Ausgabe 
20.7.1932 Frühausgabe
 
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Pfarrer Cremer fei die peinliche Figur dieses Prozesses. Er sei aus Berechnung und eiskaltem Zynismus zusammengesetzt und habe nur das ein­zige Ziel vor Augen gehabt, sich und seiner Fa­milie auf Kosten anderer ein Vermögen zu erwer­ben. I e p p e l sei, nachdem er Generaldirektor wurde, geblieben, was er gewesen sei, nämlich ein Mensch ohne Charakter. Man könne nicht einmal sagen, daß er einen schlechten Charakter habe. Claußen endlich sei durch seine guten Umgangs- formen und sein gewandtes Auftreten besonders gefährlich. Er sei der Typ eines Menschen, der viel zu früh gelernt habe, wie man über Leichen gehe. Die anderen Angeklagten seien absolute Nullen.

Der Staatsanwalt ging dann auf den Gegen­stand der Anklage ein, schilderte die Entstehung der verschiedenen sehr verschachtelten Gesellschaften und bezifferte den Schaden nach den Fest-

st e l l u n g e n der Sachverständigen bei der Bau­genossenschaft Mülheim-Ruhr auf 16 Millio­nen, bei der Devaheim und Deuzag auf 15 bis 2 0 Millionen Mark. Es sei vollkommen er­klärlich, wenn die Oeftentlichkeit in höchster Er­regung darüber sei, daß in ganz kurzer Zeit eine solche Millionensumme verwirtschaftet werden konnte. Die Angeklagten seien besonders schwer zu bestrafen wegen der unerfreulichen Verquickung von Religion und Geschäft. Man müsse sich die armen Leute vorstellen, die ihr Letztes ver­loren im Vertrauen darauf, daß ein Unterneh­men nicht schlecht sein könne, das von der Kirche propagiert wird. .So hätten die Angeklagten auch das Vertrauen zur Kirche und den ihr angeglieder­ten Organisationen untergraben. Tausende seien es, die Sühne verlangen und Gerechtigkeit heischen.

Oer Anschlag auf den ^eichsbankpräsidentenLuihervorGerichi

In der Mitte stehend: Dr. Max R o o s en. Links sitzend: Walter Kertscher.

Berlin, 19. Juli. (ERB. Funkspruch.) Bor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin-Mitte be­gann der Prozeß gegen den 59 3ahre alten Rechtsanwalt Dr. Roosen und den 34jährigen Volkswirtschaftler Werner Kertscher, die am 9. April d. 3. auf dem Potsdamer Bahnhof einen R e v o l v e r a n s ch l a g auf den Reichs- bankpräsidenten Dr. Luther verübten. Bei der Vernehmung der Angeklagten gab Dr. Roosen eine ausführliche Schilderung seines recht bewegten Lebens. Er wurde in Buenos Aires geboren. besuchte in Wandsbek bei Hamburg das Gymnasium, wurde Referendar am Kammer­gericht und Assessor beim Oberlandesgericht in Hamburg. Zum Doktor promovierte er m Heidel­berg und ließ sich dann in Hamburg als An­walt nieder. 1908 übersiedelte er nach Berlin, wo er sich mit Finanzgeschäften befaßte. Neben­her beschäftigte er sich mit Finanzreform­plänen und trat auch publizistisch hervor. Po­litische Beweggründe oder Hintergründe für ihr Vorgehen existieren nicht. Bei der Ausarbeitung des Währungsprogramms habe er sich mit Werner Kertscher ange- freundet. Er habe erkannt, daß cs mit dem Programm allein nicht getan sei: man mühte auch das Rüstzeug schaffen, um das Programm zu festigen und wirtschaftlich zu fundieren. Es gäbe keinen Mann von Bedeutung, den er nicht bearbeitet habe, ohne daß er damit hätte durch­dringen können. Zuletzt endlich habe er sich nur mit der Attacke auf die Reichsbank be­schäftigt. Lieber die Tat selbst machte er, trotz einiger Hinweise des Vorsitzenden, keine weiteren Angaben. Die Vernehmung des zweiten An­geklagten Werner Kertscher beschränkte sich auf die Feststellung seines Bildungsganges.

