Ausgabe 
20.9.1932 Frühausgabe
 
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die Deutschnatwnalen aber 24 Sitze gewinnen könn­ten, davon wage man selbst im Regierungslager und bei Herrn Hugenberg nicht einmal zu träumen.

OieOiskonisenkungermöglichi

Die BIZ. verzichtet auf ihr Einspruchsrecht.

Basel, 19.Sept. (WTB.) Die Leitung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich teilt über die heutige Verhandlung des Verwaltungsrates fol­gendes mit: Der Verwaltungsrat nahm Kenntnis von der Mitteilung des Reichswirtschaftsministers, in der die Aussetzung der Anwendung des § 29 Absatz 3 des deutschen Reichsbankgesetzes b i s 30. September 1 9 3 4 in Vorschlag gebracht wird. Nachdem der Verwaltungsrat gemäß den be­sonderen Bestimmungen der Anlage Va des Neuen Planes die Frage geprüft hatte, ob der Vorschlag der Reichsregierung mit dem Neuen Plan vereinbar ist, ermächtigte er seinen Vorsitzenden dem Reichswirtschaftsminister zur Kenntnis zu brin­gen, daß die BIZ., gestützt auf die besonderen Be­stimmungen der Anlage Va, keinen Einspruch gegen den in der Mitteilung des Ministers vom 8. September 1932 enthaltenen Vorschlag erhebt.

Nach diesem vom Verwaltungsrat der BIZ. be­schlossenen Verzicht auf dasEinspruchs- r e et) t gegen Aenderungen des Reichsbankstatuts ist eine Notverordnung erschienen, durch die das Bankgesetz zur Ermöglichung der Dis­kontherabsetzung abgeändert wird, wird be­reits am Montag imReichsanzeiger" bekanntgege­ben. Die Vorschrift, daß der Reichsbankdiskontsatz nicht unter 5 v. H. gesenkt werden darf, solange die 40-v. H.-Deckung der Reichsbanknoten durch Gold und Devisen unterschritten ist,' bleibt für die Zeit biszum 30. September 1934 außer An- Wendung. Eine Einberufung des Zentralaus­schusses der Reichsbank dürfte erst am Dienstag er­folgen da die durch die Notverordnung jetzt ermög­lichten' Diskonsenkungsbefchlüsfe des Reichsbankdirek­toriums in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. Lu t h e r gefaßt werden sollen.

OerAngriff"-Prozeß.

Dr. Weiß und die Schankkonzessionen.

Berlin, 19. Sept. (TU.) Am dritten Verhand­lungstage des Prozesses gegen dieAngriff"-Redak- teure Dr. Lippert und Krause wegen Beleidi­gung des ehemaligen Polizeioizepräsidenten Dr. Weiß und des Polizeipräsidenten G r z e s i n s k i wurden Vorkommnisse bei Konzessionsertei­lung für Spielklubs durch das Polizeipräsidium erörtert. Der als Zeuge vernommene Makler B a st sagte u. a. unter seinem Eide aus, daß sein Schwager, der Kaufmann Hetzig, dadurch eine Frühschankkon­zession erhalten habe, daß er dem Kaufmann Konrad Weiß, dem Bruder des Polizeivizeprä- sident en, eine Provision von 2000 Mark gezahlt habe. Der gleichfalls als Zeuge vernommene Konrad Weißgabzu.diefenBe- trag erhalten zu haben. Bei feiner weiteren Vernehmung kam zutage, daß er öfters der­artige Geschäfte gemacht hat. Auch hat er die Konzession für das übelbeleumundete Nachtlokal Cafe Erban, an dem er beteiligt war, verschafft. Polizeivizepräsident Dr. Weiß erklärte darauf, daß er mit Entrüstung von dem Verhalten seines Bruders Kenntnis bekommen und jegliche Beziehun­gen zu ihm abgebrochen habe. Der Zeuge gab weiterhin noch an, daß Konrad Weiß seine Kon­zessionsgeschäfte gemeinsam mit seiner S ch w ä g e r i n, der Frau des Polizeioizepräsidenten Dr. Weiß, getätigt habe.

