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21.6.1932 Erstes Blatt
 
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Br. U5 Erstes Blatt

Dienstag, 2|. Juni 1952

182. Jahrgang

gr. ffi. 2an#t

icigf, daß die Länder solche Transfer» nur bl» jn einer gewissen eng gezogenen Grenze ohne Gegen­leistung erlauben wollen, und daß bei Bezahlung in Gold die Wirkung verhängnisvoll sei.

Da» zweite Argument Herriot» scheine an sich richtig. Der youngplan gebe Frankreich einen we­sentlichen Ilcberschuh über seine Schuldenzahlung an Amerika. L» sei jedoch zu bemerken, dafz Frank­reich einen sehr wesentlichen velrag zur wiederher st ellung seiner zerstör- tcn Gebiete bereit» erhalten habe, völ­lige Schuldenannullierung belasse aus England» Schultern eine ebenso schwere Last wie aus denen der vereinigten Staaten. Loyton schließt: die Be- rechnungen über die von jedem einzelnen gebrachten Opfer sind aber tatsächlich von geringer Bedeutung, vernünftige Erwägung heißt, daß alle B e I ei­lig. I c n Vorteile haben würden, wennder Schmutz der Krieg»schuldenzahlungen" beseitigt und da» Terrain geebnet werden könnte für den wleoeraufbau de» internationalen handel».

lhd>echs«ib,j gen über den Er- n Aktien der ®c|, wn nach 3nfot.

don der M estehenden Dre-z. -lt geführt. Diese ärteresDvrstch« -ofischen Drudp.- eck ist, zu verhin- 'enpaket von ®d- ekonntlich.kontrvi' ucht nur die M ienbelrieb, Düffel' ! Stahltoerke-AS. schlüsfen sind die >gt.

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Delegation damit gedroht habe, noch am 'Abend au» Lausanne abzureisen: um die Fä­den wieder anzuknüpsen, hab« Herriot eine nächt­liche Unterredung mit Macdonald gehabt. "Echo de Pari s" berichtet, Herriot entdecke, dal; er mit seinem Freunde Macdonald in der Reparationssrage nicht m c & r einig sei. $cr- riot täte aber Unrecht, wenn er jetzt locker liehe. Figaro" spricht von einem ernften Zu - sammenstoß, e» sei jedoch schwer, Genauere- darüber zu erfahren.

.Journal" berichtet über eine nächtliche Unterredung zwischen Herriot und Macdonald, es unterliege keinem Zweifel, daß die Engländer von der Haltung Herriots überrascht worden seien, und dah sich ihrer eine gewisse Erregung betnächtigt habe, weil die Franzosen die Reparations- frage wieder hervorholten, während die Engländer glaubten, dah sie durch die Erklä­rung der Mächte vom Freitag völlig eins seien. Es werde sogar behauptet, dah die englische

London, 21. Juni. fwTB. Funkspruch.) 3n New» Lhronicle schreibt Sir Walter Laylon: herriot hat zwei bekannte Argumente gegen eine völlige Be­seitigung der deutschen Reparationen vorgebrachl. Das erste lautet, dah bei völliger Beteiligung aller Kriegsschulden Deutschland ein st a r k e r industrieller Konkurrent sein wird. Das zweite Argument ist, dah eine solche Politik Frankreich ein gröhere» Opfer aus- erlegen würde als irgendeiner anderen euro­päischen Macht.

Demgegenüber führt Laylon au», herriot habe e» unterlassen, auf den Punkt einzugehen, dah Re­parationszahlungen auf die Dauer nur in Gü­tern geleistet werden können. Ls sei somit klar, dah irgendwelche deutschen Reparationen nur durch Erhöhung der deutschen Aus­fuhr über die Einfuhr zu bezahlen seien, das heiht, durch ein Gröher - und nicht durch ein G e r i n g e r w e r d e n der deut­schen Konkurrenz. Die Erfahrung habe ge-

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Warum bleibtAmerika abwartend?

