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21.7.1932 Erstes Blatt
 
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angehörende Lehrer Krull aus Greifswald wurde mit einem Kopfschuß ins Krankenhaus ein- geliefert wo er inzwischen verstorben ist.

Bei -Zusammenstößen zwischen Nationalsoziali­sten und Anders denken den wurden heute vormittag auf dem Marktplatz in Stralsund einige Na­tionalsozialisten durch Messerstiche und Schläge schwer verletzt.

Als in Weihwasser Polizei gegen Kommu» nisten einschreiten wollte, die sich vor einem national» sozialistischen Versammlungslokal angesammelt hat­ten, sollen die Beamten aus einem Hause m i t Steinen beworfen und auch beschossen worden sein. Die Polizei feuerte bei der Säuberung der Straßen mehrere Schüsse ab. Der 30jährige kom­munistische Jugendführer K a n i tz wurde durch einen Steckschuß in den Hals so schwer verletzt, daß er bald darauf st a r b. Ein weiterer Kommunist wurde schwer verletzt.

Schießerei zwischen Kommunisten und

Polizei in Berlin. 1 Toter.

Berlin, 21. 3uli. (WTB.) Etwa 200 Kom­munisten hatten sich kurz nach Mitternacht auf dem Kottbuser Damm angesammelt. Sie hielten einen Straßenbahn wagen und einen Autobus an und zwangen dadurch die Fahrgäste zum Aussteigen. Die Kommunisten durchschnitten daraufhin den Strick zur Ober­

leitung der Straßenbahn, so daß der Wagen nicht weiterfahren konnte. Ferner ver­suchten sie, den Omnibus, dessen Scheiben sie zer­trümmert hatten, umzuwerfen. Als das Heberfallkommando erschien, flüchteten die Täter und entkamen. Die Beamten säuberten daraufhin die Gegend, wurden aber von den Kommunisten heftig beschossen. Durch die Schüsse wurde jedoch keiner der Beamten ver­letzt. Die Polizei erwiderte das Feuer. Einer der Demonstranten wurde so schwer ver­letzt, daß er bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb.

Der Zingster Amtsvorsteher ermordet

Stettin, 21.Juli. (WTB. Funkspruch.) Im Ost­seebad Zingst wurde gestern abend der dortige Amts­vorsteher K ö t h u r ermordet. Der Amtsoorsteher hatte sich zur Ueberwachung einer kom­munistischen Versammlung begeben. Als es in dieser zu Ruhestörungen karm ermahnte Köthur einen Kommunisten zur Ruhe. Bald darauf ver­ließ der Amtsvorsteher die Versammlung. Der von ihm verwarnte Kommunist verfolgte ihn und ver­setzte ihm einen Messer st ich in den Kopf.derdensofortigenTodzurFolge hatte. Der Kommunist flüchtete, konnte aber bald festgenommen werden; er weigerte sich bisher, seinen Namen zu nennen. Der ermordete Amtsvorsteher war ein ruhiger Mann und ist politisch niemals her­vorgetreten.

Der Wahlkampf am kritischen Mittwoch.

Parteiführer zu den Ereignissen in Preußen.

Berlin, 21. 3uIL (XU.) 3n einer deutsch- nationalen Wahlkundgebung in Koblenz be­schäftigte sich

Or. Hugenberg

mit den neuesten innerpolitischen Ereignissen und betonte u. a.: Es ist heute eine Prognose in Er­füllung gegangen, die ich zuweilen in Freundes­kreisen gestellt habe: Wenn einmal ein Umschwung kommen sollte, dann wird es nicht anders ab­gehen als entweder wird die preußische Negie­rung die Reichsregierung verhaften oder umge­kehrt. Es ist ein wahrer Segen, daß der Zustand endlich aufgehört hat, daß in Berlin zwei ver­schiedene große Dehördenorganisationen sich ge­wissermaßen wie zwei feindliche Staaten gegen­überstehen, daß also auf diesem Weg ein Anfang gemacht wird, den Dualismus Preußen-Reich zu beseitigen. 3ch brauche nicht zu sagen, daß wir Diese Entwicklung der Dinge begrüßen. Wenn jetzt Sozialdemokratie und Zentrum nun mordio schreien und davon reden, das sei ein Staatsstreich und eine Derfassungsverletzung, so muß ich darauf ant­worten: Nein, keineswegs, sondern das ist nur die logische Fortsetzung der Methode Brüning.

