Rechtsblock zur Mehrheit verhelfen könnten. Wenn diese Zahlen richtig seien, so fügt der Berichterstatter hinzu, dann werde der kilnftige Landtag mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, da eine feste Mehrheitsbildung nahezu ausgeschlossen erscheine. Die Hoffnungen der Rechtsparteien gingen allerdings weit über die Voraussagen des preußischen Staatssekretärs hinaus. So rechne Hitler mit 160 und Hu - genberg mit 60 «Ätzen, was mit Hilfe der Volkspartei zur M e h r h e i t s b i l d u n g genügen würde.
Ministerpräsident Braun spricht im Rundfunk.
Berlin, 19. April. (CNB.) Amtlich. Ausgehend von dem Standpunkt, daß im Volksstaat die Staatsbürger vor der Wahl Anspruch darauf haben, einen Rechenschaftsbericht der amtierenden Regier ung zu erhalten, wird Ministerpräsident Dr. Braun am Samstag, 23. April, um 19.30 Uhr über sämtliche preußischen Sender über die Arbeit der preußischen Staatsregierung in den Jahren 1928 bis Anfang 1932, also bis zum Schluß der Legislaturperiode des jetzigen Landtags, sprechen.
Beteiligung des Handwerks am Arbeitsbckhaffungsprogramm der Reichsregierung.
Berlin, 19. April. (CNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, wird die preußische Regierung sich mit der Reichsregierung ins Einvernehmen setzen, um Wege zu finden, die auch dem kleineren Gewerbetreibenden ble Beteiligung an Reparaturarbeit en in und an Wohn- Häusern ermöglichen. Die Rot im Handwerk sei so groß, daß dringend die Zuweisung von Arbeit gerade an kleinere Betriebe gefordert werden müsse.
Der Reichstag wird einberufen
Noch keine Beratung des Etats.
Berlin, 19. April. (VDZ.) Der Aelte st en- rat des Reichstags ist nunmehr für Dienstag, 26. April, einbcrufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Festsetzung des Termins der nächsten Reichstags- s i h u n g. Da große Parteien den Wunsch haben, daß der Reichstag b a l d i g st zu einer wenigstens kurzen Tagung Zusammentritt, rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß der Aeltesten- rat die Einberufung des Reichstages für die ersten Maitage beschließen wird. Arbeitsstoff ist aus den Ausschuhberatungen der letzten Monate in reichem Maße vorhanden. Dagegen wird der Etat für 1 9 3 2 dem Reichstage bei dieser Tagung noch nicht vorliegen.
Das Reichskabinett wird in der nächsten Woche sofort nach Rückkehr des Reichskanzlers aus Genf den Etat verabschieden. Sn technischer Hinsicht ist der Etat im Reichsfinanzministerium bereits fertiggestellt. Es sind nur rwch einige Fragen, die allerdings von entscheidender Bedeutung sind, offen, zu denen inse besondere die Frage der Arveitslosen- f ü r s o r g e gehört. Rach Abschluß der Kabinettsberatungen wird der Etat dem Reichsrat zugeleitet und dem Reichstag erst Ende Mai vorgelegt werden. Ende Mai oder Anfang Sunt beginnt dann die große Sommertagung des Reichstages. Da die vorläufige Etatsregelung am 30. Suni abläuft und das neue Haushaltsjahr am 1. Suli beginnt, stehen dem Reichstag für die Etatsberatung nur vier Wochen zur Verfügung.
«Siebener Siadttheater.
Friedrich Forster: „Der Graue".
Dieses Schauspiel in vier Akten (siebzehn Bildern) ist das Erstlingswerk eines noch sehr jugendlichen Autors: es schildert die traurige (nicht tragische)- Vorgeschichte eines Schülerselbstmordes, einen jener Fälle, wie sie in letzter Zeit mehrfach die Oeffentlichkeit, die Behörden und auch die Literatur beschäftigt haben, ^leberraschende Abwandlung des banal gewordenen Sprichworts „Kleider machen Leute": wegen eines Anzugs glaubt der Sekundaner Hans Meyer auf eine verzweifelte Art aus dem Leben scheiden zu müssen.
