Ausgabe 
20.9.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Er

ver-

Ok.

reinem Brunnenwasser die Krankheitsfälle ursacht worden sind.

2000 Personen im freiwilligen Arbeitsdienst.

WSN. Dillenburg, 19. Sept. 3m

I Schiffsverkehr freigegeben worden. Die Freigabe hatte sich um einige Tage verzögert, da sich an dem bisherigen Höchster Wehr noch uner­wartete Hindernisse cinstcllten, die erst beseitigt werden mußten. Inzwischen hatte sich ein großer Schiffspark an der neuen Staustufe angesammcll. Als die Freigabe durch drei Böllerschüsse angckündigt murbe{ ertönten die Schiffsglocken, die Sirenen heul­ten, die Anker wurden gelichtet, und endlich^ nach langer Pause, konnten die Dampfer und Schiffe ihren Weg noch dem Obcrmain antreten. Dic_ Ar­beiten an dem alten Höchster Wehr sind natürlich noch nicht beendet. Im Laufe der nächsten Zeit wer­den die noch stehenden Nadelwehrpfeiler geschleift.

zirk des Arbeitsamts Dillenburg, umfassend die Kreise Dill und Biedenkopf, sind gegenwärtig 2000 Personen im Freiwilligen Arbeitsdienst be­schäftigt. Allgemein ist eine leichte Bele­bung des Arbeitsmarktes zu verzeich­nen, insbesondere in der Metallindustrie im oberen Lahn- und Dillgebiet. Die Herd- und Oefenfabriken, der wichtigste Industriezweig im Arbeitsamtsbezirk Dillenburg, konnten die Be­legschaften vergrößern. Bei Notstands» arbeiten konnten 230 Erdarbeiter Beschäftigung- finden.

Revolte im Erziehungsheim

Limburg. 19. Sept. (WSN.) Am Sonntag­abend brach im ErziehungsheimSchloß Dehrn" infolge politischer Verhetzung eine Revolte aus. Die Zöglinge zertrümmerten Fenster. Türen und Einrichtungsgegenstände und versuchten zu flüchten. Feuerwehr und Landjägerei stellten die Ordnung wieder her. Zahlreichen Zöglingen ist die Flucht gelungen. 5 Rädelsführer wurden ver­haftet und ins hiesige Gerichtsgesängnis eingeliefert. Der angerichtete Schaden soll etwa 3000 Mark be­tragen. Im vorigen Jahr wurde das Heim schon einmal durch Brandstiftung zweier Zöglinge schwer geschädigt.

Die Mainschiffahrt wieder frei.

WSN. Frankfurt a. M., 19. Sept Heute um 10.30 Uhr ist die neue Staustufe Griesheim für den

nicht, was das Schicksal mit ihm vorhatte.

war zwar Arzt, aber wenn er ehrlich war, gab er es selber zu: sehr viel Spaß machte ihm dieser Beruf nicht. Er war sozusagen hineingeschliddert,

Ein Wohltäter der Menschheit

Zum Tode des Nobelpreisträgers Sir Ronald Roß.

Don Hans Zager.

Oer Paratyphus im Kreis Biedenkopf.

WSN. Biedenkopf, 19. Sept. Die Zahl der in Weidenhausen (Kreis Biedenkopf) an Paratyphus erkrankten Einwohner beträgt ins­gesamt 22. Glücklicherweise sind bis jetzt alle Krankheitsfälle gut verlaufen: To­desfälle sind nicht zu beklagen. Das amtliche älntersuchungsergebnis über die älrsache der Epi­demie liegt noch nicht vor, jedoch nimmt die Kreisbehörde an, daß durch den Genuß von un-

so fragwürdiges Experiment mit einem so un­sicheren Ergebnis nur an drei Moskitos hatte er das Wechsen seltsamer schwarzgepunkteter Ge­bilde im Magen beobachtet als einen großen Erfolg hinzustellen, als den ersten Schritt zum boshaft sei"