Frau Dr. Weiß sagte aus, daß sie mit ihrem Schwager Konrad Weih niemals über Kon- zessionsgeschäfte gesprochen habe. Dr. Weiß erklärte hierzu, er habe niemals gewußt, ober auch nur geahnt, daß sein Bruder von den an ihn gerichteten Empfehlungsschreiben Vorteile gehabt habe. Hatte er es gewußt, würde er keinen Finger gerührt haben.

Der Berliner Dergnügungsetablissementsbesitzer Steinmeier erklärte u.a., er habe einmal bei einer Vernehmung auf dem Landesfinanzamt an­gegeben, daß er den Vizepräsidenten Dr. Weiß im

Spielkasino in Monte Carlo am Spiet- tisch habe sitzen sehen. Ein Hollander habe zu ihm gesagt:Na, wenn Euer Polizeipräsident in Monte Carlo spielen kann, bann kann es ja mit Euerer Wirtschaftskrise nicht allzu gefährlich sein." Aus eine Frage bes Vorsitzenden der nationalsozialistischen Stadtverordnetenfraktion in Berlin, Dr. Lippert,

ob man mit 200 Mark eine Woche lang an der Riviera leben könne, antwortete der Zeuge Stein­meier, er bezweifle das. Dr. Weiß hielt ihm aber entgegen, daß er außerordentlich sparsam gelebt habe und deshalb sehr gut mit dem Be­trage ausgekommen sei.

Die Jahrhundertfeier des Gnstav-Adolf-Bereias in Leipzig. Oie erste öffentliche Hauptversammlung. - Begrüßungsrede des Reichsinnen- ministers Freiherr« von Gayl.

L e i p 3 i g, 19. Sept. (WTB.) Die erste ö f f e n t liche Hauptversammlung der Jahrhun­dert-Tagung des Gustav-Adolf-Der- eins wurde durch Geheimrat Professor D. Dr. Rendtorff mit einer Rede eröffnet, in der er einleitend ausführte: Unsere Jahrhundert-Gedenkfeier beginnt billigerweife mit dem ehrfürchtig-dankbaren Gedenken an das, was vor 300 Jahren auf Leipzigs Schlachtfeldern bei L ü tz e n geschehen ist. Wir ehren das Gedächtnis des Schwedenkönigs, der, zum Schutze seines Landes und seiner Krone in den deutschen Krieg einzugreifen gezwungen, Zugleich mit vollem Bewußtsein und dem ernsten Gefühl seiner Verantwortung vor Gott für die Ret­tung des Protestantismus sein Leben ein» setzte. Dr. Rendtorff gedachte sodann in Dankbarkeit des Gründers des Vereins. Ein weiteres Wort des Dankes galt den vielen Freunden des Gustav-Adolf- Werkes, insbesondere dem 93jährigen Hermann Ferdinand v. Crie gern. .,

Hieraus umrih der Redner die klrchengeschicht- liche Bedeutung des Bereins, in dem die Einh^t der evangelischen Kirchen Deutschlands ihre nicht auf reichskirchliche Ziele gerichtete, sondern auf tatfreudige Glaubensarbeit i m Dienste d e rD r u d e r l i eb e gegründete Ver­wirklichung gefunden habe. Rach zwei Seiten hat inzwischen der Einheitswille der evangel^ schen Kirche in großem Ausmaße sich erfolgreich betätigt: Einmal bei der Zusammenfassung der Evangelischen Landeskirchen im Deutschen Evangelischen Kirchenbund und sodann bei der weltumspannenden ökumenischenDe- w e g u n g. Diese habe längst, ehe Rathan Söderblom sie ins Leben rief, im Lebens­werk des Gustav-Adols-Bereins ihre, wenn auch unscheinbare Verwirklichung gefunden. Die Ra­tionenmischung in in- und ausländische Kirchen hatte dem Gustav-Adolf-Verein niemals Grenzen gezogen. Er ehrt jedes Volkstum als eine Gottesgabe, so selbstverständlich er seine in Deutschland geborene, wesentlich aus deutschen Kräften gespeiste Arbeit mit besonderer Freude deutschen Gemeinden zuwendet.

