IreimMe-Vesplechmg in der Abriisiungssrage.
® c n f, 2(X Sunt. (511.) Die Dreimächtebesprechungen in Genf zwischen E n g l a n d. F r a n k- r.c und den Vereinigten Staaten über otc Abrnstungsfrage dauerten bis 21 Uhr Mac- DonalD und Simon begaben sich unmittelbar nach den Unterredungen nach Lausanne zurück. Von englischer und französischer Seite wird über das Ergebnis der Unterredungen lediglich mitgeteilt, dav cs sich um eine einleitende inoffi- ztelle llnterredung gehandelt habe, der wettere Besprechungen folgen würden. Der eng- lische Innenminister Sir Herbert Samuel der an den Besprechungen teilnahm, bleibt vorläufig tn Genf, um dte Fühlungnahme mit den Amerikanern und Japanern weiter aufrechtzuerhalten.
Bon französischer Seite wird mitgeteilt, daß in den heutigen Besprechungen eine Auseinandersetzung grundsätzlicher Art vermieden und vne,7c’P“lun9 angestrebt worden sei, j .. i.l<y uuf den Beratungen der technischen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz und den Abkom- ntensentwurf des vorbereitenden Abrüstungsausschusses aufbaue.
Gerüchtweise verlautet, daß bei den Besprechungen ein englischer Plan eine Rolle spielt, wonach auf dem Gebiete der qualitativen Abrüstung eine Abrüstungs- pause für gewisse schwere Angriffswaffen, die im Versailler Vertrag bezeichnet seien, vereinbart werden soll. Der englische Außenminister soll in den heutigen Besprechungen diesen Plan entwickelt haben. Weiter hört man, daß der französische Kriegsminister Paul-
D o n'c o u r sich für eine allgemeine Herabsetzung der Heeresbudgets eingesetzt habe. Die Amerikaner sollen sich insbesondere dafür interessiert gezeigt haben, daß die Herabsetzung der Effektivbestände gemäß ihren Plänen in den privaten Besprechungen behandelt und in ihrem Sinne erledigt werden. Es heißt, daß d i e Amerikaner eine Rüstungspause, wie sie von England vorgeschlagen wird, als ungenügend betrachten, wenn nicht auf dem Gebiete der H e e - resstärken gleichzeitig etwas geschieht.
Die heutige Dreimächteunterredung soll a u f unmittelbaren Wunsch Macdonalds zurückgehen, der die Lösung der Abrüstungsfrage mit allen Mitteln beschleunigen und so schnell wie möglich zu einer Lösung gelangen will. Die englische Regierung sieht das Abrüstungs- und Reparationsproblem als ein G a n z e s an, das nur gemeinsam gelöst werden könne. Von englischer Seite wird ferner mitgeteilt, daß Macdonald und Simon nunmehr den Reichskanzler und den Reichsaußenmini- sterüber dieseDesprechungen unterrichten und mit ihnen gemeinsam die Ab- rüstungsfrage weiterbehandeln werden. Sollte sich in diesen Besprechungen der nacktsten Wochen eine lleberein'timmun j ergeben, so scllen neue Verhandlungen im weiteren Rahmen unter Hinzuziehung der übrigen Mächte stattfinden und sodann die gesamten Fragen yor den Haupt- ausschuh der. Abrüstungskonferenz gebracht werden.
fordert die Rückkehr des früheren Präsidenten Montero. Rur ein kleiner Teil der Luftstreitkräfte ist regierungstreu geblieben. Tausende von E i s e n b a-h n e r n , die sich für Grove ausgesprochen haben, sind in den Aus st and getreten. Der Verkehr wird in beschränktem Umfange durch Truppen aufrecht- erhaltcn.
Aus aller Welt.
Toskanini
wird auf den Bayreuther Festspielen dirigieren.
In Paris fanden Verhandlungen zwischen Toskanini und Fran Wagner statt, die zu dein (Ergebnis führten, daß Toskanini bei den Bayreuther Festspielen 1933 d i e Parsival- und Meistersinger-Vorstellungen dirigier en wird.
Beginn der Frankfurter Goethefestspiele.
