Ausgabe 
20.8.1932 Frühausgabe
 
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iolgung aufgeben. Sie 2oot in Richtung kommen.

^kfurter Theater ig. 21. August, 20 bis mie auf Tauris". - - Dienstag, 23, 19.30 h"- - Mittwoch, 24, Symphonie in L-Woll. 'is nach 21.30: Zweite 7 Freitag, 26, 20 bis i Tauris". - Samstag, efchloflene Aorftellungx m Hochstifts. 19.30 bis flöte". - Sonntag, 28, lleisterfinger von Mm« 9. August, bis Sonntag, Opernhaus geschloffen. Sonntag, 21. August, .Geschichte Gottfrieden; lernen $anb (Urgöf))". rach 23:Sgmont. - ad) 23.30:®efd)id)tt jen mit der eiscrne/r ovch, 24,19 dir 2V. itilag, 25, 20.30 b.8 .Torquato Mo". - Tarten der Dtlhelm« üandstrahe 101):Sri- it". 19.30 bis 22.30: lmstag, 21, 19.30 bis Sonntag, 28, 20.15 bis Iottfriedens von Bei« m Hand (ürgöö). - mntag, Montag, D'cns« ig und Sonntag finden I Freilichtaufführungen

maiig bekannten Schau- fnsemble erscheint 3a n* Nero. Er erinnert > keinen Zaren im ,,pa iS man die Stmme 5 Lannings gerade eine mimtidje und kor Beweglichkeit heben i J . Partner hmE. v°" nicht bekannten) Da ,niu5, Binitius unb nen sind.

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Freitag

n. toub frühestens in rrrrs

Aus der Provinzialhauptstadt.

Vieh en, den 20. August 1932.

Wie wär'S?

Zu unserer Notiz in Nr. 188: .Jedem Fremden ein Glas Weint" schreibt uns ein alter Mitarbeiter:

Wen heut' die Reiselust befällt, Fährt an den deutschen Rhein, Weil er dort ganz umsonst erhält Ein feines Gläschen Wein.

Man händigt ihm den Gutschein aus Zur Hebung des Verkehrs,

Da bleibt Sonntags kein Mensch zu Haus'. Nun frage ich: Wie wär's,

Wenn dieser so vernünft'ge Brauch:

Sine annehmbare Spend'

In unscrm Oberhessen auch Gebührend Eingang fänd ?

Wer auf das Land die Schritte lenkt (Ich nenn' nur zwei- Exempel), Erhält in Annerod geschenkt Ebbelwein 'nen ganzen Bembel.

Auch B u s e ck spendet diesen Trank

And Handkäs' .durch und durch" Lohnt den gewohnten Dummelgang Nach der alten Wellersburg.

Es blieb so manches ungetan Zur Hebung des Verkehrs, Drum seht das Mainzer Beispiel an And überlegt:Wie wär's?"

H. E.-Dr.

Eine 300 Jahre alte Hausinschriff aufgefunden.

Bei dem in der letzten Woche durchgeführten Ab- bruch des Hauses K a t h a r i n e n g a s s e 5 hat sich unter dem Putz des Hauses, das in den letzten Jahr­zehnten nur noch als Scheune benutzt wurde, in Wirklichkeit aber ein Wohnhaus mit Tenne, beide

unter einem Dach vereinigt, darstellte, folgende Inschrift über dem einflügeligen Hauseingang gefunden:

DIESER BAVW STETT IN GOTTES HANTT ER BEWAR IN VOR FEVWER UND BRAND." ANDONGES SAND BIN ICH GENANT.

1614.

** Museen und Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Ein­trittspreisen geöffnet.

** Anfall im Gießener Bahnbe­triebswerk. Der im hiesigen Bahnhof als Reichsbahnschlosser beschäftigte Wilhelm Lenz von Klein-Linden verunglückte am Donnerstag­nachmittag unter einer Lokomotive, an der er Ar­beiten auszuführen hatte. Eine schwere Trag­feder fiel dem bedauernswerten Mann auf die Deine, so daß er einen Beinbruch erlitt und ihm außerdem der Fuß ausgerenkt wurde. Am Kopfe erlitt er ebenfalls Verletzungen, die allerdings nur leichterer Natur waren. Der Verunglückte mußte in die Chirurgische Klinik gebracht werden.

