Ausgabe 
20.7.1932 Erstes Blatt
 
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Die deutsche Taktik in Genf.

Man könnte die Frage stellen, warum die deutsche Regierung es ihren Gegenspielern in Genf überläßt, die Verhandlungen durch die führenden Staatsmän­ner zu betreiben, während wir selbst ihnen nur einen Beamten des Auswärtigen Amtes gegenüberstellen. Das hat schon feinen guten Grund. Im Hauptquar- tier der Franzosen glaubt man, daß Deutschland es in der kurzen verfügbaren Zeit nicht für oppurtun halten werde, die grundsätzliche Frage der Rüstungsgleichheit vorzudringen. Der tak­tische Plan Herriots zielt offenkundig nach der Rich­tung uns durch ganz unverbindliche Formulierungen in der Präambel der Vertragsentschließung abzu - speisen um dafür unsere Zustimmung für die geplanten,'völlig unzureichenden technischen Fest­stellungen der Resolution zu erkaufen.

Herriot könnte jedoch gegenüber dem Führer unserer Abordnung eine döse Enttäuschung erle­ben. lind zwar gerade deswegen, weil Radolnh nur beauftragter Beamter des Aus­wärtigen Amtes ist, der zu selbständigen Verhandlungen über die entscheidenden und grundsätzlichen Fragen keine Vollmachten hat. Radolny wird im gegebenen Augenblick den Franzofen und Engländern mitteilen müssen, dcch seine Ermächtigung, der Vertagungsformel zu- zustimmen, an ganz bestimmte und von ihm nicht zu unterschreitende Be­dingungen geknüpft ist. Diese Bedingun­gen sind ganz eindeutig. Wir können nur die Verantwortung für eine Dertagungssormel über­nehmen, in der die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung auf dem Rüstungsgebiet klar und unumwun­den ausgespochen wird. Es wäre das Höchstmaß des Entgegenkommens, wenn wir uns mit einem genau fe ft gelegten Termin für die Wiederaufnahme der Arbei­ten des Abrüstungsausschusses begnügen wür­den. Gleichzeitig müßte in diesem Falle die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung a l s erster Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werden. Herriot wird gegenüber einem Beauftragten der Reichsregierung mit gebunde­ner Marschroute viel schwereres Spiel haben als gegenüber einem verhandlungssähigen Mi­nister. Sein Optimismus wird schon in wenigen Tagen einen kräftigen Knacks bekommen.

Forderungen

der Nationalsozialisten.

München, 19. Juli. (TU.) In derNSK." schreibt Oberst Haselrnayr, das mindeste, was das deutsche Volk von feiner heutigen Regierung erwarten müsse, sei, daß sie es ablehne, eine Teilnahme des abgerüsteten Deutschlands an der Verlängerung des Rüstungsjahres zu­zusagen. Zum zweiten müsse das deutsche Volk von der Regierung verlangen, daß sie auch sonst keiner Abmachung zustimme, die Deutschland hindern könnte, nach Ablauf des Rüstungsfeierjahres die unvermeidlichen Schritte zur Erlangung je­nes Mindestmaß an nationaler Sicherheit vorzunehmen, das ihm Artikel 8 der Völkerbundsfatzung zuerkenne. Die dritte Auf­gabe der Regierung wäre die Abgabe einer Erklä­rung, daß Deutschland sich nicht mehr an den Teil 5 d e s Versailler Diktats gebun- den erachtet und sich weitere Folgerungen aus der Nichtdurchführung gewisser Lertragsverpstich- tungen durch die anderen Unterzeichner vorbehalte. Finde die derzeitige Regierung nicht den Mut zu letzterem Schritt, so werde es Aufgabe der kämmenden nationalsozialistischen Regierung sein, ihn zu tun. Unbedingt gefor­dert müsse aber werden, daß die Regierung von Papen durch ein Verfahren entsprechend Punkt 1 und 2 ihrer Nachfolgerin wenigstens alle Wege offenhalte.

Aus oder Wett

Hausners Ozeanflugzeug gesichtet.

