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20.7.1932 Frühausgabe
 
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Aus der provinzialhauptstavL

Gießen. den 20. Juli 1932.

* Vortragszyklus über Wehrwis­se n f ch a f t an der Landesunioersität. 3m Nahmen des von dem Rektor und der Studen­tenschaft der Landesuniversität veranstalteten Vor- tragszyklus über Wehrwissenschaft wird heute, Mittwoch, 20.15 Uhr, General von Sch'ckfuh in der Aula über das ThemaDie militärische Lage Deutschlands" sprechen. Der Vortragende stand bis 31. März als Kommandeur des Inf.-Rgts. Id im aktiven Militärdienst.

" Dienstjubiläum in der Unider- sitäts-Dibliothek. Heute vor 25 fahren trat Kanzlei-Oberassistent Otto P ur r mann aus Friedrichsville in der Mark Brandenburg in den Dienst der Universitäts-Bibliothek ein. Er war vorher Trompeter-Sergeant im Hessischen Leib- dragvner-Regiment Rr. 24 in Darmstadt und dann während des Krieges einem Pferdelazarett zu- geteilt Die Direktion beglückwünschte ihn aus Anlah dieses Jubiläums und sprach ihm Dank und Anerkennung aus.

" Die Tuberkulose in Hessen. 2m Jahre 1931 starben in Hessen im ganzen 1674 Personen gegen 1596 in 1930 an Tuberkulose. Don diesen entfallen irt 1931 934 gegen 894 in 1930 auf Tuberkulose aller Formen und 740 gegen 702 in 1930 auf Lungentuberkulose. Daraus ist ersichtlich, daß die Tuberkulosesterblichkeit gegen das Vorjahr wieder zugenommen hat.

Sonntags-Rückfahrkarten zum Rhönsegelflug-Wettbewerb. Aus An­laß des Rhön-Segelslug-Wettbewerbes und des Rhön-Turnsestes werden am 23. und 24. und am 30. und 31.3ult Sonntagsrückfahrkarten auf allen Bahnhöfen der Reichsbahn im Umkreis von 200 Kilometer um Wüstensachsen und Gersseld also auch in Diesten aus- gegeben. Die Karten gelten vom 23. Juli von 0 Uhr an bis 25. Juli um 12 Uhr und vom

30. Juli von 0 Ahr an bis 1. August Um 12 Ahr. Die Rückfahrt muh jeweils am Montag späte­stens um 12 Ahr angetreten sein.

** Abschiedsoor st ellung des Kas­perle-Theaters. Heute nachmittag aerob- schiedet sich Kasperl Larifari, der Freund der Gie- tzener Jugend, in einer legten Vorstellung. Beginn: 17 Uhr. Alls grosten und kleinen Freunde des Handpuppenspiels fmib herzlich eingelaben. Siehe gestrige Anzeige.

Das Kino in der Krise.

WSR. Frankfurt a. M., 19. Juli. 2n einer Versammlung des Landesverbände- der LichtspieltheaterbesitzervonHessen und Hessen-Rassau wurde über die Krise in der Filmindustrie eingehend berichtet. Bon 159 Lichtspieltheatern in Hessen haben 52 über d i e Sommermonate geschlossen. Ob und wann sie wieder geöffnet werden, ist eine offene Frage. Der Dorfitzende Matter sieht aber insofern der Zukunft nicht ganz hoff­nungslos entgegen, als die RSDAP. versprochen habe, im neuen Reichstag sofort einen Antrag auf Abänderung der Reichsvergnügungssteuer und eine Senkung der Dergnügungssteuer auf 5 Prozent «inzubringen. Auch andere Parteien hätten sich in gleichem Sinne aus­gesprochen. In Hessen werde als einziger Staat im Reich von den Kinobesihem eine so­genannte Stempelgcbühr erhoben, die seinerzeit eingeführt wurde, als das Kino noch «in ambulanter Betrieb war. Trotz gröstter Be­mühungen sei es bisher nicht gelungen, diese Stempelgebühr zu Fall zu bringen. Er glaubt aber, dast sie in kurzer Zeit um etwa 50 Prozent ermäßigt werden könne. 2n der Versammlung wurde weiterhin Klage geführt über die Min­derwertigkeit der Tonfilmproduktion des letzten Jahres. Gut 90 Prozent sei Schund gewesen, mit dem man kein Geschäft erzielen konnte. Auch die Beiprogramm« bedürften einer weitgehenden Aenderung.