Dieser Schüler, einziger Sohn eines Beamten, soll nach dem Tode feiner Mutter die Schule wechseln. Bisher hat er ein Snternat besucht: dort trug man einheitlich graue Anstaltsuniform. Diese unkleidsame, aber dauerhafte Tracht soll der Sunge nach dem Willen des Vaters und der Haushälterin, aus Sparsamkeitsgründen, auch weiter tragen. Aber das vertrackte graue Gewand macht ihm in der neuen Schule das Leben schwer und bald unerträglich: es sondert ihn ab: Mitschüler und Lehrer sind gegen ihn, der denn auch prompt den Spitznamen „der Graue" weg hat, und dem es ohnehin aus inneren und äußeren Gründen nicht leicht fällt, sich einzuleben, Anschluß zu finden, Vertrauen zu gewinnen, ein frischer junger Mensch und ein ordentlicher , Schüler zu werden. Sm Grunde ist das also eine Kleiderfrage, im letzten Grunde und ganz genau besehen: eine Geldfrage.
Aber da lernt der Sunge durch Zufall ein Mädchen kennen, ein älteres Mädchen, einsames Fräulein, Verkäuferin in einem Färbereigeschäft: die erfährt so nach und nach von den Sorgen, die den Gymnasiasten drücken, von den mißlichen häuslichen Verhältnissen und von seiner Quälerei in der Schule. Aus Mitleid, aus einer mütterlichen Regung, aus einem späten Liebesverlangen heraus gewinnt sie Schritt für Schritt das Vertrauen des scheuen und verschüchterten Sungen; sie gibt ihm (leihweise) Geld, das er von Hause nie bekommen hätte, und damit die Möglichkeit, sich einen anständigen Anzug und auch einen Ruderdreß anzuschaffen: gleich wird der Sunge ein anderer Mensch, ein guter Schüler und ein guter Kamerad, sogar der Liebling des Orrnnarius der ihn zuvor nicht leiden konnte. ^•4 auf- die inneren und äußeren
Widerstände ftnb gebrochen.
Freilich hat er den neuen Besitz zu Hause, vor Vater und Wirtschafterin, verheimlichen müssen. (Dor und nach der Schule zieht er sich — im stillen Lokal der hilfsbereiten Verkäuferin — jedesmal um.) Aber die Dame will ihren Lohn, sie will die Liebe des Sungen für ihr Geld. Und als sie merkt, daß man Gefühle nicht kaufen kann, da macht sie ihm aus getäuschter Liebe und überdies aus Eifersucht (auf die junge Schwester eines Klassenkameraden von Hans) eine böse Szene: fordert ihr Geschenk und ihr Darlehen zurück.
Da beginnt das alte Elend von neuem. Hans Meyer ist wieder „der Graue" in der Schule. Deine Leistungen gehen zurück: der Klassenlehrer (in jeder Beziehung das Gegenteil eines modernen Pädagogen) läßt ihn fallen. Der Sekundaner, bedrängt und gehetzt, in steter Angst vor dem erpresserisch auf ihn einbringen&en Ladenfräulein, begeht einen Diebstahl (und bringt noch dazu das unschuldige Dienstmädchen in falschen Verdacht) — weiß sich, von der Entdeckung seines Geheimnisses durch den Vater bedroht, nicht mehr zu helfen und stürzt sich in den Licht- schacht. Die Schülerrevolte seiner Klassenkameraden kommt ebenso zu spät wie die hilflosen Worte des Ordinarius.