Adolf Hitler

sprach in nationalsozialistischen Kundgebungen in Kiel, Hamburg, Bremen und Lüne- burg. Er führte u. a. aus:Wir befinden uns gegenwärtig an der Wende des deutschen Schick­sals. Heute handelt es sich nicht um das Kabinett Popen, sondern heute gilt der Auf: Hier Zentrum und Sozialismus und hier deutscher Nationalso­zialismus. Das sind die beiden Weltanschauun­gen, die miteinander ringen. Wenn unsere Gegner erklären, die Nationalsozialisten wollten keine andere Partei neben sich dulden, so haben sie Recht. Wir wollen, daß Deutschland endlich von dem Fluch der dreißig Parteien erlöst wird. Werm nationale Politiker mir entgegenhalten, daß ich auch vordenbürgerlichen Parteien nichtHaltmachenwolle.so sage ich ihnen: Dor denen erst recht nicht." Die Regierung Papen fei eine außerordentlich milde Regierung, obwohl jetzt endlich ein Anfang gemacht sei mit dem Durchgreifen. Aber die Herrschaften würden sich wundern, was ihrer harre im kommenden Dritten Reich, denn nicht beglichen sei die Rechnung über alles Elend seiner Kameraden, nicht beglichen auch die Rechnung der Marxisten, die Millionen deutscher Menschen von ihren Ar­beitsplätzen verdrängtem Die Nationalsozialisten seien die einzigen, die an den Handlungen v. Pa- pens Kritik üben dürften. Wer 100 Milliarden zahlen wollte, könne sich nicht über 3 Milliarden ereifern. Aber auch diese 3 Milliarden würden nicht realisiert werden, ©ie würden es nicht, weil die nationalsozialistische Bewegung im Anmarsch sei. Don den Nationalsozialisten sei der Welt kein Zweifel daran gelassen worden, daß es m i t dem Tage ihres Sieges mit dem Erfüllen vvrbei sei.

Nr. Brüning

sprach in Kundgebungen der Bayerischen Volks­partei in Augsburg und in München. Er betonte: Die Entwicklung in Preußen müsse große Sorge bereiten. Seines Erachtens seien die Vorbe­dingungen für die Einsetzung eines Reichskommis­sars in Preußen nicht gegeben. Es bestehe die große Sorge, daß man vielleicht durch alle diese Dinge immer_ weitergetrieben werde. Man werde viel­leicht über die Ziele, die man sich gesetzt habe, automatisch hinausgetrieben. Wenn man Koalitionen oder Regierungen wechseln wolle, so solle man das im richtigen Augenblick tun. Nichts hätte daran gehindert, daß in Preußen schon ein Kabinett der Rechten mit der Zentrumspartei be­stünde, allerdings unter der Voraussetzung, das ein verfafiungstreuer Ministerpräsident an der Spitze gestanden hätte, denn ohne diese Bedingung geye das Zentrum keine Koalition ein. Es fei anders gekommen, weil man nicht ab warten wollte. Es komme der Tag, wo er es nicht mehr vor seinem Gewissen verantworten könne, über die Vorgänge der letzten Wochen zu schweigen. Er spreche bislang nicht darüber, weil er die Autorität retten wolle, aber man solle nicht glauben, daß es möglich sei, in Deutschland eine freie Meinungsbildung zu un­terdrücken. Den ihm bereiteten Empfang werte er als Zustimmung zu der Polittk, die bis vor weni­gen Wochen unter schwierigsten Umständen getrie- 6en wurde. Diese Politik habe seit 1930 durchge­führt werden können ohne Belagerungszustand, ohne daß Generäle in die Politik einzugreifen brauchten, ohne daß In wenigen Wochen hundert Tote in politischen Kämpfen auf der Straße lagen. Reichskanzler a. N. Nr. Marx führte in Königsberg aus: Die Maßnahmen der Reichsregierung find Eingriffe in die preußische Ver­fassung, geaen die man die allergrößten Bedenken äußern muß. Ich verhehle nicht meine Empfindung, daß durch das Vorgehen der Reichsregierung gegen die Sozialdemokraten ein festerer Zusammenschluß