Wie aus La Coruna gemeldet wird, ist das Flugzeug des polnischen Ozeanfliegers Haus­ner, das dieser auf hoher See lassen mußte, da es nicht abgeschleppt werden konnte, im At­lantischen Ozean 42 Grad 21 Minuten nörd­licher Breite und 24 Grad westlicher Länge ge­sichtet worden. Alle Schiffe sind aufgefordert, zu versuchen, den Apparat an Bord zu be­kommen.

von Gronau startbereit zum Amerikaslug.

Der Dornierwal Wolfgang v. Gronaus liegt startbereit in List auf Sylt. Der n e u e A m e r i k a- f l u g soll erfolgen, sobald gute meteorologische Vor­bedingungen gegeben scheinen. Neben v. Gronau werden Funker Albrecht, Maschinist Hak und (statt des Piloten Zimmer) der zweite Pilot Roth an dem Fluge teilnehmen.

Zehn Todesopfer bei einem Flugzeugabsturz.

Das Flugzeug ,-,San Iosö" der Panamerikani« scheu Luftverkehrsgesellschaft, das vor einigen Tagen auf dem Wege von Santiago de Chile nach Buenos Aires verschollen war, ist in der Rähe der einsam gelegenen chilenischen Farm Santa Rosa im Las Condas-Tal völlig zer­stört im Schnee begraben aufgefunden worden. Alle 10 Insassen sind t o t. Man nimmt an, daß die Maschine gegen einen Sturm in d en Cordilleren anzukämpfen hatte und von der Last der Eis» und Schneemassen nieder­gedrückt wurde. Die Maschine dürfte, als der Pilot nach einem geeigneten Landungsplatz suchte, auf den Boden geprallt und zerschellt sein.

vor der Vollendung der Brücke über den kleinen Belt

Wie aus Middelsart (Insel Fünen) gemeldet wird, ist dieser Tage im Beisein einer tausendköpfigen Menge der vierte Senkkasten für die seit 1924 im Bau befindliche Brücke über den Kleinen Belt bei Snoghoej zu Wasser gelassen worden. Kurz vor der Zeremonie trafen auch der König und die Königin von Dänemark ein und wurden vom Generaldirektor der Eisenbahnen empfangen. Un­ter den Zuschauern befanden sich viele deutsche, schwedische, norwegische und dänische Ingenieure. Auf dem Belt lag eine Flotte von Schiffen, wäh­rend über dem Belt ein Flieger seine Kreise zog. Der Senkkasten glitt unter dem Beifall der Men- fd)enmassen ohne Unfall ins Wasser.

(Ein Meteor über der Pfalz.

Nach einer Meldung aus Mannheim wurde in einer der letzten Nächte über Unterbaden und der Pfalz ein riesiger Meteor wahrgenommen, der am dunklen Nachthimmel außerordentliche Helligkeit verursachte und die Aufmerksamkeit aller erregte, die um diese Zeit noch auf den Straßen waren. Nach den Berichten von Augenzeugen war der

Oie Schuhhütte auf der Theodorsruh.

3n vorbildlicher Zusammenarbeit haben, wie wir in Rr. 160 desGießener Anzeigers" vom 11. Juli berichteten, der Verkehrs- und Derschönerungsverein Gießen und die Heimatvereinigung Schiffenberg auf der Theodorsruh am Grenzweg zwischen dem Leihgesterner Gemeindeforst und den Staats­waldungen Schiffenberg, links der Landstraße GießenLeihgestem, eine S ch u tz h ü 11 e errich­tet, die dem Wanderer eine angenehme Ruhestätte bietet und von der aus ein wundervoller Blick über eine schnür- §erade verlaufende Schneise nach

em hochgelegenen Schiffenberg ge­

boten ist. Die Anlage bedeutet eine wesentliche Verschönerung im Landschaftsbild unserer wald­reichen Umgebung und dürfte wohl ein besonderer Anziehungspunkt für Spaziergänger und für Be­sucher unserer Stadt aus anderen Gegenden werden.

Rachstehend bringen wir zwei Photographien, die unseren Lesern diesen Erfolg der gemein­samen Arbeit des Verkehrs- und Verschönerungs­vereins und der Heimatvereinigung Schiffenbcrg zeigen. Einige weitere Aufnahmen unseres eige­nen Photographen bringen wir im Bilder-Schau- kästen an unserem Geschäftshaus zum Aushang. Auf diesen Photos ist die Schutzhütte von ver­schiedenen Blickrichtungen her zu sehen.