Der Reichsminisier des Innern, Freiherr von G a y l, überbrachte die Glückwünsche der Reichs­regierung.

Das Handeln des Gustav-Adolf»Vereins, führte der Minister aus, ist ein durch 100 Jahre fort­gesetztes Bekennen gewesen nicht durch Worte, sondern durch Betätigungen der Liebe zu dem deutschen Volk und ein fortgesetztes Bekennen zu Gott und unserer evangelischen Sache. Als der für die geistigen Güter und seelischen Kräfte unseres Volkes in erster Reihe verantwortliche Reichsminister stehe ich in Ihren Reihen und be­kenne mich vor dem ganzen deutschen Volke schlicht aber deutlich zu den Worten des Apostels. Ich schäme mich des Cvangelii in Christo nichts (Stürmischer Beifall.) Ich sehe hinzu, daß ich zu dem evangelischen Glauben meiner Väter stehe. Mit mir bekennt sich die aus Männern beider Bekenntnisse bestehende Reichsregierung bewußt und offen zum christlichen Staat. (Erneuter stürmischer Beifall.) Untere Reichs­verfassung kennt nur den Staat schlechthin und überläßt es ihm, sein Verhältnis zu dcn Kirchen und Bekenntnissen zu regeln. Diese Tatsache aber entbindet «ine ihrer Verantwortung und Pflicht

bewußte Regierung nicht von der Rotwendig- keit, die Staatsführung in christlichem Sinne zu handhaben.

Freiwilliges Dienen am Staat kann nur auf die Dauer auf bringen, der sich innerlich verant­wortlich fühlt gegenüber seinem Volk. Verant­wortungsgefühl wurzelt aber im Uebersinnlichen, d. h. für uns: in Gott. Deshalb ist eine erfolg­reiche und wirksame Staatsordnung nur auf religiöser Grundlage denkbar. Deutsche und christliche Einstellung stehen niemals im Widerspruch miteinander. 3n diesem Sinne zu arbeiten ist die besonders dringliche Aufgabe der Regierung. Ich spreche es offen als meine ileberjeugung aus, daß eine neue Zeit herauf­zieht, der ein bescheidener Wegbereiter zu sein unsere Pflicht ist. Diese Zeit wird religiös christ­lich fein. (Lebhafter Beifall.) Unser gesamtes Leben sollte viel stärker, als es heute in der Rotzoit tatsächlich der Fall ist, beherrscht werden von dem ethischen Gedanken der Liebe zum Mitmenschen und Volksgenossen. Ich wünschte, daß über dem Tun und Lassen jedes verantwortlichen Deutschen in Regierung, Politik und Wirtschaft das Wort der Schrift stünde: Und wenn ich mit Menschen- und Cngelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle.

Zu allen anderen Bürden trägt das geduldige deutsche Volk noch die Last des Zwiespalts der Bekenntnisse. Ich schätze als ein ganz besonderes Verdienst des Gustav-Adols-Vereins ein, daß er trotz allen Eifers im Glauben nie­mals danach getrachtet hat, den Riß in unserem Volke zu erweitern, sondern daß er sich bemüht hat, jedem das Seine zu geben. Wir, Kinder eines Staates, gleichviel ob evangeli­schen oder katholischen Bekenntnisses, haben die Wurzeln im Glauben an den Erlöser und in tie­fer gemeinsamer Liebe zu Heimat, Vaterland undDolk. Es sollte daher bald der Tag kommen, an dem wir uns zusammen­finden zu gemeinsamer Arbeit für einen und in einem deutschen christlichen Staat und für unser gesamtes deutsches Volkstum innerhalb und außer­halb der Grenzen des Reiches. Die Rede des Ministers wurde mit stürmischem Beifall aufge­nommen. Anschließend wurde das Deutsch­landlied gesungen.

