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Vornan von 3- Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschlch: Verlag O. Meister. Werdau.
32. Fortsetzung. QladjöriKf verboten I
Zu der Mutter wollte er sie bringen! Aach Recklinhausen wollte er mit ihr fahren! Swensen wollte man besuchen und Lenore und sich in der Klinik zeigen. ..Kennst du einen Herrn Grad- nitz?" fragte er, sich des 'Telephongespräches erinnernd.
„Meine Mutter wird sich im nächsten Monat mit ihm verheiraten!" beschied sie lächelnd. „Sn vierzehn Tagen etwa wollen sie Hochzeit machen!"
„Wir -auch?" fragte er in einer jungenhaften Scheu, die sie wehrlos machte.
„Tas läßt sich kaum ermöglichen!"
„Aber wenn ja. Margret?"
„Ja!" versprach sie. „Also in vierzehn Tagen."
Eine Stunde später hielt Frau Wander Sohn und Schwiegertochter in den Armen. Immer wieder drückte sie Margrets schmales Gesicht an sich und wurde nicht müde, deren Finger zu streicheln. „Auf den Händen will ich dich tragen, so lange ich lebe!" gelobte sie und umfaßte aufs Ofene deren schlanke Gestalt.
„Tas las; nur mich tun, Mutter!" fiel Wander lachend ein.
„Wie kommt es, daß ich dich bis heute nie gesehen habe?" fragte Margret und sah dabei nach einer Diene, die über das Gezweig eines Pfeifenstrauches kroch. „Du kommst wohl nie in die Klinik?"
„Fast nie!" Der Dliek der Greisin streifte dabei nach den Wiesen, von denen herüber der Duft von Klee und getrocknetem Gras zog. Verstohlen faßte sie nach.Margrets Fingern und drückte sie, daß es dieselbe beinahe schmerzte.
„Worüber lachst du?" fragte Wander, als sie etwas später unter dem wenig belaubten Ranken- werk des Sommerhauses standen, während die Mutter drinnen im Hause den Kaffeetisch für ihre Kinder deckte.
Sie blickte ihn etwas von der Seite an und blinzelte dann schalkhaft zu ihm auf. „Weil ich das Gesicht meiner Mutter sehen möchte, daß gerade ich es bin, die ihr den ersten Schwiegersohn entgegenfüyrt und jim ihren Segen bittet." Vun lachte auch Wander. Er dachte an ©ule und ihre entzückende Dlondheit, beugte sich zu Margrets schwarzem Haar herab und küßte es glückvergessen.
Es mußte eben für jedes Weib der rechte Mann kommen, der den Schlüssel besah, die Seele zu öffnen. In vierzehn Tagen war sie ganz sein. „Trotz allem!" murmelt er wonneberaufcht.
„Sagtest du etwas?" Margret sah fragend zu ihm auf.
„Troß affem!“ wfeßeryoffe er feterNch.
Sie nickte und zog seinen Arm durch den ihren. Dom Hause her rief die Mutter nach ihren beiden Kindern.
Dlau, wie ein Slück zur Erde gefallener Himmel. wogten die Kornblumen zwischen den Furchen. Zwei Limousinen flitzten die Chaussee herauf und bogen auf Recklinhausen zu. Mit kaum zehn Meter Abstand rollten sie durch das weit offene Tor.
„Das heiße ich pünktlich fein!" Gradnih, der als erster über das Trittbrett seines Wagens stieg, schritt Doktor Wander, der aus dem zweiten sprang, mit raschen Schritten entgegen.
Man schüttelte sich die Hand. Die Fahrt war heiß gewesen, aber keiner der Herren verspürte eine Ermüdung.
„Da bist du ja, geliebte Frau!" Gradnitz machte flinke Füße, um Frau von Recklinhausen, die auf ihn zukam, in die Arme zu schließen.
Sie ließ es lachend geschehen und reichte dem Schwiegersohn die freie Linke hinüber. „Margret will dich erst im Hause begrüßen. Du findest sie im Gartenzimmer, Hans!"