Hoover fordert Bereitwilligkeit Europas zur Herabsetzung der Rüstungen und Kürzung der Wehretats.

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Geltendmachung und "Bekundung niedrigster menschlicher Leidenschaften schützt, dann ist das ihre Sache. (Jeder, der mit offenen "Augen inS Leben schaut, weih es. Aber dieser Prozeß ist mehr, und man wird ihn aufmerksam bis zu seinem Ende verfolgen müssen. Denn er hat einen ebenso wichtigen politischen wie auch wirt­schaftlichen Hintergrund. Was bis jetzt fchon durch den Geheimrat Earo über d i e Trans­aktionen der Tschechen Petscheck in Deutschland enthüllt worden ist, dürste genü­gen, um die Staatsanwaltschaft zu zwingen, von sich aus ein Ermittlungsverfahren gegen diesen famosen Herrn, dem heute di« besten deutschen "Braunkohlengruben unterstehen und dem Zehn­tausend« deutscher Arbeitereristenzen in die Hand gegeben sind, eiiuuteiten. Aus welchen Motiven heraus diele Enthüllungen gemacht werden, kann uns kalt lassen. Wenn nämlich aus dieser schmutzi­gen Privataffäre ein Prvzeh sich entwickelt und es hat allen Anschein der sich mit dem Wirtschafts.genie" Ignatz Petschek beschäftigt, dann kann das uns nur recht sein. Immer wieder hat die verantwortungsbewußte deutsche Presse "Beranlassung gehabt, gegen die Transaktionen Petlcheks in Deutschland anzugehen, ohne dah ein Erfolg zu verzeichnen war. Hier aber hat ein Eingeweihter es satt bekommen, sich als Freiwild betrachten zu lassen. "Beiden Herren wird es sicher nicht gan) wohl sein, und vielleicht wird Herr Caro in d.elen Tagen ein wenig über den Sinn des Satzes nachgedacht haben, den der grohe Razarener in dem berühmten Gespräch einst seinem Aamensvetter Ricodemus gewidmet hat: Der Wind Mäft. wo er will, und du hörest sein Sausen wohl: aber du weiht nicht, von wannen er kommt, und wohin er fäfyrl

. Sie vollkom chon den Heuliga erte, übertrug ublikumsseile lager fufotion blieb wei aus Neuyork gt schwächere Ler> Einfluß auf die s. Gegenüber Örn geringfügige Ber­ge, die zur istoiie- gehüiien. (Simas und M.-Farben, ben, dagegen lonr- its am Sormittog ng des Kurse- fort- ). gewinnen, pür Interesse. Nachlnn enannt wurde, tai (plus i v.h.j je

k t herrschte Er- inderungen hieltm ach beiden Seit«, wurden gegenüber im i v. h- h°drr 38,13, Neichsbonk elsenkirchen

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Dr. Fnedr. Wilh. Lang«. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biehen.

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Layton widerlegt Herriot

Was der Franzose vergessen hat.

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Juni.

22. Suni.

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W a s h i n g t o n, 20. Juni. WTB.) Die von über 50 führenden amerikanischen Finanz- und Wirt- schaftsvertretern auf eine Rundfrage Butlers ge­äußerte Ueberzeugung, dah die geplante inter­nationale W i r t s ch a f t s k o n f e r e n z von vornherein zum Scheitern verurteilt fei, falls nicht entgegen der von Stimson am 31. Mai verkündeten Bedingungen die Frage der Reparationen, der Kriegsschulden und der Zollsätze auf die Tagesordnung gesetzt würden, begegnet in amt­lichen Streifen einem bedauerlichen Achselzucken. Man befindet sich zur Zeit in einem Schwebezustand, bis die Wahlen im November gezeigt haben werden, welchen Kurs die Wähler wünschen, d. h. wen sie ins Parlament entsenden. In diesem Zustand der Ungewißheit ist die Regierung nicht frei in ihren Entschlüssen, sondern muh sich an die ihr vom gegenwärtigen Kongreh vorgeschriebcne Marschroute halten.