Der Nebenkläger, Reichsbankpräsident Dr. Lut­

her, als Zeuge berichtete dann über den Anschlag auf dem Potsdamer Bahnhof. Für ihn liege der Tatbestand so, daß ein Mann, der mit seinen An­sichten nicht durchgedrungen sei, zur Waffe greife, um auf einen hohen Beamten zu schießen, nur um eine Gerichtsverhandlung herbei- zuführen, in der er seine Ansichten verbreiten könne. Dazu seien die ordent­lichen Wege da. Wenn diese nicht zum Ziele führten, müsse man eben als Staatsbürger verzichten.

Das Gericht beschloß, die Vollstreckung der Ver­haftung vorläufig zunächst bis morgen auszusetzen, um den Angeklagten Gelegenheit zu geben, ihre Beweisanträge vorzubereiten. Dieser Beschluß wurde von den Zuhörern mit Händeklatschen ausgenom­men. Die Weiteroerhandlung wurde dann auf Mitt­woch vertagt.

Oas Urteil im Kieler Hitler-Prozeß.

Kiel, 19.Juli. (111.) Irn Kieler Prozeß Hitlers gegen den Hauptschriftleiter derSchleswig-Hol­steinischen Volkszeitung", Würbe, wurde das Urteil gefällt. Dem Beklagten wird bei Androhung einer Geldstrafe im Fall der Zuwiderhandlung i n jedem einzelnen Fall verboten, zu behaupten, der Kläger bereite den Bürgerkrieg vor, er habe Putschanordnungen ergehen lassen und den Befehl gegeben, die öffentlichen Gebäude zu besetzen, Lebensmittel und Waffen zu requirieren und die Kassen nicht zu vergessen. Im übrigen wird die Klage abgewiesen. Die Kosten trägt zu einem Fünftel der Kläger und zu vier Fünfteln der Be­klagte. Das Urteil wird für vorläufig vollstreckbar erklärt.Dem Prozeß lag eine Behauptung Wurbs zugrunde, daß Hitler den Bürgerkrieg bis ins Ein­zelne vorbereitet habe.

Der Schauplatz der Slraßeukämpse in Mona.

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Polizei-Patrouillen-Wagen in der Altonaer Marienstraße, Ecke Große Johannisstrahe, wo die folgen­schweren Kämpfe zwischen der Polizei und den Kommunisten stattfanden. Insgesamt wurden an diesem Schreckenstage 16 Personen getötet und etwa 50 verletzt.

Einigung der Alliierten in Genf ohne Hinzuziehung Deutschlands.

Oie deutsche Forderung nach Gleichberechtigung soll beiseite geschoben werden.

Genf, 19.Juli. (TU.) Die Vertreter Englands, Frankreichs, Italiens und der Vereinigten Staaten haben am Dienstagnachmittag eine streng vertrau­liche Sitzuna abgehalten, an der Simon, Herriot, Balbo, Gibsön und Norman Davis teilnahmen. Zum Schluß der Verhandlungen wurde auch Be- nefch hinzugezogen, lieber das Ergebnis der Sit­zung wurde von amerikanischer und französischer Seite übereinstimmend mitgeteilt, daß zwischen den vier Großmächten eine völlige Einigung über den Text der Vertrags- entschließung bis auf die Frage der Herabsetzung der schweren Geschütze erzielt worden sei. Die Streitfrage über das Ver - bot des Bombenabwurfs s ei im fran­zösischen Sinne geregelt worden.

Der Text der endgültigen Vertagungsentschfte- ßung, die eine Zusammenfassung der verschiedenen Abrüstungsbeschlüsse enthält, wird noch in der Nacht zum Mittwoch den übrigen Abordnungen übermittelt werden. Die vertraulichen Besprechungen zwischen den Großmächten werden am Mittwochvor­mittag fortgesetzt werden. Der Text der Dertagungs- entschließung enthält keinen Hinweis auf die deutsche Gleichberechtigung und lediglich die Klausel, daß die. Einbringung von Anträgen den Mächten vorbehal- t e n bleibt. Für Mittwochnachmittag ist der Hauptausschuß der Konferenz einberufen, dem dann der endgültige Text der Vertagungsent­schließung vorgelegt werden soll. In leitenden Kon- ferenzkreisen wird erklärt, die Verhandlungen tm Hauptausschuß würden unter allen Umständen noch im Laufe dieser Woche zum Abschluß gebracht und die Konferenz werde sodann auf einige Monate vertagt werden.

