Sayern legt Verwahrung ein.
Telegramm Helds an denNerchsPräsidenten
München, 20. 3uIL (ERB.) Der bayerische Ministerpräsident Held hat an den Reichspräsidenten heute folgendes Telegramm gesandt: ,
Durch die Rotverordnung vom heutigen i n schwerer Sorge um d i e verfassungsmäßigen Rechte und die Existenz- grundlage der deutschen Länder teile ich Ew. Exzellenz ergebenst mit, daß ich für die bayerische Regierung beim Herrn Reichskanzler heute Rechtsverwahrung eingelegt und Entscheidung des Staatsgerichtshofs über die Rechtsfrage beantragt habe.
In treudeutscher Ergebenheit und Verehrung Ministerpräsident Dr. Held.
Das Telegramm an den Reichskanzler
hat folgenden Wortlaut:
Di^Cin^hLng eines Reichskommissars an Stelle von Landesregierung und Amtsenthebung von Landesministern ist nach Auffassung des bayerischen Gesamtministeriums mit der Reichsverfassung nicht vereinbar. Die Rotverordnung vom 20. Juli berührt verfassungsmäßige Rechte aller Länder und ihre verfassungsmäßige Existenz. Ramens der bayerischen Staatsregierung lege ich förmlich Rechtsverwahrung ein. Antrag zum Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich auf Entscheidung der Rechtsfrage ist von uns gestellt.
Ministerpräsident Dr. Held.
An den Gtaatsgerichtechof
in Leipzig hat die Bayerische Staatsregierung telegraphisch folgenden Antrag eingereicht: Ramens der Bayerischen Staatsregierung beantrage ich für das Land Bayern zu erkennen: Einsetzung eines Reichskvmmissars an Stelle von Landesregierung sowie Amtsenthebung von Landesministern, wie in der Reichsverordnung vom 20. Juli 1932 vorgesehen, ist mit der Reichsverf as - sung nicht vereinbar.
Die Verordnung berührt verfassungsmäßige Rechte aller Länder und ihre verfassungsmäßige Existenz. Zur Begründung des Antrags nehme ich Bezug auf die Erklärung Bayerns vom 9. Mai 1931 im Verfahren vor dem Staatsgerichtshof wegen des Steuervercinheit- lichungsgesetzes. Weitere Begründung bleibt Vorbehalten. Erbitte Terminbekanntgabe.
Ministerpräsident Dr. Held.
Oie Auffassung in Darmstadt. Der Standpunkt der hessischen Regierung zu den Vorgängen in Berlin.
Darmstadt, 20. Juli. (Lpd.) Heber den Standpunkt der hessischen Regierung zur Einsetzung des Reichskommissars in Preußen erfährt die Telunion von zuständiger Stelle: Die hessische Regierung hat seinerzeit ebenso wie die anderen süddeutschen Regierungen sich mit Rachdruck gegen die vom Reich verfügte Beseitigung des Uniform« und Demonstrationsverbots der Länder unb gegen den Gedanken der Einsetzung eines R e i ch s k o m m i s s a r s gewandt. Es besteht danach kein Zweifel, daß Hessen angesichts der jüngsten Ereignisse in Preußen an diesem Standpunkt mit Entschiedenheit fe st hält. In hessischen Regierungskreisen ist man befremdet über die Plötzlichkeit und Form, mit der die Reichsregierung gegen Minister des größten deutschen Landes vorgegangen ist. Man begrüßt es darum in Darmstadt, daß verschiedene Länder zur Prüfung der Rechtsgültigkeit des Vorgehens der Reichsregierung a n den Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich appelliert haben.
Ruhe in Berlin.
Berlin, 20. Juli. (TU. Funkspruch.) Auf die Straßen der Reichshauptstadt, die am Tage das gewohnte Bild des Alltags zeigten, übertrug sich in den Abendstunden die Aufgeregtheit und Spannung, die von den politischen Ereignissen des Tages ausgehen. In allen Teilen der Stadt
Schwimmstunde in der Ostsee.
Don Georg Mühlen-Gchulte.
Max ist Bankbeamter. Lili ist Stenotypistin. Die beiden sind ganz jung verheiratet. Sie machen ihre Hochzeitsreise an die Ostsee. An einem schönen Sommermorgen gehen sie zum erstenmal gemeinsam baden.
Als das Paar bis an den Leib im Wasser steht, sagt Lili:
„Ich möchte so gern schwimmend
„Dann schwimm' doch!"