Auf dem Wege dahin begegnete ihm Suse. Mit einem raschen Griff hielt er sie fest. „Du gefällst mir nicht, Kleine! Hast einen Zug um den Mund, der dich um Jahre älter macht. Was ist los, Mädel? -- Raus mit der Farbe!"
Mit einem heftigen „Vichts!" machte sie sich frei und rannte die Treppe hinauf.
Margrets schlanke Gestalt, die auf der Schwelle des Gartenzimmers erschien, in die Arme schließend, vergaß er, sie wegen der Schwester zu fragen. Erst abends, als sie beide die Treppe hinaufstiegen und sich vor einem der Fremdenzimmer gute Vacht sagten, erinnerte er sich an Suses frostigen Empfang. „Hat die Kleine etwas gegen mich?"
„Die Suse?"
„3a!“
„Ach, das mußt du nicht so genau nehmen und noch weniger tragisch, mein Lieber! Sie hat in letzter Zeit sehr häufig Launen."
„Möglicherweise ist fie krank?"
„Glaubst du?"
„Es macht mir so den Eindruck."
„Dann kann ich ja einmal nach dem Rechten bei ihr sehen. Man wird ein Egoist, wenn man sich selbst so gesund fühlt. — Gute Vacht, mein Lieber! Auf Morgen denn--"
„3a — auf Morgen!" Margret fühlte, wie fein starker Körper, als er den ihren umfaßte, zi zittern begann.
Morgen war ihr Hochzeitstag und der der Mutter. Es hatte nicht ein Wort des Zerwürfnisses gegeben, ob dieser zweiten Ehe Frau von Recklinhausens. Sie ist doch ein gutes Kind, dachte die Mutter. Alle meine Kinder sind gut. 3m
Begriff, die Fenster ihre- Schlafzimmers z'nzu- lehnen, hörte sie vom Giebelzimmer herab Margrets Stimme.
Dort schlief Suse. Lenore kam erst morgen mit dem ersten Frühzug.
Wieder horchte sie. Die Schwestern zankten sich. Gott, ihre 3üngste war in letzter Zeit so ein gereiztes Kind geworden. Man mußte sich bei jedem Wort, das man zu ihr sprach, in acht nehmen. Alles Pflegte" sie anders auszulegen, als es gemeint war. Es ließ ihr keine Ruhe, als sie die beiden Stimmen oben noch immer miteinander debattieren hörte.
Margret war wohl die letzte, die etwas bet Suse auszurichten vermochte. Streit, heute am Vorabend ihres Hochzeitstages, war ihr gräßlich. Mnb noch immer nahm die Auseinandersetzung kein Ende. Rede und Gegenrede folgten Schlag auf Schlag. *
Mit fliegenden Fingern begann sie sich wieder anzukleiden und lief nach dem Giebelzimmer. Vor dessen Tür blieb sie stehen. Don drinnen fielen Worte, die ihr das Blut in die Wangen trieben.
„Gott! Daß ich da abends einmal in seine Wohnung kam, das habe ich längst vergessen!"
„Aber ich nicht!" unterbrach Margret die Schwester in schroffem Ton.
„Dann sag's ihm doch! — Du' hast ihm wohl überhaupt schon längst davon gesprochen?"
„Cs wäre häßlich, wenn du mich dessen beschuldigen wolltest. Ich habe dir mein Wort gegeben, daß er nichts davon erfährt. Aber daß du unhöflich gegen ihn bist, das dulde ich nicht!"
„Sei doch froh!" lachte Suse aufreizend. „Das muß dir doch lieber fein, als wenn ich um ihn herumschleiche und ihn trotzdem noch für mich zu ködern suche!"
„Wie ordinär du dich ausdrückst!" tadelte die Schwester heftig.
„Du mußt nicht alles so wörtlich nehmen", lenkte Suse ein. „3in Grunde genommen ist mir Wander so gleichgültig, wie jeder andere. Ich gönne ihn dir von Herzen. Mein ilrteit über die Männer steht fest. Es taugt einer so wenig wie der andere."
