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Aus Der Promnzialhaupistavt.
Gießen, den 21. 3uni 1932.
Sommer 1932.
Wenn die Sonne am 21. Juni um 16.23 Uhr über dem Wendekreis des Krebses steht, zieht der . eommer bei uns ein. Der Frühling mit seiner Blüten Pracht liegt dann hinter uns, und unser 1 Auge freut sich jetzt an dem reifenden Getreide, an den sich färbenden Früchten. Das Leben scheint einen besonderen Höhepunkt erklommen zu Haden. Luft, Licht und Sonne erquicken die unter den All« tagslasten (thron’ seufzende Menschheit. Der Sommer ist die Hochzeit des Jahres. Je sonnenspenden, der er ist, desto größer sind unsere Ernteerwartun« acn und desto hochgcstimmter find die Menschen. Es »st eine alte Erfahrung, daß zwischen der seelischen Wrundftimmung der Menschen und der Sonne tiefe Beziehungen bestehen, von denen sich „astrologische Weisheit" nichts träumen läßt Sonnenschein ist die Voraussetzung für eine optimistische Grund- ftimmung der Menschen. Wenn der Mensch im Somiuersonncnschein morgens erwacht, dann oei gißt er die Schwierigkeiten, die ihm am Abend noch unüberwindlich erschienen, und schöpft neuen Mm und neue Straft zu ihrer Uebcrroindung. Es laßt sich nicht mit mathematischer Sicherheit nachweisen, wie die Beziehung zwischen Wetter und Mensch ift Aber wenn wir uns einen schönen Sommertag vergegenwärtigen und ihn mit einem naßkalten verregneten Tag des Vorjahres in Beziehung setzen, so glauben wir es auch ohne diesen mathematischen Nachweis, daß z. B die Zahl der Selbstmorde in sonnenarmer Zeit viel größer ist, als in schönen Sommertagen. Der Sonnensommer ist der beste Freund der Menschen, und gerade wir, die wir ein schweres Schicksal erleben, sollten für einen Sonnen- sommer, wie der diesjährige es zu werden ver« spricht, besonders dankbar sein. Gibt uns doch seine Sonne neuen Lebensmut und neue Lebensenergien, die wir bitter nötig haben, denn die Zeiten werden noch lange ernst und schwer bleiben. Deshalb laßt uns in diesem Sommer gesund an Leib und Seele baden, laßt uns die körperlichen und geistigen Kräfte stählen, laßt uns Energien aufspeichern.
„Siel Spaß."
Wenn jemand irgendeine gesellschaftliche Ceran- ftaltung zu besuchen geben», pflegt ihm feine Umgebung in neuester Zeit beim Abschieb viel Spaß zu wünschen, unbekümmert barum, baß ber Besuch vielleicht einer ernsten Unterhaltung, einem Vortrag, einem Trauerspiel u. ä. gilt, wo man kaum Spaß, b. h. einen zum Lachen reizenden Scherz zu erwarten hat. Das italienische Zeitwort spasso heißt Belustigung. Zeitvertreib, bas Zeitwort spassarsi sich belustigen, eigentlich bem lateinischen expandere entsprechen!»- sich (behaglich) ausbreiten: unser „sich breit machen" beansprucht einen größeren Raum, als zu einem bloßen Scherz nötig wäre. Mag jeboch auch ber Wunsch „Diel Spaß!" bem Gegenstand), ber ihn bringen soll, nicht immer angemessen sein, so hat ber Ausdruck doch ben Vorzug eines Lehnwortes vor ber Formel, mit ber man vorher jemand gute Unterhaltung wünschte und auch jetzt noch wünscht: Amüsieren Sie sich gut! Viel Amüsement! Der Rasen, laut weist hier auf französischen Ursprung hin. Das französische amuser heißt eigentlich bas Maul aussperren (museau Maus wie italienisch muso), bann: bie Zeit vertrödeln. Bei uns würbe es im 17. unb 1». Jahrhunbert in ber Bebeutung auf- unb sesthaltcn gebraucht. Bei Lessing unb Wieland heißt es unterhalten, belustigen. Das Bedürfnis danach war so groß, baß man gleichzeitig auch noch bas französische Claifir entlehnte (vorn lateinischen placere gefallen). Dazu bildete man ein Beiwort pläsierlich, bas noch A Holz. Buch ber Zeit 276, von Werthers Leiben gebraucht, unb bie Zusammensetzung Pläsiersisch für Dergnügling (bei P. Heyse 1872, Kinber ber Welt, I, 2), gar nicht zu reben von bem wohl nur im Scherze geläufigen Pläsieroergnügen. Man sieht, bie Welschworter haben boch bas alte beutsche Vergnügen nicht ganz uerbrängen können.
