Ausgabe 
20.7.1932 Erstes Blatt
 
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der Oefsentlichkeit vollkommen: den unerhör­ten Aufwand an Ruhe und Besonnen­heit, durch den allein die Polizei tägliche Strahenschlachten verhindert hat. Selbst, wenn aus der Reihe der Demonstranten oder aus den Häusern geschossen wurde, zogen die Polizei­beamten nach Möglichkeit nicht die Waffe, son­dern versuchten, die Schützen allein mit Hilfe des Gummiknüppels zu überwältigen. Erst im äußersten Rotfall wurde von der Polizei geschossen. Wir können ohne Üebertreibung sagen, daß nur ein kleiner Teil der Polizeibeamten getötet und verwundet wor­den tyäre, wenn die Polizei es nicht bis zum letzten Augenblick versucht hätte, mit friedlichen Mitteln Ruhe zu schaffen. Jetzt, nach Erlast des Demonstrationsverbotcs habe ich den am stärksten beanspruchten Teil meiner Leute erst einmal ins Bett geschickt, sonst wären sie über kurz oder lang zusammengebrochen.

Es besteht für mich kein Zweifel, daß das De- monstrationsoerbot in dem letzt en nur mög­lichen Augenblick gekommen ist. Unsere- Be- amten sind über den Tod ihrer Kameraden so ver­bittert und durch die ununterbrochene Bean­spruchung derart überanstrengt, daß ihre Nerven diesem Zustande höchstens noch ein paar Tage ge­wachsen wären..."

Wer trägt die Schuld am Bürgerkrieg ?

In der Reichshauptstadt sind eine größere Anzahl hohe Polizeioffiziere aus dem ganzen Reich ver­sammelt, die über die Hintergründe der Krawalle Bericht erstatten. Einer dieser Polizei- offiziere, der auch die Borgänge in Altona genau kennt, erklärt:Was uns ganz besonders er­bittert hat, ist die Tatsache, daß die Angriffe auf Ruhe und Ordnung, namentlich bei den Kommuni­sten, immer von dem gleichen Gesindel ausgehen. Fast jeder der Raufbolde und Ma­schinengewehrschützen, die wir fassen konnten, hot schon mehrere Male bei uns hinter Schloß und Riegel gesessen. Es ist also ein planmäßiger Bürgerkrieg, der von einer Art politischer Berufsverbrecher ausgeübt wird. Während der letz­ten vierzehn Tage hatte die Polizei in den schlimm­sten Unruhegebieten keine Zeit, und keine Beamten übrig, um das gesammelte Material und um die Spuren zu verfolgen. Eine völlige Atempause in Form eines Demonstrationsverbotes mußte kom­men, damit wir endlich die Herde Vieser Strahenverschwörungen säubern können.

Brauchen wir neue Schnellgerichte?

Die Polizeibehörden und die Länderministerien haben das Reichsinnenministerium darauf hin­gewiesen, daß es bei einem Demonstra- tionsverbot allein nicht bleiben kann. Es müsse jetzt endlich gelingen, die großen W af­fe n b e st ä n d e zu erfassen, die von Angehörigen radikaler Parteien immer noch mißbraucht werden. Denn neben den Straßenschlachten sind die poli­tischen Streitigkeiten, die in kleinen Gruppen ent­stehen, in einer Weise gewachsen, daß die Polizei auch dieser Erscheinung bald machtlos gegenüber­stehen wird. Bon Regierungsseite sind zu dieser Frage insbesondere auch bei den bestehenden poli- tischen Schnellgerichten Erkundigungen eingezogen worden. Das Material der Gerichtsakten ergibt die Tatsache, daß bei diesen Zusammenstößen viel häufiger als der politische Berufsverbrecher der-Zufallstäter eine Rolle spielt, der glaubt, in vermeintlicher Notwehr zu handeln. Dieser Ge­fahr kann nicht allein durch polizeiliche Bewachung, sondern nur dann begegnet werden, wenn endlich der riesenhafte unerlaubte Waffen- besitz ein Ende findet. Und auch das Gut- achten der Juristen geht zumeist dahin, daß der unerlaubte Waffenbesitz nur durch Strafen, die sonst allein während des Ausnahmezustandes gerechtfertigt sind, beseitigt werden können. Und so wird auch eine Erweiterung der Schnell­gerichte gefordert, denn nur. die sofortige Bestrafung wirkt in ausreichendem Maße abschreckend. In den Kammern, die politische Verbrechen abzuurteilen haben, ist man der gleichen Meinung wie bei den zuständigen Poli- zeibehörden: wenn sich die Krawalle in dem bis­herigen Ausmaße noch ein paar Wochen weiter» entwickeln, befinden wir uns nicht nur im politi­schen Bürgerkrieg, sondern auch im Zustande einer politischen Demoralisierung, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Oie Insel der Pinguine.

