Lindenblüte.
Don Hermann Hesse.
Jetzt blühen wahrhaftig schon die Linden wieder, und am Abend, wenn es zu dunkeln beginnt, und v?enn die schwere Arbeit getan ist, kommen die Weiber und die Jungfern daher, steigen an der Leiter in die Aeste hinauf und pflücken sich ein Körblein voll Lindenblüten. Davon machen sie späterhin, wenn jemand krank wird undAöte hat, einen heilsamen Tee. Sie haben recht; warum soll die Wärme, die Sonne, die Freude und der Duft dieser wundersamen Jahreszeit so ungenützt vergehen, warum soll nicht in Blüten oder sonstwo etwas davon verdichtet und greifbar hängen bleiben, daß wir es holen, heimtragen und später einmal in kalten und bösen Zeiten einen Trost daran haben können?
Wenn man nur von allem Schönen so einen Deutel voll aufbewahren und für bedürftige Zeiten aufsparen könnte! Freilich, es wären doch nur künstliche Blumen, mit künstlichem Duft! Alle Tage rauscht die Fülle der Welt an uns vorüber, alle Tage blühen Blumen, strahlt das Licht, lacht die Freude. Manchmal trinken wir uns daran dankbar satt, manchmal sind wir müde und verdrießlich, und mögen nichts davon wissen, immer aber umgibt uns ein Lieberfluh des Schönen, dessen wir nicht wert sind. Das ist das Herrliche an jeder Freude, daß sie unverdient kommt und niemals käuflich ist, sie ist -frei und ein Gottesgeschenk für jedermann, wie der wehende Duft der Lindenblüte. Die Weiber, die emsig in den Aesten hocken und einsammeln, die haben hernach einen Tee für Atemnot und Fieber, aber das Beste und wahrhaft Feine davon haben sie nicht. Das haben nicht einmal die sommerabendlichen, lustwandelnden Liebespaare in ihrer süßen, dumpfen Trunkenheit; aber der Wanderer hat es, der vorübergeht und tiefer atmet. Der Wanderer hat das Beste und Zarteste von allen Genüssen, weil er neben dem Schmecken auch noch das Wissen von der Flüchtigkeit aller Freuden hat. Ihn kümmert es wenig dah er nicht an jedem Börnlein trinken kann, und der Lieberfluß ist ihm gewohnt; dafür schaut er auch dem Verlorenen nicht lange nach und begehrt nicht an jedem Orte, wo es einmal gut sein war gleich Wurzeln zu schlagen. Es gibt solche Lust- reisende, die gehen Jahr für Jahr an denselben Ort, und es gibt viele, die können von keinem schönen Anblick Abschied nehmen, ohne daß sie beschließen, recht bald wieder herzukommen. Das mögen gute Leute sein, aber gute Wanderer sind
einfach gönne finanzielle Probleme Amerika in den Schoß werfen könne. Die formelle Vorbedingung für Hoovers Bemühungen, den Kongreß zur Revision der Schuldenfrage zu bestimmen, sei also, wie so oft betont, die Einigung Europas über die Reparationen, sodann individuelle Anträge auf Feststellug der Zahlungsfähigkeit des betreffenden Schuldnerstaates; sachliche Vorbedingung sei die Bereitwilligkeit, die R ü st u n- gcn herabzusetzen und die Wehretats erheblich zu beschneiden. Man nimmt an, daß Hoover in diesem Sinne gestern zu Gibson gesprochen und besonders betont habe, daß Europa auf keine Sympathie hoffen könne, solange es gewaltige Summen für Kriegsrüstung ausgebe.