Die Schutzhütte im Hochwald.

f.

«* '

Die Wegemarkierung.

Wie wir zuverlässig hören, werden maßgebende Herren des Gießener V H C. am heutigen Mittwochabend die Theodorsruh aufsuchen und sich dabei zugleich über die beste Art der Wegemarkierung schlüssig werden. Cs wird damit zu rechnen sein, daß der DHC.» ent­sprechend seiner ganzen Tradition, auch dieses

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Blick von der Theodorsruh zum Schrffenberg.

Werk zum Besten der Allgemeinheit in gemein­nütziger Weise fördern und die Wegemarkierung noch im Verlaufe dieser Woche vornehmen wird. Die Spaziergänger werden voraussichtlich schon am nächsten Sonntag die Möglichkeit haben, auf gut bezeichnetem Wege das idyllische Plätzchen aufsuchen zu können.

Himmel im Augenblick des Niedergehens taghell erleuchtet. Sichtmeldungen liegen vor u. a. aus Ludwigshafen, Worms, Neustadt, Kaiserslautern, Pirmasens, Landau und Bergzabern. Bei dem Meteor hat es sich nach Angabe der Wetterwarte, um eine Feuerkugel mit Schweif gehan­delt, die über der mittleren Pfalz, besonders Neu­stadt, den größten Grad ihrer Leuchtkraft erreichte und gleich darauf unter gewaltigem Donner e x - plosionsartig zerbarst. Dieses Geräusch war so stark, daß viele Bewohner der Vorder- und Mittelpfalz an eine zweite Explosionskatastrophe im Oppauer Werk der I. G. Farbenindustrie glaub- ,ten. Von einem Niedergehen der einzelnen aus­einandergesprengten Teile des Meteors ist nichts beobachtet worden

Grohfeuer im Spessart.

In Hafenlohr (Spessart) brach dieser Tage auf bisher ungeklärte Weise Feuer aus. Innerhalb kur­zer Zeit standen vier Scheunen und acht 'Nebengebäude in Flammen. Da die Orts­feuerwehr dem Großfeuer gegenüber machtlos war, mußten die Wehren der umliegenden Orte zur Hilfe­leistung herbeigerufen werden. Den vereinten Be­mühungen der Wehren gelang es nach zweistündi­ger angestrengter Arbeit, den Brand zu wkalisieren und die Wohnhäuser und eine Brauerei vor einem Uebergreifen des Feuers zu schützen. Die vier Scheunen mit den acht Nebengebäuden sind dem entfesselten Element vollständig zum Opfer gefallen.

Großer Kaffeeschmuggel in Hamburg ausgedeckt.

Der Hamburger Zollfahndungsstelle gelang es, einen großzügigen Kaffeeschmuggel aufzudecken, der bis zum Oktober vorigen Jahres zurückreichen dürfte. Bis jetzt sind acht Fest­nahmen erfolgt; weitere stehen bevor. Die ge­schmuggelte Menge dürfte sich auf 90100 000 Kilo Kaffee belaufen. Die Schmuggler bedienten sich eines großen Möbelwagens, der von einem Lastkraftwagen gezogen wurde. Der Möbelwagen batte am Kopfende eine Geheimabteilung, in die man jeweils etwa 40 Sack Kaffee unter­bringen konnte. Auch verfügten die Schmuggler über ejnen Hlotorkahn, der doppelte Schotten besaß.

Dynamitexploston in USA. 13 Tote.

Wie aus Brockville (Ontario) gemeldet wird, ist ein Boot mit 16 Mann Besatzung auf dem St. Lawrence-Strom durch eine Dynamit- explosion zerstört worden. Zwei Mann der Besatzung tourben -getötet und drei ver­letzt. Die 11 anderen werden vermißt, und man befürchtet, daß sie ebenfalls ums Leben gekommen sind. Die Besatzung des Bootes war im Augenblick der Katastrophe damit beschäftigt, Untiefen im Flußbett durch Dhnamitsprengun- gen zu beseitigen.

Prozeß um eine Fischerei-Gerechtigkeit.