Rach langen Proben fand am Samstag die Premiere der Freilichtspiele auf dcni Römerberg statt. Der alte „Römer", in dem einst die deutschen Kaiser gewählt wurden, bildete den eindrucksvollen Hintergrund zu den bunt»" Szenen des „Götz von Berlichingen". Aus den Fenstern und Türen des historischen Gebäudes drang das Mittelalter hervor und die Epoche des Ritters wurde vor dieser Fassade viel lebendiger als auf der Bühne eim?3 Schauspielhauses. Intendant Dr. Kronacher hatte seine Inszenierung dem großen, freien Schauplatz entsprechend ganz auf Massenszenen mit ihrer optischen und akustischen Großartigkeit eingestellt. Aus den Portalen der Römerhallen quollen die in leuchtenden Farben abgestimmten Tanzgruppen des „höfischen Festes" hervor. Die Reichstagsszene wurde an diesem Abend allerdings durch den von Holland heimkehrenden Zeppelin übertrumpft, der gerade während der Ansprache Kaiser Maximilians den Platz überflog. Ein Zusammentreffen alter und neuer Zeit, das seinen Eindruck nicht verfehlte. Mit einem riesigen Aufgebot an Statisten (darunter 80 Mann berittene Schupo) wurde eine sehr realistische Darstellung der dahinbrausenden Fehdetruppe erzielt. Die mordbrennerischen Bauernhaufen leuchteten mit ihren Fackeln in eine
Elisabeth
ersbert sich das Glück Vornan von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle.
14 Fortsetzung. Rachdruck verboten I
Dann war es soweit. Der Inspizient schickte Elisabeth hinaus. Erst war es ihr, als ob ihr die Sinne vergehen würden. Das Halbdunkel der Bühne, die Konturen der aufgebauten Gebäude, der Ziehbrunnen links vorn, die Gestalt der Elektra — alles verschwamm zunächst in nebelhafter Ferne.
Im nächsten Augenblick hatte sich Elisabeth wieder gefangen, ihre ruhige Sicherheit zurückerlangt. Dachte an nichts anderes als an ihre Bolle, wußte nichts mehr von Angst, von Lampenfieber, von Beklemmung. Sie lebte nur noch Dem Gesang und dem Spiel, gab sich ihnen völlig hin.
Als sie zu singen begqjin, lauschten die Zuhörer auf. Es war eine wundervolle Stimme, die da ertönte, das merkte, man beim ersten Ton.
Richts mehr war zu merken von der stillen, schüchternen Elisabeth Pfilipp: sie war nur mehr die Künstlerin, die an nichts anderes dachte, als an ihre Kunst, und die alles gab, was in ihr war.
Richt nur Direktor Walter war restlos zufrieden, auch die anderen leitenden Herren des Konservatoriums waren begeistert von dieser Schülerin.
Die Zeitungskritiken am nächsten Tage waren sehr erfreulich. Die Kritiker gaben ihrem Erstaunen Ausdruck über diese ausgereifte Konservatoriumsaufführung, die der Schwierigkeit des Werkes durchaus gerecht geworden war. Man lobte natürlich die Titelheldin, rühmte ihre reine Stimme, ihre lebhafte Darstellung.
Ganz besonderes Lob indes wurde Der Darstellerin der Chrysothemis gezollt, der jungen Elisabeth Pfilipp, die gesanglich und darstellerisch weit über das Anfängertum hinausgeragt hatte. Man versprach ihr eine glanzvolle Zukunft.
Elisabeth war natürlich überglücklich. Aber die Lobeshymnen verleiteten sie nicht dazu, auf ihren Lorbeeren auszuruhen.
Unermüdlich arbeitete sie weiter, trainierte ihre Stimme und suchte sich schauspielerisch zu vervollkommnen.
Frau Schelmer war ihre getreue Mitarbeiterin. Sie spielte häufig die Begleitmusik, studierte die Rotten mit Elisabeth ein, soufflierte ihr. Es war eine köstliche, arbeitsreiche Zeit, die im Fluge vorüberging.