Eine Reportage

aus dem allenOeutsch-Eüdwest".

Don E. 3 Klötzel.

Halifax ist nur ein paar Reitstunden von Lüderihbucht entfernt. DiePad" dorthin ist einer der seltenen Wege, die man in der Um» gebung dieser Stadt begehen darf, ohne vorher einen Erlaubnisschein bei der Diamantenpolizei eingefordert zu haben. Rach fast allen Seiten hin beginnt noch im Weichbild des Ortes das Sperrgebiet, in dem, ohnePermitt" an­getroffen zu werden, mit vielen Pfunden ge­ahndet wird.

Lüderihbucht ist eine Stadt ohne Grün. Wenn die Lehrer dort ihren Schülern einen Baum zeigen wollen, müssen sie über hundert Kilometer landeinwärts reisen, ehe sie das erste kümmerliche Exemplar zu sehen bekommen. Die erkennbare Flora des ganzen Küstenstriches be­steht aus ein paar ganz niedrigen Kriechpflanzen, die>im Windschatten der Klippen gedeihen. Man must schon sehr gute Augen haben, um auch jene andere Flora und Fauna zu entdecken, die sich in Form und Farbe so völlig dem Gestein angepastt haben, dast kein ungeschulter Blick sie erkennt. Da gibt es Pflanzen und Tiere z. B. die Klippenwanze die kleinen Felsbrocken täuschend ähnlich sind und von denen man nicht begreift, woher ihnen in dieser Steinwüste Rüh­rung kommt.

Endlich klappern die Pserdehufe nicht mehr auf dem nackten Felsen, sondern galoppieren wie auf Gummi über den nassen Ufersand. Das nächste Ziel ist der Leuchtturm, der auf vor­geschobener Landzunge weit draußen in der Bran­dung steht. Dort, so hatte man uns geraten, sollten wir die Pferde einstellen, sonst müßten wir einen Anker mitnehmen, um sie festbinden zu können. Aber der Leuchturmwärter meint, es seien genug Schwarze auf der Pinguininsel, und einer von ihnen würde schon die Pferde halten. In zehn Minuten sind wir dort, wo Ufer und Insel einander am nächsten liegen. Ganz deutlich ist zu erkennen, daß das was heute Eiland ist, vor nicht gar zu langer Zeit noch Festland gewesen sein muh. Kaum hundert- sunfzig Meter breit ist die trennende Wasser-

Phantast oder Verbrecher?

Oer Schuß auf den

Bon unserer Berliner Redaktion.

Allem Anschein nach ist der Mann, gegen den wegen des Attentats auf den Reichsbank­präsidenten Dr. Luther vor dem Großen Berliner Schöffengericht in Berlin verhandelt wird, we­der ein Phantast, noch ein Verbrecher, son­dern nur ein Querulant. Querulanz mit einer guten Dosis Genialität und etwas von dem, was der Engländer spleenig nennt. Er hat auch körperlich etwas von einem Engländer, wenngleich die Eleganz seiner Erscheinung nicht makellos ist. Der erste flüchtige Eindruck ist der eines Grandseigneurs, und erst bei näherer Be­obachtung erkennt man, daß nicht alles Gold ist, was glänzt.