Amerika warnt Herriot. Ohne Abrüstung keineSchnldcnstreichung.
c a u s a n n e, 21. Juni. (WTB. Funkspruch.) Aufsehen erregte eine gestern in den späten Abendstunden stattgcfundene Zusammenkunft zwischen herriot und dem amerikanischen Delegierten in Genf, Gibson. Sie fand in Morges unweit Lausanne statt. Dabei hat gutem vernehmen nach Gibson herriot erklärt, wenn Frankreich die amerikanischen wünsche in bezug auf die quantitative Abrüstung nicht erfülle, so könne es nicht erwarten, dah Amerika die Kriegsschulden streiche; denn die Last dieser Schulden betrage nur einen Bruchteil derjenigen der Rüstungsausgaben. Diese Erklärung ist insofern bemerkenswert, als sie zum ersten mal aus einem berufenenamerikanischenMunde in diesem Zusammenhang eine Bezugnahme auf die Rotwendigkeit ober Möglichkeit einer Kriegsschuldenstreichung enthält. Es verlautet heute morgen, dah unter Umständen herriot im Zusammenhang mit diesen gestrigen Unterhaltungen vorübergehend nach Gens fahren wird.
Schwere Ausschreitungen im Rheinland.
Köln, 21. Juni. (WTD.) In den späten Abendstunden des Montag wurde in der Rhein- igasse ein Polizeiwachtmeister von einem Trupp Kommunisten überfallen. Der Beamte erhielt einen Messerstich in den linken Llnterkiefer und wurde durch Steinwürfe verletzt, so daß er gezwungen war, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Gegen 10.33 Llhr drangen Kommunisten in ein Lokal in der Rem- brandstraße ein, bedrohten dort anwesende Rcttio- nalsozialisten und begannen, die Einrichtung zu demolieren. Das Lleberfal kommando konnte jedoch keinen Täter mehr feststellen.
In Gelsenkirchen hatten sich auf der Josefinenstraße etwa zweihundert Kommuni st en angesammelt. Als ein Angehöriger der RS DAP. mit seinem Fahrrad vorüberfuhr, wurden auf ihn mehrere Schüsse abgegeben. Beim Herannahen des Lieberfallkommandos stoben die Demonstranten nach allen Seiten auseinander. Die Täter konnten im Schutze der Dunkelheit in den benachbarten Anlagen entkommen. Der Rationalsozialist hat einen schweren Oberschenkelschuß erhalten.
In Düsseldorf wurden aus einem Hause Ecke Karl-Anton- und Kölner Straße auf eine Zivil st reife der Schutzpolizei mehrere Schüsse abgegeben. Bei der Durchsuchung des Hauses fand man in einem Koffergrammophon eine scharf geladene Pistole und zahlreiche Munition. In den späten Abendstunden kam es Ecke Eintracht- und Kölner Straße zu fchwerenZusammen stoßen zwischen Kommuni st en und der Polizei, wobei wiederum die Polizei beschossen wurde. Die Beamten erwiderten das Feuer, wobei ein Zivilist durch Kopfschuß schwer verletzt wurde.
In Erkrath bei Düsseldorf wurde ein R a- tionalsozialist von Kommunisten er- schossen, ein zweiter schwer verletzt.
Hitler beim Reichsilmenmimster.
Berlin 21. Juni. (EAB.) Wie wir erfahren, hat der Führer der RSDAP., Adolf Hitler, gestern demR'eichsinnenminister Freiherrn von Gayl einen Besuch abge stattet. Die „Deutsche Zeitung" berichtet, dah Hitler insbesondere die Vorgänge in München zur Sprache gebracht und Vorstellungen erhoben habe gegen die Richtdurchführung derpolitischenDerordnungenin den einzelnen Ländern. Eine amtliche Mitteilung war nicht zu erhalten.
Auf einer Amtswaltertagung des Gaues Thüringen der RSDAP. führte Hitler, der auf der Reise von Hessen nach Berlin in Weimar abgestiegen war, in einer kurzen Ansprache u. a. aus: Er werde in eine Koalition hineingehen unter der Voraussetzung, daß sie nicht die Politik des überwundenen Deutschlands, sondern die des kommenden Deutschlands betreiben wird. Wenn das nicht möglich sei, dann würden die Rationalsozialisten lieber mit 200 Marrn in Opposition stehen, als 30 Ministerposten besitzen.
Oie AGOAp im Bayrischen Landtag.
