Rordwesten vorzufühlen. Ferner hat am Abend unter dem Schutz ter vom Gegner noch nicht behelligten Mo­

tortruppen der erste Teil der Kavallerie hart nördlich Fürstenberg mit dem Heberwinten des Stromes begonnen. Snzwischen hat Blau bei Lebus eine Schiffsbrücke über die Oder geschlagen und schafft starke Kräfte auf das Westufer, die südlich Frankfurt die über­gegangene Rote Aufklärung zurückdrücken sollen. Der Mittwoch wird also voraussichtlich scharfe Kämpfe beiderseits der Oder südlich Frankfurt bringen.

Nach der Begrüßung auf dem Bahnhof Fürsten- berg und der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt begab sich der Herr Reichspräsi­dent im Kraftwagen nach Ziebingen, wo er sich von dem Führer der roten Partei General­leutnant von Bock Vortrag halten ließ. Von Zie­bingen ging die Fahrt in Richtung Frankfurt a. d. O. zu den hier eingesetzten Truppen. Kurz vor Frank­furt ließ sich der Reichspräsident von dem Leiter der Hebungen, dem Chef der Heeresleitung, G e - neral der Infanterie Frei Herrn von Hammer st ein, Vortrag halten. Ohne Frank­furt zu berühren, fuhr der Feldmarschall dann in die Gegend von Reppen, wo ihm Teile der Infanterieregimenter 9 und 8 begegneten, die er begrüßte. Von hier aus kehrte der Reichspräsident nacb Fürstenberg zurück, wo er die Nacht in feinem Salonwagen zubringt.

Aus aller Welt.

vier Iahre Gefängnis für den ehemaligen Landlagsabgeordnelen Schulz.

Vor dem Sondergericht Waldenburg fand ba? Prozeß gegen den früheren kommunistischen Land» tagsabgeordneten Richard Schulz statt wegen grausamer Mißhandlung seines elf­jährigen Sohnes Werne-r. Der Andrang des Publikums war schon lange vor Beginn der Verhandlung derart stark, daß schließlich Poli­zeikräfte eingreifen und die Menschenmassen aus dem Gerichtsgebäude entfernen muhten.

Die Vernehmung des Angeklagten ergab, daß Schulz mehrfach vorbestraft ist. jedoch behauptete er, daß hier nur politische Vergehen Vorgelegen hätten. Hinsichtlich der Mißhandlun­gen an seinem Sohn Werner gab er zu. von feinem Züchtigungsrecht oftmals Gebrauch gemacht zu haben, weil der Junge ungehorsam gewesen sei. Habe er dabei die Grenzen des Züchtigungs­rechtes überschritten, so sei dies auspsycho­logischen Gründen" erfolgt. Schwere Mißhand­lungen im Sinne der Anklage stritt Schulz ent­schieden ab. Er erklärte, daß sein Sohn Werner öfters hingefallen sei und sich dabei die Ver­letzungen zugezogen habe. Rach längerer Ver­handlung beantragte der Staatsanwalt in den Rachmittagsstunden gegen Schulz wegen Ver­gehens gegen § 224 (Körperverletzung) eine Zucht­hausstrafe von vier Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Das Sondergericht verurteilte Schulz wegen Körperverletzung in lebensgefährdender Weise und grausamer Art zu vier Jahren Gefängnis. Außerdem wurde die Einziehung der zur Mißhandlung benutzten Gegenstände vor­genommen. Das Urteil ist sofort rechtskräftig.

Ein Brautpaar tödlich verunglückt.

Sn Haarburg ° Wilhelmsburg ereignete sich ein schweres Verkehrsunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein Harburger Brautpaar, das eine Radtour unternahm, wurde von einem Auto angefahren und von den Rädern gerissen. Bei dem Sturz erlitten die beiden jungen Leute schwere Schädeloerletzungen, denen sie bald darauf erlagen.

Dreifacher Raubmord im polnischen Korridor.

Sn Switz (Kreis Tuchel) im polnischen Korri­dor wurden in der vergangenen Rächt der 28jäh- rige Kleinbesitzer Kaminski, feine Ehefrau und sein Schwiegervater ermordet. Der Täter zündete darauf das Wohnhaus Kaminskis an, das voll­ständig niederbrannte. Die Leichen der Er­mordeten lagen völlig verkohlt in den Schutt­massen. Es liegt wahrscheinlich Raubmord vor. da bekannt war, daß K. 1500 Zloty zur Ab­zahlung einer Hypothek aufbewahrte.

vorn Reichsbund Deutscher Mieter.