Frappierend wirkt seine überragende Intelli­genz, so daß man nur bedauern kann, daß die­ser Mensch durch wer weist was für. Zufälle in falsche Bahnen gelenkt wurde. Viel­leicht ist es gerade seine ungewöhnliche Bega­bung, die ihn, verbunden mit einer starken kriti­schen Einstellung, verhinderte, bei einem bestimm­ten Wissens- und Arbeitsgebiet zu beharren. Sein Geist wächst schnell über die Materie hin­aus und verirrt sich im Mystischen.

Nach juristischem Studium war er Referendar. Wie sich aus der Verhandlung ergibt, weiß er i n der Straf Prozeßordnung s o gut Be-

Reichsbankpräsidenten.

scheid, daß der Vorsitzende des Gerichts keinen leichten Stand hat. Von der Rechtswissenschaft wech- fette er über auf die Kunst, wird M u s i k l e h r e r. Später beschäftigt er sich nur mit Zahlentheo­rie n. Er wird Finanzsachverständiger, wird Berater bei großen internationalen Trans­aktionen. Die Einkünfte aus dieser Tätigkeit ermög­lichen ihm, auf großem Fuße zu leben.

Ein Querulant. Er ist selbst Juist, ein hervor­ragender Kenner der Strafprozeßordnung und trotz­dem sträubt er sich dagegen, die Strafprozeßordnung für sich anzuerkennen. Für den ganzen Prozeß hat er sich ein genaues Programm ausgearbei­tet und für alles, was er zu sagen hat, Exposes an­gefertigt. Zunächst stellt er einen Antrag auf Haftentlassung. Als der Antrag abgelehnt wird, verlangt er, daß ihm das Recht gegeben wird, sich mit den Sachverständigen und Zeugen so frei zu unterhalten, wie es der Staatsanwalt tut. Der Vor­sitzende weist ihn daraus hin, daß dies bei preußi- schen Gerichten nicht üblich sei.Dann führen Sie das ein, Herr Landgerichtsdirek­tor" antwortet Roofen. Er fei Hamburger und nicht geneigt, der Hebung preußischer Gerichte zu folgen. Als der Vorsitzende ihn darauf aufmerksam macht, daß der Angeklagte seine Tat und die Um­stände der Tat aus dem Gedächtnis schildert, erklärt Roofen, er wolle vor Gericht keine Vor-

Parteiführer im Wahlkampf.

Hitler-Kundgebungen inEchneidemühl undKottbus.

Schneidemühl, 19.Juli. (TU. Funkspruch.) Am Dienstag fand im Schne-idernühler Stadion eine Hitlerkuudgebung statt, an der 28 000 Perso­nen teilnahmen. Hitler erklärte, es gehe darum, das deutsche Volk zu einer Einheit zusam- menzuschmelzen. Die 30 Jnteressenparteien wollten dies verhindern, denn sie lebten von der Zerrissenheit. Nur in Einigkeit und durch Arbeit könne 'das deutsche Volk groß werden. Es ziehe sich jetzt aus der Chloroformierung durch die Parteien heraus. Denn es habe es satt, diese Politik des Systems der letzten 14 Jahre noch weiter zu gehen. Der Nationalsozialismus kämpfe gegen die Politik der Auflösung, gegen die Zersplitterung, gegen den Terror. Das ungeheuere Wachstum der Partei be­weise die Nichtigkeit ihrer Gedankengänge. Er werde beweisen, daß es möglich fei, das deutsche Volk zu einer wahren Volksgemeinschaft zusammen- zufafsen. Der 31. Juli werde ein Kampftag sein, aber am 1. August werde die Arbeit wieder weiter- gehen. Wenn jeder seine Pflicht tue, wenn der Bauer und Arbeiter, der Akademiker und der Hand­werker zur Nation zusammenstünden, dann werde auch endlich die Sonne wieder über Deutschland scheinen, dann würden wir ein Deutschland der Kraft, der Größe, der Schönheit und des sozialen Rechts erringen.