Stemerleichiermg für die hessische Landwirischasl.

Angleichung der staatlichen Grundsteuer an die Einheiiswerie.

Die Hessische Amtliche Presse st elle teilt.mit:

In Hoffen findet für das Rechnungsjahr 1932 die Veranlagung der Grundsteuer noch nicht auf der Grundlage der Einheitswerte statt. In einer größeren Anzahl hessischer Gemarkungen ist jedoch bei dem landwirtschaftlichen Besitz ein er­heblicher Unterschied zwischen dem Grundsteuerwert und dem .zuletzt festgestellten Einheitswert vorhan­den, so dast sich der Finanzminister, um auch auf diesem Gebiet der notleidenden Landwirt- jchast zu helfen, entschlossen hat,

für das Rechnungsjahr 1932 auf dem Gebiete der staatlichen Grundsteuer im Billigkeitswege Maßnahmen zu einer Angleichung der Grund- steuerwerte an die entsprechenden Linhetls- werle zu treffen.

3 u berücksichtigen sind nur diejenigen Staats-Steuerpflichtigen, deren Grundsteuerwerte

(ohne Gebäude und Forstgrundstücke) mindestens idas dreifache des Einheilswertes erreichen. Die Ermäßigung beträgt, je nach Lage des Wert­unterschiedes, bis zu drei Raten der staatlichen Grundsteuer des landwirtschaftlichen Vermögens (ohne Gebäude): sie wird auf die zuletzt fälligen Raten des Rechnungsjahres 1932 angerechnet.

3n denjenigen Gemarkungen, in denen der gesamte Grundsteuerwert in der Gemarkung (ausschließlich Gebäude) 300 v. h. und mehr des Einheitswertes des gesamten landwirtschaft­lichen vermögens in der Gemarkung ausmacht, erfolgt die Ermäßigung von Amts wegen, in allen übrigen Gemarkungen im Einzelfalle auf Antrag.

Die Finanzämter find entsprechend ange­wiesen und zu jeder näheren Auskunft bereit.

Nationalsozialistische Kundgebung.

Die NSDAP, setzte mit einer Wahlkundgebung om gestrigen Abend im Cas6 Leib den Wahlkampf in Gießen fort. Zunächst sprach Universitätsprofessor Kade über das Thema

Völkische Schulreform".