Der in München versammelte Gesamtvor­stand des Reichsbundes Deutscher Mieter stellt in einer Entschließung fest, daß die vom Reichsbund seit langem geforderte weitere Sen­kung der Mieten für Räume in Alt- und Reu­bauten bis heute noch nicht erfolgt ist. Millio- ncn von Mietern könnten die Mieten nur noch mit Hufe der Fürsorgebehörden auf bringen; Hun- derttousenden drohe die Exmission. Trotzdem werde der Mieterschutz weiter abgebaut, statt ver­stärkt. Daher fordere der Reichsbund ein so- äialeä Miet- und Wohnrecht, ferner müsse der

Kleinwohnungsbau durch Bereitstellung öffent­licher Mittel baldigst in Gang gebracht werden. Der durch die Enteignung der Hypothekengläu- biger entstandene Entschuldungsgewinn des Haus­besitzes müsse restlos für die Zwecke der Woh­nungswirtschaft verwendet werden. Rachdem dem Hausbesih erneut 50 Millionen Mark aus Reichs­mitteln zur Vornahme von Snstandsetzungs- und anderen baulichen Arbeiten zur Verfügung ge­stellt worden seien, müsse von der Reichsregie­rung die Schaffung eines gesetzlichen Zwanges zur Ausführung dieser Arbeiten durch die Hausbe­sitzer gefordert werden.

Fallschirmabsprung aus 7300 Meter höhe.

Die deutsche Fallschirmpilotin Frau Lola Schröter, Chemnitz, hat in Kiel den bisherigen Weltrekord im F a l l s ch i r m a b s pr i n - gen weit Überboten. Mit einem Wasserflugzeug ließ sich Frau Schröter in eine Höhe von 7300 Meter bringen und sprang dann westlich von Kiel ab. Die Fallzeit betrug 28 Minuten, die unter dem Fallschirm zurückgelegte Strecke 45 Kilometer. Die Landung erfolgte in Hohen­berg, 22 Kilometer von Kiel entfernt. Frau Schröter hat damit den bisherigen Weltrekord der Rumänin Vrascu von 6000 Meter über­boten. Der deutsche Fallschirmhöhenrekord wurde bisher von Georg Resch, Würzburg, mit 5100 Meter gehalten.

Konkordat der methodistischen Kirchen.

Sn Londons größter Konzert-Halle sand in An- tt>efenf)eit von. 10000 Personen die Hnterzeichnung des Konkordats zwischen den drei m e '- thodtstischen Kirchen statt. Die Urkunde wurde von den Präsidenten der Weslyan-Methodi- sten, der primitiven Methodisten und der United- Methodisten sowie von dem ersten Präsidenten der nunmehr vereinigten Kirche vollzogen. Die treue unierte Kirche zählt in England Über eine Million 'sTeltan^er Un& e^roa 12 Millionen in der ganzen

Flugzeugunglück in Italien. Sieben Tote.

Zwei Wasserkampfslugzeuge stießen, wie aus Rom gemeldet wird, bei Spezia in der Luft zusammen, als sie aufs Wasser niedergehen wollten. Sieben Personen wurden getötet.

Wettervoraussage.

Kaltluft hat fick weiterhin über das Festland aus- gebreitet und neben stärkerer Abkühlung beim Ver­drängen der warmen Luft noch Niederschläge ver­ursacht. Das Barometer steigt aber weiter an so daß sich das britische Hoch mehr südöstlich entfalten kann. Da^Vetter bleibt dabei vorerst noch kühl, wird sich aber Whiger gestalten, wenn auch beim Wechsel­spiel der Luftmassen vorübergehend noch leichte Stö- rungstätigkeit zustandekommt.

Aussichten für Donnerstag: Noch kühl, wechselnd bewölkt und aufheiternd, meist trocken.

Aussichten für Freitag: Weiterhin teils bewölkt und teils aufheiternb trocken.

Lufttemperaturen am 20. September: mittags 15 Grad Celsius, abends 11,2 Grad; am 21. September: morgens 10,2 Grad. Maximum 16,5 Grad, Minimum 10 Grad Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. September, abends 16,8 Grad; am 21. Septem­ber: morgens 13,6 Grad Celsius. Niederschläge 5,8 mm. Sonnenscheindauer 2)4 Stunden.