Hoover ist bekanntlich ein Anhänger des Schutzzolls!) st ems für grohe anein- andergrenzende Gebiete und oei folgt daher mit Interesse und Sympathie das Bestreben der Donaustaaten sowie Luxemburgs, Belgiens und Hollands nach geschlossenen Zollgebieten. In der

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Kritischer Punkt in Lausanne.

Völlig ergebnisloserVerlaufderprivatenAesprechungen.-OiebeidenFrontentretenscharfheraus

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die Befriedigung kleinerer spezieller Wünsche der Tochter bei.

Auch Dater Petschek ließ sich's etwas kosten', eine sogeistige" Schwiegertochter bekommen zu haben. Aber es ging eben auf die Dauer nicht. Die Tempe­ramente paßten nicht zueinander. Hatten in den Flitterwochen der jungen Leute die beiden alten Herren die gerührtesten Tischreden aufeinander ge­halten, aus denen heroorging, daß sie sich mit zu den größten Leuten des Jahrhunderts rechneten, so begannen, als die ersten Scheidungsgerüchte im Fa­milienkreise auftauchten, ihre herzlichen Beziehungen ebenso rasch an Innigkeit zu verlieren. Ganz auf Eis gelegt wurden die Beziehungen, als es a n d i c Regelung der finanziellen Angelegen, beiten ging. Sie, die vorher mit Zigtausend-Mark Nadelgeld nur so herumgeworfcn hatten, rechneten plötzlich mit Pfennigen. Man stritt sich, man pro- zcssierte. Das Gedächtnis ließ die Herrschaften im Stich. Der Multimillionär Petschek konnte sich nicht mehr erinnern, je eine Mitgift von 400 000 RM. erhalten zu haben. Herr Caro beschwor das. Als man ihn nach der Quittung fragte, war sie verloren- gegangen. Der tschechische Emporkömmling sah seine Chance. Er hat sie wahrgcnommen, und das Ergeb­nis ist die Meineidsklage gegen Caro, die jetzt in Moabit den Gegenstand des Prozesses bildet und bei dessen noch monatelang währender Dauer die gesamte schmutzige Wäsche der beiden Familien gewaschen werden soll.

Eigentlich ginge das nun die Oesfentlichkeil nichts an. Wenn die Leute das Bedürfnis haben, aller Welt zu zeigen, dah auch noch so viel Pinke nicht ein Quentchen wahres und echtes Glücksgefühl verschaffen kann, wenn sie der Auf- fa'sung sein sollten, daß sie der Welt zeigen müßten, daß selbst, das Geld nicht vor der

größte lebende deutsche Dirigent, seinen »schlich­ten Abschied". So scheint es, daß der verschmähte T o s c a n i n i aus einmal wieder gut genug scheint, in die peinlich empfundene "Bresche zu springen, und daß Toscanini, von seinem deutschen Nebenbuhler befreit, jetzt unter Auf­sicht von Frau Wagner eine kompakte Reurege- lung in "Bayreuth vornehmen wird....

Gegenwärtig rollt in Moabit vor einer Berliner Strafkammer der Prozeß gegen den Geheimen Re­gierungsrat Professor Dr. Nicodemus Caro ab. Im Hintergrund taucht der wenig sympathische und charakteristische Kops des tschechischen Kohlenkomgs Ignatz Petschek auf, ein Prozeß also, der in der Creme" der Berliner Gesellschaft spielt. Staunend hört die große Dcffentlidjteit Details aus dem Le­ben dieser reichen und feinen Leute, daß wie der Berliner sich ausbrürft einem die spucke wegbleibt. Was haben Caro und Petschek mitein- ander zu tun? Einen Augenblick nur!