München, 21. Juni. (WTB. Funkspruch.) Im Aeltestenrat des Bayerischen Landtags gab heute der nationalsozialistische Abg. Buttmann eine Erklärung ab, in der u. a. behauptet wird, daß d i e amtliche Niederschrift der Landtags- sitzung vom 7. Juni, in der der Ausschluß sämtlicher nationalsozialistischer Abgeordneter wegen des Tragend der Parteiuniform erfolgte, auf Veranlassung des Präsidenten gefälscht worden sei. In der Erklärung wird verlangt, daß der Landtagspräsident zunächst die Führung der Geschäfte niederlege. Die nationalsozialistische Fraktion werde sich an Beratungen unter dem Vorsitz des Präsidenten nicht beteiligen, solange nicht eine Klärung dieser Angelegenheit erfolgt sei.
Oas Landvolk lehnt die Beteiligung an einer bürgerlichen Einheitspartei ab
Berlin, 21.Juni. (CNB. Funkspruch.) Der Parteiführer der Landvolkpartei hat an Geheimrat Wildhagen, über dessen Bemühungen um die Gründung einer Einheitspartei der bürgerlichen Mitte bereits berichtet wurde, folgendes Telegramm gerichtet als Antwort auf eine Aufforderung Wildhagens, sich an einer solchen Gründung zu beteiligen: „Das deutsche Landvolk ist in klarer Erkenntnis der Notwendigkeit nationaler Sammlung seinerseits entschlossen, einen Verlust nationaler Wählerstimmen bei den bevorstehenden Wahlen unter allen Umständen zu verhüten, sieht aber in einer Neugründung nach den bisherigen Erfahrungen nicht das geeignete Mittel zur Erreichung dieses Zieles."
Die gewerkschastlichenSpitzenver- bä'nde gegen die Notverordnung.
Berlin, 20. Juni. (TU.) Die gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen, nämlich ADGB., Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften, Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter- und Angestelltenoerbände, AfA-Bund, ADBB. (Allgemeiner deutscher Beamtenbund) und Gesamtoerband deutscher Verkehrs- und Staatsbediensteter, stellen in einer Erklärung fest, daß die in der Notverordnung enthaltenen A b b a u m a ß n a h m e n und Neubela st ungen die schlimmsten Befürchtungen, die die deutsche Arbeitnehmerschaft auf Grund der programmatischen Erklärung der Reichsregierung hegen mußte, weit übertreffen. Damit hat sie den Kampf ausgenommen gegen die sozialen Einrichtungen des Staates dem sie als „so ziale Wohlfahrtsanstalt" bezeichnet hat. Dieser An- grif muß von den Gewerkschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamten als eine Herausforderung empfunden und mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Die unter größten Opfern von den Arbeitnehmern aufgebauten sozialen Versiche- rungseinrid)tungen sind in ihren Grundlagen bedroht. Die Arbeitslosenversicherung ist praktisch beseitig t. Die Arbeitslosen werden
rücksichtslos der „Armenpflege" überlassen. Die steuerlichen Neubelastungen sind vornehmlich den leistungsschwachen Schichten auferlegt.
Kein Arbeitsbeschaffungsplan, auch sonst kein aufbauender, in die Zukunft weisender Gedanke, der eine Besserung der furchtbaren Wirtschaftslage und ein Ende der immer fortschreitenden Verelendung des Volks erhoffen läßt, ist zu erkennen.
Die Gewerkschaften wissen, daß die Not der Zeit Opfer fordert. Aber sie verlangen im Geist wahrer Volksgemeinschaft eine sozial gerechte Verteilung unvermei dbarer Lasten. Ein Staat, der sich in erster Linie zum Schutze des Besitzes bereitfindet, verkennt seine vornehmste nationale Aufgabe.
Aus aller Well.
Der Sput auf dem Brocken.