Aber warum wünschen heute viele nicht mehr viel Vergnügen? Vergnügen kann man ja sogar bei ernster Beschäftigung ober Unterhaltung empfinden. Schiller schrieb eine Abhandlung über ben Gründ) des Vergnügens an tragischen Gegenständen. Der- g(e)nügen hieß ursprünglich soviel wie durch Ersatz zufrieden machen: das Hauptwort Vergnügen bezeichnete den Zustand völliger Befriedigung, so baß Der Hamburger Ratsherr Brockes seine Gebichte unter bem Titel „Jrbisches Vergnügen in Gott" herausgeben konnte unb noch heute jemanb in feinem Gott vergnügt sein kann — dabei pflegt er in besonders froher Stimmung zu fein, auch was diese hervorbringt, nennen wir Vergnügen. Die Mehrzahl Vergnügungen wird nur auf Veranstaltungen zum Frohsinn bezogen. Also: Diel Vergnügen! C. M.
Sollen Kinder barfuß laufen?
Die moderne Körperkultur hat es mit sich gebracht, daß bas sonst nur auf bem Canbe übliche Barsußlausen ber Kinber zur Sommerzeit seinen Einzug auch in bie Stäbte gehalten hat. Soll man bie Kinber barfuß laufen lassen, ober nicht? Aengst liche Eltern lehnen cs entsetzt ab, anbere meinen, cs gäbe nichts besseres für bie Entwicklung bes Kinbcs, als es möglichst viel unb bei jeher Gelegenheit barfuß laufen zu lassen. Der richtige Weg liegt, wie meist, in ber Mitte. Sehr zarte und anfällige Binder muß man allerdings erst auf das Barfuh- laufen trainieren, sonst erkälten sie sich doch. Allerdings wird die Gefahr der Erkältungen meist überschätzt. Im Gegenteil, der unbekleidete Fuß hat, wenn er genügend fleißig bewegt wird, eine viel ungehemmtere unb bessere Blutzirkulation, als ber in ben Schuh eingezwängte. Anbers bagegen ift es, wenn man auf kaltem Boden, vor allem auf Steinboden, barfuß längere Zeit steht ober sich nur wenig bewegt. Dann ist allerbings bie Gefahr einer Cr- lältung unleugbar vorhanden. Man kann infolgedessen den Eltern nur den Rat erteilen, je nach den Umständen zu verfahren unb bafür zu mrgen batz ihre Kinber sich, wenn sie sich barfuß in ber Wohnung aushalten, genügend) fleißig Bewegung madjen. Mit Recht weisen viele Aerzte darauf hin, daß der unbekleidete Fuß gegen ben harten Zimmer- und Psiasterboben nicht genügend) Unterstützung hat unb bei Kindern mit schlaffen Gelenken unb Bändern iniolgcbcffen durch bas Barsußlausen aus solch hartem Boben bie Gefahr einer Plattfußbildung besteht. Darum ist bei Kindern mit Neigung zur Platt« ober Knickfußbilbung bas Barfußlau en auf Holz- oder Steinboden zweifellos nicht unmfabrhd), unb sie müssen erst durch methodische Fußubungen gekräftigt werben, ehe sie es °hne Schaden o ragen. Ganz anbers ist es auf Wald« ober Wiel en« boben. Diese Böden sind weicher und elastischer, durch ihre zahlreichen Unebenheiten üben sie auf bie Fuhunterfläche einen energischen Reiz aus |o Daß sich bie Muskeln unb Sehnen kräftig zusammen- ziehen müssen. Man kann geradezu behaupten, daß das Barfuhlaufen auf solchem Naturboden em
*• Stadttheater-Personalie. Raimund Schelcher der im hiesigen Ensemble seine Büh- nentätigfeit begann und während zwei Spielzeiten dem Ensemble angehorte, wurde mit Beginn der Wintersvielzeit 1932/33 an das Neue Theater Frank- furt a. M verpflichtet.