Dies wird in siebzehn filmmäßig aneinander- gereihten Bildern aufgezeiat, deren stellenweise krasser Realismus durch eine gegen Ende ein- geführte psychoanalytisch-symbolhafte Beleuchtung des Falles kaum gedämpft wird. Man muß dem jugendlichen Temperament des Autors vieles zugutehalten und sich darüber klar sein, daß hier ein Sonderfall behandelt wird, dessen Verallgemeinerung wohl weder beabsichtigt war noch gerechtfertigt erscheint, —
Die Spielleitung von Peter F a s s o 11 hatte sich des Stückes mit Hingabe angenommen: die Regie war liebevoll bemüht, auf die Details einzugehen, vor allem aus einer prägnanten Milieuschilderung heraus die Konsequenz des beklagenswerten Falles deutlich zu machen: sie ließ, zumal in den Schulszenen, auch die heiteren Momente zur Geltung kommen und steigerte in Tempo und naturalistischem Stil den Ablauf der Ereignisse eindrucksvoll bis zum bitteren Ende. Die Dekorationen von Löffler gaben mit sparsamen Mitteln ein charakteristisches Bild von den wechselnden Schauplätzen.
Raimund Schelcher war der Sekundaner Meyer, der unglückselige „Graue": ihm liegen derartige Aufgaben, wie man von früheren Proben
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Wo wird am 24. April gewählt?
Preußen, Bayern, Hamburg, Württemberg und Anhalt, zusammen fast 85 v. H. des deutschen Reichsgebietes, wählen am 24. April ihre neuen Parlamente. Richt weniger als 80 v. H. aller deutschen Wahlberechtigten werden an diesem Tage zur Wahlurne gerufen.
00 sagen die Sichler über Wahl und Wähler?
Gilt Gireifzug durch die Literatur von Shakespeare bis Toller.
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„Bei allen kleinen Angelegenheiten, bei allen schlechten Geschichten, eitlen Vergnügungen und Dummheiten, bei allem Gevatter- und Geichnatterwesen befleißigt man sich der größten Pünktlichkeit, aber alle vier Jahre einmal pünktlich und vollzählig zu einer W a h l h a n d l u n g sich einzufinden, welche die Grundlage unseres ganzen öffentlichen Wesens und Regierens ist, das soll langweilig, unausstehlich und lächerlich sein! Sagt nicht, daß ihr immer da wäret, wenn es sein müßte! Wer nur da ist, wenn es ihn belustigt, und seine Leidenschaft kitzelt, der wird einmal ausbleiben und sich eine Rase drehen lassen, gerade wenn er am wenigsten daran denkt..." Mit so entschiedenen Worten — sie ziehen sich im Buch über eine Seite hin — treibt Gottfried Kellers Frau Regel Amrain ihren etwas mißratenen jüngsten Sohn zum Wahlgang an, hämmert zugleich der Dichter feinen Schweizer Volksgenossen die Wichtigkeit der Entscheidung ins Herz. Welche Bedeutung Keller dem Volksentscheid beilegte, geht aus allen seinen Erzählungen hervor, die irgendwie politische Dinge streifen, er hat einmal gar eine glänzende Erzählung, freilich eine seiner unbekannten, dem „Wahltag" gewidmet: darin studiert der alte Friedensrichter Berghansli die Proklamation der Regierung, „worin diese das gleichmütige Volk gar nötlich ansang, daß es doch seiner Bürgervslicht genügen, (ein Ehrenrecht gebrauchen möchte, und dem Achtzigjährigen ist bei diesen Dingen immer noch so feierlich zumute, „als ob das Gewissen des Landes selbst redete".
Immer ist die Wahlzeit eine Periode der Erregung gewesen: die Massen, zur Urne gerufen, werden sich über Nacht ihrer Wichtigkeit bewußt, und der Ehrgeiz des Einzelnen, des Kandidaten und des Wahlredners, entfesselt sich; Agitation und Leidenschaft enthüllen den Wesenskern des Menschen, die Larve der Konvention fällt, und in der Entscheidung des Wahlkampfes offenbart sich
sozusagen der nackte Mensch. Bewährt er sich auch in dieser politischen Hochspannung oder versagt er? Das i t das Problem, das sich im Grunde die Dich- ter immer gestellt Haden, wenn sie den Wahlkampf im Buch oder im Drama zum Vorwurf sich nahmen.