der sozialistisch Gesinnten, namentlich der Arbeiter­schaft, herbeigeführt werden muß. Seit jeher war es Ziel der Zentrumspolitik, die Sozialdemokraten mög­lichst von den Kommuni ft'e n z u lösen und zu einer wirklich staatserhaltenden Partei zu machen, sie zu veranlassen, mit Staatspolitik zu treiben. Die Sozialdemokratie ist von ihrem früheren Radikalis- mus sehr weit zurückgekommen. Sie hat in anerkannt vernünftiger Weise Staatspolitik getrieben, und nach meiner Meinung ist es sehr zu bedauern daß durch die Entwicklung der letzten Wochen sie ohne Zweifel wieder zu radikaler Einstellung veranlaßt werden wird.

Abg. Ningeldey

sprach in einer Kundgebung der Deutschen Volks­partei in Osnabrück. Er kam einleitend auf die Geschehnisse in Preußen zu sprechen. Die letzten Wahlen hätten den eindeutigen Beweis erbracht, daß die Regierung der schwarz-roten Koalition nicht mehr dem Willen der Mehrheit entspreche. Damit sei der Augenblick für die bisherigen Machthaber bekom­men, mit Würde abzutreten und die Opposition an die Macht zu lassen. In zielbewußtem Zusammenspiel hätten die bisherigen'Koalitionsgenossen das zu ver­hindern gewußt. Der Vorwurf sei insbesondere dem Zentrum zu machen, in dessen Macht es gelegen hätte, diese Entwicklung zu verhindern.

Aus aller Well.

Glückwunschtelegramm Hindenburgs an Liebermann.

Der Herr Reichspräsident hat an den berühmten Maler Professor Max Liebermann zu dessen 8 5. Geburtstag ein herzliches Glückwunsch­telegramm gerichtet.

Zwei Studenten im Gebirge verunglückt.

Nach einer Meldung aus Mauthen (Kärnten) sind die Studenten Iiretz und Pauli, die im Cellon- Gailthal vermißt wurden, tot aufgefunden worden. Ihre Leichen wurden nach Mauthen gebracht.

Verheerende Vlihschläge.

Der Blitz hat im Nahe-Hunsrückgebiet an verschiedenen Stellen Unheil angerichtet. 3n Kempfeld schlug er in das 3agdschloh Haniel, das schnell ein Raub der Flammen wurde. Das wertvolle Mobiliar wurde vernichtet. Der 3agdhüter Göbel, der mit seiner Familie in dem Schloß wohnte, konnte mit knapper Not das nackte Leben retten. 3n Losheim wurde ein auf dem Felde arbeitender Landwirt vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Eigenartigerweise wurde um dieselbe Zeit an einer entfernten Stelle bei Wahlen die Frau dieses Landwirtes ebenfalls von einem Blitz getroffen und gelähmt.

Explosion in einer französischen Pulverfabrik. Zwei lote, ein Schwerverletzter.