"Neue Stark st romleitungGieße n— Wetzlar. Die Preußische Elektrizitäts-Aktien- Gesellschast baut von bem Umspannwerk Gießen ab biS zu ihrer Station Wetzlar eine neue Starkstromleitung, da bie bisherige, zum Abbruch kommenbe Leitung ben Anforderungen nicht mehr genügt. DaS Preußische Staatsministerium hat ber Preuh. <LAG. bas Recht verliehen, bas zum Dau ber Leitung erforberliche Grundeigentum, soweit eS im Kreise Wetzlar liegt, mit einer bauernden Beschränkung zu belasten ober, soweit bies nicht ausreicht, zu erwerben.
Das Jahresfest des Zweigvereins Gießen der Gu st av-Adols-Stiftung fand am Sonntag, vom herrlichsten Wetter begün stigt, nach längeren Jahren in Kirchberg bei Lollar statt. In der schon geschmückten Kirche von der die Kirchenfahne grüßte, verstand es Pfarrer Gebhard (Bieber), die Herzen für das Liebeswerk des Vereins auf Grund der Tageslofung Psalm 34, 20 warm zu machen. Der Nachmittag führte eine Diel- hundertköpfige Gemeinde, trotz bes Wahlsonntags, auf dem großen Platze vor der Kirche zusammen. Der Posaunenchor Großen-Buseck leitete bie Feier ein unb begleitete bie ©emeinbegefänge. Nach einer Anbacht von Pfarrer G e b h a r b sprach Pfarrer Becker (Gießen), der Vertrauensmann des Gustav Adolf-Vereins im Dekanat Gießen, über die A/beit desselben im allgemeinen unb besonders über'diejenige im Dekanate. Pfarrer Gebhard, der vor zehn Jahren Pfarrassistent im Kirchspiel gewesen war, knüpfte an bekannte Verhältnisse an und warb um Hilfe für seine Diafporagemeinbe Bieber. Der Ortsgeistliche, Dekan G u ß m a n n , sprach ein kurzes Dankeswort. Die Kollekte betrug 63 RM., bie ooll- ftänbig Bieber überwiesen würbe.
•• Evangelisches Jugendtreffen in A r n s b u'r g. Am 10. Juli findet für das nordwestliche Oberhesfen ein allgemeines evangelisches Jugendtreffen in Arnsburg unter Mitwirkung des ßanbcsjugenbpfarrers Lic v. b. A u unb unter Teilnahme einer Spielfchar Hohcnfolmfer Dolks- hochfchüler statt.
Slmerllamfdie Spende für ef n K-anlenhaus
0 S) u n g e n, 20. Juni, linier Krankenhaus hat nun eine Warmwasserheizung and Warmwasserbereitungsanlage erhalten. Der Deutschamerikaner Anton Weck hatte bem Krankenhaus eine Spende überwiesen, die auf solche Weise vom Kuratorium des Krankenhauses für eine wesentliche Verbesserung des De- triebs verwendet worden ist. Die Firma Kappeller unb Fehrenbach in Bellersheim hat nach dem Urteil des begutachtenden Bausachverständigen für die Anlage erstklassiges Material und saubere Arbeit geliefert.
Schlägereien in Alsfeld.