Unter starkem Andrang des Publikums von Nah und Fern fand in der Nacht vom Samstag zum Sonntag auf dem Brocken die vielbesprochene schwarze Messe der englischen „Gesellschaft für psychisch e Erforschung" statt. Es handelt sich darum, daß auf Grund eines alten magischen Manuskripts ein Ziegenbock in einen Jüngling verwandelt werden sollte. In der Begleitung des Leiters des englischen Landeslaboratoriums Mr. Price waren bereits am Freitagnachmittaa Mr. Ioad, Professor der Universität London, ferner Mr. Dribel, Mitglied des Aufsichtsrates des englischen Instituts für psychologische Forschung, sowie Miß Gordon, die im magischen Kreis aktiv beteiligte junge Dame, und eine Anzahl interessierter Herren und Damen der englischen Gesellschaft auf dem Brocken eingetroffen. Ebenso hatte sich eine Anzahl von deutschen, englischen und amerikanischen Pressevertretern eingefunden. Der Vollmond hatte sich jedoch hinter Wolken verkrochen, so daß ein Scheinwerfer vom Brockengasthaus den Teilnehmern zum Schauplatz des Versuchs leuchten mußte. Dort, dicht hinter dem Brocken- bahnhof, hatten sich die Fllmleute bereits aufgestellt, die beim grellen Licht der Magnesiumfackeln die Vorgänge im magischen Kreis mit ihren Apparaten zum Tonfilm einfingen.
„Wo ist Kassel?" fragte Mr. Price und suchte das magische Dreieck mit seiner elektrischen Taschenlampe ab. Die Jungfrau betrat den Kreis, der Ziegen- bock wurde hineingeführt. Dann verband man ihm die Augen, weil er sich vor dem angezündeten, im Sturmwind fauchenden Tannenholzfeuer fürchtete. Mr. Price begann darauf mit dem Gemurmel der Zauberformel. Der Weihrauch brannte vorschriftsmäßig 15 Minuten. Dann bekam die Jungfrau eine große blecherne Wasserkanne in die Hand. Sie sollte das Tannenfeuer auslöschen. Den armen Ziegenbock begoß man dann mit rotem Wein und beschmierte ihn mit der Fledermaussalbe. Nun sollte sich eigentlich nach dem Zauberbuch in der Gegend von Kassel ein großes Licht zei - gen. Das geschah aber nicht. Dann wurde bersal- benbeschmierte und weinübergossene Ziegenbock m i t dem weißen Laken verhüllt. Mr. Price zählte auf englisch bis zehn. Auf zehn riß die Jung, frau das Laken hoch. Unter dem Gelächter der Zu- Hörer stand da noch immerdasZiegenböck- ch e n und meckerte ängstlich ...
Boolsunglück auf dem Rheinersee.
Ruf der Mitte des Rheinersees (Ostpreußen) kenterte infolge Schaukelns eines der sechs Insassen das Motorboot des Justiz- obersekretärs Maschlanka aus Rhein auf der Heimfahrt von einem Ausflug. Maschlanka, der Kaufmann Podb'.edski aus Rhmn und «ine Guts- besiherstochter aus Steinwalde ertranken. Die übrigen Fahrgäste konnten sich an das Doot klammern und wurden gerettet.
Slraßenbahnzusammenstoh in Stuttgart.
Während eines Regengusses, der mit großer Heftigkeit über der -Stadt niederging, fuhr in der Bahnhofstraße «ine Straßenbahn auf «in« vor ihr fahrende auf. Die stark besetzten Plattformen wurden e i n° gedrückt und ungefähr 15 Personen mehr oder minder schwer verletzt.
Aus der provinziathauptttadi.
Gießen, den 21. Juni 1932.
Goll man Kindern Schokolade geben?
Don Or. med. Ernst Schlohmann.
Man hört immer wieder von besonders pädagogisch interessierten Eltern die stolze Aeußerung, daß sie ihren Kindern keine Schokolade geben. Ist das richtig?
Woraus besteht denn Schokolade? Hauptsächlich aus der Kakaobohne, und diese wiederum enthält viel Eiweiß, Fett und Stärke. Des bitteren Geschmackes der Kakaobohne wegen wird noch reichlich Zucker hinzugefügt. Also, wie ohne weiteres ein- leuchtet, es sind alle Ernährungsstoffe beisammen, die in der Ernährung des Menschen und auch des Kindes eine wichtige und unersetzliche Rolle spielen: Eiweiß, Fett und Kohlehydrate.