Die Altstädtische Fischerinnung in der Stadt Potsdam hat jetzt nach achteinhalbjäh­riger Prozeßdauer vor dem Reichsgericht ein obsiegendes Urteil über einen unberechtigten Fischer erftritten. Es handelte sich darum, daß ein Potsdamer Einwohner in der Burgstraße ein Haus erworben hatte, von dem er glaubte, daß eine Fischerei-Gerechtigkeit dar- auf ruhe. Durch 25 Fachiuristen und die Heran­ziehung von Urkunden von mehr als fünf Jahr­hunderten wurde jedoch bewiesen, daß diese Fischereigerechtigkeit nicht besteht. Das Haus, um das es sich handelt, ist 1746 von Friedrich dem Großen einem Potsdamer Einwohner über­geben worden. Der König wollte aber nach Meinung der Sachverständigen mit dieser Schen- hing nur wohnpolitisch wirken, nicht ein neues Fischereivorrecht verleihen. Es ist bemerkens­wert. daß in sämtlichen Instanzen dieses Pro­zesses, der schließlich mit dem S i e g d e r A l t- städtischen Fischerinnung endete, das Gutachten der Potsdamer Fischereisachverständi- gen abgelehnt wurde.

Aus Oer Pnmtuiatbaupfftaöl

Gießen, den 20. Juli 1932.

Gießen, den 20.Juli 1932.

Oie Ernte reist, die Mahd beginnt...

Unter der Sonne gehen die singenden Sensen nun wieder über die Fluren, lieber knisternden Halmen zittert die Luft wie in fiebernder Erwar­tung der Dinge, die Schicksal und Entscheidung für das sein werden, was mit Hoffnung auf Segen dem Schoß der Erde anoertraut wurde. Dieses Hoffen, das sich mit dem Saatkorn an dem Halm empor­rankte, ist nun Erfüllung geworden. Auch wenn manche Sorge, die im Wüten der Wetter drohend gewachsen war und mehr als einmal die Zukunft verzweifelnd zu verdüstern schien, zu niederdrücken­der Gewißheit wurde, Erntezeit ist der Schlußakkord einer Melodie, in der alles klingt, was ohne An­fang und ohne Ende ist, weil das Leben selbst sich darin vertont.

In den Tagen der singenden Sensen schließt sich der Ring, den eine urewige Kraft allen winterlichen Gewalten zum Trotz unter dem Licht des Himmels zu schmieden begann. Ob ein goldener Reif, oder nur eine billige Spange das Mühen lohnt, ist Landmannslos; wechselvoll, wie die Laune der Ele­mente, denen er untertan bleibt. Vielleicht wird im nächsten Jahr die Göttin Ceres den reichlich ent­schädigen, den sie in diesem Jahr darben ließ. Viel­leicht?! Denn der Landwirt, dem der Boden nicht bloß Scholle, sondern Bruder und Teil seines Selbst ist, wird den Glauben an den stolzen Wahrspruch seiner Väter nie verlieren:Das schönste Wappen in der Welt, das ist der Pflug im Ackerfeld".

Nun kommt es näher. Ist zuerst kaum ein feines, metallisches Singen, als ob ein Käfer vorbeiflirrte. Wird bann stärker' und klingender. Und tickt und tackt und holt in rhythmischem Zeitmaß aus, wie der Pendelschlag der Uhr, die unentwegt, unentrinn­bar die Erfüllung alles Seins begleitet. Und ist mit einmal ein zischendes Pfeifen. Hinter dem stähler­nen Klang bricht ein raschelndes Knacken in den Gleichtakt der Melodie ein ... Jetzt ist es ganz nahe. Tonlos fast. Nur ein surrendes Rauschen, wie von hastig raffenden Händen. Aber noch immer schwingt es im Takt ab und an. Und schneidend hart fährt das Sensenblatt in die starren, vergilbten Stengel. Die Halme pressen sich, als fänden sie sich in höchster Not, eng aneinander und fallen mit den körner- schweren Aehren seitwärts über.

Und hinter dem Sensenmann und der ratternden Maschine leuchtet die schnurgerade Mahd da und dort glühend auf. Halm wird Garbe, und Garben formen Stiege um Stiege zu einem Ehrenhain be­lohnter Mühe, zu einem Denkmal des Dankes aus der dunklen liefe rätselvollen Geschehens.