Die deutsche Abordnung ist trotz der bereits zweitägigen Anwesenheit Herriots in Genf in die Verhandlungen noch immer nicht eingeschaltet

worden. Ein« Besprechung zwischen Herriot und Radolny ist jedoch für Mittwoch vc'rgesehen. Die deutsche Abordnung ist durch die Einigung der vier anderen Großmächte vor t> t e Tat­sache eines endgültigen Texte s ge­stellt worden. Es bestätigt sich damit Uve Ver­mutung, daß die Großmächte jetzt so schnell wie möglich zu der Grundlage eines allgemeinen Abrüstungsabkommens gelangen wollen, .ohne hierin eine Anerkennung der deutschen G leich­berechtigung aufzunehmen. Die französische Tak­tik geht immer stärker in der Richtung über die Vereinbarungen der vier Großmächte ein e n d- gültiges Abkommen zustandezubrin^en, um erst nach der Annahme dieses Abkommens die Frag« der deutschen Gleichberechtigung im negativen Sinne zu erledigen und die deuis che Regierung in die Zwangslage zu setzen, Ine Verantwortung für den Ausgang der AbrüstunP?- konferenz zu übernehmen.

Die deutscheAbordnung hielt amDiens-- tag mehrfach interne Besprechungen über bf.e Stellungnahme zu der erwarteten Vertagungs­entschließung ab. Die deutsche Abordnung steht jetzt vor der außerordentlich ernsten Frage, o b eine weitere Mitarbeit an der Kon­ferenz überhaupt noch möglich ist. Es zeigt sich, daß die seit fünf Monaten hinaus­gezögerte Inangriffnahme -er Frage der Gleich­berechtigung sich jetzt in verhängnisvoller Weise auswirkt. Die Konferenz kann zu einer ein­deutigen Stellungnahme zu der deutschen For­derung auf Gleichberechtigung nur noch dann ge­zwungen werden, wenn die deutsche Regierung jetzt einendahingehendenAntrag beim Präsidium der Konferenz einbringt. Ob ein der­artiges Vorgehen von deutscher Seite erfolgt, steht abev-noch nicht fest.

Dreißig Sekunden.

Von (5. Lüders.

Inspektor Gray hob den Glasdeckel der Schatulle an und nahm den Revolver heraus, der darin lag.

Dieses Stück meiner privaten kriminalistischen Sammlung, meine Herren, ein Revolver wie viele andere, nichts Ungewöhnliches allo, hat natürlich seine ganz besondere Geschichte. Diese Geschichte wird aber auch Sie interessieren, nicht nuc deshalb, weil sie einen sehr gefährlichen Moment meines Lebens schildert, sondern hauptsächlich darum, well ich diesen Gefahrenpunkt unter Ausschaltung jeder gedanklichen Ueberlegung rein instinktmäßig, wie ein Tier, über­wand."

Gray machte eine kurze Pause und blickte sinnend auf die winzige Stahlwaffe in seiner Hand.Es war vor wenigen Jahren. Ich arbeitete damals in Chi- fago, in jener Zeit, als Fred Campton die Beleg­schaften sämtlicher Polizeireviere auf den Beinen hielt. Sie werden sich ja dessen noch erinnern. Dieser Campton nun war zwar ein Bursche von unge­wöhnlicher Brutalität, aber dabei, wie sich später herausstellte, feige und unentschlossen. Die treibende Straft bei seinen Unternehmungen war Mildred Har­rison, seine Geliebte. Sie sollte blond und schön sein, wie sich das für die Freundin eines so bekannten Gangsters gehört. Man rühmte ihre unweibliche Energie und fürchtete ihre echt weibliche Grausamkeit. Ich wollte zuerst den Gerüchten nicht recht Glauben schenken, wurde aber eines anderen belehrt, als ich Fred Campton hinter Schloß und Riegel hatte und trotzdem der Vernichtungswille sowie die Einheit seiner Bande dadurch nicht im mindesten Abbruch erlitt.

Von nun an kämpfte ich einen unheimlichen Kamps gegen Mildred Harrison. Meine energischen Versuche, diese Frau ebenfalls zu verhaften, mißglückten genau so wie ihre verschiedenen Anschläge auf mich. Eines Tages faßten wir wieder einen ihrer Leute. Auf mein Betreiben verriet mir der Kerl unter Zusicherung völliger Straffreiheit und eines Freibilletts nach Südamerika den Aufenthalt der Harrison.