Dazu kommen aber noch zwei sehr wichtige Ge- sichtspunkte. Einmal ist die Schokolade ein Genuß, mittel, und zweitens hat sie einen sehr hohen Sättigungswert. Was bebeutet dies? Betrachten wir in diesem Zusammenhänge die Wirkung von Schokolade auf den Magensaft. Während des Essens, bei der Verdauung, ja, oft schon beim bloßen Anblick appetiterregender Speisen sondert der Magen Magensaft ab, der viel Säure enthalt Je reichlicher und leichter der Magensaft und gleichzeitig mit ihm im Verlause des Darms noch andere Verdauungs- säfte abgesondert werden, desto reibungsloser geht die Verarbeitung des Essens vor sich, desto besser werden aber auch die Nahrungsstoffe ausgenutzt. Alle sog. „Genußmittel" regen auf diese Weise den „21 p« petit" an, indem sie die Absonderung von Magensaft begünstigen. Die Schokolade gehört bei uns in erster Linie zu ihnen. Besonders gehört sie zu den wenigen Genußmitteln, die wir auch Kindern ohne Schaden geben können. Daß es falsch ist gegen den Wert der sog. Genußmittel in der Ernäyrung Stellung zu nhmen, geht aus dem Obengesagten ohne weiteres hervor.
So sehen wir, daß Schokolade ein kalorienreiches Nahrungsmittel ist, das obendrein noch die Verarbeitung der Nahrungsstoffe recht günstig beeinflußt. Zudem — und daher kommt ivohl die üble Beleumundung der Schokolade — verschafft lie ein hohes Sättigungsgefühl, da sie sich lange im Magen aufhält. Daher soll man Kindern natürlich nicht vor irgendeiner anderen Mahlzeit zum Ueberfluß Scho- kolade geben, denn bann „verlegt sie tatsächlich ben Appetit". Anberseits ist diese Eigenschaft aber gerade bann wünschenswert, wenn man zum Beispiel auf der Reise ober auf Fußwanderungen für lange Zeit Vorsorgen will, während der man feine richtige Mahlzeit zu sich nehmen kann. Hier ist Schokolade die ideale Speise. Sie ersetzt ihrem Nährwert nach eine volle Mahlzeit, schafft das Gefühl der Sättigung, und dadurch erfrischt sie zugleich. Denn die mit dem Magensaft abgesonderte Säure wird dem frei- senden Blute entzogen, und diese überschüssige Säure ist es vor allem, die ein Gefühl von Ermüdung verursacht. Dadurch aber, daß die Schokolade lange im Magen verharrt und dem Magensaft Arbeit verursacht, kann auch sobald kein Gefühl von Hunger aufkommen.
Zur richtigen Zeit gegeben, ist also die schmack- hafte, appetitanregende Schokolade ein durchaus begrüßenswerter Bestandteil und wünschenswertes Hilfsmittel der Kinderernährung. Ihre leichte Ver- packbarkeit und Fähigkeit, wenig Raum einzunehmen, wird sie gerade in der Reisezeit zu einer beliebten Ergänzung der Nahrung von Kindern und Erwachsenen machen.
Geheimerat Or. Llsinger f.
Der frühere Provinzialdirektor von Oberhesien und Rheinhessen, Geheimerat Dr. Karl llsinger, ist — wie gestern schon kurz berichtet — am Sonn- tag in Mainz nach längerer Krankheit gestorben. Geheimerat Dr. llsinger war geborener Mainzer. Nach dem Abschluß seiner Studien wurde er im Jahre 1891 als Regierungsassessor dem Kreisamt in Mainz zugeteilt. Im Jahre 1893 kam er als Kreisamtmann nach Groß-Gerau, 1894 wurde er in gleicher Eigenschaft wieder nach Mainz berufen. 1898 kam er als ständiger Hilfsarbeiter in das Mi- nifterium des Innern nach Darmstadt, wo er 1899 den Titel Regierungsrat erhielt. 1901 wurde er zum Oberregierungsrat und 1902 zum Vortragenden Rat
sie nicht. Sie haben etwas von der dumpfen Trun- kenheit der Liebesleute und etwas von dem sorg» Uchen Sammlersinn der Lindenblütenpflückerinnen. Aber den Wandersinn haben sie nicht, den stillen ernstfröhlichen, immer abschiednehmenden.