Alsfeld, 20 Juni. Am Wahlsonntag kam es gegen 18.30 Uhr in der Mamzergasje zu einer schweren Schlagerei zwischen uniformierten SA. Leuten, die ihr Standquartier im Gast haus „Mainzer Hof" aufgeschlagen hatten, und Angehörigem der Eisernen ü r o n t. Die Schlägerei nahm einen solchen Umfang an, daß die anwesende Gendarmerie unb bie stäbtische Polizei unter Zuhilfenahme des Gummiknüppels bie Kämpfenben auselnanbertrclben muhte. Verschiebene Personen trugen bei der Schlägerei nicht unerhebliche Verletzungen davon. Um weiteren Zusammenstößen vorzubeugen, wurde eine Abteilung Schutzpolizei a n g c f o r d e r t, die alsbald erschien unb in Bereitschaft gehalten wurden. Wahrend der Nacht kam es noch an verschiedenen -stellen der Stabt zu kleineren Zusammenstößen unb Schlägereien. Die Zusammenstöße werden noch ein gerichtliches Nachspiel haben.
Oas Urteil
im Diörfelöer Aufruhrprozeß.
Darmstadt. 21. Juni. (WTB.l Dor dem Darmstädter Dczirlsschöffengcricht hatten sich heute 11 Angeklagte wegen der bekann.cn BorgängeinMörseldenzu verantworten, die seinerzeit zur Besetzung des Rathauses unb zum Einsatz der P olrz e i gesuhrt hatten, wobei es nur der Besonnenheit ber Po- li»ei zu verbauten war. baß Blutvergießen ver- bindert würbe. Die Rädelsführer bes damaligen Aufruhrs ber kommunistische Abg. Hamann, würbe zu e i n c m Jahr breiMonaten und ber zweite Angeklagte, em Beigeordneter aus Mörseiben, zu 10 Monaten D^angnls verurteilt. Alle übrigen Angeklagten, darunter die ffrau des Büaermeisters. wurden wegen Teilnahme am Aufruhr unb wegen Lanblricbensbruchs zu ber Minbcststrase von 6 Monaten Ge- fängni sverurteilt.
ideales „Fußturnen" darstellt. Der Fuß krüftiat sich zusehends, und darum kann Barsußlausen auf Naturboden als eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung von Fußschäden nur empfohlen werden. Zirkus Straßburgerkommt nach Gießen
Der Zirkus Straßburger, der in den letzten Jahren in vielen europailchcn Staaten Gastspiele gab, wird — wie man uns schreibt — demnachu in unserer Stabt für einige Tage feine Zelte aufrichten. Der Zirkus hat sich im Laufe der Jahre zu einem Unternehmen entwickelt, das heute über einen eigenen Park von 100 Wagen verfugt unb 500 Tiere mit sich führt, unter denen sich allein 150 edelste Rassepferde, viele Raubtiere und eine Anzahl auserlesener exotischer Tiere befinden Das Programm des Zirkus bringt eine Fülle erstklassiger Leistun- gen zirzensischer Kunst. Klassische Pferde- und Raub- iierbreffuren, chinesische Gaukler, Fakire, Luftakte, fliegende Manschen in der Zirkuskuppel, Märchen spiele, römische Kampfspiele, die 5 Charivaris, eine Clowntruppe von originellster Komik, boxende und ringende Löwen, radsahrende unb rollschuhlau- {ende Bären, schone Eisbären, Reitertruppen aus Kaukasiens Steppe, Elksantendressuren, geschickte Jockeis, zoologische Schaustücke ersten Ranges und schließlich ukrainische Nationaltänzer und -fängcr, Rifkabylen, Neger, Marokkaner unb Araber als verwegene Springer unb Pyramidenbauer, sowie noch vieles anbere, werben bie Besucher für einige Stunben aus bas angenehmste zu unterhalten wissen. Don ber Große unb wirtschaftlichen Bebeutung bie- ses Zirkusunternehmens erhält man einen Begriff, wenn man hort, daß täglich etwa 300 Kilogramm Pferdefleisch, 1500 Kilogramm Heu, 2000 Kilogramm Stroh, 1000 Kilogramm Hafer, 300 Kilogramm Kleie, 3 Waggons Sägemehl, viel Reis, Milch, Zucker, Brot, Früchte, technische Bedarsartikel unb vieles anbere in diesem Betriebe verbraucht werden.