Nicodemus Caro und Ignatz Petschek |int> sozu- sagen geschiedene Schwiegervater. Derachen" die Tochter des Geheimrats und eine durch und durchgeistige" Frau, heiratete den Sohn des Herrn Petschek, einen durch und durch materialistisch" eingestellten jungen Mann. Man sollte meinen, daß nach dem alten Grund atz Gegensätze ziehen sich an", diese Ehe sehr glücklich geworden wäre, zumal die finanzielle Untermaue­rung des Haushaltes des jungen Paares nach bür­gerlichen Begriffen all gesichert angesehen werden mußte. Eine Mitgift von 4 00 00 0 Mar. brachte Dera mit, außerdem erhielt sie ein anstan- diges Nadelgeld von mehreren tausend Mark im Monat und 'schließlich steuerte der Dater alle Vier- teljahr lumpige dreißigtaufend Mark und so für

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Frankreich besteht auf Beibehaltung der Tribute.

(Snglnnb, Italien und Tentschland fordern sofortige nnb vollsttindi- e Streichung.

Lausanne, 20. Juni. (TU.) Nach Mitteilung von unterrichteter Seite sind in den privaten Be­sprechungen am Montag die Gegensätze in der Tributfrage in aller Schärfe zutagegetreten. Die Verhandlungen sind völlig ergebnislos ge- wesen. Herriot hat Macdonald mitgeteilt, daß Frank­reich auf einer Beibehaltung der Repa­rationen bestehen müsse, wenn es auch eine wesentliche Herabsetzung und Hinaus­schiebung der Reparationszahlungen ohne jede neue förmliche Anerkennung zuzugestehen bereit sei. Die englische Regierung vertritt dagegen wie bis­her den Standpunkt der unbedingten Notwen­digkeit einer vollständigen Streichung der Reparationen als Boraussetzung für die Ueberroinbung der Wirtschaftskrise und ersten Schritt für die Gesamtlosung der internationalen Schulden­frage. Es besteht somit jetzt auf der Tributkonferenz auf der einen Seite die völlig übereinstimmende Haltung Englands, Italiens und Deutschlands, die sofortige und vollständige Streichung fordert, wäh­rend Frankreich am Tributsystem festhält.

Die französischen Mitteilungen über den franzö- fischen Standpunkt in der Tributfrage werden von deutscher Seite auf das Nachdrücklich st e abgelehnt. Besonders wendet man sich deutscher­seits grundsätzlich dagegen, die Tributfrage in der gegenwärtig außerordentlich ernsten Lage der Welt­wirtschaft als eine reine finanzielle Frage zu behandeln, wie dies Herriot in seiner Erklärung vor der französischen Presse getan hat. Die deutsche Auffassung stützt sich auf die sich immer breiter fest- setzende Ueberzeugung der gesamten Weltöffentlich­keit, daß ohne eine sofortige Streichung der Tribute an eine Wiederherstellung des von allen Seiten geforderten Vertrauens und Wiederbelebung der Wirtschaft nicht zu denken sei und die Tributfrage als eine internationale Frage jetzt endgültig g e I ö ft werden müsse.

pariser Kommentare.

Frankreich fordert einenpauschalen Nebcrschutz".

Paris, 21.Juni. (WTB. Funkspruch.) Zur Lage in Lausanne schreibtMatin", wenn Frank­reich zur Liquidierung der Reparationen einen pauschalen Ucberschuß durch Der- pfändung von Reichsbahnobligatio­nen verlange, so verlange es ihn nicht allein für sich, sondern für alle europäischen Gläubiger und sogar für amerikanische Gläu­biger. Dieser pauschale Ueberschuß müßte nach dem französischen Plan der Internationalen Zahlungsbank ausgehändigt werden, die ihn nach dem Verhältnis des Hoovermoratoriums ve r t e i I c n würde, d. h. zwei Drittel an Amerika zur Liquidierung feiner Gläubigeran­sprüche an Europa und nur ein Drittel an Europa, in das sich Frankreich, England, Ita- lien Belgien und Südslawien nach dem Spaer Verteilungsschlüssel zu teilen hätten. Ueber die Modalitäten dieser Regelung, über die Garantien ujw. könne man diskutieren. Aber die französische Delegation scheine fest entschlossen zu sein, über ben Grundstock nicht mitjid) reden zu lassen und nicht unter eine Mindestziffer her- unterzugehen.