Dickens freilich, der seinen „Pickwikiern" den wichtigen Tag der Wahl von Cantanswill vorführt, geht sanft und liebevoll, zärtlich und mit seinem behaglichen Humor um dieses menschliche Problem herum. Mag auch der Bürger wähnen, die Augen des ganzen Europa seien jetzt auf ihn gerichtet, mag er sich stolzgeschwellt einbilden, die Welt harre seiner Abstimmung — es bleibt im ganzen doch gemütlich und arglos, das vergnügte Volk des „merry ola England“, es freut sich an Umzügen, Volksfesten und ein wenig Prügelei. Dickens kann leise und ein wenig ironisch über dieses Treiben lächeln, dem noch der hastige Schlag der nervösen Gegenwart fehlt. Die klassische Wahlkomödie hat Gustav F r e y t a g mit seinen „Jour- nötigten" geschrieben, in denen zum erstenmal die Bedeutung der Presse im Wahlgang geschildert wird. Nur, daß der Wähler von heute sich nicht mehr so harmlos und leicht fangen läßt wie der rundliche Weinhändler und Wahlmann Piepen» brinck: nur, daß dem Publikum von 1932 das Tempo und die Mittelchen, mit denen dort gearbeitet wird, schon reichlich primitiv und simpel erscheinen müssen. Dickens und Freytag, zeitlich nicht weit voneinander entfernt, nehmen die Erscheinungen der Wahlzeit noch mit liebenswürdigem Lächeln hin, die Sonne ihres Wohlwollens scheint gleichmäßig über allen Parteien, sie entscheiden sich nicht, obwohl es um eine Entscheidung geht — die Kritik fehlt.
Die Kritik übt Ibsen. Er arbeitet voll und mit Bewußtsein heraus, was seine Vorgänger nur anbeuteten. In seinem „B und der Äugen d", einer eminent politischen Komödie, hat sich der Rechts- — mr ii ii ' ii■■■ ii
weih, besonders. Er hatte sich mit viel Phantasie in die Verfassung des jungen Burschen hineingelebt und verstand es. die einzelnen Stadien seiner inneren Entwicklung glaubhaft zu machen. Sn scharfem Kontrast stellte' er das gedrückte, verschüchterte und verprügelte Wesen des Sungen seiner unvermittelt ausbrechenden Lebenslust und später der Verstörtheit, der Angst und der Verzweiflung gegenüber, die keinen Ausweg mehr zu finden glaubt als den Sprung in die dunkle Tiefe.
Eine besonders in den ersten Szenen recht wirkungsvolle Leistung zeigte Kühne als Ordinarius Dr. Sehfert: er bemühte sich höchst anerkennenswert, die immer peinlicher demaskierte Erscheinung dieses Sugenderziehers aus dem Satirischen ins Menschliche hinüberzuspielen.
Maria- Koch gab die Filialleiterin Selma Schwan, das „Fräulein aus dem Laden"; sie vermochte die sehr gegensätzlich sich äußernden Empfindungen eines armen und vorn Leben ziemlich unfreundlich behandelten Alltagsgeschöpfes mitfühlen zu lassen: die erste warme Regung für Öen Sungen, die sich bald zwischen Mütterlichkeit, Mitleid und Sohannistrieb nicht mehr zu'- rechtfindet, später die bittere Enttäuschung, die sich in gehässigen Drohungen und Beschimpfungen entlädt.
Agathe Walther-Lederer gab knapp und scharf den gut beobachteten Typ der ältlichen Haushälterin: Heys er betonte in der Darstellung des Vaters den verknöcherten Berufsmenschen und den kleinbürgerlich-diktatorischen Haustyrannen. Die Gymnasiasten, ein hübsch abgestuftes Kollektiv: Sanscheck, Paetsch, M i ch e l, B r u ck, E ch m i d t. Sn kleineren Aufgaben bewährten sich Hauer (Dr. Scriba); Frl. Wie'lander (Anna); Geiger (Verkäufer) und V o l ck (Geschäftsführer). —
Der kräftige Beifall schien in erster Linie der Aufführung zu gelten. hth.
Rußland und das polar-Iahr.