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Zur Verlobung des schwedischen Königs-Enkels mil der deutschen Prinzessin Sybille von Murg.
Großfeuer in Oberursel.
WSN. Oberursel (Taunus), 20. Juni. Heute morgen gegen 49 Uhr brach in der ffial lauer Mühle in Oberursel Großfeuer aus Es brannten bie Mühle und zwei Nebenge- b ä u b e. Es entwickelten sich bichte Rauchwolken über ben Gebäuden, unb einige Minuten später schlugen schon die Feuersäulen zum Himmel empor. Die Feuerwehr aus Oberursel eilte mit zwei Motorspritzen herbei, etwas spater kam bie Wehr aus Stierstabt, ebenfalls mit einer Motorsoritze. Man bekämpfte das Feuer mit drei Motorspritzen und etwa zehn Schlauchleitungen Es bauerte etwa zwei Stunden, bis bas Feuer vorläufig gelöscht war. Die Mühle ist bis auf die Mauern
Am Geburtstage des schwedischen Königs fand in Koburg bie Verlobung des künftigen Thronerben Gustav Adolf mit Prinzessin Sybille von Stoburg (Botha statt. Schweben hofft, daß die deutschblütige Braut des Erbprinzen einmal eine ebenso volkstümliche Königin sein wird, wie es die unvergessene Königin Viktoria, eine geborene Prinzessin von Baden, gewesen ist.
Vekommen wir einen heißen Sommer?
Betrachtungen eines Klimatologen zum SommerS-Ansang.
Arn Dienstag, dem 21. Juni, um 16 Uhr, erreicht in ihrer scheinbaren Jahresbahn die Sonne den nördlichsten Punkt, den Wendekreis des Krebses Wir haben den längsten Tag und bie kürzeste Nacht, der astronomisch-kalendarischc Som mer beginnt, bie sog. Hochsommerzeit, der jebermann mit der sicheren Erwartung von Wärme unb Son nenschein entgegensieht. Gerade die Monate Juli unb August, bie Zeit ber großen Ferien unb ber Ernte soll das gutmacheii, was Frühling unb Dor sommer so oft — unb auch diesmal — zu wünschen übrig gelassen haben: denn wenn wir bie ver gangenen brei Monate bei Licht besehen, so können wir nur fcftstellen, bah ber Frühling 1932 keineswegs eine aute Note oerbient hat. Er war „kaum befriebigeno"; benn wirklich frühlingshaft ift er nur einige Male unb nur für kurze Zeitspannen gewesen. Der erste Frühlingsmonat März trug biesmal, ebenso wie 1931, seinen Namen durchaus zu Unrecht: Er war ein ausHesprochener Wintermonat unb im Mittel kälter als in milben Wintern Januar ober Februar. Erft in ben letzten brei Tagen bes Monats würbe es frühlingshaft, unb biefe erste Wärmeperiobe, mit ber bie Natur erwachte, bauerte bis zum 5. April. Dann würbe es erneut nachwinterlich: lebiglich zu Beginn bes letzten Monatsbrittels unb an ben bei ben letzten 21 pr i 11 a g e n setzte sich ber Frühling roicber burch, um abermals nach ben ersten Maitagen roieber von einer Periobe sehr unfreund sicher 'Witterung abgelöft zu werben. Immerhin reichte bie kurze Wärmeperiobe um bie Aprilwenbe zur völligen Entwicklung ber Vegetation aus, wenn auch bie Blütezeit erst um bie Monatsmitte begann, als, gerabe z u Pfingsten, eine zehn Tage bauernbe Schönwetterperiobe einsetzte, bie sich frei lich sofort zu hochsommerlicher Hitze steigerte. Sie betrog uns insofern um bie schönste Zeit bes Jahres, als burch bie hohen Temperaturen bie Periobe ber Blüte auf eine einzige Woche zu - fammengebrängt würbe. 'Nachher folgte eine nur mäßig warme Regenzeit, in ber ber schon seil bem Winter bestehende 'Mangel an Bodenfeuchtigkeit durch zahlreiche und ergiebige Niederschläge ausgeglichen wurde. Auch bas erfte Iunibri11el war regnerisch unb dabei sehr kühl: erst mit bem Beginn ber zweiten Monatsdekabe trat der Vorsommer mit einer Woche heiterer und warmer Witterung wieder in seine Rechte. Alles in allem genommen ist also während bes Frühlingsvierteljahrs insgesamt nur ein Zeitraum von vier Wochen sonnig unb warm gewesen.