Hier ist gestern einer durchgewandert, ein reisender Handwerksbursche, der grüßte in seiner fröhlichen Bettlerfreiheit die Sammler und Bewohner auf eine fpottifdje Art. Er nahm an der großen Linde, die voller Weibsleute war, die Leiter weg und ging davon, und obwohl ich selber den Frauen die Leiter wieder hingetragen und ihr Schmähen besänftigt habe, hat der Streich mich doch gefreut.
O ihr Wanderburschen, ihr fröhlichen Leichtfüße, jebem von euch, auch wenn ich ihm einen Fünfer ^schenkt habe, sehe ich wie einem König nach, mit Hochachtung, Bewunberung unb Reib Jeber von euch, auch der Verlottertste, hat eine unsichtbare Krone auf, jeber von euch ist ein Glücklicher unb ein Eroberer. Auch ich bin euresgleichen gewesen unb roeifj, wie Wanberschast in der Frernbe schmeckt Sie chmeckt, trotz Heimweh unb Mangel unb Unsicherheit, aar süß.
Lind immerzu strömt der innigsüße Duft aus den alten Baumen den Weg entlang durch den lauen Sommerabend. Kinder singen unten am Strande und spielen mit Windmühlen aus rotem und gelbem Papier. Liebespaare spazieren langsam und lässig an den Hecken hin. und durch den rotgoldenen Staub der Straße surren Bienen und Hummeln in verzückten Kreisen und mit goldenem Getane.
«^ohrlich, ich beneide die Liebespaare an den Hecken nicht um ihre süße dumpfe Trunkenheit o wenig ich die spielenden Kinder um ihre rechen- uHustslose Seligkeit beneide oder die schwärmenden Dienen um ihren taumelnden Flug. Rur die Wanderburschen beneide ich. Die haben den Duft und die Dlüte von allem.
Roch einmal jung, unwissend, ungebunden frech und neugierig in die Welt hinein zu laufen, hungrige Kirschenmahlzeiten am Straßenrand: zu halten und bei den Kreuzwegen das rechts oder links an t«n Rockknöpfen abzuzählen! Roch einmal kurze laue duftende Sommernächte unterwegs im Heu verschlafen, noch einmal eine Wanderzeit in Harm- ^ser Eintracht mit den Vögeln des Waldes mit den Eidechsen und Käfern leben! Das wäre wohl einen Sommer und ein Paar neue Stiefelsohlen wert! Aber es kann nicht sein. Es haf keinen Wert die alten Lieder zu singen, den alten Wanderstab zu schwingen, die alten, lieben, staubigen Straßen $u gehen und sich einzubilden, man sei nun wieder jung und alles sei, wie es damals war.
Einbruch wegen eines Bades.
Ein luftiges Stückchen, das aber für die Helden °U9H h"ben sich vier junge Pariser mpn (w. fi r. , - ein Bad zumh^
men. S,e „borgten" sich zu diesem Zwecke einen Am^l! fUAren m,t 'hm nach Enghien-les Sains. . Ufcr des Sees angekommen, sahen sie sich nach einem passenden Ort um, an dem sie ihre Kleber taffen konnten. Sie fanden in der Nähe eine hübsche ff "İwohnt war, und erzwangen sich d?n M ?fnbem & einr9e Lenster eingedrückt hat- n sie zu ihrer Babegarberobe ober 100^61^ sie im Wasser waren, erschien plötzlich ber Eigentümer bes Hauses, unb ba er' bie Beschch bigung bemerkte nahm er bie Kleiber ber jungen £eute und brachte sie nach dem nächsten Polizei-
Rein, das ist vorbei. Richt daß ich alt oder ein Philister geworden wäre! Ach, ich bin vielleicht törichter und zügelloser als je, und zwischen mir und den klugen Leuten und ihren Geschäften ist noch immer kein Verständnis und kein Bündnis aufgekommen. Ich höre auch immer noch, wie in den drängendsten Jünglingszeiten, die Stimme des Lebens in mir rufen und mahnen, und ich habe nicht im Sinn, ihr ungetreu zu werden. Aber mehr zu Wanderschaft und Freundschaft und zu Zechgelag mit Fackeln und Gesang, sondern sie ist leise und dringlich geworden und fuhrt mich immer einsamer«, dunklere, stillere Wege von denen ich noch nicht weiß, ob sie in Lust oder in Leide enden sollen, die ich aber gehen will und gehen muh.