„Ich kann aber nicht."
„Ach was! Schwimmen braucht man nur zu wollen, dann kann man es."
„Na, ich will doch."
„Dann kannst du auch."
„Nein, ich kann nicht."
„Dann fehlt es deinem Willen eben an Stärke."
„Das verbitte ich mir, Max. Ich stehe seit meinem fünfzehnten Jahre auf eigenen Füßen. Ich bin die rechte Hand des Chefs einer Preßhefefabrik."
„Das hat nichts zu sagen."
„Ach, sieh mal an, du scheinst nicht zu wissen, was Preßhefe für das Volkswohl bedeutet."
„Ich meine, Lili, die Preßhefe hat nichts mit dem Schwimmen zu tun."
„Das hat ja auch niemand behauptet. Ich habe nur behauptet, daß die Preßhefe wichtig ist für die Volksgesundheit, und dabei bleibe ich."
„Na, schön! ... Komm ein bißchen tiefer rein!"
„Bist du wahnsinnig, Max? Ich kann doch nicht schwimmen."
„Das ist deine Schuld."
„Wieso meine Schuld?"
„Hör mal zu, Liebling: Schwimmenkönnen ist eine reine Suggestionssache. Wie machen es denn die jungen Fische? Kaum sind sie von ihrer Mutter ausgebrütet ..."
„Max, blamier' dich nicht. Fische werden nicht von ihrer Mutter ausgebrütet; die brüten sich allein aus."
„Das ist egal ..."
„Das ist nicht egal. Ein Fischweibchen legt hunderttausend Eier; wenn es die alle selber ausbrüten wollte, dann würde es einen langen weißen Bart kriegen, bis es fertig wäre."
„Fische kriegen keine Bärte, Lili."
„Ach, sieh mal an! Und die Auster?"
fanden sich auf ben Straßen und Plätzen Anhänger der verschiedensten politischen Richtungen zusammen, die leidenschaftlich die politischen Maßnahmen in Preußen besprachen. Vor allem wurden vor den Anschlagsäulen die Wahlaufrufe der volitischen Parteien heftig erörtert, ohne daß es jedoch hierbei zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen ist. Im Regierungsviertel haben sich viele Neugierige eingefunden, die aber nicht auf ihre Kosten kommen. Bis auf ein kleines Polizeiaufgebot in Kraftwagen und zu Pferde und den verstärkten Postendienst vor den Ministerien verriet nichts die Bedeutung der politischen Vorgänge. Die meisten Abendblätter sind mit mehreren Ausgaben erschienen und finden auf den Straßen reißenden Absatz. Die Polizei versieht ihren Dienst mit besonderer Zurückhaltung und hat bisher keinen Anlaß zum Einschreiten gefunden.
Ein Ausruf der Gewerkschaften.
Berlin, 20. Juli. (CNB.) Von den unterzeichneten Gewerkschaftsverbänden wird folgender Aufruf verbreitet:
Die neuesten politischen Vorgänge haben die deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten i n g r o ß e Erregung versetzt. Sie müssen trotzdem ihre Besonnenheit bewahren. Noch ist die Lage in Preußen nicht endgültig entschieden.
Der Staatsgerichtshof ist angerufen. Die entscheidende Antwort wird das deutsche Volk, insbesondere die deutsche Arbeitnehmerschaft, am 31. Juli geben. Es ist d i e P f l i ch t aller gewerkschaftlichen Organisationen und aller Volksschichten, die auf dem Boden der Verfassung und des Rechts stehen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß diese Reichstagswahl stattfindet. Weder der Terror der Straße noch irgendeine ver- fassungswidrige Diktatur darf verhindern, daß am 31. Juli das Volk von feinem höchsten Rechte Gebrauch macht. Die vorbildliche Disziplin der deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten ist auch in diesen schweren Tagen unter allen Umständen aufrechtzuerhalten. Wir lassen uns die Stunde des Handelns von Gegnern der Gewerkschaften nicht oorschreiben.
Berlin, den 20. Juli 1932.
Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund.
Allgemeiner Freier Angestelltenbund.
Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands.
Gesamtverband deutscher Verkehrs- und Staatsbediensteter.
Gcwerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenoerbände.
Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Deutscher Beamtenbund.
Das Echo Der Reichsexekuiive.
Berliner preffestimmen.