Wird nun der eigentliche Sommer die Hoff, nungen erfüllen, die man in diesem Jahr auf ihn setzt? Die Erwartungen sind ja diesmal dadurch besonders hoch gespannt, daß schon seit dem vergangenen Winter von den verschiedensten Seiten, von Berufenen und Unberufenen, ein warmer unb trockener Sommer angefünbigt worben ift. Ernsthaft zu werten ist hiervon im wesentlichen nur ber Versuch einer Fernprognose von Professor Baur, bem. Leiter ber Staatlichen Forschungsstelle für langfristige Wettervorhersage in Frantfurt a. M., ber aus Grunb ber seit langem von vielen Forschern nachgewiesenen Zusammenhänge zwischen ber Witteruny unb ben Sonnenflcrfen- perioben sowie aus statistischen Untersuchungen bes 'Witterungsoerlaufs innerhalb langer Zeiträume zu bem Schluß gekommen ist, baß b e r H o ch s o.m mer 193 2 trocken unb warm werben wirb. Im Anschluß boran möchten wir aber nicht unterlassen, barauf hinzuweisen, baß wir bereits vor Jahresfrist, im Juni 1931, auf Grunb ber gleichen Dorbebingungen zu bcmfelben Schluß gekommen finb. Wir hatten bamals daraus hingewiefen, daß wir sind. Wir hatten damals darauf hingewiefen, baß „wir wieder einem besonders heißen Sommer entgegengehen, ber allerdings vermutlich erst in ein bis zwei Jahren, zur Zeit des Sonnenflctfenmini« mums, zu erwarten ift". Unb über ben mutmaß lichen Charakter bes vorigen Sommers hatten wir gesagt: „Wenn man ber Vermutung Ausbruck gibt, bah ber diesjährige Hochsommer (1931), ohne so vollkommen zu verregnen wie ber vorige, sich nicht gerade durch besondere Beständigkeit auszcichnen und nur gelegentlich noch heiße Tage bringen wird, (o dürfte man der Wirklichkeit am nächsten kommen".
Dieser Versuch einer Charakteristik des vorigen Som. mers war, wie fein Verlaus bewiesen hat, vollkom« men geglückt.
Baur, und nach ihm auch Hennig stützen sich mit ihrer Voraussage für den ^Sommer 1932 auch auf ben Umftaub, baß seit s a st einem Viertel- jahrtausenb in ben letzten vier Jahren vor bem jeweiligen, im Mittel alle 11,3 Jahre eintretenden Fleckenminimum in Deutschland nie brei zu nasse Hochsommer hintereinander ausgetreten finb. Nun waren, wie man weiß, bie beiben Hochsommer 1930 unb 1931 sehr regnerisch, unb bas nächste Fleckenminimum steht für 1933 ober 1934 bevor. Baur hat somit guten Grund für die Annahme, daß ber Hochsommer 1932 nicht wieder ein ausgesprochener ’Ji egen,ommer werden wird. Es ist aber zu beachten daß zwischen einem solchen unb einem heißen Dürresommer — wie wir ihn zuletzt 1921 unb 1911 hatten — unb wie er biesmal infolge von allerlei laienhaften Ankünbi- gungen allgemein erwartet wirb, noch manche Variationen möglich sind. Es gibt ja auch mäßig warme feuchte, unb es gibt, wenn auch seltener, relativ kühle unb babei verhältnismäßig trockene Sommer. Bebeutsam ist ferner ber bei ben bisherigen Untersuchungen anscheinend noch gar nicht beachtete Umftanb, baß bie wirklich heilen unb trockenen Sommer, bie man bie „Großen Sommer" nennen kann, sich schon lehr frühzeitig im Jahr aus charakteristischen Merkmalen anzukün« bigen pflegen. Solchen großen Sommern geht nämlich fast ausnahmslos ein warmes Frühjahr unb vor allem ein mariner Juni voraus. In ben mehr als 200 Jahren seit bem Beginn exakter meteorologischer Auszeichnungen in Deutschland hat es 15 wi r k l i ch heiße Sommer gegeben. Von bissen hatten 13 einen zu marinen und nur zwei — bas waren gerade die beiden letzten von 1911 und 1921 — einen zu kühlen Juni, ebenso ging ihnen dreizehnmal ein zu warmes, nur zweimal ein normales, niemals also ein z u kaltes Frühjahr voraus. Dabei ist bemerkenswert, baß vor ben fünf allerheißesten Sommern breimal mich bas Frühjahr außerorbentlich warm gewesen ist. Dagegen war vor zwölf weiteren, mäßig warmen Sommern ber Frühling siebenmal kalt, zweimal normal und nur dreimal warm.