Wieseck und die Straßenbahn- Erweiterung

Seit einigen Tagen ist der Dau der Straßenbahn von der Marburger Straße bis zur Gießener Ge­markungsgrenze vor Wieseck im Gange. Damit wird nach langjährigen Bemühungen die Straßenbahn-Verbindung Gießen Wieseck nun endlich geschaffen. Die neue Ver­kehrsverbindung zwischen den beiden Gemein­wesen wird zweifellos allseitig begrüßt werden, da sie geeignet ist, die Beziehungen der Bevölke­rung von Wieseck und Gießen noch enger als bisher zu gestalten.

So erfreulich die Straßenbahnerweiterung ist, so bedauerlich bleibt die Tatsache, daß sie nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge eigentlich nur eine halbe Maßnahme darstellt, da sie bis vor den Ort, aber nicht in den Ort selbst hinein gelegt wird. Als Behelfsmaßnahme für einige Zeit könnte die Wiesecker Bevölkerung mit dieser Lösung zu­frieden sein, auf die Dauer wird jedoch eine Straßenbahnverbindüng zwischen Wieseck und Gie­ßen für die Wiesecker Einwohnerschaft nur dann volle Bedeutung gewinnen, wenn durch das Stra- ßenbahnnetz der Verkehr im Orte selbst schon verschlossen wird. Aus dieser Betrach­tung der Dinge heraus, die über die unmittelbare Gegenwart hinweg auf eine weitere Zukunft ge­richtet ist, sollte man in Wieseck die gebotenen Schlußfolgerungen ziehen, die dahin gehen müßen, gelegentlich des jetzigen Erweiterungsbaues eine vollständige Lösung der Straßen­bahnfrage herbeizuführen. Da die Bauarbeiten nun im Gange sind, wäre es doch zweckmäßig, sie gleich auf die Verlegung des Schienennetzes nach

Wieseck hinein auszudehnen. Natürlich erfon bert eine derartige Ausdehnung des Baues erhöhte Geldmittel. Den gegenwärtigen Bauabschnitt hat die Stadt Gießen, dank kluger und weitsichtiger Vor­bereitung des Erweiterungsbaues, finanziert. Wenn man in Wieseck im eigensten Interesse jetzt eine ganze Lösung schaffen wollte, wäre es wohl zweckmäßig, alsbald an die Stadt Gießen mit dem Ersuchen heranzutreten, in gemeinsamer Arbeit die endgültige Regelung der Straßenbahnverbindung herbeizuführen. Viel­leicht wird es beim Zusammenwirken der beiden Gemeinden verhältnismäßig leicht sein, die Finan­zierung des verlängerten Erweiterungsbaues zu er­möglichen. Vielleicht könnte die eine oder die andere Gemeinde das erforderliche Daukapital beschaffen, oder durch die Zusicherung einer gewissen Zins- garantie die Finanzierung erleichtern. Falls Wieseck zur Finanzierung selbst zu schwach wäre, könnte unter Umständen Gießen diese Aufgabe eher über­nehmen, während die Gemeinde Wieseck lediglich eine Zinsgarantie zu leisten haben würde.

Der Gemeinde Wieseck möchten wir, wie schon gesagt, den Rat geben, sich wegen der Er­weiterung des Strahenbahnnetzes bis nach Wieseck hinein ungesäumt an d i e Stadt Gießen zu wenden, damit mit möglichster Beschleunigung ein Hebereinkommen geschaffen wird, das die Fortführung der ge genwärti gen A r- beiten b i6 in den Ortsbereich ermög­licht. Die Wiesecker Bevölkerung könnte dann schon mit Beginn des Winter die Straßenbahn- Verbindung nach Gießen aus dem Orte her­aus benutzen und damit eine Annehmlichkeit des Verkehrs genießen, nach der sie jahrelang ge­strebt hat und die besonders bei ungünstiger Witterung sehr zu schätzen ist.

Aus her Provmzialhauptsiahl.

G iehen, den 21.September 1932.

Botanisches vom Apfel.