Am gleichen Tage stand auch Kottbus im Zei­chen einer Hitler-Kundgebung, zu der sich auf der Rennbahn 35 000 Menschen eingefunden hatten. Hitler machte die Gegner verantwortlich für die Entwicklung Deutschlands in den letzten vierzehn Jahren. Wenn der Arbeiter heute noch glaube, in einer proletarischen Partei Hilfe zu finden, dann müsse ihm entgegengehalten werden, daß die SPD. ja 70 Jahre lang dazu Zeit gehabt habe, ohne etwas erreicht zu haben. Die Geschichte werde es zu würdigen wissen, wenn er aus 30 Parteien eine mache. Es werde vielfach die Ansicht ver­treten, der Rationalsozialismus müsse mit dem Zentrum eine Koalition eingehen. Er sei zu jeder Koalition bereit, wenn sie nationalsozialistische Politik treibe.

Hugenberg und das Zentrum.

Köln, 19. Juli. (TU.) Hugenberg führte lp einer Rede in der Messehalle u. a. folgendes aus: Es gibt Leute, die sich aufgeregt haben, weil ich die

Frage einer Koalition zwischen Zentrum und Nationalsozialisten erörtert habe. Diese Frage zu erörtern, kann ich mir von nieman­dem verbieten lassen. Ich habe, als es noch Zeit war, ein über das andere Mal erklärt: Wir sind zur Mit­arbeit bereit, aber nur auf einer ehrlichen nationalen und antimarxistischen Grundlage. Das Zentrum hat das abgelehnt. Es hat sich von der Sozialdemokratie nicht trennen wollen. Es ist unwahr und unehrlich, wenn es jetzt diesen Tatbestand verwischen will. Es ist ebenso unwahr und unehrlich, wenn nationalso­zialistische Blätter heute so tun, als hätte ich je im Bunde mit dem Zentrum gestanden. Sie wissen genau, daß vielmehr gerade meinerseits das Zentrum vor eine Probe gestellt worden ist, die es nicht be­standen hat. Wir sind der Meinung, daß im künftigen Deutschland ohne Zentrum regiert werden kann.

Oingeldey in Lübeck.

Lübeck, 18. Juli. (TU.) In einer Kundgebung der Deutschen Volkspartei führte Dingeldeh u. a. folgendes aus: Ein Volk, das sich innerpolitisch mit Haß und Waffengewalt bekämpfe, spiele um feine Zukunft. Das Ergebnis von Lausanne habe wieder einmal gezeigt, wie unendlich schwer es sei, die Ketten von Versailles zu sprengen. Deutschland dürfe keinen Utopien nach­jagen. sondern müsse in nationaler Gemein­schaft dem Schicksal die Stirn bieten. Der Glaube an ein Zaubermittel sei abwegig. Die Wech­sel würden bald präsentiert werden. Die Forderungen cfcr Deutschen Volkspartei seien: Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten. Un- abhängigkeit der Reichsregierung vom Parlament und Schaffung eines Oberhauses. An die Stelle der Agitation und des Glaubens an einen Er­löser müsse die Verantwortung, die Be­wertung der Leistungen und die Objektivität des Staates treten. Die Deutsche Volkspartei sehe ihr Ziel darin, die Hunderttausende, die gedankenlos ihren Weg gingen, vor dem Schicksal zu be­wahren, eines Tages dem Bolschewismus zu ver­fallen.

Brüning spricht in Stuttgart.

Stuttgart, 19. Juli. (CNB.) (Eigene Mel­dung.) In einer großen Zentrumskundgebung in der von 10 000 Personen vollbesetzten Stadthalle in Stuttgart sprach Reichskanzler a. D. Dr. Brüning. Mit Nachdruck wandte sich Brüning gegen den 'Vor­wurf, daß seine Regierung Siedlungsbolschewismus getrieben habe. Die Pläne, die die Regierung für