Akademische Feier und Ehrenpromotionen.

Auf einer akademischen F e i e r in der Leip­ziger Universität gab Prof. Dr. Litt die Ernennung des Vorsitzenden des Zentralvorstandes Geh. Kir­chenrats Prof. Dr. D. Rendtorff, zum Ehren­doktor der Philosophischen Fakultät bekannt.

Ferner wurden folgende Ehrenpromo­tionen ausgesprochen: Die Theologische Fakultät der Universität Leipzig ernannte zum Ehrendoktor den Justizrat Dr. Georgi, den Justitiar und Generalbevollmächtigten der Gustav-Adolf-Stiftung. Die Theologische Fakultät der Universität Breslau ernannte zum Ehrendoktor den Pfarrer Lio. Georg Richter in Gollnitsch (Posen-Pommerellen) und den Prof. Häusler in Kattowitz als Herausgeber eines polnischen Gesangbuches zum ßicentiaten der Theologie. Die Universität Greifswald ernannte den Pros. Dr. Johannes Paul als Biographen des

Oer sehr geehrte Herr Kanin.

Von Victor Mages.

Die Dame, von der hier die Rede sein wh:d, hört auf einen komischen Schmeichelnamen. Sie hat lange in Polen gelebt, und sie bekundet eine oft beängsti­gende Vorliebe für Kaninchen. Daher der komische Name: Krolikowski (sprich: Krulikojki) was man mitder sehr geehrte Herr Kanin" übersetzen könnte. Dies vorweg.

Natürlich wollte der sehr geehrte Herr Kanin in Marseille das Chateau dIf besuchen. Das ist zu ver­stehen; es gehört einfach dazu. Wenn man in Mar­seille geweien ist, muß man dieses alte Gemäuer gesehen haben, draußen auf einer Insel vorm Hafen­eingang, wo der Mann mit der eisernen Maske und der Graf von Monte Christo in unheimlich weiten Steinsälen, nur matt erhellt durch ein Gittersenster- chen, nicht gerade die schönste Zeit ihres Lebens verbrachten. .

Am Quai des Alten Hafens liegen die kleinen Dampfer, die hinausfahren. Aber man kann lauern, bis sie fahren, denn es kostet nur vier Franks, und ehe sich nicht ein Dutzend Passagiere angefunden haben, denkt der Schiffer nicht daran, die Taue los­zuwerfen. Wir hatten jedoch Eile.

In diesem Fall nimmt man eins der unzähligen Motorboote, deren Besitzer sich für das Zehnfache des Dampferpreises den Fremden anbieten. Man einigt sich auf das Fünffache, und es geht los.

Der Alte Hafen plätschert friedlich. Zwar weht ein Windchen, aber wenn man sozusagen auf dem Wasser groß geworden ist, beachtet man ein Wind­chen niZt. Der sehr zehrte Herr Kanin der hier zum erstenmal vom Quai des Forges öas IDleer gesehen hat, ist mächtig wild darauf, Schiffchen zu fahren. Er hat nicht die Spur von Angst, und die braucht er ja bei diesem Wetter auch nicht zu yaben. In den Korbstuhl gelehnt, mit dem Rucken gegen die Fahrtrichtung sitzend, strahlt der sehr geehrte Herr Kanin Glückseligkeit.

Links oben auf dem Berge blitzt in der Sonne die goldene Maria von Notre Dame de la Garde. Herrlich!" jubelt Herr Kanin.