Der Ertrunkene noch nicht auf­gefunden. Der in der Nacht zum Freitag in der Lahn ertrunfene Gerichtsreferendar August Weinmann konnte bisher noch nicht aufgefun­den werden.

** Sonntagsrückfahrkarten zum Sa« tholikentag in Essen. Vom 31. August bis 4. September findet in Essen die 71. Generalver­sammlung der Katholiken Deutschlands statt. Aus diesem Anlaß werden an die Besucher von allen Bahnhöfen des Reichsbahn-Direktionsbezirks Frank­furt a. M. somit auch von Gießen und um­liegenden Bahnhöfen Sonntags- (Festtags-) Rück­fahrkarten nach Essen ausgegeben. Die Sonntags- karten gelten wie folgt: 1. Dom 31. August bis 2. September je 24 Stunden von 12 Uhr bis zum folgenden Tage 12 Uhr, zum Beispiel vom 31. Au- gust 12 Uhr bis 1. September 12 Uhr (12 Uhr Be­endigung der Rückreise); 2. vom 3. September OUHr bis 5. September 24 Uhr durchgehend. Am 5. Sep­tember 24 Uhr muß die Rückreise beendet sein.

Oer Eisverein im eigenen Heim.

Richtfest. - Ein Haus der Allgemeinheit. - Oie Eichgärten in zukünftiger Gestaltung.

In überraschend kurzer Zeit wuchs in den Eich- gärten, am Schnittpunkt der Wolf- und der ver­längerten Noonstraße, ein Haus heran, dessen Dau der E i s v e r e i n schon seit längerer Zeit erwogen hatte, das aber erst jetzt in Angriff genommen wurde, nachdem die alte Dretterbude an der Moltkestraße mit Rücksicht auf die Stra­ßenführung fallen muhte und die Räume in der ehemaligen Lackfabrik von Zurbuch nicht den Bedürfnissen entsprachen. Das neueHaus des Eisvereins ist nicht allzu groß, es ist kein Prunkbau, aber doch entsprechend den verfüg­baren Mitteln ein Gebäude, das allen Anfor­derungen gerecht werden dürfte, die billiger­weise zu stellen sind. Zu betonen ist, daß es sehr geschickt aufgeteilt wurde. Im Erdge­schoß befindet sich ein An s ch n a l l r a u m , der sicherlich begrüßt werden wird. Im Erd­geschoß ist ferner ein besonderer Raum für die Arbeiter freigehalten, die während der Eislaufzeit die Bahn in Ordnung zu halten haben. Eine Garderobe ist ebenfalls vorge­sehen. Im er st en Obergeschoß wird ein großes Zimmer bereitgestellt, das für Gäste be­stimmt sein soll, die dort eine Tasse heißen Kaffee trinken, oder sich etwas aufwärmen wollen. Große Fenster nach der Talseite zu gestatten einen um­fassenden Aebcrblick über die Landschaft bis zum Hangelstein, ja bis zum Daubringer Pah. Der ganze Raum macht den Eindruck einer tichtdurch- fluteten Terrasse. Im ersten Stockwerk befinden sich ouherdem noch ein Raum für den Vor­stand des Eisvereins, und eine kleine Küche und ein Vcreinszimmer. Eine Treppe führt von auhen her zum Obergefchoh. so daß durch ein Treppenhaus keinerlei Raum bean­sprucht wird.