Das System der vergangenen deutschen Epoche habe sich selbst gerichtet, weil ihm die völkische Grundlage fehlte und der Aufbauwille nicht vor- Händen war, der der neuen Generation um so mehr eigen sei. Man kämpfe nicht für den Materialismus, sondern für eine nationale Idee in ihrer umfassen­den Bedeutung. Die Schulreform habe während der letzten 30 Jahre nur geringe Tiefenwirkung aus- lösen können. Die Reformbewegung habe fruchtlos bleiben müssen, weil sie sich von morschen Funda- menten und den Ideen von vorgestern nicht habe lösen können. Sie sei, befangen in idealistisch-libera- listischem Geiste, stehen geblieben. Die in die Zu- kunst führende Idee habe die deutsche Kulturpolitik entbehren müssen. Glücklicherweise befinde sich die junge Lehrergeneration im Aufbruch. Es beginne der Durchbruch zur Wirklichkeit. Eine Reform der Schule müsse konform gehen mit allen anderen Er­scheinungen des Lebens. Der Boden hierfür muffe aber er ft bereitet werden. Die NSDAP, verkörpere den Aufbruch und den Boden einer neuen Kultur. Oie künftige Phase der deutschen Geschichte werde diesmal nicht von der Kultur her, sondern von der Politik und dem Staatsgedanken her bestimmt. Die junge Freiheitsbewegung sei reich an geistigen Schätzen, die es zu heben gelte. Kultur, Bildung und damit die Schule seien schicksalhaft dem Staate, der Wirtschaft und dem Volkstum verbunden. Die völkische Schulreform erstrebe eine oraanische Bil­dung aus den vielfältigen natürlichen Aeußerungen des Lebens heraus. Die Schule dürfe nicht weiter eine Welt für sich sein. Der Zusammenhang mit der natürlichen Bildung dürfe nicht verloren gehen. Die Entwicklung ergebe sich aus einer funktionellen Bildung aus der nächsten Umgebung des Kindes heraus. Die völkische Schulreform werde, an­knüpfend an Gegenwart und an das Chaos der Gegenwart, neue Zielpunkte schaffen. Die Organi­sation der Schule sei alleinige Aufgabe des Staates. Der Schüler müße in der Schule als zukünftiger Staatsbürger stehen. Die bisherige allzu radikale Subjektivierung werde restlos abgebaut. DieBil­dung" werde nicht mehr nur eine theoretische An­gelegenheit und nicht nur eine Sache der gehobenen Volkskreise sein. Jedem müsse gleiches Recht werden. Die Wissenschaft werde vor allem auf eine andere Systematik gebracht werden müsien. Die neue Schule habe gewisse Ausgangsprinzipien. Nichts werde mehr Platz haben, was Autorität und Disziplin untergrabe. Die Wurzel aller zukünftigen Aufbau­arbeit sei der patürliche Ablauf völkischen Lebens. Die neue Schule werde aus den dem Volksleben am engsten verbundenen Landschulen herauswachsen müssen. Organisch-völkische Schulreform werde sich schnell durchsetzen, weil ihr die junge Lehrerschaft zum weitaus größten Teil angehöre. Der zukünftige Lehrer werde auf neuartigen Berufsschulen heran- gebildet. An die Stelle der vielfachen Formen der höheren Schulen müsse ein Einheitstyp treten mit reich aufgegliederten Kursen. Die Schulzeit als solche werde etwas abgekürzt, dafür aber den Iu- genbbünben, den lebendigen Gemeinschaften des praktischen Lebens, ein Teil der Erziehungsarbeit

überlassen. Wehrpflicht und Arbeitsdienstpflicht wür­den die staatsbürgerliche Ausbildung festigen müs­sen. Die NSDAP, weise mit diesen Gedanken neue Wege. Abseits allem Epigonentum solle zu neuer Volksgemeinschaft geführt werden. Deshalb gehe es jetzt um grundsätzliche Entscheidungen. Der Sturm aus Dolkstiesen zum Neuen werde sich nicht mehr beruhigen lassen und die Pädagogen zwingen, den Weg der in die Zukunft weisenden großen Bewe­gung zu beschreiten. Am 31. Juli müsse die Mög­lichkeit geschaffen werden, das neue Kulturprogramm in Angriff zu nehmen. (Lebhafter Beifall!)

2m Anschluß daran sprach Reichstagsabgeord- neter Ringshausen ^Offenbach) über das Thema

Volkswille und Reichslagswahl.