Heber 1300 Apfelsorten verdanken wir dem Fleiß des Landmanns, der Kunst des Gärtners , und dem Eifer der Pomologen. Dabei wissen ' wir nicht einmal, von welcher Urform unsere köstlichen Aepfel eigentlich abstammen. Die land­läufige Ansicht, unser Wild-, Holz- oder Korn- apfewaum mit seinen kugeligen, 2 bis 2,5 Zenti­meter im Durchmesser großen, sehr sauer schmecken­den Scheinfrüchten sei der Stammvater unserer Kultursorten, wird von der botanischen Wissen­schaft stark bezweifelt. So behauptet der Ratur­forscher Foke auf Grund eingehender erfolg­reicher Kreuzungsversuche mit orientalischen Wild­lingen, daß der im Kaukasus und im Altai­gebirge verbreitete Apfelstrauch viel eher als Stammvater unserer prächtigen Tafeläpfel an­zusehen und zu ehren sei. Wieder andere For­scher nennen den in den Parken und Anlagen häufig als Zierbaum gepflanzten Beeren- oder Kirschapfel den Altvater unserer Apfelkulturen. Auch ein in Rordchina beheimateter Wildapfel wird als Ursprung vieler Kultursorten genannt.

Insgesamt streiten sich 12 Wildäpfel um die Krone, der Menschheitdie prächttge Frucht des Paradieses und der Venus" geschenkt zu haben. Fest steht nur: unsere Kultursorten sind Kreu­zungsprodukte verschiedener Wildarten, wobei neben den schon genannten Wildlingen auch der Paradies- und der Splittapfel ihr Bestes dazu bei getragen haben. Wie der Ursprung, so ver­liert sich auch der Beginn der Apfelkultur in vorhistorischem Dunkel.

Schon in den Pfahlbaudörfern des Boden­sees fand man halbverkohlte Apfelreste. Die grie­chische Dichtung nennt in Homers Sliade den Apfel des Paris, der Anlaß zum trojanischen Krieg geworden sein soll. Von den Römern er­zählt der Geschichtsschreiber, daß ihre Literatur bereits 24 Apfelsorten kannte, und der Römer mit dem Pfropfen und Veredeln der Apfelbäume wohlvertraut war. Große Verdienste um die Verbreitung und Verbesserung der Sorten er­warben sich im Mittelalter die italienischen, fran­zösischen und deutschen Mönche. Sn stetem Aus­tausch wechselten sie in ihren Klostergärten Sor­ten und Edelreiser, um den für ihr Kloster, seine Bodenverhältnisse und sein Klima besten Apfel zu züchten.

Tagung deutscher Mikrobiologen in Gießen.

Heute morgen begann im Physiologischen Snsti- tut der hiesigen Landesuniversität eine Tagung derDeutschen Vereinigung für Mikrobiologie", an der etwa 100 Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnahmen. Rachdem gestern ein Degrüßungs- abend im Studentenheim am Leihgestemer Weg stattgefunden hatte, begann heute morgen die Vollversammlung, der eine Ausschußfitzung vor- ausgegangen war. Sm Mittelpunkt der Ta­gung stand ein Vortrag von Geheimrat Kölle (Frankfurt), der überDas Lebenswerk von Ro­bert Koch" referierte. Geheimrat Kolle ist der älteste, noch im Amte befindliche Mitarbeiter Robert Kochs. Die Teilnehmer der Tagung werden außerdem noch verschiedene Vorträge an­hören. Ein gemütliches Beisammensein im Flug­hafen und ein Ausflug nach Dad-Rauheim am morgigen Donnerstag sind ebenfalls vorgesehen. Heute. Mittwoch, 16 Hhr, findet im Hygienischen Institut die feierliche Einweihung einer ©affft) - Erinnerungstafel statt.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Cafä Leib, 20 Uhr, Vortrag überWas gibt es Neues beim Radio und Fernsehen?" Licht­spielhaus, Bahnhofstraße: »Das Lied einer Rächt".

D ie Ob st Versteigerung der Stadt Gieße n findet am Freitag, 23. September, statt. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.

Die Lieferung der Düngemit­tel für die städtischen Wiesen soll vergeben werden. Räheres ist aus der heutigen Bekannt­machung ersichtlich.

" D i e holländische Königin im Bahnhof Gießen. Am Montagmittag kam mit dem Eilzug, der 13.17 Uhr von Kassel der in G.ießen eintrifft, die hoUändische Königin ^/ideinnne in ihrem Sonderwagen auf dem Dahn- bof Gießen an. Rach kurzem fahrplanmäßigen Aufenthalt von sechs Minuten setzte sie im glei- I Z^n Zuge ihre Reise in Richtung Frankfurt fort.

jni9tn ber Riederlande befand sich auf der Rückreise nach Holland, um dort das neu zusam- mengetretene Parlament zu eröffnen.