den Osten gehabt habe, seien aufs sorgfältigste aus« gedacht gewesen. Die jetzige Regierung Popen unter­zog er sodann einer sachlichen Kritik. Bezüglich der Lausanner Konferenz betonte Brüning, er habe in der letzten Reichstagssitzung gesagt, keine Regierung dürfe zurückgehen hinter das, was er im Januar in bezug auf die Reparationsfrage ausgesprochen habe. Wenn die Regierung Popen hinter dieses zurück­gegangen sei, so müsse sie sich eben bei der Rati­fizierung des Lausanner Ergebnisses b e i d e n P a r- t e i e n Hilfe holen, als deren Wortführer sich der neue Kanzler in Lausanne vorgestellt habe. An der Zustimmung der radikalen Rechten sei nicht zu zwei­feln, denn ihr gehe es in erster Linie um die Er­oberung der Macht im Innern. Es fei ein Gesetz der Geschichte, daß nach radikalen Strömungen, die nur nach einer Seite tendieren, noch einiger Zeit der Gegenstoß von der anderen Seite kommt. Nicht durch eine Diktatur, sondern nur durch Ausgleich und Mä­ßigung wird Deutschland wieder zur Hohe kommen.

Wie sich die Reichsregie» »ng dieReu- regelung des RundsunkwesenS denkt.

Berlin, 19. Juli. (ERB.) Wie dasB. T." aus authentischer Quelle wissen will, sehen die neuen Vorschläge der Reichsregierung zur Rege­lung des Rundfunkwesens folgende organisato­rische Maßnahmen vor: Der bisherige Rundsunk- kommissar u. Leiter der Reichsrundsunkgesellfchaft wird durch zwei gleichberechtigte Di­rektoren der Reichsrundfunkgesell­schaft erseht, von denen einer vom Reichs­postminister, der andere vom Reichsinnenminister ernannt wird. Bei sind Kommissare der Reichsregierung. Für die Geschäfte der Reichsrundfunkgesellschaft ist in technischen Fra­gen der vom Reichspostminister, für politische Fragen der vom Reichsinnenminister ernannte Direktor zuständig. Der vom Reichsinnenminister zu ernennende Kommissar unterhält die Bezie­hungen zu den Staatskommissaren, die von den Ländern für die in ihrem Gebiet liegenden Sendegesellschaften zu ernennen sind. Der Reichsrundfunkgesellschaft wird ein Ver­waltungsbeirat beigegeben, dessen Mit­glieder vom Reichspostministerium, vom Reichs­innenminister und von den Ländern Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Hamburg gestellt werden. Außerdem wird bei der Reichs­rundfunkgesellschaft ein Programmbeirat von zwölf bis fünfzehn Mitgliedern bestellt, der bei politischen P r o g r am m f r a g e n gutachtlich zu hören ist. Den Vorsitz im Verwaltungsbeirat führt der vom Deichspoft- minister, im Programmbeirat der vom Reichs­innenminister zu ernennende Direktor. Die Sende- gesellschaften gehen restlos in den Besitz der öffentlichen Hand über. Es wird ihnen ein Programmbeirat beigegeben, dessen Mitglieder von den Länderregierungen im Einvernehmen mit dem Reiche er­nannt werden. Die bisherigen politischen U e b e r w a ch u n g s a u s s ch ü s se fallen fort. Der Deutschlandsender wird zum Reichs­sender gemacht.

Ministerwechfel in Italien.

Grandi tritt mit drei Kollegen zurück.

Mkissoliniübern mmt felberdntzAnswärtige

Rom, 20. 3uli. (WTB. Funkfpruch.) Die Agen- zia Sfefani meldet: Der König hat den Rücktritt des Außenministers G r a n d i, des Finanzministers Mosconi, des Justizministers Rocco, des Er­ziehungsministers Giuliano und des Korpora­tionsministers D o t t a i enfgegengenommew. Er ernannte zum Staatsminister für aus­wärtige Angelegenheiten und Korpo­rationen den Regierungschef, zum Juftiz- minister den Abgeordneten und Rektor der Universi­tät Rom, Professor d e Irancisci, zum Finanz­minister den Abgeordneten Guido Jung und zum Erziehungsminister den Abgeordneten und Rektor der Universität Palermo, Prof. Ercole.

fläche und eine Reihe von Riffen zeigt unver­kennbar die Stelle, an der der Durchbruch des Meeres erfolgt ist.