Schwankende Erntewagen ächzen und stöhnen über die vernarbten Feldwege. Dampfende Pferde stampfen mit der schweren Last scheunenwärts. Bund um Bund schichtet sich hoch bis unter die Dachziegel. Immer kleiner wird der freie Raum, und immer mächtiger wölbt sich das Fundament, in dem unser tägliches Brot geborgen liegt.

Und dann werden wieder Erntekränze geflochten.

Kig.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Ro­manisches Seminar, 20 Uhr, Musiksaal des Real­gymnasiums, französischer Vortrags- und Theaterabend. Hindenburg-Bund, Hotel Köhler, 20.30 Uhr, Zusammenkunft. Kathol. Vereins- Haus, 17 bis 19 Uhr, Kasperle-Theater. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Ein Lied, ein Kuh, ein Madel".

" Von der Landesuniverfität. Die Pressestelle der Landesuniversität teilt mit: Dr. med. M. Behrens, der sich für das

Fach der physiologischen Chemie an unserer Uni­versität zu habilitieren wünscht, wird Donners­tag, 21. Juli, 16 Uhr, in der kleinen Aula seine ösfcntliche Probevorlesung halten über das Thema Darstellung von Hormonen". Dr. phil. Elisabeth Lippert, die sich für das Fach der Psychologie an unserer Universität zu habilitie­ren wünscht, wird Freitag. 22. Juli, 18 Uhr. in der kleinen Aula ihre öffentliche Probe­vorlesung halten über das ThemaReue Er­gebnisse über Wesen und Bedeutung der Er­lebnisformen menschlicher Motorik".

**Kauft deutsche Ware n!" Der Vor­stand und der Ausschuß des Verkehrs, und Ver- schönerunasoereins Gießen beschäftigten sich in ihrer jüngsten Sitzung, mit einem Antrag, in dem vorge- schlagen wird, an den Haupteingangsstraßen unserer Stadt Transparente mit der Aufschrift .Faust deutsche Waren!" anzubringen. Die Transparente Jollen fo eingerichtet fein, daß sie am Abend und tn der Nacht durch elektrische Birnen beleuchtet wer- den. Es ist nunmehr mit dem Verein der Einzel­händler Verbindung aufgenommen worden, um die (frage der Kostendeckung und der Unterhaltung die­ser Einrichtung zu lösen. Es wäre zu wünschen, daß der Vorschlag zur Tat wird, um auf diese Weife auch in Gießen für den stärkeren Verbrauch der deutschen Waren zu werben.

D ie Strahen-Derkaufshäuschen. Auf Ersuchen aus der Bürgerschast wird sich der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsver­eins mit der Ditte an die Stadtverwaltung wen­den, daß zum Schuhe unserer Geschäftswelt von der Aufstellung weiterer Verkaufshäuschen Ad- stand genommen und außerdem darauf hingewirkt wird, dast die Verkaufszeiten der jetzt bestehenden Derkaufshäuschen der Geschäftszeit der Laden­geschäfte angepaht werden.

** Siebzigerfeier. Man berichtet uns: Dieser Tage hielt die Altersvereinigung 1862/1912 in ihrem Dereinslokal Boller ihre 70. Geburtstagsfeier ab. Leider war der Vorsitzende, Oberforstmeister Gustav Schneider, durch schwere Krankheit am Erscheinen verhindert. In dieser harten, schweren Zeit war die Vereinigung gezwungen, die Feier so einfach wie nur möglich zu gestalten, und zwar zu Lasten der Dereinskasse. Ansprachen wurden ge­halten von Geheimrat Dr. Gustav Krüger und Kommerzienrat Adolf Noll. Bei der Gründung der Vereinigung waren es 73 Personen, seitdem mußten 31 Mitglieder zu Grabe getragen werden. Jetzt sind noch 33 Alterskameraden in der Vereinigung. Am darauffolgenden Sonntag sahen sich die Mit­glieder der Vereinigung mit ihren nächsten Ange­hörigen bei Kaffee und Kuchen im Schützenhaus vereint. Die Feier verlief zur vollen Zufriedenheit.

Oderheffen.