2n der Rot, so betonte er, müsse es sich zeigen, wie­viel Kraft und Gröhe in einem Volke stecke. 2n der Zeit der Rot dürfe es nicht Halbheit, Kom­promiß und kleinliche Fragen geben. Sie fordere die Tat. 3n Deutschland gebe es heute, wie zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wieder zwei scharf getrennte Lager. Es seien aber wieder volks- fremde Kräfte gewesen, die das deutsche Volk auseinanderrissen. Rationalismus und Internatio­nalismus ständen sich gegenüber. 1918 habe der Internationalismus gesiegt und das Bekenntnis zum Vaterland untergraben: heute noch komme in der Rachwirkung dessen viel nationale Würde­losigkeit zum Ausdruck. Die RSDAP. werden den geraden Weg gehen und allenthalben dem Vater­lande zu dienen bestrebt sein. Das System der vergangenen Jahre habe immer wieder nur nie­dergerissen, nie aber aufgebaut. Die Träger des internationalen Gedankens habe man sorglos groß werden lassen. Der Mittelstand sei zerschlagen worden undeutsches Wesen habe seinen Einzug gehalten. Die Menschen seien dem krassesten Mate- rialismus entgegengeführt worden. Ihnen stehe heute der SA.-Mann, der Rationalsozialist als heimatverbundener Mensch gegenüber. Das deutsche Volk dürfe nie erwarten, daß eine in­ternationale Welt einer Ration das Heil bringe. Die Ration müsse immer Kräfte aus sich selbst schöpfen. In dieser Erkenntnis sei auch schon ein großer Teil des deutschen Volkes wach geworden. Cs gehe ein Sehnen nach Arbeit und sittlicher Existenz durch das Volk. Die RSDAP. habe wie- der vielen den Glauben an die eigene Kraft zu- rückgegeben. Hitler habe eine neue Gemeinschaft geschaffen und nicht eine Partei schlechthin. Der Kampf gelte in erster Linie dem rmdeutschen Geiste. Freiheit werde nicht aus einem Schlagwort, son­dern nur aus reinem Herzen geboren. Freihmt gründ« sich auf Ehre und Treue. Sie dürfe nicht iöentifä sein mit Disziplinlosigkeit. Das Volk müsse sich organisch aufbauen aus seinen Funda­menten heraus. Jeder müsse sich Teil des Ganzen fühlen. Der Weg führe aber nur dann m die Zukunft, wenn das Volk seinen eigenen Kräften vertrauen und an sich selbst glauben forme. Rach- dem sich der Redner in einigen Einzelheiten noch mit den Schulverhältnissen in Gießen befaßt und außerdem verschiedene Episoden aus dem Reichs­tag wiedergegeben hatte, um darzutun, in toel- rfjen Formen sich heute der Parlammit^ismus be­wegt, schloß er unter lebhaftem Beifall seine Aus-

I führungen.

Der Werdegang des Gchuhkönigs.

Wie Thomas Bata seine Fabriken gründete. 200000 paar Gchuhe täglich. Sin nationales Problem.

Don unserem V.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Prag, im Juli 1932.

Noch eine!* sagt der vierjährige Thomas Bata (sprich Batfa), als er von Verwandten eine Krone bekommt und von seiner Mutter gefragt wird, wie man dazu sage. Im Zwölfjährigen ist der brennende Drang nach Geld und Gel- deswert bereits so stark ausgeprägt, daß er von der Schule durchbrennt,weil er für das Schule­gehen nicht bezahlt bekommt*.

Lesen und Schreiben Halle et nicht gelernt, aber Im Rechnen war er immer einer bet Vesten.

Die Eltern sind bettelarm, wie das ganze südost­mährische Land, wo Thomas Bata vor 50 Jahren geboren wurde.Potschengießerei" nennt man von Wien aus die Gegend, in der seit jeher alle Arten von Schuhbekleidung für die. nördlichen Länder der österreichisch-ungarischen Monarchie hergestellt mür­ben. Aber nicht am laufenden Band, wie heute in Zlin (sprich Slin), wo die Maschinen der riesen- hasten Anlagen des Weltunternehmens Bata g l i ch ein-bis zweihunderttausend Paar Schuhe ausspeien.

Der kaum Schulentwachsene versucht, sich eine eigene Erzeugung zu schaffen und scheitert. Zehnmal scheitert er, noch nicht 20 Jahre alt, bis er erkennt, daß zum reichen Mann, der er werden will, doch mehr gehört, als lediglich die verzehrende Sehnsucht nach Geld, ohne die Kenntnisse, wie man auf reellem Wege hochkommt. Jetzt gebt Bata nach Pirma­sens, der Zentrale der deutschen Schuhindustrie, und lernt. Lernt Lesen, Schreiben, Rechnen, lernt Deutsch und lernt überhaupt erst, wie ein Schuh erzeugt wird. Denn das wußte er bisher nicht. Er handelte nur. Don Pirmasens macht er wie alle Tschechen, die es später in der Industrie zu Rang und Namen gebracht haben, den Sprung über den großen Teich, landet in Detroit, wo er seine Kenntnisse vervollkommnet, lernt das laufende Band kennen und amerikanische Reklame.