In Bayreuth beginnt es wieder einmal zu kriseln. Seit dem Tode Siegfried Wagners, der als Letzter sozusagen erblich berufen war, Richard Wagners Lebenswerk als Bühneneinrichter fort- zufetzen, ist so etwas ähnliches wie eine Dia- dochenherrschaft in d e r Festspielhalle ausgebrochen. Einerseits vertritt Siegfried Wagners Witwe, Frau W i n i f r e d, die Interessen des nun- mehr fast ausgestorbenen Hauses Wahnfried, an­dererseits beanspruchen die musikalischen Leiter der Festspiele eine immer größere hmft- lerische und auch szenische Unabhängigkeit vom Hause Wagner. Die Folgen sind dann jene unlös­lichen Konflikte, die in regelmäßigen Abstanden seit zwei Jahren der geordneten Abwicklung der Fest­spiele als größeres Hindernis im Wege stehen, als finanzielle Not und zurückgehende Anteilnahme der musikalischen Welt.

Wenn aber vollends auch zwischen den ver­schiedenen Dirigenten, die der Sache dienen sollen, Einstimmigkeiten und Reibereien entstehen, dann folgt daraus entweder eine Brüskierung samt- kicher Mitwirkenden, oder ein allgemeines Wirr- war. Man erinnert sich noch, wie der Konflikt zwischen Wagners musikalischen Sachwaltern Furtwängler und Toscanini wahrend der Festspiele des vorigen Jahres zu einer über­stürzten Abreise des berühmten italienischen Mei­sters und zu allseitigen Racheschwüren führte... Drüben, in Amerika, erzählte Toscanini verbit­tert. nie würde er wieder seinen Fuß ins Haus Wahnfried setzen er verlasse Bayreuth mit einem Gefühl des Ekels. Diesseits des Großen Ozeans gelobte Frau Winifred Wagner Furt­wängler in die Hand, man wurde sich nie wieder mit Toscanini einlassen. Ihr diesbezüglicher Brief an den Maestro wurde von dem Italiener un­eröffnet zurück geschickt. Alnt> nun trifft auf einmal die Nachricht ein, daß Furtwängler in Bayreuth kaltgestellt worden sei, daß darüberhinaus Tos­canini die alleinige Oberherrschaft über die Feft- aufführungen übertragen worden sei, (d>licnn$ daß Toscanini feine überaus freundliche Zustim­mung gegeben habe. ___ ...

Sonderbar, höchst sonderbar.... Aber diese my­steriöse Angelegenheit hat ihre Hintergründe, die in neuerlichen Meinungsverschiedenheiten zwi­schen Siegfried Wagners Witwe und Furtwäng­ler zu suchen sind. Frau Wagner nämlich war der Meinung, sie habe, genau wie ihr verstorvencr Gatte, ein entscheidendes Wort nicht nur bei der Inszenierung, sondern auch bei Der musikalischen Einstudierung mitzu- reden. Furtwängler sträubte sich gegen dieses Beto-Recht, wie man wohl verstehen kann - er sah wohl ein. daß bei solchen Auseinandersetzun­gen Jahrhundert gegen Jahrhundert ste en wur^. musikalischer Geist gegen Familientraditlon. kun't- lerische Praxis gegenüber fektiercrischem Eigen­sinn. Er lehnte daher eine solche Arbeitsbasis rundweg ab und deutete an, dah er, sollte <5rau Wagner ihre Ansprüche weiterhin aufrechterhat- ten, es für richtiger hielte, zurückzutreten, Frau Wagner jede Form von Kompromiß jedoch schroff ab lernte, nahm Furtwängler, nebcnbeigqagt der

Landnöten.