Ich hatte mir als junger Mensch das Mannesalter ganz anders vorgestellt. Run ist es auch « tlnt ^Barten, Fragen und LInruhigsein, mehr Sehnsucht als Erfüllung. Die Lindenblüten duften und Wanderburschen, Sammolweiber, Kin- der und L'.ebesvaare scheinen alle einem Gesetz Zu «ehorchen unb wohl zu wissen, was sie zu tun
£ ?Ur xd) nicht, was ich zu tun habe. 3d) weiß nur: weder die rechenschaftslose Seligkeit der.spulenden Kinder, noch das gleichgültige Vorubergehen der Wanderer, weder die dumpfe Trunkenheit der Liebesleute, noch der sorgliche Dlütenpflückerinnen ist mir E>c- sch.eden. Deschieden ist mir, der Stimme des Le- ln mir ruft, ihr zu folgen auch wenn ich ihren Sinn und ihr Ziel nicht zu erkennen vermag und auch wenn sie mich 5™^ von der fröhlichen Straße hinweg i-n das Dunkle und Llngewiffe führen will. a
Revier. Ein Schutzmann wurde an ber Tür ber D'lla aufgestellt, unb als bie vier Sabefreubigen, triefenb von Wasser, erschienen, um sich ihre Handtücher und Kleider zu holen, wurden sie unsanft gepackt und gezwungen, in dem Aufzuge, in dem sie sich befanden, durch die belebten Straßen von Enghien zu marschieren, zum Gaudium der Zuschauer. Unterdessen hatte der Polizei-Inspektor in Der Tasche eines Anzuges einen Fahrerschein gefunden, der zeigte, daß der Kraftwagen von einem Hotel in den Champs-Elysses gestohlen worden war, und so endete der Badeausflug mit der Verhaftung der vier Kumpane.
Großmütterchens Zliegerglück.
In der Rähe von Berlin, dm Müggelsee, liegt £>er „Do X". Der „Do X“ hat viel Geld gekostet er verschlingt in der Stunde 1700 Liter Benzin und ist überhaupt eine kostspielige Angelegenheit. Lim das Sommerprogramm durchführen zu können, hat man die Jnnenräume des Flugbootes freigegeben. Die Besichtigung kostet 50 Pfennig und wider alles Erwarten wurde die Freigabe zum guten Geschäft. Dem 100 OOOften Besucher versprach Kapitän Christiansen, kurz „Krischan" genannt, einen Freiflug über Berlin. Als es an die 100 000 ging, erhob sich eine gewaltige Aufregung: wer wird der Glückliche sein? Aber es war keiner der modischen H«rren, die mit ihrer Limousine herbeigeeilt waren, es war keines der in einen chicen Badeanzug gehüllten Mädchen, es war ganz jemand anderes: nämlich ein 67jähriges Großmütterchen, die auf ihre alten Tage nun noch einmal sich Berlin von oben an- fohen soll. Vorläufig allerdings hat sie beschlossen, die ganze Angelegenheit erst einmal zu beschlafen Die Luft hat bekanntlich keine Balken.
Apfel-Wettstatistil.
Einer amerikanischen Statistik, die sich mit de« Menge der Apfelbäume auf der Welt beschäftiat rst zu entnehmen, daß es 415 Millionen Apfel- b?ume auf der Welt geben soll, unb daß diese 'Ehrlich eine Menge von 550 Millionen Scheffeln Jepfel tragen. Davon kommen nach diesen ^ti^ungen 35 Proz auf die Vereinigten Staaten, 12 5 Proz. auf Frankreich, 9 Proz. auf Me ©otojetunion 8 Proz. auf Deutschland, 5,5 Proz. auf Polen. 2,5 Proz. auf die Schweiz. V 3
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Symphoniekonze Das Dationals Symphonie ° Oi sich aus 75 Künstlern Leitung des bekam Adam konzertiert, i um 21 Lhr in der Do jert geben, das sicherst feier Stabt unb bei Mkshalle führen to fonbetö in den Sire fept ist, hat nach de feinen bisherigen ®i freundliche Aufnahn ben zählenden Zuhö ging hat es sich zur - Programm festgehall
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