Gestern fand nun, nachdem das Haus im Roh­bau fertiggestellt und unter Dach gebracht wor­den ist,

das Richtfest

oder wie die Handwerker sagen, dieBauhebe" statt' Der 1. Vorsitzende des Eisvereins, Land- qerichtsrat Dr. Wodaege, begrüßte zunächst Bürgermeister Dr. Hamm, der für die Stadt- Verwaltung erschien, Baurat G r a v e r t als den Bauleiter, die Vertreter der den Bau ausluh- renden Firmen, Rektor Schmidt, dem als eifriges Vorstandsmitglied des Eisvereins ein wesentliches Verdienst um die Errichtung des Hauses zufällt, und nicht zuletzt die Handwerker die sich um die Erstellung des Veremshauses mit aller Sorgfalt bemühten. Dr. Wodaege erinnerte sodann daran, dah der Ei sve rein in diesem Winter auf ein 50jährige s -oe* stehen zurückblicken könne und das Haus ein gutes Omen darstellen möge für den Eisvcrem und das beginnende zweite halbe Jahrhundert seiner Zukunft. Das Haus sei gebaut für die All­gemeinheit, und man freue sich darüber, daß es gelungen sei, es aus e i g e n e r K r a f t schaffen zu können. Das Haus möge aber auch dazu beitragen, die Mitglieder des Vereins enger zusammenzuführen. Nachdem man bei der traditionellen Fleischwurst der Richtfeste und einem Glase Bier einige Zeit zusammensah. wurden das Haus und das angrenzende Gelände ein­gehend besichtigt. Vaurat Gravert gab bei dieser Gelegenheit einige Aufklärungen über die zukünftige Gestaltung des Eichgar- tengebietes.

Als man wieder beisammensah, sprach Bürger- meister Dr. Hamm dem Eisverein Dank für die Einladung und freundliche Degruhung aus. Das Heim zu errichten aus eigenen Mitteln des Eis- Vereins sei, so führte er u. a. aus ein e -L, a t. Cs bedeute einen Fortschritt im Stadtbild und einen Anfang zur weiteren Entwicklung im Nord­osten der Stadt. Der Derem habe das Heim er­richten lassen und es gleichzeitig der Stadt ge­schenkt. Deshalb habe auch die Stadt die Bau­leitung und die Ausführung übernommen. Das Haus solle ein weiteres Glied der Windung zwi- schen Bürgerschaft, herein und Stadtverwaltung sein. Die Stadtverwaltung werde es als Treu- händer in guter Obhut halten. Mit besten Wun- schen für die weitere Entwicklung des Elsvereins schloh er seine kurzen Ausführungmi. Der Rest des Abends gehörte einem gemütlichen Beisam­mensein

3m Minter wird der Eisverein das neue heim in Verbindung mit der Feier feines 50jährigen Bestehens einweihen und seiner Bestimmung übergeben.

Projekte derStadt im Eichgärtengebiet.

In engem Zusammenhang mit der Erstellung des Heimes des Eisvereins gehen verschiedene andere Arbeiten, die gegenwärtig im Eichgärten- gebiet vorgenommen werden. Die Eichgärten sollen für die Zukunft zu den Lungen un­serer Stadt ausgebaut werden. Im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes wer- den in unmittelbarer Nähe der bisherigen Eis­bahn umfangreiche Ausschachtungsarbeiten vor­genommen und das dadurch gewonnene Erdreich als Anterlagematerial für die zu schaffende ver­längerte Roonstrahe verwandt, die bis zum Philosophenwald durchgeführt werden soll. Das ausgeschachtete Gelände soll einen größe­ren Teich bilden, der sein Wasser aus der Wieseck erhält. Der Teich soll Gelegenheit geben zum Kahnfahren im Sommer und zum Eislauf im Winter. Die bisherige Eisbahn an der Moltke- strahe soll, wie es im Bebauungsplan der Stadt vorgesehen ist, als Baugrundstück Verwendung finden. Als Ersatz dafür wird dem Eisverein das neuausgeschachtete Wiesenland zur Verfügung stehen. Die Arbeiten sind bereits ziemlich, weit vorgeschritten

Etwa 53 junge Leute sind im freiwilligen Arbeitsdienst mit den Ausschachtungsarbeiten beschäftigt und haben seit dem 4.3uli bereits

1700 cbm Erdreich bewegt.