In einer Pulverfabrik in Le Tcgnpes ereignete sich aus bisher unbekannten Gründen eine schwere Explosion, als einige Arbeiter unter Leitung eines Artilleriehauptmanns mit der Entladung eines Geschosses beschäftigt waren. Zwei der Ar­beiter wurden auf der Stelle getötet, Während der Hauptmann schwere Verletzungen davontrug. Am Aufkommen des Hauptmanns zweifelt man.

Sprengunglück in einem Sleinbruch: ein Toter, zwei Verletzte.

3m Steinbruch der Ortschaft Oberaudorf in Bayern ereignete sich ein schweres Spreng- un glück, das e in To d e s o p f er und z wei Verletzte forderte. Als vier Arbeiter mit dem Sprengen von Gesteinsmafsen beschäftigt waren, ging plötzlich ein Schuh vorzeitig los, und mehrere in der Nähe stehende Arbeiter wurden schwer ge­troffen. Ein 20jähriger junger Mann war sofort tot. Ein Hilfsarbeiter trug so schwere Verletzungen am Kopf und am Brustkorb davon, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein weite­rer Arbeiter wurde leicht verletzt.

Grohfeuer in einer französischen Spinnerei.

In Mouoille bei Rouen brach in einer Spinnerei Feuer aus. 17 000 Ballen Seinen verbrannten, lieber die Hälfte der Fabrikanlagen ist v o l l k o m » men in Asche gelegt worden. Der Sachschaden beläuft sich auf über 5 Millionen Franken.

Wettervoraussage.

Die im Norden einsetzende Störungstätigkeit ent­faltet ihren Einfluß weiter südwärts, so daß der hohe Druck, der sich mit über Deutschland erstreckt, mehr und mehr verdrängt wird. Infolgedessen nimmt aud) sein Einfluß auf unsere Wetterlage weiter ab, und durch den Störungseinfluß gelangen verschieden­artige teils wärmere, teils kühlere Luftmassen nacb dem Festlande, die zu wolkigem Wetter führen uno Anlaß zu einzelnen Niederschlägen geben. Die Tem­peraturen werden durch den Wechsel in der Luftzu­fuhr Schwankungen, jedoch nicht von stärkerer Art, unterworfen fein.

Aussichten für Freitag: Mehr wech­selnd wolkig, auch kurz aufheiternd, Tempera­turen schwankend und etwas kühler, einzelne leichte Niederschläge.

Die Vertagung der Abrüstungskonferenz.

Nie Abrüstungsentschließung.

Genf, 20. Juli. (WTB.) Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz trat zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, um einen Bericht des tschecho - slowakischen Außenministers Dr. Be­nes ch über den Entschließungsentwurf, mit dem die jetzige Tagung abgeschlossen werden oll, entgegenzunehmen. Der Text ist inzwischen ämtlichen Delegationen zugegangen. Die Entschlie- jung beginnt mit einer allgemeinen Einleitung, in der es u. a. heißt:

Die Stunde sei für alle Nationen gekommen, um Maßnahmen hinsichtlich der Abrüstung zu ergrei­fen, damit der Weltfriede gefestigt, die Wirtschaft wieder hergestellt und die drückenden Finanzlasten von den Schultern der Völker genommen werden. Die Konferenz hält daran fest, daß sie die Aufgabe hat, eine erftcn entscheidenden Schritt, der eine substantielle Herabsetzung der Rüstung mit sich bringt, zu vollziehen. Weiter wird die Ini­tiative Hoovers, dessen Vorschlag darauf abzielt, die gesamten Rüstungen um ein Drittel herabzusetzen, begrüßt.