Wir halten auf hoher Klippe und fchauen hinüber. Man sieht ein paar einfache Holz­bauten und auf Strand, Felsen und Fläche ein unendliches Gewimmel von schwarzen Punkten: das Volk der Pinguine. Durch das Glas erkennt man deutlich die einzelnen Tiere in ihrem charakteristischen schwarz-weißen Balg.

Aber nun gilt es, hinüber zu kommen. Zwei Män­nerkehlen versuchen, gegen den Meerwind anzubrül­len. Der eine hält die Pferde, der andere schwenkt in der Linken ein Taschentuch, mit der Rechten hält er denSchlüssel" zu diesem Vogelparadies in das Sonnenlicht: eine Flasche besten schottischen W y i s k y s. Denn wer jahraus, jahrein auf dieser Insel haust, ohne andere Gesellschaft als die der Vögel und einiger Koffern, der liebt es abends, sich hinter das Glas zu setzen. Und niemand käme wohl zu den Pinguicken, der nicht eine der bekannten Flaschen mit demweißen Pferd" auf dem Etikett mitorächte.

Indessen dauert es geraume Zeit, bis man uns bemerkt. Dann stößt ein Boot von der Insel ab, von sechsJungens" gerudert. Am Steuer sitzt ein lan­ger, hagerer Mann, der aussieht wie ein Trapper aus demLederstrumpf". Das ist Mister Graham, derK o n i g d e r P i n g u i n e". Er schiebt die Whisky-Buddel mit großer Befriedigung in die rück­wärtige Hosentasche und macht mit uns shake-hands. Dann greift er wieder zum Steuer und wir setzen über.

Das Bild, das sich uns bietet, ist überwältigend. Da sitzen auf der geneigten Fläche, die den Jnnen- raum der Insel darstellt, Zehntausende von kleinen Kommerzienräten in Cutaway, weißer Weste und Zylinder. Sie sitzen da in end­losen Reihen, von der Uferzeile bis ganz hinten, wo ein steiler Felsen die Szenerie abschließt. Eine rie­sige Freilicht'Börse. Alle haben sie die Front zum Wasser, und das unaufhörliche Gekrabbel, das aus den Massen aufsteigt, verstärkt nur noch die Illusion einer Riesenversammlung würdiger, aber korpulenter kleiner Herren. Man ist geradezu enttäuscht, die gol­denen Uhrketten nicht zu finden, die sich von Rechts wegen über die runden Bäuchlein strammen müßten.

Wie dos Boot ans Ufer stoßt, stürzen sich die | nächsten ins Wasser und plötzlich sind aus den Miniaturbörsianern richtige Schwimmvögel gewor- | den, die sich graziös auf den Wellen schaukeln. An-

Mr. Grahams Aufgabe besteht darin, von Zeit zu Zeit diese Produktion zu sammeln, in Säcke zu tun und nach Kapstadt zu verfrachten. Dort nennt man sie Guano und verkauft sie teurer, als den b e ft e n k ü n st l i ch e n Dünger. Aus dem Fisch, den ein Pinguin gefressen hat, wird so auf dem Wege über die Insel Halifax, Mister Graham und den Kapstädter Guanohandel vielleicht ein Ro­senstock oder Blumenkohl. Die Wege der Natur sind wunderbar!

Die Pinguine auf Halifax wissen, was sie der Welt- wirtschaft schuldig sind. Sie guanificren im Laufe des Jahres so an die vierhundert bis sechshundert Ton­nen zusammen. Dennoch verblaßt ihr Ruhm vor dem der Konkurrenz auf einer benachbarten Insel: die dortigen Seegänse bringen es auf dreitausend Ton­nen im Jahr!

dere machen Platz, indem sie schwerfällig ein paar Schritte zur Seite watscheln, und das sieht wieder ganz nach Asthma aus.