Es war eine trübe, regnerische Nacht, als ich die mir angegebene Straße, es war übrigens eine dreckige Straße in der Hafengegend, absperren ließ und allein das Haus Nr. 21 aufsuchte. Es war alt, dreistöckig und, den teilweise erleuchteten Fenstern nach zu urteile^, von mehreren Parteien bewohnt.

Das ist Vorspiegelung falscher Tatsachen", hatte der Gefangene erklärt.

Es soll so aussehen, als ob ... in Wirklichkeit bewohnt sie es allein."

Ich entsicherte meinen Revolver, steckte ihn in die Iackettasche und betrat den Treppenflur. Schwaches, verrußtes Gaslicht erhellte die ausgetretenen Stiegen dürftig. Mangelhaft nur konnte ich die rechts und links angebrachten Namensschilder lesen. Es herrschte Totenstille, und ich gewann schnell den Eindruck, daß mein Mann die Wahrheit gesprochen hatte, das Haus war leer, bis auf die dritte Etage, die Mildred Harrison bewohnen sollte. Ein einziges Mal hörte ich irgendwo ein schrilles Läuten, als ich die ersten Stufen betrat. Der Podest der dritten Etage lag fast völlig im Dunkeln, und der Aufgang zum Boden gähnte unheimlich wie ein schwarzes Loch. Ich steckte meine rechte Hand in die Jackettasche und umklam­merte, den Zeigefinger am Abzug, meinen Revolver. Dann klopfte ich. Es hörte sich an, als ob durch die Stille des Hauses ein Alarmzeichen dröhnte. Nichts regte sich. Wiederholungen waren nutzlos. Die Har­rison war nicht zu Hause, was ja ohne weiteres mög­lich war. Desto günstiger für mich. Ihre Wohnung mußte ein interessantes Feld für eine Haussuchung fein.

Mühelos öffnete ich mit Nachschlüsseln die Tür. Ich schloß sie wieder hinter mir und benutzte meine Taschenlampe. Ein Flur mit Garderobehaken, Spie­gel, Schrank, Läufern, drei Türen. Die mittlere war unverschlossen. Die Lampe hatte ich wieher ausge­knipst, da der Lichtschein von der Straße uüs gesehen werden konnte. Aus dem Zimmer schlug mir eine warme, parfümierte Luft entgegen. Ich fühlte meine' Füße in weiche Teppiche einsinken. Von der anderen Seite drang kein Lichtschein herein. Die Fenster waren wohl durch Vorhänge geschützt. Ich wollte wieder meine Lampe hervorholen, da, irgendwo, knipste es, und das Zimmer lag urplötzlich in rotge­filtertem Ampellicht. Im gegenüberliegenden Tür­rahmen stand lächelnd eine blendend schöne Frau im Abendkleid.

Guten Abend, Mr. Gray, wenn ich nicht irre?"

Ich hatte natürlich einen anständigen Schreck be­kommen, aber Geistesgegenwart gehört zu meinen Vorzügen, und so hatte ich mich ebenso schnell wieder gefaßt.GutenAbend, Miß Harrison."

Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?" Während ich breitbeinig beide Hände in den Jackett- I tuschen, stehen blieb, tänzelte die Frau, graziös mit

einem Taschentuch spielend, einige Schritte auf mich zu. Ich ging auf ihren ironischen Ton ein.Ich wollte Sie zu einem kleinen Spaziergang abholen. Wie wäre es beispielsweise mit einer Autofahrt ins Polizeipräsidium?" /

Zu liebenswürdig!"

Nicht wahr? Aber trotzdem möchte ich Sie/ bit­ten, Ihre Hände von der Schreibtischschublade weg­zunehmen, denn" ich lächelte so freundlich, wie ich nur konnte,wenn es hier etwas zu schießen gibt, so schieße ich." /

Sie mißverstehen meine Absicht lieber Inspek­tor. Ich wollte Ihnen nur meine Scyiffskarte geigen, um Sie davon zu überzeugen, daß es nicht böser Wille ist, wenn ich Ihrer liebenswürdigen Einladung nicht Folge leiste. Bereits morgen abend fahre ich von Neuyork ab, via Europa. In zwei Stunden schon startet mein Flugzeug."