Zum Schluß heißt es: Die Konferenz beschließt einmütig: Es wird eine substantielle Herabsetzung der Weltrüstungen vollzogen werden mittels einer allgemeinen Konvention, die sich auf die ßanbrüftungen, Seerüstungen und die Luft­rüstungen erstreckt. Ein wesentliches Ziel, das es zu erreichen gilt, ist die Herabsetzung der Singriffsmittel. Die Konferenz beschließt, ohne daß spätere weitergehende Vereinbarungen da- durch präjudiziert würden, schon jetzt b e stimmte konkrete Abrüstungsmaßnah- m e n, die in die abzuschließende allgemeine Ab­rüstungskonvention aufgenommen werden. Sie beschließt ferner, gewisse Grundsätze als Basis für neue Rüstungsherabsetzun- gen aufzustellen. Schließlich beschließt die Konfe­renz, das Verfahren festzustellen, das not­wendig ist, um die Arbeiten der Konferenz aktiv fortzusetzen.

Bezüglich der ßuftrü ft ungen heißt es in der Entschließung: 1. 3eder Luftangriff gegen öle Zivilbevölkerung wird uneinge­schränkt verboten. 2. Die vertragschließenden Mächte verpflichten sich gegenseitig, j e d e s L u f t- bornbardernent abzuschaffen. Außer­dem werden die Zivilflugzeuge, deren Merkmale die festgesetzten Grenzen übersteigen würden, einem internationalen Re­gime unterworfen werden, das geeignet ist, den unzulässigen Gebrauch dieser Flugzeuge wirksam zu verhindern.

Auf dem Gebiete der ßanbrüftungen wird die Einheitshöchsttonnage der Kampfwagen begrenzt werden. Heber die schwere Artillerie, die augenblicklich noch Gegenstand von Verhandlungen ist, enthält die Resolution eine Lücke, die noch ausgefüllt werden soll. Heber den chemischen und bak­teriologischen Krieg sowie die Flammen­werfer heißt es, daß diese Kriegsarten unter bestimmten Bedingungen verböte n'werden.

Bezüglich der Seerüstungsfragen schlägt die Resolution vor, daß der Hooverplan und die anderen der Konferenz eingereichten Vorschläge von den Signatarstaaten der Washingtoner und Londoner Flottenverträge in der Zwischenzeit zum Gegenstand von Verhandlungen gemacht wer­den. Die anderen Seemächte werden aufgefordert, das Maß der Seerüstungsbegren- zung bekannt zu geben, das sie unter Berücksichtigung der Washingtoner und Londoner Verträge annehmen könnten. Das Bureau soll das Ergebnis der diesbezüglichen Verhandlungen der Seemächte zusammenfassen zwecks Eingliede­rung in den allgemeinen Abrüstungsvertrag.

Zum Schluß wird den Regierenden empfohlen, das von der letzten Völkerbundsversammlung be­schlossene Rüstungsfeierjahr über den 1. November hinaus um 4 Monate z u ver­

längern. Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß bis zur Wiederaufnahme der Kon- ferenzarbeiten und während der zweiten Phase der Konferenz keine Regierung Maßnahmen er­greift, die geeignet wären, die Vorbereitung der Allgemeinen Abrüstungskonferenz zu kompromit­tieren. Das Bureau der Konferenz soll in der zweiten Hälfte des Monats September zusammen treten. Für den Wiederzusam­mentritt der Volkskonferenz wird fein bestimmtes Datum genannt, sondern lediglich fest­gestellt, daß die Einberufung innerhalb von vier Monaten nach dem Zusammentritt des Bureaus erfolgen werde.

Nie Aussprache.

Litwinow wird der Mund verboten.

3n einer einstündigen Rede begründete Be­ne sch seinen Vorschlag, den er selbst als ein Kompromiß bezeichnete. Die vorgeschlagenen Qlb- rüstungsmahnahmen bedeuteten die ersten entschei­denden Entschlüsse und damit einen wesent­lichen Teil des kommenden allge­meinen Abrüstungsabkommens. Der Vorschlag gäbe die allgemeine Auffassung über die gegenwärtig möglichen Abrüstungsmaßnahmen wieder und bedeutete ein Glaubensbekenntnis der Abrüstungskonferenz.