Berlin, 20. Juli. (TH.) Die Berliner Abendpresse nimmt zum Teil bereits ausführlich zu dem Vorgehen der Reichsregierung in Preußen Stellung. Der »Lokal anzei ger" (Hugenberg) nennt das Vorgehen einen ersten Schritt. Die Reichsregierung habe wahrhaftig lange genug gezögert und dadurch unzweifelhaft vieles so verschlimmert, daß die Heilung jetzt doppelt schwer sei. Cs sei aber selbstverständlich, daß mit der Entsetzung von zwei preußischen Ministern oder auch des gesamten Staatsministeriums nichts getan sei. Die eigentliche Arbeit folgeer st jetzt! An die Stelle der Parteimänner müßten wieder Fachleute treten. Die »K r e u z z e i t u n g", das Organ des »Stahlhelms", nennt das Vorgehen der Reichsregierung eine erlösende Tat und begrüßt die Hmsicht und Energie, mit denen die nötigen Schritte eingeleitet worden seien. Die „Deutsche Tageszeitung" (Landbund) überschreibt ihren Artikel „Jetzt durchgreifen". Bedenken föderalistischer Art gegen das Eingreifen des Reiches seien gegenstandslos, weil eine auf vorhergehende Zustände abgestellte Rotvervrd- nung solche Bedeutung und damit auch dauernde Folgen nicht haben könne. Die „D A Z." (gern. Rechte) sieht den unmittelbaren Anlaß für die Reichsexekutivn in dem bekannten Geschäftsordnungstrick der Weimarer Koalition und betont, daß die Maßnahmen der Reichsregierung auf gesetzlichem Boden stünden. Das deutsche Volk der Arbeit wünsche die radikaleBeendigung des Bürgerkrieges. Wenn Severing nur der Gewalt weiche, so sei auch das schon dagewesen. Als die preußischen Truppen 1848 unten Generalfeldmarschall von Wrangel wieder in Berlin einrückten, trat dem Alten der Kommandeur der Dürgerwehr entgegen und erklärte, er weiche nur der Gewalt. Wrangel erwiderte ruhig: „Ra, beim weichen Se man, hier ist die Gewalt!"
Das „DerlinerTageblatt(Dem.) spricht von einem halb verbrecherischen Spiel, das die Reichsregicrung begonnen habe. Die Hebereinstimmung zwischen der Begründung der Reichsregierung und den Argumenten der Rationalsozialisten und Deutschnationalen ^gehe bis zur Angleichung in der Formulierung. Das Blatt bestreitet mit aller Entschiedenheit, daß das gefährlichste verfassungsrechtliche Experiment, das je in der Republik.unternommen worden sei, notwendig war.
Die „V o s s i s ch e Zeitung" (Dem.) spricht von der „Reichsexekution", die ein Schritt von unübersehbarer Tragweite sei. Die Reichsregierung habe eine Aktion begonnen, die ins Hngewisse führe. Das Vorgehen der Reichsregierung sei ein politischer Akt, aus politischen Vorbedingungen erwachsen, aus der politischen Atmosphäre unserer Tage zu verstehen. Mitten durch das deut- ■mmmaKgaji i iura
„Auster ist kein Fisch. Und dann stimmt das auch nicht ganz, was du von dem Ausbrüten sagst. Es gibt Fischweibchen, die lebendige Junge zur Welt bringen."
„Lächerlich!" *
„Gar nicht lächerlich. Ich kenne so ein Fischweib persönlich; es heißt Agathe Stübicke und hat einen Stand auf dem Wochenmarkt."
„Du bist abscheulich!"
„Aber Liebling!"
„Ach, geh' weg!"
„Ich meine es doch gut mit dir. Ich möchte dir doch bloß sagen, was dazu nötig ist, damit man schwimmen kann."
„So so! Dazu ist nötig, daß man Näheres über Agathe Stübicke erfährt, nicht wahr?"
„Das war doch nur ein Scherz. Im übrigen wiederhole ich: Du mußt intensiv wollen! Du brauchst dir bloß zu suggerieren, daß du schwimmen kannst, dann kannst du schwimmen. Sieh mal, die jungen Fische •. "
„Nun kommst du schon wieder damit. Denkst du, die jungen Fische suggerieren sich, daß sie schwimmen können? Die denken gar nicht daran. Die denken an fette Regenwürmer und an solche Sachen."
„Na ja, aber ..."
„Was denn, aber?! Die jungen Fische haben keine Ahnung von Suggestion, sage ich dir. Wie kommst du bloß auf solchen Unsinn?! Nächstens erzählst du mir noch, die Fische halten spiritistische Säancen ab."