Es ist heiß in Indien, unerträglich heiß, und man muß schon eine übermenschliche Energie besitzen, wenn man in diesen, Klima wissenschaft­lich arbeiten will. Noß besitzt sie nicht, aber sein Plus ist eine Degeisterungsfähigkeit seines ro­mantischen Träumer-Herzens, die ihn immer von neuem zur Arbeit hinstöht. Die Zeit vergeht schnell, jetzt ist er schon 40 Jahre alt, und noch hat er nichts erreicht. Die Moskitos erweisen sich als hartnäckiger denn je, sie wollen auf keines der tausend Experimente eingehen, die Noß mit ihnen anstellt Da entschließt er sich, noch ein lehtcsmal anzusangen, aber jetzt ganz von vorn, sorgfältiger und unter Ausschaltung all der Fehlerquellen, die früher bestanden hatten. Er ahnt, daß er ganz dicht am Ziel gewesen ist, daß nur ein Schritt ihn von dem endgültigen Triumph noch getrennt hat.

Endlich, im August 1897 blüht der erste Erfolg. Notz kann feststellen, datz im Magen eines ge­fangenen Moskitos die Malaria-Keime aus dem Blut erkrankter Menschen zu wachsen anfangen, datz sie sich vermehren. Wenn man sich heute den Bericht seiner Experimente durchliest, muh man sich doch ein wenig erschrocken an den Kopf fassen: Woher nahm der Mann den Mut, ein

der Floßkanal wird zugcworsen, und auch der Schleusenkanal wird wahrscheinlich beseitigt werden.

Letzter Goethe-Besuch aus Italien.

WSN. Frankfurt a. TL, 18. Sept. Unter Füh­rung des greifen Vorkämpfers für die deutsch-italieni- fchen Beziehungen Professor Farinelli, des Her­ausgebers der italienischen Reifebeschreibung des Balers Goethe, traf gestern eine italienische Reise­gesellschaft in Frankfurt ein, die sich aus allen Teilen Italiens zu einer Pilgerfahrt zu den deut­schen Goethe st ätten zusammengefunden hat. Von hier setzt die Reisegesellschaft ihre Reise fort nach Köln, Wetzlar, Weimar, Leipzig usw.

Als ihm die schwedische Akademie den No­belpreis verlieh, hat sie sich um die "Vergan­genheit des Mannes Nonald Notz nicht sonder­lich gekümmert Es interessierte sie nur. datz seine Arbeiten den Weg gewiesen hatten, wie man einer der schlimmsten Geißeln der Menschheit, einer Seuche, die ganze Länder unbewohnbar ge­macht hatte, beikommen konnte: der Malaria. Der frischgebackeneSir" Noß aber stand lächelnd und glücklich im Kreise der Gratulanten mit einer Miene, als handele es sich um die natürlichste Sache der Welt, als habe er nie etwas anderes erwartet.

Dabei war er alles andere eher als ein Mann der Wissenschaft. Noch als er fast schon das vierte Jahrzehnt seines Lebens beendigt hatte, ahnte er

nahen, sicheren Endsieg? Wenn man boshaft sein wollte, könnte man hier das Sprichwort vom blinden Huhn zitieren. Aber das Endergebnis hat Notz ja schließlich doch recht gegeben... Und man darf auch nicht vergessen, datz der Weg, der zu diesem Ergebnis führte, eine Anzahl von Untersuchungen erforderte, die Notz mit genialem Weitblick zu einem klaren Ende führte. War es denn nicht eine geniale Idee, die Malaria des Menschen für eine gewisse Zeit fallen zu lassen und sich nur mit der Malaria der Vögel zu befassen, weil man mit ihnen leichter und gefahr­loser experimentieren konnte? War es nicht schon eine große Leistung, daß er den grauen Ndoskito eine wissenschaftliche Bezeichnung kannte Notz nicht fand, der einzig und allein imstande ist, die Bogelmalaria zu übertragen.

Es beginnt in seinem Arbeitszimmer Labo­ratorium wäre ein zu hochtrabender Name für dieses Loch von Spatzen. Krähen und Lerchen

gehr wurde am Sonntagmittag auf dem Friedhöfe zu Lang-Göns eine Trauerfeier abgehalten, die von seilen der Einwohnerschaft der Gemeinde stark be­sucht war. Nach dem Glockengeläute und dem Vor­trag eines Chorals des Posaunenchors (Leitung K. Boller) hielt der Ortsgeistliche Pfarrer Wahl, die Gedächtnisrede. Anschließend folgten Ansprachen und Kranzniederlegungen des Direktors der Luft­hansa (Frankfurt a. TL) und verschiedener Vertreter der einzelnen Abteilungen. Für das hessische Kreis­amt Gießen sprach Regierungsrat Dr. «chrnidt. Ein Choral schloß die würdig verlaufene Feier. Der Sarg mit dem verunglückten Flugleiter V o n g e h r, der im nächsten Monat das 28. Lebensjahr vollendet hätte, wird feiner Heimat (Ostpreußen) zugeführt werden.

** Besitzwechsel. Der Inhaber des Gießener Glas, und Gebäudereinigungs Instituts Heinrich Ruckstuhl kaufte vom Wilh. Bach für 5000 Mk. das früher Klebesche Häuschen, Maigasse 4, um dasselbe als Lager für feine Geräte zu benutzen. Heinrich Ruckstuhl erwarb ferner das Wohnhaus Goethestraße 67 für 30 000 Mark vom Baurat Rudolf Pfaff. (Es handelt sich um ein 4- bis 5- Zimmergebäude.) Der Eifenbahnarbeiter Heinrich Mootz kaufte für 16 000 Mark von Kann Erben, Kaiserallee, das Hinterhaus der Hofreite mit daran­liegendem Garten, welcher an die Gutenbergftraße stößt.

** I m Lichtspielhaus. Bahnhof­straße, sieht man seit gestern einen Film unter der UeberschristM adame hat Aus gang", der eigentlich etwas anderes erwarten läßt, als er wirklich ist. Er beginnt so lustspielmähig und fast operettenhaft, wie der Titel verspricht, aber es entwickelt sich unversehens und mit allerlei hübschen Spannungen eine ganz seriöse und sehr rührende Liebesgeschichte daraus. Und noch dazu eine Liebesgeschichte, die nicht gut ausgeht: sie kriegen sich nämlich nicht, sondern es endet ganz vernünftig" und alltäglich und ein bißchen trau­rig. Begabte und geschmackvolle Negie von Wil­helm Thiele, dem es stellenweise gelingt, etwas von der Stimmungsous les toits de Paris einzufangen: man begegnet auch Albert Pre­jean wieder, der dort eine Hauptrolle spielte, hier aber nur einen Schlager zu fingen hat. Das ungleiche Liebespaar: Liane Haid, die man selten so ausdrucksvoll und liebenswürdig spielen sah wie hier; und Drausewetter. frisch, natürlich und jungenhaft, wie man ihn feit langem kennt. Hilde Hildebrand, Ernst Dumcke, Biensfeld und Etlinger sind vom Ensemble zu nennen.

25 Jahre V H C. Frankfurt. Der Vogelsberger Höhen-Club (DHC.), Zweigverein Frankfurt a. M., der 1907 von dem verstorbenen Professor Georg Bender (Vater Bender) be­gründet wurde, begeht am Sonntag. 25. Sep­tember, in der LogeEinigkeit" zu Frankfurt, den Zeitverhältnissen und seiner Eigenart ent­sprechend. schlicht aber würdig, seine 25. Grün­dungs-Gedenkfeier. Bei der Feier wird Wilhelm D ö r f f le r , der eine sehr hübsch ausgestattete Festschrift über die letzten 15 Jahre des Frank­furter VHE. verfaßt hat, die Festrede halten. Der Begrüßung des Vorsitzenden Otto Faber fol­gen ein Eesangsvortrag von Kurt Lenz, Vorträge Oer Instrumentalabteilung und Ehrungen. Eine Abendunterhaltung beschließt die Gedenkfeier. Alle VHC.er sind herzlich eingeladen.

' Rückgang der Rundfunkhörer- Zahlen. Obwohl der deutsche Rundfunk in starkem Umfange der wirtschaftlichen Notlage weiter Kreise der Rundfunkhörer Rechnung trägt und die Anträge von Schwerkriegsbeschädigten, Erwerbslosen. Kleinrentnern usw. auf Befreiung von den Gebühren nach Möglichkeit berücksich­tigt, sind darüber hinaus eine ganze Reihe von Rundfunkfreunden aus finanziellen Gründen ge­zwungen. sich den weiteren Gebrauch ihrer Rund­funkeinrichtungen zu versagen. Jedenfalls hat im Laufe des 1. Vierteljahres des neuen Rechnungs­jahres 1932/33, d. h. vom April bis End/ Juni, die Zahl der Abmeldungen die der Neuan»eldun- gen übertroffen, so datz der Saldo am 1. Juli erstmalig mit einem Verlust von 48 900 Hörem abschlietzt. Rach dem letzten Stand von 1. Juli waren in Deutschland 4 119 531 Rundfunkhörer amtlich gemeldet (am 1. April 4168 440), von denen 412177 also rund 10 Prozent von der Zahlung der Gebühren befreit waren.

zu wimmeln. Nicht minder aber von Moskitos. Und siehe da: die Bakterie der Dogelmalaria wächst im Magen der grauen Moskitos genau so wie die der menschlichen im Magen der braunen Moskitos. Also sind die Vorbedingungen gleich. Sind sie es wirklich? Für Rotz Wohl Robert Koch hätte sich verzweifelt die Haare gerauft, wenn etwa einer feiner Schüler mit einer solchen fanatischen Idee zu ihm gekommen wäre. Roh arbeitet weiter mit dem Mute der Verzweif­lung. In Kalkutta zeigt das Thermometer 50 Grad Eelsius im Schatten. Jeder vernünftige Mensch liegt jetzt in seinem luftdicht abgeschlosse­nen Zimmer und döst vor sich hin. Nur diese« Narr sitzt über seinem Mikroskop und arbeitet Er mutz wissen, wohin die Bakterien aus dem Magen der Moskitos wandern, ob die Theorie seines Freundes M a n s o n stimmt, daß die Men­schen sich nur anstecken können, wenn sie Wasser trinken, das durch die Leichen infizierter Mos­kitos verseucht ist.

Und eines Tages sieht er unter seinem Mikro­skop, wie die winzigen Gebilde, die die furchtbare Malaria hervorbringen können, sich aus dem Magen über den ganzen Körper des Moskitos verbreiten, und dann plötzlich wie auf ein geheimnisvolles Kommando alle einem Ziele zustreben: der Speicheldrüse des Moskitos! Mit einem Schlage ist Roh der Zusammenhang klar: die Malaria wird durch den Stich der Moskitos übertragen! Er macht die Probe aufs Exempel. Er lätzt einige gesunde Vögel von infizierten Moskitos stechen. Und wirklich, sie bekommen Malaria.

Damit hält er seine Arbeit für erledigt. Was kümmert es ihn, datz er in Wirklichkeit nur die Uebertragung der Malaria bei Vögeln nach­gewiesen hat, daß er die Bestätigung, ob sich der Vorgang beim Menschen genau so abspielt, einfach schuldig bleibt. Ihm genügt dies Ergebnis. Jetzt heißt es nur noch, die nötige Propaganda zu machen, die Reklametrommel zu schlagen- und das versteht Rotz meisterhaft. In wenigen Tagen ist sein Name in der ganzen Welt be­kannt. England sieht in ihm den würdigen Neben­buhler von Robert Koch und Louis Pasteur. Vergeblich bemüht sich der gute Doktor Monson, ihn zum Durchhalten zu bewegen. Er ist nicht mehr imstande, nun auch noch den Beweis dafür zu erbringen, datz sich die menschliche Malaria- Mikrobe genau so verhält.

Sv muh Roh es denn erleben, datz der Ita­liener G r a s s i diesen Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, und daß er fast davon in den Hintergrund gedrängt wird. Er wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, es gibt einen jämmerlichen Kleinkrieg mit den be­schämendsten Anschuldigungen zwischen diesen bei­den Männern, die zusammen die Menschheit von einer ihrer fürchterlichsten Schrecken erlöst haben.

Aber auch das geht vorüber. Die Jahre breiten gnädig den Mantel des Vergessens über diese peinliche Affäre. Allzu gnädig möchte man bei­nahe sagen, denn Roß strebt in Zukunft fo wenig nach äußerem Erfolg, daß er in Not gerat, daß Freunde eine öffentliche Sammlung für diesen Wohltäter der Menschheit veranstalten müssen, der kürzlich seinen 75.Geburtstag feiern durste. Und erst der Tod entreißt seinen Namen wieder der Vergessenheit, in die er erstaunlicher­weise versunken war. . ,

Gießen, den 20.September 1932.

Erziehung zur Eßlust.

Don Or. meb. Ernst Tanneri.

In unserer Zeit wirtschaftlicher Not und Beschrän­kung der Äinderzahl ist das schlechtessende Kind keine Seltenheit mehr. Es ist eine dauernde Sorge und Belastung für die Mütter und Hausfrauen und stellt im Haushalt eine große Erschwerung dar, da jede Mahlzeit, die von anderen Kindern fast möchte man sagen, nebenbei und spielend eingenommen wird, bei dem schlecht essenden Kind zu einer großen Angelegenheit wird. Deshalb lohnt es sich schon, ein paar Worte darüber zu sagen.

Kein Zufall ist es daß es sich beinahe immer um einzige Kinder bandelt. Es fehlt ihnen eben beim Essen die Gesellschaft anderer Kinder. Es fehlt das durch sich selbst wirkende beredte Beispiel der älteren oder jüngeren Geschwister, es fehlt die lustige Ge- sellschaft, und das Kind fühlt selbst oeim ge­schicktesten Erzieher daß die Aufmerksamkeit der Erwachsenen irgendwie auf es konzentriert ist, ob es ißt ober nicht. Und das stärkt unbewußt feine Opposition.

Darum ist das einfachste Mittel nur leider oft allzu schwer durchzufiihren das Kind in Gesell­schaft anderer Kinder essen zu lassen. Nehmen Sie regelmäßig ein anderes Kind ins Haus, das Ihrem Kind- und Spielkamerad wird, und Sie werden staunen über die Wirkung! Aber leider bleiben noch immer viele Fälle übrig in denen sich diese leichte Abhilfe aus den verschiedensten Gründen nicht ver­wirklichen läßt. Für diese folgen hier einige kleine Winke, aus denen sich jeder den einen oder anderen für ihn passenden herausnehmen mag.

Zunächst: nicht zu viel Mahlzeiten. Bei dem schlecht essenden Kind wenigstens für eine Zeitlang die Zwischenmahlzeiten ausschalten, damit es für die großen drei Mahlzeiten (morgens, mittags, abends) mehr Hunger hat. Während des Essens dem Kinde möglichst wenig Beachtung schenken und es sich selbst überlassen. Dazu gehört allerdings oft von seilen des Erziehers viel Geduld und vor allem Geschicklichkeit.

Was soll das Kind essen? Alles! Dom zweiten Lebensjahr an kann es alles essen, was die Erwach­senen auch essen. Dor allem soll man einer Eigenart dieser Kinder Rechnung tragen und das ist ihr Be­dürfnis nach pikanten Speisen. Diese Kinder stürzen sich oft geradezu auf anregende Speisen wie zum Beispiel sauren Hering, Sardellen, Sardinen, Räu­cherwaren und verabscheuen oft geradezu die soge­nannten Kinderspeisen. Durch kluges Ausnutzen die­ser Geschmacksrichtung kann man oft sehr viel er­reichen. Auch gibt es eine große Anzahl von Kindern, die noch viel größer ist, als die Zahl der schlecht essenden Kinder allein, welche einen Abscheu vor Milch haben. Diesen Widerwillen kann man leicht überwinden, wenn man den Kindern die so ungern getrunkene Milch stets vermischt mit Malzkaffes und etwas Zucker reicht. Dieser kleine Kniff wirkt oft Wunder. Daß man Kindern nicht kurz vor den Mahlzeiten Süßigkeiten zum Naschen geben soll, dürfte wohl selbstverständlich sein. So günstig sonst die Schokolade für die Kinderernährung ist, dicht vor den Mahlzeiten ruft sie das Gefühl der Sätti­gung hervor und nimmt selbstverständlich den Appe­tit Das Glas kaltes Wasser spielt dieselbe Rolle.

Ein kluger und wachsgmer Erzieher kann also selbst in den verzweifeltsten Fällen von-Unlust etwas ausrichten, es kommt nur darauf an, aus den verschiedenen Anregungen gerade das herauszu- suchen, was für den betreffenden Fall das Geeig­nete ist.

Aenderung des DersicherungSgeseheS für gemeindliche Beamte.

Die Hessische amtliche Pressestelle teilt mit:

Die schwierige finanzielle Lage der Versicherungs­anstalt für gemeindliche Beamte hat die hessische Regierung zu Hilfsmaßnahmen veranlaßt, die wegen ihrer Dringlichkeit durch Verordnung des Gesamt- Ministeriums in Kraft gesetzt worden sind. Bekannt­lich hatte der hessische Minister des Innern bereits im Mörz 1930 dem IV. Landtag einen entsprechen­den Gesetzentwurf oorgelegt, der infolge Ablaufs der Wahlperiode jedoch nicht verabschiedet werden konnte. Inzwischen hat sich, verschärft durch die finanziellen Schwierigkeiten der umlagepslichtigen Gemeinden, die Lage der Versicherungsanstalt weiter ver­schlechtert. Bei weiterem Zuwarten waren des- halb, wollte man nicht die Umlagen in ganz unver­tretbarer Weise heraussetzen, die Ansprüche der von der Anstalt betreuten Pensionäre sowie ihrer Wit- wen und Waisen ernstlich bedroht gewesen. Die nunmehr im Regierungsblatt erschienene Ver­ordnung will dem dadurch vorbeugen, daß sie die­jenigen Vorschriften des 1930er Gesetzentwurfs in Kraft setzt, die sich unmittelbar finanziell auswirken. Darüber hinaus hat sich eine Erhöhun g d e r Grundbeträge sowohl bei den gemeindlichen Umlagen als auch bei den Versichertenbeitragen um je 1 Prozent als notwendig erwiesen. Durch die Neuregelung soll mich dem ordentlichen Gesetzgeber die nötige Zeit gegeben werden, sich wegen des viel­fach gewünschten organischen Umbaues der Anstalt schlüssig zu werden.

** Silberhochzeit. Arn morgigen Mittwoch, 21. September, feiern die Eheleute Karl Flett und Frau, Seltersweg 55, das Fest der Silberhochzeit.

Aus dem S t a d 11 he a te r b u r e au wird uns geschrieben: Die Zeit mit ihrem Hasten und Jagen fordert ihre Rechte. Die Zeit will den ganzen Maim und kostet Nerven. Und dr^h: wer zieht in diesem Hetzen der Gegenwart den Kür­zeren? Ist es nicht die Frau, die in ihrer stillen Häuslichkeit als Mutter und Hausfrau nicht min­der die Sorgen der rastlosen Zeit mitzutragen hat? Wer kümmert sich um sie? Wag der Mann durch Berus und Pflichten noch so in Spannung gehalten sein, sucht er in den Tagen der Woche beim Glas Bier, am Stammtisch, im Klub, Ver­ein oder dergleichen nicht doch einige Stunden des Ausspannens und der Erholung? Was bleibt da­gegen für die Frau? Einsamkeit, Alleinsein, keine Ablenkung und Zerstreuung nichts. Tlnd wie einfach und bequem konnte man auch ihr im Jahre einige schone Stunden der Freude und Erbauung verschaffen: im Geiste der Zeit und des Verständ­nisses für die Frau. Daher jeder Frau ein Thea­terabonnement! Bestellungen auf Abonnements nimmt die Theaterkasse jederzeit schriftlich und ab 25. September werktäglich während der Kassen­stunden von 10 bis 13 Ähr und von 16 bis 17 -Ahr entgegen.

** Trauerfeier fürVongehr in Sang- Göns. Für den am Samstag früh tödlich ver­unglückten Flugleiter der Gießener Lufthansa Son«

ohne recht zu wissen, wie.

Seine Neigungen lagen auf ganz anderen Ge­bieten. Tausendmal lieber hätte er in England gesessen und Symphonien komponiert oder weltbewegende Dramen geschrieben, als in dem gottverlassenen indischen Nest sich mit schmutzigen, kranken Hindus herumzuplagen. Ir­gendwelche romantischen Erfolge schwebten ihm in seinen Träumen vor, Erfolge, die ihm den hal­ben Erdfall zu Füßen legen würden, aber er war sich noch gar nicht klar, auf welchem Gebiet er sie erringen würde: der Mathematik, der Dichtkunst oder der Musik. Wenn ihm damals einer prophe­zeit hätte, datz es die Medizin sein sollte, die ein­mal seinen Namen unsterblich machen würde, er hätte ihm glatt ins Gesicht gelacht. Natürlich in­teressierte er sich auch ein wenig dafür, was in­nerhalb des Reiches seiner beruflichen Tätigkeit vorging, aber es war mehr eine absonderliche Be­weglichkeit seines stets unruhigen Geistes als gründliche wissenschaftliche Forschung.

In Indien gibt es Malaria, so wie man in Europa den Schnupfen hat. Was Wunder, daß der nicht mehr ganz junge Doktor, als er etwas verspätet von der Entdeckung des Malaria-Kei­mes durch L a v e r a n erfährt, sich so ein merk­würdiges Ding einmal anschanen will. Aber er bekommt es nicht zu Gesicht, obwohl tausende und aber tausende von Malaria-Kranken um ihn herum sind. Sie kriegen es schon mit der Angst zu tun, wenn sie den englischen Doktor nur in der Ferne sehen: jedem zapft er ein bißchen Blut ab. Änd das tut er nicht immer sehr sanft. Dann untersucht er das Blut, aber seine Kenntnis von den mi k rv s k o pi s ch e n Untersuchungs- methoden ist so gering, daß er trotz aller Mühen nichts finden kann. Das genügt, um den wackeren Militärarzt dazu zu bewegen, daß er in vier langatmigenwissenschaftlichen" Abhand­lungen die Existenz des Malaria-Ba­zillus völlig ablehnt jenes Bazillus, der einmal für seinen Nachruhm sorgen soll und die Erkrankung auf eine Darmstörung zurückführt.

Eines Tages kommt plötzlich der älmschwung. Roß ist nach London zurückgekehrt, er hat Indien bis dahinaus satt, er will von seinemKur­pfuscherberuf"' nichts mehr wissen, er ist jetzt 35 Jahre alt und hält die Zeit für gekommen, um nun endlich etwasOrdentliches" an­zufangen. Da läuft ihm ein Mann über den Weg, der alle seine Entschlüsse über den Haufen wirft, ein Mann, der von einer fixen Idee ge­plagt ist; datz dieMoskitos die Erreger oder zumindest die Zwischenträger aller möglichen Krankheiten wären. Dieser Doktor Patrick Man- son gilt mit seinem Mosfito-Fanatismus als ko­misches Original. Kein Mensch nimmt ihn ernst außer Ronald Roß, der von allen diesen Dingen nicht die blasseste Ahnung hat. Er ist von diesen phantastischen und durch nichts be­gründeten Theorien hingerissen, irgend ein dunk­ler Instinkt sagt ihm: Hier ist die Chance deines Lebens, und kurz entschlossen kehrt er wieder nach Indien zurück.

Ronald Roß hat jetzt ein Ziel, eine Aufgabe. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit machte er sich auf die Moskito-Jagd. Er kennt keines die­ser unangenehmen Diester mit Namen. Er weiß nicht einmal, in welche zoologische Kategorie sie gehören, wieviel Arten es gibt und ob sie alle stechen können, er hat nicht die geringste theore­tische Vorbildung, aber er ist von einer fixen 3bee besessen und arbeitet daraus los. Blind, systemlos. Er weih jetzt allerdings schon, daß ein Malaria-Bazillus existiert. Den hat ihm der Doktor Manson in Natura gezeigt. Wenn es ge­länge, herauszubekommen, wie dieser Bazillus von einem Menschen zum andern kommt, wäre die Menschheit von der Seuche erlöst. Tlnd Ro­nald Roß wäre ein gemachter Wann...