Ein einziges Mal fiel ein Schatten auf Elisa-
wirklich dunkle Rächt, und das geheime Femegericht beriet unter einem echten Sternenhimmel. Was an einzelnen Feinheiten, hauptsächlich in den Szenen Adelheid—Weißlingen, nicht so ausgespielt werden konnte wie in einem geschlossenen Raum, wurde durch die prachtvoll einstudierten Massenszenen, die die Höhepunkte jedes Aktes waren, ausgeglichen.
Der Eucharistische Kongreß in Dublin eröffnet
Am Sonntag begann in Dublin, der Hauptstadt Irlands, der 31. Eucharistische Kongreß unter großen kirchlichen und ösfcntlichen Feierlichkeiten. Die Straßen Dublins sind reich geschmückt. Alle Flaggen der Welt sind zu sehen mit Ausnahme der englischen. Die irische republikanische Armee hat mit Gewaltmaßnahmen gegen solche Personen, Behörden oder Hotels gedroht, die die englische Flagge hissen. Am Samstagabend waren alle öffentlichen Gebäude illuminiert. Um Mitternacht fanden Gottesdienste statt, die so überfüllt waren, daß viele Gläubige auf der Straße bleiben mußten. Acht Kardinäle und Hund.rt? von Bischöfen nahmen an dem Kongreß teil. Der päpstliche Delegat, Kardinal Lauri, wird am Montag früh eintreffen und von de Valero, vorn Erzbischof von Dublin und irischen Regierungsmitgliedern empfangen werden. Der Papst hat eine Begrüßungsbotschaft sowie einen Abendmahlskelch aus Gold und Silber nach Dublin gesandt.
Kameradschaft.
Acht deutsche Kriegsteilnehmer, die jetzt als amerikanische Bürger in Neu-Jersey ansässig sind, brachten den hungernden Veteranen 2% Tonnen Lebensrnittel. Die Spender erklärten, sie wollten mit ihrer Gabe einen bescheidenen Dank für die Schiffsladungen von Lebensrnitteln abschaffen, die nach Stricgscnbe aus fcen Vereinigten Staaten nach Deutschland gesandt worden sind.
Die geretteten Deutschen vom Dampfer „Georges Philippar" in UlfAi) eingetroffen.
Der Ingenieur Valentin und seine Frau, die bei dem Brande des französischen Passagier- beths Freude. Das war, als sie in der Zeitung Hubert Heilmanns Vermählungsanzeige las.
An diesem Tage zog ihre Vergangenheit an ihrem geistigen Auge vorüber — die Stunden jener Glückseligkeit, die sie mit Hubert verbracht, die Küsse, die sie mit ihm getauscht hatte. Roch einmal durchlebte sie jene berauschenden Augenblicke in Hubert Heilmanns -Armen.
Elisabeth legte den Kopf in ihre Arme, weinte bitterlich über den erloschenen Traum ihrer Jungend. Darüber, daß sie diese ersten, heiligen Empfindungen einem Unwürdigen gegeben hotte. Einem Menschen, der sie belogen und betrogen — und dann verlassen hätte.
Ein Haß wollte in ihr emporsteigen, ein Haß gegen den Mann, der die Gefühle ihrer Jugend mißbraucht hatte.
Dann siegte die Vernunft. Elisabeth wurde ganz ruhig. Wie hatte sie sich nur so gehen lassen können! Stunden zu vergeuden, eines lecrenTrug- bildes wegen.
Sie hatte das alles ja schon vergessen gehabt, hatte die Enttäuschung leichter verwunden durch das Reue, das in ihr Leben getreten war, das sie so ousfüllte, daß nichts anderes mehr Platz hotte in ihrem Herzen. Für kurze Zeit hotte die Vergangenheit noch einmal hineingetappl in die Gegenwart: jetzt war es aus damit, jetzt war sie damit fertig.
Zehntes Kapitel.
Der Frühling war gekommen, mit klarem, lachendem Sonnenhimmel, mit lauem, säuselndem Wind, mit Amselgesang und Finkenschlag. Die Erde wurde neu und die Menschen. Sie zogen hinaus, um die blühende Rotur zu genießen.
Eine fröhliche Schar Konservatoriumsschüler hatte sich auf gemacht, an einem leuchtenden Frühlingsvormittag, um einen gemeinsamen Spaziergang zu unternehmen.
Balo war man im Walde, unter Singen und Lachen zog man vorwärts.