„Aber davon spreche ich doch gar nicht." „Natürlich sprichst du davon."
„Nun sei doch mal vernünftig, Lili. Du sagtest doch, du möchtest gern schwimmen, nicht wahr ..."
„Ja, und da lenktest du ab und kamst mir damit, daß die Fische Geister beschwören können."
„Aber daran ist doch kein Wort wahr, Lili."
„Ist es auch nicht! Ich freue mich bloß, daß bu das jetzt einsiehst. Schwimmen ist wahnsinnig schwer."
„Schwimmen ist eine Kleinigkeit."
„Denkst du! Marlene in Binz hängt schon seit sechs Wochen an der Angel und kann es immer noch nicht."
„Weil Marlene keinen Willen hat."
„Ja, und weil sie nicht weiß, daß Kabeljaus den Geist Napoleons zitieren können, nicht wahr?"
„Wer behauptet denn so was?"
„Du behauptest es."
„Dummes Zeug! Ich behaupte nur, daß die Fische schwimmen können."
„Guck mal an! Das ist ja eine große Neuigkeit."
sche Volk gingen die Trennungsgräben. In verschiedene Lager geteilt ständen sich die Volksgenossen feindlich gegenüber. Heber ihnen sollte die Reichsregierung ein einigendes Band darstellen. Statt Lessen habe sie sich veranlaßt gesehen, bei einer bestimmten Parteigruppierung Stütze und Rückhalt zu suchen.
Der „Deutsch e“ (Christi. Gewerksch.) überschreibt seinen Kommentar..ein gefährlicher Weg" und sagt: Daß Üie Gewerkschaften dieser Entwicklung mit stärkstem Mißtrauen gegenüberstehen müssen, darüber ist wohl kein Wort zu verlieren. Denn die dunklen Kräfte, die jetzt immer stärkeren Einfluß zu gewinnen suchen, sind Feinde der Gewerkschaften und der ganzen Sozialpolitik.
Stimmen ans dem Reich.
Köln, 21.Juli (CNB. Funkspruch.) Die „Kölnische Zeitung" betont, daß unter allen Umständen versucht werden muß, die Krise auf einem Wege zu lösen, der wieder in normale Wege zurückführe, und nicht im Bürgerkrieg münde. Die Reichsregierung täte gut daran, die Reichstagswahl in aller Freiheit stattfinden zu lassen und sich allen Einflüssen zu widersetzen, die auf eine Verhinderung der zum 31. Juli angesetzten Wahl abzielen. Gelinge es, die politischen Leidenschaften in Ruhe und Ordnung auf einen friedlichen Kampf mit dem Stimmzettel abzuleiten, dann könne der 31. Juli eine Wende zur Besserung bedeuten. Alle diejenigen, denen die Nation höher stehe als die Partei, müßten das Ihrige dazu tun, um den Staat aus der Krise herauszuführen. — Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" weist auf die Schwere des Schrittes und die Gefahren des Verfalls der Reichseinheit. Peinlich werde der schwarz-roten Koalition sein, wenn jetzt der Trick der geänderten Geschäftsordnung u n - wirksam würde. Die schwerste Verantwortung aber liegt jetzt bei dem Zentrum und den Nationalsozialisten. Ihre gemeinsame Arbeit könnte heute wahrscheinlich allein Preußen und damit Deutschland retten.
Der Dresdner nationalsozialistische „Freiheitskampf" erklärt: Es geht jetzt darum, die letzte Bastion des Marxismus endlich zu zertrümmern, damit die Bahn für den durch die Preußenwahl bekundeten Willen des Volkes frei gemacht wird. Vom Erfolg der Aktion des Reiches wird es abhängen, welche Stellung die Nationalsozialisten weiterhin zur Regierung von Papen einnehmen werden. Sollte der Versuch gemacht werden, wiederum eine Länderfront gegen das Reich zu bilden, dann wird man die Nationalsozialisten in Front zur Verteidigung der Reichseinheit finden. Wir warnen in letzter Stunde alle Bürgerkriegshetzer, Rotmordkommandos und aufsässigen Länderminister. — Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" schreibt, die Minister, die ohne Parla-
„Jch meine, die jungen Fische können schwimmen ... rein aus Naturtrieb, aus Ueberzeugung, aus Willen." \
„Aber manchmal gehn sie auch unter und er!- trinken."
„Das ist nicht wahr."
„Das ist doch wahr. Mir hat es ein alter Fischer erzählt."