Sechs weitere Verhaftungen wegen des Lleberfalts bei Homberg. *Homberg,20. Juli. Im Verlaufe der weite­ren behördlichen Ermittelungen wegen des k o m - munistischen Lleberfalls aus dieAls- felderSA. -Gruppe in der Rächt zum Sonn­tag zwischen Homberg und Rieder-Ofleiden wur­den gestern sechs weitere Personen aus Homberg, Rieder-Ofleiden und Gontershausen verhaftet. Die Verhafteten sind sämtlich Kom­munisten. Ihre Vorführung vor den Richter wird heute erfolgen. Die Untersuchung wird fortgesetzt und dürfte vielleicht noch zu weiteren Verhaf­tungen führen.

Landkreis Gietzen.

(p S a a f e n, 19. Juli. Am Sonntag unternahm der hiesige GesangvereinEintracht" einen Ausflug. Mit dem Zuge fuhr man bis Durg- Rieder-Gemünden, von da aus führte die Wan­derung durch herrliche Wälder über Homberg nach Ober-Ofleiden, wo die Anlagen der Stein­brüche besichtigt wurden. In Homberg folgte nach dem Mittagessen ein geselliges Beisammensein, dann ging es wieder auf die Wanderung nach der Arbeiter-Kolonie Reu-lllrichstein, die eingehend besichtigt wurde. Don hier ging es zurück nach Homberg wo man noch einige Stunden verweilte, bis von Äeuhaus aus über Burg-Rieder-Gernün» den die Heimfahrt erfolgte. Heute wurde der neugewählte Bürgermeister ver­pflichtet und in sein Amt eingeführt.

Krcts SiNotten.

* Lardenbach, 18. Juli. Wahrend der Ferien des hiesigen Pfarroerwalters Beyer predigte hier am vergangenen Sonntag als erster Vertreter un- zfer früherer Seelsorger Pfarrer König aus Groß- Eichen. Die vollbesetzte Kirche zeugte von der gro­ßen Beliebtheit von Pfarrer König, dessen Fort- Koon hier von der ganzen Gemeinde noch heute jert wird.

Kreis Alsfeld.

II Ilsdorf, 19. Juli. Gestern wurde im Hause des hiesigen Bürgermeisters, als alle Haus­bewohner auf dem Felde beschäftigt waren, a m hellen Tage eingebrochen. Zufällig kam aber ein Sohn des Bürgermeisters nach Hause und traf ebenso zufällig den Einbrecher, als er ihm vom Hause her entgegenkam. Im Hause bemerkte der Heimkehrende sofort den Einbruch, denn der Gau­ner hatte ein Fenster eingeschlagen, mar eingeftie- gen und hatte verschiedene Schränke geöffnet. Der Dieb flüchtete auf einem Damenfahrrad, wurde aber verfolgt und vom Sahne des Bürgermeisters unter Mithilfe van drei Atzenhainer Einwohnern zwischen Atzenhain und Weitershain f e st g e n o m - men und durch die Gendarmerie in bas Amtsge­richtsgefängnis nach Grünberg gebracht. Der Täter, ein Mann von Albach, ist bereits vorbestraft.

Wettervoraussage.

Obwohl der hohe Druck im Westen bis nach Deutschland vorgreift, wird unter seinem Ein­fluß eine wesentliche Desserung nicht mehr ein­treten, denn der Vorschub ozeanischer Luft be­steht noch fort. Zunächst wird uns eine Staffel warmer Luft überqueren, welche Temperatur­anstieg zur Folge hat, aber alsbald folgt wieder kühlere nach, die sich ebenfalls auf die Lustwärme auswirken wird. Außerdem tritt zeitweise stärkere Bewölkung auf, und auch in unserem Bezirk nimmt die Riederschlagsneigung zu.

Vorhersage für Donnerstag: Weiter­hin wolkiges Wetter, dabei vorübergehend auf- heiternd, einzelne Riederschläge, vorerst etwas wärmer, dann wieder kühler.

Vorhersage für Freitag: Mäßig warm, zeitweise noch stärker bewölkt, Reigung zu ein­zelnen Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 19. Juli: mittags 16,4 Grad Celsius, abends 11 Grad; am 20. Juli: morgens 15,8 Grad. Maximum 22 Grad, Minimum 9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juli: abends 18,9 Grad; am 20. Juli: morgens 16,2 Grad Celsius. Sonnenfdjeinbauer XA Stunde.