Außerdem trägt man sich mit dem Gedanken, neben der eigentlichen verlängerten Noonstraße als Fahrbahn einen zweiten Weg für die Fuß­gänger parallel der Roonstrahe zu bauen und diesen Weg mit Daumreihen zu bepflan­zen. Der Weg bzw. die Allee soll ebenfalls bis zum Philosophenwald durchgeführt werden. Eine weitere Verschönerung der Eichgärten soll in der Schaffung einer großen baumumsäumt en Grünanlage unmittelbar vor dem Pestalozzi- schulhaus erstrebt werden, die sich von der ver­längerten Roonstraße aus im rechten Winkel bis zum Schulhaus erstreckt. Die Verwirklichung dieser Projekte, die unserer Stadt und besonders dem Stadtbild im Nordosten nur zum Vorteil gereichen können, soll

mit Hilfe des Arbeitsdienste» soweit wie möglich gefördert werden.

Gegenwärtig werden die Arbeiten nur dadurch etwas gehemmt, dah die Gärten, die dort be­seitigt werden müssen, noch nicht frei gemacht werden können. Den Gartenbesitzern wird an­deres Gelände zur Verfügung gestellt, so dah der endgültigen Verwirklichung der Pläne nach menschlichem Ermessen kein allzu grohes Hinder­nis entgegenstehen dürfte. Allerdings werden darüber noch einige Jahre vergehen.

Amtsgericht Gießen.

Ein Korbmacher hat Ende März d. I. einen bei ihm wohnenden Arbeiter nächtlicherweile mit einem feststehenden Messer bedroht und hierbei in nicht unerheblicher Weise die Nachtruhe der Hausbewoh­ner und Nachbarn gestört. Es ging ihm deshalb ein Strafbefehl zu, gegen den er Einspruch emlegte In Erkenntnis der Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels nahm er es jetzt zurück, so daß es bei der ursprüng­lichen Strafe und den neuen Kosten verbleibt.

Der gleiche Mann hatte dem vorbezeichneten Ar­beiter der arbeitslos war und eine Zeugenladung vor Gericht erhalten hatte, eine Bescheinigung des Inhalts ausgestellt, daß er bei ihm in Arbeit steye und täglich vier Mark verdiene. Dieses Zeugnis war bewußt wahrheitswidrig und nur zu dem Zwecke ausgestellt dem anderen die Möglichkeit zu ver­schaffen, Zeugengebührcn zu verlangen. Er machte von diesem Zeugnis auch Gebrauch und erhielt dar­aufhin Zeugengebühren. Nunmehr machte der Korb­macher, der von seinem Untermieter wegen der oben, geschilderten Bedrohung und des ruhestorenden Lärmes zur Anzeige gebracht worden war, gegen den Letzteren eine Anzeige wegen Betrugs., da er die Zeugengebühren unter Doripiegelung falscher Tatsachen erhalten habe. Hierauf erhielten beide

Oie erste Ilandemfahrt der Deutschen Studentenschaft im August 1932.

Eine Wallfahrt zu den Schlachtfeldern und Gräbern des großen Krieges.

13on siud. phil. et ter. pol. Eberhard Hreiherrn Schenk zu Schweinsbcrq.

3m Juli dieses Jahres hatte die Einwei­hung der Gcdenkhallc auf dem Frei­willigenfriedhof Langemarck stattge­funden. Sie wurde errichtet aus Mitteln der Deutschen Studentenschaft, die Patenschaft, Aus­bau und Pflege dieses Friedhofes übernommen liat. Nach Schluß des Somm^rsemesters sand die erste Fahrt über d i e flandrischen Schlachtfelder statt, die von der Langemarck- spende der Deutschen Studentenschaft organisiert wurde, und die von jetzt an jedes Jahr aus­geführt werden soll.