„Der muß ja schön besoffen gewesen sein."
„Er war ganz nüchtern, bitte sehr! Er ist morgens rausgefahren zum Fischen, und wie er Frühstück machen wollte, da ist ihm eine Büchse ihit Del'- farbinen über Borb gefallen. Er sagt, wie Blei ist sie weggesackt."
„Na ja! Mit bir ist ja keine ernste Unterhaltung möglich." •
„Mit bir vielleicht?"
„Allerbings."
„Ich danke schön! Seit du mir gesagt hast, ein Barsch kann Tischrücken machen und Blumen aus der Luft greifen, glaube ich dir kein Wart mehr."
„Alsa Schluß damit! ... Komm jetzt, — wir wollen uns anziehn!"
„Wieso denn?! Ich will schwimmen."
„Na, denn schwimm!"
„Wie soll ich denn schwimmen?"
„Leg' dich auf den Leib, zieh' Arme und Beine an, und bann stoß' kräftig aus."
„Unb wenn ich ertrinke?"
„Du ertrinkst nicht. Stell' bir boch mal vor, was bas Wasser alles trägt! Das Wasser trägt große Schiffe mit Tausenben von Menschen."
„Ja, aber wenn einer baoon über bie Reling fällt, unb er kann nicht schwimmen, bann geht er unter."
„Nur wenn er sich selber verloren gibt. Wenn er schwimmen will, geht er nicht unter. Fester Wille vermag alles. Fester Wille versetzt Berge."
„Das nützt einem gar nichts wenn man am Ertrinken ist."
„Natürlich nützt es einem was."
„Nein, es nützt einem nichts. Wenn ich in ber Ostsee liege, unb bas Wasser läuft mir von oben rein, bann ist es mir ganz egal, ob ich den Popo- catevetl nach Apolba versetzen kann ober nicht."
„Du bist eben entnervt, Lili."
„Was bin ich?"
„Entnervt bist bu! Du hast kein Rückgrat, du besitzt weniger Tcstkraft als ein Wasserfloh."
„Und meine Stellung in ber Preßhefefabrik?"
„Piih! Wer weiß, was bu mit dem Chef hast!"
mentsmanbat bisher in Preußen noch regiert haben, lassen bem Bolschewismus ziemlich freien Lauf. Ja, sie haben offen ober in Andeutung immer wieder z u einer Einheitsfront mit den roten Terroristen aufgerufen. Das sind Tat- fachen. Mit dem Bolschewismus gibt es kein Paktieren.
Lieberraschende Einberufung des Hessischen Landtages.
Die Nationalsozialisten beantragen Verfassungsänderung und Ausnahmezustand.
Darmstadt, 20.3uli. (1D5J1.) Das Plenum des hessischen Landtages ist auf Donnerstag kommender Woche, vormittags 11 Uhr, einberufen worden. Wenn die (Einberufung auch insbesondere mit Anträgen aufz Hilfe für die hoch- wassergeschädigten begründet ist, so ist doch e i n Hauptpunkt der Tagesordnung ein nationalsozialistischer Antrag, dem Artikel 37 der Verfassung einen Absatz 4 einzufügen, der besagt: „Das Gesamtministerium kann aus dem Staatspräsidenten allein bestehen." Die Vorschriften dieses Absatzes 4 sollen dann entsprechend auf die übrigen versassungsbestimmungen hinsichtlich der Regierung und ihrer Pflichten Anwendung finden. Auf der Tagesordnung stehen außerdem noch einige nationalsozialistische Anträge auf Verhängung des Ausnahmezustandes und auf Entlassung von Polizeioffizieren.
Nie Kabinettsumbildung in Italien.