Jetzt fahren wir unter dem Transbordeur hin­durch der Blick weitet sich, die See liegt vor uns, und ein sorgloser verliebter Mann im mmz.gen Motorboot kriegt plötzlich das Zittern '"den Knien. Gut, daß der Herr Kanin mit dem Nucken zur Fahrtrichtung sitzt. Er kann nicht sehen, was da vorne ist. Da vorne nämlich ist ein kollerndes Meer mif weißen Schaumkämmen, gleich wird inu -öoot

anfangen zu tanzen, eine halbe Stunde wird es tanzen, auf und ab, gebe der Himmel, daß der Herr Kanin nicht in Delirien verfällt!

Hier schaukelt's aber doch ein bißchen", sagt der Herr Kanin. _

Ein bißchen", lächelte der angstvolle Mann, und er denkt: das nennt sie schon schaukeln, was wird sie in drei Minuten sagen?

Bauz die erste Welle. Das Motorboot bäumt sich, es patscht mit der Nase ins Wasser, kippt ein­mal nach dieser Seite, einmal nach jener Seite, es torkelt, Spritzer klatschen über uns hinweg, und schon bauz kommt die zweite Welle. Das Motorboot heißt: Salome. Fräulein Salome aus Marseille ist mitten drin im Tanz. Jetzt wird ein Schleier nach dem andern fallen.

Der sehr geehrte Herr Kanin hat die Lehnen des Korbstuhls gepackt, das Weiße in seinen Augen ist so groß geworden, als ob er ein« Abgottschlange vor sich sähe, aber es ist doch nur ein krampfhaft lächelnder Mann, der da sitzt, und der Mann sagt: Schon, nicht wahr?"

Fein", haucht der Herr Kanin. Dabei sieht man ihm an, wie er im Begriff ist, zu überlegen: ob dieser Schuft vis-ä-vis das vorher gewußt hat oder ob er selber in die Tinte geraten ist.

Der arme Schuft, der schon ganz andere Boots­fahrten gemacht hat, hall beide Daumen. Hoffentlich schreit sie nicht. Was fängt man mit dem Mädel an, wenn es brüllt: Ich will aussteigen, ich will aus

Bums, patsch, bums, patsch!

Ha ha ha", stottert der sehr geehrte Herr Kanin,ha hast du die Briefe besorgt, die ich dir gegeben habe?"

L) je, das ist ein Abschiedsgruß in die Heimat. Wenn ich hier ersaufen soll, denkt sie, will ich wenig­stens wissen, ob mein letzter Brief in den Kasten geworfen ist.

Alles in Ordnung", beruhigt eine zärtliche Stimme. Unrein und falsch muß ihr im Augenblick diese Stimme in den Ohren klingen. Halt' ich ihn nie gesehn, diesen Kerl! wird sie heimlich jammern. Aber sie bewahrt Haltung und versucht sogar, einen Dank zu lächeln, was leider bums, patsch! sehr vorbeigelingt.

Da passiert etwas Schreckliches. Von Backbord nähert sich uns ein Boot, natürlich tanzt es genau wie dieSalome", legt sich nach rechts, legt sich nach links, taucht unter, es muß jur Landratten (beziehungsweise Kaninchen) ein furchtbarer Anblick sein. K ..

Krolikowski sieht es. Ihre kleinen Hande pressen die Korbstuhllehnen so hart, daß sie weiß werden, die Hände. Der Mund ist halbgeöffnet.

Der arme Mann, der Schuft und zärtliche Heuch­ler, ist sich der drohenden Krise bewußt. Er zeigt in die flockigen Wölkchen auf tiefem Blau:Schau mal, was fliegt da? Ach, nurne Möwe."

Hilft nichts. Der sehr geehrte Herr Kanin starrt auf das Boot, langsam poltern ihm die Worte von den Lippen.

Machen wir wir das auch so wie das da drüben?"

Was denn, mein Schatz?"

Ein Blick stoßt herüber, ein Blick, Wunder, daß er nicht tötet. Der Schatz wird dir nachher die Meinung sagen, du Verbrecher, bedeutet dieser Blick. Die Augen sind glasig. Die Pupillen drehen sich nach oben. Jetzt wird sie seekrank werden.