In Derlin. Hamburg und Köln trafen sich in den ersten Augusttagen Studierende und An­gehörige. der in Flanderns' Erde ruhenden Ge­fallenen. um die Stätten zu sehen, auf denen das deutsche Heer vier Jahre kämpfte und blutete, um die Gräber ihrer Väter. Drüder und Söhne zu besuchen. Bei der alten deutschen Proviant- station Herbesthal rollt der Zug über die belgische Grenze. Das rauchgeschwärzte Lüttich zieht vor­über. Es ist genau 18 Jahre her. seit diese Stadt und Festung die Beute des ersten großen deut­schen Sieges wurde. Weiter geht es über die Flüsse Gelte und Dyle. an denen die belgische Armee vor ihrem Rückzug in die Festung Ant­werpen unglücklich kämpfte. Don Brüssel trägt uns ein Bummelzug durch die flandrische Ebene. Bei Kortryk und Comines trägt die Landschaft zuerst die Zeichen des Krieges. Helle Betonbunker, frühere deutsche Unterstände, trotzen den Jahren. Ihre Eingänge sind verschüttet und überwuchert. Reben dem neu erbauten Bahn­körper zwischen Comines und Ppern läuft die alte Strecke, von Artillerie zerschossen, von versumpf­ten Gräben durchfurcht. Die neue, aus Kalkstein erbaute Kathcdralevon PPern taucht auf. Die um 1920 erbauten Häuser der Stadt sind festlich geflaggt. Das althergebrachte flämische Volksfest in Q)pcrn ist in vollem Gange. Cs tobt um die chaotischen Trümmer der Tuchhalle und der alten Kathedrale. Stumm lassen die abge­deckten Säulengänge, die gen Himmel ragenden bröckelnden Mauerreste, die auf den Stein- trümmern errichteten englischen Gedächtnislreuze das Dröhnen der Drehorgeln, das Tosen des Jahrmarktes über sich ergehen. Lebensfreude, Vernichtung und Tod in einzigartiger Szenerie vereinigt. Am Rande der Stadt liegt die alte Kaserne, stark von Artillerieeinschlägen verheert. Die eine Hälfte, von Balken gestützt, dient als Armenhaus, die andere Hälfte liegt verlassen und abgedeckt, dem Verfall ausgesetzt, der lang­sam und stetig fortschreitet. Um die Stadt ziehen die breiten Festungsgräben, zum Teil mit Ge­steinsmassen angefüllt, die von der stark demo­lierten Festungsmauer herabgerollt find. Der englische Triumphbogen am Menin- t o r zeugt von Reichtum und Macht des Welt­reiches.

Der nächste Tag führt uns auf den Remmel» berg. Von Artillerie zerschossen, von Sprengun­gen durchwühlt, thront das Kemmelmassiv in der Ebene Flanderns. Bei der Frühjahrsoffensive 1918 war die Höhe in deutsche Hand gefallen. Heiß und steil ist der Aufstieg. Brombeer­sträucher, undurchforsteter junger Riederwald ver­kleiden den von Granittrichtern durchwühlten Berg. Der Blick schweift übet das unvergleichlich schöne Flandern. Ueppige Felder, Erlen- und Pappelreihen, die zur Grenzziehung dienen. In

Teichen und wassergefüllten, von Schilf und Slachcldraht umgebenen Geschoßtrichtern spiegeln sich Sonne und Himmel.

Auf der Fahrt durch die blitzblanken neuerbauten Dörfer im Dreieck Comines- Roulers -Bpern sehen wir seitlich der Straße die sorgsam ge­pflegten deutschen Soldatensriedhofe. Einige seien hier genannt: Houthem. Werwieq, America, Zandvoorde. Deccelaere, Paschendaele, Poelkapelle. Jeder einzelne Friedhof ist indivi­duell nach der Geländelage angelegt, keine Spur von Schematisierung. Inmitten des Meeres schwarzer, knapp meterhoher Eichenkreuze ist ein dunkles Weihekreuz errichtet, das sich ernst von den lachenden Feldern abhebt. Der eingeebnete Rasen ist kurz gehalten. Blühende Rosen. Weiden- pflanzungen umsäumen die Grabreihen Sie geben Zeugnis von der starken Liebe, mit der Deutsch­land die Ruhestätten seiner Gefallenen betreut. Als schlichte und stolze Künder deutschen Geistes ruhen die deutschen Soldatenfriedhöfe in der Ebene Flanderns. Die Patenschaft für einen ein­zelnen Friedhof hat stets das Regiment über­nommen. dessen Angehörige die Mehrzahl der dort Bestatteten ausmachen.

Gegen Nachmittag erreichen wir das Schlacht­feld von Lange ni ar ck. Brütende Augusthihe liegt über der Landschaft. Sie war Zeuge des Er­eignisses im Spätherbst 1914. von dem der deutsche Heeresbericht meldete:Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem ®c- sangeDeutschland, Deufschland über alles" gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie."