Mit einer Heftigkeit, die viel zu heftig ist, um nach Staatspolitik aussehen äu können, versucht die aeschäftssührende bayerische Regierung, der Reichsregierung Schwierigkeiten zu machen. Bach außen wirkt es jedenfalls nicht besonders freundlich, daß die süddeutschen Länder unter der Führung Bayerns buchstäblich aus der Reihe tanzen. Das Ausland kennt die innerdeutschen Berhältnisse viel zu wenig, um sich ein Bild dar­über machen zu können, daß es nicht sowohl die Länder selbst sind, die aus der Reihe tanzen, als vielmehr die süddeutscheZentrums- Partei, deren Führer auf Grund der parlamen­tarischen Machtvcrhältnisfe zufällig auch die Staats- oder Ministerpräsidenten sind. Die Baye­rische Bolkspartei ist schließlich heute auch nichts mehr oder weniger als wie eine süddeutsche Zen­trumsgruppe, denn die 1919 vollzogene Trennung vom Zentrum hatte zwar sachliche, aber auch sehr viel persönliche Gründe. Run ist die Bayerische Bolkspartei gewiß nicht Bayern der geschäfts- führende bayerische Ministerpräsident Dr. Held, der auch der Führer der Bayerischen Bolkspartei hinter den Kulissen ist, sicher nicht berechtigt, im Rainen Bayerns der Reichsregierung gegenüber aufzutreten.

Daß die Bayerische Volkspartei so offen gegen die Reichsregierung rebelliert, ferner, daß ihre Der- kauensmänner in der bayerischen Regierung mit allen Mitteln der Staatsgewalt den Nationalsozia­lismus niederzuhalten suchen, erklärt sich in der Hauptsache dadurch, daß d>e Bayerische Volksvartei heute wie immer für ihre Belange fürchtet. Wenn diese Belange in Gefahr sind, d. h. die ausschlag­gebende Stellung der Bayerischen Volkspartei, so schreckt sie auch heute nicht davor zurück, wie sie es auch vor dem Kriege als Zentrumspartei immer wieder getan hat, die Volksseele zum Kochen zu bringen. Alle Mittel sind dabei recht, selbst solche, die sich mit der christlichen Grundlage des Zentrums ober der Volkspartei eigentlich nicht vertragen. Der derzeitige bayerische Ministerpräsident Dr. Held ist zufällig kein Bayer, stammt vielmehr aus Hessen, aber cs liegt ihm ganz gut, die Sonderinteressen der Bayerischen Bolkspartei als Sonderrechte der süddeutschen Länder aufzuziehen. Wenn's nur ein häuslicher Streit wäre, so roärs zu ertragen. Aber die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes muß schließlich auch von der Bayerischen Volks- partei und ihren Führern Rücksicht auf das Reich fordern, den ihr Sondertanz ist sehr wohl geeignet, das deutsche Schicksal gerade in diesen schweren Zeitläuften sehr nachteilig zu beeinflussen.

Frage der Kriegsschulden steht er auf dem Standpunkt, daß Amerika bereits den g ß - ten Teil seiner Schulden erlassen habe und daß die Länder, die Geld für gewaltige Rüstungen besitzen, auch ihre frciroiUia einge­gangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Nicht vergessen darf auch werden, daß d i c schwere Depression im Land die Bereit­willigkeit Amerikas zu eigenen Opfern nicht erhöht und daß die Stimmung überall gegen d i ein- ternationalen Bankiers", die große Mengen wertloser Papiere an die amerikanischen Sparer abgesetzt haben, jedes aktive Vorgehen her Regierung sehr erschwert. Aus allen diesen Gründen hält man den,aus Europa kommenden 'Vorschlag, die Wirtschaftskonferenz hier abzuhalten, für "gegen- roärtig kaum durchführbar.

Hoover hatte ein längeres Telefongespräch mit Botschafter Gibson in Genf, über dessen Inhalt Stillschweigen bewahrt wird. Es verlautet, daß im Weißen Haus der Ton der französischen Presse, bc- sonders in den letzten Tagen, verstimmt habe. We­nige Tage vor der Lausanner Konferenz habe Staatssekretär Stimson die fremden Diplomaten ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Europa nicht