Elisabeth Pfilipp blickte mit lochenden Augen um sich: mit Behagen sog sie die reine, laue Luft tn sich auf, lächelnd ging sie auf die Scherze der Kollegen ein.
Sie fühlte sich so wohl unter dieser Schar. Immer hatte sie Freundinnen vermissen müssen, hatte nie Geschwister gehabt. Zu Hause, die Freundschaft mit den Larsenschen Töchtern, das war nichts gewesen. Da war immer die große Kluft gewesen zwischen den Millionärstöchtern und dem Lehrerskind, dem man eine Gnade erwiesen hotte, wenn man es ab und zu einlud.
Das hier, das war etwas ganz anderes, da gehörte man zusammen, war jung und fröhlich und übermütig.
Scherzworte flogen hin und her. Plötzlich bückte sich Traute Steiner, stieß einen kleinen Freudenschrei aus. Sie hatte eine Schlüsselblume gefunden eine erste Frühlingsbotin.
Kämpfers „Georges Philippar" glücklich gerettet touroert, sind jetzt wieder in Mainz, etnge- troffen. Reich mit Blumen ausgerüstet, empfingen die Familienmitglieder, Verwandten und Bekannten die nach großen Strapazen geretteten Angehörigen im Mainzer Hauptbahnhof. Auch die Stadt Mainz hatte durch Oberbürgermeister Dr. Ehrhard den Geretteten ein prächtiges Dlu° mengebinde als Willkommengruh überbringen lassen. *
Einbruch in das Schloß hohenbuchou.
Nachdem es um dos prachtvolle Schloß Hohen- buchou bei Wiesbaden, das in der letzten.Zeit viel in der Oeffentlichkeit genannt wurde, weil es infolge zu hoher Steuerlasten abgebrochen werden sollte, etwas ruhiger geworden war, macht es jetzt durch einen raffinierten Einbruch wieder von sich reden. Die Töter hoben acht Gemälde gestohlen, darunter „Enten auf dem Weiher" von A. v. Menzel, außerdem noch 12 wertvolle Vosen aus Bronce und chinesischem Ton gestohlen. Es wird vermutet, daß die wertvolle Beute nach dem Ausland geschafft wird. Ein wild gewordenes Rind verletzt vier Personen.
Ein wild gewordenes Rind durchraste das Hunsrückdörfchen Woppenroth und nahm jeden, der sich ihm entgegenstellte, auf die Hörner. Ein Landwirt erlitt Rippenbrüche, ein zweiter eine Gehirnerschütterung, ein Dritter erlitt schwere Knochen- brüche und einem vierten wurde Die Kniescheibe zerschmettert. Es gelang erst nach einer aufregen: Den JogD unD nachdem Dos rasende Tier ermüdet war, Dos RinD zur Strecke zu bringen.
Aus Der PrvvinzialdauptstaDt.
Gießen, den 20. Juni 1932.
Sonnenwende.
Der Johannistag trägt mit das schönste Vermächtnis aus der germanischen Mythologie in sich. In Den Kultfeiern unserer Vorfahren, Deren Erinnerung unsere Sonnenwendfeier nur blaß spiegeln können, lag mit Das tiefste religiöse Erlebnis eines Volkes, das mit seinen Göttern in Der Rotur auf Du unD Du ftanD. Denn diese waren ja in ollem, was sie werden ließen, nur die Sichtbarmachung der geheimen Kräfte, im Guten und im Bösen, von Denen sich Der Mensch überall umgeben, behütet und verfolgt glaubte. Dieser Glaube beherrschte seine Gedanken- und Gefühlswelt. Deshalb können unsere heutigen Sonnenwenden, weil der innere Abstand zwischen Mensch und Dem Kosmos unvergleichbar größer ist, niemals mit Der naturnahen, kindhaft-gläubigen Innigkeit unD Erlebnisstärke auch Jubelfeste sein.