Der diesjährige Frühling war ber Temperatur nach ungefähr normal keinesfalls wirb der Juni einen nennenswerten Wärmeüberschuh ausweisen: denn eine erhebliche Zahl von Tagen war bereits z u kalt, unb wenn bas letzte Monatsbrittel nicht noch große Hitze bringen sollte, bürste auch biefer Monat nur knapp sein normales lern- peraturmittel erreichen. Unter Würbigung dieser Umstände hat also der diesjährige Sommer nur wenig Aussicht, heiß zu werben. Ebenso ist es recht fraglich, ob er befonbers trocken werben wirb, benn bie lange Dürreperlode, bie vorn Beginn bes Jahres bis tief in ben Mai hinein gebauert hat, erscheint beenbet, unb es bleibt abzuwarten, ob sie von neuem einsetzt. Alles in allem betrachtet, ist also bie Wahrscheinlichkeit, baß ber Hochsommer 1932 heiß unb trocken werben wirb, nur gering, unb vermutlich wirb cr nur normal ober über normal warm werben, wobei es auch an Niederschlägen in normaler Menge wohl nicht fehlen dürfte. In bezug auf ben zu erroartenben heißen Dürresornrner bleiben wir bei unserer vor Jahresfrist geäußerten Vermutung, baß er in einem ber beiden näch sten Jahre, somit 1933, fällig ist. Hierfür sprechen mich noch andere Anhaltspunkte. Neben ber runb elfjährigen gibt cs auch noch längere, aus bem Mehrfachen der Fleckenperioben sich er- gebenbe Klimaperioben, vor allem eine neunund- neunzigjährige Periobe. Run war ber Sommer 1 834 ber heißeste der letzten hunbert Jahre. Es würde also genau dieser neununbneun- z'gjährigen Periode entsprechen, wenn der Sommer 1933 sehr heiß werden würde. Erst vor wenigen Jahren hat fich die Wiederkehr gleicher klimatischer Erscheinungen innerhalb ber neunundneunzigjährigen Periode überraschend genau gezeigt: bei bem abnorm strengen Winter 1928'29. Genau 99 Jahre vorher, im Winter 1829PO, war es in Deutschlanb, wie überhaupt in Mitteleuropa, außerorbentlich kalt gewesen.
au sgebrannt. Das Seitengebäube ist vollkommen verloren Der Feuerwehr gelang es, bas Wohnhaus zu retten, lieber bie Entstehungsursache ist nichts bekannt.
Gin Wechselschwindler feftgenommen.
WSA. F r a n f f u r t a. M., 20. Juni. Die Kriminalpol .zei hat jetzt einen Wechselschtoind- ler fc ft genommen, der namentlich Dar- lehcnssuchende hereinlegte. (ür vermittelte zwar die Darlehen, aber die von den Geldgebern zur Der- teilung an die Geldsuchenden ihm übergebenen Beträge hat er diesen nicht zukommen lassen, sondern in den meisten Fällen für sich verbraucht. @r hat dann gefälschte Darlehensverträge ausgestellt und auch Wechsel gefälscht.