Essindihrerunzählig^e! Zuerst geht man nur hindurch und sieht nur die Masse. Man versucht zu schätzen, zählt Hunderte von diesen schwarzweißen Punkten, vergleicht die kleine Fläche, auf der sie hocken, mit dem Gesamtraum und gibt jeden Ver­gleich auf. Später erkennt man in der uniformen Menge die einzelnen Tiere. Und wie man sie so richtig sieht, in der unglücklich-komischen Figur^ die sie machen, mit ihrem gezwungenaufrechten/Gang, den hilflosen Vordergliedmaßen, von denen man nicht recht weiß, ob es Flossen oder Flügel sind, mit den traurig-dummen Augen, nach deren Hervorquellen man einen schweren Herzfehler diagnostizieren möchte, begreift man bei alledem nicht, warum diese Häuschen Unglück nicht im Wasser herumschwimmen, das ihr Elemeyt ist, sondern als Familientag einer phantastisch zahlreichen Sippe da beieinander hocken.

Erst mit der Zeit wird man gewahr, daß man es mit l a u t e r P ä r ch e n zu tun hat. Wo das Männ­chen nicht gerade Atzung in den ziemlich weit ent­fernten Fischgründen sucht, sitzt es neben dem Weib­chen. In den meisten Nestern liegen jetzt die Eier, und in vielen gibt es schon Junge. So ein Pinauin- küken sieht allerliebst aus. Selbst wenn sie schon ziemlich groß sind, tragen sie noch den wolligen Flaum. Naht man sich einem Nest mit Jungen, so bleibt die Alte ruhig sitzen und versucht, mit den kümmerlichen Flügeln die Küken unter sich zu pres­sen. Dabei sperrt sie den Schnabel weit auf und quarrt den Störenfried furchtbar an. Einige Männ­chen sind sogar so kühn, kräftig nach den Stiefeln der Vorübergehenden zu hacken. Sie wissen aus Er­fahrung, daß ein Erlaß jede Jagd und Störung auf ihrer seligen Insel verboten hat und sie fast so geschützt sind, wie am jenseitigen Ufer die rohen Diamanten.

Was aber, wird man fragen, was haben diese Pinguine zu tun, um sich dieses Wohlwollen, diesen Schutz und die ständige Anwesenheit des Mr. Gra­ham und seiner schwarzen Garde zu verdienen? Für nichts ist doch nichts. Welche produktive Tätigkeit üben sie aus, um derentwillen sie jo hoch in Gunst flehen?

Nun, alles was sie tun, daß sie f e h r v i e l f r e s- fen und entsprechend viel verdauen. Nichts weiter wird von ihnen verlangt, als daß sie sich gut nähren und das, was der Körper zum Aufbau nicht braucht, nirgend anders deponieren, als auf ihrer Insel. Und

Sochschulnachrickten.

Der o. Professor Dr. Edmund M e z g e r von der Universität Marburg ist als Nachfolger des ver­storbenen Staatsrechtslehrers Professor Ernst von B e l i n g an die Universität München berufen worden.

Der durch das Ableben von Professor Dr. Fe- dor Schneider an der Universität Frankfurt erledigte Lehrstuhl der mittleren und neueren Ge­schichte ist dem Frankfurter Honorarprofessor Dr. E. Kantorowicz angeboten worden.

Der ordentliche Prosefsor der Archäologie Dr. Ernst Langlotz in Jena hat einen Ruf an die ilniberfität Frankfurt als Rachfolger von Hans Schrader erhalteir.

Der Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Halle ist dem Ordinarius Dr. P. Friedländer in Marburg angeboten wor­den.

Der ordentliche Professor an der Handelshoch­schule Leipzig, Dr. L. v. Hi bl er ist zum o. Professor der englischen Sprache und Literatur an der Technischen Hochschule in Dresden beru­fen worden.

Der Lehrstuhl der Archäologie an der Univer- fität Berlin ist dem Präsidenten des Archäo­logischen Instituts des Deutschen Reichs, Prof. Dr. G. Rodenwaldt angeboten worden.

Prof. Dr. W. T r o l l in München hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Univer­sität Halle angenommen.