Als er wieder in die Heimat kommt, hat «r so viel erspart, daß er sich einen fabrikähnlichen Be­trieb mit 50 Arbeitern einrichten kann. Aber das Geschäft geht schlecht, bis der Weltkrieg an­bricht.

Am Tage der firtegsetfiärung peitscht er zwei Pferde zuschanden, um noch rechtzeitig den An­schluß an den Schnellzug von Oderburg nach Dien zu bekommen.

DaßBeziehungen" im alten Oesterreich allen Erfolg im öffentlichen Leben ausmachten, war ihm schon als Kind geläufig. Als Fabrikant in Zlin, was sich eben so Fabrikant nennt, hatte er sich mit der Tochter eines alten Wiener Originals, des Leibarztes des Kaisers Franz Josef, Dr. K e r z l, verlobt. In Wien führte ihn sein erster Weg zum Vater seiner Braut, der ihm die Lie­ferung non1 50 0 0 0 Paar Segeltuch­schuhen f ü r die österreichische Armee vermittelt. Auch das notwendige Betriebskapital bringt er aus Wien mit Es geht eben nichts über gute Beziehungen.

Don da an geht die Erfolgskurve DataS steil aufwärts. Roch im Krieg verdient er Millionen, das ^Unternehmen wächst. AIS die Tschecho-Slowakei entstanden war,

entdeckte der bis dahin gut österreichische Patriot Bala sein tschechisch-nationales her;

mit solchem Erfolg, daß er von der tschechischen Regierung «ine Millionen-Subvention bekommt, die es ihm im Jahre 1922 erlaubt, seine Erzeug­nisse mit einem Schlage um den halben Preis ab­zusetzen. Jetzt wird der letzte Anlauf genommen. Ein Fabrikstrakt reiht sich an den anderen, aus 50 Arbeitern sind 10 000 geworden. 2n den Zei­ten der Hochkonjunktur bis 1931 erzeugt er 200 000

Paar Schuhe am Tage. AIS da- Ausland gegen die ^Überflutung des Markte- durch die Data- Erzeugnisse hohe Zollmauern errichtet, baut er in Deutschland und Oesterreich ebenso Fabriken wie in Ehina, Indien, Brasilien und Südafrika. Sein Unternehmen ist längst welt­umspannend geworden.

Ls hat nicht nur den Ruin tausender Existenzen in der gewerbsmäßigen Schuherzeugung und im kleinen Jabritalionsbdrieb in der Tschechei auf dem Gewissen, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Hundertmal ist seine Arbeitsmethode angefein­det und auf erzieherischem Wege versucht wor­den, der Erfolgskurve des Zliner Ford Abbruch zu tun. Die .Unmoral feiner Arbei ts- Methoden bestand darin, daß er von seinen Arbeitern da-selb« verlangte wie von sich selbst, d. h. daß sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend an ihrer Maschine stehen müssen und un­barmherzig ihr Brot verlieren, wenn sie auch nur einen falschen Stich tun, wenn auch nur ein Paar Schuhe weniger erzeugt wird, als es die®c- n e r a 11 i n i e vorsieht. Immerhin verdienen gute Arbeiter bei Data 50 Mk. in der Woche, was für die Tschechoslowakei, wo der Lohn und Lebensindex bedeutend niedriger ist als im Reich, ein nicht alltägliche- Einkommen ist,

aber sie sind Sklaven des Systems Bata, dem sie sich auf Jahre hinaus verdingen müssen.