Hierauf kam es zu einem Zusammenstoß zwi­schen dem Präsidenten Henderson und dem russischen Auhenkommisfar Litwinow. Auf die Erklärung öe£ Präsidenten Henderson hin, daß die Verhandlungen durch Beschränkung der Rede­zeit und Verzicht auf Zusahanträge abge­kürzt werden könnten, erklärte Litwinow, daß seit Wochen und Monaten ununterbrochen die Ver­handlungen nur zwis chen einigen we­nigen Abordnungen geführt würden und den anderen erfaubt worden sei, abzuwarten. Er behalte sich daher vor, in längeren grund­sätzlichen Ausführungen zu dem Vorschlag Stel­lung zu nehmen. Henderson unterbrach die Aus­führungen Litwinows in einem ungewöhnlich scharfen Ton und verbot ihm, derartige Aus­führungen zu machen.

Dem amerikanischen Botschafter G i b s o n wurde sodann als einzigem gestattet, eine Erklärung über die Stellungnahme der amerikanischen Re­gierung zu der Vertagungsentschliehung abzu­geben. Die Ausführungen Gibsons, die nach all­gemeinem Eindruck bereits stark unter dem Zeichen der Propaganda für d ie be­vorstehende amerikanische Präsi­dentenwahl standen, besagten, die Entschlie­ßung enthalte das Höch st maß des Er­reichbaren und gehe von dem Vorschlag des Präsidenten Hoover aus, der der gesamten Ab­rüstungskonferenz das große Ziel gesetzt habe. Die amerikanische Delegation stimme der Reso­lution zu. Der Vorsitzende vertagte die Aus­sprache auf Donnerstag 15 Hhr.

Deutschland fordert grundsäüliche Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung. Genf, 20. 3n(i. (IM.) Botschafter 71 ab o tn n hat dem französischen Ministerpräsidenten herriot einen schriftlich formulierten Zusahantrag der deutschen Abordnung zu der von den vier Großmächten am Dienstag ausgearbeiteten Verta­gungsentschließung überreicht. In dem deutschen An­trag wird die grundsätzliche Forderung auf Anerkennung der deutschen Gleich­berechtigung in der Abrüstangsfrage erhoben, herriot hat sich die Stellungnahme zu diesem deutschen Antrag vorbehalten. Der deutsche Antrag ist gleichfalls den übrigen Mächten zur Kennt­nisnahme übermittelt worden.

Aus der Provinziathauptstadt.

Gießen, den 21. 3uli 1932.

Der letzte Schultag.

Wenn auch die Schulzeit seit den Pfingstferien nicht sehr lange war, so ist doch die Freude über den Schulschluß vor den Sommerferien besonders groß, denn wenn auch die Schule im Winter und Herbst eine ganz nette Einrichtung ist, will sie doch bei köstlichem Sommerwetter gar nicht behagen. Jeder hat tausend Dinge, die er lieber tun möchte, als auf der harten Schulbank sitzen, in der Mittags- Hitze nach Hause trotten und dann noch die Schul­ausgaben machen. Ein Ausflug in den Wald, schwimmen, rudern, Tennis spielen, im Garten sich sonnen, das alles sind Dinge, die wirklich viel, viel interessanter sind als die Schlacht bei Marathon und die chemischen Formeln. Nur ganz wenige gibt es, die so gern lernen, daß ihnen eigentlich auch die Sommerferien nur eine unliebsame Unter» brechung sind. Die meisten sind von Herzen froh, wenn sie das Schulhaus nicht von innen sehen müssen.