Zivilisation unD Der fortschreitende Kulturprozeh haben Schranken aufgerichtet, Die ein Eindringen in Den Bezirk germanischer Gottnähe erschweren. SonnenwenDe, das ist uns Heutigen, die wir mit Bildungsballast beladen sind, in erster Linie eine erdkundliche Angelegenheit, die sich wissenschaftlich: Solstitium nennt und besagt, daß an diesem Tag die Sonne ihren weitesten Seitensprung macht. Der Ekliptikpunkt, Der Den Aequator in nörDlicher Rötung am entferntesten liegt unD Der Deshalb Der Sommerpunkt heißt, wird nun passiert. Damit hat Das Seziermesser Der Astronomie Den Schnitt Durch Den Schleier vor dem Geheimnisvollen gemocht, hinter Dem sich vorDem viel Feierlicheres verborg.
Die Rächte um die Sonnenwende waren von Kamps durchzittert. Von Vorwärtsstreben, von aufwärtigem Drang, von Ringen um Den vordersten Platz in Der Versammlung Der Gestirne. Deshalb loDerten Die Feuerbrände von Den Bergen. Sie sollten weithin fünDen, Daß ein sieghafter Glaube an Die Mächte des Lebens zu Den Sternen stürmte. Daß Die Gewalten Der Finsternis auf verlorenem Posten Schritt um Schritt Dem jungen Gotte DalDur Weichen mußten, in Dem sich Das blutvolle Bekenntnis bodenverwurzelter Völker ein kraftvolles unD leuchtenDes SinnbilD fei*
nes Volkstums geschaffen hatte. Sieg'war Segen Durch Die Säfte Der mütterlichen ErDe, in Der sie mit allen Fasern ihres Seins wurzelten. Sonne war das Symbol des höchsten Gesetzes. Dem jeDee sich ein- unD untergeordnet fühlte. Cs hieß: sei, Der Du sein sollst, und stehe unD streite, wo Du hingestellt bist! Denn so sicher, wie Die Sonne sich auf ihrem Lauf Durchsetzte, so gewiß war auch Der einzelne in seinem Ziel zur Freiheit Des Lichtes geboren und bestimmt, wenn er in Der Gesamtheit seine SenDung sah unD erfüllte. Denn Das All ist Der LebensoDem, Den Die Sonne mit mütterlicher Liebe weckt, wirken und wieder vergehen läßt.
Sonnenwende. Die Sonne, dos nährende und belebende Licht, steht-auf dem Gipfel ihrer Bahn. Sie hot alles unter sich in langsamer und organischer Entwicklung wachsen lassen. Nun ist der Scheitelpunkt erreicht, der Anstieg beendet, und die Wende bahnt sich an. Sie bleibt noch weiter Weggenosse und Wegweiser. Denn ohne Licht ijt kein Leben, kein Leben wenigstens, dos Erfüllung werden, das Früchte tragen und dos die Keime zu neuem Leben in sich bergen kann. Wenn nun auch die Sonne sich wieder erdwärts neigt, folgt sie nur dem ewigen, gesetzmäßigen Kreislauf, der aus dem Ende einen verjüngten Anfang werden läßt. Aber zwischen Anfang und Ende ist die Tot eingespannt, die Tot. die an sich selbst emporwachsen soll bis zw-dem höchsten Punkt. Der ihrem Streben erreichbar ist. Der Sinn Der Sonnenwende bleibe die Gipfelsehnsucht, das lodernde und verzehrende Verlangen nach Vollbringung eines großen Einmaligen. Und das bist du. Du und das Gesetz in dir! Kig.
Satzungsänderung der land- und forst« wirtschaftlichen Berufsgenoffenschast.
Die 4. Notverordnung vom 8. Dezember 1931 schreibt u. a. vor,, daß bei Unfällen der als Unternehmer Versicherten und der ihnen nach § 559 1. Absatz 2 der Reichsversicherungsordnung Gleichgestellten eine Rente nicht gewährt wird, wenn die Erwerbsfähigkeit des Verletzten infolge des Unfalles um weniger als ein Viertel gemindert ist. Diese Vorschrift ist mit Dem 1. Januar 1932 in Kraft getreten. Den Unternehmern sind noch der Reichsversicherungsordnung und Der 4. Notverordnung gleichgestellt: die als Ehegatte eines Unternehmers Versicherten, die Verwandten und Verschwägerten aufsteigender oder absteigender Linie des Unternehmers, oder feines Ehegatten, die anderen (nach § 559b Absatz 2 RVO.) den ehelichen Kindern des Unternehmers oder feines Ehegatten Gleichgestellten und schließlich die Geschwister des Unternehmers oder seines Ehegatten, weyn sie nicht auf Grund Der Reichsoersicherung gegen Krankheit versichert sind. Die genannten Personen können also seit Dem 1. Januar 1932 eine Rente nur Dann beziehen, wenn ihre Erwerbsfähigkeit um mindestens 25 Prozent — ober mehr — infolge eines Betriebsunfalles herabgesetzt ist.