Bums, patsch, bums, patsch!

Zigarette?" schreit der Verbrecher in seiner Seelenangst.

Der sehr geehrte Herr Kanin dreht die Pupillen wieder herunter.

Meinst du nicht, daß ich den den Lampen­schirm kokopieren soll, den viereckigen, den wir an der Canebidre gesehen haben?"

Den Lampenschirm?"

Ich kann das nämlich (bums, patsch!) ka-kann das nämlich sehr gut. Man braucht dazu nur einfaches Glaspapier..."

Der sehr geehrte Herr Kanin, mit einer heiligen Wut im Herz«n und in Gedanken längst auf dem Grunde des Meeres, erzählt ausführlich, wie man einen Lampenschirm macht. Un& dieSa­lome" läßt den siebenten Schleier fallen, sie springt wie närrisch über die Schaumkämme, und dem Schuft und Heuchler steigt eine grenzenlose Hochachtung in jenen Körperbezirk, wo sich die große Pumpstation des Lebens befindet.

Mit einemmal ist das Wasser ruhig, der Felsen von Chateau dIf erhebt sich übers uns, das Boot legt an.

Der sehr geehrte Herr Kanin klettert an Land, wir stehen einander gegenüber. Draußen kollert das Meer. , ,L ,

Wenn ich das gewußt hätte.... versucht sich der arme Mann zu entschuldigen,selbstverständ­lich werden wir mit dem Dampfer zurückfahren, er muß in einer halben Stunde kommen."

Der sehr geehrte Herr Kanin sieht an dem Mann einmal herauf, einmal herunter, und sagt: Ich bin kein Feigling. Wir nehmen das Boot. Dann steigt er die Felsentreppe empor.

Wahrhaftig, wir nahmen das Doot. 3n Mar­seille am Quai sprach der sehr geehrte Herr Kanin nur ein einziges Wort:Lump." Später, als der Kellner bei Basso die Langustenschalen

Königs Gustav Adolf zum Ehrendoktor. Die Theo­logische Fakultät der Universität Kiel ernannte Selma ßagerlöff zum Dr. h. c., die The« logische Fakultät der Universität Tübingen den schwedischen Erzbischof und Nachfolger Soderbloms, Dr. Erling Eidem in Upsala zum Ehrendoktor.

Graf Gravina f.

Danzig, 20. Sept (WTV. Funkspruch.) Der Völkerbundskommissar für Danzig, Graf Gravina. ist gestern abend im Alter von 49 Jahren g e- ftorben. 3m Befinden des Völkerbundskommifsars,

Graf Gravina.

der sich vor kurzem einer ® ar moper atioti unterzogen hatte, war seit Samstag eine außer­ordentliche Verschlechterung eingetreten, so daß die Aerzte mit dem Ableben des Patienten rechneten. Die Familie des kranken weilte am Sterbebette. Graf Gravina hatte bereits am Sonntag die letzte Oclung empfangen.

*

Graf Gravina, dessen Familie dem sizilia­nischen UraM angehört und sich in direkter Ab­stammung bis zu den ersten in Süditalien ge­landeten normannischen Fürsten im zehnten Jahrhundert zurückführen läßt, war durch seins Mutter Blandina, geb. von Bülow, Tochter Eo- sima Wagners aus ihrer ersten Ehe mit Hans von Bülow ein Enkel Franz von Liszts. Rach der üblichen Vorbildung trat Graf Gravina im Jahre 1900 in die italienische Marine ein, unternahm später mehrere größere Weltreisen, war von 1906 bis 1907 stellvertretender Vize­konsul in Shanghai, und fand vorübergehend 1911 an der italienischen Botschaft in Berlin Verwendung. Als Teilnehmer des Tripoliskrieges und des Weltkrieges zeichnete er sich wiederholt aus. Rach dem Weltkrieg ging er 1919 als Marine- und Luftfahrt-Attache für die skandi­navischen Reiche nach Stockholm. 1922 kehrte er nach Italien zurück und wurde zum Flügel­adjutanten des Königs ernannt.