Bleichende Betonbunker ziehen sich an der alten Frontlinie entlang. Still in sich abge­schlossen ruht die Landschaft. Silbergrau-grune Pappeln und Erlen bilden den ilebergang vom tiefblauen Augusthimmel zu den satten gold­glänzenden Feldern. Ein breiter stiller Weiden­graben durchquert das Land ... Heber den Feld­strichen, die der Krieg zerrissen hat, steht gelb- roter und dunkelroter Mohn in leuchtender Farbenpracht. Wir versammeln uns in der neu eingeweihten Chrenhalle zu einem kurzen Gedenken an die heldenhaste Langemarckschlacht, ihre Dollbringer und Opfer. Cs folgen K r a n z - nieöerlegungen von Dertretern studentischer und militärischer Derbände. Ein Mitkämpser spricht von den Spätherbstkämpfen in Flandern. Das Lied vom guten Kameraden beschließt die schlichte Feier. In die Innenwände der Gedenk- Halle sind eingraviert die Namen der über 1 0 0 0 0 Freiwilligen, die am Abschnitt Langemarck für Deutschland fallend ihr Leben früh vollendeten. Ein Hain junger Eichen ist auf dem Friedhof angepflanzt. In wenigen Jahren wird sich Eichenlaub wölben über die lang­gestreckten Kreuzreihen, unter denen die irdischen Reste der unsterblichen Helden ruhen.

Auf einer Kranzschleife in der Chrenhalle stehen die Derse des im Osten gefallenen Kriegsfrei­willigen Walter Flex:

Wir sanken hin für Deutschlands Glanz, Blüh'. Deutschland, uns als Totenkranz!"

Für uns Rachtriegsdeutsche ist der Anblick von Langemarcks Erde ein Appell, im nernen- fressenden Friedensringen beharrlich weiterzu­kämpfen für das große und noch ferne Ziel, die vollständige Befreiung des Daterlandes.

Strafbefehle wegen Betrugs und wegen Beihilfe zu diesem Vergehen. Diesmal beruhigte sich der Korbmacher, während der Arbeiter Einspruch erhob, allerdings ohne Erfolg, da Arbeitslose, die ja einen Lohnausfall nicht haben, einen Anspruch auf Zeugen- gebühren nicht besitzen.

eine Tribüne für das Publikum. An der ersten Sitz­reihe der Tribüne ist ein Schild angebracht, durch das die Besucher der Parlamentstribüne gebeten werden, die erste Sitzreihe den Damen zu überlas­sen. Wenn ein Fremder sich in das Luxemburger Parlament verirrt, das Schild übersieht und in der ersten Reihe Platz nimmt, dann erscheint ein Diener und fordert den Besucher höflich aber bestimmt auf, sich etwas weiter nach hinten zu bemühen. Daher kommt es, daß selbst in den Tagen der heißesten Debatten die Tribüne voll besetzt ist. Die erste Sitz­reihe ist immer leer, den die Damen Luxemburgs haben für ihre Abgeordnetenkammer kein Inter- esse, sie find auch nicht höflich genug, um für die galante Geste des Parlaments auch nur ab und zu mit einer Anstandsvisite zu danken.