Frau von Recklinhausen lehnte sich im Flur vernichtet gegen einen Schrank und hatte für den Augenblick nicht den Mut. einzutreten. Was mochte sich da zwischen Margret und Suse abgespielt haben? Ihre Aelteste war nicht das Mädchen, das der Schwester Dorhalt machte, nur weil es sich zur Eifersucht berechtigt glaubte. Drinnen klang jetzt wieder die Stimme ihrer jüngsten Tochter: „D^r einzige, den ich wirklich geliebt habe, war Äkalnow. Ich habe einmal gehört, wie ihn sich die Mama für Lenore zum Gatte» wünschte. Vun kann sie ihn ja haben! — Aber das sage ich euch: am selben Tage, an welchem er mit ihr Hochzeit macht oder meinetwegen auch
mff einer enteren, PBnnf ihr mffst Brtmten Tut ©arten an einem Daum hängen sehen!"
„Suse--1"
Beide Schwestern fuhren hoch und starrten auf die Mutter, die mit leichenblassem Gesicht im Rahmen der Tür stand und an einem Pfosten Halt suchte.
„Suse---!“
Der Schreck, welcher zuerst in deren Gesicht ausgeprägt stand, ging in Trotz über. „Ich habe mich nur mit Margret ausgesprochen, Mama! Dich interessiert das alles nicht weiter!"
„Kind, glaub.st du das wirklich, daß ich kein Interesse dafür habe, wenn eine meiner Töchter unglücklich ist?"
„Ich bin nicht unglücklich, Mama!"
„Setz dich bitte!“ Margret holte der Mutter einen Stuhl herbei und schob ihn nahe an Suses Dett, die mit aufgezogenen Knien gegen die Wand gedrückt saß. Die Aerztin las in dem Dlick der verängstigten Frau die Bitte, sie mit ihrer Jüngsten allein zu lassen.
Sie hob nur das Unterbleib der Schwester, welches auf den Doden geglitten war, hoch und legte cs fürsorglich auf den Diwan, auf welchem auch die anderen Kleidungsstücke ausgebreitet lagen.
Sich über Suses Gesicht neigend, mahnte sie gütig: „Schlaf dich ordentlich aus bis morgen. Hans hat mir heute angebeutet, daß er dich krank findet. Lach nicht!" zürnte sie, als Suse spottend den Mund verzog. „Wir sorgen unS um dich! — Du wirst doch der Mama den Festtag nicht verderben wollen!"
„Vein, das will ich nicht!" bekräftigte Suse. „Geh nur zu Dett jetzt, Margret! Ich habe ohnedies noch mit der Mama zu reden."
Frau von Recklinhausen — kaum war die Tür hinter ihrer ältesten Tochter zugefallen — nahm sie Suses etwas widerstrebende Hände zwischen die ihren und setzte sich auf den Rand des Lagers: „Vun schenke deiner Mutter noch einmal dein ganzes Vertrauen, mein Kind! — Was ich gehört habe, waren nur Bruchstücke." älnd als die Tochter von ihr abrüden wollte, bat sie beschwörend: „Glaube mir doch, mein Liebling, niemand meint es so gut mit dir wie deine Mutter! Ich habe bisher nicht in dich gedrängt, obwohl mir dein Benehmen wohl des öfteren Anlaß zu einer Frage gegeben hätte."
„Zu einer Rüge wolltest du sagen!" unterbrach sie Suse. •
„Ich habe gesagt, zu einer Frage", wiederholte Frau von Recklinhausen, und hatte Mühe, ihrer Stimme eine gewisse Härte zu geben. „Was ist mit Margrets Verlobten gewesen?"
Suse schwieg.
„Kind! — Alles, was tut mir jetzt anvertraust, bleibt für immer in meinem Herzen bewahrt. Ich schwöre es dir, Suse!" (Fortsetzung folgt.)
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