Rom, 20. Juli. (TU.) Die grundlegenden Per- sonalveränderungen im italienischen Kabinett entsprechen, wie aus ber amtlichen Mitteilung über die Kabinettsumbildung htzpvorgeht, ber in Italien üblichen Tendenz der „W anberung ber A e m - t e r". So ist denn auch der neue Justizminister de Franeisci Rektor ber Universität Rom und der neue Kultusminister Rektor ber Universität Palermo gewesen. Die Vereinigung der beiden wichtigsten Ministerien, des Aeußeren und bes Korporationsministeriums in ber Hand Mussolinis läßt darauf schließen, daß jetzt bie; Außenpolitik wieder enger an die Innenpolitik angeschlossen werden soll. Die Uebernahme bes Außen« Ministeriums durch Mussolini deutet darauf hin, daß Mussolini darauf brähgen will, daß bie A b - rüftungstonferenj und ber wirtschaft« li ch e Wiebe raufbau Europas jetzt schneller in Gang kommen. Die Uebernahme des Außenministeriums durch Mussolini ist eine Folge ber Haltung ber übrigen europäischen Länder, die Lösung der Abrüstungsfrage und der anderen großen Fragen zu verschleppen. Der Rücktritt Grandis von diesem Posten ist keineswegs darauf zurückzuführen, daß Qrartbi in Ungnade gefallen sei, denn er hat anerkanntermaßen mit den Vertretern aller europäischen Mächte auf bestem Fuße gestanden. Dadurch, daß dieses Ministerium jetzt von Mussolini selbst übernommen wird, soll bie absolute Unabhängigkeit Italiens von dem Verhalten ber übrigen Mächte bekundet werden.
Mutmaßungen in -er (Schweiz.
Basel, 20. Juli. (ERB.) In Kreisen füh- renber Finanzleute, die mit Italien rege Beziehungen unterhalten, verlautet auf Grund von Meldungen, welche aus Mailand eingetroffen sind, daß bie Hmbildung des italienischen Kabinetts zum Teil darauf zurückzuführen ist. daß Mussolini mit bem Äusgang ber Lausanner Konferenz nicht zusrieben war. Italien habe in Lausanne einer Streichung der Reparationen zugestimmt, ja sei entschieden dafür eingetreten, ohne je* doch eine Streichung"der eigenen Schulden erhalten z u können. Weiter hätten bie Verhandlungen in Lausanne eine gewisse Reuorientierung der italienischen Politik notwendig erscheinen lassen. Verschiedene Minister, so Mosconi, sollen sich zusammen mit G r a n b i einer solchen Reuorientierung to i b e r - setzt haben, was dann dazu führte, daß ihnen bie Demission nahegelegt wurde.
„Ah, bas geht zu weit! Nimmst bu bas zurück?" „Gar nichts nehme ich zurück!"
„Schön!"
Hier geht Lili ein paar Schritte vorwärts, wirft sich mit bem Leib ber Flut entgegen, macht eine Anzahl krampfhafter Schwimmbewegungen, bekommt Wasser in bie Kehle, hustet unb spuckt, verschwindet in einer Welle, taucht wieder auf und schreit aus Leibeskräften: „Hilfe!".
Max stürzt hinter ihr her, wirft sich mit bem Leib ber Flut entgegen, macht eine Anzahl krampfhafter Schwimmbewegungen, kriegt Wasser in bie Kehle, hustet unb spuckt, verschwinbet in einer Welle, taucht roieber auf unb schreit aus Leibeskräften: „Hilfe!".
Der Babemeister bringt beibe aufs Trockene.
Max und Lili sind grün angelaufen; sie schnappen, mit keuchenden Lungen nach Luft. Nach einer Weile beginnt Lili:
„Max!".
„Was?"
„Warum hast du mich nicht rausgeholt?"
„Weil ich nicht schwimmen kann."
„Weil bu nicht schwimmen kannst, bu Trottel? Hast bu nicht gesagt, wenn man will, bann kann man schwimmen?"
„Ja, aber ich will nicht, bu Gans!"
Diese Ehe ist roieber geschieben worben.
Oer klavierspielende Hund.
Ein Wanderzirkus produzierte allabendlich einen Wunderhunb. Der Hund konnte nicht, wie andere Wunderhunde, rechnen, lesen, Saltos schlagen usw., sondern er konnte Klavier spielen. Mit seinen beiden Vorderpfoten brachte er es fertig, einen vierstimmigen Satz auf dem Klavier zu spielen. Es war rätselhaft. Das Wunder dieses Hundes wurde aber eines Abends während der Vorstellung durch ein noch größeres Wunder übertroffen. Der Hund sah auf bem Klaviersessel und hieb mit den Tatzen auf die Tasten. Da huschte eine Maus über die Bühne. Diese Störung konnte der Hund nicht vertragen. Mit einem Satz war er vom Klaviersessel herunter und hinter der Maus Her. Die Maus verschwand in den Kulissen. Der Hund auch. Und — wunderbar — das Klavier spielte weiter. Jetzt wird ber Zirkusbesitzer nicht mehr den klavierspiele-nden Hund als Attraktion herausbringen, sondern das Wunder- klaoiec, das ohne den Wunderhund spielt.