Für das Snfernationale Polar-Sahr, das in diesem Sahre zur Erforschung der Pole begangen wird, hat Rußland die umfangreichsten und wichtigsten Vorbereitungen getroffen, wie der Direktor des Arktischen Snstituts in Moskau, Prof. O. U. Schmidt, in einer Darlegung der Pläne ausführt. Die ständige Forscherarbeit im Polarkreis, die in Rußland seit vielen Sahren betrieben wird, soll dadurch gleichsam gefrönt werden. Prof. Schmidt wird selbst eine Expedition auf dem starken Eisbrecher „Sibiriakow" auf einer Fahrt voy 15 000 Kilometer von Ar-
anroalt Stensgard im Wahlgang zu bewähren. Auch einer von bert Ibsen-Menschen, bie nach einem freieren unb besseren Dasein verlangen, aber er erstrebt bieses Ziel mit kleinlichen und lügnerischen Mitteln, unb ehe er noch gewählt ist, steht er als der betrogene Betrüger ba unb muß unter Hohngelächter abziehen. Dieses Spiel, das eine neue Periode der norbischen Bühne einleiten sollte, wurde bei ber Uraufführung (Christania, 1869) mit solchem Lärm begleitet, baß bie Fortsetzung bes Abends zeitweilig in Frage gestellt war, ba sich bie Linken unb Rechten in gleicher Weise getroffen fühlten: ein Beweis für bie überparteiliche Verbindlichkeit ber Komöbie. Auch im „Volksfeind" hat sich bas Volk zu entscheiben, ba ihm vom Babearzt Dr. Stockmann bie Frage vorgelegt wird, ob es bie gesundheitlichen Quellen noch länger als Heilbäder ausgeben will, oder bereit ist, für ihre Erneuerung Opfer zu bringen. In dieser ethischen Wahl wählt das Volk unmoralisch. Stockmann wird nieber» gebrüllt unb erkennt bie (freilich gar nicht in bie Wahlzeit passenbe) Schlußwahrheit, baß der stärkste Mann ber sei, welcher allein steht.
Aber Partei unb Wahl werben Entscheibung unb Wenbe in Subermanns politischem Drama „E s lebe bas Lebe n!", das bie Art ber heutigen Wahltechnik geißelt, die vergangene unb persönlichste Geheimnisse aus dem Leben des Gegners enthüllt, um ihn „unmöglich zu machen". Hier steht bie Wahlzeit einmal im Mittelpunkt ber dramatischen Handlung, um sie kreist alles Geschehen des Spiels, aus ihr kommt Unheil und Ende. Gewaltig unb zeitlos überragt alle Wahlbichtung ber Beginn bes zweiten Akts von Shakespeares „Corio l a n", ba ber Held, ber Retter des Vaterlanbes, ber Sieger in vielen Schlachten, nach altem Brauch auf dem Forum „im Gewand ber Demut" erscheinen und die einzelnen Bürger um ihre Stimmen bitten muß: eine demütigende Komödie, die ihm von dem Volk, das der Leistung des einzelnen immer mißtraut, mit raffiniertem Vorbedacht erschwert wird; bis aus Coriolans aufschäumender Wut über dieses unwürdige Spiel von den Dolkstribunen der Anlaß gesucht wird, das Volk wider ihn zu hetzen und bie Wahl für ungültig zu erklären. Aus diesem Konflikt leitet sich bann ber weitere Verlauf des «Dramas ab.
Episodenhaft drängt sich auch bie Wahl mit allen ihren Begleiterscheinungen in ben Roman Fontanes „S t e ch I i n" und Sudermanns „Tollen Professor", aber bie mobernsten Wahlbilber mit ihrem Aufgebot von Menschen, ihrer überhitzten Atmosphäre unb allem Tumult ber erregten Masse haben erst Toller in seiner politischen Revue „Hoppla, wir leben!" unb sein Regisseur Erwin Piscator mit seinen begleitenben Filmstreifen auf bie Bühne gebracht, bie aus ber Hinbenburgwahl von 1925 stammten. So zieht sich bie Behanblung des Wahlthemas burch bie Literatur aller Zeiten, oerschiebenartig spiegeln sich ihre Erscheinungen in ben Köpfen ber Dichter, immer aber ist sie, wie es in ihrer Art liegt, auch im Buch und auf ber Bühne politische Entscheidung unb persönliches Erlebnis.