Bata verpflegt und beherbergt alle seine Angestell­ten selbst. Ebenso wie er alle zur Schuherzeugung notwendigen Fabrikate selbst herstellt. Für 25 Pf. bekommt man in ben Speisehallen Batas in Zlin ein vorzügliches Mittagessen und, damit die Laune ge­hoben werde, gibt es mittags und abends Tafelmusik. Schwimmbassins, Kinos, Lesehallen, Vortragssäle, Turnhallen: alles steht dem Bata-Arbeiter zur Ver­fügung. Für die jugendlichen Arbeiter hat er ein eigenes Internat eingerichtet. Auch der Jugendliche verdient 15 bis 30 Mark in der Woche aber e r sieht sie nicht. Den Betrag für Verpflegung und Wohnung behält die Firma zurück, der Restbetrag fließt ihr in Form eines unfreiwilligen Kredits zu.

In der Tat muß der Bala-Arbeiler, was er über den täglichen Bedarf hinaus verdient, dem werk zur Verfügung stellen, wenn auch gegen Verzin­sung. So kommt es, daß Bala bis heule noch ohne Bankkredile gearbeitet Hal. Die Kredite stellen ihm seine Arbeiter zur Verfügung.

Man ist in Zlin zufrieden. Während in der Tschechoslowakei der Kommunismus außerordentlich stark ist, kennt Zlin mit seinen über 10 000 Arbeitern keine Kommuni st en. Bata selbst war Bür­germeister der Stadt, die er in kaum 20 Jahren aus einem elenden Dorf zu einer Riesenkommune gemacht hat. Sein Arbeitssystem ist eine Synthese von Amerikanismus und Patriarchalismus.

Wenn viele von Bata zugrunde gerichtete Exi­stenzen durch seinen Tod eine Befreiung von dem außerordentlichen Druck der tschechischen Dum­ping-Konkurrenz erhoffen, so ist dieser Glaube trü­gerisch. Denn das S y st e m B a t a ist mit sei­nem Schöpfer nicht gestorben. Seine durchweg in Amerika geschulten Direktoren werden das Werk weiterführen, bis es sein heute 20jähriger Sohn in die Hände nimmt. Man wird weiterhin in Indien ebenso Data-Schuhe tragen wie in Süd­amerika und in Deutschland, solange die Be­völkerung nicht bedenkt, daß jeder Pfennig für Data-Er?eugnisse einer Volkswirtschaft zugute kommt, die die wirtschaftliche und kulturelle Ver­nichtung der Deutschen auf ihre Fahnen geschrie­ben hat. Richt vom sozialistischen, allein vom nationalen Standpunkt aus ist das Problem Bata anzufassen.

politischer BeleidigungS-prozeß.

WER. Friedberg, 19. Juli. Dor einiger Zeit erregte die Behauptung des Gastwirts Walther aus Ossenheim, der der RSDAP. angehört, der Landtagsabgeordnete Lux (SPD.) in Rieder-Florstadt habe Steuern hinter­zogen, großes Aufsehen. Abg. Lux strengte daraufhin eine Beleidigungsklage gegen Walther an, die heute vor dem hiesigen Amts­gericht zur Derhandlung stand. Die Parteien schlossen folgenden Vergleich: Der Privat­beklagte Walther erklärt, daß er sich durch den Derlauf der Hauptverhandlung davon überzeugt habe, daß die Behauptungen, die er in einem Offenen Brief an dieHessisch« Landeszeitung" vom 19. Mai 1932 und gegenüber dritten Per­sonen weiter verbreitet habe, daß der Privat­kläger Steuern hinterzogen habe, voll und ganz unrichtig seien. Die Hauptverhand­lung ergab, daß der Privatkläger bei der Ab­gabe seiner Steuererklärung vollkommen korrekt gehandelt habe. Walther verpflichtet sich wei­ter, die Erklärung in verschiedenen politischen hessischen Zeitungen zu veröffentlichen. Außer­dem übernahm er die Kosten des Derfahrens.

Buntes Allerlei.

Oer plauder-Tanz.