Rach dem er schon des öfteren mit besonderen politischen und diplomatischen Missionen im Aus­land betraut worden war, so u. a. mit den Ver­handlungen mit Litwinoff in Kopenhagen 1920 zur Wiederaufnahme der Beziehungen Italiens mit Sowjet-Ruhland, erhielt er 1924 seine Beru­fung als Delegierter Italiens zu den Völker­bunds Versammlungen in Genf. Der Völkerbunds­rat wählte ihn dann im September 1928 einstim­mig zum Hohen Kommissar des Völkerbundes für den Freistaat Danzig für die Zeit von 1929 bis 1932. Der Graf hat hier im strikten Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Holländer van Hamel, sich mit aller Energie für die Verteidigung der Rechte der Freien Stadt gegenüber den vertrags­widrigen Ansprüchen Polens eingesetzt und sich durch diese Haltung in Danzig große Sympathien erworben.

und die leere Weinflasche vom Tisch räumte, war die Formulierung wesentlich milder.

Es sind liebe und tapfere Tiere, die Kaninchen.

Der ÄZahriraum.

Einen schrecklichen Traum hatte vor nicht langer Zeit eine Kaufmannsfrau zu Wilna. Ihr Gatte befand sich auf Geschäftsreisen in Rußland. Binnen kurzem wurde er zurückerwartet. Da träumte der Frau eines Nachts, ihr Mann werde von Räubern auf einsamem Landweg überfallen. Sie sah den Hergang mit plastischer Deutlichkeit vor sich. Di« Räuber rissen den Mann vom Wagen, hielten ihm einen Revolver vor und verlangten von ihm die Herausgabe seiner gesamten Barschaft, wenn er Wert darauf (ege, mit dem Leben davonzukommen. Der Mann weigerte sich. Da krachte ein Schuß...

Die Frau schrie gellend auf und erwachte. Ihr Schrei rief die Familienmitglieder an ihr Bett, denen sie sofort bebend und angstvoll den Traum erzählte. Man versuchte sie zu beruhigen. Aber die Frau wollte nicht hören: sie blieb dabei, daß ihrem Mann ein Unglück zugestoßen sei.

Zwei Tage vergingen in qualvoller Ungewißheit. Dann traf ein Telegramm ein, aus dem die Frau erfuhr, was sie gleich geahnt hatte: daß ein Wahrtraum sie heimgesucht habe. Man meldete ihr nämlich kurz, daß in eben der Nacht ihr Gatte un­weit von Minsk von Banditen erschossen und aus­geraubt worden sei ...

Obschon von Berus wegen skeptisch eingestellt, hat die Kriminalpolizei sich von der Frau eine genaue Beschreibung jener Männer geben lassen, die sie in jener Traumnacht beim Angriff auf ihren Gemahl erblickte. Zur Zeit verfolgt man eine schwache Spur der Raubmörder. Ein bestimmtes Resultat liegt jedoch noch nicht vor.

Zeitschriften.

Heber höchst merkwürdige Funde aus der Zeit, als es in Mitteldeutschland noch Halbaffen und Krokodile gab, berichtet Professor Dr. Johannes Weigelt in der neuen Rümmer der Leipziger I l l u st r i r t e n Z e i t u n g" (Verlag I. I. We­ber). Das reichhaltige Heft bringt außerdem einen Beitrag über den akademischen Karzer, der nun wohl ber Vergangenheit angeboren wird. Ferner unterrichtet das Heft u. a. über die Fort­schritte des freiwiUigen Arbeitsdienstes in einer BildreportageStudenten und Arbeitslose regu­lieren die Elbe". Dazu kommt der Dildartikel Satan" (interessant für jeden Hundefreund) und der illustrierte BeitragAfrikanische Vision".