Oie Einführung der deutschen Amtssprache in Südwest.
Kapstadt, 19. April. (Täl.) Sm füöafrifani- s<hen Aepräsentanten h au s erhob der Führer der südafrikanischen Partei, General Smuts, scharfe Vorwürfe gegen die Regierung wegen ihrer Zustimmung zumGebrau-ch der deutschen Sprache als dritte Amtssprache in Südwestafrika. Die Einführung der deutschen Sprache, so erklärte General Smuts, werde sehr kostspielig sein. Es fei klar, daß bei Durchführung der Bestimmung die Deutschen in Südwest afvika bevorzugt würden, während die aus Südafrika kommenden Beamten ungünstiger behandelt würden, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig seien. General H e r h o g verteidigte die Maßnahmen der Regierung und betonte, daß Südwestafrika selbst seine Beamten be- zahle und daher in bezug auf deren Ernennung und Auswahl freie Hand habe.
changel nach Wladiwostok durch die Behring- Straße führen. Bis nach Nord-Land, einem großen Gebiet, das nördlich von. der arktischen Küste Sibiriens liegt, wird fein Schiff von einem andern Eisbrecher, „Rusanow", begleitet, das unter Führung des bekannten Polarforschers Prof. Samoilowitsch steht, der einen Teil ber Nobile-Expedition rettete. Eine Aufgabe der Expedition besteht darin, eine Gruppe von Polarforschern abzulösen, die unter der Leitung von Uschakow die unbekannten Wüsten des Nord- Landes feit zwei Sahren untersucht haben: sie haben dabei eine Entfernung von 6000 Kilometer zurückgelegt, dieses Gebiet kartographisch ausgenommen und geologische Untersuchungen gemacht. Aschakow und seine Mitarbeiter entdeckten, daß das Nord-Land durch eine Wasserstraße, die im allgemeinen in ostwestlicher Richtung verläuft, in zwei Teile getrennt wird, und wenn die „Sibiriakow" nicht die gefährliche und gewöhnlich ganz vereiste Straße passieren kann, die das Nord-Land von dem sibirischen Hauptland trennt, dann wird sie versuchen, ihren Weg durch diese kürzlich entdeckte Straße zu nehmen. Während die Expedition auf der „Rusanow" auf dem sibirischen Kap Scheloskin bleibt, um den Bau einer neuen meteorologischen Station zu überwachen, wird die „Sibiriakow" an der Nord- füfte Sibiriens entlang fahren, die Mündung des Lena-Flusses erforschen und schließlich ihren Wog an der Küste des Stillen Ozeans nach Wladiwostok suchen. Das Schiff ist mit Rundfunk-Apparaten und mit Flugzeugen sowie mit Vorräten für 15 Monate ausgestattet, um im Notfälle in den Polar-Gewässem überwintern zu können. Die Sowjet-Union unterhält feit einiger Zeit die nördlichste meteorologische und Rundfunk-Station in der Welt auf der Hooker- Snfet in Franz-Sosef-Land, und das Personal dieser Station wird während des Polarjahres von 9 auf 20 Mann erhöht: zugleich wird eine Wetterwarte auf der Rudolf-Snsel im nördlichen Teil des Franz-Sosef-Landes in der Nähe des 82. Breitengrades eingerichtet. Ein Wasserflugzeug soll die Verbindung zwischen derHooker- und der Rudolf-Snsel Herstellen und Flüge zu wissenschaftlichen Zwecken ausführen. Außerdem wird eine arktische Station auf dem Gipfel eines 1200 Meter hohen Gletschers auf Rowaja Semlja geschaffen, die die Dicke des Gletschereises messen soll.
Oochschulnachnchten.
Der außerplanmäßige ao. Prosestor Dr. H. Graf von der Technischen Hochschule in Aachen ist zum Ordinarius für Mathematik an der Technischen Hoch- schul? in Darmstadt berufen worder^