Nun sind einige Wachen ganz der Freiheit ge­widmet! O was hat man lange vorher für Pläne aemacht, einen immer schöner als den andern. So schön, daß sie gar nicht wirklich sein und werden können. Nun sollen die Bücher aber auch die gan­zen Wochen nicht angesehen werden, schwört man­cher, und das ist sicherlich ein Schwur, den die mei­sten treulich halten. Mancher strenge Vater wird freilich der Meinung sein, daß etliche Lücken jetzt auszufüllen wären; er macht den Vorschlag, täglich wenigstens eine Stunde dem Wiederholen zu wid­men, aber er sollte einmal an seine eigene Ferien­zeit denken. Eine solche Pflichtstunde kann die gan­zen Ferien verderben. Pädagogischer ist der Vater schon, wenn er von solcher regelmäßigen Arbeit nichts verlauten läßt, sondern lieber, wenn Regen­tage kommen und doch weiter nichts unternommen wird und das Kind sich zu langweilen beginnt, mit dem Vorschlag herausrückt, daß man ganz gut etwas wiederholen könnte ... Aber im allgemeinen sollten die Eltern, wenn nicht zwingende Gründe oorliegen, ihrem Kinde die Ferienfreude unge- chmälert lassen. Dolle Ferienzeit ist ja etwas so eltenes im Leben. Wenn man erst im Beruf steht, ind die Ferientage karg bemessen und meist gehen auch noch irgendwelche Gedanken, Pläne und Sor­gen mit hinein. Für die Erwachsenen gibt es nur selten einen Lehrer, der ihnen die Tür in die Frei» heit aufmacht und freundlich sagt: Und nun ver­gnügte Ferien! Besonders heute sind die beruflichen

Sorgen zu groß, als daß man sich ungetrübte Ferien gönnen könnte. Das Reisen, das sonst im­mer eine gute Ausspannung bedeutete, ist vielen unmöglich gemacht, und es ist erfahrungsgemäß nicht ganz leicht, sich in der gewohnten Umgebung so ganz umzustellen, daß man zu seiner vollen Er­holung kommt. Aber wenn man sich etwas Mühe gibt, muß es doch gelingen.

Man darf nur nicht mit seinen Gedanken in den altgewohnten Bahnen hängenbleiben. Hat nicht jeder Mensch irgendeine Liebhaberei, die er wäh­rend der Werkelwochen beiseite tun muß, die er oft schon jahrelang vernachlässigt hat? Wie wäre es, wenn er daheimbleiben würde, um seiner Lieb­haberei zu leben? Manch einer wird entdecken, daß er, indem er hierin gewissermaßen zu seinem eigen­sten Ich zurückkehrt, eine ungeheure Bereicherung erfährt, denn man reift in das Land seiner Träume. Die Frauen sollten ihren Männern die Urlaubs« wachen mit ihrem Steckenpferde gönnen. Die Fe­rien sollen dem Spiel gehören. Auch die Erwachse- nen haben ein Recht darauf, Ferien zu hoben und im Spiel zum Kinde zu werden.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Naturwi senschaftliche Abteilung, 20.15 Uhr, Zoolo­gisches Institut, Bahnhofstraße 841, Privatdozent D. W. E. A n k e lNeue Forschungen über sexuelle Zwischenformen im Tierreich". Lichtspielhaus, BahnhofstraßeRasputin".

Die Gesellschaft ßiebigmufeum Gießen veranstaltet am Sonntag, 24. Juli, 11-15 Uhr, im ßiebigmufeum einen öffentlichen Vortrag. Geheimrat Sommer (Gießen) wird überDie Entwicklung des ßiebigmufeums von 1924 bis 1932" sprechen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige er­sichtlich.

T o n f i l mR a f p u t i n". Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, gelangt ab heute Donnerstag, der TonfilmRasputin" zur Aufführung. Der Film gibt die Geschichte desheiligen Teufels", lein Leden und sein Wirken wieder. Der Einfluß Rasputins auf die Zarenfamilie und die Frauen im allgemeinen, fein politisches Wirken und vieles andere mehr ist in dra­matischer Handlung barg erteilt, Conrad Veidt ist der Träger der Titelrolle. Näheres ist aus der heuti­gen Anzeige ersichtlich.

Gießener Wochenmarktpreise.

Gießen, 21.3uli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf^