Ausgabe 
20.8.1932 Frühausgabe
 
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Widerstand gegen Oesterreichs Verskiavnng.

Oer österreichische Bundesrat lehnt das Lausanner Protokoll ab.

Wien, 19. Aug. (WTB.) Der Bundesrat erhob mit 2 7 Stimmen der Sozialdemokraten, Rationalsozialisten, Großdeulschen und des Heimat­blocks gegen 2 2 Stimmen der Christlich-So­zialen und des Landbundes Einspruch gegen das Lausanner Protokoll. Es muh nun­mehr an den N a t i o n a l r a t zurückgehen. Die Gründe für den Einspruch sind folgende:

1. Weil durch dieses Protokoll die außenpoli­tische Handlungsfreiheit der Republik, insbesondere auch im Hinblick auf eine engere poli­tische und sogar wirtschaftliche Gemeinschaft mit dem Deutschen Reich, für eine Dauer bis zu 20 Jahren wesentlich beeinträchtigt wird.

2. weil durch dieses Protokoll Oesterreich neuerlich einer drückenden Auslandkontrolle un- terworfen wird.

3. Weil in diesem Prolokoll wirtschaftspoli­tische Bestimmungen gefährlich st er A r t enthalten sind.

4. weil Bestimmungen dieses Protokolls geeignet sind, wichtige sozialpolitische Errungen­schaften breiter Schichten arbeitender Menschen zu gefährden.

Vor der Abstimmung war es im Zusammen­hang mit einem Antrag auf Schluß der Aus­sprache zu minutenlangem Lärm gekommen. Der Antrag auf Schluß der Aussprache war von den Regierungsparteien gestellt worden, da außer dem Berichterstatter seit Beginn der Sitzung um 10 älhr vormittags nur drei nationalsozialistische Redner, die durch Dauerreden Obstruktion trei­

ben wollten, zu Worte gekommen waren. Der Antrag auf Schluß der Aussprache wurde mit Hilfe der Sozialdemokraten angenommen.

Rach der Abstimmung über den Einspruch gegen den Rationalratsbeschluß wurde die Sitzung für eine halbe Stunde unterbrochen.

Keine Mehrheit mehr

für die österreichische Regierung?

Wien, 19. Aug. ($11.) 3m österreichi­schen Parlament gehen ernstliche Kri­sengerüchte um. Der Abgeordnete Vinzl des nationalen Wivtschaftsblockes hat sein Man­dat niedergelegt. Er ist bekanntlich jener Abgeordnete, der für das von den Großdeut­schen eingebrachte Mißtrauensvotum gegen die Regierung Dollfuß stimmte und dann von den wirtschaftlichen Verbänden, denen er angehörte, so unter Druck gesetzt wurde, daß er einen voll­ständigen Rervenzusammenbruch erlitt, auf Krank­heitsurlaub gehen mußte und auch bei der letzten Abstimmung über Lausanne fehlte. Durch diese Mandatsniedevlegung rückt an seine Stelle der frühere Sektionschef Schauer-Schoberlech- n e r, der führend in der Angestelltenbeweguug tätig ist. Es wird mit Bestimmtheit behauptet, daß der neue Mann gegen, Lausanne stimmen werde, d. h. also, daß die Regrerung ihre Mehrheit verliert.

Der Bundesrat, dessen Beratungen am Freitag um 10 llhr begonnen haben, wird frühestens in den späten Rachmittagsstunden mit dem Lau­sanner Protokoll fertig werden, da ihm bereits die Rationalsozialisten angehören, die in schärfster Opposition zum Protokoll stehen.

Aus aller Welt.

Oie Rüstungs-Gleichheit.

Paris in Erwartung eines amtlichen deutschen Schrittes.

Paris, 19. Aug. ($11.) 3n französischen po­litischen Kreisen erwartet man mit Sicherheit schon in den nächsten Tagen einen amtlichen Schritt des deutschen Botschafters von H o e s ch bei der französischen Regierung, durch den die Frage der Gleichberechti­gung in den militärischen Rüstun- g e n aufgeworfen und Frankreich aufgefordert werden soll, sich zusammen mit den anderen euro­päischen Großmächten an den Verhand­lungstisch zu sehen. 3n der französischen Presse wird bereits jetzt lebhaft gegen die deut­schen Forderungen protestiert, denen man jede juristische Berechtigung abspricht.

Um die Regierungsbildung in Thüringen

Weimar, 19. Aug. (ERD.) ' Zwischen den Rationalsozialisten und dem L a n d - b u n d fanden heute zum ersten Male Bespre­chungen über die bevorstehende Regierungs­bildung in Thüringen statt. Es handelte sich dabei lediglich um eine unverbindliche Füh­lungnahme. An den Besprechungen nahmen von den Rationalsozialisten Fraktionsführer Abgeord­neter Saude! und Abgeordneter Wächtler , vom Landbund Staatsminister Daum und Staatsrat M a ck e l d e h teil. Wie aus parla­mentarischen Kreisen verlautet, soll Staatsmini­ster Baum wenig Reigung zeigen, wie­der in die Regierung einzutreten. 3m Landbund . und auch in den Kreisen der Deutschnationalen soll man beabsichtigen, den Rationalsozia - I

piccard über

Vor der presse.

Desenzano, 19. Aug. (WTB.) Um 13 Uhr empfing Professor P i c c a r d die im Laufe der Nacht und des Vormittags in Desenzano einge- troffenen Pressevertreter aus allen Ländern. Prof. Piccord gedachte zunächst in dankenden Wor­ten des belgischen Fonds für wissenschaftliche For­schung, der seinen Flug finanziert hat. In aner­kennenden Worten hob er dann die vom Schwei­zerischen Aero-Club geleistete Organisationsarbeit hervor, insbesondere gedachte er in diesem Zu­sammenhang des Sekretärs des Komitee« des Aero- Clubs Dr. T i l g e n k a m p. Professor Piccard er­klärte, daß das wissenschaftliche Ergeb­nis des Flugs befriedigend sei. Beim ersten Stratosphärenflug habe er leider nicht die gewünschten Ergebnisse gehabt, die er erhofft hatte. Diesmal sei es ihm jedoch dank der Erfahrungen des ersten Flugs gelungen, die Berechnungen zu vervollständigen. Ein nicht zu unter­schätzender Vorteil dieses zweiten Flugs fei die Tatsache gewesen, daß er über die Schweizer Alpen führte, die er besonders gut kenne. In­folgedessen habe es keiner großen Arbeit zur Fest­stellung des jeweiligen Standorts bedurft. Beson­ders die Seen hätten sich als gute Wegweiser er- wiesen, so der Garda-See, der infolge seines cha­rakteristischen Umrisses auch in großer Höhe er­kennbar sei. Die kosmische Strahlung, so erklärte Professor Piccard, sei besonders st a r k gewesen, und sie habe, je höher der Ballon stieg, immer mehr zugenommen.

3m italienischen Rundfunk.

Rom, 19. August. (TU.) Professor Piccard sprach heute zwischen 20 und 21 Uhr kurz im italienischen Rundfunk über den Zweck seines Aufstiegs. Der erste Aufstieg, so sagte er, in dem er sich der sranzösischen Sprache bediente, habe den Zweck gehabt, die kosmischen Strahlen zu studieren, ein sehr schwieriges Problem. Zudem habe es damals an Erfahrungen gefehlt

Porträt einer Als-Ob-Katze.

Von Dorothea Hofer-Oernburg.

Eines Tages war sie da. So eine gescheckte, drei­farbige, dreiteilige, unmögliche kleine Katze. Nein, wie häßlich sie war, mager wie eine Spindel, ihr Fell nicht glatt, nicht seidig, ihre ungleichen Augen zu klein und ganz nach unten gerutscht, auf den Schnurrbart zu, der rechts und links mutlos her- unterhin, wie beim Hauptmann von Köpenick. Es war ein Seehundsschnurrbart, es war im ganzen Leben kein Katzenschnurrbart und zum Ueberfluß saß ihr immer ein Wollfläckchen, ein Stäubchen, ein Federchen darin! schlampig, nicht zum Ansehen, ge­flickt, gestückt, grade über dem Auge, dem linken 2luge war ein schwarzer Hosenbodenflicken eingesetzt, ein wahres Wunder von einer schäbigen, handgefer­tigten, dilettantischen, kleinen Dreigroschenkatze, bil­lig, wie aus einem Spielzeugladen im Tal ... nein, mas sage ich, die Industrie hätte sich ganz prin­zipiell gegen sie gewandt. Sie war gar nicht durch die Kontrolle gekommen ... so etwas ...! Sie war überhaupt keine Katze, sie war ein elendes kleines Vieh, mit Augen, die tränten und mit Borwasser behandelt werden mußten. Ihr eines Ohr war zu klein, das andere zu groß. Sie war mit der heißen Nadel zusammengeschludert, sie war alles in allem die unordentlichste, unsymmetrischste Katze, die man sich vorstellen kann, und was das seltsamste an ihr war sie benahm sich in keiner Weise danach.

Denn nicht wahr, man sollte doch von einem so gearteten Geschöpf erwarten können, daß es sich still in eine Ecke des Zimmers gesetzt hätte, um so schlicht und unscheinbar wie möglich zu sein, sich zu leckten, ihr miserables kleines Flickerfell zu strählen, sich ein wenig zu pattem und herzurichten. Ja, man sah es einfach schon ungern, daß sie schnurrte und behaglich tat, als wäre sie dick und verzärtelt und manikürt und habe auf Gottes weiter Welt nichts zu tun, als das in einem fort zu betonen; kurz gesagt, man hätte erwartet, daß sie sich mit äußer­ster Zurückhaltung so benehme, wie es ihr zukam. Das Tolle aber, das ganz und gar Verwerfliche war, daß sie sich im Gegenteil als die unglaublichste Als-Ob-Katze entpuppte, die jemals einen Haushalt unsicher gemacht hat.

Keine Spur angeborener Bescheidenheit, weder vor noch nach Tische. Wenn sie sich hinsetzte, wenn an­dere Leute aßen, um mit einer Miene wahrhaft na­türlicher, angeborener Unverschämtheit ihr mehr oder weniger rosa Maul aufzureißen übrigens konnte fie mit diesem kleinen Maul zugegeben reizenderweise erröten und erblassen wenn sie also da saß, es aujrifj und zu schreien begann, gar nicht sanft zu miauen, und die verurteilte, verhungerte Kreatur

listen die beiden Ministerposten zu überlassen und nur Staatsräte in die Regierung zu entsenden.

Beileid zumTode des Admirals Zenker.

Berlin, 19. Aug. (WTB.) Der Herr Reichs­präsident hat an die Witwe des Admirals Zenker nachfolgendes Beileidstelegramm ge­richtet:Schmerzlich berührt durch die Rachricht von dem so unerwarteten Ableben 3hres Herrn Gemahls spreche ich 3hnen meine herzlichste An­teilnahme aus. 3ch werde dem um die Reichs­marine im Krieg und Frieden Hochverdienten Admiral stets ein ehrendes Andenken bewahren."

Reichskanzler von Papen hat der Gattin des verstorbenen ehemaligen Chefs der Marinelci- tung Admiral Zenker zugleich namens der Reichsregicrung telegraphisch seine Anteilnahme übermittelt.

Der Chef der Marineleitung Admiral Dr. h. c. R a e d e r widmit dem Verstorbenen einen herzlichen öffentlichen Rachruf, in dem seine Verdienste um die deutsche Marine dank­bar hervorgehoben werden.

Oie Schlachtsteuer auch in Oldenburg.

Oldenburg, 19. Aug. (TU.) Das olden- burgische Staatsmini st erium, das be­kanntlich aus Mitgliedern der NSDAP, besteht, hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerich­tet:Infolge Nichtbeseitigung der Schlachtsteuer in Preußen sieht sich Oldenburg gezwungen, die Schlacht st euer ebenfalls einzuführen. Olden­burg ersucht nochmals dringend, diese unsoziale Steuer im ganzen Reich zu beseitigen."

feinen Flug.

und einige Einzelheiten der technischen Vorberei­tung seien unvollkommen gewesen. So konnten be­stimmte Messungen nicht während des Aufstiegs, sondern nur oben vorgenommen werden. Eine Wie­derholung sei also notwendig gewesen. Piccard meinte, es werde ihm schwer fallen, feinen Zu­hörern die Freude zu schildern, die er diesmal wäh­rend des glücklichen Aufstiegs empfunden habe. Zu­nächst fei her Ingenieur in ihm befriedigt gewesen, daß er die Gondel richtig gebaut habe. Als Alpinist habe er sich ferner glücklich gefühlt, einen so pracht­vollen Blick auf seine seit 12 Jahren entbehrten Schweizer Berge werfen zu können, die sich befon» ders aus der Ferne als großartiges Relief zeigten. Als Physiker habe er eine große Genugtuung über das richtige Arbeiten seiner I n ft r u - mente empfunden; das beweise, daß er sein La­boratorium in der Gondel richtig vorbereitet hatte. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sei er also mit dem Ergebnis des Aufstieges vollkommen befriedigt. Piccard dankte zum Schluß in ita­lienischer Sprache der italienischen Negierung und der italienischen Fliegertruppe für die wirksame Unterstützung seines Fluges.

Eine Brüskierung Deutschlands?

Berlin, 19. Aug. (TU.) Heute um 20 Uhr verkündete die Funkstunde, daß Prof. Piccard um 20.25 Uhr auf allen deutschen Sendern über seinen Stratosphärenflug sprechen werde. Rach längerem vergeblichen Warten muhte gegen 20.40 Uhr mitgeteilt werden, daß Prof. P i c * card entgegen der Ankündigung nicht wünsche, daß seine Rede auch von den deutschen und österreichischen Sendern übernommen werde. Eine Anfrage bei der Reichsrundfunkgefellschaft ergab, daß dort über den Grund der plötzlichen Absage Pic - cards bisher noch nichts bekannt sei.

persönlich mimte, obwohl sie satt sein mußte, wie Buridans Esel, so konnte niemand sich selbst wider­stehen. Man kam sich ganz einfach vulgär und ge­hässig vor, man erlag vollkommen ihrer Suggestion, man sagtewiderliche Person" zu ihr und teilte sein Mahl mit ihr. Ja, so war sie. Immer von dieser Philosophie des Als-Ob. Als ob sie hungrig wäre, als ob man ihr nicht den Bissen im Munde gönne, als ob es nur an uns läge ... oh, sie verstand es, einen ins Unrecht zu setzen, diese mieseste aller klei­nen Miesekatzen, die geborene Als-Ob-Katze von Gottesgnaden.

Nicht genua damit, benimmt fie sich auch jetzt noch in jeder Weiseals ob". Als ob fie anmutig sei ... nun Gott sei Dank, wenn sie auch immer Stäubchen im Bart hat, anmutig, das ist sie, das kann man eigentlich schon mit gutem Gewissen behaupten. Sie schlägt einen Salto in der Luft, fabelhaft. Darüber wollen wir auch kein Wort weiter verlieren, da sie sonst doch nichts aufzuweisen hat, diese Katze, dieses Kätzchen, das nolens volens auf irgendwelchen Schultern, irgendwelchen Nacken horstet,als ob" man sie dazu aufgefordert hätte; und das Unange­nehmste dabei ist, daß man sich immer zu wohler­zogen vorkommt, um die Indelikatesse zu besitzen, eine solche Katze darauf aufmerksam zu machen, wie wenig man das von ihr, grabe von ihr wünsche. Jeder leidlich hübschen gegenüber Kleinigkeit ... Nunter Miezi ...!" Und sie geht so wenig her­unter, wie diese, aber man hat doch wenigstens kei­nerlei Scham, keinerlei Minderwertigkeitskomplexe vor ihr... wie?

Nein, es ist keine Kleinigkeit um das Geheimnis dieser Katze. Eine Herbstkatze ist sie. Vielleicht sagt das alles ... turnt auf dir herum,als ob" ein Hohlsaum in Crepe Georgette einzig und allein zu ihrer Belustigung, Begutachtung, Beteiligung an- geferhgt werde.....als ob" eine Korallenkette an

deinem weißen Hals nur da sei, damit sie sich hinter­rücks daran begeistere, deine Haare, damit sie mit ihren Stecknadeln von kleinen Krallen darin herum- zwickt, dich in dein Ohr beißt, kurz mit rücksichts­loser Zierlichkeit so benimmt,als ob" man dann zu seinem Vergnügen vor sich hinflüstere... O du Kätzchen ... dummes, albernes du ..." Ganz als ob sie einfach hübsch wäre und wenigstensPrin­zessin von Siam", mit verträumten, veilchenblauen Augen und mit einem gelbbraun-schwarzen Fell, llebrigens hat fie wirklich Ähnlichkeit mit derPrin­zessin von Siam"; mein Gott, daß mir bas jetzt erst auffällt, ihr Fell ist schon viel seidiger geworben, sie runbet sich, bekommt Kontur, ihre Augen tränen nicht mehr und sitzen schon höher, ihr Schnurrbart richtet sich auf, unb gestern hat sie sich bereits etwas erlaubt, was man einer echten Siamesin kurzerhanb verweisen müßte, während es sie kleidete, ganz ein»

von abstürzenden Gesteinsmassen erschlagen.

In einem Hartsteinwerk bei Kupferberg (Ober­franken) wurden die Arbeiter Anton Schicker und Fritz Zahl bei der Arbeit von abstürzenden Gesteinsmassen erschlagen. Lieber die Ursache des Unglücks ist noch nichts Näheres be­kannt.

Zwei Antwerpener Studenten im Rhein ertrunken.

Dieser Tage kam eine Gruppe von Studenten aus Antwerpen in Alsum bei Hamborn an, wo sie in einem Gasthof eine kurze Pause machten. Meh­rere Studenten ließen sich mit der Fähre auf die linke Rheinseite übersetzen, wo sie trotz den War­nungen des Führerpersonals ein Bad nahmen. Vier junge Leute gerieten dabei in die Gefahr des Er­trinkens. Zwei konnten gerettet werden, während die beiden anderen, die des Schwimmens unkundig waren, ertranken.

Beim Baden ertrunken.

Der Badebetrieb im Mannheimer Strandbad hat innerhalb weniger Tage fein drittes Todes­opfer gefordert: der Steuerassistent Braunagel aus Neckarau ertrank beim Schwimmen. Der acht­jährige Sohn, der den Vater begleitete, teilte der Polizei das Verschwinden des Vaters mit; sofort vorgenommene Nachforschungen führten bisher zu keinem Ergebnis.

Feuergefecht zwischen dänischen Zollbeamten und Spritschmugglern.

Vor der 3nsel Moen begegnete ein dänischer Zollkutter einem Motorboot, in dem sich ein den Beamten bekannter dänischer Spritschmugg- l e r und ein Pole befanden. Zwischen den Be­amten und den Schmugglern entwickelte sich eine stundenlange Schießerei, bei der jedoch nie­mand verletzt wurde. Als der Zollkutter das Schmuggelfahrzeug abschleppen wollte, riß die Schlepptrosse. Der Kutter muhte schließlich wegen

fach. Sie nahm Platz auf Annettes Stirn, während Lucian sie küßte. Jawohl, bas hat sie aeroagt. Sie schielte babei herunter auf ihre beiben Münder, mit ihrem einen zu kleinen Auge, biefe unmögliche Katze, ganz kritisch unb viel zu aufgeklärt, um sich mit ihrem Großvater Hibigeigei zu fragen:Warum küssen sich die Menschen?", schien sie zu sagen: Annette, Fräulein, tu bu boch nur nicht so, als ob ... immer als ob ... bu gehst mir .bamit in unerhörter Weise auf bie Nerven ... Wie ...? mit diesem Nichts von Erscheinung, meine Liebe ...du wirst es auf bie Dauer bamit nicht machen .. ich warne bich. Ich rufe bir zu: erkenne bich selbst!..." Sprach's unb schüttelte ihr geflicktes Haupt.

Mit einem Wort, von ben brci Lastern bes mo­dernen Menschen, laut Nietzsche, kann sie minbeftens eins für sich in Anspruch nehmen. Die Unschulb, unb wahrhaftig, man kann es nicht anbers ausbrücken, fie ist eine höchst philosophische, höchst ärgerliche, höchst anmutige kleine Talmikatze, ohne Charakter unb mit ganz übertriebenem Selbstgefühl.

Quo vadis?

3m Lichtspielhaus sieht man seit gestern in einer auf brei Tage berechneten Sonberoeranftaltung die teilweise tönenbe Neufassung bes bekannten inter­nationalen GroßfilmsQuo vadis?, bem ber be­rühmt geworbene Roman von S i e n k i e w i c z zugrunbeliegt. Manuskript unb Regie: Gabriellino b ' Annunz i o unb Georg Jacoby. Der histo­rische Stoff- bürste in seinen Grunbzügen hinläng­lich bekannt sein; ber Schauplatz ist bas kaiserliche Rom zur Zeit der ersten Christen. Die heidnisch- barbarische Welt des schon bem Verfall zu- neigenben lateinischen Riesenreiches wirb ber klei­nen, von Opferbereitschaft für ben neuen Glauben unb bie christliche Lehre beseelten Gemeinbe unter ber Führung bes Petrus in ben Kata­komben gegenübergeftcUt. Der Film entwickelt die bewegten unb vielfach bramatischen Szenen aus der Zeit ber Christenversolgungen mit einem er» staunlichen Aufwanb an Material unb Menschen; die Produktion muß enorme Summen verschlungen haben. Die überroiegenb auf pompöse Silber unb repräsentative Massenszenen eingestellte, manchmal geradezu opernhaft anmutenbe Inszenierung er­innert mehr als einmal stilistisch unb stofflich an benBen Hur"-Film, ben wir ebenfalls früher hier gesehen haben. Die Höhepunkte bieser mii riesigen Mitteln verschwenberisch arbeitenben Regie bilden bie schwelgerischen Feste des Kai­sers, bie Episoden aus bem brennenben Rom, bann die Szenen im Zirkus mit den bekanntenQuo- vadis=ßöroen, mit einem aufregenden Wagen­rennen und dem Kampf des starken Ursus gegen

Maschinenschadens die Verfolgung aufgeben. Die Schmuggler sind mit ihrem Doot in Richtung auf die deutsche Küste entkommen.

Spielplan der Frankfurter Theater«

Opernhaus. Sonntag, 21. August, 20 bis nach 22.30 Uhr:3phigenie auf Tauris". Montag, 22., geschlossen. Dienstag, 23., 19.30 bis 22.30:Der Freischütz". Mittwoch, 24.. 20 bis nach 21.30: Zweite Symphonie in C-Moll. Donnerstag, 25., 20 bis nach 21.30: Zweite Symphonie in C-Moll. Freitag, 26., 20 bis nach 22.30:3phigenie auf Tauris". Samstag, 27., 11.30 bis gegen 13 (geschlossene Vorstellung): Feier des Freien Deutschen Hochstifts. 19.30 bis gegen 22.30:Die Zauberflöte". Sonntag, 28., 17.30 bis nach 22:Die Meistersinger von Rürn- berg". Von Montag, 29. August, bis Sonntag, 9. Oktober 1932 bleibt das Opernhaus geschlossen.

Schauspielhaus. Sonntag, 21. August, 20.15 bis nach 23 30 Uhr:Geschichte Gottfriedcns von Derlichingen mit der eisernen Hand (Urgöh)". Montag. 22., 20.30 bis nach 23:Egmont". Dienstag, 23-, 20.15 bis nach 23.30:Geschichte Gottfriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand (Urgötz)". Mittwoch, 24.,19 bis 24: Faust" (1. Teil). Donnerstag, 25., 20.30 bis nach 23:Egmont" oderTorquato Tasso". Freitag, 26., 16 bis 17 (im Garten der Wilhelm- Meister-Schule, Hänfener Landstraße 101):Tri­umph der Empfindsamkeit". 19.30 bis 22.30: Florian Geyer". Samstag, 27., 19.30 bis nach 22:Egmont". Sonntag. 28., 20.15 bis ßach 23.30:Geschichte Gottfriedens von Der­lichingen mit der eisernen Hand (4lrgöh)". Die Vorstellungen am Sonntag, Montag, Diens­tag, Donnerstag, Samstag und Sonntag finden bei günstigem Wetter als Freilichtaufführungen auf dem Römerberg statt.

den Stier. In dem überwiegend mit ausländischen und hier gar nicht ober wenig bekannten Schau­spielern besetzten Solisten-Ensernble erscheint San­ni n g s in ber Rolle bes Nero. Er erinnert hier gelegentlich ein wenig an seinen Zaren imPa­trioten"; aüerbings vermißt man bie Stimme, doch begreift man bald, was Jannings gerade an dieser Figur gereizt hat; seine mimische und kör­perliche Ausdruckskraft und Beweglichkeit heben ihn von Anfang an über seine Partner hinaus, von denen (bie uns namentlich nicht bekannten) Dar­steller ber Lygia, be/ Petronius, Vinitius unb Vi­tellins vor anbern zu nennen sind.r

Oie Schahgräberbriefe kommen wieder

Vor dem Kriege kamen mit großer Regel­mäßigkeit Briefe aus Spanien an Deutsche, in denen von einem fabelhaften Schah gefaselt wurde, der irgendwo deponiert sei und zu dessen Aus­lösung ein bestimmter Betrag gegen Zusicherung der Beteiligung überwiesen werden sollte. Viele sind trotz allen Warnungen darauf hereingefallen und haben ihr Geld verloren. Der Krieg hat dem Schwindel ein Ende gemacht, aber alles kommt wieder, nur in einer anderen, der Zeit mehr an- gepahten Form. Ein Wurstfabrikant in Thürin­gen erhielt aus Barcelona ein anonymes Schrei­ben. In dem Brief wird mitgeteilt, daß der Schreiber s'ch im Zuchthaus befinde. Seine 16jährige Tochter sei dadurck) des väterlichen Schuhes beraubt und außerdem seien 6000 Mk. für. Prozeß- und Gerichtskosten zu zahlen. Der Briefempfänger möge unter der Adresse Federico Matias nach Gironella, Lista Correos 724 in Spanien" telegraphieren, daß er bereit sei sofort nach Spanien abzureisen, das Mädchen in seine Obhut zu nehemen und die Gerichtskosten zu bezahlen. Er würde dafür Dokumente erhalten, die es ihm ermöglichen würden, das auf einer Derlmer Bank deponierte Vermögen des spani- scyen Zuchthäuslers in Höhe von 300 000 Mk. abzuheben. Als Belohnung solle er 100 000 Mk. ^?ueri- Der Spanier hatte diesmal Pech. Der Fabrikant wandte sich um Rat an den Syndikus seines Verbandes. Dieser erinnerte sich daran, daß er den Drief vor langer Zeit wörtlich in einem deutschen Kriminalroman ge- lesen hatte. Aus dem Roman hatte der Spanier den Brief , einfach abgeschrieben, um zu versuchen, vd man nicht wirklich mit der Romanidee Geld machen könne. Der Brief ist vervielfältigt. Es werden ihn also auch noch andere Personen emp­fangen oder schon empfangen haben. Es wird gewarnt.

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