** Eine Vereinigung der Anwohner derBahnhosstraßegegründet. ImPsäl- zer Hof" hat sich gestern abend eine Vereinigung der Anwohner der Bahnhofstraße, Marktstraßc und Neustadt gebildet, mit dem Zweck, den diesen Straßen entzogenen Verkehr wieder dorthin zu leiten. Beson­ders will sich der Verein dafür einsetzen, daß die Straßenbahn dort so bald wie möglich wieder fährt. Man will auch die Schaufensterdekoration besonders pflegen und durch abendliche Beleuchtung der Fenster für die Geschäfte werben. Man hofft, da sich viele gute Geschäfte in diesen Straßen befinden, daß Gie­ßens Bevölkerung bei ihren Einkäufen auch diese etwas mehr als bisher berücksichtigt.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 20. Sept. Am 8. April 1931 hatte ein Geschäftsmann aus der Gegend von Ridda am dortigen Bahnhof mit seinem Auto Besuch abgeholt. Auf der Rückfahrt liefen ihm in feinem Dorf plötzlich zwei Kinder vor dem Auto von rechts nach links über die Straße. Ein Sunge wurde ton dem linken Vorderrad erfaßt, zu Bo­den geschleudert und überfahren. Der Tod trat alsbald ein. Das Schöffengericht hatte den An­geklagten wegen fahrlässiger Tötung zu einer er­heblichen Geldstrafe verurteilt. Heute bestätigte die Strafkammer nach einer umfangreichen Be­weisaufnahme dieses Urteil. Auch das Beru­fungsgericht war der Auffassung, daß der An­geklagte bei der engen, unübersichtlichen und ab­schüssigen Straße zu schnell gefahren sei, zumal ihm bekannt war, daß gerade dort Kinder spielten. Große Strafkammer Gießen.

Gießen, 20. Sept. Die Berufungsoerhandlung gegen einen städtischen Beamten, der wegen Amts­unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, mußte auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da der Angeklagte nicht er­schienen war. Die amtsärztliche Untersuchung ergab, daß er schwer krank und bis auf weiteres nicht ver­handlungsfähig ist.

Hinter verschloßenen Türen verhandelte das Ge­richt gegen einen Arbeiter aus Neu-Oberberg wegen Sittlichkeitsverbrechens. Wie sich aus der öffentlichen Urteilsverkündung ergab, hat er in roher Weise ein vierzehnjähriges Mädchen zu vergewaltigen ver­sucht. Er wurde zu einem Jahr drei Monate Ge­fängnis verurteilt. Nach verbüßter Strafe wird er als lästiger Ausländer ausgewiesen werden.

Freigesprochen wurde auf seine Berufung ein Kaufmann aus Friedberg, der vom Amtsgericht wegen Betrugs im wiederholten Rückfall (Zech­prellerei) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Die Hauptverhandlung ergab erheb­liche Zweifel an seiner Schuld.

Die Verhandlung gegen einen Gemeinderechner wegen Amtsunterschlagung mußte zur Vornahme' weiterer Ermittelungen auf" unbestimmte Zeit aus­gesetzt werden. Die Behauptung des Angeklagten, er habe bereits ein Defizit in der Gemeindekasse oor- gefunden und dies nur durch Heberschreibung oen Geldern aus der Feldbereinigungskasse gedeckt, wird durch sachverständige Revision 'der Bücher nach­geprüft werden.

pädagogische Freizeit in Gladenbach.

Gladenbach, 19. Sept. In der Zeit vom 5. bis 13. Sepetmber fand im gastlichen Gladenbach (Kreis Biedenkopf) unter Leitung von Schulrat Tilgner eine Freizeit für dis Junglehrer und Iunglehrerinnen des Kreises Biedenkopf statt, in der den Teilnehmern in Form von Hnterrichtsbe- suchen mit nachfolgender Aussprache ein Bild aus der Hnterrichtspraxis verschiedener Landschulen oer- mitetlt wurde. Es wurden besucht die Schulen in Erdhausen, Endbach, Wommelshausen, Mornshau­sen a. F., Rüchenbach und Oberweidbach. In End- bach wurde dem Landheim der Klinger-Oberreal­schule ein Besuch abgestattet. Im Zusammenhang mit der Freizeit fand am 9. September im Hotel Blankenstein in Gladenbach ein Elternabend statt. Musikalische Darbietungen umrahmten zwei Bor- träge über neuzeitliche Schularbeit und -erziehung in der Grundschule (Lehrer Röck, Gladenbach) und in der Oberstufe (Hauptlehrer Durchholz, Wei- denhausen). Am 10. September unternahmen die Teilnehmer eine geologische Wanderung in die Um­gebung Gladenbachs.

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