Das ist aber schade daß Sie uns verlassen wol­len. Es werden so viele Menschen Ihre Abreise be­dauern, daß ich mich förmlich verpflichtet fühle, Sie nicht fahren zu lassen."

Von diesem Gefühl werde ich Sie befreien, indem ich Ihnen auf meine Weise den schuldigen Dank ausspreche für das liebenswürdige Interesse, das Sie meiner Person während der letzten Wochen entgegen- brachten."

Sie lächelte ein bestrickendes Lächeln, bas in einer anderen Situation bestimmt aufreizend gewirkt hätte. In diesem Fall machte es mich unsicher. Ich fühlte, daß ich energisch werden mußte, sollte mir nicht die Herrschaft über die Situation entgleiten.

Mildred Harrison, Sie werden sich sofort an­ziehen und"

Noch nicht, Herr Inspektor, ich sagte schon, mein Flugzeug fliegt erst in zwei Stunden."

Ich habe keine Zeit, mich hier mit unsinnigen Redensarten aufzuhalten, well

Sie in zwei Stunden längst ein toter Mann sind, ich verstehe."

Die Frau lächelte immer noch, ich aber fühlte ur­plötzlich, wie irgendwo in diesem Hause oder in die­sem Zimmer eine ganz große Gefahr auf mich lauerte.

Inspektor Gray, Sie sind plump in die Falle ge­rannt, in die ich Sie durch einen meiner Leute, der sich von Ihnen absichtlich fangen ließ, gelockt habe. Sie werden dieses Zimmer nicht mehr lebend Der- |

^lassen. Ich habe in solchen Dingen nie gescherzt, auch nicht in den Briefen, die ich Ihnen schickte."

Es folgten Sekunden, während deren bedrückend wie ein schrecklicher Traum Totenstille im Zimmer herrschte. Die unerschütterliche Ruhe, die absolute Siegesgewißheit dieser Frau wirkten auf die Nerven. Ich glaube, meine Stimme klang heiser, als ich sagte: Ich erkläre Sie für verhaftet. Sie werden mir sofort folgen."

Nun scherzen Sie. Aber nichts kann Ihr Schicksal ändern, auch der Revolver nicht, den Sie auf so lächerliche Weise in der Tasche verbergen. Inspektor Gray, Sie sind in dreißig Sekunden ein toter Mann!"

Niemals, meine Herren, werde ich diese halbe Mi­nute vergessen. Der Schweiß rann mir in kleinen Bächen am Hals herunter. Die rechte Hand krampfte sich um den Revolver. Es kam mir gar nicht zum Bewußtsein, daß ich meine ursprünglich eingenom­mene Haltung nicht um einen Zentimeter verändert hatte.

Nie vergesse ich das Bild der Frau. Sie stand vielleicht vier Meter von mir- entfernt, eine Hand in die Hüfte gestemmt, während die andere das Taschentuch an die Nase führte. Ihr Blick war lauernd und bösartig funkelnd wie bei einer Katze. Obgleich ich sie nicht den Bruchteil einer Sekunde aus den Augen ließ, versuchte ich, die Gefahr aus dem Halbdunkel des Zimmers heraus irgendwie zu er­kennen. Nichts schien verdächtig.

Ihre Zeit ist um, Herr Inspektor. Sie glauben mir nicht, was?"

Und jetzt, meine Herren, kam der Augenblick, von dem ich vorhin sprach. Mit dem Instinkt eines Tie­res roch ich förmlich die Gefahr. In diesem Augen­blick wußte ich, daß die schöne Frau die ganze Zeit über in ihrer schlanken rechten Hand den schußbe­reiten Revolver gehalten hat. Ein kleines bösartiges Ding, das von dem Taschentuch völlig bedeckt war. Ich überlegte gar nicht. Ganz instinktmäßig machte ich einen Sprung wie ein Raubtier in Gefahr und jchon umklammerte ich ihre Hand. Mildred Harrison sank in die Knie, aber noch ehe sie einen Schrei ausstoßen konnte, saßen schon Die Stahlfesseln an ihren Handgelenken.

Meine Leute staunten als ich ihnen Ane Lady im Abendkleid ans Auto brachte. Die nächsten acht Tage saß ich hinter Panzerplatten in Schutzhaft, bis die ganze Bande aufgeflogen war. Erst bann konnte

I ich mich wieder auf die Straße wagen."