Vier Jahre Zuchthaus für den Dillenburger Oberrentmeifter Zwanzig

WSR. Wetzlar, 19. Aug. Dom Erwei­terten Schöffengericht Wetzlar wurde heute der ehemalige Oberrentmeifter Heinrich Zwanzig aus Dillenburg wegen fortgesetz­ter schwerer Urkundenfälschung, Amtsunterschlagung und Anstiftung zu diesen Derbrechen, zu einer Zucht­hausstrafe von vier Jahren und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Außerdem er. hielt er drei Jahre Ehrverlust. Sechs Monate werden ihm als durch die Untersuchungshaft ver- büßt, angerechnet. Zwei Mitangeklagte, die Kaf» sengehilfen Hch. Derghauser aus Katzenfurt im Kreise Wetzlar und Otto Schmörch aus Ei­semroth erhielten wegen Beihilfe zur einfachen Amtsunterschlagung und schwerer Urkundenfäl­schung 14 Monate bzw. 6 Monate Ge- fängn is. In den Jahren 1925 bis 1931 hatte Zwanzig als Leiter der staatlichen Kreis- und Forstkasse rund 202000 Mark unter- schlagen. Er behauptete zwar, dah es nur 130 000 Mark sein könnten, die er unterschlagen habe; die genaue Nachprüfung ergab aber eine wesentlich höhere Summe. Der Derbleib des Gel­des ist ein Rätsel und konnte bisher nicht aufge­klärt werden. Das Gericht war der Ansicht, daß Zwanzig einen Teil des Geldes beiseite geschafft haben muh. Er behauptete, dah er das ganze Geld in ein Sägewerk gesteckt habe, das er im Jahre 1925 in Frohnhausen im Dill- kreis für feinen unehelichen Sohn, der aber in feiner Familie gelebt hat, gekauft habe. Das Sägewerk brannte ab und d>e Neueinrichtung ver- schlang vollkommen die Dersicherungssumme. Zw. entschuldigte seine Derfehlungen damit, dah die Kassenrevisionen der Wiesbadener Regie­rung sehr wenig genau gewesen seien, bzw. überhaupt nicht stattgefunden hätten.

Buntes Allerlei.

Oie Oamen nach vom!

Luxemburg wird von einer Großherzogin regiert und in ihrer Arbeit von einer Abgeordnelenkammer unterstützt. In dieser Kammer gibt es keine großen Tage die das Interesse der Welt in Anspruch neh­men könnten. Aber die Kammer ist unbestreitbar das höflichste Parlament aller Parlamente, die in der Mehrzahl immer geringeren Wert auf Höflich­keit [egen. Die Verhandlungen des Luxemburger Parlaments sind öffentlich und daher gibt es auch

Oer Taucher und die Straßenbahn.

Dor einigen Wochen war Italien der Schau­platz eines zwar nicht gerade sehr wichtigen, aber amüsanten Streitfalles. Ein Raucher bestieg den Richtrauchcrwagen einer Strahenbahn und weigerte sich, den Wagen wieder zu verlassen, mit der Begründung, er rauche seine Zigarre ja gar nicht, sondern er hielte sie nur in der Hand. Wenn die Zigarre trotzdem weiter rauche, so könne er nichts dafür. Der Schaffner möge sich also gefälligst nicht mit ihm, sondern mit feiner Zigarre auseinandersehen. Das Ende dieses Streites war ein verwickelter Prozeh, der übri­gens in erster Instanz mit einer Niederlage der Strahenbahn endete.

Ein Berliner Spohvogel, der diese Geschichte gelesen hatte, beschloß, das Dorbild des streit­süchtigen Italieners in Berlin nachzuahmen. Er setzte sich also ebenfalls, in der Hand eine brennende Zigarre, in einen Nichtraucherwagen, und zunächst verlief alles auch ganz programm­gemäß. Der Schaffner blickte mihbilliqend den Ucbcltätcr an und verkündete:Eie müssen raus, rauchen ist hier verboten." Woraus der Fahrgast seelenruhig, getreu feinem italienischen Dorbild, erklärte:Ich rauche ja auch gar nicht. Meine Zigarre raucht." Eigentlich hätte der Schaffner nun die Nichtigkeit dieses Satzes bezweifeln und einen längeren Dortrag über die Auslegung ter zuständigen Dorschriften halten müssen. Aber da er kein Italiener, sondern ein Berliner war und uzdem einHeller" Berliner, der längst gemerkt hatte, wes Geistes Kind der Fahrgast war. geschah nichts dergleichen. Der Schaffner sprach nur einen einzigen Satz, aber der genügte, um das ganze Problem endgültig zu klären un- alle weiteren Erörterungen zu erübrigen. Dieser Satz lautete:Na schön, denn dürfen Sie bablei­ben, aber Ihre Zigarre muh raus aus dem Wagen!"

Dielleicht beschliehen die italienischen Strahen- bahngesellschaften, nur noch Berliner Schaffner einzustellen...