Zu der neuesten Tanz-Schöpfung, die jetzt im ame­rikanischen Ballsaal immer beliebter wird, gehört eine ebenso große Gewandtheit der Zunge wie der Beine. Dieser sag.Plauder-Tanz", der zunächst bei den Ballfesten der Hochschulen von Studenten und Studentinnen geübt wurde, will etwas Geist in die Eintönigkeit der modernen Tanzbewegungen brin­gen und fordert daher eine Abwechslung von Tanz und Gespräch. Wenn man sich eine Zeitlang gedreht hat, dann soll das Paar im behaglichen Schritt eine leichte Konversation aufnehmen. Wird diese Unter­haltung angeregter und wärmer, steigert sie sichso­gar zu einer Liebeserklärung, dann können die Tön- zer auch eine Weile stillstehen. Dadurch wird natür­lich für die übrigen Paare eine gewisse Hemmung heroorgerusen, und es ist nicht leicht, die Hindernisse zu umtanzen, die durch die herumwandelnden oder stehengebliebenen Paare entstehen. Auf dem Kongreß der amerikanischen Tanzlehrer, der jetzt in Neuyork stattfindet, wurde daher vorgeschlagen, Die «ajuler und Schülerinnen eingehend in der den, sich auf einem dicht gedrängten d^^tt anmutig und geschickt zu bewegen. Es sind hauptsächlich Gleich- gewichts-Uebungen, durch die die Tänzer lernen

sollen, aus dem Tanzschritt sofort in den Geh-Schritt zu verfallen und niemals die Balance zu verlieren, mag der Raum, auf dem sie sich bewegen, auch noch so beschränkt sein.

Oie schnellsten Züge.

Der äußerst scharf« Konkurrenzkampf, der zwischen Eisenbahn, Kraftwagen und Luftverkehr entbrannt ist, zwingt auch das älteste unter diefen -Verkehrsmitteln, das solange als schnell­stes Beförderungsmittel galt, zur Steigerung seiner Geschwindigkeitsleistungen. Mit den schnell­sten Zügen steht die englische Eisenbahn an der Spitze. DerCheltenham Flyer der Great Western-®ifnbafjn legt die 123 Kilometer lange Strecke von Swindon nach Paddington in 56 Mi­nuten 47 Sekunden, also mit einer Durchschnitts­geschwindigkeit von 130l/j Kilometer in der Stunde, zurück. Di« Züge anderer Länder, die hinter dieser Rekordleistung zurückbleiben, sind schwerer als di« englischen gebaut. Deutschlands schnellster Zug, der H a m b u r g Berlin- Expreß. durchfährt die Strecke von 285 Kilo­meter mit einer Durchschnittsschnelliakeit von 95.5 Kilometer in der Stunde, während die Höchstleistung auf einer Teilstrecke 112 Kilometer beträgt. Man hofft aber, nach_ Einführung der neuen Signalapparate eine beträchtliche Beschleu­nigung zu erzielen. In Frankreich ist der schnellste Zug der ParisLüttich-Expreß, der, ohne an­zuhalten, dies« 237 Kilometer lange Strecke mit einer mittleren Schnelligkeit von 106 Kilometer in1 der Stunde zurücklegt: aber auf mehr als der Hälfte seines Weges hält er eine Geschwin­digkeit von über 112 Kilometer in der Stunde ein. Es gibt 27 Züge in Frankreich, die mehr als 1.6 Kilometer in der Minute während ihres ganzen Weges zurücklegen. Die schnellste unter den französischen elektrischen Dahnen, der Süd- Expreß von Paris nach der spanischen Küste, be­sitzt ein« mittlere Geschwindigkeit von 96 Kilo­meter. Doch haben die französischen Zuge heut« bereits ihre höchste Geschwindigkeit erreicht, da «in Gesetz eine Steigerung über 120 Kilometer in der Stund« verbietet. Den Schnelligkeitsrekord aller Züge schlug im Dezember 1930 unter ganz besonderen Umständen der zwischen Smith's Falls. Ontario und Montreal laufende Zug der Ca- nadian-Pacific-03af>n. Er legte die 2061/» Kilo­meter lange Entfernung in 91 Minuten, also in einer Durchschnittsschnelligkeit von 136 Kilometer, zurück. Doch war dies ein AuSnahmefall, da es eine vorher erfolgte Verspätung einzuholen galt.