Die 4. Notverordnung hat es den Berufsgenossenschaften in die Hand gegeben, durch eine Satzungs- änöerung zu bestimmen, daß Den genannten.Personen tzine Rente nicht gewährt wird, wenn Die Erwerbsfähigkeit des Verletzten infolge eines Unfalles um wenige^ als ein Drittel gemindert ist. Mit Rücksicht auf die äußerst gespannte Finanzlage der Land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Darmstadt — wie man uns schreibt — hat eine außerordentliche Genossenschaftsversommlung am 11. Mai nach eingehender Beratung und trotz bestehender ernster Bedenken beschlossen, daß dem hier mehrfach näher bezeichneten Personenkreis eine Rente n i cht gewährt wird, wenn die Erwerbsfähigkeit des Verletzten infolge des Unfalles u m weniger als 30 v. H. gemindert ist. Die Genossenschaftsversommlung hat also die ihr durch die 4 Notverordnung in die Hand gegebene Möglichkeit nicht voll in Anspruch genommen, sie hak nämlich die Grenze, Die für den Bezug einer Rente künftig maßgebend ist, nicht auf ein Drittel, sondern nur auf 30 Prozent der geminderten Erwerbsfähigkeit festgesetzt Die neue Bestimmung gilt auch für die laufenden Renten, so daß demnächst alle Betriebs-
Schnell hotte sich Die ganze Gesellschaft verstreut, Blumen zu suchen, lleberall fanD man sie jetzt, gelb leuchtete es Durch Das WalDgros.
Elisabeth hatte als erste ein Sträußchen beisammen, setzte sich auf eine Bonk am WolDrande, um es zu binden. Dann sah sie ruhig Da, ließ ihre Bugen in Die Weite schweifen, hörte hingegeben auf Den Gesang Der Vögel. Selbstvergessen lehnte sie Da, verträumt, reglos.
Sic hatte nicht gesehen, Daß ein Reiter Den Weg entlang kam unD plötzlich überrascht Das PfcrD halten ließ. Lange betrachtete er Die einsame MäDchengestalt.
Da schnaubte Das Pferd. ZusammenfahrenD sah Elisabeth auf, sprang in Die Höhe.
-4<rr von Eckertsburg — Sie hier?" fragte fie verwirrt.
»Wie Sie sehen, Fräulein Pfilipp. Aber fast mochte ich Sie Dasselbe fragen. Aber — wollen Sie mir nicht Die HanD geben?"
Gr streckte ihr seine linke HanD entgegen, während Die rechte Den Zügel führte.
ZögernD trat Elisabeth hinüber zu ihm, reichte ihm Die HanD hinauf.
®«-crÄurg behielt sie fest in Der feinen.
«Sind Sie ganz allein hier. Fräulein Pfilipp?" „n • lL^-rr ?on Eckertsburg, ich bin nicht allem, cd) bin mit Kollegen vom Konservatorium zusammen: fie sind alle Drinnen im WalDe Blu- men zu pflücken Ich hatte genug unD habe auf Diefcr Bank auf Oie Rückkehr Der anDeren ae- ,e6en 6iC °n-w" am
@Ii[a6etIj lächelte unD sah Eckertsburg an ec ihr ganz anDers, nicht so fremD unD unnahbar wie sonst.
„Oh^ Das ist recht, Fräulein Elisabeth,' Daß Sie Kollegen zusommenkommen. Es ist besser, als wenn Sie nur immer mit Tante Schelmer zusammen sind." A
Ä"' 5ani> sich v°mP,-rd-
Sie, Daß Sie hier ganz in Der Räbe meinet ©uteö sinD? Dort, hinter än Bitten e°ne halbe StunDe entfernt, Hause ich. Ich bin erst °us Westfalen zurück unD hatte Die ’avT'artc unD Sie heute nachmittag aufw- suchcn. Was macht Das StuDium?" 9 d Elisabeth gab willig Bericht unD erzählte auch von Dem Opernabend. 0 J au^
„3<J> toeift, wie gut Sie abgeschnitten hnhon Fräulein Elisabeth. Meine Tante Hot mir DaS über ge dmeben, unD auch einige Kritik»» id> flderen. Eigen,iich tann <Mj meinen Schützling. Und cS tut mit nur leid dÄ ich Sie nicht selbst bewundern konnte." ’ M war er wieDer, Der gefürchtet»
Ton, den Elisabeth so haßte Elisabeth fnR1 M--NN an. Auge in Auge Nauden ° i? gan^ Weile. Elisabeth wat°die V"di?sich
Bann entzog, Der sich über Die beiDen Menschen gelegt hatte.
„3a, es hat auch mir leid getan, Daß Sie nicht Dabei sein konnten. Sie hätten eine gute Aufführung gehört."
„Oh, oh, Fräulein Elisabeth, wollen Sie sich selbst ein wenig loben?"
Elisabeth würbe rot vor Zorn.
„Das glauben Sie Doch selbst nicht, Herr von Eckertsburg. Ober hoben Sie- mich bisher 5u überheblich gefunDen? Ich spreche natürlich von Der Gesamtaufführung. UnD im besonDeren Don Der Darstellerin Der Elektra, Die sogar Ihnen imponiert hoben würbe. Sie hatte Rasse, Rasse, bis in bie Fingerspitzen ...“
Eckertsburg antwortete nicht, sah Elisabeth nur mit einem sonDerbaren Blick an, mit einem Blick, Der Elisabeth in tiefste Verwirrung versetzte. Sie erinnerte sich plötzlich Daran, daß er Diese Worte einmal selbst gebraucht hotte, Damals, bei jener „Carmen"-Aufführung Und sie hätte sich selbst ohrfeigen können, Daß sie ihm seine eigenen Worte wieDerholte. Was mochte er wohl von ihr Denken?
Aber -Traute Steiner hatte wirklich Rasse, Kammersänger Perlberg hatte es selbst festgestellt unD hinzugesügt, daß sie sicher eine glänzende Carmen abgeben würde. Die Worte waren Elisabeth entschlüpft, ohne Daß sie weiter Darüber nach- gedacht hatte. UnD nun glaubte Dieser Mann vielleicht, Daß sie seine Worte behalten hatte, daß sie sich mit ihm beschäftigte. Zu Dumm war Das!
WährenD Elisabeth noch verlegen Dastand und sich Den Kopf zerbrach, sagte Eckertsburg:
„Was haben Sie für reizende Blumen in Der HanD? Haben Sie Die selbst gepflückt?"
„3a, Dort Drüben, im WalDe."
WieDer mußte Elisabeth Eckertsberg ansehen. Was für ein seltsamer Mensch er war! Ganz ver- wanDelt sah er jetzt WieDer aus, WährenD er Die Blumen betrachtete — liebenswürdig, jung fast, wie sie ihn noch nie gesehen hatte.
Wie sonderbar Dieses Zusammentreffen war, mitten im Walde. Fast zwei Monate hatten sie sich nicht gesehen, und nun standen sie sich plötzlich und unerwartet gegenüber, ganz allein. UnD Elisabeth kam es vor, als ob Dieser Frühlingstag durch Die Begegnung noch beglückender geworden wäre... x
Wie warm es plötzlich war!
„Lieben Sie Blumen, Fräulein Elisabeth?" fragte Der Mann.
„Oh, sehr liebe ich fiel Am meisten aber Diese zarten Frühlingsblumen — und erst recht, wenn ich sie selbst gepflückt habe."
Dann standen beide wieder eine Weile Da ohne zu reDen. Waldesweben war um sie her' Duft und Süße des Frühlings. Die,Sonne stahl sich durch das Geäst Der Bäume, spielte auf Elisabeths blonDem Gelock, Das unter Der kleinen Kappe hervorlugttz. (Fortsetzung folgt.)


